Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vergleich I« Anschluß an die Repräsentantcnwablen vom 16. Mai 1926 schlvlbte auf Antrag des damaligen Wahlkommissars, Herrn Kareski, ein Gerichtsverfahren, das nunmehr in einem Termin am 13. d. ©fcta. nach Abgabe der folgenden Erklärung eingestellt morden ist. Die Erklärung -lautet: „Soweit in den Aufsätzen in der „Jüdisch-liberalen Zeitung", die sich mit der Repräsentantenwahl vom 16. Mai 1926 befassen, Herr Kareski beleidigt worden ist, werden diese Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns und mit der Bitte um Entschuldigung zurückgenommen. Insbesondere sollte in den Aufsätzen nicht behauptet «erden, daß Herr Direktor Kareski als Wahlleiter irgendwelche Maßnahmen getroffen hat, um sein« Partei absichtlich zu begünstigen. Die persönliche absolute optima fides des Herrn Direktor Kareski wird anerkannt. Sotveit bei Ausstellung der Wählerliste Verstöße vorgekommen sein sollten, nehme ich zur Kenntnis, daß mit der Aufstellung der Wählerliste der Wahlkommissac als solcher nichts zu tun hat. Nach dieser Erklärung nimmt der Nebenkläger den Strafantrag zurück. Der Angeklagte übernimmt die Kosten des Verfahrens und verpflichtet sich, soweit solche von dem Nebenkläger erfordert werden sollten, sic diesem zu erstatten." Bruno Woyda. * Durch diese Erklärung wird eine Angelegenheit abgeschlossen, an deren sachlicher Austragung heute wohl keiner Seite mehr etwas gelegen sein konnte. Für uns war das Interesse erloschen in dem Augenblick, in dem der Berliner Polizeipräsident dem Gemeindevorstand mitteilte, daß die sestgestcllten erheblichen Verletzungen der statularischen Bestimmungen über das Wahlverfahrcn zur Repräsentantcnversammlung ihm Veranlassung geben, „darauf hinzuweisen, daß in Zukunft auf größere Sorgfalt bei der Vorbereitung und Ausführung des Wahlgcschästs ernstlich Bedacht genommen werden muß. Eine mit so zahlreichen Unregelmäßigkeiten behaftete Wahl kann der gewählten Vertretung der Gemeinde nicht das nötige Vertrauen gewinnen und entspricht nicht der Würde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft." Wer für diese Verstöße bei der Wahl verantwortlich ist, ob der Wahlkommissar oder Beamte der Berliner Jüdischen Gemeinde, ist für uns stets von untergeordneter Bedeutung gewesen; denn nicht um die Person des Wahlkommissars handelt es sich für uns, sondern um die unzweifelhaft vorhanden gcivesencn Wahlvcrstöße. Nach unserer Auffassung, die wir nach wie vor aufrecht erhalten, ist sowohl bei den Nachtragungen in die Wählerliste als auch bei der Bekanntmachung der zur Wahl gestellten Kandidatenlisten, als auch bei der Ermittlung des Wahlergebnisses nicht nach den bestehenden Bestimmungen verfahren worden. Bei der Aufstellung der Wählerlisten und bei der Einreichung der Wahllisten ist nach unserer Auffassung eine Praxis geübt worden, die nur der Jüdischen Bolkspartei zugute kommen konnte. Ein Vergleich in dem nun bald zwei Jahre schwebenden Prozeß konnte deshalb von unserm Standpunkt aus in dem Augenblick getroffen werden, in dem die Gegenseite auf eine Erklärung von uns über die tatsächlich erfolgten Wahlverstöße verzichtete und die verschiedene Auffassung über das Aufgabengebiet des Wahlkommissars unentschieden blieb. Das ist nunmehr geschehen und so ist denn auch dieses Kapitel der Repräsentantenwahlcn vom Mai 1926 zum Abschluß gelangt. Aus den Gemeinden Berlin. (Der abgesagte O r g e l t a u s ch.) In der vorigen Woche veröffentlichten wir eine Mitteilung darüber, daß gegenwärtig im Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde wiederum Erwägungen gepflogen werden über eine Entfernung der Orgel aus der Synagoge Levetzowstraße, um