Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-12-30 · 52 (30.12.1927) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
52 (30.12.1927)
Date
1927-12-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613946--2543-2620027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Fleisch herauszuschneiden. „Allein", so heißt es in »er alten Uebersetzung des Berichts, „gebt hierbey wohl achtnng ans euch selbsten: denn wo fern ihr nur ein einziges tznintlein zu viel oder zu wenig schneiden werdet, müsset ihr ohne eintzige barmhertzigkeit hencken". Darauf verlangte Seecchi nur den Segen des Papstes und war bereit, seinen Schein zu zerreißen. Womit auch der Jude zufrieden war. ,Mir aber sind keines weges zufrieden", versetzte der Papst, Ließ beide ins Gefängnis werfen und verurteilte, weil sie leichtfertig mit einem Menschenleben gespielt hätten, beide zu» Tode. Doch wollte er sie nur schrecken, begnadigte sie zur Galeere und erließ ihnen auch diese Strafe gegen je zweitausend Scudi zum Bau des Hospitals di Ponte Sisto. .jedoch durfften sie sich aus seinen ausdrücklichen beseht vermittelst dieser summe nicht eher loßmachen, als biß man ihnen schon die ketten an die süße geleget." Shakespeare kann diesen Bericht Letis nicht gekannt haben, da das Buch über Sixtus V. erst 1630 erschienen ist. Aber die Tatsachen, die dem Bericht zugrunde liegen, hat er, wie Niemeyer vermutet, gekannt. Denn er sei von 1585 bis 1590 aus England verschwunden und „so gut wie sicher" in Italien gewesen, wo die Fleischpsandgeschichte ebensolches Aussehen gemacht haben werde wie eine Reihe anderer berühmter Justizexempel des Papstes Sixtus. Eine andere Geschichte vom Fleischpsand, dieses Mal ohne Juden, steht schon in dem „Gesta Romanorum" be titelte« Märchennno Legendenbuch aus denr dreizehnten oder vierzehnten Jahrhundert. Ein Ritter will des Königs Lucius Tochter freien, braucht aber dazu vorerst tausend Mark und bekommt sie von einem Kaufmann gegen einen mit Blut geschriebenen Schein, wonach der Gläubiger dem Schuldner, wenn er nicht binnen drei Tagen die tausend zurückzahle, „ein schwer Stück Fleisch von seinem Leibe schneiden" dürfe. Der Ritter geht zu Hofe, und „die Jungfrau behielt ilh» eine ganze Woche bei sich in ihrer Kammer, ohne daß jemand darum wußte". Also versäumt er den Rückzahlungstermin; wieder will der Gläubiger das Geld, das die Jungfrau vorstreckt, nicht annehmen. Es folgt der Prozeß, worin der Richter entscheidet, der Kaufmann dürfe schneiden, aber kein Blut vergießen... Endlich, in der italienischen Novelle des Ser. Giovanni Aiorermno aus der Sammlung „Jl Pecoroue", 1378 gezchricben und 1558 gedruckt, wird der Geldgeber zum (namenlosen) Juden gemacht, feine Wohnung nach Mestri bei Venedig verlegt, der Palast des Fräuleins nach Belmvnt, wie bei Shakespeare, nur daß der Freiersmann nicht Bassanio, sondern Gianetto, und sein Freund und Bürge nicht Antonio, sondern Ansaldo heißt. Was immer von diesen. Berichten der Dichter gekannt hat, es waren nur Bausteine, die er hier benutzen, dort verwerfen konnte. Er hat sich schließlich den Stoff souverän gestaltet und in den Mittelpunkt einer im übrigen vielfach kustigm Handlung die tragische Figur Shylocks gestellt. Um bei der schaulustigen Menge Vergnügen über die Mißhandlung des rachsüchtigen Alten zu wecken? Um dem Haß des Pöbels gegen die Söhne des Wüsteuwanderstammes neue Nahrung zuzusühren? Nichts wäre unbilliger als solche Unterstellung. Denn wo ist gesagt oder angedeutet, daß er das Urteil der Porzia für gerecht hält? Eher ist zu schließen, daß seine Darstellung dem landläufigen Vorurteil gegen die Juden einigermaßen Abbruch tun sollte, wenn auch in den Grenzen der künstlerischen Fabel und unter Berücksichtigung der im Mtttelalter herrschenden