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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Zusammenarbeit jüdischer Zugend Von Walter Simon, Berlin. Ich will über eine neue, zionistische Zeitschrift sprechen, die „Jungzionistischen Blätter", die von Moritz Spitzer herausgegeben werden. Was sie erstrebt, sagt der Herausgeber in seinem einleitenden Aufsatz, „die Einheit des jungen Zionismus". Sie soll die junge, zionistische Generation zur Selbstbesinnung aufrufen, und den Bünden und Gruppen, in die sie zerfällt, immer wieder sagen, „daß es hier nicht um eine Formel geht, die man bekämpft oder anerkennt, ohne ryitzuspüren, daß es hier um das Entscheidende geht, daß in Wahrheit nicht ein jüdisches Palästina im Vordergrund steht: sondern ein Judentum, das im Begriff ist, unschönen Todes zu sterben, und nur durch das jüdische Palästina allein gerettet werden kann". Dieses Streben nach Einheit hebt die Zeitschrift über das Niveau eines kleinen Mitteilungs- und DishrssiANshlattes . eines Bundes heraus und macht sie tatsächlich zum Forum des jungen Zionismus, auf dem die Wortführer sämtlicher zionistischer Bünde ihre Anschauungen und Vorschläge äußern. Ueber den Inhalt dieser Aufsätze möchte ich hinweggehen — ich werde auf Wesentliches später zurüffkommen, — um auf einen Beitrag hinzuweisen, der uns! im Jli sicher wertvoll ist, den Briefwechsel zwischen Moritz Spitzer, dem Herausgeber, uvd Ernst Heinrich Seligsohn. Das Thema ist: Zusammenarbeit zwischen zionistischer und liberaler (deujsch-jüdischer) Jugend. Die Veröffentlichung geschah, ,^m die Teilnahme dritter und vieler an diesem Gespräch, das noch nicht abgeschlossen ist, zu wecken"; — und diese Begründung führt mich dazu, mich über den Rahmen einer Besprechung heraus mit diesen beiden Briefen auseinandersetzen. Ihr Inhalt ist in Kürze etwa der: Ernst Heinrich Seligsohn spricht von dem gleichzeitigen Bemühen der beiden, zionistischen und nichtzionistischen, Richtungen jüdischer Jugend, das Judentum in seiner ganzen Ausdehnung durchzuleben und zu neuer Blüte zu bringen („jüdische Tat") und fragt, warum trotz des gemeinsamen Weges kein Zusammenwirken zustande komme. Im Aelterenbund der Kameraden hat man besonders klar auf der Dessauer Tagung gezeigt, daß man den Zionismus als einen Weg zur Lösung der Judenfrage anerkennt; mit Recht wird betont, daß wohl die Mehrzahl der nichtzionistischen Jugend derselben Meinung ist. Damit ist auf unserer Seite die Grundlage einer Verständigung geschaffen. Wie aber steht es mit dem Willen nach Verständigung bei zionistischer Jugend? Man fragt bei jeder Gelegenheit der Fühlungnahme, wie groß wohl der Gehalt an zionistischen Elementen sei, und bezeichnet die Haltung unseres Kreises als Inkonsequenz und Stehenbleiben, geschweige denn, daß man ihr irgendeine Berechtigung, wenn auch nur für uns gültig, gibt. Besser als durch die einleitenden Programmsätze Moritz Spitzers kann diese Stellungnahme, die stets nur einen einzigen Weg für das Judentum sieht, nicht dargeftellt werden. — Moritz Spitzer spricht in seiner Antwort von der Verschiedenheit der Ziele, die wir erstreben, wenn er auch durchaus der Meinung ist, daß wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen können. Er bejaht sogar die Richtung, die wir einschlagen, soweit sie „jüdisch" ist, und bedauert, daß es für uns kein „Mehr" gibt, daß wir der seinigen entgegenhalten können, die wir, wie ausdrücklich betont, für „möglich" halten. — An dieser Stelle möchte ich eingreifen, und zuerst, vielleicht an Stelle langer Definitionen, einige Begriffsformulierungen voranstellen, die Martin Buber in einer seiner Reden gegeben hat. Er spricht