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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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rate Gotteshaus? Braucht es jene Forderung nicht zu beachten, auch nicht an einem Abend, an dem die Jugend in Scharen wie sonst nie im Gotteshause versammelt ist? Unten herrscht keinerlei zum Beten gestimmte Andacht. Kaum einer vermag sich zum Gebete zu sammeln. Ein Surren und Summen geht durch den Raum, ein Raunen und Rauschen von fragenden, scheu zurückgehaltenen Kinderstimmen und beruhigenden Antworten der Erwachsenen. Was wird da kommen? Wird es die harrenden Kinderherzen zu erfassen und in seinm Bann zu ziehen vermögen? Wird es sie mit rechter Simchath-Thora-Freude erfüllen? Der bisherige liberale Gottesdienst am Simchath-Thora-Abend vermag dies wahrlich nicht. Denn ohne Rücksicht auf die andersgeartete Stimmung der versammelten Gemeinde, auf die eigenartige Zusammensetzung derselben von jung und alt, bei der die Jugend so stark vertreten ist, wird der gesamte traditionelle Gebetsstoff des Minchah- und Maariwgebetes absolviert und die Jugend, die etwas anderes erwartet, gelangweilt und in ihren Erwartungen herabgestimmt. Erst wenn beim Herausheben der Thorarollen das feine Klingen der Glöckchen ertönt, kommt Leben und Bewegung und interessierte Aufmerksamkeit in die Gemeinde der Jugendlichen. Aber mit dem einen Umzug ist auch alles vorüber, was sie gesangenhalten könnte. So ist die einzige, beste Gelegenheit des Jahres, die Herzen der Jugend im Gotteshause zu erfassen, verpaßt. Der Gottesdienst am Simchath-Thora- Abend erheischt daher aufs dringendste eine Umgestaltung in dem Sinne, daß die Jugend am Gottesdienst lebhaft interessiert und zur aktiven Teilnahme herangezogen wird. Hierzu möchte ich mir folgende Vorschläge erlauben: 1. Anstatt des fortfallenden Minchahgebetes wird eine kurze Thoraverlesung in den Gottesdienst eingefügt, bei der die Knaben in kleinen Gruppen gemeinsam die Segenssprüche sprechen wie einst früher die Chorknaben in der Berliner alten Synagoge am Simchath-Thora-Vormittag. 2. Ein deutsches Lied wird gemeinsam gesungen, mit dessen Text und Melodie die Kinder im Religionsunterrichte vertraut gemacht worden sind. 3. Auf das belebende, aneifernde Wort des Rabbiners soll nicht verzichtet werden, der in einer kurzen, ganz kurzen Ansprache sich an die Jugend wendet. 4. Während des Umzugs der Thorarollen findet die Aufftellung einer Gruppe von Kindern mit ihren Fähnchen am Altar statt, eine Gepflogenheit, die in den alten Synagogen geübt wird und doch auch eine sehr sinnige Deutung hat. Im vorigen Jahre hat in diesen Blättern Herr Rabbiner Dr. Fuchs-Chemnitz auf die Bedeutungslosigkeit hingewiesen, zu der der Gottesdienst am Simchath-Thora-Vormittag herabgesunken ist. Noch gilt dies letztere nicht für den Simchath- Thora-Abend. Davor schützte ihn bisher die ihm innewohnende Tendenz, die der religiöse Geist der Gemeinschaft immer stärker ihm zuweist: ein Abend zu werden gottgeweihter Freude für die Jugend im Beisein der Erwachsenen, ein Abend freudvoll religiösen Erlebens, der Freude an der Thora, wie der Freude am Gotteshause. Man gestalte den Gottesdienst der liberalen Synagoge im Sinne dieser Tendenz um. damit nicht in der nächsten Generation der Simchath-Thora-Abend vom Schicksal des Simchath-Thora- Tages ereilt werde. Man gehe hier endlich ans Werk, und die Jungen und die Alten werden es uns danken. Verschließe dein Herz nicht Bon Rabbiner