Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* Aus den Gemeinden * Berlin. (6 0. Geburtstag.) Herr Professor S. Frankfurt, der bekannte Bolkswirtschaftler, hat in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr vollendet. Der jeder öffentlichen Ehrung abholde Gelehrte beging seinen Geburtstag im Kreise seiner Familie, doch ließen es sich die Mitglieder des Präsidiums und der Zentralverwaltung des Verbandes „Ort", die gerade in Berlin zu einer Tagung zusammengetretcn tvaren, nicht nehmen, Herrn Professor Frankfurt, der im Verbände „Ort" einen großen Rang einnimmt und die Cooperative Tool Supply Co. leitet, ihre Huldigung darzubringen. Herr Dr. A. Singalowsky hielt im Namen der Zentralvertvaltung von „Ort" eine Ansprache an den Jubilar, daraufhin begrüßten ihn im Namen der Cooperative Tool Supply Co. .Herr Dr. D. Lvovitch, im Namen des Zentralrats D. Movshovitch, im Namen der Mitarbeiter der Zentralverwaltung und der Büros G. Jacobsohn und Frl. E. Heymann. Herr Prof. S. Frankfurt ist in Wilna geboren, er beendete seinV Studien an der Züricher Universität und habilitierte sich an derselben als Dozent. Später dozierte er an der Moskauer Universität und wurde 1900 Professor an der Universität Petersburg. Im Landwirtschaftsministerium nahm er eine hohe Stellung ein und wurde von demselben nach Kiew zwecks Einrichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation delegiert. Er gilt als der hervorragendste Gctreidesachverständige Rußlands, er züchtet in der Ukraine eine neue Weizen-Art, die „Ukrainka". Herr Prof. S. Frankfurt widmet sich seit vielen Jahren der jüdischen sozialen Hilsstätigkeit. In Petersburg war er Mitglied der Landwirtschaftskommission der Jca. In Kiew wurde er von der jüdischen Bevölkerung als Kandidat für die erste Duma aufgestellt. In Deutschland arbeitete er eine Zeit lang wissenschaftlich im Jnstirut für Zuckerindustrie. Während der Hungerjahre in Rußland unterbreitete er der Gesellschaft „Ort" einen Plan der Versorgung der jüdischen Kolonisten mit Mais. Seither gehört er zu den Führern von „Ort". Die Danziger „Ort"-Konferenz 1923 wählte ihn zum Mitglied der Zentralverwaltung. Berlin. (Professor Moritz Borchardt 60 Jahre alt.) Am 6. Januar feierte der Direktor der Chirurgischen Abteilung am Krankenhaus Moabit, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Moritz Borchardt, seinen 60. Geburtstag. Er entstammt einer angesehenen jüdischen Familie; sein Vater war der vielen alten Berlinern noch wohlbekannte unbesoldete Stadtrat Borchardt. Der Jubilar habilitierte sich 1901 in Berlin, 1905 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, 1906 zum dirigierenden Arzt am Virchowkrankenhaus gewählt. Seit einigen Jahren ist er Direktor am Moabiter Krankenhaus. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten behandeln mehrere die Chirurgie der Bauchorganc. Besonders aber hat sich Borchardt auf dem Gebiete der Chirurgie des Gehirns und Rückenmarks betätigt. Berlin. (F r e i t a g - A b e n d f e i e r.) Der Verein Synagoge Fasancnstraße veranstaltete am Freitag, den 30. Dezember vorigen Jahres, nach Schluß des Gottesdienstes eine würdige Freitagabendfeier. 