Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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f MWWWWSSWWMST^! P f f i'i! i i fij' >■ V c ssünen Schritte sangen. Verschwenderisch süßer, betäubender Duft hing um sie, der zu den Gästen herüberschwamm und sie überwältigte. Nach einer betäubenden, bestrahlenden Jubelstunde trat ein Engel an die Gäste heran, zeigte mit dem Finger auf ein Grüppchen von drei Auserwählten, aus deren Gesichtern Sonnen taukcndstrahlig leuchteten, und flüsterten den Verwunderten zu: „Das sind Amram, Levi und ßinjamin, die nichts verschuldet haben und die starben wegen des Rates der Urschlange.“.. Beschwingt kehrten die beiden Freunde, der Große .Stier und der Livjathan, in ihre Wohnstätten zurück. ★ BÜCHERSCHAU Dr. Siegfried Kanowitz: Zionistische Jugendbewegung. Das für uns liberale Juden zu Beachtende an dieser Schrift ist neben dem Inhalt, zu dem wir Stellung nehmen, der Plalft, an dem die Schrift erschienen, und das Ziel, das sie verfolgt. Sie ist eine der Schriften, die unter dem Oesamttitel „Die Neue Jugend“ Band IV der „Forschungen zur Völkerpsychologie und Soziologie“ bilden, und will den Nichtjuden ein Bild der zionistischen Jugendbewegung vermitteln, erst in zweiter Linie der innerjüdischen Auseinandersetzung dienen. Der nichtjüdische Leser wird einmal die Entwicklung, wie sie hier dargelegt, für die all- &e im e i n - jüdische zu halten geneigt sein; er wird ferner nrichtigkeiten und Mängel nicht erkennen können. Hierin liegt die Gefahr der Darlegung eines bestimmten Gemeinschaftsproblems vom Standpunkt eines Teils dieser Gemeinschaft aus vor einem Kreise, der ihr nicht angehört. Es wird deshalb unsere Aufgabe sein, wenn möglich in gleichem Rahmen und an gleicher Stelle, ein Bild der Entwicklung der deutsch-jüdischen Jugend zu geben, das den Nichtjuden zum mindesten eine Ergänzung, in vielem auch eine Richtigstellung der Frage bringt, welche Entwicklung die jüdische Jugendbewegung seit der Emanzipation in Deutschland allgemein nahm; denn aus dieser Gesamtfrage heraus versucht der Verfasser die Lösung der Frage nach dem Entstehen der zionistischen Jugendbevvegung. Er leitet sie aus zwei Quellströmen her, dem Differenzierungsprozeß im modernen Judentum und der eigentlichen europäischen Jugendbewegung. Aus dem Eintritt der Juden in das europäische Geistesleben und dem Aufgeben einer im Ghetto noch bestandenen „Einheitlichkeit in der Stellung zu Gott und zum Gesetz“ folgert er die Erschütterung des „Bollwerks, das (die Juden) zwei Jahrtausende vor nationalem (!) Untergang bewahrt hatte“, nämlich des jüdischen Gesetzes. Von einer Einheitlichkeit in der Stellung zu Gott und zum Gesetz könnte man im Ghetto nur in dem Sinne sprechen, daß sie unter dem Druck des Zusammenlebens eine vielfach erzwungene oder rein äußerlich vorhandene war; der immer stärkere Abfall vom traditionellen Judentum seit Fortfall der Ghettomauern ist keineswegs allein dem Einfluß der europäischen Kultur zuzuschreiben; er zeigt zugleich, wie gering der innere Halt der Religion bei vielen trotz dieser vermeintlichen „Einheitlichkeit“ im Ghetto gewesen sein muß; es bestand eben schon damals auch eine starke Differenzierung bei den Ghettojuden in ihrer Auffassung vom Judentum, in ihrer Stellung zum Halten .der Gebräuche und Gesetze. Auch hat das „Bollwerk des jüdischen Gesetzes“ nicht zum ersten Male an der Schwelle der Emanzipation eine „Erschütterung“ erfahren. Zu