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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-03-30 · 13 (30.3.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
13 (30.3.1928)
Date
1928-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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8. Jahrgang Hummer 13 Leilage 30. März 1928 Jüdisch-soziale Schulungswoche in Berlin Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden veranstaltete in der Woche vom 18.—23. März in Berlin eine jüdisch-soziale Schulungswoche. Ueber die Bedeutung dieser Kurse ist kurz zu sagen: I. Die Gesamtheit der Referate gab einen Ueberblick über sämtliche wesentliche Gebiete der Wohlfahrtspflege, sie führte den auf das Spezialgebiet Eingestellten über die Grenzen seines „Faches" hinaus und wies so den Zusammenhang der Teilgebiete innerhalb der Gesamtfragestellung auf. II. Die Schulungswoche, als jüdisch-soziale, hat versucht, die spezifisch jüdische Problematik herauszuarbeiten und abzugrenzen gegenüber der allgemeinen Fragestellung. Die Frage, wo der eigentliche Ansatzpunkt für die Leistung der jüdischen Wohlfahrtspflege innerhalb des Gesamtkomplexes der allgemeinen und der charitativen Wohlfahrtspflege liegt, ist in ihrer Wichtigkeit immer wieder gestellt worden. Diesen geometrischen Ort finden, bedeutet: Konzentration auf die Leistungen, die, nach Lösung der Ausgaben der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege, angesichts der spezifisch jüdischen Situation unerfüllt bleiben müssen. III. Die Schulungswoche hat bewiesen, daß für die richtige Blickeinstellung in der praktischen Arbeit die ideenmäßige Erfassung und die nicht nur von praktischen Fragen grundsätzlich ausgehende Behandlung der Probleme und chrer Zusammenhänge unerläßlich ist. So häufig auch der Theorie Mißtrauen entgegengebracht wird: dort, wo das Leben selbst zu kompliziert, zu schwer zu übersehen ist, kann nicht verantwortet werden, daß die Orientierungsmöglichkeiten, die die wissenschaftliche Theorie bietet, zurückgewiesen werden. Mit diesen kurzen Hinweisen sei die Notwendigkeit derartiger Schulungskurse angedeutet. In der jüdischen Wohlfahrtspflege war die Schulungswoche der Zentralwohlfahrtsstelle-Berlin ein erster Versuch. Sie trug in manchem den Stempel des Versuches. Daß sie in allem Wesentlichen ihren Zweck erreichte, ist der glücklichen Auswahl der Referenten zu danken: die Zentralwohlsahrtsstelle hatte die jeweils besten Arbeiter auf allen Gebieten herangezogen und dadurch Spitzenleistungen erzielt. Es kann Keiner an dem Kurs teilgenommen haben ohne den dankbaren Wunsch nach Wiederholung. Dr. Paula Kronheimer-Köln. Berliner Repräsenlantenversammlung Am 22. Attirz trat die Repräsentantenversammlung erneut zur Beratung zusammen. Es wurde beschlossen, mit dem Ban der liberalen Synagoge Prinzregentenstraße und der 4. Altersversorgungsanstalt alsbald zu beginnen. Tie Frage der Errichtung einer konservativen Synagoge im Hansabezirk soll ebenfalls mit tunlichster Beschleunigung gelöst werden. Die Bestimmungen über die Wahl von Mitgliedern in die Synagogenvorstände wurde durch einen Antrag abgeändert, demzufolge den Frauen nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht gewährt wird. Doch sollen sie während des Gottesdienstes als Mitglieder der Synagogenvorstände ihre Tätigkeit nur auf der Frauen-Empore ausüben. Für den Liberalen Synagogenverein Wilmersdorf wurde entsprechend der Borstandsvorlage eine Subvention in Höhe von 1500 Mark angenommen, die entsprechend einem angenommenen Ausschußantrage auf 5000 Mark erhöht werden soll. .Ferner wurde der Akademie für die Wissenschaft des Judentums ein Beitrag bewilligt, der zur Erwerbung des statistischen Materials der letzten Volkszählung in Preußen, soweit es die Juden betrifft, vom Preußischen Statistischen Landesamt verwendet werden soll. Bezüglich der neuen Beamtenbesoldung gab es, da der Gemeindevorstand den Beschlüssen der Repräsentantenversammlung nicht in allen Punkten beigetreten war, nochmals eine Debatte. Hierbei handelte es sich in erster Linie um das jetzt auf 'über 23 000 Mark festgesetzte Gehalt