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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Wir sehen also, hier tritt zum ersten Mal in der Geschichte der Religionsphilosophie eine ganz neue Fragestellung auf. Cohen begnügt sich nicht — wie all die früheren jüdischen Religionsphilosophen — damit, die Religion des Judentums mit der modernen Kultur zu versöhnen, sie mit ihr in Einklang zu bringen, zu beweisen, daß man ein ganz vernünftiger Kulturmensch sein kann, und doch an den alten Gott glauben, sondern, Cohen versucht zum ersten Mal, die Religion des Judentums zu einem notwendigen Bestandteil, zu einem Grundfaktor, zu einem Grundton in der Harmonie der Weltkultur zu machen, sie dem System der Philosophie und damit dem System der Kultur einzuverleiben, anzugliedern, um ihr dadurch eine wissenschaftlich, gesicherte Heimstätte im Lande des Geistes und der Kultur zu erobern. Denn mit dem Seherblick eines Genius, hat er eben vorausgesehen, daß uns die Gefahr droht, in der Vielseitigkeit unserer Kulturbestrebungen, die den ganzen Menschen in Anspruch nehmen, unser geistiges Erbe, unser kostbarstes Gut, unseren einig einzigen Gott, zu verlieren. Daß jüdische Lippen einmal aufhören könnten, Schema Jisroel, wofür und womit tausende und abertausende unserer Brüder und Schwestern auf die Scheiterhaufen gestiegen sind, und wofür heute noch jausende und abertausende den Märtyrertod sterben, zu bekennen. Daß Pietät und andere Gefühlsmomente kein ausreichendes Schutzmittel bilden „gegen die Assimilation an die Weltkultur", sondern einzig und allein die Verankerung des Judentums in der Weltkultur, im System der Philosophie. Und dieser große Baumeister des Gedankens schuf ein herrliches System der Philosophie, unermeßlich reich an Gedanken und Anregungen, aüs dem noch Generationen nach uns schöpfen werden, und versuchte in diesem Systemgebäude die Religion unterzubringen. Aber alle Stockwerke schienen von den anderen Richtungen des Geistes schon besetzt worden zu sein, für die Religion blieb kein Platz mehr übrig. Zwar gelang es chm, für sie im Stockwerk der Ethik ein Plätzchen zu reservieren, indem er die Gottesidee in die Ethik aufnahm, aber diese Lösung befriedigte weder ihn selbst, noch all die anderen, die seiner Lehre lauschten. Und nach jahrzehntelangem Kampf um das Existenzrecht der Religion sah sich Hermann Cohen, dieser religiöseste Denker unserer Zeit, gezwungen, im Namen der Einheit der Kultur, der Einheit des menschlichen Kulturbewußtseins, das harte Urteil vor aller Welt zu verkünden: die Religion habe keine Existenzberechtigung mehr, sie müsse chr Recht an die Ethik öbtreten. Wer das Glück hatte, Hermann Cohen persönlich näher zu treten, wem es einmal vergönnt war, sich an seinem religiösen Feuer zu wärmen, der allein kann es ermessen, wie hart chn selbst dieses harte Urteil getroffen haben mußte, wie stark seine große jüdische Seele dadurch verwundet wurde. Und ein Brief an einen lieben Freund aus der damaligen Zeit verrät es uns auch. Er schreibt: „Nun wünsche ich Ihnen zu unserem herrlichen Feste (es war an einem Peßach), eine schöne und gute Gemütsstimmung, mein Geschick ist von ganz eigener Art. Wenn es Menschen gibt, die das facrificio del intellecto bringen, so bringe ich das „del sentimento". Sie wissen, wie sehr ich mit den tiefsten Regungen meines Herzens und den innigsten Gefühlen meines Geistes, mit allem inneren Leben unserer Religion verknüpft bin, aber Abstraktion