Anschauungen. * Denn, hätte er lediglich über den Juden den Stab brecheu wollen, er hätte ihm nicht so erschütternde Wahrheiten in den Mund gelegt, wie sie Shylock vor Abschluß des Paktes gegen den „königlichen Kaufmann" Antonio ausspricht, gegen den hochmütigen Christen, der ihn viel und oftermals geschmäht und angespien hat. Weshalb geschmäht und angespien? Weil der Jude, wenn er Geld auslirh, Zinsen nahm. Als ob er etwas andres tat als Christen auch, nämlich sein Vermögen zu.nützen, wie es letzten Endes auch Antonio iu seinen S.lftfssgeschäften machte. Und haben nicht Christen, recht große, sogar Zinshandel genug getrieben? Nicht die Medici, nicht die Fugger? Und wesl)alb mußten sich Juden vielfach, wenn sie leben wollten, ans den Zins- Handel, auf den „Wucher" werfen? Weil ihnen von einer brutalen Gesetzgebung die meisten andern Gewerbe verschlossen wurden. „Er hat mich beschimpft", sagt Shylock, „meinen Gewinn bespottet", „mein Volk geschmäht", „meine Feinde gehetzt". „Und was hat er für Grund? Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude.Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, L.idenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mit teln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer wie ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?" Alle diese Fragen ebenso wie die Schilderung der Roh heilen, die Shylock von Antonio erfahren hat, wären unterbliebe«, wenn der Dich.er nur seinen Witz an dem Juden üben, nur den Judenhaß hätte schüren wollen. Im Gegenteil, er sucht die Rachsucht, der Shylock bis zum Wahnwitz verfällt, zu erklären, zu begründen. .Hat nicht Antonio schon, ehe die dreitausend Dukaten bewilligt war.-n, die ausrei epde Drohung ausgestoßen, er könne leicht.ich wieder S y o.k einen Hund nennen, ihn wieder anspein und mit Füßen treten? Da bäumt sich der Zorn in dem Bedrückten auf. „Sollen wir uns nicht rächen?" „Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wirs euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. W-.'nn ein Christ einen Juden beleidigt, was muß seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Ru, Rache. Die Bosheit, die ihr mich lehrt, die will ich ausüben.." Das ist ein. Plaidoy er des Dichters, wenn nicht für die Freisprechung Shylocks, so doch für mildernde Umstände. Röcht «nrders Shakespeares Spott über die Judentauftn. Jessica, Shylocks abtrünnige Tochter, läßt sich mit ihren Juwelen und Dukaten von ihrem christlichen Gcllan stehlen, — „ber Mann, der kürzlich seine Tochter stahl", sagt Antonio ausdrücklich —, und prahlt: „Ich werde durch meinen Mann selig werden, er hat mich zu einer Christin gemacht", woraus Lanzelot erwidert, da sei er sehr zu tadeln, es gebe schon genug Christen; „dies Christenmachen wird den Preis der Schw.ine steigern". Wenn der Dichter nichtsdestowenig'r zum Schluß selbst Shylock zum Zwangschristen macht, so liegt da in ein blutiger Hohn — nicht auf das Judentum. Er läßt Autoniv verächtlich sprechen über Shylocks „jüdisch Herz", und ihn selbst und seine Freunde zuletzt herzlos den Juden vernichten. Er läßt sie so oft mit Hatz gegen den ,Juden" Porzias Rede unterbrechen, daß den unbefangenen Hörer ein Ekel angeht. Und er stellt Shylock als Widerpart eine Gesellschaft gegenüber, die alles eher als Bewunderung für derarttge Vertreter des Christentums wecken kann. * „Wahrlich, Shakespeare würde eine Satire auf das Christentum gemacht haben, wenn er es von jenen Personen repräsentieren ließe, die dem Shylock feindlich gegenübe.stehen und dennoch kaum wert sind, ihm die Schuhriemen zu lösen." So sagt Heinrich Heine. Der bankerotte Antonio, ein trübes Wurmherz. Bassanio, der aus einen fetten Brautschatz ausgeyt. Lorenzo, der Mitschuldige eines der infamsten Hausdiebstähle, der (meint Heine) nach