90 Knaben und Mädchen, die im Elternhaus keine Gelegenheit haben, den Freitagabend weihevoll zu verleben, waren eingeladen. Der Trausaal der Synagoge, in welchem die Feier stattfand, bot einen erhebenden Anblick, als Rabbiner Dr. Bergmann die Freitagabendlichter anzündete, und die Anwesenden auf die Weihe der Stunde hinwies. Vom Vorstand des Vereins sprach Herr Siegmund Salinger zu den anwesenden Kindern. Er gab das Versprechen, daß diese Freitagabendfeiern öfter wiederholt werden. Das Essen, welches von Frau Rabbiner Dr. Bergmann hergerichtet tvar, mundete den Kindern vortrefflich. Den Abschluß der wohlgelungenen Feier bildeten Bibel- Vorträge der Rezitatoren Edith Herrnstadt-Oettingen. Berlin. (Vortragsabend Dr. Schönberger.) David Schönberger las im Meistersaal am 4. Januar 1928 aus eigenen unveröffentlichten Werken. Der junge Dichter, der im Vorjahre mit den im Axel Jancker Verlag, Berlin, erschienenen „S i n a i k l ä n g e n" und „Feierstunde am Wege" der Oefsentlichkeit bekannt wurde, verrät in dem Buch „Berufung" von neuem sein starkes lyrisches und zugleich dramatisch bewegtes Talent. Ein Mensch mit der Fähigkeit zur Gestaltung tiefsten seelischen Erlebens weiß um die Tragik alles Menschlichen, kennt die Natur in ihrer Schönheit, glüht auf in jauchzender Liebe zu Gott. Doch hätte es die Wirkung des Abends noch erhöht, wenn eine weniger große Auswahl aus „Berufung" getroffen worden wäre — Gedichte, bei deren Vortrag die Gefahr eines ermül mden Pathos nur allzunahe liegt —. Im zweiten ' Teil las Schönberger heitere Sachen, die von anmutigem Witz und Gemüt zeugten. Der Dichter wurde am Schluß des Abends durch reichen und lebhaften Beifall belohnt. Berlin. (Von der Subventionskommission des Preußischen Landesverbandes.) Am 4. Januar d. I. tagte die Subventionskommission des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, die von Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee geleitet wurde. Durch die Krankheit und den leider zu früh erfolgten Tod des hochverdienten bisherigen Vorsitzenden dieses Ausschusses, des Herrn Bruno Galewski, hatten die umfangreichen Arbeiten dieser wichtigen Kommission eine bedauerliche Verzögerung erlitten. Deshalb mußte diesmal zu nicht weniger als 57 Angelegenheiten Stellung genommen werden; gegen die Entscheidungen in weiteren 27 Angelegenheiten, die >bis zur Sitzung im Dezernatswege erledigt worden waren, wurde nach Prüfung durch die einzelnen Ausschußmitglieder Widerspruch nicht erhoben. Sic gelten somit als genehmigt. Lehrern, Kultusbeamten außer Dienst und Kultusbeamtenwitwen wurden insgesamt 14 laufende Beihilfen, sowie zwei einmalige Zuschüsse gewährt. Sieben Gesuche mußten abgelehnt werden, da das Einkommen der Betreffenden nach den Grundsätzen der Kommission Zuschüsse nicht zuließ. Zwei laufende sowie vier einmalige Beihilfen wurden betagten, nicht mehr im Amt befindlichen oder durch die Folgen des Kriegs verdrängten Rabbinern zuerkannt. Zwei angehenden Religionslchrern wurden Ausbildungszuschüsse zugesagt. In 21 Fällen wurden leistungsschwachen Gemeinden Beihilfen zu Instandsetzungskosten von Synagogen und Friedhöfen gewährt; gerade auf diesem Gebiete wurden im ' laufenden Rechnungsjahr außerordentlich große Anforderungen an den Preußischen Landesverband gestellt. Sechs Baubeihilfengesuche mußten abgelehnt werden, da nach eingehender Prüfung des Sachverhalts festgestellt wurde, daß die betreffenden Gemeinden selbst in der Lage seien, die erforderlichen Mittel für diese Zwecke aufzubringen. In zwei Fällen stellte sich heraus, daß die Kostenanschläge so übermäßig hoch waren, daß den Gemeinden aufgegcben werden mußte, für Verbilligung der Bauarbeiten Sorgen zu tragen. Einer Gemeinde wurde