dadurch den Bau einer konservativen Synagoge in dieser Gegend zu ersparen. Dank dieser Mitteilung ist es nun erfreulicherweise gelungen, diese Projekte im Keime zu ersticken. Die durch unsere Meldung hervorgerufene Erregung im Berliner Hansabezirk veranlaßte den Vorsitzenden de» Synagogenvorstandes und des Synagogenvereins Levetzowstraße, Herrn Schemel, zur Einberufung einer Sitzung in Verbindung mit dem Berliner Liberalen Verein. Von dem Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Kommerzienrat Simon, wurde die Erklärung abgegeben, daß der Vorstand 'bet Berliner Jüdischen Gemeinde davon absehen werde, die Orgel aus der Synagoge zu entfernen oder nicht benutzen zu lassen, sofern der Synagogenvorstand Levetzowstraße damit nicht einverstanden ist. Da sowohl der Synagogenvorstand als auch der Vorstand des Syna- -ogenvereins einmütig der Ansicht sind, daß der Gottesdienst in feiner jetzigen Form bestehen bleiben soll, dürften damit die Orgel-, tauschpläne erledigt sein. Hoffentlich verschwindet nun die Anregung, an dem bestehenden liberalen Gottesdienst in der Synagoge Levetzoivstraße konservative Aenderungcn vorzunehmen endgültig und wird nicht nach einiger Zeit wiederholt. Berlin. (Ernennung zum portugiesischen Konsul.) Dr. Jsi Kahn, Inhaber des Bankhauses Jaffa Lewin, ist von der portugiesischen Regierung zum Generalkonsul für Berlin ernannt worden. Dr. Kahn gehört dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde an und vertritt in ihm die Interessen des konservativen Judentums. Die Ernennung verdient besonderes Interesse, weil sie die erste Ernennung eines Juden im auswärtigen Dienste Portugals seit dem Jahre 1590 darstellt. Bruchsal. (S y n a g o g e n r e n o v i e r u n g.) Die Synagoge in Bruchsal ist nach der vollständigen Renovierung in feierlicher Weise wieder ihrer gottesdienstlichen Bestimmung übergeben worden. Die neue» Fenster aus leicht irisierenden Gläsern spenden ein mildes Licht. Indirekte elektrische Beleuchtung in großen Schalen aus lararischem Marmor (nach Entwurf von Prof. F. Spannagel ausgeführt) kommt dem Raum und vor allem den neuen Wand- und Deckenmalereien zugute, die Leo Kahn, ein ehemaliger Schüler von Pros. Haueisen, entworfen und ausgeführt hat. Monumentale Schristbänder in den dekorativen Zeichen des hebräischen Alphabets wechseln mit Arabesken und symbolischen Darstellungen. Die golden ausgemaltc Apsis mit einem Blick auf Jerusalem ist überwölbt von einem Letternband in rot und gold auf gründblauem Grund, das das jüdische, Glaubensbekenntnis zum Ausdruck bringt. In der großen Kuppel dergen sich in Pflanzen- und Blumen-Ornamenten Tiere und Vögel, die in dem Psalmen und der Bibel besungen sind: der Löwe als das Symbol der Kraft und des Stammes Juda; der Wolf als Zeichen des Stammes Benjamin; dazu Reh, Einhorn, Pferd, Adler, der Leviathan und anderes Getier. Im ersten Dsckenbogen hat der Künstler die Schöpfung dargestellt und sich dazu der Formen der heimischen Landschaft des Kraichgaues bedient. Sechs Händepaare in der Haltung des Gebetes, des Segens, der Arbeit, Wohltätigkeit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit schmücken den zweiten Deckenbogen, der Vergleich des gerechten Mannes mit dem Baum an den Wassern, der stets Blätter, Blüten und Früchte trägt, den nächsten. Ueber den Wänden der Frauen-Emporen kommen wieder die ausdrucksvollen hebräischen Schriftbilder zur Verwendung, auf der einen Seite die Namen der fünf Stammütter, auf der andern der fünf Heldinnen mit ornamentaler Verwendung ihrer symbolischen Zeichen (Eva: Schlange und Zweige mit Aepfeln; Sara: ein Zelt; Rebekka: Kamele an der Tränke; Lea: Ranken mit Reben; Rahel: ein