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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · page 12

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Lüg« wurde» vier veranstaltet, darunter zwei mit benachbarten Justendvereine«. Zur» ersten Mal wurde ei« eigener Gottesdienst geschaffen, der großen Anklang fand und regelmäßig alle 14 Tage wiederholt werden soll. Auch die anschließenden Freitag-Abende in den Wohnungen werden beibehalten werden. Der Rezitationskurs veranstaltete einen dramatischen Abend, der von ca. 80 Zuhörern besucht war. Die Jahresversammlung brachte neben der Neuwahl und Vergrößerung des Vorstandes neue Wege und Arbeitsmethoden. An Festen hatte die Jugendgruppe ein Sommersest und einen Elternabend, an dem eine Revue und eine Kinder-Symphonie zur Aufführung gelangten. Ferner hatte die Arbeitsgemeinschaft für freie Referate einen Tanzabend auf einem Schiffe. Größere Festlichkeiten fanden im Sommer nicht statt, aber das gesellige Moment wmd« durch gemeinsamen Sport, vor allem Schwimmen und Wandern, zur Geltung gebracht. Ueber unsere kommende Winterarbeit folgt noch Bericht. Max Gundersheim. Unsere Gemeinschaft hat am 9. September einen Freitagabend erlebt, wie er von den meisten Teilnehmern wohl noch nie eindrucksvoller empfunden worden ist. Zum ersten Mal wurde vom ,^li" ein eigener Freitagabend-Gottesdienst veranstaltet. Wir ginge» davon aus, daß uns junge Menschen der übliche Gottesdienst mit seiner starren Liturgie nicht befriedigte, daß wir in ihm mit seinen vielen Förmlichkeiten nicht unsere eigenen Empfindungen ausgedrückt sehen. Max Gundersheim hatte die Gebete nach den Wünschen unserer Gemeinschaft zusammengestellt und selbst vorgetragcn. Rach einem Gebet in unserer deutschen Mutter spräche (Ueber Entstehen und Vergehen des Alls) sangen wir in der hebräischen G e - bets spräche mit Verständnis L'chodandi und Sch'mah gemeinsam, was aus die Teilnehmer tiefen Eindruck machte. Frau Dr. Martha Wertheimcr hielt eine Ansprache, in der sie die göttliche Allmacht, Gott als den Schöpfer aller Dinge in der Natur pries. Cr allein gibt uns die Kraft, mit den Konflikten des Daseins fertig zü werden, indem wir i n uns gehen, unser ureigenstes Ich suchen, unser Herz, unsere Seele finden und mit der Macht des Geistes unserem Leben einen höheren Sinn geben. Abschließend flehte sie Gottes Segen auf uns alle herab. — Der Toten wurde in ergreifendster Weise in einer stillen Andacht gedacht, die wie der ganze Gottesdienst von Harmoniumspicl Hermann Geigers begleitet und umrahmt wurde. Erna Bolser las einen Psalm vor und brachte zu Beginn die erwartungsvolle Stimmung durch ein Gedicht -um Ausdrucks in der »yir uns bei diesem ersten Versuch befanden. Tief berührt verließen alle die Feierstunde, an die sich noch ein echter Freitagabend mit gemeinsamem Abendessen, Kiddusch und Tischgebet bei Herrn und Frau Hr. Hoffmann anschloß. Mancher von uns jungen Menschen fühlte hft den Klängen des Schic hamalaus zum ersten Male die wundervolle Weihe eines jüdischen Freitagabends. , Werner Hochheimer. ' Zum 15. Oktober hatte die Jugendgruppc des Jli zu einem ElterUabend eingeladen, der in den Klubräumen der Frankfurt-Loge stattsand. Der Abend wurde eingeleitet durch die „Kindersymphonie" von Jos. Haydn. Das Orchester bestand aus 16 Mädels und Jungens der Jugendgruppe und wurde von Hermann Weiller, ebenfalls einem Mitglied der Jugendgruppe, geleitet. Es war ein Vergnügen, zu sehen, mit welcher Begeisterung sich die jugendlichen Künstler der gestellten Aufgabe widmeten, zu hören, wie klangschön und vollendet sie das Werk herausbrachten. — Es folgte eine von Max Gundersheim verfaßte, von Sidney Dillenberg musikalifch bearbeitete kleine Revue: „Ja, ja, die Jugend". In ihr sollte das Wirken und