allen Zeiten gab es Abwandlungen des Gesetzes, Entwicklung der jüdischen Religion; wenn das Pendel zunächst bei der Fülle der auf den geistig regsamen Juden einstürmenden neuen Gedanken und Ideen zu sehr nach der entgegengesetzten Seite ausschlug, so ist dies erklärlich und läßt nur einen Schluß auf die allzu starre Bindung im bisherigen Ghetto zu. Für den Nichtjuden am meisten verfänglich ist aber der Hinweis, das Judentum sei bis dahin vor „nationale m“ Untergang bewahrt. Seit der Zerstörung des zweiten Tempels ist der nationale Charakter des jüdischen Volkes geschwunden; der nationale Gedanke mochte hier und da geblieben sein; das Judentum als solches erhob sich zum religiösen Glauben, der die Juden nunmehr als Religions- und Glaubensgemeinschaft umfaßte und in der Diaspora eine geschichtliche Notwendigkeit zur Erfüllung der ihnen auferlegten Sendung sah. National fühlten sich die Juden mehr und mehr dem Lande verbunden, dessen Boden sie aufgenommen, dessen Sprache die ihre geworden und dessen kulturelles Leben ihnen Werte gab und von ihnen empfing. Schon vor den Zeiten des Ghettos hatten die Juden in den verschiedenen Ländern im nationalen Leben der Aufnahmevölker an führenden Stellen gewirkt, ohne ihren jüdischen Glauben aufgegeben zu haben; das Nationale des jüdischen Volkes hatten sie alle aufgegeben; erst dem Zionismus blieb es Vorbehalten, diesen Gedanken erneut aufzugreifen und für einen Teil der Judenheit zur Wirklichkeit zu mackem Der Zionismus, eine der verschiedenen Richtungen des Judentums, wird dem Leser als diejenige Richtung hingestellt, die das deutsche Judentum im Gegensatz zum Liberalismus und der Orthodoxie vor der Auflösung bewahrt habe! Der jüdische Mensch wird dem deutschen Menschen gegenüber gestellt! Wie verwirrend solche für die späteren Ausführungen grundlegenden Behauptungen für den nichtorientierten, nichtjüdischen Leser sind, ergibt sich von selbst. Der Verfasser schildert alsdann den Einfluß des Ostjudentums, des Kulturzionismus' Ach ad Haams und der Balfour-Deklaration auf die zionistisch eingestellte Jugend und kommt in diesem Zusammenhang auf die größte zionistische Jugendorganisation „Blau Weiß“ und die Gründe ihrer Auflösung zu sprechen. Der Blau-Weiß, im Jahre 1912 von zionistischen Studenten gegründet, erstand aus der vorgeschilderten, allgemein zionistischen Bewegung und der europäischen Jugendbewegung, in Deutschland dem deutschen Wandervogel. Diesem deutschen Bunde wurden aber nur die Formen (Fahrt, Feuer, Lied, Ton, Haltung) entnommen; der eigentliche Weg und das Ziel waren andere. Das Augenmerk war auf Palästina gerichtet; diesem Ziel wurde alles unterstellt, selbst die eigene Persönlichkeit. In bedenklichem Widerspruch zu der Erlösung, die der Zionismus dem Juden aus dem Galuth bringen sollte, zur Freiheit, die dem vom Haß der Nichtjuden verfolgten Juden winkte, stehen die „Verpflichtungen“, die jeder Blau-Weiß- . Angehörige übernehmen mußte; es seien nur einige wiedergegeben: „Der Bundesleitung steht in allen Angelegenheiten persönlicher oder sachlicher Art, die das Interesse des Blau- Weiß betreffen, die volle Verfügungsgewalt über die Menschen des Bundes zu.“ „Jeder notwendige Wechsel des Aufenthaltsortes soll unter Berücksichtigung des größtmöglichen Nutzens für den Blau- Weiß erfolgen.“ „Die Bundesleitung hat das Recht, . den. betreffenden Bläuweißen nach erfolgter Aussprache an den Ort zu überweisen, der ihr im Interesse des Bundes als geboten erscheint.