Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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( (allgemeinen) Ehrenfriedhof 'in Stöcken und zur Gedenkfeier des BolkSbundes für Kriegsgräbcrsürsorge entsandte der R. j. F. seine Kahnenabovdnung. Kassel. (Gefallenen-Ehrung.) Anläßlich deS VolkstrauertageS würdigte Landrabbiner Dr. Walter letzten Sabbat beim HauptgotteSdienst, an das Prophetenwort „Heute ist ein Tag der Botschaft, und wir sollten schweigen?" anknüpfend, Sinn und Wert der Gedenkfeier, die trösten, zugleich aber auch zur Einigkeit ermahnen will. In einer besonderen Feier, zu der die Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Sonntag vormittag m den Vortragssaal der LandcSbibliothek eingeladen hatte, hielt Herr Dr. Walter eine eindrucksvolle Ansprache. Namens der Kriegsteilnehmer richtete Lehrer Bacher an die zahlreichen Zuhörer der Stimmung des Augenblicks angepaßte Worte. Nordhausen. (Aus dem Gemeindeleben.) Am 13. März 1928 feiert der 1. Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde in Nordhausen, Herr Sanitätsrat Dr. Carl Stern, sein goldenes Doktor- und Berufsjubiläum. .Herr Sanitätsrat Dr. Stern ist ebenfalls 1. Vorsitzender des hiesigen Aerzte-Vereins. In vorbildlicher Treue und Hingabe, mit seltenem Geschick, versieht Herr Sanitätsrat Dr. Stern die schwierige Aufgabe als 1. Vorsteher unserer Gemeinde! Mögen dem allseits hochgeschätzten und hochverehrten Jubilar noch recht viele Jahre segensreichen Wirkens und Schaffens in geistiger und körperlicher Kraft und Frische beschieden sein! -- Kürzlich besuchten die Sekundaner des Staatl. Gymnasiums in Nordhausen unter Führung des Herrn Studienrat Dr. Weyhcmann die Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Psingst wies aus die Einfachheit und Schlichtheit jüdischer Gotteshäuser hin; jede bildliche und figürliche Darstellung wird gemäß dem 2. Gebot vermieden; davon legt beredtes Zeugnis die hiesige Synagoge ab. Es wurde den Schülern der heilige Schrein mit den Thorarollen in ihrem Schmuck gezeigt; dann verlas und erklärte Herr Rabbiner Dr. Psingst einen Abschnitt aus einer Thorarolle, und nach fast einstündigem Verweilen verließen die Schüler befriedigt das Gotteshaus. — An der hiesigen Volkshochschule liest Herr Rabbiner Dr. Psingst eine Vortragsreihe über „Das Judentum". Die Vorlesung ist hauptsächlich von Nichtjuden belegt worden und gehört mit zu den besuchtesten. Nürnberg. (Rundfunk.) Im Rundfunksender München-Nürnberg brachte der hiesig« Kantor und Lehrer Julius Kaufmann eigene Kompositionen zu Gehör, die teils von ihm selbst mit einem überaus sdmpathischen Bariton, teils von Erna Schiffer, Mezzosopran, mit Leonhard Stirnweiß am Flügel, interpretiert wurden. Die vorgetragenen Kompositionen waren zum größten Teil Vertonungen auf dem Gebiete neuester jüdischer Lyrik. Schueidemühl. (Aus dem Gemeindeleben.) Wie alljährlich, so veranstaltete auch dieses Mal die Chewra Kadischa am 7. Adar ein Festmahl, woran die Mitglieder des Vereins mit ihren Damen teilnahmen. Der Vorsitzende der Chewra, Kaufmann Samuel Goetze, begrüßte die Erschienenen in einer längeren Ansprache. Rabbiner Dr. Rosenzweig gab in sehr anregender Weise einen geschichtlichen Ueberblick über die Institution der Chewra, während Stadtrat Schneider im Namen der Gemeinde sprach; er machte zugleich die mit großem Beifall ausgenommene Mitteilung, daß man beabsichtige, eine jüdische Darlehenskasse