Dr. Gottschalk, Frankfurt a.M. „Verschließe dein Herz nicht" — so tönt es uns in den nächsten Tagen wieder entgegen. Und kein besseres Abschiedswort können uns die Festwochen — die ernsten und heitern — in das Leben mitgeben, nicht besser, kürzer und inniger könnten sie uns aufrufen — zur Lebens f r e u d e. Freilich müssen wir mehr aus dem Bibelwort heraushören als nur die Mahnung zum Wohltun, die zunächst mit ihm verbunden ist. Wir müssen uns vielmehr darüber klar werden, daß ein gar großes Hindernis für die Lebensfreude eben darin liegt, daß unser Herz immer wieder und wieder sich zu verschließen geneigt ist. Wodurch — ist unnötig zu sagen. Aber das sollte man betonen: es gibt kaum einen furchtbareren Moment für die Gefühls- und Herzensmenschen als den Moment der Enttäuschung. Es gibt kaum einen ergreifenderen Gegensatz für sie als den, der zwischen den Versen besteht: „Stark ist mein Herz, o Gott, drum will ich singen, will ich jauchzen" und: „Trügerischer als alles ist das Herz und schwach — wer kennt es?" Ja das sind jene glücklich-unglücklichen Menschen, für die Gefühl ganz einfach alles ist. Es ist ihr Denken, ist ihr Handeln, es ist ihr Wille, ist ihr Wollen, es ist ihr Leben, ist ihr Tod. Ja, ob ihr Denken noch so scharf, ihre Entschlüsse unerbittlich, ob ihre Pläne eisenfest und ihr Verstand zu allem ja sagt — kommt erst der Augenblick heran, da Handeln Wahrheit werden soll und alle Pläne Wirklichkeit, dann lebt es plötzlich wieder auf, was man nur einen Augenblick betäuben und vergessen konnte, dann steht es wieder vor uns da, dieses Gefühl in seiner Stärke und schlägt die kalten, kühlen Pläne zu Boden und vernichtet sie. Dann regt sich doch wieder das Herz, der alte Grundzug unseres Wesens und zwingt uns oft auch zum Verzichten, zwingt ' zum Entsagen, zum Entbehren und hindert — scheinbar — Lebensfreude. Ja diese Welt ist andrer Art, als die Gefühlsmenschen sie möchten. Die Luft der Welt ist viel zu rauh, ihr Boden, er ist viel zu steinig, als daß die Blume des Gefühls in ihr nach Wunsch gedeihen könnte. Und darum scheint vielleicht auch niemand für diese Welt weniger geeignet, darum scheint keiner weniger praktisch, darum vergießt niemand mehr Tränen als die Gefühlsmenschen auf Erden. Sie können nicht die Welt ertragen — die Welt aber kann sie nicht tragen. Und darum gibt es so oft Reibungen und Zusammenstöße, Verkennungen, Mißdeutungen. Keiner ist schwerer zu verstehen und keiner schwerer zu erklären als der, der ein Gefühlsmensch ist. Wer darum einen andern immer nur nach der Einteilung begreift, gut oder schlecht, der gehe ja nicht an die Aufgabe, Gefühlsmenschen zu enträtseln. Er wird ihnen immer unrecht tun, weil er sie immer falsch versteht oder, was richtiger, falsch erfühlt. Denn es gehört zu solchen Menschen, daß sie sich nicht verstellen können. Spricht das Gefühl, dann spricht auch alles, was nur in diesem Menschen lebt, dann ist er innerlich er ganz, und ist es äußerlich genau so. Schweigt das Gefühl, dann schweigt auch alles, was diesem Menschen eigen ist: an Zartheit, Weichheit und an Liebe. Dann kann er gleichgültig und kalt, dann kann er hart und streng erscheinen, obwohl er es in seinem Grunde doch gar nicht ist und nicht sein möchte, obwohl er heimlich Tränen weint, daß er so kalt erscheinen muß, er, der sich so nach Wärme sehnt. Und warum ändert er sich nicht, paßt er sich denn der Welt nicht an, warum wird er nicht etwas härter und etwas weniger gefühlvoll? Wird ja doch keiner mehr getäuscht, weil der Gefühlsmensch