ist auch hier mein Schicksal, und nur die Echten können mich verstehen und dulden." Wir sehen also, Cohen, dieser echte Rationalist, brachte auf dem Altar der Kultur dieses für chn so schwierige Opfer des Gefühls, dieses sacrisicio del sentimento, um nicht ein sacrificio del intellecto, ein Opfer der Vernunft, bringen zu müssen, um sich nicht an der Vernunft, an der Einheit der Kultur zu versündigen. Und das harte Urteil gegen die Religion blieb noch Jahre lang in Kraft und unverändert. Zwar widmet Cohen der Religion herzliche, warme Abschiedsworte. Hat doch die Religion so große Verdienste um die Kultur, barg sie doch zuerst in ihrem Schoße die Keime fast aller Kultur, war sie doch gewissermaßen die Nährmutter der Kultur! Es ist aber nun einmal nicht zu ändern — so ist eben der Lauf der Kulturentwicklung. Die Kinder sind nun reif, groß und selbständig geworden und bedürfen des Schirmes und des Schutzes der alten Mutter nicht mehr, sie muß sich eben still und bescheiden auf chr Altenteil zurückziehen, um eines Tages, kaum vermerkt, kaum vermißt, von b«ir Weltbühne der Kultur zu verschwinden. So diktierte chm damals sein philosophisches Gewissen. Aber das große Meer der Kultur war doch nicht in der Lage, seine große Liebe zum Judentum auszulöschen, seine unendliche Sehnsucht nach dem einzigen Gotte zu ersticken, und er grub immer tiefer und tiefer in seinem Innern, in seinem reichen Ich, eine Schicht nach der anderen, bis er endlich die Schicht der Religion entdeckte, die bis dahin dem Forscherblicke des Systematikers verborgen blieb. Endlich nun hat er nach langem Forschen und Suchen einen Ort, eine wissenschaftlich-philosophisch gesicherte Heimstätte für die Religion seiner Väter gefunden. Und seine Freude und Begeisterung kennt keine Grenzen! Nun widmet er seiner alten, so lange zurückgedrängten Liebe zur Religion des einzigen Gottes den ganzen Rest seiner Kraft, und geht nun, ausgerüstet mit den neuesten Waffen der Wissenschaft, mit den neuesten Instrumenten der Kultur, an den Bau eines Tempels für den einzigen Gott, der von keinem Titus und keinem Nebukadnezar mehr zerstört werden kann. Jetzt, nachdem nun fein System der Philosophie, seine Jad hachasakah, wie er es nannte (nach dem Monumentalwerk des von ihm geschätzten Maimonides), fertig war, wagte er es, gleich Maimonides, seinen Moreh Nebuchim zu schreiben, seine „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums", an der er mit seiner ganzen Seele hing. „Ich darf nicht", so sagte er. mir einmal, „eher ins Grab, bis dies Werk fertig geschrieben worden ist." Jetzt, nachdem seine Autorität in der wissenschaftlichen Welt fest und unerschütterlich dastand, trat er an die jüdische Oeffentlichkeit heran, glaubte er hoffen zu dürfen, bei den Juden Gehör zu finden. „Denn", so äußerte er sich einmal, „um bei unseren lieben Juden Gehör zu finden, muß man entweder eine Jad hachasakah verfaßt haben oder zum mindesten in der goyischen Welt berühmt sein." Er macht Reisen nach dem In- und Auslande und mahnt und ruft, mit prophetischem Pathos, mit prophetischer Begeisterung sein jüdisches Gottesvolk zur Heimkchr und Umkehr zu seinem Gott und seiner Lehre! Besonders aber liegt ihm unsere Jugend, die Zukunft unseres Volkes am Herzen, und an sie wendet er sich mit den folgenden ergreifenden Worten: „Jetzt aber will ich zu Euch aus dem jüdischen Geiste und Herzen heraus sprechen, wie wenn ich mein Vermächtnis Euch überliefern wollte. Erkennet und