mit Rücksicht auf ihren Notstand eine lausende Beihilfe, zwei anderen Darlehen zugebilligt. Eine Gemeinde erhielt zur Erhaltung ihrer Synagoge, die vom Provinzial-Konscrvator als ein unter allen Umständen zu bewahrendes, historisch-wertvolles Kunstdenkmal bezeichnet wurde, einen größeren Betrag aus den Mitteln „Erhaltung von Kunstdenkmälern". Zur Abhaltung eines Schechitah-Fortbildungskursus für Lehrer und Kultusbeamtc wurden Mittel zur Verfügung gestellt. Mit Rücksicht darauf, daß der Wohlfahrts-Ausschuß des Landesverbandes zu seiner nächsten Tagung erst in geraumer Zeit zusammcntritt, sind diesem bis zur Höhe von 1000,-- RM. Mittel bereitgestellt worden, damit je ein Rabbinatskandidat der drei theologischen Bildungsanstalten in der sozialen Arbeit ausgebildet werden kann. Insgesamt sind von 81 Subventionsgesuchcn 52 Bewilligungen und 19 Ablehnungen ausgesprochen worden; zehn mußten zwecks Beschaffung weiterer Unterlagen vertagt werden. Berlin. (Ausspracheabend des C. B.) „Deutsche Volksidee und Deutsch-völkische Idee" lautete das Thema eines Ausspracheabends, zu dem der Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Dienstag, den 10. Januar, nach dem Städt. Lichtspielhaus in Neukölln besonders Herren des geistlichen und Lehrerstandes aus Groß-Berlin eingeladen hatte. Der Vortragssaal war von über 500 Damen und Herren dicht gefüllt. Dr. Bruno Glaserfeld, der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin des Central-Bereins, machte einleitend darauf aufmerk Versammlungskalender Li Hauser Gottes! 14. I Berlin-Norden. berate Synagoge Norden (im Auerdachfchen Waisenhaus, SchSn- Allee 182): Freitag, den 13. Januar, abends 7.15 Ahr, ttenst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonnabend, den inuar, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berkin-Wikmersdorf-Schöneherg. Liberale Synagoge Wilmersdorf. Der vo« uns veranstaltete Freitagabend-Eottesdieust mit Chor und Predigt findet ab Freitag, den 13. Januar, wieder in der Aula der Cäcilien-Schule» Nikols» durger Platz, statt. Beginn wie bisher 7.15 Uhr. Freitag, den 13. Januar: Predigt Raddiner Dr. Galliuer. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Vorsitzender: Radh. Dr. Halpersohn, Breslau 13, Moritzstraße 50. Vereinslokal: Loge „Gerhart Haupt» mann", Schweidnitzer Stadtgraben 9. Montag, den 16. Januar, abends 8.15 Uhr, Gneralverfammlung. 1. Geschäfts- und Kaffen» bericht für das Jahr 1927. 2. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 3. Festsetzung des Beitrages für das Jahr 1928. 4. Anträge und Anregungen. Rege Beteiligung erdeten. Hannover. Mittwoch, 18. Januar, abends 8 Uhr, in der Aula der Leidniz- Schule, Bortrag George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum: „Das Lrbrnsrecht des Liberalen Judentums." Anschließend Diskussion. Kassel. Sonntag, 15. Januar, Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Salzbergrr (Frankfurt a. M.): „Wie können wir liberalen Juden nuferen Gottesdienst fruchtbringend gestalten?" sam, daß der Ausspracheabend dazu dienen solle, die gegensätzlichen Auffassungen über diese wichtige Frage zu klären. Es solle eine ehrliche Aussprache werden, man rede in Deutschland viel zu viel aneinander vorbei. Rektor E x n e r gibt der Ansicht Ausdruck, daß wir nicht durch den deutschvölkischen Gedanken zur inneren Befriedigung in Deutschland kommen können, sondern allein dadurch, daß wir in jedem dem Vaterlande und der Menschheit