zu gründen. — Der hiesige „Israelitische Wohltätigkeitsverein" hielt im Sitzungssaale der Gemeinde seine Generalversammlung ab. Zahnarzt Dr. Bieber, der langjährige Vorsitzende dieser Bereinigung, eröffnete die Versammlung, gab den Jahresbericht und teilte u. a. mit, daß der Wohltätigkeitsverein, der über ein großes Vermögen verfügt hat, dieses in der Inflation verloren habe und 'dadurch seinen Verpflichtungen in den letzten Jahren nicht so, wie er es wollte und sollte, Nachkommen konnte. Durch die nunmehr regelmäßige Zahlung der Beiträge und durch freiwillige Spenden ist der Verein, der ca. 70 Mitglieder zählt, wiederum in den Stand gesetzt worden, kleine Kapitalien auszuleihen und Arme mit Geld, Lebensmitteln und Brennmaterialien zu unterstützen. Auch über die Gründung einer Darlehenskasse wurde gesprochen; dieser Plan soll dem Bezirksverbande der jüdischen Gemeinden der Grenzmark, der in nächster Zeit hier seine Delegiertensitzung abhalten wird, vorgelegt werden. Der Vorstand des Wohltätigkeitsvereins, der vor 83 Jahren gegründet worden ist, besteht zur Zeit aus den Herren Stadtrat Schneider (Ehrenvorsitzender), Zahnarzt Dr. Bieber, Rabbiner Dr. Rosenzweig, Kaufmann Samuel Rosenthal, Kaufmann Max Baumann und Kaufmann Louis Schweriner. — Die Feier des Bolkstrauertages wurde auf dem Friedhof, an dem Denkmal der im Weltkriege gefallenen Helden der hiesigen jüdischen Gemeinde, abgeyalten. Rabbiner Dr. Rosenzweig hielt die Gedenkrede. Er ermahnte die Anwesenden, die in großer Zahl erschienen waren, zur Liebe und Treue gegen das Vaterland und sprach die Hoffnung aus, daß aus dem Mute der gefallenen Krieger ein einiges und großes Deutschland hervorwachsen möge. Zum Schlüsse trug Kantor Jospe das El mole racha, mim vor. Schueidemühl. (Tagungen.) Am Sonntag, den 11. März 1928, findet hier eine Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine der Grenzmark Posen-Westpreußen statt. Im Mittelpunkt der Tagung steht der Vortrag von Fritz Schwarzschild über Jüdische Jugend — Schicksal und Aufgabe. — Am darauffolgenden Sonntag, den 18. März 1928, tagt der Verband der jüdischen Gemeinden der Grenzmark Posen-Westpreußen. Wiesdadeu. (Aus dem Gemeindeleven.) Zum Abschluß des Zyklus „Religionsstifter, ihr Leben und ihre Bedeutung für di« Gegenwart" sprach Bezirksrabbiner Dr. Lazarus vor ca. 400 Hörern, Juden und Christen, über „Luther". Ausgehend von einer kulturgeschichtlichen Skizze des 16. Jahrhunderts, dem Zeitalter der Erfindungen und Entdeckungen, streifte Redner zu Beginn nur kurz Luthers Stellung zu den Juden, die nach einer Periode der Gleichgültigkeit dazu übergeht, die Juden für das neue Evangelium zu gewinnen; als der erwartete Erfolg nicht eintritt, ändert L. seine Haltung zu den Juden, die nunmehr eine gehässige und überaus feindselige wird. (S. Reinhold Lewin „Luthers Stellung zu den Juden", Bln. 1911.) Der Vortragende geht dann über zu seiner eigentlichen Aufgabe, Luthers Stellung innerhalb der christlichen Kirche darzustollen, das Neue an ihm darzutun und seine Haltung im Gesamtbild der modernen Kultur zu bewerten, um abschließend dann demgegenüber die Anschauung des Judentums zu betonen. Die deutsche Reformation war nichts weniger als eine einheitliche Bewegung; sie »var die Resultante aus vier Komponenten: der religiösen, der nationalen, der wirtschaftlichen und der wissenschaftlichen. Das GemelNsame, das alle diese so verschiedenartigen