Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorstand der Gemeinde das Ersuchen gerichtet worden, die Frage der Einführung des Unterrichts an den öffentlichen Schulen zu prüfen, da di« bestehenden privaten Einrichtungen den Bedürfnissen nicht entsprechen können. Es war alsdann eine aus Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums zusammengesetzte gemischte Kommission ernannt worden, der die Prüfung der Materie übertragen war. NamenS dieser Kommission erstattete in der letzten Sitzung Herr Dr. Frankel (lib.) über den Gang der Verhandlungen innerhalb der Kommission und die Ergebnisse, zu denen man gekommen war, Bericht. Die Kommission sei mit überwiegender Majorität zur Entscheidung gelangt, daß der Religionsunterricht an denjenigen höheren Schulen eingesührt lverdcn müsse, die von einer nennenswerten Zahl jüdischer Kinder besucht würden, und daß der Unterricht von Lehrkräften zu erteilen sei, die unter dem Gesichtspunkt der Parität in Bezug auf die religiösen Richtungen ausgewählt werden müßten. In der Debatte wurde von streng orthodoxer Seite anerkannt, daß ein Bedürfnis zur Einführung des Unterrichts vorliege. Es wurde aber verlangt, daß mit Rücksicht auf die verschiedenen religiösen Richtungen nicht die Gemeinde, sondern die Kultusverbände, die diese Richtungen repräsentieren, die Ausgabe lösen sollten; wenn aber die Gemeinde die Durchführung selbst übernehmen wolle, müsse verlangt werden, daß ausschließlich Lehrkräfte von orthodoxer Richtung angestellt würden. Diesen Ausführungen traten der Gemeindevorsteher Heinrich Levh (lib.) sowie aus dem Repräsentantenkollegium Herr Alfred Lisser (lib.) und Herr Dr. Kalmes (zion.) entgegen. Die Forderung, daß ausschließlich orthodoxe Lehrkräfte angestellt werden, sei undiskutabel, einmal, tveil die Gemeinde über den Parteien stände, dann aber, weil die orthodoxen Interessen durch das Bestehen einer auf orthodoxer Grundlage geleiteten Knaben- und Mädchenschule befriedigt ivürde und der jetzt geplante Unterricht im ivcscntlichcn für Kinder aus liberalen Kreisen in Frage komme. Tie Liberalen hätten schon dadurch Konecssionen gemacht, daß sie sich mit der Einstellung der Lehrkräfte nach dem Grundsätze der Parität einverstanden erklärt hätten. Auch von konservativer Seite wurde dem Anträge des Vorstandes zugestimmt. Es wurde erwähnt, daß ursprünglich gegen die Durchführung des Problems wesentliche Bedenken religiöser Art bestanden hätten; da aber eine Lösung im Sinne der Wünsche der strengorthodoxen Richtung nicht möglich erscheine, müsse man mit einer Gestaltung, wie sie vorgeschlagen sei, einverstanden sein, um nicht das ganze Projekt zu gefährden und dadurch die z. Zt. bestehenden unerfreulichen Zustände zu verewigen. Der Antrag des Vorstandes fand Annahme. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es gelingen möchte, die Verhandlungen mit der Behörde und den Direktoren der in Betracht kommenden Schulen derart zu fördern, daß die Einführung des Religionsunterrichts in Bälde erfolgen könne. — Harburg a. E. (Aus dem G e m e i n d e l e b e n.) Am Sonntag, den 4. März, veranstaltete die Synagogen-Gemeinde Harburg in der Synagoge eine Gedenkfeier für die im Weltkriege Gefallenen. Die Gedenktafel der auf dem Felde der Ehre gebliebenen Söhne der Gemeinde war mit frischem Grün geschmückt. Die Feier war umrahmt von gesanglichen Vorträgen des Synagogenchors. Herr Prediger Gordon legte seiner Ansprache Jcs. 40, 6—8, zu