von einer subjekttven und einer objektiven Situatton des Einzelnen zu seinem Volke. Die objektive ist abhängig von den drei Faktoren: Heimat, Sprache und Sitte, die subjektive, die er als die höhere dahinstellt, vom Blut. Diese zwei Situationen fallen bei uns Juden nicht zusammen und sind so die Ursache des Problems, das mit unserer Erscheinung verknüpft ist, der „Judensrage"; dessen Ungelöstheit sich wieder einmal in der Meinungsverschiedenheit zwischen zionistischer und nichtzionistischer Seite kundgibt, die besteht und nur durch gegenseitiges Verstehenwollen und -können durch Positiveres ersetzt werden kann. Bor 150 Jahren wurde der Schritt getan, der diesen Spalt zwischen objettiver und subjektiver Situation aufnß: wir, die wir uns bis dahin eng verschlossen hatten, begannen, uns mit der, deutschen, Umwelt auseinanderzusetzen; wir lernten Deutsch sprechen, und begannen den Versuch einer Synthese von jüdischer und deutscher Volkheit. Am Ende der Emanzipationsepoche, die uns den Sieg brachte, hatten wir das Ergebnis klar vor Augen: Unsere objekttve Lage, abhängig von den Faktoren: Sprache, Heimat, Sitte, wurde deutsch und ist es geblieben, die subjettive, die Blutszusammengehörigkeit, blieb jüdisch. Eine solche Lage ist in der Weltgeschichte nicht so selten, wie man annimmt; daß eine Gruppe von Menschen, zusammengehörig durch gemeinsame Herkunft, gemeinsame Ideen, in ihre bisher fremde Umgebung hineinwächst, und daß beide Teile durch diese Berührung sich gegenseitig befruchten. Brauche ich darzulegen, wie die Juden im deutschen Geistesleben wirken? Ein Aufsatz in der ersten Nummer der „Jungzionistischen Blätter" zeigt mir, daß dieses Zusammenwirken auch der zionistischen Jugend bekannt und klar ist: Es handelt sich um ein Sammelwerk über .die deutsche Jugendbewegung, in dem die zionistische Jugend als Vertreterin der jüdischen Jugendbewegung auftritt. Man soll in jüdisch-liberalen Kreisen — meiner Meinung übrigens mit Recht — darüber erstaunt gewesen sein, daß die Zionisten, „die sonst immer ihre Sonderstellung innerhalb der deutschen Kulturgemeinschaft betonen", sich hier auf einmal in ihre Mitte stellen. Diese Ansicht zwingt den Schreiber des Aufsatzes dazu, zu sagen, daß „die zionistische Jugendbewegung entscheidend von der deutschen mitgeformt worden ist", und er fährt fort: „Die kulturellen Beziehungen zu dem deutschen Volk, den Einfluß des deutschen gesellschaftlichen und kulturellen Lebens auf das jüdische in seiner Mitte haben wir nie geleugnet." Ms hierhin vielleicht stimmen unsere Ansichten überein. Der Schluß des Absatzes aber ist mir unverständlich: „Wir glauben, daß gerade unser Zionismus uns erst die innere Freiheit gibt, auch unsererseits an dem Leben hier schaffend Anteil zu nehmen." Verständlicher und klarer scheint doch unsere Begründung zu sein, mit der wir uns an der Wegtrennung wenden: Einen sozialen Zionismus, der bedrohten und bedrückten Glaubensgenossen aller Länder eine Heimstätte bieten will, begrüßen und unterstützen wir. Einen religiösen Zionismus, der sicher erneuernd und werteschaffend rm modernen Judentum wirkt, stehen wir sympathisch gegenüber. . Einen nationalen Zionismus aber lehnen wir ab. Daß die . Juden heute kein Volk bilden, scheint mir. sicher, daß sie eineK weben können, möglich. Die Bestrebungen aber, dies zu erreichen, eben der nationale Zionismus, beginnt folgendes: Er versucht, 1—2 Millionen Juden im eigenen Land heimisch zu machen und zu einer Volksgemeinschaft zu verschmelzen, und macht 13 Millionen Juden heimatlos. Wir deutschen Juden haben 150 Jahre um unsere Zusammengehörigkeit zum deutschen Bolle gekämpft, haben sie uns erkämpft, und