Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-01-20 · 3 (20.1.1928) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

16 entity mentions

Ganzer» ineinander verwachsen. Der Satz: „Ihr sollt heilig sein, ddttn ich bin heilig", ist Inhalt und Zweck jeder einzelnen Bestimmung. Des Bottes Heiligung soll bewirkt werden; dies ist Gottes Wille; wird er vollzogen und heiligt sich dadurch das Bott, erfüllt es seine sittlichen, religiösen, sozialen Pflichten, so heiligt es auch Gott, indem es Gottes Willen tut, das Gute und Rechte zu tun lind das Böse zu lassen. Leben und Religion sind mit einander Erschmolzen, Sünde ist jede Pflichtverletzung. — Die Staatsform ist nicht maßgebend, wenn nur der göttliche Wille und göttliche Geist IN ihr zum Ausdruck kommt. — Aus der Meng« der Gelehrten, die Über Staat und Religion geschrieben, hebt der Referent die Anschauung Mendelssohns und Frankels besonders hervor. — An dem ^mosaischen Prinzip, neben Priestern auch weltliche Richter fungieren zu lassen, hält auch David besonders bei der Einsetzung der Provinzialstände fest. So verfährt auch Esra, der, um dem Bedürfnisse einer spezifisch jüdischen Rechtspflege zu entsprechen, überall Richter aufstellt. Diese, des Gesetzes kundig, verbreiteten die Kenntnisse und genaueste Beobachtung der mosaischen Lehre. — Nach der Zerstörung des 2. Tempels bildeten die Juden keinen Staat im Staate; sic sind nur das religiöse Element. Sie wollen höchste Entwickelung der Völker durch Aufnahme ihrer Ideen. Nicht Kirche und Staat, sondern Religion und Staat sollen bestehen. - Der Herr Referent äußert sich über die Entwickelung des Staates auf Grund der Entwickelung der Familie, der Hüterin der Liebe, der Uneigennützigkeit, des Gemeinschaftsbewußtseins, der Sittlichkeit. Es entsteht dadurch die soziale Lebensordnung. Die mosaische Gesetzgebung kennt keine Klassenbevorrechtung. Es folgt nun eine geschichtliche Betrachtung über das Zutreffen dieser Auffassung. Das Wort „suum cuique" (jedem das Seine) wird in allen Beziehungen innegehalten, dabei auch Sorge für die Armen getragen, Regelung des staatlichen Lebens im mosaischen Gesetze, grundsätzliche Rechtssreiheit aller Israeliten geschaffen. Die Zerstreuung Israels geht unter Mitnahme der wertvollen Gedanken des Mosaismus vor sich. Der soziale Geist konnte in den weltlichen Staatsformen nicht verloren gehen. — Der Redner schließt mit der Hoffnung auf zwar Durchdringung des Staatslebens mit religiösem Geist, aber einer freien Kirche im freien Staate. — In der Aussprache bezieht Herr Berger als Versammlungsleiter die Gedanken der mosaischen Gesetzgebung auf modernes Jnnerjüdisches, die gegenseitige Achtung in der Einheitsgxmeinde, Wahrung der religiösen Freiheit oder aber Ausgabe der Einheitsgemeinde als Gegebenes. Berger spricht auch über das Schlagwort des christlichen wie dem des jüdischen Staates und mahnt zum Durchdenken dieser Fragen. Mit herzlichen Dankesworten für den Herrn Referenten schloß der sehr gut besuchte Abend. Bilder aus dem jüdische« Prag. Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Nellhaus-Hirschbcrg am 12. Dezember 1927. Nach einer einleitenden Betrachtung über die Entstehung der Prager Judengemeinde, für die das 10. Jahrhundert als eine Zeit der Bildung und des Wachstums besondere Bedeutung erlangt hat, wandte sich der Herr Vortragende den ergreifendsten und erhabensten Zeugen einer vielhundertjährigen, wechselvollen und tränenreichen Geschichte der Juden Prags zu und schilderte zunächst den alten Judenfriedhof, den Alexander v. Humboldt „ein Wunder des Orients im Abendlande" genannt hat. Die ersten hier besindlichen datierten Grabsteine stammen aus dem 15. Jahrhundert. Auf vielen Grabsteinen finden sich symbolische Zeichen eingemeißelt, die entweder auf den Namen oder die Abstammung oder auf das Alter und das Geschlecht des Verstorbenen hindeuten. Zu den beachtenswertesten Grabmälern gehört das der Anna Schmieles, das mit einem Wappen geschmückt ist. Sie war die Gattin des ersten reichen Juden Böhmens, der in den Adelsstand erhoben wurde. Die Grabinschrift bedauert, nicht den genügenden Ausdruck zur Bezeichnung der Vorzüge der Verblichenen finden zu können. Ferner ist hervorzuheben das Grab des frommen und wohltätigen Vorstehers Mordechaj Meisel, der seinen außergewöhnlichen Reichtum dazu benutzte, um in Zeiten allgemeiner Not unendlichen Segen zu stiften, dann das Grab des Gekehrten R. Apigdor Karo, ein Wallfahrtsort, zu dem Einzelne, ja 'ganze Gemeinden bei unglücklichen Ereignissen pilgerten. Seine Elegie über die Leiden der Gemeinde im Jahre 1389 wird alljährlich am Bersöhnungstage in den Prager Synagogen vorgetragen. Endlich findet sich hier das Grab des berühmtesten Prager Oberrabbiners, fst. Jehnda den Bezallel Löw, vorn Volke kurz „der hohe Rabbi Löw" genannt. Das Bild des Löwen schmückt sein Grabmal, an dem 'jährlich Tausende verweilen und, altem Brauche folgend, als Zeichen der Verehrung oder der Pietät ein Sternchen darauf legen. Der Herr Vortragende entwarf sodann ein Charakterbild dieses sticht nur als Gelehrten, sondern noch mehr als Wunder- und Wohltäter gefeierten Mannes, der in Verbindung stand mit dem berühmten Astronomen Tycho de Brahe und mit dem Kaiser Rudolf II. Um die Person dieses Rabbi spinnt sich ein Kreis von Sagen und Legenden, unter denen die bekannteste die von dem Golem zu Prag ist, die auch des öfteren literarisch verwertet wurde. Ein ebenso ehrwürdiger Zeuge der jüdischen Vergangenheit Prags ist die Altneuschul, die älteste Synagoge Prags. Nach einer Sage soll diese Synagoge kurz nach Zerstörung des Tempels durch jerusalemische Auswanderer erbaut worden sein, die vom Tempel mitgebrachte Steine als Fundament verwendeten. Ihren Namen hat sie wohl nach einer Renovierung als erneute oder „neue Altschul" erhalten. Die Synagoge ' ist wahrscheinlich im 11. Jahrhundert errichtet und Mitte des 12. Jahrhunderts restauriert worden. Eine spätere Restaurierung soll von den Rabbinern nicht zugelassen worden sein, da angeblich das Blut der Märtyrer von 1389 an den Wänden haften geblieben ist. Daher buch das düstere Aussehen der Synagoge. Die bei dem Almemor besindliche golddurchwirkte Fahne wurde den Prager Juden für die Verteidigung der Karlsbrücke gegen die Schweden im 30jährigen Kriege geschenkt. Der Altneuschul benachbart ist das jüdische Rathaus, dessen erster Bau auf Kosten von Mordechaj Meisel erfolgte, und das nach mehreren Feuersbrünsten 1765 von dem aus Breslau eingewanderten Baumeister Schlesinger erneuert wurde. Besonders sehenswert an diesem Rathaus ist die Turmuhr, mit dem Ziffernblatt, das als Ziffern 1—12 die entsprechenden hebräischen Buchstaben zeigt und deren Zeiger sich demgemäß in entgegengesetztem Sinne bewegen. Im Nebenhaus befindet sich das jüdische Museum, welches Erinnerungen an das frühere Ghetto seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts enthält. Diese und noch viele andere „Bilder aus dem jüdischen Prag" zeigen uns deutlich den echtjüdischen Geist der dortigen Judenge- ' meinde, ihr religiös-sittliches Heldentum, ihr Streben nach Verwirklichung der Ideale, die unser Judentum auf seine Fahne geschrieben hat, denen auch wir zustreben sollen, indem wir „Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln vor unserem Gott". Die interessanten klaren Ausführungen unseres verehrten Freundes Herrn Rabbiner Dr. Nellhaus, der zu den Mitbegründern des Jli zählt und sein immerwährendes Mitglied ist, fanden bei den zahlreich erschienenen Anwesenden lebhaftesten Beifall. Unser Vorsitzer /Herr Rabbiner Dr. Halpersohn dankte mit herzlichen Worten und rief dem Herrn Redner unter allseitiger Zustimmung ein „auf baldiges Wiedersehen" zu. * Am 19. Dezember entwarf uns Herr Religionslehrer Davidsohn An klares Bild über die Ursachen, die Geschichte und die Auswirkungen der Makkabäerkämpfe. Den Abend leitete stimmungsvoll die Lichterweihc ein. Am Sonntag, den 25. Dezember, vereinigte sich eine stattliche 'Zahl unserer Mitglieder und Freunde in den Räumen der Loge ' ,/Gerhart Hauptmann" zu unserem Chanukahfeste. . Stimmungsvoll v/Mekr unser verehrtes Mitglied Herr Kantor Wärtenberger den Festabend liurch die Lichterweihe ein. Eine gedankenreiche Festansprache unseres Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Halpersohn folgte. Es möge nur ein Zufall sein, so führte unser Herr Vorsitzender aus, daß wir hier im den Ausgang des Licht- und Weihefestes feierlich begingen. Der Zufall solle aber zur Absicht gestaltet werden. Es solle damit zum Ausdruck gelangen, daß wir in und mit der Höchstziffer der Kerzen, den acht Flammen des Abends, unsere Religion als eine Religion des Lichtes und des durch das Licht versinnbildlichten Geistes erkennen wollen und sollen. Diesen Gedanken bringe uns auch der Festprophet vom Chanukahsabbat mit seinem Worte nahe: „Nicht durch Macht und nicht durch eure Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen." Der Herr Redner lehnte für das Judentum den nationalen Machtgedankeu ab, der nicht dem Wesen des Judentums und seiner Lehre entspreche, ebenso die übertriebene Körperkultur, sofern sie als Allein- und Allheilmittel für di« Schwächen und Gebrechen der zeitgenössischen Judenheit gepriesen werde. Gerade das Chanukahsest mit seinen Rückerinnerungen sei der gewichtigste Protest gegen eine Ueberspannung der Leibcsertüchtigung mit ihren für das Judentum oft unheilsamen Folgen; das Wesen des Judentums wurzle und gipfle zugleich im Geiste als dessen Symbol, das Licht erstrahle und spalte sich nach zwei Richtungen als Macht des Geistes und Macht des Herzens. Es gelte im Sinne der Makkabäer, die keine Heiligen, sondern Helden gewesen seien, das Heldentum des Geistes mit dem Heldentum des Herzens in echt jüdischer Art zu verknüpfen. Mit stürmischem Beifall dankte die Festversammlung unserem Herrn Vorsitzenden. Prachtvoll leitete ein Gesangsvortrag der Kvnzertsangerin Fräulein Bilewski zu dem geselligen Teil über. Der Tanz, dem alle Festteilnehmer gern folgten, wurde durch die mit jubelndem Beifall aufgenommene Chanukah-Revue unterbrochen. Alle mitwirkenden Kräfte: Irma Freund, Anny Silbermann, Ilse Wohlauer, Erich Vulkan, Bernhard Davidsohn, übertrafen die Erwartungen, die selbst der strenge, mustergültig seines Amtes waltende Leiter des Festausschusses, Herr Kantor Wartenberger, in