Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t.hmen zu entern umfangreichen und starkbeschäftigten maschinellen Betrieb aus — den Gemeindeinteresscn zu widmen. Insbesondere berief ihn die liberale Wählerschaft alsbald wieder in die Rcpräsentantenversammlung, in der sein Wort stets aufmerksam Gehör findet. Mit der großen Zahl seiner Freunde wünschen auch wir unserem Moritz Rosenthal und seiner Familie weiterhin eine langreiche, segensreiche Wirksamkeit zum Wohle der Seinen und der Gemeinde. 28.83. Berlin. (Gedenkfeier.) Die Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg E. V. hat am 3. Juni in ihrer Synagoge Schulstr. 7 eine Gedenktafel der im Weltkriege gefallenen Angehörigen von Gemeindemitgliedern in Gegenwart von Vertretern der städtischen Behörden, der Jüdischen Gemeinde Berlin, der benachbarten Synagogenvereine, einer Abordnung des R. j. F., Abordnungen mehrerer studentischer Verbindungen und zahlreich erschienener Mitglieder und Gäste enthüllt. Die Festrede, welche von dem Rabbiner Herrn Dr. Salomon gehalten wurde, war eingerahmt von Sologesang des Kantors Markendorf und Chorgesang. Berlin. (Kantorenfortbildungskursus.) Anfang Juli beginnt in Berlin ein Kantorenfortbildnngskursus, der drei Wochen dauern soll. Innerhalb des Lehrplans wirken Rabbiner und Musik-» gelehrte als Dozenten. Die Oberkantoren Davidsohn und Asch erteilen den fachlichen Unterricht. Reise- und Aufenthaltsbeihilfcn werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel bewilligt. Für Unterkunft wird, wenn erforderlich, Sorge getragen. Schriftliche Meldungen zur Teilnahme sind bald an Oberkantor Magnus Davidsohn, Berlin W 1b, Knesebeckstraße 43, zu richten. Berit«. (Vortrag.) Im Synagogenverein Lindenstraße hielt am vergangenen Sonnabend abend Herr Oberkantor Bernhard A l t aus Danzig einen Bortrag über das Thema „Kann man Religion unterrichten?" Er verstand es, in fein abgewogener, freier Rede die Zuhörer mit der Lösung dieser naturgemäß lediglich rhetorischen Frage zu fesseln. Den modernen Schulbestrebungen, die bisherige bloße Lernschule zu einer Charakterbildungsanftalt zu machen, diene besonders der Religionsunterricht, der ebenfalls auf Charakterbildung hinzielt. Im übrigen sei gerade Religion kein Lernstoff, sie müsse also nicht so sehr gelehrt als vielmehr durch die Persönlichkeit des Lehrers übertragen werden. An Hand von Beispielen zeigte der Redner, wie insbesondere die Wundergeschichte in den verschiedenen Altersstufen behandelt werden müßte: es kommt mehr aus den geistigen Gehalt, also mehr auf Deutung als auf Erklärung an. Zum Schluß sprach Herr Alt über die Art des hebräischen Unterrichtes sowie über die Frage, ob (jüdische) Partcipolitik in die Schule gehöre, welche er verneinte, ohne indessen vom Lehrer eine Verleugnung seiner Anschauung zu wünschen. Das Publikum war von der Persönlichkeit des Redners sichtlich beeindruckt und folgte den interessanten Darlegungen mit gespannter Aufmerksamkeit. Dieser Stimmung gab auch der Leiter der Versammlung in einigen Dankcsworten an Herrn Alt Ausdruck. — ob. Berlin. (Büroverlegung des Landesverbandes.) Der Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden hat sein Büro nach Charlottenburg 2, Kantstraße 158 (Fernspr. Bismarck 6071-72). Als Untermieter hat der Landesverband die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ausgenommen, die voraussichtlich am 1. Juli die neuen Räume beziehen