Dienenden den Nebcnmenschen sehen, der Gottes Antlitz trägt. Nicht auf die Abstammung, nicht auf die Haarfarbe und die Nasensorm komme es an, sondern auf die Wertigkeit des Menschen. Dr. Piechowski von der Philipp Melanchton-Kirche stellte sich der Versammlung als religiöser Sozialist vor. Seine Freunde ständen dem dcutschvölkischen Gedanken fern, da sic Schändung und Aechtung eines Menschen, wie das beim Antisemitismus der Fall sei, als im besten Sinne des Wortes unchristlich ablehnen. Pfarrer M e tz n e r von der St. Eduard- Kirche widersprach den deutschvölkischen Ideen vom Standpunkt des katholischen Christen. Nationalismus sei Todfeind echten Gemeinschaftsgedankcns wie ihn das Christentum predige. Tr. Ludwig Holländer, der Direktor des Central-Vereins, wandte sich gegen die unberechtigten Vorurteile, mit denen auch heute noch gebildete deutsche Volksgenossen ihren jüdischen Mitbürgern gegenüberstehen. Die kleine Minderheit der deutschen Juden könne sich allein nicht mit genügendem Erfolg hiergegen zur Wehr setzen. Der gute Christ sollte mit dem guten Juden in gegenseitiger Wertschätzung am Aufbau des Vaterlandes arbeiten. — Eine mehr als einstündigc Aussprache beendete den wertvollen Ausspracheabend. Berlin. (Der Ausschluß jüdischer Mitglieder aus dem Alpenverein ungültig.) Bekanntlich führte die Frage der beschränkten oder unbeschränkten Ausnahme jüdischer Mitglieder in den Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein i. I. 1924 zu ernsten Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vereins. Für die Vorstandswahlen am 13. Februar 1925 wurden zwei Listen aufgestellt. Die Partei des Vorstandes, der sich für die beschränkte Aufnahme jüdischer Mitglieder eingesetzt hatte, stellte eine Liste mit Kommerzienrat Hauptner an der -Spitze auf, die Gegenpartei eine Liste mit Senatspräsident Germeshausen. Diese Liste unterlag bei der Wahl. Das führte zur Sezession der Opposition, unter der sich die Kläger befanden, und zur Gründung des Deutschen Alpenvereins. In der nächsten Jahresversammlung der beklagten Sektion wurde den Mitgliedern die Zugehörigkeit zu dem neu gegründeten Verein untersagt. Als die Kläger diesem Beschluß nicht nachkamen, wurden sie ausgeschlossen. Die Kläger hielten diesen Ausschluß für formell ungültig, in sachlicher Beziehung für satzungs- und sittenwidrig und erhoben Klage. Die zlveite Zivilkammer des Landgerichts II hat jetzt der Klage stattgegeben und die Ausschließung aus formellen Gründen für ungültig erklärt, da die Wiederwahl des Kommerzienrats Dr. Hauptner zum Vorsitzenden nicht entsprechend der Satzung des Vereins stattgefunden und deshalb nichtig sei. Der Ausschluß der jüdischen Mitglieder sei aber deshalb nichtig, weil er von einem ungültigen Vorstande erlassen worden sei. Breslau. (Amtsenthebung eines antisemitischen Untersuchungsrichters.) Landgcrichtsrat Pietsch, der seinerzeit im Prozeß Erichsen durch seine antisemitische Gesinnung unliebsam von sich reden machte, ist seines Postens als Untersuchungsrichter beim Landgericht .hirschberg enthoben worden. Crefeld. (Oberrabbiner Dr. Levi aus seinem Amte geschieden.) Am 1. Januar ds. Js. schied Oberrabbiner Dr. Levi mit Rücksicht aus seine angegriffene Gesundheit ^.us dem Amt. Geboren 1865 in Freudenthal (Württemberg), besuchte er das Gymnasium in Hcilbronn. Nachdem er es mit dem Zeugnis der Reise verlassen, widmete er sich an der Universität zu Breslau dem Studium der Philosophie und