Richtungen zu einer Einheit verknüpfte, war die Berufung auf die Bibel. Als eine durch und durch mittelalterliche Erscheinung, als typischer Uebergangsmensch an der Wende einer neuen Zeit, stellt L. den letzten großen Mönch dar, den Europa gesehen hat. Das Reue an ihm war nach Ansicht des Redners: Rückkehr zur Bibel als der einzigen Autorität gegenüber der Auslegung durch die katholische Kirche, Wiedererweckung des Gedankens des allgemeinen Priestertums» Hineinschiebung des Gewissens als der entscheidenden Macht gegenüber der Entscheidung durch den Priester. Diese Elemente stellen ein« nachträgliche Rechtfertigung des jüdischen Standpunktes dar. Innerhalb der christlichen Kirche selber betont er die Paulinische Anschauung der Glaubensre.igion im Gegensatz zur Sakramentsreligion, Abkehr von der Wertschätzung der guten Werke. Anzuerkennen ist, daß L. die Freiheit der Forschung ausgestellt hat, das Gewissensmoment, die persönliche Verantwortlichkeit des Einzelne» stärker betont und das Recht des Individuums in den Vordergrund geschoben hat. Andere Ergebnisse aber haben ungünstig die Folgezeit beeinflußt, dadurch, daß Luther die Lebensbezirke verselbständigt, daß er die katholische Haltung vom Primat des Religiösen im ganzen Leben zerstört und ferner bewußt in das Denken der Menschen die Staatsautorität als eine religiöse Einrichtung eingeführt hat. L. ist der Vater der Staatsvergottung. Heute sieht man selbst in protestantischen Kreisen eine gewisse Abkehr van diesen Gedankengängen und Hinwendung zum allgemein jüdischen Standpunkt: Hinneigung zum Primat des Religiösen als dem Umspannenden aller Lebensbezirke, und ebenso macht sich ein Protest gegen die Staatsvergottung geltend. Nachdem Redner di« Bedeutung van Luthers Bibelübersetzung eingehend geschildert, jucht er den jüdischen Standpunkt klar auszuführen, der dahin geht, Einheit von Leben und Religion zu erzielen. Dazu ist notwendig das Vertrauen des Menschen auf die eigene Kraft. Das Judentum kennt kein Sakrament, das ihm Gnade, keine Anstalt, die ihm Sünde vergibt — Gott allein offenbart ihm die sittliche Welt; er gab ihm auch die Kraft, aus sich selbst heraus die sittliche Welt Gottes auf Erden zu verwirklichen. — Die vor 5 Jahren von Bezirksrabbiner Dr. Lazarus gegründete Chewrah der Israelitischen Kultusgemeinde beging zum erstenmale im Gegensatz zu früheren Jahren auf Anregung des Herrn Oberkantor Nußbaum am 7. Adar, dem Todestage Moses', ihr Stiftungsfest, das in einem Gottesdienst, Besuch des Friedhofs und einem Chewrah-Essen unter Beteiligung von über 100 Personen aus allen Kreisen der Gemeinde bestand. Außer der Begrüßungsrede des überaus verdienstvollen Vorsitzenden der Chewrah, Herrn Arthur Ganz, hielten der Gemeinderabbiner Dr. Lazarus und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Justizrat Markheimer, kurze Ansprachen, in denen sie auf die Bedeutung der Chewrah hinwiesen. Um das Gelingen des Festes hatten sich neben den beiden Lehrern Nußbaum und Capell besonders verdient gemacht die Herren Rothschild und Singer. ★ Aus der Bewegung Breslau. (Liberaler Verein der Synagogengemeinde.) Der Liberale Verein der Synagogengemeinde hatte für den 1. März seine Mitglieder nebst Angehörigen sowie Gäste zu einer Veranstaltung in Form eines Teeabends in den großen Saal des Hotels Bier Jahreszeiten geladen. Eine festlich gestimmte und gekleidete Menge war in so reicher Zahl erschienen, daß