Brunnen; Ruth: Aehren; Esther: Krone und Szepter; Mirjam: Quelle; Debora: Lorbeer; Hanna: ein Räuchergefäß). Die in ihrer Durchführung reiche und in der Wirkung einheitliche Malerei der Synagoge wird noch ergänzt durch einen roten Gobelin mit hellen Ornamenten vor dem Thora-Schrein und durch die rote Altardecke mit silbernen Buchstaben, die nach Entwürfen von Leo Kahn angefertigt wurden. Geländer und Leuchter der Vorlesungs-Estrade mit Symbolen und Spruchband hat Benno Elkan entworfen —, so daß bei der ganzen Renovierung auf künstlerische und handwerkliche Herstellung eines jeden Einzelstückes Bedacht genommen wurde. In der Tat ist der Gesamt-Eindruck schön und würdevoll und stellt dem Opfersinn und Kunstgeist der Gemeinde das beste Zeugnis aus. Die Wiederweihe vollzog sich in Gegenwart von Regierungs- Vertretern in eindrucksvoller Weise. Dresden. (Aus dem Gemeinde leben.) Am 12. April starb plötzlich und unerwartet im 64. Lebensjahre der Gcmeindeverordncie Sally Hurwitz, der dem Gemeinderatskollegium seit 1921 angehörtc. Er entfaltete dort insbesondere als Mitglied des Synagogen- und des Schächwusschusses eine rege Tätigkeit. Als Seniorches der weitbekannten Zigarettenfabrik „Monopol" genoß Sally Hurwitz nicht zuletzt eine geachtete Stellung in der Handclswelt. Bei der Beerdigung vermochte die Trauerhalle die Zahl der Teilnehmer kaum zu fassen. Allein über 200 Angestellte gaben ihrem Prinzipal, der im Nachruf des Personals als ein Vorbild an Gewissenhaftigleit, Arbeitssreudigkcit und Charakterreinheit bezeichnet wurde, das letzte Geleit. Nach der Trauerrede des Rabbiners Pros. Dr. Winter und Gesängen des Oberkantors Hosstein brachte namens des Vorstandes und des Gemeinderates Vorsteher P i o n k o w s k i zum Ausdruck, wie überaus schmerzlich die Gemeinde den Verlust des Dahingeschiedcnen empfinde. Dem „Jüdischen Jugendorchcster" wurde von der Gemeinde im Hause des Gemeindeamtes ein Vereinszimmer zur Verfügung gestellt, so daß die jetzt etwa 30 aktive Mitglieder zählende Musikvereiuigung, die mit ihrem letzten Vortragsabend wieder großen Erfolg hatte, im Gemeindehaus regelmäßig Ucbungsstunden abhallcn kann. In den Haushaltsplan 1928 hat die Gemeinde einen Garantiesonds von 3000 Mark für die am 27. und 28. Mai in Dresden stattsindende VII. Ordentliche Delegierten tag ung des Verbandes der jüdischen Jugendvereinc Deutschlands eingesetzt. Zur Vorbereitung der Tagung hat sich unter Vorsitz von Rechlvanwalt S a l i n g e r , des diesjährigen geschäftsführcnden Vorstehers der Dresdner Gemeinde, ein Ehrenausschuß gebildet, dem u. a. angehören: Rabbiner Dr. Baeck, Rabbiner Dr. Fuchs, Chemnitz; Rabbiner Dr. G o l d m a n n , Leipzig; Frau Bettina Brenner, Leipzig und S. Schocken, Zwickau. — Die Gcmcindestcuer-Abschlußzahlung für 1927 hat der Gemeinderat mit Genehmigung des sächsischen Ministeriums für Volksbildung auf 2! L> % der Reichseintommenstcucr des Jahres 1926 festgesetzt. Düsseldorf. (Repräsentanten w c ch s e l.) An Stelle des verstorbenen Repräsentanten Herrn S. Äumpert ist .Herr R.-A. Tr. Siegfried K a n n in das Nepräfer-tantcnkollegium der Gemeinde eingetrctcn. Köttingen. (I u b i l ä u m.) Am 15. ds. Mts. konnte Herr L. Wolpert auf eine 40jährige Tätigkeit im Dienste der hiesigen Synagogengemeinde zurückblicken. - In vorbildlicher Weise verwaltet er noch jetzt das ihm anverlraute Amt des Gemeinde-Sekretärs, zweiten Vorstehers und Schächters zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde. Durch sein vornehm bescheidenes und stets sachliches Wesen, sein großes jüdisches Wissen, hat er es verstanden, sich nicht nur in hohem Maße die Liebe und Achtung seiner Glaubensgemeinschaft, sondern auch weiterer