Treiben der Jugendgruppc veranschaulicht werden. Wenn die beide» alten Tanten, die im ersten Bild der Revue über die Bestrebungen der heutigen Jugend sich entsetzten und raisonicrten, durch die Darbietungen von der Haltlosigkeit ihrer bisherigen Ueberzeugungen und Anschauungen so restlos umgestimmt wurden, wie sie dies zum Schluß der Revue bekannten, so darf man annehmen, daß hie anwesenden Eltern und zahlreichen Freunde noch viel intensiver etwaige vorgefaßte Vorurteile überwunden haben müssen. Es würde zu weit führen, alle die Namen derjenigen Mitglieder unserer Jugendgruppe zu nennen, die in der Revue ihr Bestes gaben. Sie glle (es wirkten 32 Jugendliche mit) erfüllten ihre Aufgabe mit Freude und Begeisterung und trugen dazu bei, den Abend zu verschönen. Es folgte ein gemütliches Beisammensein von Alt und Jung, und bei Tanz blieb alles bis in die frühen Morgenstunden vergnügt beisammen. Der Abend war ein voller Erfolg. Alex Jakobsohn. Ueber die W i n t e r a r b e i t des Jli-Franksurt unterrichtet ein gedrucktes Programm, aus dem wir folgendes erwähnen: Die Heimabende, die 14 tägig stattfinden, beschäftigen sich mit der Frage: „Was bedeutet uns lebendiges Judentum?", die in verschiedenen Vorträgen' behandelt werden wird. Ferner finden Arbeitsgemeinschaften im Abstande von 8 und 14 Tagen statt über: „Judentum Md Christentum" (Frau Dr. Edinger), „Aus jüdischer Geschichte" ,(Herr Rabb. Dr. Gottschalk), „Geschichte des Sozialismus" (Herr Dr. Minger), „Religionsphilosophie" (Herr Rabb. Dr. Seligmann), „Ausgewählte Stellen der heiligen Schrift" (Herr Rabb. Dr. Seligmann). ^Ferner gehören noch dazu Wanderungen und die allwöchent- ,Ischen H e i m a b.e nde der Jugend gruppe. Dir wünschen dem Jli-Franksurt ein gutes Gelingen! Redaktion. Jki-M«gde-ms „Heimat". Der Jüdisch-liberale Jugendbund „Heimat" in Magdeburg hielt am 4. September seine Generalversammlung ab, in der auch die Vorstandswahlen stattfanden. Gewählt wurden: 1. Vorsitzender: Hans 'Frankenstein, 2. Borsitzender: Hans Schäfer, Schriftführer: Ernst 'Steiner, Kassierer: Alfred Klappholz, Jugendobmann: Egon Schüler, Alfred Hadra, Mädchensührerin: Hanna Schmulewitz, Beisitzer und 2. Schriftführer: Karl Hamlet. JN-Magdeburg. Am 20. September sprach vor ca. 80 Zuhörern Herr George . Götz, Berlin, Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B., über das Thema: „Warum liberales Judentum?" Hans Frankenstein eröfsnete die Sitzung, indem er gleichzeitig durch diese .. Veranstaltung die diesjährige Winterarbeit einleitcte und erteilte .dann Herrn Götz das Wort zu seinen Ausführungen. In seiner : Einleitung schilderte der Redner die jetzigen Zustände in der breiteren Masse der deutschen Juden, denen es an Mut fehlt, sich offen und ehrlich zum Judentum zu bekennen. Wenn auch dieses von vielen . Leuten als liberal angesprochen wird, so kann man es doch nicht anders als indifferent bezeichnen. Der Redner führte dann, um zu beweisen, daß liberale Ideen schon in der biblischen Geschichte vorhanden sind, die Propheten an. Wie diese einst den Mut hatten, sich gegen veraltete Gesetze, die keine Bedeutung mehr hatten, aus- ' zulehuen, so gab es auch vor hundert Jahrrn viele Juden, die der Gelegenheit, die sich in der damaligen Zeit der Aufklärung bot, f Folge leisteten, um die Ghettomauern niederzuceißen. Die Leute ..