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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise -in der Ernte." Hanns Heinz Ewers belehrt nun den König Salomo, daß das Ameismvolk allerdings weder Hauptmann noch Herrn noch Fürsten hat, wohl aber eine Königin, so Äel wie die Königin von Saba, die dem königlichen Weisen befreundet war. Andererseits wieder muß auch Ewers dem König Salomo recht geben, denn: „diese Königin von Emsenland gibt keine Befehle, schickt niemanden aüs, Körner zu sammeln zur Erntezeit. Die Mutter-Königin ist nur das lebende Symbol für den Staatsgedanken des Ameisenvolkes: in jeder einzelnen Bürgerin lebt der Geist, für die Gemeinschaft zu arbeiten, keine benötigt dazu einen Befehl ivon Herren und Hauptleuten." — Soweit von König Salomo. Was aber den Talmud betrifft, so ist bekannt, daß er in zwei Teile zerfällt, in „Halachah" und „Agadah"., Die Halachah ist ein steiniger Weg; die Agadah aber ist (nach Heine) ein Garten, worin holde Blümelein sprießen. Hanns Heinz Ewers wendet sich der Halachah zu und zitiert folgende Mischnah: „Die Körner in den Ameisennestern, die sich innerhalb des stehenden Getreides vorfinden, gehören dem Eigentümer (des Feldes). Befinden sie (die Ameisennester) sich aber hinter den Schnittern, so gehört das Obere (d. .h. das oben am Eingang liegende Korn) den Armen; das Untere (in den Kammern befindliche Getreide) dem Eigentümer. Rabbi Meir dagegen sagt: „Alles gehört den Armen, denn zweifelhafte Nachlese gilt als Nachlese." Traktat Peah, Perek IV, Mischnah II.) Zu dieser Mischnah macht Ewers folgende treffliche und dazu echt rabbinische Bemerkung: „Um das verstehen zu können, muß man wissen, daß das mosaische Gesetz gebietet, daß drei Dinge bei jeder Ernte nicht dem! Feldbesitzer, sondern den Armen gehören: die Nachlese (also das, was die Schnitter fallen lassen), das Vergessene (das sind die Garben, die versehentlich liegen bleiben) und eine Ecke des Feldes, die man ungeschnitten für die Armen stehenlassen mußte. Die Körner nun, die oben beim Eingang des Ameisennestes liegen, haben die Schnitter bei dem Einbringen der Garben fallen lassen — das ist also regelrechte Nachlese, die stets den Armen gehört. Das Getreide aber, das sich in den Kornkammern unten im Neste befindet, kann schon vor der Schnitterarbeit von den Emsen eingebracht worden sein. Ist also das Getreide noch nicht geschnitten, so gehört dies Korn dem Eigentümer, da ja bis dahin von einer Nachlese noch nicht die Rede sein kann. Ist aber das Feld ^gemäht (sind die Nester hinter der Reihe der Schnitter), so gehöre das Obere zweifellos den Armen, das Untere dem Eigentümer. Dies letztere wird nun von einigen Gesetzesauslegern bestritten; so sagt Rabbi Meir (der die Ansicht vertritt, daß „zweifelhafte" Nachlese zugunsten der Armen als regelrechte Nachlese betrachtet werden soll), daß auch das Untere den Armen gehöre, weil es möglich sei, daß einige Körner in den Kornkammern erst nach dem Schneiden des Getreides von den Ameisen eingebracht worden seien." Zum Schluß bemerkt Ewers ein wenig sarkastisch, daß allzuviel .Freude weder die Armen noch der Eigentümer des Feldes von dieser Gesetzesbestimmung gehabt und daß sich die Gesetzeslehrer höchstens theoretisch gestritten haben werden; denn es sei gar nicht so leicht, so ein Nest auszugraben, um die Kornkammern zu finden, und die paar Handvoll Weizenkörner lohnen dazu die Mühe nicht. * Zu diesem Ewers'schen halachischen Exkurs möchte ich ergänzend einiges aus der Agadah hierherfetzen. Die Agadah, das ist derjenige Teil des Talmud, der Philosophie, Naturwissenschaft, Dichtung, Morallehre, Spruchweisheit