Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Zahrgang Nummer 37 Beilage 16. September 1S27 FWchKbemle3vkU «Soll ich meines Bruders Hüter sein?" So haben, gleich jenem ersten Missetäter Kain, Jahrtausende hindurch Menschen auf die Stimme des Göttlichen geantwortet; auch wo sie sich keiner persönlichen Blutschuld an ihrem Bruder teilhaftig gemacht: sie haben gleichgültig zugeschaut, wo Brüder, Menschenbrüder, gequält und ihrer Rechte beraubt wurden. Es hat lange gedauert, bis in den Einzelnen das soziale Gewissen erwachte; und noch in der Notzeit der letztvergangenen Kriegs- und Nachkriegsjahre schien es, unabhängig von Stand und Partei, fast völlig eingeschlafen. Ist es da nicht glückselige Verheißung eines kommenden pflichtbelvußten Geschlechts, wenn zurzeit zirka 100 deutsche Jugendverbände aller Richtungen und Bekenntnisse, die sich in Berlin im Schloß Bellevue zu der Ausstellung „Das junge Deutschland" zusammengeschlossen haben, in den Mittelpunkt ihrer Darbietungen als Richtschnur ihres Tuns und Wollens das große Wort setzten „Du bist verantwortlich für dich und deinen Nächsten!" Sie wollen der Hüter chres Bruders sein. Sie wollen Freizeit und freie Luft und Sonnenschein für alle, die jung sind wie sie selber — und haben es gewagt, in dieser Zeit der jämmerlichsten Parteiverhetzung frisch und fröhlich die Schranken nach rechts und nach links zu überspringen! „Wir kennen keine politischen und religiösen Schranken", hat ihre Ausstellungsleitung mit einem für unsere parteizersetzte Gegenwart nicht hoch genug anzuerkennenden Mut verkündet, „wir kennen nur deutsche Jugend: Deutschlands Zukunft!" Ein beglückend frischer Luftzug weht dort draußen in den stimmungsvollen Räumen des alten Rokkokoschlößchens. Man lese nur die Namen der Verbände, die in friedlichem Nebeneinander hier ausgestellt haben: Die „Bismarckjugend der Deutschnationalen", — und im gleichen Raum „Reichsausschuß der Jungsozialisten"! Die „katholischen Lehrlings¬ und Gesellenvereine", die „Jugendverbände evangelischer Arbeiterinnen", die Heilsarmee, Gewerkschaftsbünde und nicht weit davon „Jungmädchengruppe des Königin Luise-Bundes". Und — was mir persönlich eine besondere Herzensfreude war: etwa ein Dutzend j üdischer Jugendvereine! Auch hier der orthodoxe Verein „Esra" neben dem Jli und dem „Deutsch-Jüdischen Wanderbund", zionistische und antizionistische Jugendgruppen — es geht auch so. Wenn man sich kennen lernt, lernt man vielleicht auch sich verstehen. Aus dem gleichen Grunde wäre es darum wünschenswert, wenn die jüdischen Sportgruppen sich auch zu Spiel und Tanz im Bellevuepark einfänden gleich den anderen. Allzu wenig jüdischen Gesichtern begegnet man dort unter den Hunderten von fröhlicher Jugend. Denn nicht da herrscht der schlimmste Antisemitismus, wo man die Juden kennt — sondern da, wo man sie nicht kennt. Nur die äußerste Rechte und die äußerste Linke hat sich von diesem hochgemuten Friedenswerke fern gehalten: die kommunistische und die Stahlhelm-Jugend haben sich selbst von einer Beteiligung ausgeschlossen. Auf statistischer Grundlage, nach dem Prinzip der neuen Sachlichkeit ist diese Ausstellung aufgebaut; neben Hocherfreulichem gibt sie für den, der zu lesen versteht, Zahlen und Darstellungen, die erschrecken. Eine Hauptursache: das Wohnungselend! Von zirka 145 000 erwerbstätigen Jugendlichen hat jeder 5. kein eigenes Bett, jeder 10. schläft mit Fremden in einem Raum, jeder 200. mit Fremden in einem Bett! Solchen und anderen Lebensbenachteiligten zu helfen: dazu ist diese Ausstellung veranstaltet worden. Ein frischer Lufthauch weht durch den Park wie eine Entgiftung der haßgeschwängerten deutschen