Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613947-2613960--2650-2620146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Versammlung aufgetreten und hat die politische Untlugheü des Herrn v. Weist mit bittren Worten getadelt, weil dieser mir, dem Gegner, Recht gegeben hat. Daß, der Lentralverein tn der Bekämpfung der von den konservattven Rednern erwähnten Friedhofsflandale Vorbildliches geleistet hat, werden alle anerkennen. Tr. Weil wendet sich zum Schluß gegen die abscheulichen Vorgänge in Rumänien, die einen Rückfall tn mittelalterliche Barbarei davstellen. Tiefer Protest, wenn er auch nur von der kleinen Mindevheit der deutschen Inden ausgeht, trägt Stärke in sich, denn er verkörpert das moralische Element und den Appell an das Weltgewissen. (Beifall bei den Liberalen, Konservativen und Mittelparieilern.) Justizcat Hirsch b erg-Breslau (konserv.): Auch im C.V. sind stärkste Energien für das Judentum wirksam. Ter Reichsverbandsentwurf ist leider mehr als eine bloße Abschlagszahlung. Deshalb Vorsicht. Stellen wir uns einmal aus die gegebene Basis, so haben wir kaum noch Aussicht auf eine bessere Entwicklung. Tie Rechte der Konservativen dilrsen nicht noch weiter beeinträchtigt werden. Tie Fürsorge für die Jugend muß im Vordergründe sichen, denn so nur sorgen wir auch für die Zukunft des deutschen Judentums. Kurt Blumenseld-Berlin (Volksp.) kommt wieder auf die Broschüren von Tr. Weil und Tr. Wiener zu sprechen und wendet sich scharf gegen die in der Wiener-Broschüre gegen btc Zionisten erhobene Anschuldigung, sie hätten den Agudisien Jacob de Haan ermordet. Schwerwiegende Tinge des jüdischen Volkes werden oberflächlich behandelt. Ter Protest Weits gegen die Judengreuel in Rumänien wird keinen Nach- Ivall wecken, weil er unverbindlich ist. Nur darauf kommt es an, daß man den Willen bekundet, nötigenfalls einzugreifen, bevor der bedrohte Jude tot ist und nicht mehr ins Leben zurückgerusen werden kann. Tie Wühlarbeit und die fortwährenden Tiskreditierungsversuche gegenüber der ganzen zionrstischen Arbeit und speziell gegen die Zionisten in Teutschlaud haben die Atmosphäre vergiftet. Wir bauen das neue jüdiscke Heim als ganzes Judentum, frei von den unwürdigen Fesseln des Galnth. Ein nicht limitiertes Judentum mit jüdischen Voraussetzungen, ein freies, unbegrenztes, schöpferisches jüdisches Leben ist unser Streben und unser Ziel. Tr. Jsmar Freund-Berlin (Rat) nimmt zu der in der Debatte geäußerten Kritik an der Tätigkeit des Rates und an seiner Person Stellung und gibt einige Ergänzungen zu seinem Referat. Er polemisiert insbesondere gegen Tr. Baerwald. Wenn Ausstellungen zu macheir sind, so mag man sich an den Rat, dessen Präsidenten und die Mehrheit halten, nicht aber in gehässigster Weise eine Person angreifen, die weit über ihre Pflicht hinaus für den Landesverband einsteht. Nicht die Person stcht in Frage, sondern die Sache. Und da ist es tief beschämend, ja niederdrückend, daß in einer solchen Art eine Polemik vom Zaun gebrochen wird gegen einen Mann, der seine Kräfte der Verteidigung des Judentums, der Zukunft eines deutschen Judentums geweiht hat. Ich rufe auf zur Selbstbesinnung. Vicleant conkuIe8! Tr. Marx-Ostpreußen (kons.) tritt für die Ostpreußenanträge der Liberalen ein. Es erfolgt die Wahl von drei Kommissionen (für Versa ssungsrevision, Etat und Geschäftsordnung). Schließ der Sitzung 19.20 Uhr. Die Montagstagung. Etatberatung. Präsident Heinrich Stern eröffnet die zweite Sitzung der Landesversammlung um 11.45 Uhr vormittag. Professor Türk (Rat) referiert über Punkt 10 der Tagesordnung (Satzung des Wohlfahrtsausschusses). Rechtsanwalt Ehrlich- Tilsit (lib.) erstattet den Bericht des Haushaltsausschusses. Der Haushaltsvoranschlag sei ein „Blatt Papier", solange er nur Programm ist und nicht ein korrekter, absolut balanzierender Etat im technischen Sinne. Der Ausschuß schlägt einmütig eine „Ostpreußenhilfe" in