Geschichte. Aus Grund der in diesen Fächern erworbenen Kenntnisse und einer von ihm verfaßten wissenschaftlichen Arbeit promovierte er bei der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen zum Doktor philosophiac. Mit seinem Universitätsstudium verband er zugleich das der jüdischen Theologie und besuchte zu diesem Zwecke als ordentlicher Hörer das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. Nach erlangter rabbinischer Autorisation im Jahre 1891 übernahm er das Amt eines Rabbiners un>d Religionslehrers in Alzey und im Jahre 1904 die Oberrabbinerstelle in der hiesigen Synagogcn-Gemeinde. Während seiner hiesigen Amtstätigkeit hat Dr. Levi es verstanden, durch sein segensreiches Wirken wie auch durch die Macht seiner Persönlichkeit sich die Liebe und Verehrung sämtlicher Gcmcindemitglicder in reichstem Maße zu erwerben. Darüber hinaus erfreute er sich in allen Teilen der Bevölkerung unserer Stadt großer Beliebtheit und hohen Ansehens. Seine Kanzelreden waren gediegen und zeugten von einem gründlichen Wissen. Als vorzüglicher Pädagoge wußte er seinen Unterricht interessant zu machen und die Schüler an sich zu fesseln. Besonders ernst aber nahm er es mit der Seelsorge. In Freud und Leid stand er jedem Gememdemttglied ratend und helfend zur Seite. Die Armen und Hilfsbedürftigen hatten in ihm einen allezeit gütigen Betreuer. Für alles das, was er so in seiner 23 jährigen Dienstzeit geleistet, dankt ihm seine Gemeinde wärmstens. Sie hegt den innigsten Wunsch, daß sich seine Gesundheit wieder kräftige und es ihm ermögliche, noch viele Jahre sich der wohlverdienten Ruhe zu erfreuen. denen Rabbiners Dr. Robert Kaelter, der sich um die Danziger Gemeinde unvergängliche Verdienste erworben hat und richtete sodann freundliche Begrüßungsworte an den neuen Rabbiner, «in schweres und verantwortungsvolles Amt habe di« Gemeinde in seine Hände gelegt, sie bringe ihm aber vollstes Vertrauen entgegen. Rabbiner Dr. Grün dankte mit bewegten Worten und gelobte, sein Amt mit Treue und Gewissenhaftigkeit zu verwalten. Nach dem vom Synagogen-Chor und der ganzen Gemeinde gesungenen Chanukahliede bestieg der neue Geistliche zum ersten Mal die Kanzel und hielt seine Antrittspredigt, der er als Text das erste Kapitel aus dem Buche Jeremias zugrunde legte. Die Predigt machte aus die versämmette Gemeinde einen tiefen Eindruck. Mit dem üblichen Abendgebet fand die weihevolle Handlung ihr Ende. Dresden. (Aus dem Gemeindeleben.) Der Gesamtvorstand der Israelitischen Religionsgemeinde schrieb an den Vorsitzenden der Chewra Kadischah, Herrn Isidor Salinger, anläßlich seines 75. Geburtstages u. a. folgendes: In dem ältesten Verein unserer Gemeinde, in dem „Heiligen Verein" der Beerdigungsbrüderschaft, üben Sic seit vielen, vielen Jahren als Vorsteher hingebungsvoll Liebesdienst an den Verstorbenen, jenen Liebesdienst, welcher Betätigung „wahrhastiger Liebe" genannt wird, weil er an solchen geübt wird, die selber nicht mehr danken können. — Oeffentlich beglückwünschte die Gemeinde die dem Henriettenstift zugehörige Frau Jethy Rosenberg anläßlich ihres 80. Geburtstages. Eisenach. (I u b i l ä u m.) Das geachtete Mitglied der hiesigen Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Fackenheim, feierte unter lebhafter Beteiligung weiter Kreise das 40 jährige Jubiläum als Arzt. Seine Verdienste um die heilungsuchende Bevölkerung des Ortes in FriedenS- und Kriegszeitcn wurde aus diesem Anlaß auch