Gegenwartslust. Jugend, überall Jugend! und der reizende Bronzepage der Rokkokozeit draußen im Park, der seit 150 Jahren dort lächelnd sein Pferdchen füttert, paßt gar gut zu den Heutigen — auch er ist ja jung, jung und fröhlich. Thekla Skorra. Religionszugehörigkeit der Volksschüler Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht die vorläufigen Ergebnisse der Preußischen Volksschulerhebung vom 25. November 1926. Danach hat gegenüber der gleichartigen Zählung von 1921 die Zahl der Schüler der öffentlichen Volksschulen in Preußen 1926 um 24,3 Prozent abgenommen. Es ist dies eine Folge des Geburtenausfalles wchwend des Krieges; besuchten doch im November 1926 die Kinder aus sämtlichen Geburtsjahrgängen des Krieges gleichzeitig die Schulen, während 1921 von diesen nur der Geburtenjahrgang 1915 schulpflichtig war. Der Rückgang der Schülerzahlen um etwa ein Viertel erstreckt sich fast gleichmäßig, auf die evangelischen und katholischen Kinder, während die Zahl der jüdischen Bollsschüler nur um 6,0 Prozent angenommen, die der religionslosen Kinder sogar um 21,9 Prozent zugenommen hat. Bemerkenswert ist, daß die außerhalb jeder Gemeinschaft stechenden Kinder in Berlin an Zahl zurückgegangen sind und nur im Rheinland sich fast verdoppelt haben. Tie Kinder, die freireligiösen Gemeinschaften angehören, weisen in Sachsen, .Berlin, Niederschlesien, Westfalen, Hannover und der Rheinprovinz eine besonders starke Vermehrung auf. Vergleicht man die konfessionelle Gliederung der Schuten mit der konfessionellen Gliederung der Schulz so zeigt sich gegenüber 1921, daß die Zahl der evangelischen Schulen von 23159 auf 22 854 oder üm 1,32 Prozent zurückgegangen, dagegen die Zahl der katholischen Schulen von 8638 auf 8721 oder um 0,96 Prozent gestiegen ist. Sehr stark ist der Rückgang der jüdischen Schulen (93 gegen 153 oder 39,22 Prozent weniger). Auch die paritätischen Schulen weisen eine Abnahme von 1331 auf 1238 oder mn 7 Prozent auf. Die Schulen ohne Religionsu nt erreicht (Sammelschulen) sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Solche Sammelschulen existierten am Zähltage 171 mit 1161 Lehrpersonen und 49 970 Schülern. Die Zahl der vlanmäßigen Schulstellen ist bei dm evangelischen Schulen um 8,08 Prozent gesunken, bei dm katholischen um 5,33 Prozent, bei den jüdischen um 33,83 Prozent, bei dm paritätischen um 4,1 Prozent. Was die Konfession der Lehrer angeht, so ist die Zahl der evangelischm Lchrer um 7,99, die der katholischen um 5,11, die der jüdischen um 29,41 Prozent zurückgegangen, dagegm haben die Lchrer, die freireligiösen Gemeinschaften oder keiner Religions- oder Weltanschauungsgemeinschast angehören, von 153 auf 338 oder um 120,9 Prozent zugenommen. Aus der Gesamtübersicht ergibt sich, daß ficfy die Versorgung der Schüler mit Schulen und Lehrkräften der eigenen Konfession bei den Katholikm am günstigsten, bei den Juden am ungünstigsten entwickelt hat. Tagung des ständigen Ausschusses des Preußischen Laudesverbandes jüdischer Gemeinden Wichtige Anträge der liberalen Fraktion Am Sonntag, den 18. September, tritt der ständige Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeindm zu einer Sitzung zusammen. Aus chr werden vor allem die Fragen des Judengesetzes und des Reichs,- verba ndes eingchend erörtert werden. Tie liberale Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat für die Beratungen eine größere Anzahl Anträge eingebracht, von denen sich die beidm wichtigsten mit der Schu l - bzw. Lehrerbildungsfrage befassen. Sie lauten: 1. „Wir erbitten Auskunft, welche Maßnahmen der Rat angesichts der bevorstehenden parlamentarischen Beratung des Reichsschulgesetzentwurses zu treffen