“ „Der von der Bundesleitung getroffenen Entscheidung ist unbedingt Folge zu leisten.“ „Die Zugehörigkeit eines Blauweißen zu einem Verein, einer Partei oder sonstigen Organisation bedarf in jedem Falle der Genehmigung der Bundesleitung.“ „Auf dieses Gesetz wurde jedes Mitglied des Bundes vereidigt.“ Der Verfasser sagt selbst, daß eine solche „Verabsolutierung der Bundesideen und Ueberspannung des Gemeinschaftsgedankens“ zum Mißlingen der Blau-Weiß-Idee führen mußte. Mit einer ebenso erfreulichen Offenheit wird alsdann der neue Bund „Kadimah“ (hebräisch — Vorwärts), Ring jüdischer Wander- und Pfadfinderbünde, besprochen, der den „Blau-Weiß“ abgelöst hat. Jedem Nichtorientierten wird immer wieder mit peinlichster Sorgfalt und Begründung dargelegt, daß der Kadimah kein zionistischer Bund, sondern völlig neutral eingestellt sei. Und doch hat er den „Blau- Weiß“ abgelöst; und doch heißt es im „Jüdischen Pfadfinder“, Jahrgang 1, Heft 4, dem Organ der Bünde, die einen wesentlichen Teil des Kadimah bilden: „Die jungen Juden sollen zu Scouts, d. h. Vorkämpfern des Judentums erzogen werden. In Erez Israel (Palästina) kämpfen jüdische Friedensscouts um eine bessere Zukunft. Sie wollen den jüdischen Auswanderern eine Heimat und dem jüdischen Volk einen Mittelpunkt geben. Von dieser alten Heimat soll eine Erneuerung der Lehre und des ganzen Volkes a u s g e h e n.“ Auch der Verfasser der vorliegenden Schrift sagt: „Der Gefahr des Hineingleitens in den Zionismus in jungen Jahren versucht der Bund Kadimah zu entgehen. Die Entscheidung Sendet den fälligen Veitrag für das 1. Quartal 1928 in Höhe von Ml. 2,50 auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das tt-erale Judentum Berlin Nr. 137 059 ein. zum Zionismus soll später fallen auf Grund intellektueller Entscheidung.“ Das Ziel des Kadimah ist also doch der Zionismus, so sehr der Weg auch mit scheinbar neutralen Steinen bepflastert ist. Nur hierdurch erklärt sich, daß sämtliche oder die übergroße Mehrzahl der Führer des Kadimah Zionisten sind. Eine unzweideutige Klarstellung der Zwecke und Ziele des Kadimah ist von uns Liberalen unbedingt zu fordern. Zum Schluß geht der Verfasser noch kurz auf die Stellung des deutschen Zionisten zum Kultur- und zum Staatsbürgerproblem ein, — wie er selbst allerdings betont, mehr als Fragestellung, denn als Antwort. Für den religiös-liberalen Zionisten findet er die Frage der E r z i e h u n g äußerst schwierig, da das Kind mangels bewußt traditioneller Lebensführung in deutschem Kulturmiüeu aufwachse, während doch auf Schritt und Tritt sein J u d e s e i n vorherrschen müsse. „Das Kind ist von dem Augenblick an, wo es die Schule betritt, eingesponnen in den deutschen Kulturkreis, und es gilt — mit aller Vorsicht — ein Gegengewicht zu schaffen, dem Kind die Besonderheit seiner geistigen und gesellschaftlichen Situation klarzumachen (!).“ Mit solcher Offenheit und Schärfe ist der uns Liberalen völlig unbekannte Wesensunterschied des deutschen Juden vom nichtjüdischen Deutschen bisher noch nicht hervorgehoben. Die Stellung zum Staatsbürgerproblem wird dahin Umrissen, daß jeder Gruppe Staatsangehöriger „die Möglichkeit des ungehemmten Eigenlebens“ gewährt werden müsse, „sofern sie nur aufbauend am Staatsleben mitarbeiten wolle“, also auch den Juden. Zu dieser Frage vom Standpunkt der Nichtzionisten Stellung zu nehmen, erübrigt sich; es genügt der Hinweis, daß