Grunde. Allgemein kam der Wunsch zum Ausdruck, den Chor auch zu den anderen gottesdienstlichen Veranstaltungen heranzuziehen. Bei der sich anschließenden Feier vor dem Ehrenmal auf dem isr. Friedhof sprach Herr Gordon einleitende Worte; im Aufträge des C. V. legten dessen Vorsitzender, Herr S. Hirschfeld, im Aufträge des jüdischen Jugendbundes Herr Rechtsanwalt Rosenschein nach Worten treuen Gedenkens Kränze nieder. Am Montag, den 12. März, sprach auf Veranlassung des jüdischen Jugendbundes Harburg vor einem großen Zuhörerkreis Herr Rabbiner Dr. Italiener, Hamburg, über das Thema: Zeitsragen im Lichte der Bibel. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Anwesenden, die sich aus allen religiösen Richtungen der Gemeinde eingefunden hatten, den ebenso formvollendeten wie inhaltlich aktuellen Ausführungen des hervorragenden Redners. Ende März wird in demselben Rahmen Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky-Hildesheim über „Akibal" sprechen. Der Schülerbibliothek der Rabbinerschule sind durch den C. V. eine größere Anzahl jüdischer Schriften, u. a. Hermann Cohens jüdische 'Schriften, die Geschichtstverke von Selma Stern über die preußischen Juden und andere Werke ausklärenden Inhalts überwiesen worden. Der Direktor der Anstalt versicherte, nach Kräften für den Ausgleich der Gegensätze namentlich in den oberen Klassen wirken zu wollen. Hildesheim. (7 5. Geburtstag.) Das Vorstandsmitglied Herr Moritz Fricdhcim beging in körperlicher und geistiger Regsamkeit und Frische seinen 75. Geburtstag. Die Gemeinde ließ durch ihre Vorsteher Glückwünsche übermitteln; auch die Hillel-Loge hatte durch den Präsidenten gratuliert, und Landrabbincr Dr. Lewinsky ehrte den Jubilar durch eine Ansprache. Lüneburg. (Sühne für Synagogenschändung.) Mitte November wurde bekanntlich die Synagoge in Lüneburg von fünf jungen Leuten in gemeinster Weise beschmutzt und mit Hakenkreuzen bemalt. Im Garten fand man eine nationalsozialistische Flagge. Am 8. März hatten sich die fünf Synagogenschänder vor dem Großen Schöffengericht zu Lüneburg wegen dieser Freveltaten zu verantworten. Das Gericht verurteilte einen Haupttäter zu sechs Monaten, einen zu fünf Monaten und einer Woche Gefängnis, zwei weitere Angeklagte wurden zu je ztvci Monaten Gefängnis verurteilt, während der fünfte aus Mangel an Beweisen frcigesprochen werden mußte. Der Vertreter der Synagogengemeinde, Rechtsanwalt Strauß, hatte als Nebenkläger die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte beantragt. Magdeburg. (T i t e l v c r l e i h u n g.) Dem verdienstvollen Kantor unserer Gemeinde, Max Teller, hat der Vorstand den Titel „Oberkantor" verliehen. Es sei noch hervorgehobcn, daß T. dem „Jli" lebhaftes Interesse zuwendet. Schneidemühl. (Aus dem G e m c i n d e 1 e b e n.) Am 11. März lvaren 25 Jahre verflossen, seitdem Rabbiner Salomo Brau», der hier 50 Jahre lang seines Amtes gewaltet uud ein Alter von 89 Jahren erreicht hat, gestorben ist. Anläßlich dieses Tages wurde auf dem Friedhofe eine Gedenkfeier abgchalten. Eingeleitet wurde die Feier durch daS von Kantor Jospe gesungene El möge rachamim, »vorauf Rabbiner Dr. Rosenzivcig die Gedenkrede hielt. Er feierte den Verstorbenen als Weisen, als Mann des Wissens und als Mann des Friedens. Braun galt z. Zl. als Autorität aus dem Gebiete des Talmuds: auch eignete er sich in vorgerückten Jahren ein großes Mast von profanem Wissen an, wozu er in seiner Jugend keine