und ähnliches enthält, beschäftigt sich mit der Ameise viel eingehender als die Halachah. Zunächst sei festgestellt, daß der Talmud die geflügelte Ameise nicht kennt, dagegen weiß er über mehrere Gattungen der Ameisen wie die große Ameise, die weiße Ameise, den Ameisenlöwen und die Termiten einige interessante naturhistorische Angaben zu machen. Im Traktat Pelachim 24 a wird erwähnt, daß die Ameisen mehr (den Schatten als das Sonnenlicht lieben. Hanns Heinz 'Ewers versichert, daß der Nutzen, den uns die Ameise bringt, viel größer sei als der Schaden, den sie anrichtet. Der Talmud ist hierin entgegengesetzter Ansicht. Der Talmud hält die Schädlichkeit der Ameisen für so groß, daß er sogar gestattet, einen Ameisenhaufen an einem Mittelfeiertag zu vernichten. Zur Vernichtung eines Ameisenhaufens gibt der Talmud ein probates Mittel an: Man hole von mehr als einer > Meile einen zweiten Ameisenhaufen herbei, dann entsteht zwischen beiden Ameisenhaufen ein regelrechter Krieg, in dem sie einander ausreiben. Wird indes der zweite Ameisenhaufen aus einer geringeren Entfernung herbeigeholt, so kommt es zu keinem Kampf, da in diesem Falle die Ameisen einander kennen und sich gut miteinander vertragen. (Moed Katan 6.) An einer andern Stelle wird folgende Sage erzählt:^ Der Riese Og, der König von Basan, wollte auf das Volk Israel einen großen Berg werfen. Gott aber ließ den Berg von einem Ameisenhaufen durchlöchern und das Haupt Ogs geriet bis an den Hals in gelockerte Erdmasse. (Berachoth 54 b.) Näheres über diesen Gegenstand findet man in dem vortrefflichen, 1854 erschienenen Buch von Dr. L. Levysohn: „Die Zoologie des Talmud". Wie weit die Anschauungen des Talmud mit den heutigen Forschungsergebnissen übereinstimmen, darüber mögen die Fachgelehrten urteilen. Um aber auf König Salomo und die Ameise und Hanns Heinz Ewers zurückzukommen, so möchte ich hier noch daran erinnern, daß der Spruchdichter in seinen Sprüchen unter „viere, die klein auf Erden sind und klüger denn die Weisen" an erster Stelle „die Ameise" rechnet. Das ganze Buch von .Hanns Heinz Ewers bestätigt diesen Ausspruch des königlichen Weisen. Kaddisch Von Alexander Kajiz. Nacht um Nacht ging eine schlohweiße Gestalt auf die Wanderschaft, um Holz und Kohle zu sammeln. Steppen, Felder, Wälder und Städte durchquerte sie suchend. Auf ihrem Nacken hing ein Sack, darin sie jeden Span und jeden Kohlensplitter hineintat Vornehmlich suchte sie Holzhäuser an Bahnhöfen, Fabrikgebäuden, Kohlen- und Hölzlagerstätten auf. Nachte, wenn fächelnde, rabenschwarze Stille über eine solche Stätte gestülpt hing, schlich sie sich vorsichtig und lautlos ein. Alsdann nahm sie den Sack von ihren Schultern, fffllte ihn mit Holz und Steinkohlen, lud ihn wieder auf d^e Schultern und ging. Gebeugt und lastgekrümmt schritt sie dann lautlosen Ganges weiter durch die Landstraßen. Zuweilen begann die seltsame Gestalt auf dem Wege Wind, Wolken und Himmel anzuheulen und seufzende, klagende Worte zu sprudeln: „Feuerhände recken sich aus gurgelnden Schlünden. Wieder werden sich Höhlen aufstülpen... Untiere klappen große dampfende Rachen auf... Ich wälze mich, kollere mich, schleife mich durch greifende Ewigkeiten.. Feuerheulende Unterwelten höhnen mir nach — — — Skorpione beißen und jucken in der Kehle.. Tobende Flammen grinsen herbei, kreischen vor Haß... O seht, seht, mein Leib ist voll Borken und Risse... Aussatz und Räude...!!!". Also klagte die Gestalt schreitend. Ihre welken, bröckelnden Zähne schlugen fröstelnd aufeinander und ihre fiebernden Gelenke klappten... Wehende Winde sogen ihre Worte