der große Raum fast zu klein für sie wurde. Nach der Begrüßung durch Justizrat K a l i s ch sprach Frau Ruth Engel einen (von Max Spiegel verfaßten) formschönen und tief inhaltreichen Prolog mit Ausdruck und Empfindung. Hierauf folgten drei Lieder (von Hugo Wolfs), gesungen von Frau Käthe Fischer, deren Vortrag und Stimme auch ein so verwöhntes Publikum wie das anwesende zu ehrlichem Beifall veranlassen mußten. Und dann ergriff der freudig und lebhaft begrüßte Gast des Abends, Prof. D r. Jsmar Ellbogen, das Wort zu einem einstündigen Vortrag. Der Redner ging von dem Zurückgehen der liberalen Stimmenzahl bei den Gemeindewahlen in Berlin und Köln aus. „Das besage gar nichts. Liberalismus sei keine Majoritätsftage, sondern eine Weltanschauung. Im Gegensatz zur Orthodoxie sei diese Weltanschauung kein fertiger Weg, sondern ein Suchen, gebe auf Menschheits- und Gewrssenssragen keine fertigen dogmatischen Antworten, sondern fordere ein Ringen des Einzelnen mit sich selbst. Denn der Mensch von heute will in Fragen, die sein Tiefstes und Innerstes betreffen, von sich selbst aus entscheiden. Aber dieser berechtigte Individualismus dürft nicht zu weit führen und an die Pflicht gegen die Gesamtheit vergessen machen. Denn individuelles Gefühl und Gewissenskampf bringe noch nicht ohne weiteres die sittliche Kraft zum Reformator mit sich, bedinge auch nicht immer schon die zum völligen Alleinstehen nötige Stärke. Nicht jeder sei ein Spinoza, und deshalb dürft der Individualismus nicht die solch außergewöhnlich hochstehenden Menschen zuzuerkennende Berechtigung zur völligen Absonderung für jedes menschliche Einzelwesen in Anspruch nehmen. Individualismus sei nur der Sauerteig, der die Gesamtheit aus der Trägheit ausrühre. Und aus solcher Auffassung des Begriffs „Gesamtheit" heraus müsse der Liberalismus jede, insbesondere aber eine völkische Bewegung im Judentum ablehnen; von deren Anhängern jedoch nur die auf rein nationalem Boden Stehenden, nicht aber z. B. einen Martin Bub er, der sich dom Zionismus schon wieder entftrnt habe. Deshalb sei eine Verringerung der Reibungsflächen zwischen uns und den Rationalen nach Möglichkeit zu erstreben, allerdings dürft die Kampsesfreudigkeit für die liberalen Ideen dadurch nicht herabgemindert werden. Denn wir seien Kämpfer, einmal als Menschen, als jüdische Menschen in doppelter und als liberale Jude in dreifacher Beziehung —" Nach diesen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Worten dankte Justizrat K a l i s ch dem Redner und wies darauf hin, daß in der Gemeindevertretung das Zusammenarbeiten mit den Zionisten sich immer schwieriger und reibungsvoller gestalte. In der Aussprache bedauerte R.-A. Spitz, daß die Breslauer jüdische Schuljugend dem im Gemeindeblatt an sie ergangenen Ruf zu einer Aussprache über die Neugestaltung der Jugendgottesdienste in so geringer Anzahl gefolgt sei; namentlich die liberal eingestellten jüdischen Schüler, die hier Gelegenheit zur Betätigung ihrer religiösen Auffassung hätten finden können. Die Hauptschuld läge auch hier nicht an den Kindern, sondern an den Eltern und Lehrern, die die nötige Anregung nicht gegeben hätten. Frau Paula O l l e n d o r f gab als Grund für die noch immer nicht genügende Stoßkraft des Liberalismus die Tatsache an, daß die liberale Bewegung sich nicht schon vor 30 Jahren der Mitarbeit der Frauen bedient hätte und rief ihre Mitschwestern zu solcher