allen seinen Mühen, von seiner verehrten Gattin unterstützt, sich als Maßstab für ein fortreißendes Spiel setzte. Klavicrvorträge von Fräulein Kühnberg, Gejangsvorträge von Fräulein Wohlauer und von Fräulein Bilewski folgten in buntem Wechsel. Unter lautem Beifall konnte Alfred Berger allen Mitwirkenden, dem bewährten Leiter des Festausschusses Herrn Kantor Wartenberger, unseren geistigen Führern Herrn Rabbiner Dr. Halpersohn und Herrn Religionslehrer Davidsohn, für die hingebungsvolle Mitarbeit mit warmen Worten danken. Die Feststimmung kannte keine Grenzen, als Herr Kantor Wärtenberger mit launigen Worten die reizenden Geschenke der Tombola verteilte. Jüdisch-liberale Iugendgemeinschaft Frankfurt a. M. Freiing, den 25. November, veranstaltete die Jüdisch-liberale Iugendgemeinschaft ihre dritte Freitagabend-Feierstunde. Unsere Mitglieder waren unserer Einladung wieder zahlreich gefolgt und die Feierstunde nahm einen sehr schönen Verlauf. Der Abend wurde durch Harmoniumspiel eingeleitet. Eines unserer Mitglieder sang hebräisch, teilweise von den Zuhörern begleitet, einige Gebete, wie das Sch'ma, Lecho daudi und Borchu. Die Gebete wurden unterbrochen durch den deutschen Vortrag eines Psalms und das stille Gebet, für das, wie bei den früheren Feierstunden, kein bestimmter Text gewählt war; bei diesem Gebet kann jeder das beten, was ihm gerade vom Herzen kommt. Anschließend an die Gebete hielt Paul Schwarzschild eine Ansprache, in der er besonders über unseren Stolz auf unser Judentum und unser Deutschtum sprach. Die Feierstunde schloß mit dem Kiddusch und einem Harmoniumvortrag. Sie hinterließ, wie auch die früheren Feierstunden, bei allen, die an ihr teilnahmen, einen tiefen Eindruck. Nach der Feierstunde trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen in der Wohnung unseres Vorsitzenden, wo uns Gelegenheit gegeben war, den Freitagabend im Kreis religiös gleichgesinnter Freunde zu verbringen. Nach dem Essen blieben wir Noch einige Stunden in gemütlicher ernster und heiterer Unterhaltung zusammen. Es ist zu hoffen, daß diese Art, unsere Freitagabende zu feiern, bei immer weiteren Kreisen jüdisch-liberaler Jugend Anklang findet, und daß wir uns hierdurch weiter neue Freunde gewinnen. Rudolf Sünder mann. Jli-Magdevurg. Unser Verein setzte sich bisher aus zwei Gruppen zusammen, einer der Aelteren und einer der Jüngeren. Die Aeltcrengruppe haben wir nun geteilt, um die jungen Leute über etwa 19 Jahren und ebenso die Mädels getrennt für sich arbeiten zu lassen. Dennoch veranstalten wir im Monat etwa zwei Abende, wo auch diese beiden Gruppen zusammen arbeiten. Hans S ch a c s e r. Aeltcrengruppe. Wir hatten im vergangenen Monat einen sehr interessanten und anregenden Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Krakauer-Osnabrück über „Werfel: Paulus unter den Juden", sowie eine Diskussion über „Tolstoi: Auferstehung". Ferner veranstalteten wir, zugleich als Einweihung unseres neuen Heimes im Logenheim der Mendelssohn- Loge, eine sehr nette Chanukahseier. .Hans Scharfer. Jüngerengruppe. Die erste Veranstaltung war ein Spiclnachmittag, wo wir uns mit Schach, Dame und Mühle, sowie Tischtennis etc. beschäftigten. Am folgenden Male unterhielten wir uns zuerst über Stephan, den Begründer des Postwesens, und über Henry Ford. Ferner hatten wir eine Veranstaltung, an der Erzählungen aus dem Quellenbuch von Höxter vorgelesen wurden. — Die Veranstaltungen für Januar stehen