Gelegenheit hatte. Als er vor 75 Jahren die hiesige Rabbinerstcllc antrat, herrschte Unfrieden in der Gemeinde, die sich geteilt hatte und auch keinen gemeinsamen Gottesdienst abhiclt. Braun verstand es, alle Gemcindemitglieder unter einen Hut zu bringen. Mit dem Kaddischgebet endete die eindrucksvolle Feier, der eine Enkelin und eine Urenkelin des Verstorbenen beiwohnten. Brauns Töchter, Frau Landrabbiner Dr. Lelvy in Srrajewo (Bosnien), Frau Bczirksrabbiner Dr. Treitel in Laupheim und Frau Lehrer Chaim in Offenburg, konnten aus Alters- und Gesundheitsrücksichten der Gedenkfeier nicht beiwohnen. Rabbiner Brauns einziger Sohn, Prosessor Dr. Markus Brann, der Dozent am Rabbinerseminar in Breslau war, ist vor einigen Jahren gestorben. - An demselben Tage, nachmittags 3 Uhr, fand eine Delcgiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine der Grenzmark Posen-Wcstpreußen Hierselbst statt. Vertreten waren die Jugendbündc aus Schneidemühl, Deutsch-Krone, Schlvchau, Kro janke, Jastrow und Prcuß.-Friedland. Ter Verbandsvorsitzende, Rabbiner Dr. Rosenzweig, begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Bersammlung. Rechtsanwalt Fleischer überbrachte Grüße des Centralvercins und des Preußischen Landesverbandes, Lewin die Grüße der hiesigen jüdischen Gemeinde und des Bezirksverbandcs der jüdischen Gemeinden der Grenzmark und Edel die des Frontbundes. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag des Geschäftsführers des Reichsverbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands Fritz Schwarzschild-Wiesbaden über „Jüdische Jugend — Schicksal und Ausgabe". In meisterhafter Weise führte der Redner aus, daß der Krieg und seine Folgen in der jüdischen Jugend schwere seelische und geistig« Konflikte heraufbeschworen haben. Die Antwortlosigkeit der älteren Generation aus ihre jüdischen Fragen hat die jüdische Jugend veranlaßt, sich zu Bünden zusammenzuschließeu, die in der Erziehung jüdischer Persönlichkeiten ihre Ausgaben sehen. Diese Erziehung dient der Erhaltung der jüdischen Gemeinde, deren zukünftigen Träger die heutige Jugend ist. Mit herzlichen Worten dankte Dr. Rosenzwerg dem Redner. Hierauf gaben oie Delegierten ihre Rechenschaftsberichte. Aus dem Verbandsrechenschaftsbericht war u. a. zu ersehen, daß alle Vereine der Grenzmark dem Verbände augehören, nur Flatow nicht (!). Nachdem noch einige Verbandsangelegenheiten besprochen worden waren, wurde die Sitzung geschlossen. Wiesbaden. (Stiftungsfest der Chewra.) Die hier bestehende Chewra feierte kürzlich ihr Stiftungsfest durch Ansprachen des Gemeinderabbiners Dr. Lazarus und des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Justizrat Marxheimer, die bei einem von mehr als 100 Personen besuchten gemeinsamen Essen auf den Wert der Vereinigung hinwiesen; außerdem fand ein Festgottesdienst und ein gemeinsamer Besuch des Friedhofs statt. Aus der Bewegung l*': Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., BezirksgruppeHalensee-Grunewald.) Am 12. März fand eine Mitgliederversammlung der jüngsten Bezirksgruppe des LiberalenBereins im Logenhaus Kleiststraße 10 statt. Von einem besonderen Referat war Abstand genommen worden, da bei dem lebhaften Interesse, das die Gemeindeangelegenheiten zurzeit erwecken, ein Ausspracheabend vorgesehen war. Nach kurzen Ausführungen des Generalsekretärs James Silberstcin über die letzten Sitzungen der Reprcisentanten-Versammlung setzte eine recht lebhafte Debatte ein, an