in sich ein und trugen sie davon. Kein Mensch vernahm sie. * Gerson Bonin, ein siebenundzwanzigjähriger Arbeiter in einer Kohlengrube, mit einem lachsfarbenen Fleck an der rechten Schläfe, saß mit rußgeschwärztem Gesicht an einem Tisch im Wirtshaus und sann. Er verriegelte seine Sinne für das ringsumher quellende Geschehen und seine Gedanken wirbelten wie Mückenschwärme um ein Erlebnis aus der letzten Stunde. Wie Funken zischten nun die Bilder des Erlebnisses in seinem Hirn. Er begann sich darauf von Anfang an einzeln zu besinnen: Um die zehnte Nachtstunde — genau vor einer Stunde — war es. Er war mit seiner Arbeit fertig und wollte als erster heimgehen. Er geht durch den dämmerdunklen Hof. Kein Mensch ist jetzt im Hof. Und auf einmal sieht er jäh zwischen aufgeschichteten Hölzern eine Gestalt, in weiße Gewänder gehüllt, einen Sack in der Rechten tragend — ganz genau wie er sie gestern nacht im Traum gesehen — vorüberhuschen. Dann füllte die Gestalt den Sack mit Kohle und verschwand mit einem Male mit dem gefüllten Sack, als der Schatten von Gerson sichtbar wurde. In ungewöhnlicher Angst stieß er, Gerson, einen fürchterlichen Schrei aus. Dann floh er in rasender Hast und Angst ins Wirtshaus. Fast in auslöschender Ohnmacht sank er auf einen Stuhl, und jetzt sitzt er hier im Wirtshaus und... ja, ist er wirklich hier im Wirtshaus? Er schaut eine Weile umher. Er sieht Rudel von Arbeitern an den Tischen sitzen, trinken, spielen und schwatzen. Dann schreit er laut: „Noch einen Korn!". Er bekommt ihn. Er trinkt. Also — er ist doch wirklich im Wirtshaus... Er beginnt noch einmal die Einzelheiten seines Erlebnisses sich der Reihe nach aufzusagen. Er betritt den Hof, um durch ihn heimzugehen. Wie gewöhnlich. Er geht einige Schritte, eigentlich ein wenig in Gedanken versunken. Und plötzlich — dort, drüben, zwischen den Holzschichten — eine Erscheinung! Er bleibt einen Atemzug lang stehen, er will seinen eigenen Augen nicht trauen.. Dann, nach einer Weile, sieht er wieder dieselbe Gestalt, schlohweiß und mit einem Sack in der Hand — genau wie er sie gestern im Traum gesehen — über die Bretter klettern und den Sack füllen. Und dann, als er, Gerson, mit seinen Füßen auf den Boden zu stampfen beginnt, verschwindet sie lautlos und unsichtbar. Er sieht sie nicht mehr. Er geht, fast stolpernd, ins Wirtshaus. Er setzt sich hin. Er vergleicht das Geschehene mit dem gestrigen Traum. Und ihm ist es, als hätte der gestrige Traum mit dem heutigen Erlebnis einen Zusammenhang, als wäre das heutige Erlebnis eine Fortsetzung, ein weiteres Glied in eine große Kette, die sich um ihn schmiegt. Oder war das heutige Erlebnis ein Schabernack, das ihm irgend ein Bub gespielt? Aber nein! Er hat doch dieselbe, genau dieselbe Gestalt wie im Traum gesehen. Es waren doch dieselben Bewegungen, dieselben Schritte, dasselbe unsichtbare Gesicht wie im Traum. — Was hat er denn geträumt? Er stieg in Erinnerungen hinab, er begann die Bilder aus dem Traum zu schälen. Vor ihm stand eine unsichtbare weiße Gestalt, deren Umrisse wie die eines abgeschiedenen Geistes waren. In der Rechten trug die Gestalt einen Sack, gierig suchte sie im Raume herum, hob jedes Stück Papier, jeden Span, den sie im Raume fand, auf und legte es in den Sack. Dann stellte sich die Gestalt wieder vor ihm hin und betrachtete ihn ganz sonderbar. Klagende Worte entfuhren sodann ihrem Munde: „Ruhelos kollere ich mich von Ort zu Ort. Nacht um Nacht muß ich auf die Wanderschaft gehen, um Kohle und Holz zu suchen... Und du — du könntest mir helfen!"