zu leicht glaubt. Er prüft u wenig und nicht gern, saugt sich nur immer dort gleich est, wo das Gefühl Nahrung erhält. Und gegen nichts ist er so wehrlos wie gegen Schlechtigkeit und Häßlichkeit. Begegnen sie ihm auf seinem Wege, verstummt er und erduldet größtes Unrecht, als daß er je sich wehren könnte. Und warum ändert er sich nicht und warum singt er immer weiter: „Stark ist mein Herz, o Gott" — sieht darin seine Lebens f r e u d e? Man kann die menschliche Natur wohl etwas biegen, etwas dehnen, kann sie für einen Augenblick wohl wandeln oder umändern — der Kern des Wesens aber bleibt. Weltmensch wird immev Weltmensch bleiben, der andere aber immer sprechen: „Gefühl ist alles." „Stark ist mein Herz, o Gott." Aber freilich — es gibt einen ganz tiefen Grund, aus dem heraus man jene Menschen förmlich anflehen möchte: bleibt, was ihr seid! „Verschließe dein Herz nicht." Ihr schafft nicht nur euch die Lebensfreude. Ihr schafft überhaupt erst Lebensfreude, denn ihr schasst — Religion und „heiter ist der Gottesglaube", sagt Steinthal. Ja das erhebt diese Menschen des Herzens förmlich zu Welt- und Seelenschöpfern, daß doch letztlich alles Große, alle Religion aus diesem Brennen, dieser Inbrunst, aus dem Gefühl erwachsen ist. Und wo scheinbar das Gegenteil richtig ist, wo die Logik, wo die kühle Vernunft der Meister — auch da konnten Logik und Vernunft nur wirken, weil aus ihren Gebilden immer wieder die Flamme des Gefühls herausschlug, die auch den Meister urkräftig umloderte. Man denke an Cohen. Und man lese, was Rosenzweig von ihm berichtet: „Er erzählte mir einmal, wie in Berlin ein protestantischer Theologieprofessor ihm deutlich zu machen versucht hätte, daß es doch eine Gottinnigkeit gebe, die nur aus dem Verhältnis zu Christus wachse. „Was?? sagte ich — der Ewige ist mein Hirt: mir mangelt nichts!" Ich höre noch heute, als wäre es erst eben gesprochen, das donnergrollende „Was??", den leisen Akzent aus „der Ewige" und das triumphierend wie ein einziges Wort hervorgestoßene „mir mangelt nichts!" Und wie spricht Cohen über Gottvertrauen? „Durch keinen menschlichen Angriff kann mir mein Gott in Frage gestellt werden. Ich habe das Vertrauen zu dem Gotte, der Recht und Gerechtigkeit auf Erden errichten wird, daß er seine Bekenner in der Ehre ihrer Religion schützen, daß er ihr geschichtliches Dasein rechtfertigen wird, weil dieses, woran ich im Geiste und im Herzen die Ueberzeugung trage, zur Ehre des Einzigen Gottes geführt wird." — „Stark ist mein Herz, o Gott, darum singe ich und juble" — gilt es auch für diesen Frommen oder nicht? War auch ihm Gott Lebens- oder nur Verstandesfreude? Aber es geht ja gar nicht mehr um Cohen oder nur für die wenigsten unter uns. Mehr als je gilt vielmehr die Mahnung: „Verschließe nicht dein Herz." Denn mehr als je haben für gar viele alte Worte ungeahnten Klang erhalten, einen Klang, den die Verkünder der Worte vielleicht selbst nicht vernahmen. Nicht Jeremias, der einst verhieß: „Ich lege meine Lebre in ihr Inneres und werde sie in ihr Herz schreiben", nicht der Talmud, der da verlangte: „Gott will das Herz", nicht Jehüda Halevi, als er sang: „Was such ich ihn in weiter Fern, in meinem Innern weilt er gern. Im Herzen hrb ich ihn erschaut, da hat den Thron er sich erbaut." Ja für nicht wenige von uns ist als letzter Ausweg aus Einwendungen, die der Verstand gemacht, aus dem Eindruck der sich dauernd wandelnden Wissenschaft, aus der Auflehnung gegen blindes Glauben Gott der Gott des Herzens