der auch der anwesende Repräsentant Wilhelm Marcus sowie der Repräsentanten-Stellvertreter Louis Wolfs tcilnahmen. Besonders stark wurde aus der Mitte der Versammlung gegen das „Israelitische Familienblatt, Hamburg" Stellung genommen, das keineswegs die Bezeichnung eines neutralen Organs verdient. Ferner wurde die Möglichkeit eines Bündnisses zwischen den Zionisten und der Liberalen Fraktion aus das allerenergischste zurückgewiesen. Man war einstimmig der Meinung, daß eine derartige für die Liberalen nicht in Frage kommt. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsrat Dr. Lesser, konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Bezirksgruppe bereits eine stattliche Anzahl von Mitgliedern ausweist und daß in der Versammlung selbst eine Anzahl Neuanmeldungen erfolgt sind. — Das lebhafte Interesse, das gerade der Berliner Westen neuerlich für die liberalen Bestrebungen zum Ausdruck bringt, berechtigt zu den besten Erwartungen. Berlin. (Liberaler Verein für die Angel eg enheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.). Der vorjährige starke Besuch unserer Sedcrabendc veranlaßt uns, auch in diesem Jahre Scderabende zu veranstalten. Wir werden in Kürze unseren Mitgliedern an dieser Stelle mit näheren Angaben dienen können. Bielefeld. (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) Die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum hatte am 12. d. M. einen Vortragsabend veranstaltet, zu dem alle Gemeindemitglieder eingcladen waren. Herr George Goetz, der Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, sprach über das Thema: „Unser unbekanntes Gebetbuch!" Der Redner führte etwa folgendes aus: Die verkehrte Auffassung, die heute allgemein von der Religion verbreitet ist, hat uns der Religion und damit auch dem Judentum entfremdet. Das Gebetbuch ist nicht nur nach seinem Inhalt unbekannt, sondern man kennt nicht einmal den Gebrauch, der von ihm zu machen ist. Nicht Gott bedarf der Gebete, sondern der Mensch bedarf der Religion und ihres Antriebes zur Erhebung über das Leben. Der Redner zeigte an Hand der erlesensten Stellen des Gebetbuches, in wieweit das jüdische Gebetbuch imstande ist, die hohe Ausgabe der Religion zu erfüllen, den Menschen aus der Verengung des materiellen Lebens zu erheben, Erkenntnis, Liebe und Befreiung zu geben. Diese religiöse Durchheiligung des Lebens bedeute aber nicht Askese, sondern im Gegenteil Hinkehr zu dem von Gott gewollten Leben. Ausgabe des liberalen Judentums ist es, den Sinn unserer vielen indifferenten Glaubensgenossen für Religion wieder zu wecken, damit sic die in Deutschland noch vorhandene altjüdische Tradition für das Leben des Einzelnen wie auch der Gesamtheit nutzbar und wirksam machen. Ein Ersatz-Judentum, daß sich lediglich sozial-ethisch oder aber national-jüdisch auslebe, sei abzulehnen. Nicht niedcrreißen, sondern aufbauen sei das Ziel des liberalen Judentums. An den Vortrag, der eine ausgezeichnete Einführung in das Gebetbuch gab und von dem eine starke werbende Wirkung ausging, schloß sich eine lebhafte Aussprache. In ihr wurde betont, daß es für den modernen Juden notwendig sei, den Weg zum Gebetbuch wieder zu finden und zu einem engen und lebendigen Zusammenhang mit dem Gottesdienst zu gelangen. Breslau. Herr Professor Elbogen bittet uns, zu dem an dieser Stelle in der vorigen Woche veröffentlichten Vortragsbericht mitzuteilen, daß die Wendung „Martin Buber, der sich vom Zionismus