beabsichtigt- Indem wir uns weitere Anträge hierzu vorbehaltm, beantragen wir schon heute: Ter Landesverband möge gegenüber der Regierung und den Parteien nachdrücklich dafür eintreten, daß in der Gemeinschaftsschule den Schülern nichtchristlichen Bekenntnisses das ihnen nach der Reichsversassung zustehende gleiche Recht erhalten wird und ihre Beeinflussung in speziell christlichem Sinne unterbleibt. Dabei wird hervorzuheben sein, daß es nicht Sache des Landesverbandes ist, zu der politischen Frage der Organisation der Schulen in Gemeinschafts-, weltlichen oder konfessionellen Schulm Stellung zu nchmen." 2. „Wir beantragen Auskunft über den Stand der Angelegenheit betr. Schaffung von Einrichtungen zur Ausbildung der Religionslehrer und Kantoren. Wir erbitten Auskunft über iel und Weg der Ausbildung und Bekanntgabe der ehrpläne der erwähnten Einrichtungen und der bereits eingerichteten Schächtschule." Um ferner eine Beratung der Judenschutzrenten zu ermöglichen (vgl. den Leitartikel von Nr. 33 urLerer Zeitung „Fort mit dm Judenschutzrenjten!"), hat die liberale Fraktion beantragt: „Wir stellen zur Erwägung, ob der Landesverband zur Frage der Abfindung der Standesherren für Judenschutzabgaben, deren parlamentarisch« Bchandlung bevorsteht, Stälung nchmen soll." In einem weiteren Antrag erbütet die liberale Fraktion Auskunft, in welcher Weise dem Beschluß des vorletzten Verbandstages zur Einbürgerungsfrage Folge gegeben wurde. Der damals auf Antrag der liberalen Fraktion gefaßte Beschluß lautet: „Es ist der Verbandsversammlung bekannt, daß entgegen einer sonst in Einbürgerungsfragen geübten milderen Praxis die Einbürgerung in Deutschland wohnender Ausländer jüdischen Glaubens nicht oder nur in äußerst Menen Fällm stattsindet. .Insbesondere das den Ländern in Einbürgerungssragen gewährte Recht aus- 8 9 des Reichsj- und Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 22. 7. 1923 hat zu diesem Ergebnis geführt. Der Landesverband sicht in der grundsätzlichen Ablehnung oder Nichterledigung derartiger Einbürgerungsgesuche eure unbillige Härte; er ist auch nicht der Meinung, daß diese Praxis rm richtig verstandenm dmtschen Interesse liegt. Ter Verbandstag ersucht den Rat, bei den zuständigen Bchörden für eine Beseitigung dieser Praxis und eine gleichwertige Behandlung der Personen jüdischen Glaubens mit anderen Ausländem in Einbürgerungsfrageu einzutreten." Drei weitere Anträge befassen sich mit internen Angelegenheiten des Landesverbandes. Es wird Auskunft über den Stand der Vorberatung betr. Verfassungsänderung des Landesverbandes erbeten (vgl. Nr. 32 der Jüdisch-liberalen Zeitung) und Beschwerde geführt über die Nichtbeachtung der Beschlüsse des Verbandstages betr. Unterstützung von Sportvereinen sowie ferner darüber daß in dem stenographischen Bericht der letztm Tagung des Landesverbandes die einen bestimmten Vorfall betreffenden Erörterungen vorsätzlich und gegen den Willen beteiligter Verbandstagsmitglieder sortgelassen wurden. In dem letzteren Falle wird Abhilfe bzw. Sicherstellung gegen Wiederholung verlangt. Das größte Interesse dürften zweifellos die Anträge zu dm Fragen des Reichsschulgesetzes und der Judenschutzrenten erwecken. Die Notwendigkeit, daß der Landesverband als behördlich anerkannte Stelle zu diesen Fragen Stellung nimmt, ist um so weniger von der Hand zu weffen, als es sich dabei um Probleme der allgemeinen deutschen Innenpolitik handelt, die zugleich auch die vitalsten kulturellen Interessen der Juden berühren. Aus diesem Grunde ist es zu begrüßen, daß. die liberale Fraktion durch die vorstehend wiedergegebenen Anträge rm ständigen Ausschuß den Landesverband veranlaßt, sich dieser brennenden Gegenwartsprobleme anzunchmm. 