Kreise zu erwerben. Möge cs dem rüstigen, arbcitssreudigen Manne beschicdcn sein, noch eine lange Reihe von Jahren seines Amtes zum Segen der hiesigen Gemeinde walten zu können. Kassel. (Vom jüdischen M u s c um.) Das Kasseler jüoische Museum hat auch in den letzten Monaten in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen starkes Interesse gefunden und kann als die besuchteste Abteilung des Hessischen Landcsmuseums betrachtet werden. Bei der in der Zeit vom 25. Mai bis 31. August im kunsthistorischen Seminar zu Marburg geplanten Ausstellung religiöser Kunst aus Hessen und Nassau >oird das Kasseler jüdische Museum durch eine Spezial-Abteilung vertreten seinauch auf der „Pressa" in Köln sollen einzelne Objekie der hiesigen Sammlung in geeignclem Rahmen untergebracht werden. Ebenso besteht die Absicht, wie es R.-A. Lewinsohn bei der Generalversammlung des Israelitischen Gemeinde- Vereins aussührte, im Kunsthaus zu Marburg eine Abteilung des Museums zu errichten, damit den Studenten Gelegenheit geboren ist, Kunstgegcnstände und jüdisch-religiöse Einrichtungen aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Damit ist auch eine Bekäinpsung judenseindlicher Bestrebungen, soweit sie auf mangelnder Kenntnis jüoischer Zeremonien beruhen, zu erwarten. Ein jüdischer Mujcumsvercin, der demnächst gcgründer werden sott, wird sich die intensivere Förderung aller aus die Sammlungen bezüglichen Bestrebungen zur 'Aufgabe machen. Kassel. (Israelitischer G e m e i n d c v e r c i n.) Letzten Sonnabend hielt der Israelitische Gemeindcverein im Saale des Hotel Meier seine ordentliche Generalversammlung ab. Die „Aussprache über die bevorstehende Gemeindewahl" hatte wieder ihre Anziehungskraft ausgeübt; der Saal war dicht besetzt. Nach der Begrüßung erstattete Rcchtsanivalt Tr. Weisbecker den Geschäftsbericht, der sich hauptsächlich mit den vorbereitenden Beratungen und Beschlüssen für die Gemeindewahl befaßte. In mehreren Sitzungen, an denen Vertreter des Vorsteheramts der Israeliten, der Gemeindeältesten, der Kreisvorstcher und Vorstandsmitglieder des Gcmeindevereins tcilnahmen, ist eine Wahlordnung beraten und angenommen worden, die für eine im Mai d. Js. vorzunehmende Gemeindewahl maßgebend sein soll. Sie ist, wie der Vorsitzeirde betonte, keine gesetzliche Regelung der Wahl, sondern ein ans Uebereinkommen der dabei in Betracht kommenden Faktoren beruhender Notbehelf, der voraussichtlich nur einmal angewandt iverden soll, weil in der auf fünf Jahre berechneten Wahlperiode die einheitliche Regelung der Wahlen durch das allgemeine Judengesetz wohl erwartet werden darf. Die Aussprache, die sich an diesen Punkt anknüpftc und die recht ergiebig wurde, bezog sich auf mancherlei Einzelheiten wie Wahlrecht der Ostjuden, Aufstellung der Listen, nach denen gewählt werden soll, Zahl der Kandidaten u. a. Während einige Redner die Anerkennung und Durchführung des demokratischen Prinzips in vollem Umfange forderten, fehlte cs auch nicht an einer solchen Meinung, die den „Apparat" der Wahl für zu kompliziert hielt und die Sache durch den Kreisvorstcher geregelt wissen wollte. Jedenfalls war die Auffassung vorherrschend, daß die durch Wahl nominierten Kandidaten vom Kreisvorsteher den übergeordneten Instanzen (Vorsteheramt, Polizeipräsidenten bezw. Regierung) zur Bestätigung vorgeschlagen werden sollen. Ten Kassenbericht erstattete der Kassenführer Engelbert, und die Borstandswahl zcirigte die Wiederwahl der satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dalberg, Dr. Weisbecker, Ernst Plaut, Emil Rubinsohn; neu gewählt wurden S. Nußbaum und M. Elzas als Vertreter der Orthodoxie. Kissingeu. (Jubiläum.) Herr Dr. I. Bamberger