wird. Breslau. (Schaffung eines jüdischen Museums.) Erfreulicherweise »nächst überall unter den Juden das Interesse für ihre Vergangenheit. Neben den Bestrebungen, die sich darauf richten, die Erforschung der jüdischen Familie durchzuführen, verdienen besonders jene anderen Berücksichtigung, die cs sich zur Aufgabe machen, die Ueberveste vergangener Zeiten zu sammeln. Aus diesen Gründen hat sich in Breslau ein Verein „Jüdisches Museum E. B." gebildet. Sein Ziel ist: Die Sammlung und Aufbewahrung von Gegenständen und deren Abbildungen aus dem Gebiete des jüdischen Kultus. Ebenso will er Archivalien, Altertümer, Handschriften und Druckwerke, die sich auf das Judentum beziehen, sammeln und — vor allem sie der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Der Anschluß an ein Breslauer Museum ist angebahnt, sodaß auch den weitesten Kreisen die Möglichkeit gegeben sein wird, sich von dem Judentum, wie es wirklich ist, ein Bild zu machen. Das Museum kann nur dann seine Aufgabe erfüllen, wenn es mit der Mitarbeit der weitesten jüdischen Kreise nicht nur der Stadt seiner Gründung rechnen kann. Deswegen sollte jeder, der für die Geschichte unseres Stammes interessiert ist, dem Verein beitreten und ihn bei seiner Sammlungsarbeit unterstützen. Die Persönlichkeiten, die an der Spitze des Vereins stehen, und die ihn bei seiner Arbeit wissenschaftlich und künstlerisch beraten, bürgen dafür, daß das Jüdische Museum in vorbildlicher Weise errickstet werden wird. Beitrittserklärungen und Anfragen sind an den Schriftführer, Herrn Felix Perle, Breslau 3, Striegauer Str. 3, 2 Trp., zu richten. Dresden. (Aus dem Gemeindeleben.) Der Sächsische Israelitische Gemeindeverband hält seine nächste Ausschußsitzung Sonntag, den 10. Juni, in Dresden ab. Im Rahmen der Tagesordnung wird u. a. über Gründung einer Einkaufsgenossens^rft für jüdische Wandergewerbetreibende und über die Regelung der Pensionssragen in kleinen Gemeinden, wozu ein Antrag Schocken vorliegt, beraten werden. Zugleich soll in der Ausschußsitzung, in der Rechtsanwalt S a l i n g e r, der Vorsitzende des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes, über die Kölner Reichsverbandsdelegiertentagung berichten wird, Stellung genommen werden zur Frage des preußischen Judengesetzes, soweit dessen Rückwirkung die Interessen des zukünftigen Reichsverbandes berührt. — Nach der Zählung der Wohnbevölkerung, über die das Sächsische Statistische Landesamt berichtet, gab es am 16. Juni 1925 in Dresden bei einer Gesamtzahl von 619157 Einwohnern 5120 Israeliten. Davon waren 2564 männlich und 2556 weiblich. Mithin betrug das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Dresdens 0,82 Prozent Israeliten. Dem standen 93,34 Prozent Christen und 5,84 Prozent gegenüber, die keiner Rcligionsgesellschaft angehören. — Ende vorigen Monats wurde der Synagogen-Jnspektor Julius Sondheim, der 42 Jahre im Dienste der hiesigen Gemeinde tätig war, zu Grabe getragen. Mitglieder des Gcmeinderates und Synagogen-Ausschusses, Vertreter der Beamten- und Lehrerschaft der Dresdner Gemeinde gaben dem allseitig geachteten Manne, der noch als 78jähriger bis vor kurzem seinen amtlichen Obliegend heiten nachging, das letzte Geleit. — Die in Dresden seit mehreren Jahren für die Förderung zeitgenössischer Literatur tätige und als Veranstalterin von Kunstabenden wegbahnend wirkende Frau Anng Joachimsthal-Schwabe sprach kürzlich Poesie und Prosa von