mit begeisternden Worten aus. — Die Versammlung hatte außer der ideellen Wirkung noch den praktischen Erfolg, daß sich weit über 30 neue Mitglieder zum Eintritt in den Liberalen Verein meldeten. — Frankfurt a. M. (Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben.) Gesellschaftsabend im Frankfurter Hof. Der Gedanke den der Freisinnige Verein mit der Veranstaltung dieses Abends verband, den Mitgliederkreis gesellschaftlich einander näher zu bringen, zeigte durch das Gelingen des Festes seine vollste Berechtigung. Di« wirksame Vorbereitung und der zwanglose, in jeder Weis« künstlerisch und allgemein befriedigende Verlauf des Abends führten zu einer festesfrohen und gesellig heiteren Stimmung aller Besucher. Mit besonderer Freude konnte sestgestellt werden, daß durch diesen Abend auch die Kreise herangezogen wurden, die unserer bisherigen Tätigkeit noch fern standen. Der Gesamtrahmen des Abends bot ein Bild ftstlich freudigen Gepräges. Die vornehm zurückhaltende Ausschmückung der Räume, die unter der Leitung namhafter Künstler stand, das farbenprächtige Bild der eleganten Toiletten, von denen sich das Schwarz der Herren wirkungsvoll abhob, schufen den Rahmen zur festlichen Stimmung. Die Kapelle der Shocking Boys und der Kapelle Steiner sorgten dafür, daß diese Stimmung noch erhöht wurde. Der den ganzen Abend ausfüllende Tanz wurde in zwangloser Wei-se durch künstlerische Darbietungen unterbrochen. Fritz Emmel conftrierte in seiner bekannt witzig-pointierten Weise. Alice Cassel sang mit edler Tongebung die Arie ans Samson und Dalila. Damen der Gesellschaft führten einen von Roftl Bergmann-Rosenberg einstudierten Faschingsreigen auf, der allgemein Beifall erntete. Leo Magido trug mit seinem wirkungsvollen Tenor Arien aus verschiedenen Opern vor, und wurde von beifallsfreudigen Zuhörern zu immer wieder neuen Zugaben veranlaßt. Ilse Feldmayer überraschte und begeisterte durch die graziöse Art ihres Grotesktanzes. Junge Damen der Gesellschaft zeigten einen von Grell Hauck einstudierten Tanz der Tillergirls, der durch ftinen Rhythmus mit fortriß. Gertrud Dahlberg sang mit Innigkeit und klangschöner Stimme eine Arie aus Madame Butterfly. Den Gipfelpunkt erreichte der Abend mit dem Tanzturnier, dessen Teilnehmer es bei der großen Anzahl guter Tänzer und Tänzerinnen nicht leicht hatten, dafür aber mit wertvollen Preisen bedacht wurden. Das gute Gelingen des Abends mag dem Freisinnigen Verein ein Beweis dafür sein, daß seine Aufgabe au-ch auf gesellschaftlichem Gebiete liegt. Möge alljährlich ein solcher Abend zu einem immer stärkeren Zusammenschluß seiner Mitglieder beitragen. Vereinsnachrichten Jüdisch-Soziale Schnlunqswoche in Berlin vom 18.—23. Marz 1926. Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden veranstaltet unter Mitwirkung großer jüoifcher Wohlfahrtsorganisationen, nämlich: des Arbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands, des Bundes der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten, des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge, deS Hilfsvereins der deutschen Juden, des Jüdischen Frauenbundes, des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände, der Sozialen Ausschüsse des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes und des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise, des Vereins der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands, des Wvhlfahrts- und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde Berlin und der Jüdischen Kinderhilfe Berlin, eine Jüdisch-Soziale Sch ul ungs wache in Berlin in der Zeit vom 18.