preußischem Landrecht zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, gebrandmarkt und an den Pranger gestellt würde. Die andern edlen Venezianer, die gegen den Juden eifern, aber bis zum letzten Tage der drei Monate nicht daran denken, ihrerseits die dreitausend Dukaten zusammenzubringen, um ein Menschenleben zu retten. Lanzelot Gobbo, der Schweinefleischfreund. Und endlich nochmals Bassanio, der erklärt, er wäre bereit, sein Weib „dem Teufel da" zu opfern, um Antonio zu befreien, und Graziano, der hinzufügt, er wünsche sein geliebtes Weib in den Himmel, „könnt' sie Mächte dort flehn, den hünd'- schen Juden zu erweichen" — „wahrlich", sagt Heine, „mit Ausnahme Porzias ist Shylock die respekta.be.ste Person im ganzen Stück". Er hätt cs mit der schönen Britin im Durylane-Theater, deren große Augen weinten um Shylock? „The poor man is wronged! Dem armen Mann geschieht Unrecht!" Und Alfred Kerr hält cs mit Heinrich Heine, kraft eigenen Urteils und Gesüh.s. und sieht wie er nicht: hier Jude, hier Christ, sondern: hier Unterdrückter, hier Unterdrücker, wenn er auch den Gegensatz auf die Formel: Jude oder Lude bringt. Wenn aber Wilhelm Speyer aus der Aufführung bei Jeßner, mit Kortner und der Bergner, den Eindruck empfangen hat, der Kaufmann von Venedig mache für den Antisemitismus Propaganda, so ist die Frage, wieweit das Stück, wieweit die Inszenierung an diesem Eindruck beteiligt ist. Frank Harris, der die^Marotte hat, in Antonios Gestalt eine Art Selbstbildnis Shakespeares zu entdecken, schreibt doch: „Die Schauspieler der englischen Bühne haben sich dararr gewöhnt, Shylock zu einem Helden zu stempeln." Da haben sie recht getan. Zu einem tragischen Helden. Und wie das Stück aus vorutteilsfreie Personen wirkt, zeigen Schriften wie die Jherings und Niemeyerck, zweier Christen und rassereine Urgermanen. Sühne für die Pogrom-Ausschreitungen Am Donnerstag, den 22. Dezember, begann vor dem Bukarcster Militärgericht der Prozeß, gegen die erste Staffel lener Studenten, die angellagt sind, in Großwardein, Klausenburg und anderen Städten Siedenbürgens an der Verwüstung der Geschästsläden. uud Synagogen und an den Plünderungen teilgenommen zu haben. Auf der Anklagebank, saßen neun noch ganz junge Stundenten. Unter den Verteidigern befinden sich zwei Universitätsprofessoreu, sowie der Antisemitenführer Cuza. Tie Anklage lautet auf Zerstörung fremden Eigentums, Plünderung und Profanierung ritueller Gegenstände. Auf dem Gerichtstisch liegen die bei den Studenten Vorgefundenen, in den Synagogen und Läden geraubten Gegenstände, wie hebräische Gebetbücher, Thorarollln, Thoraschmuck, Priestcrornate und verschiedene Waren. Die angeklagterr Studenten beteuern ihre Unschuld und behaupten, die bei ihnen Vorgefundenen Gegenstände hätten sie nicht selbst geraubt, sondern sie seien ihnen auf dem Bahnhof von unbekannten Personen zur Aufbewahrung übergeben worden. Nach Großwardein seien sie auf B.-fetzl ihrer Vorgesetzten gekommen. Tie Aussch>reitnngen seien von Lockspitzeln veranstaltet worden. Tie kommunistischen Arbeiter iu Großwardein hätten für einen Monat im voraus den Lahn ausgezohlt erhalten, nur damit sie Die Studenten provozieren. Ter Militäranwalt führte in seiner Anklagerede aus, die! Studenten hätten sich gegen die staatliche Ordnung und die; öffentliche Sicherheit schwer vergangen. Tie Verteidiger bej stritten die Zuständigkeit des Militärgerichts. Einer der Ber j jerdiger protestierte dagegen, daß die Anklageschrift die Studenten Verbrecher nennt. Rumänische Studenten, rief er, seien niemals Verbrecher. Spät nachts wurde cxrs Urteil gegen sie neun Studenten, die sich als bu crllen wegen Zerstörung fremden Eigentums, Plünderung imß Schändung von religiösen Heiligtümern vor Gericht zu verantworten