Friedrich Schnack, der als einer der stärksten modernen Lyriker neben Franz Werfel gilt. Eigene Gedichte von Anna Joachimsthal-Schwabe offenbarten nicht nur starkes geistiges Erleben, sondern zeugten eben-« sosehr für ihre kulturumfassenden idealen Bestrebungen. — Am Muttertag vereinigten sich die Bewohner des Henriettenstifts zu einer Kaffeetafel. Außer durch Spenden des Verbandes der Blumengeschäftsinhaber wurden die Insassen durch musikalische Darbietungen erfreut. Von der Gemeinde war als Stiftsdezernent Vorsteher Pionkowski erschienen. Den Schwesternverein der Fraternitasloge vertraten die Damen Feuerstein, Hirschel, Pionkowski und Priester. Bei dieser Gelegenheit wurde mitgeteilt, daß der Verein zur Erhaltung des Henriettenstifts jetzt etwa 175 Mitglieder zählt, deren Äiträge eine monatliche Einnahme von rund 400 Mark ergeben. Der Beitritt von weiteren Mitgliedern sei im Interesse des Henriettenstiftes dringend erwünscht. Duisburg. (Die Gemeindewahlen.) Nach der so stürmisch verlaufenen Versammlung vom 30. Mai d. Js>, über die wir in der letzten Nummer berichteten, fand am 34. Mai eine größere Versammlung des sogenannten jüdischen Einheitsblocks statt, in der die hiesigen Führer der Zionisten sowie Herr Dr. Jakob Herzberg, Frankfurt a. M. sprachen. Während die ersteren sich im wesentlichen auf die Schilderung lokaler Verhältnisse beschränkten, war die Rede des Herrn Dr. Herzberg ausschließlich auf den Gegensatz zwischen nationalem und liberalem Judentum eingestellt. In der Diskussion ergriff der Vorsitzende des Jüdisch-liberalen Gemeinde- Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Sally Kaufmann, das Wort, um zunächst entschieden gegen die Versuche eines der Redner, dem liberalen Verein die Vorgänge in der Versammlung am 30. Mai zur Last zu legen, Verwahrung einzulegen und auÄrücklich zu bewneu, wie sehr man gerade auf liberaler Seite die Vorkommnisse bedauere. Er wies aber andererseits darauf hin, daß auch die Gegenseite in der Versammlung ungewöhnlich scharfe und kränkende Ausdrücke gebraucht habe, die verbitternd gewirkt hätten. Er ging dann auf die Aufgaben des Jüdisch-liberalen Gemeinde-Vereins ein und betonte, daß es nicht angängig sei, jeden Fehler, ^>en etwa liberale Einzelpersönlichkeiten früher gemacht hätten, diesem neu gegründeten Verein zur Last zu legen, der nicht der Rechtsnachfolger einzelner Personen geworden sei, sondern durch sein Wirken in der Gemeinde seine Existenzberechtigung erst Nachweisen wolle und Nachweisen werde. So sei z. B. die Einführung der ^geheimen und Fristwahl auf den Antrag des neuen Vereins zurückzuführen. Seine Ausführungen, die auf die Versammlung sichtlichen Eindruck machten, und von keinem Zwischenruf gestört wurden, schloß er mit einem Aufruf insbesondere an die anwesenden Mittelparteiler, sich nicht von den Zionisten ins Schlepptau nehmen zu lassen und der liberales Liste ihre Stimme zu geben. In der weiteren Aussprache wurde von dem Leiter der Versammlung ausdrücklich anerkannt, daß am verflossenen Abend der Vorstand des liberalen Vereins von den Ausführungen des Herrn Dr. Rosenthal abgerückt sei und sich bemüht habe, die Versammlung ebenso objektiv zu leiten, wie er die heutige Versammlung geleitet habe. Bezeichnend für die Stellung des jüdischen Einheitsblocks war, daß die Versammlung mit dem Gesang der Hatikwah geschlossen wurde. Am 3. Juni d. Js. fand die Wahl der Repräsentanten statt. Die