noch nicht fest und sind jeweilig aus dem Wochenblatt ersichtlich. Ruth H a d r a. Bücher- und Zeitschristenschau „Der junge Jude." Zweimonatszeitschrift. (Selbstverlag des Jung- Jüdische« Wanderdundrs uud des Merlas Hechaluz Deutschland; Herausgeber: Mordechaj Kufchnir und Dr. Georg Lubinski in Berlin.) Die zionistisch-sozialistischen Jugendbünde der deutschsprachigen Länder haben sich ein Organ geschaffen, das der Vertiefung der zionistischen Bewegung dienen soll. Die jetzige Jugend, die die dritte zionistische Generation darstellt, empfindet das plötzliche Stocken der Einwanderung nach Palästina besonders schmerzlich, weil sie durch Chaluzinth ganz auf die kolonisatorische Arbeit in Palästina eingestellt war. Nun muß sie die Beziehung zum „Judentum der anderen" erst ausnehmen, um sich so «ine festere Stellung im Galuth zu sichern. Ob die neue Zeitschrift diesem Ziele dienen wird, muß vorläufig abgewartet werden. Das erste Heft enttäuscht deshalb, weil in ihm vornehmlich das Programm und die Politik der sozialistischen Zionisten enthalten ist, aber nur wenig die ringende Jugend zu Worte kommt. Verdienstlich scheint mir das Bestreben der Herausgeber, von der neuesten hebräischen Literatur gute Uebersctzungen zu bieten; aus der im Heft abgedrucktcn Novelle „Ohne Sprache" von Zivi Schatz ist das Palästina des jungen Arbciterbauern zu spüren. Für uns Nichtzionisten ist wichtig, daß wir die Fühlung mit diesen aufrichtig strebenden Jugcndbündcn gewinne»; nicht allein deshalb, weil dort am offiziellen Zionismus freimütig Kritik geübt wird, sondern vor allem oder besser einzig und allein, weil wir die Gedankenwelt der mit uns ausgewachsenen jüdischen Jugend kennen lernen und so unser Selbst bereichern müssen. Wenn in den folgenden Heften des „jungen Juden" mehr von der Gedankenwelt der Jüngeren zu erfahren sein wird, wird auch eine ausführliche Auseinandersetzung mit ihrer Haltung uns und dem Judentum der Diaspora gegenüber vonnöten sein. Ernst Heinrich Seligsohn. Mitteilungen des Reichsausfchuffes der jüdischen Jugendverbande. Das war ein sehr glücklicher Gedanke, in den Mitteilungen der Zentralwohlfahrtsstelle eine besondere Beilage dem „Reichsausschuß" zur Verfügung zü stellen! Denn hier erfahren wir in gedrängter Form alles Wesentliche, was die jüdische Jugend gemeinsam leistet, was sie gemeinsam angeht ((Ueber das Jugendheim in Seesen — Erziehungskonferenz in Locarno — Zeitschriftenschüu der Jugendbewegung). Daneben erfahren wir etwas von den wichtigsten Tagungen und Führerlagern. Es wäre zu wünschen, daß kurze Berichte aus allen jüdischen Jugendbünden über ihre Tätigkeit hier abgedruckt. würden; so wäre jeder Leser einigermaßen darüber unterrichtet, was in den anderen Bünden geschieht. Ich empfinde es schon lange als einen ganz großen Mangel, daß wir jungen Juden so wenig voneinander wissen. Hier besteht die Möglichkeit ersten Kennenlernens, die zu einer gemeinsamen Front der Jugend führen könnte. Dem Reichsausschuß schlage ich vor, daß er diese „Mitteilungen" möglichst allen jugendlichen Juden, soweit sie organisiert sind, zugänglich macht. Ernst Heinrich Seligsohn. Werdeblatt der D.J.J.G. \ Bor einiger Zeit hat die D.J.J.G. (Deutsch-jüdische Jugend- Gemeinschaft) ein „Wcrbeblatt" herausgegeben. Hiernach sind ihre Ziele gleich oder ähnlich den unsrigen. Sie bauen auf auf Deutschjudentum und Jugendbewegung. Denjenigen, die hier bei Jugendbewegung ein Schauder überläuft, da