sollten das Erreichte für ein ungewisses Schicksal, ein „Galluthleben" wieder aufgeben? Das ist die Grundfrage. Ihre Beantwortung wird noch erschwert durch die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern. In Amerika, wo sie vollkommen frei leben, gibt es einen Antizionismus nicht; man beachtet dort in liberalen Kreisen mehr die sozialen und religiösen Tendenzen und hilft um derentwillen. Wir in Deutschland müssen, wenn auch nicht in bedrohlichem Maße, uns immer wieder gegen antisemitische Angriffe wehren, die uns unsere Zusammengehörigkeit zum deutschen Volke absprechen. Der nationale Zionismus sagt das gleiche, ohne im Stande zu sein, die dieser Auffassung folgenden Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist eine Tragik, für die wir tiefstes Verständnis haben. Dieses Verständnis läßt uns wünschen, daß mit der Zeit andere Auseinandersetzungsmöglichkeiten gefunden werden zwischen den beiden Lagern, wie wir sie bisher gewohnt waren; und daß aus solchen Gesprächen eine Zusammenarbeit von gemeinsamen religiösen und sozialen Aufgaben erstehen möge. ★ Aus der Ili-Arbeit * Berlin. A e l t e r e n g r u p p e. Die Aelterengruppe des Jli-Berlin bildet eine Zusammenfassung aller Jlimitglieder, die den Jugendgruppen entwachsen sind, aber der Bewegung erhalten bleiben sollen. Wenn wir über dieselbe bisher nichts berichtet haben, so lag dies daran, daß die Tätigkeit unserer Gruppe etwa 3 Monate ruhen mußte, da Ernst H. Scligsohn die Führung nur bis zum Ende vorigen Jahres übernehmen konnte. Erst im Februar setzten wir unter Leitung von Ellen Littmann unsere Heimabende fort und ist die Beteiligung nach anfänglich schwachem Besuch jetzt allgemein rege geworden, so daß alle 14 Tage Zusammenkünfte zustande kommen. Wir besprachen an mehreren Abenden die Entstehung einer Religion im allgemeinen, beginnend bei der Hervorrusung religiöser Eindrücke und Gefühle im primitiven Menschen durch die Beschaffenheit und Ereignisse der Natur. Weiter sahen wir, wie sich dann später die Vorstellung von Göttern entwickelte und der Priesterstand sich bildete. Nachdem so das Gemeinsame bei allen Religionen festgestellt ist, wollen wir nunmehr aus die Grundzüge jeder einzelnen Religion eingehen. Die Betrachtung des ägyptischen Kults haben wir bereits hinter uns, es folgt Buddismus und die anderen nichtjüdischen Glaubenslehren, die wir jedoch stets vom Standpunkte unseres Judentums aus betrachten und daher dies auch als jüdische Arbeit ansehen können. Auf dem letzten Heimabend bildete ein Vergleich zwischen den Orientmenschen und denen des Abendlandes in Anlehnung an einen diesbezüglichen Aufsatz von Martin Buber unser Thema. Gleichzeitig haben wir, ausgehend von den Anregungen der letzten Generalversammlung, versuchstoeise Freitagabendseiern in unserer Gruppe wiedereingeführt, um unseren Mitgliedern eine derartige Feierstunde zu bieten, wenn auch dieselbe nicht ein Ersatz für die leider in den meisten jüdischen Familien fehlenden Freitagabende sein kann. Bei Betonung des rein Jüdischen liegt die Ausgestaltung vollkommen in unseren Händen und tverden uns erst die Resultate der kommenden Abende zeigen, welches die richtige Form für eine solche Feier ist und welchen Weg wir einzuschlagen haben. Sollten wir einen sicheren Weg gefunden haben und die Beibehaltung der Abende einem inneren Bedürfnis entspringen, so würden wir die Freitag-- abendfeiern zu einer ständigen Einrichtung in unserer Gruppe machen. Werner Basch. Gruppe Osten. Osten hat nach fast 2monatlicher Pause wieder mit der Arbeit begonnen. Für das Sommerhalbjahr finden die Heimabende teils ohne Führer, teils unter abwechselnder Leitung eines