Beteiligung war außerordentlich stark. Von 554 Wählern übten 413 ihr Wahlrecht aus. Die Wahl selbst, die in vollster Ruhe verlief, ergab 250 Stimmen für den jüdischen Einheitsblock und 160 Stimmen für die liberalen Kandidaten. Da noch nicht nach dem Verhältniswahlsystem gewählt wurde, gelten die Kandidaten des jüdischen Einheitsblocks als gewählt, sodaß in der Repräsentantenversammlung nur die zwei liberalen Repräsentanten sein werden, die nicht zur Wiederwahl standen. Es ist nicht zu verkennen, daß dieser für die Liberalen ungünstige Wahlausgang teils auf die Vorkommnisse am 30. Mai d. Js., zum größten Teil aber auch auf die Tatsache zurückzuführen ist, daß die Zahl der Wähler, die ausländischer Staatsangehörigkeit sind, in Duisburg besonders groß ist. Aber auch unter diesen scheint der liberale Gedanke allmählich Fuß zu fassen. Die nächste Wahl, die vermutlich in nicht allzu ferner Zeit und nach einem modernen Wahlsystem erfolgen wird, wird hoffentlich ein günstigeres Ergebnis für die liberale Sache zeitigen. Düsseldorf. (Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer des Rheinlands und Westfalens. 2. T a g.) Nach Eröffnung der Sitzung berichten die Herren Meyer, Lünen und Reinhardt, Köln, über ihre Eindrücke auf dem Münchener Verbandstag. Den Hauptteil der Verhandlungen nimmt die Frage der Auflösung der Pensionskasse bzw. die Umwandlung der Pensionskasse in eine Hilfskasse in Anspruch. Die P. K. des Vereins iimiiii ÜillL lÜ'iiiL Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands!IlUMMMiUMMM0lMIMMMUÜlMMNUUMIU»NvMWII»UUMU..UUUMNM«.«n,,,, israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens ist im Jahre 1862 gegründet worden. Den Anfang bildete ein Vermögen von 25 Talern, das sich auf 1800 Mark im Jahre 1863, auf 20 682 Mark im Jahre 1872, bis auf rund 220 000 Mark im Jahre 1918 vermehrt hatte. Die Hoffnungen, die sich auf diese Entwicklung gründeten, wurden durch die dem Weltkriegfolgende Inflation zerstört. Der Lehrerverem steht vor den Trümmern seines Hilfswerkes. Es sind noch kleine Eingänge zu verzeichnen, die aber zu gering sind, als daß ihnen irgendwelche Bedeutung zugesprochen werden könnte. Ein vorzugsweise Aufwertung konnte nicht erfolgen, da die Kasse nicht charitativen Charakter trug, sondern eine Rechtskasse bildete. An Vermögen ist ein Rest vorhanden, ca. 30 000 Mark Papiere, die aber erst im Laufe von 30 Jahren zur Auslosung gelangen. Die Mitgliederzahl beträgt heute noch 39, die Zahl der Pensionsempfänger 41. Die Einkünfte der Kasse bestanden ehemals zum größten Teil aus Spenden. Mit diesen ist heute kaum noch zu rechnen. Dazu kommt die Einstellung der Lehrerschaft selbst. Sie muß es als unwürdig ablehnen, sich Unterstützung in Form von wohltätigen Spenden zuwenden zu lassen. Sie muß aber auch als gutes Recht seitens der Gemeinden und seitens der Landesverbände fordern, daß ein jeder Beamte mit Reliktenversorgung angestellt wird. Eine Lebensfähigkeit der Kasse aus eigenen Mitteln zu schassen, ist unmöglich, da eine Steigerung der Leistungen nur durch eine außerordentliche Erhöhung der Mitgliederzahl und der Beiträge zu erzielen wäre. Diese Mög-! lichkeit ist nicht vorhanden. Darum schlägt der Vorstand die Auslösung und Umwandlung der Kasse in eine Hilfskasse vor. Aus den Reihen der Mitglieder der Pensionskasse erhebt sich scharfer Protest gegen die Umwandlung der P. K. in eine Hilfskassc. Man schlägt vor, es der