schon wieder entfernt habe", nicht von ihm gebraucht sei. Er habe nur betont, daß für Buber die religiösen Gesichtspunkte im Vordergründe stehen und daß seine Anschauungen über „religiöse Erneuerung" sich vielfach mit liberalen Gedankengängen decken, wie das z. B. auch vor kurzem in dem in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" veröffent lichten Artikel von Rabbiner Dr. Gottschalk zum 50. Geburtstage Bubers sestgestellt worden sei. Dortmund. (Berichtigung.) Betr. des Vortrages von Frau Schönewald vom 6. Februar war unser Gewährsmann fatsch informiert. Tie Leitung des Frauenbundes hatte offiziell keine Nachricht erhalten. Frau Schönewald war durch eine sehr schwere Erkrankung verhindert, in der Ortsgruppe den Vortrag zu halten. Dortmund. (Ortsgruppe der Vereinigung fü.r das liberale I u d e n t u m.) Donnerstag, den 8. März, veranstaltete unsere Ortsgruppe einen Erörterungsabend über Gemeindefragen. - - Das Referat hatte in dankenswerter Weise unser Mitglied Herr Albert Heinemann übernommen. - - Er sprach von seinem Wirken in dem Repräsentantenkollegium vom Standpunkte des Demokraten und religiös liberal Eingestellten, dem die Achtung auch der anderen Ueberzeugung Selbstverständlichkeit ist; daß es gelte, auch den Wünschen der hiesigen Minoritäten der Orthodoxie, der Zionisten und der Ostjuden entgegenzukommen, so daß innerhalb des Gemeindekollegiums gutes gegenseitiges Einvernehmen herrsche, da alle Repräsentanten vom gleichen Willen der Verständigung erfüllt seien. — Dies vorausschickend, berührte er in kurzer, aber um so fesselnder Form die vielen Fragen des Gemeiudelebens. — Wir haben das geheime Wahlrecht, aber das Vcrhältniswahlrecht muß ebenso wie das Frauenwahlrecht kommen. — Er wandte sich dann der Frage des Einheitsgebetbuches zu wie der der Hebung des Synagogenbesuches. — Brennend ist für unsere Gemeinde die Schaffung eines der Gemeinde würdigen Chores. Ansätze sind durch den seit einiger Zeit in der Neugründung befindlichen Kinderchor gegeben. — Bedauerlich erscheint der Jndifserentismus der Gemcindemitglieder hinsichtlich der Mädchenkonsirmation, wie die Einrichtung der Krankenschwesternvereinigung, die wieder neu geschaffen werden muß. Dringendes Erfordernis ist der Bau einer Leichenhalle, für die eine erste Baurate von 5000 Mark bereits im vorigen Jahr bewilligt ist, weitere Bauprojekte sind in der Schwebe: der Bau eines Gotteshauses für den orthodoxen Teil der Gemeinde, wie der Bau des so dringend erforderlichen Gemeindehauses. — Aus den diesbezüglichen Antrag der Ortsgruppe der liberalen Bereinigung teilte der Vorstand mit, daß derselbe lt. Beschluß dem Bau grunssätz'ich zustimmt, daß a er, bis alle Schivierigkciten behoben sind, noch Jahre vergehen können und vorläufig eine geeignete Etage für Gemeindezwecke gemietet werden soll. — Der Jugendfürsorge, dem Ausbau der Berufsberatung und der sozialen Fürsorge muß die Gemeinde fernerhin größere Aufmerksamkeit wie bisher zuwenden. — Zum Schluß wies er noch aus die Ueberorgamsation der hiesigen jüdischen Vereine hin und bat im Interesse deL jüdischen Vereinslebens um Konzentrierung derselben. — Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. — Eine angeregte Diskussion, an der sich alle Richtungen, Liberale, Orthodoxe und Zionisten, beteiligten, hielt die gut besuchte Bersammlung bis über die Mitternachtsstunde in ihrem Bann. Mannheim. (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) Am