in den hier erscheinenden Tageszeitungen lobend anerkannt. Frankfurt a. M. (Aus der Gemeinde.) Gcmeindevorstand und Gemeindevertretung haben dafür gestimmt, daß die Frankfurter israelitische Religionsgesellschaft als öffentliche rechtliche Körperschaft erklärt wird. Die Religionsgescllschast hat ihrerseits, um jede Schwierigkeiten zu vermeiden, keine Anerkennung der Rechtsnorm verlangt,' wonach alle Maßnahmen nur Gültigkeit haben sollen, wenn sie den Religionsgesetzen nicht widersprechen. Zu diesem Entschluß wurde die Religionsgesellschast besonders durch die einstimmige Ansicht dreier Ministerien bestimmt, wonach es keinesfalls angängig ist, daß eine öffentliche rechtliche Körperschaft die Wirtsamkeit ihrer Beschlüsse von religiösen Vorschriften abhängig macht. Die Hilfsorganisationen der Gemeinde tragen sich mit dem Gedanken, ähnlich wie cs in den Kommunen geschieht, eine Produktivierung der jüdischen E r w e r b s l o s i g k e i t zu schaffen. Man wird um so rascher mit der Verwirklichung dieser sozialen Arbeit rechnen können, als staatliche und städtische Stellen schon bei den Vorberatungen überaus freundliches Interesse gezeigt haben. Todesfall. Vergangenen Freitag starb unerwartet der Zigarrenhändlcr Julius Lurch, Allerhciligcnstraßc. Lurch, ein einfach-schlichter Mensch, war in weitesten Kreisen durch seine rege Anteilnahme am politischen Leben Frankfurts bekannt. Als Bezirksvorsteher des Wohlfahrtsamtes war er unablässig bemüht, wenigstens die größte Not zu lindern, und auch als Armenvorsteher des jüdischen Almosenkastens half er unermüdlich den Armen seines Glaubens. Nicht nur Mitglieder seiner Partei — der sozialdemokratischen und Reichsbannerkameraden waren äußerst zahlreich zu seinem Begräbnis erschienen, sondern auch seine politischen Gegner hatten sich ihm zu Ehren aus dem überfüllten Friedhof versammelt. Dem jüdischen Deutschen, der in des Wortes edelster Bedeutung ein liberaler Jude war, werde» wir ein ehrendes Andenken zu bewahren wissen. Jubiläen. Am 1. Januar beging Herr Max Schott sein 50 jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma Schwarzschild & Ochs. Der Jubilar trat als Lehrling bei der Firma ein und hat sich so von den bescheidensten Anfängen bis zu einem ersten Reisenden der Firma hinaufgearbeitet. Der Jubilar, der jetzt 6 7 Jahre zahlt, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit, was sich auch in den zahlreichen Gratulationen und Spenden an seinem Ehrentage äußerte. Herr Siegmund Stern, Synagogendiener in der Synagoge Bockenheim, feierte am 8. Januar sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Der fleißige Beamte hat seinen Dienst stets zur Zufriedenheit aller Synagogenbesucher versehen. Herr Moritz Cohn feierte am 21. Dezember in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 5. Geburtstag. Der Jubilar hat als Veteran der Feldzüge 1864, 66, 70 sich stets als Jude und Deutscher für seine Ideale uneigennützig eingesetzt und so Zeit seines Lebens ein hehres Bild schönster Pflichterfüllung gegeben. Frankfurt a. M. (Jüdische Bibliothek in einer Sine u l t a n s ch u l e.) Aus Anregung ihres Religionslehrers Rabbiner Dr. May beschlossen jüdische Schüler des Musterschulrealgymnasiums eine jüdische Jugendbibliothek zu gründen. Zweck der Bibliothek ist: jüdisches Wissen und Wissen über das Judentum auch unter den christlichen Kameraden zu verbreiten als auch jeden eventuell aufkbmmendcn Antisemitismus in der