Höhe von 20 000 Mark vor. Neben der Wirtschaftsnot ist in Ostpreußen, bedingt durch den Korridor und die Abtrennung vom Reiche, auch die kulturelle Not groß. Die Ausgaben würden sich im ganzen um etwa 66 000 Mark erhöhen. Justizrat F r a n ck e n - Aachen (lib.) wendet sich gegen die Pflicht- Vergessenheit zahlreicher Großgemeinden, die die Existenz des Verbandes bedroht haben, und verlangt Vereinfachung des Vcrwaltungsnpparates. Wiener- Beuthen (Volksp.) meint, Oberschlesien leide unter derselben Not wie Ostpreußen. Ein „Ostpreußensonds" ist als Hilfsfonds für alle notleidenden Gebiete zu schassen. Rabb. Dr. R o s en tha l-Köln (kons.): Der Posten für Förderung der Sabbatheiligung muß im Interesse des Gesamtjudentums wieder hergestellt werden. Alfred Berger (Poale Zion): Gegen die Praxis mancher Behörden, sabbathaltende Arbeiter-und Angestellte rundweg als „nicht arbeitswillig" von der Arbeitslosenunterstützung auszuschließen, wenn sie eine ihnen zugewiesene Stellung, die zur Arbeit am Sabbat verpflichtet, nicht annehmen, ist schärfstens zu protestieren. Aber ein besonderer Arbeitsnachweis für Sabbathaltende ist im Interesse der Zentralisierung des Arbeitsnachlveiswcsens und der Sabbathaltenden selbst abzulehnen. Direktor K a r e s k i zRat) nimmt zu den in der Debatte geäußerten Wünschen Stellung. Man' dürfe die Gemeinden nicht übermäßig belasten, andererseits liegt es im Interesse der Gemeinden selbst, ihrer Pflicht gegenüber dem Verbände Genüge zu tun._ Luxusbedürsnisse müssen wir uns abgewöhnen, unsere Lage ist höchst ungünstig. Moritz A. L o e b (Rat) setzt sich für die Position „Förderung der Sabbathciligung" ein. Das .Haus tritt in die Spezialdebatte zum Etat ein. Es sprechen Dr. Oskar Cohn (P. Z.), Prof. Dr. Cohn- Königsberg (Volkspartci), Rabb. Dr. Kober- Köln (lib.), Stein - Berlin (lib.), Berger (P- Z-), Kareski (Rat), worauf (14.30 Uhr) Schluß der Sitzung erfolgt. Nach der Mittagspause eröffnet um 16.15 Uhr Präsident Stern die Sitzung. Das Haus schreitet zu den Abstimmungen über die einzelnen Punkte des Etats. Die Satzung des Wohlfahrtsausschusses wird angenommen. Die Position „Ostpreußenhilse" (20 000 Mark) wird einstimmig angenommen. Der Titel „Bezirksrabbinate" wird von 43 000 auf 20 000 Mark herabgesetzt. Der konservative Antrag, 6000 Mark für „Erleichterung der Sabbatheiligung" einzustellen, wird mit knapper Mehrheit abgelehnt, dagegen wird beschlossen, 6000 Mark aus dem allgemeinen Wohlsahrtsetat für diesen Zweck abzuzweigen. Für die Jsop (Jüdische Sonderschau der „Pressa", Köln) werden 5000 Mark als „letzte Rate" bewilligt. Dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten werden 10 000 Mark für Siedlungszwecke mit den Stimmen der Liberalen bewilligt. Die Position „Schächtschutz" wird von 6000 Mark auf 10 000 Mark erhöht. Die Position zum Ankauf eines Grundstückes für den Landesverband wird gestrichen. Als Beitragssatz für die Gemeinden wird eine Quote von 0,8 o/a der Reichscinkommensteuer beschlossen. Dem Rate wird einstimmig Entlastung Der Etat (der ungefähr mit 1 180 000 Mark präliminiert ist) wird sodann in seiner Gesamtheit verabschiedet. Die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände. Kammergerichtsrat Wolfs (Präsident des Rates) referiert über die vor drei Wochen in Nürnberg stattgesundene Beratung der Vertreter der Landesverbände, in der die Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft" beschlossen wurde. Der Rat hat heute den Beitritt des preußischen Landesverbandes zu dieser Arbeitsgemeinschaft beschlossen. R.