uns eine Gegenüberstellung von Deutschen und Juden in politischer Hinsicht unbekannt ist, ja direkt wesensfremd erscheint. Dr. Hugo Hoffman n. Die neue Offenbacher Haggadah. Die vor Jahresfrist zum ersten Mal hier angezeigte und von den Bibliophilen mit Spannung erwartete Offenbacher Haggadah liegt nunmehr fertig vor. Gerade um die Chanukahzeit können die ersten gebundenen Exemplare zur Ausgabe gelangen. Sie erscheint bekanntlich in dem Verlage des Herausgebers Notar Dr. Guggenheim in Offenbach a. M. in 300 Exemplaren in der Bibelgotisch von Professor Rudolf Koch auf Bütten gedruckt, enthält 12 ganzseitige handgemalte Holzschnitte von Fritz Kredel und eine Anzahl weiterer Holzschnitte. Die nicht vorbestellten Exemplare können broschiert zum Preise von RM 60,— bezogen werden. Das Buch hat einen ausgesprochen bibliophilen Charakter. Die Typen für den hebräischen Druck sind sorgfältigst ausgewählt, von der Firma I. Kaufmann, Frankfurt a. M., geliefert. Der bibliophile Charakter kommt zum Ausdruck in den gewählten Druckbuchstaben, in der eigenartigen Form der Noten und in dem Spiegel des Satzes. Die handgemalten Holzschnitte — zugesagt waren nur 10, aber es sind erheblich mehr geworden — geben dem Buch eine schöne Farbigkeit. In der Illustrierung sind neue Wege beschritten und Dinge dargestellt worden, die in den alten illustrierten Haggadahs nicht gemalt waren. Dem Bücherliebhaber ist die Möglichkeit gegeben, an einer unter dem Einfluß der Offenbacher Kunstschule stehenden Stelle vollendet künstlerische Einbände zu beziehen. Diese Offenbacher Haggadah ist eine ausgesprochen moderne. Sie atmet den Geist des edelsten jüdischen Liberalismus. Er kommt in vielerlei zum Ausdruck. Er prägt sich zunächst darin aus, daß nicht sklavisch an dem Text der alten Haggadah festgehalten ist, sondern daß die Freiheit der selbständigen Gestaltung in Anspruch genommen ist. Ausgegangen ward ursprünglich von dem Text der Seligmannschen Haggadah, doch ist Anlage und Gestaltung des Textes der Seligmannschen Haggadah bis auf einige übernommene Stücke verlassen worden, und es wurde ein ganz neuer Weg beschritten. Der Autor hat den Gedanken zielbewußt ausgebaut, in Anknüpfung an einzelne Stichworte der Haggadah, Stücke aus dem alten und neuzeitlichen Schrifttum hineinzubauen. Es entstand so ein abgerundetes Ganzes, das ein Spiegel der gesamten Frömmigkeit des Judentums ist. Der an dem Sederabend Teilnehmende erfährt so nicht nur die mit dem Pessachfest zusammenhängenden Gedanken, sondern im Verlaufe des Abends ersteht ein Gebäude des Lehrinhalts und der Frömmigkeitswelt des Judentums, und die fröhliche Stunde des gottesdienstlichen Males wird in aller ihrer Heiterkeit zu einer Stunde des Lernens. Diese Haggadah ist eine reformierte im allerbesten Sinne des Wortes. Denn alle Reform darf ja nicht nur in einer kritischen Behandlung des Vorhandenen sich erschöpfen, sondern muß zu einem von religiösem. Geiste erfüllten Neubau und zur Mehrung des religiösen Gutes werden. Daß diese Haggadah nicht von einem Rabbiner oder einem rabbinischen Gelehrten, sondern einem Laien verfaßt und herausgegeben ist, macht sie zu einem wertvollen Erzeugnis und zeigt, daß auch in unseren Tagen die Möglichkeit der religiösen Neuschöpfung aus der Seele der Gemeindemitglieder durchaus gegeben ist. Es ist ein besonderer Vorzug des Werkes, daß es die Heiterkeit des rhein- und maindeutschen Juden wiederspiegelt, und so zeigt, wie