- sahen voraus, daß sie, um die Achtung ihrer Mitwelt zu erringen, «tuch die Sitten und Gebräuche der Anderen annehmen mußten, s ohne selbstverständlich ihre Religion auszugcben. Hiergegen sträubte , sich die Orthodoxie, die jeden Fortschritt für ein Verbrechen am ’’ Judentum hielt. Der Referent wies aber mit Recht darauf hin, daß . auch di« Orthodoxie sich einer gewissen Entwickelung nicht verschließen konnte, und daß auch sie ihre Anschauungen modernisieren mußte. Herr Götz kam dann auf den Zionismus und seine Ziele zu 'sprechen» die er unbedingt verneinte. Einen neuen jüdischen Volks- ' staat in Palästina zu gründen, würde heißen, eine Staatsgemeinschast zu bilden, die genau so wie andere hochstehende Kulturvölker früher später dem Untergange preisgegeben wäre. Es würde dann sogar noch di« Gefahr nahe liegen, daß auch die jüdische Religion mit vernichtet würde. Es ist ein höheres Ziel der Judenheit, eine Religionsgemeinschaft anstatt eine Nation zu bllden. So konnte denn der Redner die Frage „Warum liberales Judentum?" dahin beantworten: Das liberale Judentum hat das hohe Ideal, nur einer zeitgemäßen jüdischen Religion sich zu widmen und aus diesem Grunde schon alle nationalen jüdischen Bewegungen zu bekämpfen. In der sich anschließenden Diskussion wurde noch an einzelnen Stellen der Ausführungen des Herrn Götz Kritik geübt, doch spendete sonst die Versammlung dem Redner reichen Beifall. Der Referent schloß die Aussprache mit einer Aufforderung au die älteren Herrschaften, der liberalen Jugend den Weg durch verständnisvolle Förderung zu ebnen. Egon Schüler. M-Potsdam. In Potsdam hatten wir den vergangenen Monat 2 Heimabende. Auf dem ersten unterhielten wir uns über die wesentlichen Unterschiede des Judentums zum Christentum; auf dem zweiten lasen wir einige Sprüche der Väter, und versuchten uns ihren Sinn llar zu machen. Am ersten Heimabend gab es eine lebhafte Diskussion. Als erstes wurde die Frage aufgeworfen: „Was gehört dazu, ein bewußter Jude oder Ehrist zu sein?" Zum Juden gehöre vor allem, daß er unser Glaubensbekenntnis bejahe, in dem die Grundforderung des Judentums, der Glaube an einen einzigen Gott, gestellt wird. Dem gegenüber steht uns der Glaube des Christentums an die Dreieinigkeit. Dann stellten wir nach vielem Hin- und Herreden fest, daß das Judentum im Gegensatz zum Christentum eine dogmensreie Religion sei. Weiter ergab unsere Diskussion, daß es im Judentum kein vorherbestimmtes Schicksal gäbe wie im Christentum, wo der Mensch schon mit der Erbsünde zur Welt kommt. Dann noch ein sehr großer Unterschied. Im Christentum fällt der Glaube an den Messias fort, da er den Christen ja schon in Jesus erschienen ist, während der Messiasglaube für den Juden von großer Bedeutung ist. Sehr ausführlich sprachen wir zum Schluß über die ethischen Forderungen, die das Judentum stellt. Nachdem wir einige Beispiele für diese Forderungen gesunden hatten, mußten wir alle das Judentum als eine spezifisch ethische Religion erkennen. Doch mußten wir auch zugeben, daß heute wohl die wenigsten Juden im Sinne dieser Forderungen denken und handeln, sich aber mit vollem Bewußtsein zu dieser christlichen Religion bekennen. Hanna Jarecki. Bücher- und Aeitschrifienschau Bibelübersetzung von Buber-Rofenzweig. Bon der neuen Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Roscnzweig (Lambert Schneider-Berlin) liegen bereits sechs Bände vor. Kürzlich erschien das Buch Jchoschua. — Martin Buber hat in dem soeben erschienenen Buch „Das Baal-Schem-Tow Unterweisung im Umgang mit Gott" (Jakob Hegner in Hellerau) die mündlich überlieferten, später verstreut ausgezeichneten Aussprüche des Begründers des Chassidismus gesammelt. Nach den vielfältigen wunderlichen und tiefsinnigen Geschichten, die sich um die Gestalt des Baal-Schem ranken, ersteht hier in Klarheit und Einfachheit das Bild des Gotterfohrenen Mannes. Für diese „Begegnung", bei der wir aus alt-neue Wege gewiesen werden, müssen wir Buber Dank sagen. „Der Marge n" bringt im Oktober/November-Hcft einen sehr interessanten Aufsatz von A. Singalowsky über das jüdische Wirtschaftsleben in Osteuropa. Es wird gezeigt, wie die Juden in Polen, Ukraine und Rußland begonnen haben, eine Umschichtung im