hatten, gefällt. Das Militärgericht verurteilte einen der angcklagten Studenten zu 5 Monaten Kerker, zwei Studenten zu je zwci Monaten und zwei Studenten zu [t einem Monat Kerker. Vier Stuoenten wnroen zu;e 10 Tagen Arrest verurteilt. In der Begründung erklärte das Mititärgerickft^ aus Grund der Zeugenaussagen und der vorliegenden Bel reise zu der Uebeczeugung gekommen zu sein, oaß die augeklagten Studenten an den Unruhen be^ei igt waren und rituelle Gegenstände aus Synagogen cntlocndrt haben. Bei der Bemessung der Strafe wurde das fugend'iche Alter und di' Unbescholtenheit der Angeklagten berücksichtigt. Das Urteil wurde sollkommen ruhig ausgenommen. Auch nach Verkündung desselben kam es zu keinen Zwischenfällen. » Das Klarrsenbur^er Kriegsgericht verurteilte einen Studenten, der an der Spitze eines Trupps die Synagoge in dein Städtchen Aphadia verwüstet hat, zu drei Monaten G.fänguis. Ter berüchtigte antisemitische Agitator Zur.anu, der bei der Verbreitung von Pogrom-Aufrufen e llv scht worden war, ist verhaftet und dein Militärgericht eingeli fert worden. Fünf Kommisiare der Klausenburger Polsici fini) infolge der von den Behörden angestelltcn Ermittlungen über die Studentenunruhen ihres Amtes enthoben worden. In Großwardein aber scheint das Bereden vorzüherrkchen, die Schuldigen zu decken. In br g sstern abgchaltenei Versammlung der Stadtverwaltung wollte der Führer der Großwardeiner Arbeiterschaft Tr. Eugen Rozvanyi eine Erklärung der Arbeiter verlesen, in w.llch-em der Bürgermeister und die leitenden B -Hörden der Parteilichkeit gez'e'en werden. Ter Bürgermeister Egri ließ sechs G ndarmen in dm Sitzungssaal kommen, die Rozvanyi die Erklärung entrissen und ihn selbst für verhaftet erUcssten. Die B ratung ve lich vollständig resultatlos, da weder bezüglich der für die Exzesse verantwortlichen Amtspersonen noch des zu leistenden Schadenersatzes eine Klärung geschaffen wurde. Einerseits — Andererseits Ueber die Berliner Repräsentantenverfammlung dom 5. Dezember hatten wir in unserer Nr. 49 einen ausführlichen Bericht veröffentlicht. Bon dem rnittelparteilich-konservativzionistischen Block wurde beantragt, entgegen dem bisherigen Brauch die Friedhöfe der Gemeinde am Sabbat geschlossen zu halten. Bon der liberalen Fraktion wurde diesem Antrag widersprochen und gefordert, daß es bei dem bisherigen Brauch verbleibe. In unserm Bericht hieß es: „Professor Türk wies vor allem auf die befremdliche Tatsache hin, daß auch Rabbiner Dr. Weiße den Antrag unterzeichnet habe. Als vor sieben Jahren schon einmal diese Frage aufgeworfen sei, da hätten die liberalen Rabbiner Gutachten für die Beibehaltung der Friedhofsöffnung am Sabbat abgegeben. Zu ihnen gehörte damals^auch Dr. Weiße. Habe sich nun in den letzten sieben Jahren das Religionsgesetz wieder geändert? Und soll das jetzige Verhalten oes Herrn Tr. Wllße die Erfüllung der Parole „Für Frieden und Einheit in der Gemeinde" sein?" In der Repräsentantenversammlung am Mittwoch, den 21. Dezember verlas eingangs Herr Tr. Weiße sein früher abgegebenes Gutachten und behauptete, daß danach wohl von einem Widerspruch in seinem Verhalten keine Rede sein könne. Von der liberalen Fraktion erwiderte Professor Türk, daß nach seiner Auffassung das Vorhandensein eines Widerspruches doch garnicht bestritten werden könne. Rechtsanwalt Stern wies namens der liberalen Fraktion daraus hin, daß sich doch zumindest, der Standpunkt des Herrn Dr. Weiße in der Frage der religiösen Toleranz gewandelt habe und daß das gewünschte Ergebnis seines früheren Gutachtens das Gegenteil des jetzt von ihm unterschriebenen Blockantrages bedeute. Wir glauben, uns einer eigenen Stellungnahme enthalten zu können, da unsere Leser aus der Wiedergabe des nachstehenden Gutachtens und des jetzt gestellten Antrages