sieht in diesem Jahre auf eine 25 jährige Tätigkeit als Arzt in Bad Kissingcix zurück. -Marburg. (Todesfall.) Hier verstarb im 94. Lebensjahr die Gründerin und Ehrenvorsitzende des Israelitischen Frauenvcreins, Frau Johanna Strauß, geb. Kann. Eine durch wohltätigen und hilfsbereiten Sinn ausgezeichnete Esches chajil ist in der Verstorbenen unter großen Ehren zu Grabe getragen worden. Namentlich ließ sie es sich sehr ungelegen sein. Kranken der hiesigen Kliniken Erleichterung zu verschaffen und unbemittelten Studierenden den Weg für das Leben zu ebnen. Der Dank vieler für die selbstlose Hingabe und Mens-chenfreundlichkeit folgt ihr ins Grab nach. Marburg. (Ausstellung Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau.) In den Räumen des „Kunstgeschichtlichen Seminars" der Universität Marburg a. L. findet vom 25. Mai bis 31. August eine Ausstellung statt. In dankenswerter Weise hat man dabei auch eine Abteilung für die jüdische Religion vorgesehen, die unter der Leitung des Kustos am Museum jüdischer Altertümer, Herrn Erich Toeplitz, steht. Es soll versucht werden, in der Oeffentlichkeit das Judentum, seine Religion und seine religiösen Einrichtungen, würdig zu repräsentieren. Es muß besonders daraus hingewiesen werden, daß eine Ausstellung in einem Universitäts-Institut ein Novum und in mancherlei Beziehung von besonderer Bedeutung für weiteste Kreise sein dürfte. — Wir fordern alle Gemeinden und Einzelpersonen zu tätiger Mitarbeit auf, umsomehr, da die Ausstellung über das gewöhnliche Maß der wissenschaftlichen Ausstellungen hinweg bedeutsam erscheint. Alm. (Besetzung des Rabbinatcs.) Die durch das Ableben von Rabbiner Dr. Straßburger freigewordene Stelle des BezirkSrabbmates Ulm ist von dem israelitischen Oberrat dem jetzt in Stuttgart wirkenden Rabbiner Dr. Julius Cohn übertragen worden. Dr. Lohn wurde vor 3 Jahrep nach vorhergegangener Tätigkeit in Birkenfeld und Karlsruhe als akademischer Religionslehrer nach Stuttgart berufen und hat sich auf dem Gebiet des Religionsunterricht dort besondere Verdienste erworben. Das Bild Mosis (Eine Talmudlegende.) Von W. Doroschewitsch. Als Moses die Israeliten aus Aegypten fü';e, v.a'- breitete sich sein Ruhm über die ganze Erde, wie das Oel sich über Wasser verbreitet. An allen Orten bewunderte man seine Taten und sprach: „Wohl ist er ein heiliger Mann und gottgefällig, wenn er solche Wunder tun kann!“ Das Gerücht von Moses’ Ruhm kam auch vor den Thron eines arabischen Fürsten. Der Fürst hörte mit Staunen von allem, was Moses vollbracht hatte und rief heimlich seinen besten Bildmaler und sprach zu ihm: „Ich will das Antlitz des gottgefälligen Mannes sehen. Nimm ein Brett aus Elfenbein und die besten deiner Farben und geh in die Wüste, wo Moses sein Zelt aufgeschlagen hat, und mache mit ad deiner Kunstfertigkeit und aller Sorgfalt sein Bild, das du dann mir bringen wirst. Ein Geheimnis aber soll es bleiben zwischen mir und dir. Nun geh!“ Der Maler nahm ein Brett aus Elfenbein und die besten seiner Farben und verließ heimlich das Schloß. Er schritt in die Wüste, traf Moses vor seinem Zelt und malte sein Bild, das er dem Fürsten brachte. Der Fürst betrachtete lange die Züge des gottgefälligen Mannes, stellte dann das Bild im Schlosse auf und ließ seine Weisen rufen. Die Weisen waren in den Geheimlehren sehr bewandert und der Fürst beriet mit ihnen oft und oft über die Angelegenheiten seines Stammes. Der Fürst zeigte den Weisen das vom Maler ausgeführte Bild und sprach: „Ihr lest das Verborgene wie eine aufgewickelte Rolle. Urteilt nun nach den Zügen dieses Gesichtes und sagt mir, was ist er für ein Mensch und worin besteht seine Kraft?