Dienstag, den 28. Februar, sprach in der Ortsgruppe der liberalen Vereinigung der Generalsekretär George Goetz aus Berlin über das liberale Judentum und den Zeitgeist, worunter der Redner die Anpassung der Form an eine veränderte Umgebung und Verhältnisse verstanden wissen will. Aus alter Zeit unterzog er einer Betrachtung den Aufenthalt im babylonischen Exil, den Uebergang vom Opferkultus zu der Gemeinde des Gebetes in der Zerstreuung. Eine eingehende Besprechung widmete er der „Reform" im 19. Jahrhundert und* den liberalen Rabbiner-Führern in der Gegenwart. Die. Judenheit war von einer materialistischen Weltauffassung angekränkelt, der Staat hatte mit verwerflichsten Methoden auf die Charakterschwäche im Juden spekuliert. In solchen Zeiten der Auflösung religiöser Treue unternahmen Resormer den Versuch, dem Abfall einen Damm entgegenzusetzen. Die Unterstützung alles Jüdischen sollte abgelöst werden von einer erneuten Bindung an jüdische Lehre. Die durch die Annahme des deutschen Kulturgutes frei gewordenen geistigen und seelischen Kräfte sollten wieder in den Dienst des Judentums gestellt werden. So hat die liberale Bewegung stets versucht, die durch den Zeitgeist veränderte Einstellung im Individuum zu erkennen, Rechnung zu tragen dem Verlangen nach religiöser Betätigung. Hierin erblicke die Vereinigung ihre dauernde Aufgabe. In einer sich anschließenden Aussprache berührten Gegenwartsfragen dle Herren Ascher, Oberrat Hartog, Hauptlehrer Stiefel, Fischmann und Notar Dr. Appel. Am darauffolgenden Abend sprach derselbe Redner in der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugend über „Schicksal und Wirkung des jüdischen Gedankens in der Menschheit". Vereinsnachrichten 1. Berliner jüdisches Hallen-Sportfest am 18. Mörz im Sport- Palast. Zum ersten Male tritt das Jugendamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit einer größeren sportlichen Veranstaltung vor die Oefsentlichkeit Berlins. Alle jüdischen Jugendvereine haben sich bereitwillig mit ihren ganzen Kräften zur Bersügung gestellt, um ihre sportliche Leistungsfähigkeit zu zeigen. Am stärksten werden die großen jüdischen Sportvereine vertreten sein, wie Bar Kochba, Maccabi, Hakoah und die Sportgruppen des R. j. F. Der Bar Kochba, der Leichtathletik, Turnen, Gymnastik, Hockey, Handball usw. betreibt, feiert im Oktober d. I. sein 30 jähriges Jubiläum und ist der älteste unter ihnen. Maccabi, einer der stärksten Berliner Boxclubs, hat in neuester Zeit auch ecne sehr starke Ringermannschaft herausgebracht, sowie Hakoah, die im Fußballsport sehr geachtet ist, sind Clubs, die erst nach dem Kriege enlstanden sind. Aus den Sportgruppen des R. j. F. ist besonders die Jiu-Jitsu- Gruppe zu erwähnen, die 2 deutsche Meister ausweisen kann. Das Hallen-Sportscst wird durch den Aufmarsch sämtlicher Teilnehmer, ca. 2000 Sportler und Sportlerinnen werden in den Sponpalast unter den Klängen der bekannten Sportpalastkapelle einzieheneröffnet. Es folgt dann ein Hockey-Propagandaspiel, welches von 2 gleichio-ertigen Bar Kochba-Mannschasten vorgeführt wird. Ein Handballpokalspiel wird ausgetragen werden; 5 leichtathletische Borsührungen sind im Programm vorgesehen, die alle spannende Kämpfe herbeisührcn werden. ' Im 500-Meter-Laufen dürste cs eine sehr interessante Entscheidung geben. Die neuen Sprinter des Bar Kochba, Gerber und Lewin, starten zum 1. Mal gegen ihre jetzigen Club«* kameradcn Gebr. Kurz, Simmenauer und