-A. Stern-Berlin (lib.): Die liberale Fraktion stimmt dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft unter der Bedingung zu, daß diese ★ Versammlungskalender * Breslau. Jtt „Abraham Geiger". Vorsitze aber: Rabbiner Dr. Halperfohn, Breslau 13, Moritzftraße 50. Montag, de« 2. April, abends 8.15 Uhr, im Bereinslokal, Loge „Gerhart tzauptmann", Schweidnitzer Stadtgraben 91, Bortrag des Herrn Rechtsanwalt Erich Spitz über das Thema: „Etwas vom jüdischen Humor." Mit diesem Bereius» abend schließen wir unsere Winterardeit ab. Am. 2. Seder-Adend, Donnerstag, den 5. April, abends 8 Uhr, veranstalten wir wie im Borjahre im Saale der Gesellschaft „Eintracht", Tauentzienstraße 121, eine gemeinsame Seder-Feier, die Herr Religionslehrer Davidsohn abhält. Die Kosten für ein Gedeck betragen für unsere Mitglieder Ml. 2,-, für Gäste, durch Mitglieder eingesührt. Ml. 3,50. Wir hoffen bestimmt aus eine rege Beteiligung und erbitten umgehende Zusage spätestens bis zum 2. April in unserem Besitz an die Adresse: Alfred Berger, Breslau 13, Augustastraß« 67, Fernsprecher Stephan 37754, Postscheckkonto Breslau Nr. 17443. Den Betrag für das Gedeck bitten wir im Voraus zu überweisen. Frankfurt. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. 1. April: Gemeinsame Wanderung mit Treffpunkt in Michelstadl. Dvrtselbst Besichtigung des historischen Rathauses und der Synagoge. Bortrag über die Legende des Baal-Schem und gemütliches Beisammensein. — 5. April: Gemeinsame Sederfeier des Jli und der Iugendgruppe. (Näheres ^iedenau 3711.) Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachfchen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162s: Freitag, den 30. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonsli. Sonnabend, den 31. März, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Pehach-Einstimmungsgottesdienst. Sonnabend, den 31. März, abends 7.15 Uhr. — Gottesdienste an den Petzachtagen: Mittwoch, den 4. April, abends 7.15 Uhr, Donnerstag, den 5. April, morgens 10 Uhr, Donnerstag, den 5. April, abends 7.15 Uhr, Freitag, den 6. April, morgens 10 Uhr, Freitag, den 6. April, abends 7.15 Uhr, Sonnabend, den 7. April (Sabbat Chaul Hamaned), morgens 10 Uhr, Dienstag, den 10. April, abends 7.15 Uhr, Mittwoch, den 11. April, morgens 10 Uhr, Mittwoch, den 11. April, abends 7.15 Uhr, Donnerstag, den 12. April, morgens 10 Uhr, Seelenfeier. In allen Gottesdiensten Predigt: Herr Rabbiner Dr. Salomonfki. Berlitt-Wilmccsdors-Schönebug. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nikolsburger Platz): Liberaler Gottesdienst mit Ehor und Predigt. Sabbatgottesdienste: Beginn 7.15 Uhr abends pünktlich, Sabbatfreitag, den 30. März und 6. April. Am 30. März: Predigt Robert Hirschfeld. Peßachgottesdienste: Am Mittwoch, den 4. April, abends 6 Uhr. Predigt: George Goetz. Am Mittwoch, den 11. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst mit Thoravorlesung. Am Donnerstag, den 12. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier. Berltn-Karlshorst. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Bezirksgruppe Karlshorst und Israelitische Vereinigung Karlshorst-Friedrichsselde. Freitag, den 6. April (2. Peßachtag), vormittags 10 Uhr: Liberaler Gottesdienst (Ritus Neue Synagoge) mtt Chor in der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Treskowallee 42-43. Predigt: George Goetz. nur eine Vorstufe sein soll zu einem einheitlich organisierten, zum Reich hin orientierten Reichsverband. Eine Gewähr muß geschaffen werden, daß die preußischen Stimmen nicht — wie etwa im Reichsrat — entwertet werden. Ministerialdirektor Dr. B a d t (Volksp.) äußert schwerwiegende Bedenken gegen die Bildung der Arbeitsgemeinschaft. Besteht sie erst einmal, so wird es schwer fallen, die erstrebte Organisationsform zu schaffen. Andererseits werden gefährliche Prinzipien festgelegt: undemokratischer Aufbau, Zurückdrängung des preußischen Einflusses, Förderung partikularistischer Tendenzen. Die Volkspartci bedauert die Gründung der Arbeitsgemeinschaft und den vom Rat beschlossenen Beitritt des Preußenverbandes. I. R. Hirschberg -Breslau (kons.) bedauert die Entwicklung von der Gesamtorganisation weg, stimmt nur der Arbeitsgemeinschaft als Vorstufe zum allgemeinen erstrebten Reichsverband zu. Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung referiert Landgerichtsrat Dr. Arthur L i l i e n t h a l (liberal) über die Reform der Geschäftsordnung. Nach Ablehnung eines Vertagungsantrages der Volkspartei wird der Entwarf gegen die Stimmen der ^Volkspartci angenommen. Dr. Baerwald- Frankfurt a. M. (liberal): Die Anträge, die meine Freunde bezgl. der Verfassung des Landesverbandes eingebracht haben, sind unserer Auffassung nach von größter Wichtigkeit. Es scheint uns dringend erforderlich, daß die Geschäfte innerhalb des Verbandes vereinfacht und verbilligt werden, und wir halten es für einen Fehler, daß bei ver bisherigen Struktur des Verbandstages sich das entwickelt hat, was gestern als Parlamentsspielerei gekennzeichnet worden ist. Wenn es noch einer Begründung für unsere Anträge, die auf eine Verringerung der Zahl der Abgeordneten und der Mitglieder des Rates, auf eine rationelle Arbeit hinauslaufen, bedurft hätte, so waren es die Vorgänge des gestrigen Nachmittags. Die großen Reden über allgemeine Themata haben uns nicht einen Schritt weiter, sondern im Gegenteil auseinander gebracht. Auch im Rat ist vieles verbesserungsbedürstig, das ist allgemein anerkannt worden. Herr Dr. Freund findet alles großartig, und es erscheint ihm unverständlich, daß man ihn angreift. Er hat geglaubt, mit seiner hinreißenden Rednergabe mich völlig zu zerschmettern. Ich habe mit der Anerkennung für das, was er geleistet hat, nicht zurückgehalten, aber die Redezeit, die ich mir gesetzt hatte, hat nicht dazu gereicht, all das auszuzählen, was von ihm geschaffen worden ist, und ich war überdies sicher, daß dies ausgiebig von anderer Seite geschehen werde. So hat ein Lobspruch nach dem andern für ihn nicht gefehlt. Darum handelt es sich aber garnicht. Nicht für meine Person, sondern im Namen der größten Fraktion dieses Hauses und somit im Namen der Mehrheit der preußischen Juden habe ich erklären müssen, daß wir kein Vertrauen zu der weiteren Arbeit des Rates haben, wenn Herr Dr. Freund seine überragende Position weiter behält Was er gegen mich ausgeführt hat, war schließlich nur eine Bestätigung dessen, was unsere Freunde tadeln. Er ist alles im Verband, er hat alles getan, er muß jetzt noch alles leisten, er muß ein Zimmer haben, weil man ihn aufsncht und nicht den Vorsitzenden des Rates oder den Generalsekretär oder den Vorsitzenden der Subventions-Kommission, und »venn Herr Freund bei dieser Sachlage Klage darüber führt, daß ich meine Reden von 1926 wiederholt habe, so erkläre ich namens meiner Freunde, daß, wenn wir wieder zusammenkommen und die Dinge sich nicht geändert haben sollten, wir genötigt sind, auch das, was gestern gesagt worden ist, zu wiederholen, bis Herr Dr. Freund sich einordnet und damit die wirksame Tätigkeit des Rates ermöglicht. Und gerade darum schlagen wir Ihnen auch eine Reform des Rates vor, die seine Mitgliederzahl verringern und die das Dezernenten-Kollegium beseitigen. Mit tiefstem Bedauern habe» wir feststellen müssen, daß unsere Anträge, die nach dieser Richtung zielen, die Zustimmung der übrigen Fraktionen nicht gefunden haben, so daß wir für sie die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erreichen werden. Ich kann es nur aufs Tiefste beklagen, weil in einer Zeit, in der wir mühsam um die Ausrechterhaltung unserer wichtigsten Institutionen kämpfen, wir Nicht zusehen dürfen, daß 20 o,o des Etats auf Verwaltungsdinge verwandt werden und das; über der Beiträge für Verwaltungszwecke fortfließt. Redner begründet hierbei im einzelnen die Anträge der Liberalen Fraktion und bespricht die Beschlüsse der Kommission, die die Dinge vorberaten und die nur in einigen formellen Punkten von geringer Bedeutung die Anträge der Liberalen angenommen, in allen wesentlichen Punkten aber die bisherigen Bestimmungen und damit die unnötige und teure Ueberorganisation aufrecht erhalten hat. R.