“ Die Weisen standen verwirrt vor dem Bilde und blickten zu ihrem Aeltesten auf. Niemand wollte seine Meinung als der erste aussprechen, denn jeder fürchtete, ein falsches Urteil zu fällen und dadurch in Mißkredit zu kommen. Der Aelteste der Weisen zupfte die Spitzen seines Bartes und sprach endlich: „Er ist ein böser Mann.“ Da lösten auch die anderen Weisen ihre Zungen und begannen um die Wette den Mann auf dem Bilde zu besudeln: „Er ist jähzornig!“ „Er ist stolz!“ „Ehrgeizig!“ — „Habsüchtig!“ — „Lüstern!“ Und sie entdeckten an ihm alle schlechten Eigenschaften, die den Menschen erniedrigen. Und alle bestätigten im Chor: „Dieser Mann ist ein Uebeltäter. Er kann nicht gottgefällig sein.“ „Haltet ein!“ — schrie der Fürst, außer sieh vor Zorn. „Wie? Ihr spottet über mich? Aller Menschen Mund ist voll von den Tugenden dessen, der am Bilde ist, und ihr findet in ihm alle menschlichen Mängel! Jetzt erkenne ich den Wert eurer Weisheit!“ Und der Fürst zerriß sein Gewand und wehklagte: „Wehe mir! Wehe, daß ihr den Stufen meines Thrones nahe wäret in den Angelegenheiten meines Stammes! Wehe über mich, der ich euch um Rat fragte!“ Erschreckt warfen sich die Weisen auf die Knie und der Aelteste sagte: „Unsere Weisheit ist unfehlbar, und was wir sagen,, ist Wahrheit! Die Schuld liegt am Maler. Er hat die Züge des großen Mannes falsch gezeichnet und uns getäuscht. So laß’ ihn hinrichten!“ Der Maler aber sprach: „Ich habe das Bild getreulich gezeichnet, falsch ist das Urteil der Weisen.“ Die Weisen versicherten wieder: „Der Maler hat seine Arbeit schlecht ausgeführt.“ Der Fürst beschloß zu erfahren, auf welcher Seite die Wahrheit liege. Er ließ einen Wagen anspannen, nahm das Bild an sich und fuhr in die Wüste. Im Lager der Israeliten angelangt, hob er die Augen und erblickte von ferne einen Mann, der, wie zwei Tropfen Wasser einander, dem vom Maler gezeichneten Bilde glich. „Wer ist dieser?“ fragte der Fürst. „Der Gottesmann Moses!“ antwortete man ihm. Der Fürst nahm das Bild und verglich es noch einmal mit dem Antlitz Moses. Das Bild war ein Kunstwunder, Moses war auf ihm wie lebendig. Da verlangte der darob verwirrte Fürst mit Moses zu sprechen. Er ging zum Zelt des Gottesmannes, verneigte sich tief und sprach: „Verzeih mir, gottgefälliger Mann! Solange ich dein Antlitz nicht gesehen hatte, glaubte ich, daß der Maler dein Bild falsch gezeichnet hatte, denn meine Weisen haben dich schwer besudelt und an dir alle möglichen schlechten Eigenschaften entdeckt. Nun erkenne ich den Unwert ihrer Weisheit, ich erkenne, daß sie mich betrogen haben, sie, die mein Brot gegessen und mich mit ihren Dummheiten genarrt hatten.“ Moses lächelte und er sprach: „Nein, o Fürst! Sowohl dein Maler als auch deine Weisen sind ausgezeichnete Kenner ihrer Sache. Aber siehe: wenn ich von Natur aus so geschaffen wäre, wie mich die Menschen aus meinen Handlungen sehen, wäre ich nicht tugendhafter denn ein trockener Holzklotz, der doch auch keine menschlichen Mängel hat. Auch hätte ich keine Verdienste, weder vor Gott noch vor den Menschen. Jawohl, ich sage es dir freimütig, alle Mängel, die deine Weisen bei mir entdeckt haben, sind mir wirklich von Natur aus eigen. Vielleicht habe ich sogar noch mehr Laster, als deine Weisen erraten haben. Aber ich habe die Laster, alle bösen Eigenschaften in mir bekämpft Wie man aus dem Samen einen großen Baum aufzieht, habe ich in mir das Gute aufgezogen. Ich gewöhnte mir das Gute an, bis diese Gewohnheit mir zur zweiten Natur wurde. Das ist es, warum ich wie im. Himmel so auf Erden geliebt werde.“ Und mit gütigem Lächeln verabschiedete Mos es den arabischen Fürsten und gab ihm den Gruß des Friedens. (Aus dem Russischen von B. Halperin.)