sie an Grölen, nackte Knie und schwere Rucksäcke denken, sei gesagt, daß unter Jugendbelvegung hier das gemeint ist, was wir auch wollen: „Wille zur Selbstgestaltung und Selbstbestimmung unserer Lebensart". Auch die Faktoren. der „jüdischen Arbeit" stimmen mit den unsrigen überein: „Wissen, Kritik, Religiosität". Ausgesührt wird diese Arbeit auf Heimabenden und auf Fahrten. Neben den Heimabenden existieren noch Arbeitsgemeinschaften, die nach den Interessen der Einzelnen gebildet werden. Hierbei kommt die besondere Beteiligung der Mitglieder zum Ausdruck. — In einer Hinsicht können wir vielleicht von der D.J.J.G. lernen: in der stärkeren Betonung des jüdischen Festes. Freitagabend-Feiern sind doch bei uns etwas sehr Seltenes. Sollten wir hier nicht mehr schaffen? .Hilde Hamburger. „Das Zelt", Zeitschrift für di« Jüdische Jugrud. Januar 1928, 1. Heft, Verlag B. Heller, München. Für die Herausgabe dieser neuen Zeitschrift zeichnen Dr. Jakob Seide und Dr. Alfred Heller, als Ziel wird angegeben „durch lebendige Uebermittlung jüdischer Kenntnisse das Jüdische in den Jnteressenkreis der Heranwachsenden Generation hineinzubringen und auf diese Weise ihr jüdisches Bewußtsein zu erwecken und zu stärken". So enthält das erste Heft einige Artikel, die sich um das Chanukahsest gruppieren, eine Darstellung der Makkabäererhcbung, einen Artikel über die Chanukah-Menorah mit guten Photographien und schließlich neben anderen kleinen Erzählungen über dieses Fest den Beginn einer großen Erzählung „Mariamne, die letzte Hasmoäerin". Damit endet das Jüdische, der übrige Teil des Heftes unterscheidet sich nicht von einer anderen Jugendzeitschrift, Artikel über Eisberge, über Rasmussens Polarforschungen, ebenfalls mit guten Photographien ausgestattet, eine (schlechte) Darstellung der Wirkungsweise des Automobilmotors, und kurze Notizen über Spiele, Bücher, Radio, Rätsel uslv. Denn cs sollen — auch das wird in der Ankündigung gesagt — alle anderen Interessengebiete der jungen Menschen gepflegt werden. Und damit muß man nachdenklich werden. So sehr der erste Teil in seinen Bestrebungen unfern Jli-Zielen entspricht, so sehr widerspricht ihm der zweite Teil, der Dinge, die gar nichts mit dem Judentum zu tun haben, in eine konfessionelle Beschränkung hineinbringt. Ich glaube auch, daß sich die Bestrebungen, das Jüdische Bewußtsein der jungen Generation zu wecken, anders durchführen lassen als durch Gründung einer jüdischen Jugendzeitschrift, wo es andere gute, nicht konfessionell eingeengte Jugendzeitschriften gibt. Im Sinne der Auffassung, die Betty Markus vor kurzem in diesen Blättern vertrat, muß man wohl doch trotz guten Willens die Herausgabe einer solchen Jugendzeitschrift für überflüssig halten. Es liegt nicht in unfern Zielen, die Trennung zwischen jüdischer und andersgläubiger Jugend zu vertiefen und auf Gebiete auszudehnen, wo gemeinsame Arbeit bisher sehr wohl möglich war. Es wäre wohl allen an jüdischer Jugenderziehung beteiligten Kreisen weit mehr mit Herausgabe von Jugendschriften gedient, die in anziehender Form z. B. die Hahmonäerzeit behandeln und die recht spärliche Zahl guter Darstellungen jüdischer Geschehnisse für die Jugend mehren. Aber keine derartige Zeitschrift für die jüdische Jugend! Ludwig L e w i n. Vereinsnachrichien Die Freie Jüdische Volkshochschule veröffentlicht ihr Vorlesungsverzeichnis für das Wintertrimester 1928 (Beginn Montag, den 23. Januar). Es werden lesen: 1. Dr. Ernst Cohn-Wiener: Die Kunst des alten Israel (mit Lichtbildern). 