Aelteren statt. Daher kann die Gruppe sich nicht auf cin-- bestimmtes Programm festlegen. Auf 2 Leseabenden beschäftigten wir uns mit moderner Biographie: Emil Ludwig und Herbert Eulenberg. Wir lasen die Essays Lenin, Stein, Byron und Lassalle (Ludwig) und Leo Tolstoi (Eulenberg), gleichzeitig als Vorbereitung auf einen folgenden Heimgbend, der den Sozialismus als Thema haben wird. An einem weiteren Heimabend besprachen wir die politische Lage nach den Wahlen und kamen zu dem Ergebnis, daß das Wahlrecht sehr reformbedürftig sei, daß nach Männern und nicht nach Listen gewählt werden müsse. Martin Glaß. Pfingstfahrt. Mit vierzehn Teilnehmern unternahm der Berliner Jli eine 2t/2-Tagesfahrt durch den Fläming nach Dessau. Bei schönstem Wetter fuhren wir am ersten Tage bis Wiesenburg und liefen von da nach Lotzschke, wo wir in der Löns-Jugkndherberge einen richtigen Fahrtenabend mit Gesang und Klampfen verbrachten. Die durch die Ueberfüllung etwas primitiven Schlafräume hatten den Vorteil, daß morgens alles ziemlich früh zum Aufbruch bereit war. An diesem Tage liefen wir über Klepzig nach Coswig. Die Lustigkeit der Wanderung wurde durch einige Zwischenfälle, wie eingeschlagene Brillengläser, halbstündiges Suchen von Wasser und fünfzehn Minuten langen Regen nur gesteigert. Die Ankunft in Coswig war für diejenigen, die diese Jugendherberge schon kannten, sehr vergnügt. Sie besteht nämlich nur aus zwei Schlafräumen, alles Nebengelaß bieten Elbe mit grünem Strand, Straße und Wald. Infolge der Ueberfüllung, die natürlich Pfingsten auch hier herrschte, bekam nun nicht jeder ein eigenes Bett (resp. Strohsack) und eine eigene Decke. Eine große Entrüstung erhob sich. Mit warmem Tee wurde aber bald alles besänftigt, und am nächsten Morgen war auch aller Zorn verraucht. Unter dem Hohngelächter der andern, welche der irrigen Ansicht waren, daß das Elbwasser kalt sein müsse, wenn in Tliesengebirge Schneefälle sind, schwammen drei unserer „Jlioten" und machten die Erfahrung, daß das Wasser doch Balken hat. (Sogar mehr, als einem lieb ist.) Nach der Kakaokocherei — diesmal war er nicht angebrannt — gingen wir nach Wörlitz, besichtigten den Park und trennten uns dann: ein Teil lief, einer fuhr nach Dessau. Diejenigen, die gefahren waren, sahen sich die Stadt genauer an, wir anderen machten noch vor dem Mendelssohnhaus halt, und fuhren dann wieder nach Berlin zurück. Auf der Eisenbahnfahrt wurde dann noch über Fahrtentechnik gesprochen. Ein Jli-Mitglied, das früher viel gewandert ist, aber jetzt das erste Mal mit uns Jüngeren mitging, schilderte den Unterschied: „Wir sind mit Problemen gewandert, Ihr wandert mit Rucksäcken." Was ist wohl erholsamer? Wir stellten einstimmig fest, daß wir geistig erholt nach Haus kämen. Und die andern? -H. H. Fahrtenbericht. Velten — Fehlefanz — Oranienburg. 16.—17. Juni. Türen schließen! Abfahren! Alle Bedenken über Arbeitsversäumnis, schlechtes Wetter u. dgl. find vergessen und vor uns noch 2 volle Tage, die ganz anders sein werden als die gewohnten. Wer lange nicht draußen war, spürt den Unterschied besonders. Berlin liegt weit hinter uns, ich glaube wir hatten die große Stadt plötzlich vergessen. Landschaft, Landstraße, Wandern und Singen, wirklich oft nur diese, beschäftigten uns und machten uns über alle Maßen fröhlich. Fröhlich und herzlich ging es auf der Fahrt zu, fröhlicher und herzlicher in der Jugendherberge. Um unseren Tisch drängt sich ein Trupp Jungen aus hem Berliner Norden, schnell wurden wir gemustert, aber die Kritik scheint zu Unseren Gunsten ausgefallen zu sein, sie werden zutraulich, erzählen von ihrer Fahrt und sind uns beim „Abendessen" behilflich. Erstaunlich