des Herrn Tr. Freund, gegen das bei der ersten Beratung der Poale Zionist Oscar Cohn mtt den Liberalen gestinimt hatte. Oscar Cohn erklärte in einer längeren Rü>e, daß er zwar noch immer grundsätzlich gegen diese Gehaltsfestsetzung sei, jedoch aus politischen Erwägungen heraus nicht mehr wie bei der ftüheren Beratung gegen die Gehaltserhöhung für Herrn Tr. Freund stimmen, sondern sich der Stimme enthalten werde. Durch die hiermtt gegebene Stimmengleichheit wurde die Erhöhung von Herrn Dr. Freund angenommen, wobei die Stimme des der Mittelpartei angehörenden Vorsitzenden den Ausschlag gab. (Siehe auch Aufsatz „Herr Tr. Oscar Cohn und seine „sogenannten" Liberalen" in dieser Nummer.) Für die Liberale Fraktion gab Tirektor Tr. Gutmann noch einige Beschwerden der Lehrer betr. Festsetzung des Besoldungsdienstalters bekannt und forderte Aenderung. Auf Grund der Anmeldungen für die beiden jüdischen Volksschulen wurde beschlossen, an der Knaben- und Mädchenschule je zwei Parallelklassen einzurichten. In der Sitzung erfolgte die Einführung von Direktor Wilhelm Kleemann (liberale als stimmberechtigtes Vorstandsmitglied anstelle des ausgeschiedenen Herrn Fuchs. Ter durch die Einführung freigewordene Platz eines stellvertretenden Mitgliedes des Gemeindevorstandes soll in der nächsten Sitzung besetzt werden. Die Wahl mußte aus formalen Gründen vertagt werden. Bon liberaler Seite wurde jedoch bereits der Kandidat, »MMMMMMMNMMMMMMMMMNNNNMIMMNMNMMIMMNMMIMMMMN Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands iiiuiiiiiiiiiiiuiuiuiiiiiiiuiiiiiiiuniuuiuiiiiiiiittiiiiiiniiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiii Landgerichtsrat Tr. Arthur Lilienthal, benannt. Anstelle des verstorbenen Justizrats Bernhard Breslauer wurde Tr. Walter Breslauer zum ersten Stellvertreter in den Rat des Preußischen Landesverbandes für dieselben Ratsmitglieder wie Justizrat Breslauer gewählt. James Goldschmidt wurde zum stellvertretenden Ratsmitglied des Landesverbandes für die Herren Seckelsohn, Tr. Freund und Caspary bestimmt. In der anschließenden geheimen Sitzung wurde der Ankauf des Friedenstempels erneut beraten. Die vom Vorstand unterbreitete Vorlage wurde insbesondere mit Rücksicht auf die vorgcschlagene Preis- und Zahlungsfestsetzung abgelehnt. Jahresversammlung der Gesellschaft „Ort" Am Sonnabend, den 24. März 1928, 8 Uhr abends, wurde in den Räumen des Verbandes „Ort" in Berlin die Jahresversammlung dieser Gesellschaft abgehalten. Ter Vorsitzende, Bankier Wilhelm Graetz, stellte in der Eröffnungsrche fest, daß der „Ort"-Gedanke in Deutschland die wärmsten Sympathien findet und die „Ort"-Bewegung immer festeren Fuß faßt. Unter den Gegenwartsaufgaben des jüdischen Lebens steht die Aufgabe vom „Ort" mit an erster -Stelle. Unser Ziel ist produktive, das heißt dauernd weiterwirkende Hilfe: Mtwirkung an einer Kulturaufgabe, die das Unrecht wittier gutmachen will, unter dem in ungesunder sozialer Schichtung in erster Reihe die Juden des Ostens, aber auch viele Kreise der Juden in Deutschland bitter zu leiden haben. Unsere Methode ist: Kräftigung der Selbsthilfe. — Die deutschen Juden, fuhr Herr Graetz fort, auch die Kreise, die dem Hilfsverein nahestehen, sind — wie wir beständig besonders aus der Provinz erfahren, — von der Notwendigkeit der „Ort"-Arbeit durchdrungen .Tie jahrzehntelangen Verdienste des Hilfsvereins in vollem Maße würdigend, führt Herr Graetz. folgendes aus: Bei allen jüdischen Organisationen in Europa und in Amerika hat die Arbett von „Ort" ttefe Alnetken-j nung gefunden. Eine Ausnahme bildet in dieser Beziehung eine gewisse Art der Propaganda, die in der letzten Zeit von der Geschäftsführung des Hilfsvereins betrieben wird. Wenn wir dies noch so bedauern, so sind wir keineswegs geneigt, die Bestrebungen des Hilfsvereins, demnächst eine Hilfeleistung für die russisch-jüdischen Kolonisten auf kulturellem und hygienischem Gebiete zu beginnen, zu unterschätzen. Bei aller Verschiedenheit der Aufgaben und der Arbeitsmethoden ist ein Widerspruch zwischen diesen Bestrebungen des Hilfsvereins und der Tätigkeit des „Ort" nicht zu konstruieren. Tageben