Zeit zu überlassen, ob die Verhältnisse nicht doch wieder Aenderung schassen. Das im Zeitraum von 30 Jahren zu erwartende Kapital diene als Grundstock zur Bildung einer neuen Hilfsquelle, die den Witwen und Waisen immerhin vielleicht noch einmal zur willkommenen Helferin werden könne. Steinhardt, Magdeburg, der an diesem Tage anwesend, vom Vorsitzenden herzlichst begrüßt wurde, warnt vor jeder Absonderung. Die Hilfskasse ist vom Verband beschlossen, ihr müssen auch die Mitglieder in Rheinland und Westfalen beitretcn, eine Sonderhilfskasse im verhältnismäßig kleinen Kreis kann keine Leistungen erzielen. Man erhalte den jetzigen Mitgliedern der P. K. die Kasse und wandle sic in eine Sterbekasse um. Bei den Abstimmungen ergibt sich, daß die stimmberechtigte Zahl von vier Fünfteln der Mitglieder nicht anwesend ist, sodaß Entscheidungen und die zur Umwandlung in eine Hilfskasse notwendige Statutenänderung nicht vorgenommen werden kann. Der Vorstand wird beauftragt, mit dem Ministerium in Verbindung zu treten, um der nächstjährigen Versammlung konkrete Vorschläge zu unterbreiten, die die Zustimmung der Aufsichtsbehörde finden. Es werden Einzelfragen erörtert; Jonas, Barmen, fordert die jüdische Lehrerschaft auf, sich den Gedanken der gemeinnützigen Ehevermittlung zu eigen zu machen und als Mitglied sich bei Herrn Professor Dr. Hanauer, Frankfurt a. M., zu melden. Als Ort der nächsten Tagung wird einer Einladung des greisen Kollegen Rauscnberg folgend, die Sender, Neuwied, übermittelt, Neuwied bestimmt. Gudensderg. (Lehrerwechsel.) Die seit dem 1. Februar durch Pensionierung des Lehrers Perlstein erledigte Lehrer- und Vorsängerstelle in der hiesigen Gemeinde ist durch Verfügung der Kasseler Regierung dem Lehrer Stern, bisher in Niedenstein angcstellt, übertragen worden. Die Volksschule in Niedenstein ist wegen geringer Kinderzahl aufgelöst worden. , Kassel. (Persönliches.) Anläßlich seines 70. Geburtstages wurden dem Lehrer i. R. Josef Bachrach, zurzeit Inspektor des Israelitischen Altersheimes, vom Landrabbiner Dr. Walter der Chowertitel verliehen. — In bewundernswerter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische beging Bankier A. Fiorino seinen 86. ^Geburtstag. Seine geistige Elastizität befähigt ihn noch heute, sich an allen künstlerischen und gemeinnützigen Bestrebungen, denen er zeitlebens starkes Interesse entgegenbrachte, mit unverminderter Ausdauer und Vielseitigkeit zu betätigen. Dieselbe erfreuliche Schaffensfreude bekundet er in den vielen sozialer Wohlfahrtspflege die-i nenden Vereinen, deren Vorsitz er wie in der „Humanität", im Kuratorium des Israelitischen Waisenhauses und in anderen Vereinen mit Sachkenntnis und nie erlahmender Gewissenhaftigkeit führt. Auch von dem kürzlich gegründeten Muscumsverein wurde Herr Fiorino, dessen große Erfahrungen auf künstlerischem und schöngeistigem Gebiet hier allgemein bekannt sind und auch in nichtjüdischen Kreisen rückhaltlos Anerkennung fanden, in den Vorstand gewählt. Die Liebe und Verehrung, deren er sich überall erfreut, kam in den vielem innigen Wünschen überzeugend zum Ausdruck. Königsberg i. Pr. (6 0. Geburtstag.) Eines der prominentesten Mitglieder der Königsbergcr Jüdischen Gemeinde, der Kaufmann Elias Hirsch, Inhaber der Firma Adolf Leiser 6c Co., beging in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Elias Hirsch hat sich um das Königsberger Gemeindeleben große Verdienste erworben, so