war es, wie sie sich untereinander aus Ungezogenheiten aufmerksam machten, wie sie auf Fährt sich selbst erziehen. In!,«« kleinen gemütlichen Herbergsraum sind die Kulissen schnell geändert. Der Eßraum wird im Nu zum Unterhaltungsraum. Eine Klampfe, eine Geige, ein paar schöne alte Weisen schaffen von. selbst eine Feierstunde, einfach und ungezwungen. Erst spät und ungern trennten wir uns. Daß der folgende Tag verregnete, ist bei der jetzigen Wetterlage nicht weiter verwunderlich und trotzdem war es schön; es regnete so regelmäßig alle Viertelstunde, daß wir uns jeweils bequem darauf einrichten konnten. (Technische Einzelheiten wollen wir geheim halten.) Erst spät abends kamen wir heim. Waren wir wirklich schon wieder in Berlin? Du liegst gleich unter einem Auw!! Wir waren in Berlin. N. B. Nichts Schönes kann man ungestraft genießen; man muß einen Bericht darüber schreiben. v. d. Z. Fahrt am 1. Juli 1928. Erst ganz zuletzt hatten wir uns entschlossen, am 1. Juli aus Fahrt zu gehen. Daher konnten nicht mehr alle Jli-Mitglieder benachrichtigt werden, und so zog nur ein kleiner Trupp von '6 Teilnehmern los. Bon Birkenwerder ging es über Teerosen, Zühlsdorf, Briese zurück nach Birkenwerder und von dort nach Hause. — Leider konnten wir unterwegs nicht schwimmen, was bei dem warmen Wetter wirklich schön gewesen wäre, weil die wenigsten Freischwimmer waren. Dieses nicht Schwimmen können stört so oft auf Jli-Fahrten, könnte dem nicht abgeholfen werden? A. N. Frankfurt a. M. An unserem letzten Heimabend sprach Frau Dr. Rose Hoffmann über „Das jüdische Kind". Es gibt wohl kaum ein Erziehungsproblem, das in diesem ausgezeichneten, feinsinnig durchdachten und mitgefühlten Referat nicht erwähnt worden wäre. Sei es der Antisemitismus in der Schule, sei es die zu frühe oder zu späte Aufklärung, sei es von den Eltern vermögender Kinder falsch anerzogener Stolz, der dem Hochmut gleichkommt, oder die zu große Demut und Unterwürfigkeit der ärmeren Kinder, die sie für das Leben unbrauchbar machen kann, das richtige Verhältnis zwischen Körperbildung und Geistespflcge, die Berufswahl, alles wurde angeschnitten, erörtert und versucht eine Lösung zu finden. Die Zuhörer folgten mit großem Interesse, das sich in der sehr lebhaften Diskussion zeigte, die nach dem Referat einsetzte. Allgemein wurde gewünscht, daß der Vortrag auch der größeren Oefsentlichkeit zugänglich gemacht werde, um einem vorhandenen Interesse entgegenzukommen und die beachtenswerten Vorschläge zur Lösung der Probleme bekannt zu machen. Jugendgruppe. Unsere Jugendgruppe entwickelt sich immer mehr, sowohl der Zahl der Mitglieder nach, als auch, was den Inhalt ihrer Veranstaltungen anbelangt. An zwei Nachmittagen wurde über jüdische Probleme mit einem Ernst diskutiert, ber älteren Jli-Mitgliedcrn Ehre gemacht hätte. Das Wochenfest und seine heutige Bedeutung gab Veranlassung, über die Feier historischer und landwirtschaftlicher Feste in unserer Zeit in übertragenem Sinne einer höheren Bedeutung zu erörtern. Wie weit die Meinungen auseinandergingen, wie sehr jeder das ihn Bewegende vertrat, war lebendiges Zeugnis für die seelische Bewegtheit dieser jungen Menschen und Beweis für die rechte Erziehungsarbeit, die wir leisten, indem wir diesem Bedürfnis Entgegenkommen Auch die Siedlungssrage wurde von der Jugend eifrigst diskutiert. Es ist für die verwöhnte Großstadtjugend schwer, sich rin Leben auf dem Lande vorzustellen. Aber die Frage, warum sie so an der Stadt hängen, läßt sie Nachdenken und den Zusammenhang mit Kultur und Zivilisation ausdecken. Aber auch Nachmittage ganz anderer Art sind für die Jugendgruppe geschaffen und werden eifrigst