erfüllet Euren Geist mit dem Gedanken, daß in diesem Glauben an das einzige Sein Gottes unser jüdischer Idealismus beruht, der in allen praktischen Beziehungen der Ethik zu wetteifern vermag mit dem rein wissenschaftlichen Idealismus. In diesem Glauben hat der Psalmist alle Güter der Erde und des Himmels selbst verschmäht und verachtet .... Das ganze menschliche Dasein kann und soll keinen anderen Sinn haben als den allein, den das Sittengesetz, den der Aufruf der Thora zur Heiligkeit ihm ve rleiht . . . Ohne das Joch der sittlichen Gesetze bliebe der Mensch Tier, Naturwesen. Dieses Joch nehmen wir auf uns, so oft wir in wahrer Andacht „Höre Israel" bekennen .... Das „Höre Israel" ist das Fundament und die Schutzwehr unseres Idealismus. Wenn der Jude „Höre Israel" betet, so durchzittert ihn die Erhabenheit dieses Gedankens der Einzigkeit, und in dieser Erschütterung seines Geistes erlangt er eine geistige Energie, welche der des Philosophen für die Fragen der Weltanschauung vergleichbar ist.( (Hermann Cohens JüdischeSchriften, zweiter Band, Akademieverlag, Berlin.) Und in der Tat, Cohen hat die Einzigkeit Gottes, den jüdischen Monotheismus zu einer Weltanschauung erhoben. Der jüdische Monotheismus ist, nach ihm cin Gesichtspunkt der Welt, ein Zentralpunkt der Kultur. Alle Dinge, alle Probleme, müssen, nach ihm, mit dem Begriffe des einzigen Gottes verknüpft werden. Die Kultur, so beweist Hermann Cohen, bleibt lückenhaft und schadhaft, ohne die Beziehung aller ihrer Probleme auf die Einzigkeit Gottes. Es gibt keine allgemeine Bildung, sagt Cohen einmal, und keine Europäische Kultur und keine Ethik, welche der Idee des einzigen Gottes ermangelten. Denn es gibt keinen Grund und Hall der Kultur, ohne wissenschaftlich begründete Sittlichkeit. Diese aber bedarf der Idee des einzigen Gottes. Anderer Götter kann die Sittlichkeit entbehren: des einzigen Gottes aber nicht. Also gibt es keine Europäische Kultur u nd keine Ethik ohne den grundlegenden Anteil des Judentums. Eine solche Universalität der kulturellen Rechtfertigung und Begründung des Judentums ist bis jetzt noch von keinem jüdischen Philosophen versucht, noch viel weniger verwirklicht worden. Sie verwirklicht zu haben, ist die geniale, historische Tat .Hermann Cohens. Cohen darf mit Recht als der erste Philosoph des jüdischen Monotheismus bezeichnet werden. (Ein zweiter Artikel folgt.) * Zur Anthropologie der Juden Von Professor Dr. Hans Friedenthal, Leiter der Arbeitsstätte für Menschheitskunde an der Universität Berlin. Wenn man von einer Anthropologie einer Religionsgemeinschaft spricht, wie es die Juden darstellen, so ist es klar, daß es sich nicht darum handeln kann, eine Rasse zu schildern nach dem üblichen Begriff, wie er in der Ethnologie gebraucht wird, da es klar ist, daß Angehörige der verschiedensten Rassen einer Religionsgemeinschaft angehören können. Wenn man also von einer Anthropologie einer vielrassig gemischten Religionsgemeinschaft wie es die jüdische Religionsgemeinschaft ist schreibt, so kann es sich nur darum handeln, festzustellen, wie weit der Begriff „Juden" anthropologisch enger zu fassen ist als der anthropologische Begriff der ganzen Menschheit. Man kann .nicht behaupten, daß sämtliche Rassen und Stämme der Erde Beiträge zu der jüdischen Religionsgemeinschaft ergeben. Von einem Uebertritt von Buschmännern, Semangs, Uraustraliern, vielen Jndianerstämmen, auch Eskimos und den asiatischen Nordvölkern ist nichts