sich selbst ein Urteil bilden können. I. Gutachten. Berlin, den 20. Juni 1922. An den Vorstand der jüdischen Gemeinde, hier. Betreffs der Schließung der Friedhöfe an Sabbaten und Feiertagen gestatte ich mir zu erwidern, daß im Judentum der allgemeine religiöse Brauch Minliag, der sich in das Gefühl und das Bewußtsein der jüdischen Gesamtheit eingelebt hat, als Religionsgesetz angesehen wurde Hatninliag m’wate! ess hahaiachoh Minhagawaussenu tauroh Es ist das gleichsam ein ungeschriebenes Gesetz. In allen mir bekannten jüdischen Gemeinden ist es feststehender Brauch, den Friedhof an Sonnabenden und Feiertagen nicht zu besuchen, da diese über das Leid nnddie Trauer erheben sollen. Das war und ist die allgemeine jüdische Auffassung zu allen Zeiten geblieben. Auch hier in Berlin sind es nur einzelne, die den Friedhof an unseren Feiertagen aussuchen und nicht allgemeiner Brauch. Ta es nun hier lauge Jahre hindurch gestattet gewesen ist, von diesem allgemeinen jüdischen Brauch abzuweichen, e m pft e I>11 es fich vielleicht, da s charse Maßnahmen, besonders auch auf religiösem Gebiete nicht wünschenswert sind, den Besuch an den genannten Tagen nicht zu verbiete», aber die Besuchszeiten für die Feiertage in Zukunft nicht mehr zu veröffentlichen um einerunrichtigen Auslegung zu begegnen. Hochachtungsvoll gez. Dr. S. Weiße. 11 Antrag. Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen: Die Friedhöfe der Gemeinde sind am Sabbat und jüdischen Feiertagen gänzlich geschlossen zu halten. Berlin, den 3. November 1927. gez. Loeb, Weiße, Rau, Hornsteinj Lösser, Löwe, Klee, stlbrccham Löb, Lina Wagner Tauber, Rothenberg. Aus der Bewegung Halle a. S. (Vereinigung für b r» ä liberale Iuden^- tu in.) Am Freitag, i>m 1(5. Dezember 1927, hielt die hiesige Ortsgruppe für das liberale Judentum ihre erste Freitag--Abendscier bei Herrn Sanitätsrat Dr. Oppenheimer ab. W<.il über 400 SHnbet aus allen Sfreifen der (Gemeinde folgten unserem Rus, au\> zahlreiche Erwachsene waren anwesend. Nachdem .Herr Rabbiner Dr. Kahlberg den Kiddusch über den Wein granacht hatte, vereinigte eine gemütliche Kasseetasel Alle. .Herr Lehrer .Heymann und .Herr Canlor Kaufmann unterhielten die Linder durch Erzählung erniger Märchen. Frau Fränze Rosenthat sang einige Psalmen und gab durch ihre vollendete Kunst der Feier eine höhere Weihe. Sie wurde hierbei durch die Klavierbegleitung des Fcl. Ruth Friedmann würdig unterstützt. Weiteres boten di? Linder selbst, wie Liselotte Müller am Klavier und Mirjam Rosenberg durch verschiedene Tänze (Nottebohmschulr). Zum Sclluß wurden Alle photographiert. Die Feier endete gegen 7y<t Uhr. Vereinsnachrichten Verein ehema'iger Schülerinne« der Mädchenschule der Jüdische« Gemeinde zu Berlin E. 93., gegr. 1905, Lüneburger St raste 13, Moab. (U'>2. Bis aus weiteres jeden Donnerstag, abends, geinülliches Beisammensein, .Harcdarbeitskränzchcn, Restaurant Metropole, Rosen-- tl>aler Siraße 14; jeden Sonntag Waldlauf Sadoiva. Donnerstag, 2. Februar 192*, 20.30 Uhr, ordentliche Generalversammlung — Neuwahlen. Verein ehemaliger Schüler der Knadenschuie der Jüdische« Gemeinde;u Berlin E. 93., gegr. 1900, Elsässer Straße 9, Norden 1651. Irden Donnerstag gemütliches Bryammenftin, Kegeln nßv-, bei Gabel. Rosenthaler Straße 14; jeden Sonnabend Turnen, Große Hamburger Straße; jeden Sonntag Waldlaus Sadowa. Sonntag, den 15. Januar 1923, vormittags ll) Uhr, ordentliche (Generalversammlung, Gemeindehaus, Rosenstraßc, Neuwahlen. Kalendarium s. die Zeit v. 1. b. 7. Zaru 1928 Jtiuoar 19lerne* 5688 Sonntag 1 8. Montag 2 9. 10. Dienstag 3 Mittwoch 4 11. Donners:ag 6 12. Freitag 6 13. Sonnabend 7 14. Wochenabschnitt: Waj'cht Hastarah: 1. Buch Könige 2, 1—12 Sabbat-Ansgang: 4.59 Uhr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.