geworden, und nur noch der Gott dieses Herzens. Ja er ist ihnen die Kraft, die uraewaltig das Herz bewegt, und sie wollen keinen anderen Namen dafür als Gott. Er ist das laute Echo des Herzens, sein klarer Spiegel. Er ist die Kraft, welche sie antreibt, zu allem Guten und Schönen begeistert, er ist das Mitleid mit jeder Not, er ist die Sehnsucht nach allem, was rein, ist das Verlangen nach tiefstem Frieden, ist zorniger Eifer gegen das Unrecht, ist feuriges Brennen für jedes Recht, strahlt ihnen entgegen aus Natur, aus der Kunst, spricht milde zu ihnen bei jedem Trost. Der schöpferische Gott ist er für sie und dieser Gott nur noch allein. Und so versenken sie sich in ihn, versenken sich in sein heiliges Wort. Ja er spricht zu ihnen, der Herzensgott, wenn die Herzenskraft anfeuernd zu ihnen spricht; er hört sie, wenn diese Herzenskraft sie dauernd begleitet bei ihrem Streben; er ist ihnen Vater, sie sind sein Kind, wenn sie mit der ganzen Inbrunst und Liebe, mtt aller Innigkeit, deren sie fähig, hängen an dieser Herzenskrast, wenn sie sie rühren kann bis zu Tränen, wenn sie in Ehrfurcht dastehen lernen, vor diesem Herzen, vor seiner Welt. Ja ihr Gott verzeiht ihnen, ist ihnen gnädig, richtet sie und straft sie auch wieder, sie sind ihm dankbar, sie flehen zu ihm. Denn wo ihnen viel gelingt durch den Herzensgott, nennen sie das bescheiden Gnade, wo sie Qualen empfinden ob ihrer Sünden, richtet sie dieser Herzensgott, da, wo sie wieder zum Ausgleich gelangen, fühlen sie Verzeihung und tiefsten Frieden, ist die Versöhnung mit Gott vollzogen. Und wenn sie schweigend das Schöne anschaun, ergriffen herrlichen Tönen lauschen, erschüttert das Wort der Bühne vernehmen, sind sie ebenso Betende vor ihrem Gott wie bei der Andacht im Gotteshaus, wo sie jauchzend das Wort des Psalmisten hören, begeistert das Wort der Propheten erklingt. Denn Beten ist ihnen in jeder Form — Seelenerhebung mit ihrem Gott, Erhebung zu ihrem Herzensgott. Beten ist Aufrufen ihres Selbst zur Tat, zur Ermutigung, zur Hoffnung, zum Trost. So schufen sie sich ihre Frömmigkeit, so ihren Glauben, so ihren Gott und so dadurch ihre Lebensfreude. Und ein einziger.Zweifel erfüllt sie nur noch: dürfen sie sich die nnfrigen nennen, sind sie so jüdisch wie alle andern? Genügt dazu wirllich ihr ständiger Ruf: „Stark ist mein Herz, o Gott, deshalb jauchze und juble ich." Und diesen Zweiflern sollten wir sagen: „Verschließe nicht dein Herz. Auch hier ist ein Tor des Ewigen, und auch hier treten die Frommen ein." So sollle man sprechen, und Tausende träten dann sicherlich ein. Wenn wir nur weitherzig genug sind, ihnen zuzugestehen: so wahr das Wesentliche der Bibel nicht bloß Religion mit Satzung und Brauch, sondern tiefftes Fühlen im Weltgeheimnis, tiefstes Erschauern und mächtiges Bewegen, so wahr ist nun auch die Religion jüdisch, die als Religion des Herzens hinauszieht, wenn sie von dem Herzensgott ebenso spricht wie die Bibel immer verlangt: in der Ursprünglichkeit alles Fühlens, in aller Demut, in allem Ernst, mit allem Eifer, in Heiligkeit. Ja auch ihr redet nicht von ergrMelten Dingen, so wenig, wie es die Propheten taten, chr redet nur vom „lebendigen Atem", als der auch euch euer Gott erscheint. Ihr beweist ja nichts, wie auch sie es nicht taten, ihr legt nur Zeugnis ab von eurem Gefühl. Ja, ih-r seid Juden, wenn euch Religio« zu eurer zweiten Natur geworden, wenn ihr erglühen könnt, für Ideale, wenn euch Religion nicht bloße Ethik, sondern , alles umfassende Weltanschauung. Ja