bekannt. Wohl wissen wir, daß zahlreiche Ostasiaten, zahlreiche Afrikaner, zahlreiche Süd- und Westasiaten, neben zahlreichen Europäern und einigen wenigen Amerikanern zum Judentum übergetreten sind, trotzdem würde es falsch sein, anzunehmen, daß ein Durchschnitt durch die jüdische Bevölkerung der Erdoberfläche das gleiche Bild gäbe, wie ein Durchschnitt durch die Menschheit überhaupt. Es erübrigt sich von selber die Frage, ob es eine jüdische Rasse gibt, wenn man von allen heutigen Juden spricht, da oben ja schon gesagt wurde, daß die Juden den verschiedensten Rassen angehören; aber es läßt sich immerhin die Frage erörtern, ob es einmal eine Zeit gab, wo die Juden noch ein Volk waren, und wo sich der Volksbegriff mit dem Rassenbegriff, wie ihn die heutigen Ethnologen ausitellen, einigermaßen deckt. Der Verfasser dieses Artikels möchte auch diese Frage verneinen und behaupten, daß es niemals eine Zeit gegeben hat, wo man von einer jüdischen Rasse sprechen konnte in dem Sinne, wie es heute die Wissenschaft allein als zulässig erklärt. Unter Rasse verstehen wir in der Vererbungswissenschaft eine Summe von Individuen, welche in wohl definierten erheblichen Eigentümlichkeiten mit einander übereinstimmen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß Familienverwandtfchaft zur Rasfenverwandtschaft notwendig sei und es wird deshalb vielleicht notwendig sein, hierin der Anleitung zunächst zu zeigen, daß Rasse und Familie zwei ganz verschiedene Begriffe sind, die sich in keiner Weise decken. Wir verdanken dem Jesuitenpater Gregor Mendel die Aufdeckung von Gesetzen, welche die Spaltung von Bastarden bei der Kreuzung in ein wohlgeordnetes System gebracht haben. Nach den Mendelschen Regeln können nur die allernächsten Verwandten, welche es überhaupt innerhalb der Familie gibt, nämlich selbst Geschwister, theoretisch zwei verschiedenen Rassen angehören, wenn es sich um die Kreuzung zweier Bastarde handelt. Heiraten zwei Mulattenindividuen einander, Bastarde zwischen der weißen und schwarzen Rasse, so ist theoretisch der Fall denkbar, daß bei der Reifeteilung der Geschlechtszellen vor der Befruchtung bei der einen Eizelle alle weißen Bestandteile herausgeworfen werden und fortfallen, da die Mutter in ihrem Chromosombestand als Mulattin theoretisch wenigstens genau zur Hälfte weiße und schwarze Chromosome besitzen kann. Das Gleiche gilt für die Beschaffenheit der Samenfäden. Kommt nun bei der Befruchtung nur weißes Sperma zusammen mit einer Eizelle, welche ebenfalls nur noch weiß enthält unter ihrem Chromosombestand, so wäre der Fall denkbar, daß zwei Mulatten ein rein weißes Kind zeugen könnten und ebenso ein rein schwarzes Kind. Allerdings ist dieser Fall rein mathematisch berechnet so unwahrscheinlich, daß, so lange es Menschen auf der Erde gibt, in seiner Reinheit dieser Fall nicht eingetreten sein wird. Trotzdem sind Fälle berichtet, wo in Mittelamerika, das ja heute so aut wie ausschließlich von Mulatten, also von Negerweißenmischlingen bewohnt wird, wiederholt Eltern teils schwarze, teils weiße Kinder erzeugt haben mit einander; ja es wird selbst von Zwillingen berichtet, die Mulattenmütter geboren haben, wo das eine Kind blond und blauäugig, der andere Zwilling ein vollständiger Neger gewesen sei. In allen diesen Fällen hat es sich aber gegenüber der Volksmeinung doch nicht darum gehandelt, daß das blonde und blauäugige Kind ein rein weißrassiges Kind gewesen ist und das ganz schwarz erscheinende Kind