—23. März. Die Schulungswoche wird am Sonntag, den 18. März, 2 0 Uhr, durch einen Vortrag von Frau S. Wronsky, Berlin, über „Neuzeitliche Wohlfahrtspflege" (Wandlungen der Ideen, Begriffe und Methoden) eingeleitet. Nach Eröffnung des Kursus am Montag, den 19. März 1928, 9 Uhr pünktlich, folgen Vorlesungen und Aussprachen von 9—15 Uhr täglich über: 1. Wichtige gesetzliche Bestimmungen. Stadtrat Dr. Hans Muthcsius und Dr. Ralph Berget: Durchführung der Reichssürsorgepflichtverovdnung. — Dr. Werner Fraustädter: Ausgewählte Fragen aus dem Ausländerrecht. 2. Ausgewählte Themen aus der Sozialpolitik. Stadtverordnete Dr. Frieda Wunderlich: Ueber produktive Sozialpolitik. — Dr. Max Kreutzberger: Fragen der Arbeitsfürsorge. — Salomon Adler-Rudel: Jüdische Wanderung und Wairderfürsorge. — 3. Ausgewählte Themen aus der Sozialpädagogik. Direktor Rudolf Schlosser: Fragen der Fürsorgeerziehung. — Dr. med. Hermann Stahl und Frl. Ruth von der Leyen: Sozialärztliche und sozialpädagogische Fragen bei schwer erziehbaren Kindern. — Fräulein Paula Fürst: Neuzeitliche Führung der Kindergärten und -Horte. — Frl. Hannah Karminski und Dr. Georg Lubinski: Die schulentlassene Jugend. — Frl. Charlotte Meyer: Soziale Gerichtshilfc. — 4. Ausgewählte Themen aus der sozialen Hygiene und Sozialversicherung. Rechtsanwalt Dr. Alexander Philipsborn und Frl. Herta Neuseld: Volksbelehrung als Aufgabe der Gesundheitsfürsorge. — Dr. med. Franz Goldmann: Gesundheitsfürsorge. — Frl. Gertrud Israel: Sozialversicherung. — Sonderausgaben der Gesundheitsfürsorge: a) Dr. med. I. W. Samson: Hauptforderungen praktischer Tuberkulosefürsorge, b) Stadtarzt Dr. Georg Löwenstein: Gcschlechtskrankenfürsorge. — An den Nachmittagen finden nach besonderer Vereinbarung Arbeitsgemeinschaften im kleineren Kreise über einzelne Fachgebiete unter Leitung der Referenten statt. — Ferner sind Besichtigungen von jüdischen und allgemeinen Wohlfahrtseinrichtungen und Fachausstellungen vorgesehen. Der Einleitungsvortrag und die Vorlesungen finden in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N. 24, Artilleriestraße 14, statt. Die Teilnahme an der Jüdisch-Sozialen Schulungswoche steht allen in der Wohlfahrtspflege Tätigen und an ihr Interessierten unentgeltlich offen. — Anmeldungen sind baldmöglichst zu richten: an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 69, II. Das ganze Programm steht aus Wunsch dort zur Verfügung. Delegiertenlagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Am 27. und 28. Mai 1928 findet in Dresden die VII. Ordentliche Delegiert entagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Das Thema der Tagesordnung ist ,Z1nser Weg in die Wirklichkeit'". In einem grundsätzlichen ersten Referat „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit" soll die Bedeutung der objektiven Erziehungswerte für die Persönlichkeitsbildung des Jugendlichen unserer Tage dargestellt werden. — Das zweit« aus zwei Teilen bestehende Referat wird sich ganz den Fragen praktischer Arbeit zuwenden. Der erste Teil wird die Möglichkeit eines Mindcsterziehungsprogramms für unsere Bünde zu überprüfen haben, während der zweite Teil die Ausgaben der Jugend in der Gemeindearbeit behandeln wird. Im Schlußreferat soll schließlich der