besonders durch seine Tätigkeit als Schatzmeister der Synagogengemeinde und als Vorstandsmitglied der Synagoge Adaß Jisroel. Während der Zeit der Absplitterung der Gemeinde Adaß Jisroel von der Hauptgemeinde war cs gerade Hirsch, der sich bemühte, für den Frieden innerhalb der Gemeinde zu wirken und dessen Initiative es zu verdanken ist, daß die Gemeinde Adaß Jisroel sich wieder der Hauptgemeinde anschloß. Auch auf dem Gebiete des Wohltätigkeitswesens hat Elias Hirsch eine hervorragende Rolle gespielt. So wirkt er seit längerer Zeit als Vorsitzender der Chewra Kadischa; in letzter Zeit bemüht er sich besonders um die Errichtung eines jüdischen Altersheims. Auch ist er seit 1905 Vorsitzender der jüdischen Volksküche. Elias Hirsch, der weit über die Kreise der Gemeinde hinaus großes Ansehen genießt, ist seit ungefähr 30 Jahren in Königsberg ansässig. Königsberg i. Pr. (Rabbiner-Einführung.) In der konservativen Gemeinde Adaß Jisroel wurde der Rabbiner Curt P e r i tz aus Breslau als Amtsnachfolger des nach Berlin gehenden Rabbiners Dr. Jacobovits in feierlicher Weise unter Teilnahme von Vertretern des Vorstandes und der Repräsentantenvcrsammlung der Hauptgemeinde und unter großer Beteiligung der konservativen Gemeinde in sein Amt cingeführt. Leipzig. (Todesfall.) In Leipzig ist der hervorragende Alttestamentler Geheimer Konsistorialrat Professor Wilhelm Nowack im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein wichtigstes wissenschaftliches Vermächtnis ist das ztveibändige Lehrbuch der hebräischen Archäologie, das im Jahre 1894 erschienen ist. München. (Tagung des bayerischen Landesverbandes.) Für Sonntag, den 17. und Montag, den 18. Juni ist nach Bamberg eine Versammlung des Rates und der Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden emberufen worden. Die Tagesordnung weist neben dem üblichen Formalen und einem Vortrag von Bezirksrabbiner Dr. Rülf über „Die Gläubigkeit des jüdischen Menschen" eine besondere Reichhaltigkeit auf. Besonderes Interesse dürfen die Verhandlungen über Reichsarbeitsgemeinschaft und Reichsverband, über die Besoldungsordnung, die Uebernahme der Alters- und Hinterbliebenensürsorge für die nicht reichsdeutschen Beamten aus dem Verband beanspruchen, sowie Berichte über die Siedlungsfrage, Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege und die Wohlfahrtsarbeit des Verbandes. München. (Todesfall.) An einem Schlaganfall verschied im Alter von 59 Jahren Oberlehrer Simon Dingfelder, der in weiten Kreisen unserer Stadt als Schulmann bekannt war. Er hat das Lehrerseminar in Schwabach besucht, wirkte in Würzburg, Gunzenhausen und Ansbach und war seit 24 Jahren Religionslehrer der Israelitischen Kultusgemeinde München. Generationen von Schülern danken ihm die Grundlagen ihrer religiösen Erziehung. Dingfelder bekleidete seit vielen Jahren auch das Amt des ersten Vorsitzenden des Israelitischen Lehrcrvercins in Bayern und war Mitglied des Rates im Verbände bayerischer israelitischer Gemeinden. Aus der Bewegung Dortmund. (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) Die Ortsgruppe der Liberalen Vereinigung hatte einer Anregung von Frau Vorreuter folgend ihre Mitglieder für Donnerstag, den 31. Mai, zu einem Teeabend geladen. Derselbe wurde, das sei vorweg bemerkt, ein voller Erfolg, hinsichtlich der Besucherzahl sowohl, die wir selten, trotz der vorgerückten Jahreszeit, so zahlreich bei uns gesehen, wie auch hinsichtlich des Gebotenen. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag des Generalsekretärs der Liberalen Bereinigung, Herrn Goetz-Bcrlin, über: „Vorgänge aus dem deutsch-jüdischen Gemeindeleben." — Umrahmt wurde derselbe von künstlerisch dargebotenen Rezitationen von Fräulein Dincr Heide und synagogalen Gesängen, vorgetragen von Herrn Lehrer Nußbaum. — In den Vorgängen des deutsch-jüdischen Gemeindelebens der letzten Zeit erblickte der Referent mehr als kleinliche Zänkerei, da cs Weltanschauungen sind, die um ihre Anerkennung ringem Und nun zeichnete er einen geschichtlichen Gang der Entwicklung des Judentums, das erst seit der Emanzipation seinen Doppelcharakter als Volk und Religion verloren hat. Mit der fortschreitenden Emanzipation erhielten wir unsere Problematik. Es entstanden Orthodoxe und Liberale. Jene lehnten die Emanzipation ab, da sich ihrer Anschauung gemäß beide Begriffe Volk und Religionsgesetz so verbanden, daß die Aufgabe des einen die des anderen schien. Die Liberalen aber bejahten die Emanzipation, weil sie dem Ghetto entfliehen, europäisch, deutsch und Jude sein wollten. Die Grundlage der Religionsgemcinde blieb bestehen. Man einigte sich in den Ge-, meindeeinrichtungen, die man jeder Richtung nach ihren Bedürfnissen schuf. Die Schärfe der Problematik trat erst mit dem Zionismus auf. Der Zionismus knüpft an Zustände an, die vor 150 Jahren bei uns vorhanden waren, heute aber nur noch in Osteuropa de-« stehen. Dort ist heute noch Judentum gleich Religion und Nation. Diesen Zustand haben wir durch die Emanzipation überwunden. Der Zionismus aber gefährdet die Emanzipation des deutschen Judentums, die der ganze und einzige Sinn unserer weltgeschichtlichen Bedeutung ist. In diesem Lichte sehen wir, daß die Streitigkeiten in den jüdischen Gemeinden Krisenvorgänge von geschichtlicher Bedeutung sind. Es gilt für jeden, mit freudigem „Ja" sich im Kampfe einzusetzen. Der Kampf gilt der Emanzipation des deutschen Judentums. Im Kampfe um die Erhaltung unserer Rechte müssen wir seichte Friedensparolen ablehnen, denn ein Kampf, der l'schem scho-> majim geführt wird, muß am Ende zum siegreichen Ausgang führen. Nicht endenwollender Beifall lohnte die Ausführungen. In seinem Dankeswort betonte der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Artur Rosenberg, daß wir Herrn Goetz besonders verbunden seien, der es verstanden, kleinliches Parteigezänk seiner Kleinlichkeit zu entkleiden und es in die Sphäre geschichtlicher und philosophischer Betrachtung zu heben. Wir danken Herrn Goetz auch an dieser Stelle nochmals aufs herzlichste. Vereinsnachrichken Hauskonzerl zugunsten der Jüdischen Allershilse Groß-Berlin. Frau Malkin von der Städtischen Oper Berlin, Herr Piatigorski, Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters (Cello), die Herren Josef Schwarz (Klavier) und Boris Schwarz (Violine) wirken in dem Hauskonzert mit, das zugunsten der Jüdischen Altershilse Groß-Berlin E. B. am Dienstag, den 12. Juni, in den Räumen und im Garten des Herrn Rechtsanwalt Dr. Theodor Kallmann, Schmargendorf, Davoser Straße 1, stattfindet. Die Cembalistin Anna Linde wird in Begleitung des Soloflötisten des Philharmonischen Orchesters Herrn Thomas selten gehörte alte Musik zum Bortrag bringen. Rätsel-Auflösung aus voriger Rümmer Auflösung der Rösselsprung-Aufgabe: Israelit, Schwarza Rübezahl, Altertum, echtblau, Leinwand. — „Israel — Talmud"