... Bei diesen Worten verschwand die Gestalt und Gerson erwachte jäh... Sinnend und ein wenig verwirrt verließ Gerson Bonin das Wirtshaus. Er sann noch immer über den Zusammenhang zwischen dem geheimnisvollen Traum und dem sonderbaren Erlebnis. Von nun an wiederholte sich Tag um Tag dasselbe. Nachts träumte Gerson Bonin von der schlohweißen Gestalt. In seiner Stube suchte sie ihn auf, stöberte im Raum umher, las alle Späne zusammen; stellte sich dann neben ihm und rief ihm zu: „Sieh, wie ich leide, sieh, wie ich aussehe, du, du kannst mir helfen." Gerson wollte manchmal schreien und etwas rufen, aber er war erstarrt vor Schrecken und mit Stummheit geschlagen. Indes war immer die Gestalt schon verschwunden, — und er erwachte bald. Abends, Tag für Tag, begegnete er der Gestalt im Hofe, sah dieselben Bewegungen und hörte dieselben Worte. Gerson war beklommen über das, was er täglich erlebte. Entsetzen überschattete seine Züge und Bestürzung fiel in sein Hirn. Gerson Bonin ging zum Rabbi, der weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus als Gottesgelehrter, Wundertäter und Helfer bekannt war; erzählte ihm, daß eine unbekannte Gestalt ihn Tag und Nacht verfolge und bat den Rabbi um Hilfe. Der Rabbi fragte den Bittenden, ohne ihn anzusehen: „Wer bist du?" „Ich heiße Gerson Benin", erwiderte der Fremde und seine Stimme hatte einen bebenden Klang. „Wie alt bist du?", fragte der Rabbi weiter. „Siebenundzwanzig Jahre." „Wie heißen deine Eltern?", sprach die Stimme des Rabbi. Der Gefragte erschauerte strudelnd tief und sprach wie zu sich selbst: „Ich habe weder Vater noch Mutter gekannt. Eine alte Frau, die mich großzog, nannte mich Gerson Bonin. Sie erzählte mir immer, daß meine Eltern in Amerika seien und bald wieder zurückkehren würden. Als sie sterben ging, rief sie mich an ihr Totenbett und flüsterte mir ins Ohr: „Deine Eltern, Gerson, habe ich nie gekannt, ich fand dich eines Tages auf dem Felde, nahm dich zu mir und zog dich groß." Dann gleich nach dem letzten Wort, hauchte sie ihre Seele aus. Der Rabbi blickte auf zu Gerson Bonin und schwieg einige Herzschläge lang, dann sprach er: „Heute abend, ehe du den Hof verläßt, werde ich mich dorthin begeben und mit der unbekannten Gestalt, falls sie heute wieder erscheint, reden. Friede mit dir!". Etwas erleichtert verließ Gerson Bonin das Haus des Rabbi. Am späten Abend lauerten im dämmerkunklen Hof, hinter einem Versteck, der Rabbi und Gerson Bonin. Der Rabbi riet Gerson Bonin, er möge beim Erscheinen der seltsamen Gestalt völlige Ruhe bewahren und ihm, dem Rabbi, alles überlassen. Es vergingen kaum Minuten, da erschien die Gestalt, schleichend, in weißen Gewändern. Des Rabbi Pupillen weiteten sich, er gab keinen Laut von sich. Dann sah er, wie die weiße Gestalt mit langsamen Schritten sich an eine Holzschicht heranschlich, einen Sack von ihrer Schulter abnahm, Holz und Reisig in ihn hineintat, ihn alsdann auf ihre Schulter lud und davongehen wollte. Im gleichen Augenblick verließ der Rabbi sein Versteck, trat rasch der unbekannten Gestalt in den Weg und rief ihr laut zu: „Fremder Geist, wer bist du?". Die Gestalt tat einen Schritt, wollte davonlaufen, blieb aber wie gebannt stehen und sah den Rabbi schweigend an. „Fremder Geist, wer bist du, sprich, wer bist du?" wiederholte der Rabbi mit lauter Stimme. „Ich bin ein abgeschiedener Geist", gab die Gestalt zurück und ihre Stimme hatte einen rissigen Klang. „Wie heißt du?", scholl die Stimme des Rabbi. „Ich heiße Schimon ben Abraham Hakohen." „Was suchst du hier?". „Ich suche Holz und Kohle. Nacht für Nacht muß ich auf die Wanderschaft gehen, um für die Höllenfeuer, die mich quälen und peinigen, Brennstoff