Berufsleben vorzunehmen. Teilweise günstige Vorbedingungen (Entgegenkommen des Staats usw.) haben cs ermöglicht, daß in den letzten Jahren die Siedlungsbewegung und der Zug zum Handwerk erstarkt sind. Wir erfahren Genaueres von der Tätigkeit der drei Ausbauorganisationen „Joint Distribution Committee", „Jka" und „Ort". Ich möchte den Jligruppensührern die Lektüre dieses Aufsatzes für Heimabende sehr empfehlen, zumal die darin berührten Fragen ohnehin interessant sind und hier einmal eine gründliche Darstellung erfahren. — Die Jlis oder Jli-Gruppen, die sich über die Frage der jüdischen Schule schon unterhalten haben, dürfte auch ein kurzer statistischer Bericht von Paul Michaelis über das jüdische Schulwesen in den Baltischen Randstaaten interessieren, da hier die Sprachenfrage (Jiddisch, Hebräisch, Deutsch, Russisch?) ein viel schwierigeres Problem als bei uns in Deutschland darstellt. — Im übrigen erhalt „Der Morgen" einen allzu literarischen — nicht literatenhasten! — kathedermäßigen Charakter. So interessant Aufsätze über „Heine und sein Verhältnis zu Goethe", über „Herder und die Humanität", über „Lassalles letzte Tage" sein mögen, ihr Abdruck in dieser Zeitschrift erscheint nicht gerechtfertigt. Mir scheint, als fehle dem „Morgen" etwas an Aktualität, womit nicht gesagt ist, daß er sein geistiges Niveau senken soll. Sein Inhalt steht zu sehr im sicheren Port und läßt nichts von der Not des heutigen Menschen spüren. Ich glaube, daß aus diesem Grunde viele junge Menschen, die ihrer intellektuellen Begabung nach sehr wohl zum Leserkreis des „Morgen" gehören, von ihm nichts wissen wollen. E. H. S. „Der Jugendbund." MittrUungen des Verbandes der Jüdische« Jugendoerrine Deutschlands. 13. Jahrgang, Nr. 9. Düsseldorf, den 1. Sept. 1927. Die September-Nummer des „Jugendbund" ist eine umsangreiche Werbe-Nummer. Ob sehr viele Jugendliche über das erste Blatt, das doch das werbekräftigste sein soll, hinausgelesen haben? Wer von uns Jungen kann bei diesem Anruf („Unbekannter Freund!") etwas empfinden, bei diesen Fragen, auf die heut niemand mehr wartet bis ein Jugendverein sie stellt. („Bist Du mit Deinem Leben zufrieden?" „Hast Du schon einmal zu jemand aus überströmendcr Herzlichkeit Bruder gesagt oder Schwester?") Solche Sätze kann die heutige Jugend — man verzeihe das Wort — nur als kitschig empfinden; ihre Wirkung wird sich ans wenige Hinterweltler beschränken, die noch nichts vom neuen Geist der Jugend verspürt haben. Ich habe aber über die erste Seite hinausgelesen und manchen guten Gedanken in dem Heft gesunden, nur kann man hinter dem großen Vielerlei schwer ein wirlliches Bild des J.J.V. gewinnen. Dazu sind zu viele von den Schreibenden von außen herangeholt, z. T. geben sogar „Prominente" Antwort auf eine Rundfrage. Wir können die Forderungen eines Eduard Bernstein zur Mitarbeit am Völkersrieden, an den sozialen Aufgaben unserer Zeit ans vollem Herzen bejahen, können uns von dem Aufsatz eines katholischen Jugendlichen („Bom Kampf um die Religion") wirklich packen lassen, aber das bringt uns dem J.J.V. nicht näher. — Wichtiger für die Werbearbeit sind daher die Aufsätze, die von Mitgliedern des J.J.V. geschrieben sind und über Vereins-Geschichte, -Idee und -Arbeit berichten. Was am meisten für den J.J.V. gewinnen kann, sind die Zeugnisse von Mitgliedern über ihre starke Verbundenheit mit dem Verein, die sie einsam macht, wenn sie aus ihm herausgerissen werden. — Die Idee der Neutralität verliert auch durch Gustav Löfflers philosophische Grundlegung nichts an Blässe, wenn er sagt, daß sie sich „zu hehrstem Inhalt von Ueberparteilichkeit entwickelt hat". — Die Formen der Arbeit sind die gleichen wie in anderen jüdischen Jugendbünden auch: Heimabend, Vortragsabend, Freitagabend, gesellige