ihr seid Juden und habt ein Recht, das Schma zu beten wie alle andern, wenn der Herzensgott euer Herz wirllich eint, euch zur geeinten Persönlichkeit macht. Wenn ihr nur einen Lebenssinn kennt, nur ein Hochziel, einen Lebenszweck: das ewig Gute und ewig Schöne, das ewig Reine, die ewige Liebe in allem zu fühlen und reifen zu lassen. Ja ihr seid Juden, wenn euch wirklich das Gottesbrennen durchlodert, das unsere ganze Geschichte begleitet. Ja ihr seid Juden, wenn euch der Glaube an euern Gott so fest beseelt wie jeden andern, wenn er euch täglich fester und fester bindet an dieses Judentum. Ja ihr seid Juden, wenn ihr demütig bleibt, nie behauptet, daß ihr die Wahrheit besitzt, sondern nur in aller Bescheidenheit kündet, wie euer Gott sich euch offenbart. Ja chr seid Juden, wenn es euch nie genügt, nur zu bekennen oder Gott allein im Kultus zu dienen, sondern wenn euch Bekennen und wenn euch der Kullus, der Sabbat sowie die Feiertage mächtig hinaus ins Leben reißen, hin zu; sozialen, zu ethischen Fragen, zu Fragen des Staats und der Menschenseele und gewiß zu Fragen des Judentums. Ja ihr seid Juden, wenn euer Gott euch das Beste vermittelt: Freude am Leben — trotz alledem.- Vorbei bald die Feste, das Leben winkt neu. Beginnen wir mit der Arbeit bei uns. Treiben wir Mission in den eigenen Reihen. Rufen wir es Brüdern und Schwestern zu: Verschließet uns eure Herzen nicht. Ist dieses Herz nur stark in Gott, dann kommet zu uns und jubelt als Juden! Kommt und gewinnt euch die Lebensfreude! Vor den Vorstandswahlev in der Berliner Jüdischen Gemeinde. Zionistische Parteidiktatur oder sachliche Arbeit? Am Donnerstag der kommenden Woche wird die Repräsentantenversammlung den neuen Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde wählen. Schon bei den Wahlen zum Präsidium der Repräsentantenversammlung zeigte sichwie wir berichteten, daß sich Jüdische Bolkspartei, Mittelparter nnp Konservative zu einem Block unter zionistischer Führung gegen die Liberalen verbunden haben und mit ihren 11 Stimmen gegen die 10 Stimmen der Liberalen die Politik der Gemeinde zu bestimmen beabsichtigen. Trotz dieser geringen Mehrheit von nur einer Stimme nutzten sie ihre Macht in rücksichtsloser Weise aus; ihre erste Handlung bestand darin, daß sie das selbstverständliche parlamentarische Recht der Liberalen, als stärkste Fraktion den Vorsitzenden der Versammlung zu stellen, verletzten und den hvchbetagten Geheimrat Stern zum Vorsitzenden wählten, wodurch sie es den Liberalen moralisch unmöglich machten, sich überhaupt am Präsidium zu beteiligen, sodaß R.-A. Klee und Moritz A. Loeb die Stellvertreter des Repräsentanten - Vorstehers wurden. . i Die zionistische Diktatur im sogenannten Block scheint sich nun noch ttarer bei der Wahl des Gemeindevorstandes zu enthüllen. Es war versucht worden, den Frieden in der Gemeinde dadurch herzustellen, daß man eine Persönlichkeit von besonderer Eignung, die nicht als Vertreter einer Partei angesehen werden kann, an die Spitze der Gemeinde; stellt.' Ein Name war genannt worden, der ganz besonders von der Mittelpartei im Wahlkampf den Liberalen entgegengehalten worden war. Damals bezeichneten sich, wie noch erinnerlich, sein dürste, die Mittelpattei als die Vertretung der „echten" Liberalen, und in einem ihrer Flugblätter, in der Schuh des gut ungezogenen Amerikaners m r n» i ~ST£ \J. X ' Sbiamcruf-'fiRcC) feinstes schwarte« Bo» calf, mit Wetterrand, fabel« hafte Passform

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