zu suchen." „Was weißt du von deinem Erdendasein?", drang der Rabbi weiter in ihm. Röchelnden Atems antwortete die rissige Stimme: „Ich war Schneider und kam in viele jüdische Häuser. Einmal wurde ich nach einer anderen Stadt gerufen, um in einem jüdischen Hause Hochzeitskleider zu nähen. Da lernte ich ein junges jüdisches Mädchen kennen, das sich bald in mien verliebte. Ich versprach dem Mädchen die Heirat und tat ihm eines Tages Gewalt an. Ein Jahr später kam zu mir das Mädchen mit einem Säugling im Arm und sprach: „Das ist dein Sohn!"... Ich leugnete und wollte nichts wissen und ging nach einem anderen Ort. Von nun an quälte mich das Gewissen und ich starb bald vor Schmerz. Als man mich in den Vorsaal nicht eingehen ließ und mich in die Höllengrube, wo alle unvollkommenen, zerrissenen Seelen schmachten, warf, rief ich, daß ich einen Sohn auf Erden habe; aber man rechnete es mir nicht an, denn mein Sohn wußte von mir nicht und sprach kein Gebet für mich. Seit Jahren wandere ich umher, meinen Sohn suchend, manchmal glaubte ich ihn gefunden zu haben, aber er verstand mich nicht, wenn ich zu ihm sprach.." „Wie sieht dein Sohn aus?", forschte der Rabbi. „Ich kann mich seines Antlitzes nicht entsinnen, aber ich weiß nur noch, daß er an der rechten Schläfe einen roten Fleck hatte", gab der Tote zurück. „Was soll ich ihm sagen, wenn ich ihn finde?", fragte der Rabbi. „Sagt ihm, daß ich ihn um Verzeihung bitte", bat der Tote. Der Rabbi wollte den Toten noch etwas fragen, aber der verschwand nun in demselben Augenblick, dem Rabbi von fernher zurufend, daß er in die Hölle zurück müsse. Der Rabbi nahm sofort Gerson Bonin an der Hand, führte ihn ins Lehrhaus, wo immer zehn Personen zusammen waren, lernte mit ihm ein Kapitel Mischnaioth und ließ ihn daraufhin das Kaddischgebet 'sprechen. Von nun an sprach Gerson Bonin ein Jahr lang das Totengebet, und niemals mehr erschien ihm die seltsame Gestalt im Traume oder im Hofe. Nur beim Rabbi erschien eines Nachts einmal dieselbe Gestalt, erzählte ihm, daß sie nun endlich Ruhe gefunden habe, drückte dem Rabbi die Hand und dankte ihm und verschwand.... *;! BÜCHERSCHAU Encyclopaedia Judaica. Soeben ist im Verlag Eschkol A.-G.-Berlin der zweite Band der „Encyclopaedia Judaica" zur Ausgabe gelangt, deren erster Band bekanntlich vor sechs Monaten erschienen ist. Dieses auf 15 Bände berechnete, in seiner Weise einzigartige Werk unternimmt, zum ersten Mal in deutscher Sprache, den Versuch, unter Mitarbeit führender jüdischer und nichtjüdischer Gelehrten aller Länder, den gesamten Wissensstoff über das Judentum zu sammeln und rein objektiv und wissenschaftlich zur Darstellung zu bringen. Das Erscheinen des ersten Bandes hat in der gesamten Öffentlichkeit stärkste Aufmerksamkeit hervorgerufen. Der zweite Band, der die Artikel Akademien — Apostasie umfaßt, enthält mehrere besonders wichtige und interessante Monographien, so u. a. über: Alphabet, Akzente, Alexandrien, Amoräer, Anthropomorphismus, Antisemitismus, Apokalyptik, Apologetik und Apostasie. Die weiteren Bände erscheinen in Abständen von je sechs Monaten. Rätsel-Auslösung aus voriger Rümmer Weltkonferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum. 1. Wiclif. 2. Efendi, 3. Lagbeomer, 4. Tamar, 5. (Kollege, 6. Orgel, 7. Noemi, 8. Feiertag, 9. Eisenkali, 10. Remo, 11. Euterpe, 12. Nehemias, 13. Zymbel, 14. Donizetti, 15. Ereb, 16. Sonne, 17. Winter, 18. Eva, 19. Labsal, 20. Tulpe, 21. Barus, 22. Eli, 23. Rathenau, 24. Bauernbund, 25. Aloe, 26. Nacman, 27. Dankgebet, 28. Elijahu, 29. Schalom alechem.

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