Veranstaltung, soziale Arbeit, Sport und Wandern. Das Hauptgewicht scheint jedoch auf die geistige Arbeit gelegt zu werden und das ist erfreulich; erfreulicher noch, daß die Themen vorwiegend aus jüdischer Religion und Geschichte gewählt werden. — Wir wollen aber nicht vergessen, daß das Beste solcher Arbeit nicht durch Programme und Berichte deutlich wird; darum halten wir ein solches Wcrbehcft für nicht sehr wertvoll und nutzbringend, aber wir hoffen, daß die innere Arbeit, die der J.J.V. leistet, von umso größerem Werte ist. * Betty Markus. Das Öktobrrhrft des Verbandes der Jüdische« Jugeudverrinr Devtschlands. Dieses Heft zeigt ' im Gegensatz zum Werbeheft durch die Berschiedenartigkeit der Beiträge und durch die Offenheit, mit der in manchen Auffätzen und Berichten aus Mängel der Bewegung hingewiesen wird, ein viel erfreulicheres Bild. Da erfahren wir ausführlich von dem Weltjugendtreffen auf der Freusburg (Kurt Hirsch-Hamm), dessen Aussprachen und Ergebnisse auch für die JliS sehr wichtig sind, finben einen guten, sachlich gehaltenen Bericht über den Zionistenkongreß in Basel (Dr. Georg Lubinski) und erhalte» aus zahlreichen Ortsgruppenberichten interessante Einblicke in die Arbeit. Danach scheint sich allmählich ein stärkerer Gegensatz herauszustellen zwischen den mehr jugendbeweglerisch eingestellten Junggruppen und den in der Mehrzahl befindlichen Jugendvereinen, deren Mitglieder mit Zigaretten auf der Trefsahrt erscheinen und deren Arbeitsprogramm in der Hauptsache aus Borträgen von „Kanonen" besteht: ein Gegensatz, den wir in Jlikreisen auch gekannt habe». Unerfreulich scheinen mir zwei Aufsätze zu sein. Heinz Kahn verbreitet sich unter der Ueberschrift „Berliner Salat" über Sitten und Unsitten im Berliner Literaten- und Filmleben. Was hat das für eine Beziehung zu einem Blatt jüdische Jugendvereine? Und Hans Capell unternimmt „Streiszüge durch die Gegenwart", bei denen er in oberflächlicher, aber apodiktischer Form mit zionistischen Schlagworten arbeitet; etwa: „Das zionistische Axiom des politischen Charakters der Judenftage ist heute Gemeingut aller Richtungen." Oder: „Die jüdisch« Gesamtpersönlichkeit kann nur in der jüdischen Schule herangebildet werden." Wie verträgt sich das mit der Neutralität des Verbandes? E. H. S. ★ BÜCHERSCHAU * Die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums und seine Zukunft. Von Ernst Jolges Verlag Curtius-Berlin. 80 8. Eine Fülle von Fragen wird in dieser kleinen Schrift angeschnitten. Aber schließlich mündet alles in die eine: wie findet sich der Deutsche mit dem Juden ab? „Es ist nicht möglich, die in Deutschland heimatberechtigten Juden zu entfernen. Und die deutschen Juden denken nicht daran, alle Zionisten zu werden. So ergibt sich von selbst die Dolitische Forderung, sich mit den Juden hier im Lande aüzufinden, so gut es eben geht." Sehr herzlich klingt das ja gerade nicht Aber dem Verfasser kommt es ja auch* offenbar darauf an, die Antisemiten zu beruhigen, indem er die „weltgeschichtliche Bedeutung" des Judentums wohl für die Vergangenheit zugibt, für Gegenwart und Zukunft aber für erledigt erklärt. „Ahasver trägt den Todeskeim in sich und rüstet sich langsam zum Sterben." „Das Judentum hat seine Höhe überschritten und geht langsam seinem Ende entgegen." Woher das kommt? Weil alles am heutigen Judentum dem heutigen Deutschtum entgegensteht. „Der Deutsche der Gegenwart wird durch das Gefühl, durch das Unterbewußtsein beherrscht. Im Judentum überwiegt stets der Intellekt, das wache Bewußtsein." „Deutscher Seelenhaltung ist der phantasievolle Mythos, das Symbol angemessen. Das Alte Testament wandelte den Mytjhos in scheinbar historische Erzählung um." Aber auch der Kapitalismus wird durch neue Wirtschaftsformen verdrängt, die dem jüdischen Geist