Wille unseres Verbandes zu tätiger Mitarbeit an den allmenschlichen Problemen unserer Zeit in einem Weltbund der Jugend AuÄncuck finden. Zur Vorbereitung der Tagung hat sich unter dem Borsitz des Herrn Rechtsanwalt Paul Salinger, Dresden, ein Ehrcnausschuß gebildet, dem außer einer Anzahl Persönlichkeiten aus Dresden noch folgende Herren und Damen angehören: Rabbiner Dr. Leo Baeä, Berlin; Rabbiner Dr. Hugo Fuchs, Chemnitz; Joses Kahn, Chemnitz. Otto Schlesinger, Wilischthal b. Zschopau; Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Leipzig; Frau Bettina Brenner, Leipzig; Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Plauen und Herr S. Schocken, Zwickau. Alle Anfragen find zu richten an den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Düsseldorf, Haroldstraße 4,1, oder an den Arbeitsausschuß, z. Hd. von Frau Elsa Hirschel, Dresden, Wiener Straße 85. Das erste Berliner jüdische KaUen-Sporlsest am 18. März im Sport-Palast. Dieft Veranstaltung, an welcher sich fast alle jüdischen Turn- und Sportvereine Groß-Berlins beteiligen, verspricht einen äußerst interessanten Verlauf zu nehmen. Neben den verschiedenen Laufkonkurrenzen, bei welchen der Bar Kochba sein bestes Läufermaterial vorschicken wird, werden die Boxkämpfe des Maccabi sehr spannend ftin. Die in der Berliner Boxwelt bekannten Mitglieder des Maccabi, Buchbaum, Praiß, Weißkind und Malz, werden Schau- Kämpfe vorsühren, während Friedländer, Fuchs und Zwiebel besondere Trainings-Arbeit zeigen werden. Der in der Fußballwelt bekannte Sportclub Hakoah wird in seiner Schau-Borführung die Feinheüen eines Fußballspieles demonstrieren. Die Jiu-Jitsugruppe des R.j.F., in welcher sich der deutsche Meister Rosenthal befindet, wird diesen modernen Abwehrsport in allen Einzelheiten vorsühren. Die Veranstaltung nimmt um ÖV2 Uhr ihren Anfang. Es ist mit einem überfüllten Haus zu rechnen, da schon jetzt rege Nachfrage nach Eintrittskarten besteht. Es ist daher dringend angeraten, sich der 3 nachstehenden Borverkaussstellen rechtzeitig zu bedienen: 1. Borverkaussstelle: Gemeindehaus Rosenstraße; 2. Borverkaussstelle: Synagoge Fasanenstraße (Pförtner); 3. Borverkaussstelle: Berliner Zeitungsstände Schönhauser Allee 3. Die Preise für das Hallensportsest sind sehr volkstümlich gehalten, um allen Schichten der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, bei dreser Veranstaltung anwesend zu sein. So kostet der 2. Rang, von welchem man eine sehr gute Uebcrsicht über die gesamte Arena hat, nur Mk. 0,60, der 1. Rang Mk. 1,— und Mk. 2,—, der Parterresitz in den Kurven Mk. 1,50 und die Tribüne Mk. 2,—. Jüdischer Frauenbund. Bezirksgruppe Charlotlenburg und Grunewald. Im Emelka-Palast findet am 11. März 1928, um 11V2 Uhr vormittags, eine Sonderausführung des Films „Meine Söhne" (Hauptrolle Schildkraut) statt. Einleitend spricht Johanna Meyer Dichtungen des Judentums (Beer-Hofmann, Heine, Kerr, Werfel, Zuckermann). Der Reinertrag gilt der Gründung eines Altenheimes vom Jüdischen Frauenbund. Kalendarium f. die Zeit v. 10. 3. b. 17.3.28 Mürz 1928! Adar 5688 Sonnabend 10. 18. Wochenabschnitt: Kississo P. Poroh Haftarah: Ezechiel 36,16—36,38 Sabbat-Ausgang: 6.41 Uhr Sonntag 11. 19. Montag 12. 20. Diens ag 13. 21. Mittwoch 14. 22. Donnerslag 15. 23. Freitag 16. 24. Sonnabend 17. 25. Reumondweihe Wochenabschnttt: Wajakhel P'kude P. Hachodesch Haftarah: Ezechiel 45,16—26; 46,1—18 Sabbat-Ausgang: 6.53 Uhr