bedeutet eine etwaige Tendenz seitens des Hilfsvewins die einzige Vertretung der deutschen Juden, für Hilfsarbeit im Asslande sein zu wolleg, mindestens eine BerkennurU der Interessen der deutschen Judenhert an der großen, von den zunächst beteiligten Bevölkerungsschichten getragenen demokratischen Aufbaubewegung. Es folgte der Bericht des Herrn Generalsekretärs Dr. M. Traub über die Tätigkeit der „Ort"-Gesellschaft, Abteilung Deutschland im Jahre 1927. Unter großer Spannung der Anwesenden hielt Herr Tr. A.'Singalowfiy hierauf sein Referat „Ein Jahr „Ort"-Arb«it." In einer sehr gedrängten Form entwarf der Redster ein Bild von dm Ergebnissen der „Ort"-Tätigkeit für das Jahr 1927 auf den drei Arbeitsgebieten des „Ort"-Verbandes. I. Für landwirtschaftliche Zwecke sind im Verlaufe des Vorjahres ca. 399 000 Rm. ausgegeben worden; davon ca. 336 000 Rm. in Rußland. Mit Hilfe dieser verhältnismäßig geringm Mittel gelang es dem „Ort", nicht nur in den 27 Siedlungen des Odessaer Rayons 1179 Kolonistenfamilien und in Weißrußland 540 Familim zu bedienen, sondern auch einen neum Bezirk Perwomajsk mit über 10000 Hektar in den Kreis seiner Tätigkeit einzuschließen. In diesem neuen Rayon, der sich nördlich von dm Odessaer Kolonien befindet, bediente der „Ort" bereits im Jahre 1927 317 Familien. Insgesamt hat „Ort" im verflossenen Jahre 2054 Kolonistenfamilien (10252 Seelen) mit Krediten und agronomischer Anweisung unterstützt. Im Odessaer Rayon wurden mit Hilfe des „Ort" 725 Häuser gebaut, davon 440 im Sommer 1927. Es wurde Baumaterial für neue 300 Häuser vorberettet, die in der ersten Hälfte 1928 errichtet werden sollm. Damit wird die Wohnungsfrage im Odessaer Rayon gelöst sein. — Zur Festigung der Wirtschaftslage der Kolonisten trug besorwers die im Verlaufe des Vorjahres erfolgte Vermchrung des lebmden und toten Inventars wesentlich bei. Gegenwärtig entfällt auf jede Kolonistensamilie durchschnittlich ein Minimum von 1,4 Pferd und 1 Kuh. In einer ganzm Anzahl von Familien besitzen die Landwirte je 2 Pferbie und 2 Kühe pro Familie. Einige, wie z. B. die Kolonien „Frecheim" und „Frchling", weisen einen Viehbestand von je 3 Pferden und 3 Kühen pro Familie ruf. Nun drängt sich die Frage auf, lvie es möglich war, mit den obdn srwähntm verhältnismäßig geringen Mitteln derartige Resultate zu erzielen. Ohne auf diese Frage ausführlich eingehjen zu könnm, weist Herr Tr. Singalowsky darauf hin, daß, die Ergebnisse im allgemeinen dem System von billigen Häusern (7i/2 mal 21/2 Klafter für 450 Rubel) zu verdanken seien, sowie den kürzeren Fristen der Kredite zum Erwerb von Inventar und teilweise auch dank des Umstandes, daß, die Vorschüsse vom „Ort" oft als Aufgeld zur Erlangung größerer Kredite (in Form von Sämereien und Arbeitsgeräten aus staatlichen Quellen) verwendet wurden. In der Hauptsache aber sind die erzielten Resultate der unter unserer Mitwirkung gesteigerten Selbsttätigkeit und Selbsthilfe der Kolonisten selbst zu verdanken. Tie gewährten Kredite wurden von den Kolonisten pünktlich zurückgezahlt. Im laufenden Jahr wird die „Ort" für die landwirtschaftliche Tätigkeit in Rußland 1050 000 Rm. ansgeben, darunter 126 000 Rm. an eingegangenen Rückzahlungen. In diesem Jahre wird sich die. Hilfe des „Ort" auf neue 800 Koloniftenfamilim im Bezirke Perwomajsk erstrecken. Tie landwirtschaftliche Arbeit in Polen konnte natürlich von einem viel kleineren Umfange als in Rußland sein, wurde aber auch dort auf gesunden wirtschaftlichen Grundlagen geleitet. „Ort" bedeute in Polen 1000 von der Landwirtschaft sich ernährende Familien. 12 landwirtschaftliche Genossenschaften wurden ins Leben gerufen. Von den eingeführten neuen Kulturen sind die Hopfenpflanzungen in 2 Kolonien zu erwähnen. In 5 Punkten wurden ca. 10000 Obstbäume gepflanzt; an einem Punkte in der Nähe von Baranovici wurde eine Bienenzucht aus breite Basis gestellt.! Im selben Iahte wurden mit Hilfe von „Ort" 4 Milch- -MontGl in reinv/oil.kQsha-arHq. / A Qualitar.ganzauf Kunstseide gefuttert, bis6rö0e5o IAJ - ,. .. 7 Herrenstoff-Manrel aus bestem,reinwoil. 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