weniger entsprechen. Aber das Judentum hat auch aus anderen Gründen keine Zukunft: in Rußland, Polen, Galizien, Amerika ist es ohne völkische Bedeutung. Ein Nachwuchs kann also von dort für das deutsche Judentum nicht kommen. Und auch der Zionismus wird das völkische Schicksal der Juden nicht wenden. Die „Gefahr einer geistigen Verjudung der Welt" besteht nicht. Und endlich entsteht heute auf jüdischer Basis eine neue Religion, die mit dem alten Judentum eigentlich nur wenig zu schaffen hat. Der Verfasser spielt dabei auf die Betonung des allgemein Menschlichen an, wie es heut in jeder Religion erfolgt. So könnte der Antisemitismus beruhigt sein, und es ist fast unmöglich, daß der Verfasser ihn „kraftvoll in seinem Grundgefühl" nennt, wenn er auch in seinen Methoden etwas „Zwiespältiges und Unsicheres" findet. Wie er auch anerkennt, daß das deutsche Volk „rassisch alles andere eher als eine Einheit" ist. Eine Sorge aber drückt den Verfasser noch: der deutsche Jude trägt noch, immer die Merkmale des nationalen Judentums an sich und denkt nicht daran, diese Merkmale zu beseitigen. Wenn der C.V. erklärt: „Der Abwehrkampf bedeutet die Heimkehr zum Judentum", so urteilt der Verfasser: „Ein Abwehrkampf gegen den Antisemitismus kann nicht anders als durch Selbstbesinnung auf jüdisches Volkstum geführt werden." „Der Jude steht mit einem Fuße in Deutschland, mit dem anderen in Palästina oder im Ghetto." Das sind die Juden der „Zwischenschicht". „Durch seine Religion wird er täglich daran erinnert, daß er einem anderen Volke angehört." Nur die nationaldeutschen Juden finden das Wohlgefallen des Verfassers. Sie erstreben die „Eindeutschung" der Juden. „Daß ihre Bestrebungen innerlich echt sind, dafür bürgt der Haß, mit dem ihnen von ihre» Glaubensgenossen begegnet wird." Und in dieser Eindeutschung sieht der Verfasser den „einzigen Weg in die Zukunft" der Juden. Ihre Abstammung und Religion mögen sie ruhig bekennen. Nur auf ihr Volkstum sollen sie „völlig" verzichten. So malt sich in dem Kopfe eines zweifellos ruhig abwägenden Beobachters unsere Welt. Er spricht von den „Schönheiten des Alten Testaments", nennt die Liberalen „durchaus fromme Juden", (erwähnt auch zweimal unsere Zeitung), findet aber die Beseitigung der jüdischen Elemente aus der christlichen Ethik „durchaus verständlich" — wenn er auch diese Forderung ein andermal wie die „meisten völkischen Forderungen" „unklar und instinktmäßig" nennt. Sollen wir uns verteidigen? Sollen wir den Verfasser darüber belehren, daß w i r seiner Mahnung zur Eindeutschung nicht bedürfen; daft diese im Augenblick unserer Geburt in Deutschland begann; daß der Abwehrkampf gerade daraus entspringt; daß wir unsere Religion im ewigen Licht und nicht in dem national gebundenen sehen und alle Feste und alle Gebete in diesem nur religiösen Sinne erleben? Der Verfasser würde von all dem wohl unbeeindruckt bleiben. Denn er ist ja noch, heute imstande, unser Tiefstes und Wesentliches so zu verkennen, daß er bei uns nur „waches Bewußtsein" findet und bei dem Deutschen nur „Gefühl"; daß er die „aus dem tiefsten steigende Leidenschaft", die allein „starke dynamische Wirkungen" ausüben kann, bei uns vermißt. W i r sehen und erleben hier unser Tiefstes, d. h. das Tiefste unserer Religion. Der Verfasser aber weiß nichts davon und wohl auch davon nichts, wie auch Nichtjuden hierüber geurteilt haben. Und müht sich dennoch um die „Zukunft" der Juden! Und die jüdischen Elemente in der christlichen Ethik. Mit welchem Recht? Rabbiner Dr. Gottschalk, Frankfurta.M. BLUM! BERLIN Wöö LL MAUERSTR. 70 FERNRUF: ZENTRUM 5023 u. 5024 BLUMENSPENDEN - TRAUERSPENDEN - TAFEL¬ SCHMUCK - INNENDEKORATION IN KÜNSTLE¬ RISCHER AUSFÜHRUNG - 12 erste Preise

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