man bei aller Verbundenheit mit der deutschen Landschaft jüdisch-religiöse Kultur festhalten und entfalten kann. Alle hebräischen Stücke — es sind mehr hebräische Stücke gewählt als in der Seligmannschen Haggadah enthalten waren — sind ins Deutsche übersetzt. Alles in allem entstand hier ein Gebilde, das der Pessachfeier neue Möglichkeiten eröffnet und wohl geeignet ist, die Religiosität des jüdischen Hauses in modernster Form und zugleich in Anlehnung an das Alte neu zu beleben. Max Jungmann: Jochanan von Giskala, Verlag von Horodisen & Marx, Berlin. Der Verlag macht seinem Ruf, nur gute und schöne Bücher herauszugeben, mit diesem Werke alle Ehre. Einband, Druck und Papier sind hervorragend. Der Inhalt des Dramas versetzt mit»kurzen Strichen in die Zeit des jüdischen Krieges vom Falle Giskalas bis zur Zerstörung Jerusalems, der Flader der Parteien, der unselige Bruderzwist wird treffend und trefflich gekennzeichnet, der verräterische Josefus, der hochherzige Titus sind gut charakterisiert. Die einfache, schöne Sprache, die sich oft zu einem Höhepunkt erhebt, macht las Buch zu einem wahrhaft wertvollen. In einem einzigen Punkte könnten Mißverständnisse entstehen, nämlich da, wo über Jesus gesprochen wird, ob er der Messias gewesen sei oder nicht. Aber auch hier leuchtet ein tiefes, religiöses Empfinden aus dem Werke des Verfassers. Mit einem Worte ein Buch, das wert ist, ein jüdisches Familienbuch zu werden und das vor allen Dingen unserer heranwachsenden Jugend zur Belebung des jüdischen Geschichts-Unterrichts in die Hände gegeben werden sollte. R o b e r t H i r s c h f e I d. Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Von Dr. Julius Höxter. II. Teil: Spanien. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M. 1928. 132 Seiten. Gebunden 1,80 M. Spanien! Das ist kein bloßes Wort, das stellt nicht nur eine sogenannte Epoche in der Entwicklung unserer jüdischen Stammesgeschichte dar. Spanien — — ist ein Begriff seltenster Aesthetik und Ethik, ein Offenbarungsfeuer göttlicher Begeisterung, in dessen Bannkreis man das Mosiswort kindlichrein stammeln muß: „Ziehe die Schuhe von Deinen Füßen, denn der Ort. auf dem Du stehst, ist heiliger Boden!“ Mit dem Quellenbuch obigen Titels hat uns der unermüdliche Höxter, der uns erst im Februar vorigen Jahres das Ln diesen Blättern besprochene Quellenbuch über die jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, Frankreich und Italien [Mittelalter, III. Teil] bescherte, eine unendliche Freude bereitet. Er läßt uns durch die ewige Sonne Spaniens wandern, die uns aus den unsterblichen Werken der jüdischen Dichter und Denker ersten Ranges wärmend und leuchtend entgegenlacht. Die Quellenauswahl ist von Höxter nicht nur vom Standpunkt pädagogischer Geschicklichkeit, sondern auch mit so viel jüdischer Begeisterungsfähigkeit dargeboten, daß ich sein Buch den Literaturvereinen oder für Veranstaltungen an Gemeindeabenden als Stoffverteilung größter Mannigfaltigkeit innigst empfehlen kann. Keiner geht leer aus. Die einen werden beispielsweise der Philosophie eines Maimonides, Bachia, den Vorzug geben und den Kusari als Juda Haievis vortrefflichste Leistung bewundern. Andere wieder werden sich von dem Dichter Juda Halevi als dem Liebling ihres Herzens erbauen lassen, oder Gabirol als den eigentlichen Stern am jüdisch-spanischen Dichterhimmel anerkennen. Man kann noch eine Anzahl von Geschmacksrichtungen nennen, ein Beweis