Schule mit den Waffen des Geistes zu bekämpfen. Die Neugründung wird sicher das traditionelle gute Verhältnis zwischen christlichen und jüdischen Schülern der Anstalt noch weiter stärken. Um Spenden wird gebeten an die Adresse: Alsred Auerbach, Nesenstraße 7. Frankfurt a. M. (Von der Frankfurter Universität.) Bei den Wahlen zum großen Rat der Universität wurde die sozialdemokratische Stadtverordnete Henriette Fürth und der Mitinhaber der „Frankfurter Zeitung", Herr Heinrich Simon, in den großen Rat der Universität gewählt. Frankfurt a. M. (9 5. Geburtstag.) Am 1. Januar feierte Frau Ludwig Moses Ww. in seltener Frische ihren; 9h. Geburtstag. Vor 6 Jahren verließ sie auf Drängen ihres Sohnes den Wohnsitz in Bingen, um zu ihm nach Frankfurt zu ziehen. Die selbstlose Frau hat Zeit ihres Lebens in uneigennütziger Weise,ihrer Familie gelebt und auch oft Fernstehenden edelmütig geholfen. Möge sie noch lange ihrer Familie, der Gemeinde und ihrer neu erwählten Heimatstadt Frankfurt in gleicher Gesundheit erhalten bleiben. Fraustadl. (Beschwerde über Anstellung eines jüdischen Lehrers.) Auf eine Beschwerde über die Anstellung eines jüdischen Lehrers an der evangelischen Volksschule in Fraustadt hat der Kultusminister geantwortet, daß die Berufung des jüdischen Lehrers in Erfüllung einer Zusage geschehen ist, die das Ministerium der jüdischen Gemeinde bei der Auflösung der jüdischen einklassigen. Schule im Jahre 1910 gemacht habe. Sie ist um so mehr berechtigt, als zur Zeit die evangelische Schule von der gleichen Anzahl jüdischer Kinder besucht werde, wie sie bei Auflösung der jüdischen Schule dort vorhanden gewesen sei. Fulda. (Todesfall.) In dem kürzlich verstorbenen Lehrer Spiro ist einer der Lehrer-Veteranen Hessens aus dem Leben geschieden. Das stattliche Trauergcfolge, das seine Bahre umstand, legte Zeugnis ab von der Wertschätzung, die er genoß. Grabrede und Nachruf hatte der Verstorbene sich verbeten; seine Freunde verstanden und achteten diesen Wunsch. Greisfeuhagen. (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof wurden dieser Tage zahlreiche Grabsteine umgeworscn oder zerstört. Auch die Friedhofskapellc wurde erheblich beschädigt. Danzig. (Einführung von Rabb. Dr. Grün.) Am Vorabend des ersten Chanukahtages fand in der Großen Synagoge die feierliche Einführung des neu gewählten Rabbiners Dr. Iwan Grün statt. Das große Gotteshaus war bis aus den letzten Platz besetzt. Vorstand und Repräsentanten-Kollegium waren vollzählig erschienen. Unter den Klängen der Orgel wurde der neue Geistliche von den Vorsitzenden beider Gemeinde-Körperschaften zu dem Altar geleitet. Nach einem hebräischen Gesänge des Oberkantors Meisel ergriff der Vorsitzende des Vorstandes, Justizrat Fabian, das Wort. Er gedachte zunächst mit warmen Worten des vor fast 2 Jahren dähingeschie- Hamdurg. (Einf. hrung Rabb. Dr. Italieners.) Zur Amtseinführung des Rabbiner Dr. Bruno Italiener, der 20 Jahre als Geistlicher in Darmstadt gewirkt hatte, hatte sich die Tempelgemeinde im Gotteshause eingefunden. Vertreter des Senats und der Bürgerschaft, Vertreter des Vorstandes und des Repräsentanten-KollegiumS der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und die der verschiedenen Gemeinde-Institutionen, Abordnungen von Kultus-Verbänden in Ham bürg, Altona, Wandsbek, Hakburg und Ehrengäste wohnten der Feier bei. Unter Orgelspiel wurde der neugewählte Rabbiner in das festli geschmückte Gotteshaus geführt.