besucht (stets 20—30 Teilnehmer, oft mehr). Da ist eine Führung durch die Altstadt — Geschichtliches und Kunsthistorisches wird spielend kennen gelernt und das Wissen erweitert. Da wird ein Turm bestiegen und Geographie und Geschichte in Praxis erlernt. Da wird eine moderne Anlage, ein Flughafen besichtigt und so Wirtschafts- und technische Dinge erschlossen, über die sich nie jemand den Kopf zerbrochen ^Hätte. Geselliges Beisammensein, Tanz oder Vorträge belohnen für die Arbeit, soweit sie nicht ihren Lohn in sich selbst trägt. Dafür ist es Jugend und Jugend will und soll vergnügt und froh sein. Magdeburg. Radausflug der 3 Gruppen vom 3. Mai. Am Sonntag, den 3. Mai, unternahmen wir eine Halbtagsradtour nach Wahlitz und dem Forsthaus Klus. Da der Himmel zuerst nicht verheißungsvoll aussah, durften wir uns mit der etwas geringen Teilnehmerzahl zufrieden geben. Doch der Himmel klärte sich langsam auf, und wir hatten nachher wundervolles Wetter. Wir fuhren dann die Berliner Chaussee bis Heyrotzberge entlang, und bogen nach Königsborn—Wahlitz ab. Die Kirche von Menz, die hoch oben auf einem Berge lag, diente als Wegweiser. Von Wahlitz, ab ging der Weg durch weiten Kiefernwald, der dem östlichen Elbetal sein Gepräge gibt. Dort machten wir Rast, frühstückten, photographierten und nachdem sich die Jungen und Mädels gegenseitig eine wilde Schlacht mit Kienäpfeln geliefert hatten, ging die Fahrt weiter. Wir kamen um V»12 Uhr in der Klus an, radelten ohne großen Aufenthalt über Prester und Krakau den heimatlichen Pennalen zu, so daß wir um h^l Uhr an Ort und Stelle waren. Hans Erwin Teller. Radausflug der Jugendgruppe am 31. Mai. Am Donnerstag, den 31. Mai, Vs9 Uhr, versammelten wir uns zu einem Radausflug am Staatsbürgerplatz. Um ^9 Uhr fuhren wir dort ab. Die Sonne schien warm, und es sah aus, als wenn ein schöner Tag uns beschert würde. Wir radelten zuerst über die Nordbrücke nach dem Herrenkrug. Von dort aus fuhren wir auf einem Radfahrwege an der Elbe entlang. Der Weg führte meist durch Wiesen. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir nach Lostau. Wir hielten vor dem Dorfe an und lagerten uns am Elbufer, um zu frühstücken. Wir beschlossen dann, über Gerwisch nach Magdeburg zurückzukehren. Auf dem Wege zwischen Lostau und Gerwisch kamen wir durch sandige Gegend. Der Sandboden war an vielen Stellen mit Kiefern bewachsen. Als wir hinter Gerwisch waren, verdunkelte sich der Himmel und wir fuhren schneller, um Biederitz noch vor dem Regen zu erreichen. Und dieses mit Recht, denn im Dorfe überraschte uns der Regen und wir mußten einkehren, bis es aufgehört hatte. Dann fuhren wir durch den Biederitzer Busch zum Staatsbürgerplatz zurück. Wir waren mittags pünktlich zu Hause, und trotz des Regens hat es allen gefallen. Hilde Bormann Tuberkulose-Lotterie Die Ziehung ist bis zum 26. September verschoben. Der Jli hat von den 50 ihm — wie allen Jugendbünden — zugeteilten Losen bisher erst 14 vertrieben. Wer irgendwie Möglichkeit hat, an Verwandte oder Bekannte ein Los (zwei Mark) zu verkaufen, wende sich an Betty Markus. 44444»»MMM»+»»»»+4M444 4M»MMMMMMMMM*MM * | Frage-Ecke ♦ ♦♦»♦»»»♦♦»»♦»♦♦♦MMMMMMMMMMMMMMMMMM Unter dieser Rubrik sollen künftig Fragen ausgenommen werden, die im Rahmen der Jli-Arbeit liegen und für einen größeren Kreis des Jlis von Bedeutung sein können. Bor auem geht an die Jüngeren die Bitte, von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. Vielleicht läßt sich auch von hier, durch Fragestellung und Beantwortung, eine bessert persönliche Fühlungnahme der einzelnen Jli-Mitglieder ermöglichen. Die Schristltg.

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