-A. Landsberg-Wiesbaden (Volksp.): Dem Rat muß der Charakter einer „Ersten Kammer" genommen und er zu einem bloßen Exekutivorgan umgestaltet werden. Dr. Oskar Cohn (Poale Zion): Der Rat in seiner gegenwärtigen Gestalt sei überhaupt nicht zu reformieren; er müsse radikal beseitigt werden. Dr. Walter Breslauer (lib.) verlangt zweierlei: Verbilligung, Rationalisierung. Es wird sodann über die einzelnen Anträge abgestimmt. (Wir werden auf die von den Liberalen beantragten und auf die angenommenen Verfassungsänderungen noch zurückkommen. D. Red.) Einigung über das Judengefetz. Nach langer Pause wird die Sitzung, 22.45 Uhr, wieder eröffnet. Dr. A. Sandler (Volksp.) referiert über den Entwurf zu einem allgemeinen preußischen Judengesetz, über den sich alle Fraktionen geeinigt haben, und bemerkt, es feien von allen Seiten Opfer gebracht worden, um eine Einstimmigkeit zu erzielen. Wir geben die angenommene Fassung an anderer Stelle wieder. Sie wurde von Dr. Sandler im Namen sämtlicher Fraktionen verlesen. Die Annahme erfolgt bei einigen wenigen Stimmenenthaltungen gegen eine Stimme. Auf Antrag von Dr. S e l i g s o h n - Berlin (liberal) wird der Rat beauftragt, den Entwurf nach erfolgter Verständigung mit dem Halberstädter Bund, spätestens aber nach zwei Monaten (auch wenn inzwischen eine Verständigung mit Halberstadt nicht erzielt sein sollte) bei der Regierung einzubringen. Präsident Stern betont im Schlußwort, daß die Tagung ein wichtiges Einigungswerk vollbracht hat; die in der Weiherede gewünschte „nefesch achas", die geeinte jüdische Seele, hat sich in der praktischen Arbeit m schöner Weise dokumentiert. Dr. B a d t (Volkspartei) dankt unter dem Beifall des ganzen Hauses dem Präsidenten für seine kluge Führung und aufopfernde Tätigkeit und betont ebenfalls die Stimmung zur Einigkeit, die diese Tagung beherrscht hat. Um 23.15 Uhr war die vierte Session des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu Ende. Vereinsnachrichten Versammlung des Hilfsoereins der deutschen Juden in Groß- Berlin. Montag, 2. April, abends 81/2 Uhr, findet im Kleine» Saal der Gesellschaft der Freunde, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 9, eine Versammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Es werden sprechen: Landgcrichtsrat Dr. Jacques Stern: „Die Idee -es Hilfsvereins." Generalsetretär Dr. M. Wischnitzer: „Das Arbeitsprogramm des Hilfsvereins." Vorsitzender des Wohlsahrts- Und Jugendamtes Schöneberg-West Max Klein: „Die Pflichten der Berliner Juden gegenüber dem Hilfsverein." Eintritt und Garderobe frei. Sportgrnppe im R. j. F.-Berlin. Uebungsstunden, Gymnastik und Turnen für Alte Herren-, Jugend- und Schülerabteilungen, von 20—22 Uhr der Bezirke Nord und Ost jeden Montag in der Turnhalle Blumenstraße 77, des Bezirks Moabit jeden Montag in der Turnhalle Alt-Moabit 23, des Bezirks Süd und der Kampfmannschast jeden Dienstag in der Turnhalle Wassertorstraße 31, des Bezirks West jeden Dienstag in der Turnhalle der Augusta-Schule, Pallasstraße, Eingang Elsholzstraße am Winterfeldplatz, des Bezirk- Süd, nur für Schüler, jeden Montag in der Turnhalle Wassertorstraße 31, für die Damenabteilungen jeden Dienstag in der Turnhalle Littauer Straße 18. Jeden Sonntag 10ty2 Uhr Handballtraining und Waldlauf. Treffpunkt: Restaurant Keglcrheim in Sadowa-Süd. — Anmeldungen während der Uebungsstunden oder telephonisch Humboldt 5617 oder an den Heimabenden erbeten. Zu Gunsten der vom Kultur-Komitee des verdandes vstjüdifcher Organisationen in Berlin, Linienstraße 19 (im Hause der Talmud Thora Knesset Israel), eröffneten Jüdischen Lesehalle findet am Sonntag, 8. April, 11 Uhr vormittags, im Resi-Theater, Blumenstraße 10, eine jüdische Filmvorführung statt. Es wird aufgeführt: „Die fünf Frankfurter." Eintrittskarten im Büro des Verbandes ostjüdischer Organisationen, Weinmeisterstraße 1, in den jüdischen Buchhandlungen und an der Kasse, wie auch im Büro der; Talmud-Thora, Linienstraße 19.