ein echter Neger war. Es ist zu unwahrscheinlich, daß dies der Fall gewesen sein sollte. Wir wissen vielmehr, daß von vollständig weißen und nordisch aussehenden Individuen, die in Wirklichkeit von Mulatteneltern stammen, später wieder ganz schwarze Kinder geboren wurden oder auch, daß schwarze Kinder nach Generationen noch in solchen Famllien auftreten. Dies bedeutet also, daß das schwarze Element durchaus nicht vollständig aus dem Keimplasma verschwunden zu sein braucht, wenn das äußere Ansehen der Person für das meist ungeübte Auge des Betrachters Reinrassigkeit vortäuscht. Die Wissenschaft drückt das so aus, daß sie unterscheidet zwischen Genotypus und einem Phaenotypus. Unter Genotypus versteht man die Beschaffenheit des Keimplasma in den Geschlechtsorganen, unter Phaenotypus versteht man die Beschaffenheit des gesamten Körpers. Es ist schon oben darauf hingewiesen, daß diese Beschaffenheit nur bei reinrassigen Individuen übereinstimmt, es muß aber darauf hingewiesen werden, daß man ohne Kreuzungsexperimente nicht erkennen kann, ob Rafsigkeit vorliegt oder ob nur die Körperlichkeit des zu prüfenden Individuums uns Reinrassigkeit vortäuscht. Wenn also das jüdische Volk zu einem Teil früher aus einer Familie hervorgegangen war, so folgt daraus durchaus nicht, daß diese Abkömmlinge aus dieser Familie rassige Individuen sein müssen, selbst wenn keine spätere Bastardierung mit anderen Rassen stattgefunden hätte. Immer wieder können die ursprünglichen Bestandteile auch bei Abkömmlingen einer Familie durch die zahllosen Möglichkeiten und Varianten bei der Reifeteilung der Geschlechtszellen entstehen. Die Wissenschaft spricht in diesen Fällen meist von Variationen und spontanen Mutationen reiner Linien. Reine Linien gibt es nur auf dem Papier und in dem Begriff, aber nicht in der Wirklichkeit und in der Natur. Wenn wir daher selbst in reinen Linien Abweichungen von dem durchschnittlichen Verhalten finden, die teils Variationen, teils Mutationen genannt werden, so erklären sich diese Abweichungen leicht dadurch, daß sie die Folge sind seltener Kombinationen oder Zusammenstellung verschiedener Erbgutbeschaffenheit in den zwei bei der Befruchtung zusammentretenden Geschlechtszellen. Je reiner die Rasse wird, d. h. je mehr Inzucht getrieben wird, um so häufiger werden bestehende Kombinationen und um so gleichartiger werden die Individuen in einer solchen Rasse. Die Wahrscheinlichkeitslehre zeigt aber, daß bei der großen Zahl der Chromosomen im Erbgut des Menschen alle Zeitcpochen nicht ausreichen, um das Auftreten auch nur einer einzigen reinen Linie wahrscheinlich zu machen. Wenn irgendwo durch seltenen Zufall einmal eine wirklich reine Linie entstanden wäre, was ja nicht adgeleugnet werden kann, so würde diese reine Linie doch sofort wieder bastardiert worden sein mit nicht so reinen Linien, da man ja das Auftreten einer solchen reinen Linie nur am Erbgutexperiment nach Mendel, nicht aber aus der Beschaffenheit der Individuen erkennen kann. Also wenn das jüdische Blut für einen Teil der Bekenner des jüdischen Glaubens die Abstammung von einem einzigen Patriarchenpaar bedeutete, so würde es theoretisch möglich fein, auch trotz Bastardierung in der Vergangenheit, daß einzelne Individuen als reinrassige Repräsentanten dieses Patriarchenpaares gelten können. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein solcher Fall jemals eintritt, wenn wir streng verfahren, ist von Null so gut wie gar nicht verschieden. Wir begnügen uns aber in der Rassenforschung und Ethnologie meist mit einer viel geringeren Ähnlichkeit und so möchte denn Verfasser nicht leugnen, daß es möglich wäre, — wenn wir Bescheid wüßten über die erblichen Eigenschaften des vermuteten Patriarchenpaares, von dem die Juden ursprünglich abstammen sollen, — aus den heutigen Bruchstücken des Erbgutes wieder reinrassiges Patriarchenerbgut zusammenstellen zu können. Es würde aber dazu ein Verfahren gehören, wie es die Tier- und Pflanzenzüchter anwenden, daß nämlich alle Individuen mit abweichendem Erbgut aus der Nachzucht ausgeschaltet und immer nur die dem Züchtungsziele ähnlichsten Individuen zur Nachzucht Verwendung finden. Es leuchtet ein, daß diese Forderungen unter den heutigen Familienverhältnisfen unerfüllbar sind und daher eine Neuschaffung einer einheitlichen jüdischen Rasse im strengen Rassensinne als völlige Unmöglichkeit erscheint. Wir wissen weder Bescheid über die erbliche körperliche Beschaffenheit der Juden in ältester Zeit, noch haben wir die Möglichkeit der Auswahl des passenden Erbgutes. Es würde sogar auch noch fraglich erscheinen, ob uns die Erreichung des beschriebenen Zieles lohnend erscheinen würde, wenn wir die Dinge vernünftig betrachten. Es erscheint doch eine viel lohnendere Aufgabe, die vernünftigsten Menschen in der Zukunft planmäßig zu erzeugen als gerade einen fast sagenhaften Patriarchentypus, über dessen Vernünftigkeit wir so wenig sichere Kenntnis besitzen. Wir finden nun häufig bei Forschern über die sogenannte jüdische Rasse die Meinung vertreten, daß, wenn die Juden auch ein Volk waren aus mehreren Rassen gemischt, doch allmählich durch Inzucht eine neue jüdische Rasse entstanden sein könnte, da es ja bekannt ist, wie wenig fremdes Blut in die alten jüdischen Familien hineingeflossen ist, während es ebenso bekannt ist, wie viel jüdisches Blut aus dem jüdischen Volke durch Religions- Wechsel in die übrige Menschheit hineingewechselt ist. Verfasser möchte auf Grund der Vererbungslehre bei Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeitslehre auch diese bescheidenere Ansicht von der Massigkeit des jüdischen Volkes verneinen, und zwar nicht auf Grund theoretischer Erwägungen, sondern lebenden Juden, selbst wenn wir nur familiär abgeschlossene allein auf Grund der anthropologischen Betrachtung der heute Zweige des jüdischen Volkes ins Auge fassen. Es gibt ja immer noch einzelne Individuen, welche glauben, ihren Stammbaum in gerader Linie auf Abraham und Sara zurückführen zu können. Betrachten wir die heute lebenden Juden strengster Observanz, und zwar nur den in Europa lebenden Teil, so finden wir unter ihnen Individuen, welche untereinander so verschieden sind wie die Mitteleuropäer untereinander überhaupt. Wir finden Juden, welche blauäugig und blondhaarig find, wenn auch selten, sehr häufig aber flachsblonde und grauäugige Juden. Wir finden Juden mit hellbraunen Augen und wir finden solche mit dunkelbraunen Augen, die fälschlich schwarze Augen genannt werden. Nur ein Faktor ist allen europäischen Juden gemeinsam, so weit es die obengenannten Individuen betrifft, daß sie der weißen Rasse mit Bestimmtheit zuzurechnen sind. Selbstverständlich gilt dies nicht für alle Juden überhaupt, nicht für die jüdischen Neger und nicht für die jüdischen Chinesen, sondern nur für einige Zweige der jüdischen Religionsgemeinschaft. (Schluß folgt.)

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