2. Studienrat Kurt Hammerstein: Die Entwicklung der hebräischen Sprache von der Bibel bis zur Gegenwart. 3. Dozent Dr. Heinemann-Breslau: Eros und Ethos in jüdischer Lebensanschauung. 4. Dr. Adolf Leschnitzer: Die Juden und das deutsche Geistesleben im Zeitalter der Emanzipation. 5. Dr. Leo Rosenzweig: Die Weltanschauung des Judentums (nach Hermann Cohen). 6. Rabbiner Dr. Warschauer: Ein Gang durch die jüdische Geschichte. 2. Teil. 7. Dr. Kurt Zielenziger: Jüdische Wirtschaftsführer. 8. Im Zyklus Jüdische Charakterköpfe (als Repräsentanten jüdischen Geisteslebens) sprechen: Rabbiner Dr. Emil Levy: Jeremia; Rabbiner Dr. Emil Cohn: Akiba; Rabbiner Dr. Wiener: Maimonides; Rabbiner Dr. Wiener: Isaak Lurja; Dr. Jacob Klatzkin: Spinoza; Rabbiner Dr. Bergmann: Mendelssohn; Dr. Fritz Friedländer: Gabriel Rießer; Dr. Alfred Klee: Theodor Herzl. 9. Rabbiner Dr. Bleichrode: Der Talmud. 10. Jacob Lestschinskh: Das Wirtschastsleben der Juden in der Gegenwart. 11. Prof. Dr. Heinrich Löwe: Bilder aus der jüdischen Geschichte. 12. Dr. Simon Rawidowicz: Jüdische Denker (in hebräischer Sprache). 13. Dr. Felix Theilhaber, Dr. Gustav Tugendreich, Dr. Gertrud Zadik Baumgardt: Hygienische Probleme. 14. Führungen. Dr. Karl Schwarz: Führung durch das Museum der Jüdischen Gemeinde. Dr. Jacob Jacobson: Führung durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden. 15. Dr. Siegfried Lehmann, Dr. Georg Lubinski, Dr. Joachim Prinz, Dr. Siegfried Bernfeld, Dr. Ernst Heinrich Seligsohn, Edith Cohn: Die jüdische Jugendbewegung. 16. Alice Jacob-Loewenson: Moderne jüdische Musik, unter Mitwirkung von Rahel Kaufmann (Sopran) und Leo Riasanzew, Mitglied der Habima (Bariton). Hörergebühr: 2 Mark für jeden Vortragszyklus. Hörerkarten werben ausgegeben an den Theaterkassen: Kaufhaus des Westens, Hermann Tietz, an der Abendkasse vor Beginn der Vorlesung und im Sekretariat bei Goldmann, Horkstraße 88, Telephon Bergmann 472. Vorlesungsverzeichnisse sind in allen jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz und Kaufhaus des Westens und im Sekretariat bei Goldmann, Dorkstraße 88, unentgeltlich zu haben. Wir verweisen auf das Inserat im Anzeigenteil unserer Zeitung. Sozial-gesellige Bereinigung der deutsch-jüdischen Berufstätige« (S.G.B.j. Am Freitag, den 20. Januar, findet im Logcnhaus, Emser Straße 13, ein Teeabend statt. Unser Mitglied, Fräulein Hildegard Wolfsfeld, wird einen Vortrag halten über: „Wie ich die S.G.B. in Amerika sah." Vorher gemeinschaftlicher Besuch des Gottesdienstes in der Aula der Cäcilienschule am Nikolsburger Platz. Beginn 7.15 Uhr pünktlich. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorsitzende, Arthur Schweriner. R. j- F.» Frauengruppe Moabit. Vorsitzende Frau Henriette Levy, NW. 21, Alt-Moabit 104 a (Mb. 5197). Jeden Montag Abend 8 Uhr Turnen und gymnastische Uebungen unter Leitung einer geprüften Turnlehrerin in der Turnhalle Alt-Moabit 23, Ecke Wilsnacker Str. Anmeldungen erb. d. Vors. Der „Verein zur Abhaltung des Frühgottesdienstes uud zur Unterstützung armer Leidtragender Schomer laboker umi.chan awelim" veranstaltet fein Stiftungsfest am Sonntag, den 22. ds. Mts., Crew Rausch Chaudesch Sch'wat, nachmittags 4 Uhr, in der „Alten Synagoge", Heidereutergasse 2-4. Die Festrede hält Herr Rabbiner Dr. Freier. Werbt neue Mitglieder!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.