Simon. Im 1500-Meter- Vorgabelaufen steht der bekannte finnische Olympia-Kämpfer Katz am Mal; ihm am nächsten steht der 2. der Brandenburgischen Meisterschaft, Bergmann, es folgen dann in knappen Abständen die bekannten Mittelstreckler des Bar Kochba: Kraus, Eger, Cohen, Silbcrmann, Janklowitz, die Vorgaben auszuholen haben bis 150 Meter. Ein 1000-Meter-Lauf vereint die Läufer der anderen Vereine. In der 10X50 Meter Pendelstasfette sind sämtliche Vereine vertreten und es gewinnt meistens die Mannschaft, die am schlechtesten läuft, aber am besten wechselt. Die Rundcnstasfeln werden dem Bar Kochba, der zur Zeit die besten Hallenläufer besitzt, kaum zu nehmen sem. Sehr interessant dürsten die Boxvorsührungcn und Kämpfe des Maccabi sein. Bekannt und gefürchtet im Amateur-Boxsport ist überall das weiße M auf schwarzem Grund, und es werden bekannte Boxer wie Malz, Fuchs, Friedländer, Praiß, Buchbaum usw. im Ring zu sehen sein. Auch einen Ringkampf wird der Maccabi zeigen. Die Hakoah wird ein Fußballspiel sowie Vorführungen ihrer Jugendlichen und ein Tennisspiel demonstrieren. Interessant versprechen auch die Jiu-Jitsu- Kämpfe der Jiu-Jitsu-Gruppe des R. j. F. zu werden. Hier treten in den Ring bekannte Leute wie Rosenthal, mehrfacher deutscher Meister, Mendelsohn usw. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. hat für die siegreiche Mannschaft im Hockeyspiel einen wertvollen künstlerischen Preis gestiftet. Sozialer Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche. Auf die Mitteilung in der jüdischen Presse über die Bildung eines Sozialen Ausschusses des Rcichsverbandes der jüdischen Lchrervereine im deutschen Reiche sind recht zahlreiche Meldungen eingegangen. Die konstituierende Sitzung soll nunmehr im Rahmen der Jüdisch-Sozialen Ausbildungswoche am Dienstag, den 20. März d. I., um. 18 Uhr, in der Geschäftsstelle der Zcntralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 69, II, stattsindcn. Der Sitzung liegt folgende Tagesordnung zugrunde: 1. Bericht. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Arbeitspläne und Richtlinien. 4. Verteilung der Dezernate. 5. Verschiedenes. Bezirksschulkommission Wilmersdorf der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Einladung zum Elternabend am Montag, den 19. März 1928, abends 7% Uhr, in der Aula der Victoria-Luiseschule, Uhlaudstr. 91 93. Referate: 1. Wie stehen >vir Eltern zur religiösen Erziehung unserer Kinder in Schule und Haus. 2. Das jüdische Kind in der öffentlichen Schule. Reichrbund jüdischer Frontsoldaten E. B., Ortsgruppe Berlin, Bezirk Süd. Dienstag, den 20. März, abends 8^. Uhr, Mitgliederversammlung mit Damen in den Kammersälen, Teltower Straße Ecke Belle-Alliance-Straße. Herr Pastor Franke spricht über: „Mussolinis reaktionärer Standbegrifs." Gäste willkommen! Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten E. B., Ortsgruppe Berlin, Bezirk Cöpenick. Sonnabend, den 17. März, Purim-Feier im „Deutschen Haus", Karlshorst. Gäste willkommen! Kalendarium f. die Zeit v. 17. Z. b. 24. Z. 28 Marz 1928! Adar,Nissan 5688 Sonnabend 17. 25. Neumondweihe Wochenabschnitt: Wajakhel PUude P. Hachodesch Haf/arah: Ezechiel 45,16—25; 46,1—18 Sabbat-Ausgang: 6.53 Uhr Sonntag 18. 26. Mo ii lag 19. 27. Diens ag 2). 28. Mittwoch 21. 29. Jom Kippur Koton Nissan 5888 Donnerstag 22. 1. Rofch Chodcsch F ei ag 23. 2. So:ma «nd 21. 3. Wochenabschnitt: Wajiko Haftarah: Jefaia 43,21—28; 44,1—23 Sabba.-Ausgang: 7.03 Uhr