für die vielgestaltige Variation, die Spaniens Gedankenwelt zuläßt. Die Lektüre der etwa letzten zehn Kapitel, die ein Bild von den Leiden der Juden entrollen, erklärt uns den Grund für die dauernde geistige Verarmung Spaniens. Es bedarf wohl nur weniger Worte, um zu sagen, wie unentbehrlich dem Lehrer — und besonders dem Schulmann von heute — ein derartiges Quellenbuch ist. Unsere Zeit, die im Hinblick auf die gesteigerten Forderungen des Lebens mehr denn je selbständige Menschen braucht, bietet Höxters Werk eine wertvolle Handhabe für einen Unterricht anregendster Art. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Jüdischer Kalender für 1928 (5688/89), herausgegeben vom Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide Umim“. Der Kalender dient einem guten Zweck: er wirbt für den Verein, der die seit 54 Jahren bestehende Israelitische Taubstummenanstalt für Deutschland in Berlin-Weißensee unterhält. Wir wollen ihm um seines löblichen Zweckes willen weiteste Verbreitung wünschen, obwohl sich mancherlei sagen ließe über Flüchtigkeitsfehler in den Texten und über die bei einem Propagandamittel für ein deutschjüdisches Wohlfahrtsinstitut manchmal recht unglückliche Auswahl der Texte. Druck- und bildtechnische Ausführung sind vorzüglich. Im ganzen: Der gute Zweck heiligt dieses Mittel; und wer es versäumte, sich am vergangenen Rosch Haschanah mit einem Kunstkalender „einzudecken“, welcher ihm zugleich Führer durch das religiöse jüdische Jahr wie durch das bürgerliche Jahr sein könnte, der sollte nicht unterlassen, sich jetzt diesen, am 1. Januar 1928 beginnenden jüdischen Kalender zu besorgen. George Goetz. Vereinsnachrichten Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hält seine Hauptversammlung am 11., 12. und 13. Februar 1928 in Berlin im Sitzungssaal des Reichs-Wirtschaftsrates, Bellevue straße 15, ab. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Verhandlungslag Sonnabend, den 11. Februar, 18.30 Uhr (6.30 Uhr): 1. Geschäftsbericht. 2. Finanzbericht. 3. Generalaussprache. 2. Verhandlungstag Sonntag, den 12. Februar, 10.50 Uhr: Kundgebung für Abgeordnete und Gäste: „Lebensfragen des deutschen Judentums!" 1b Uhr (3 Uhr): Fortsetzung der Verhandlungen: 4. Entlastung des Vorstandes und Wahl der Revisoren. 5. Satzungsänderung. 6. Neuwahl des Vorstandes. 7. Fortsetzung der Generalaussprache. 3. Verhandlungstag Montag, den 13. Februar, 10 Uhr: 8. Abwehr- oder Gesinnungsverein? 9. Aussprache. 10. Wirtschaft-Probleme des deutschen Judentums. 11. Aussprache. 12. Vortrag: „Jüdische Altertümer auf deutscher Erde." (Mit Lichtbildern.) Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. SB., g:gr. 1903. Jeden Donnerstag gemütliches Beisammensein, Metropo.e, mit Damen; Skat, Kegeln, Rosenthaler Straße 14. Jeden Sonnabend Turnen, Gr. Hamburger Straße. Sonntag, den 15. Januar, vormittags 10 Uhr, Generalversammlung, Gemeindehaus, Rosenthaler Straße 14. Neuwahl des Vorstandes. Verein ehemaliger Schülerinnen der Madchrnschule der Jüdische« Gemeinde zu Berlin E. v., gegr. 1905. Donnerstags gemütliches Beisammensein mit Gästen, Handarbeitskränzchen, Gabel, Rosenthaler Straße 14. Donnerstag, 2. Februar 1928, abends 20 Uhr, Rosenstraße 2-4, Generalversammlung. Neuwahl des Gesamtvorstandes. Zum Tennis muß -sofort Anmeldung erfolgen, da später Berücksichtigung unmöglich. Näheres Geschäftsstelle, Lüneburger Straße 13, Moabit 6162. 9999999999999999999999999999999999998^