500. Todestag des «Rlaharil* Am 19. September 1927 (22. Elul 5687) werden 500 Jahre vergangen sein, seitdem Rabbi Lakob beit Rabbi Moses Mulin Halevi, im jjddjschen Schrifttum kuIz der „Maharil" genannt, einer der berühmtesten der Dezisoren (Posrnn), zu Worms sein Leben beschloß. Maharil wir« ungefähr 40 Jahre Rabbiner in Mainz als der Nachfolger seines Baters Rabbi Moses ben Jekutiel Halevi, der nach dem altm Mainzer Memorbuch am 8. Jjar 5147 verstarb. Später kam er nach Worms. Tagung des Halberstädter Verbandes gesetzeslreuer Synagogengemeinden Am Sonntag, den 4. September, begann im Hotel „Russischer Hof" zu Berlin ein* außerordentliche Verbairdstagung des Preußischen Landesverbandes gesetzeslreuer Synagogengemeinden. Ter Vorsitzende, Rabbiner Dr. Auerbach, begrüßte den anwesenden Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Herrn Geheimen Oberregierungsrat Paul, und die Delegierten. Für die Gemeinde Adas Jisroel in Berlin begrüßte Herr N. Stern die Versammlung. Sodann ergriff Rechtsanwalt Tr. Birnbaum- Berlin das Wort zu einem Referat über den Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Derhältniffe der Synagogengemeinden in Preußen, der vom Verbandsausschuß der Versammlung vorgelegt wurde. Ter in Nr. 26 der Jüdisch-liberalen Zeitung eingehend behandelte Entwurf wurde von der Versammlung nach längerer allgemeinen und spHiellen Diskussion ohne Aendernngen genehmigt. Falls die von den beiden Landest» rbänden in Aussicht genommenen Verhandlungen wichtige Aendernngen anregen sollten, ist eine weitere Verbandsversamml'ung einzuberufen. Am Abend luden der Vorstand des Landesverbandes und der Vorstand oer Adas Jisroel zu einem Abendessen, bei dem auch Geheimrat Paul anwesend war und warme Worte der Begrüßung sprach. Am Montag vormittag referierte Lizealoberlehrer Ochs e n m a n n - Frankfurt a. M. über die Probleme, die sich aus dem vorliegenden Entwurf eines Reichsschulgesetzes für die jüdische Schule, ergeben. Studiendirektor Tr. Carlebach - Köln referierte über die Ausbildung jüdischer Lehrer. Es gelangten alsdann nach mehrstündiger Aussprache folgende Thesen zur Annahme: 1. Ter Vertretertag des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogenoemeinden fordert im Auftrag der angkschlossenen Synagogengemeinden und als Dolmetsch des Willens der Gesamtorthodoxie und der Judenbeit Preußens vom Staate die Begründung einer pädagogischen Akademie zur Heranbildung von thoratreuen jüdischen.Volksschullehrern. 2. An die bestehenden jüdischen höheren Schulen sind Schulheime anzüglich ern, damit auch nicht ortsansässige Schüler zum Abitunum und zum Eintritt in die jüdischi-pädagogische Akademie vorbereitet werden können. 3. Möglichst am Orte der jüdisch-pädagogischen Akademie gründet der Landesverband die Religionslehrer- Akademie. Tie Vorbedingungen zur Aufnahme, sowie Lehrkörper, Lehrziel und Lehrplan sind so zu gestalten, daß. die in vier Jahresknrsen zu erwartende jüdische, pädagogische und allgemeine Bildung der der Bolksschullehrerbildung als gleichwertig zu betrachten ist. 4. Tie Vorbildung auf das K a n t o r e n a m t und zur Ausübung der Schechita erfolgt ebenfalls ans per Neligionslehrer-Alademie. Zur Erlangung der Schwchtqualifikation ist mindestens ein weiteres Studienjahr vonnöten. Tie fünfte These, deren Formulierung einer Kommission überlassen bleibt, fordert die Einreihung' solcher Bolksschutlehrer, die zugleich rite vorgebildete Kantoren sind, in eine höhere Gehaltsgruppe und derjenigen, die außerdem zugleich rite vorgebildete Schochtim sind, in eine noch höhere. Ferner referierte noch Rabb. Tr. Wolf-Mn über die religiösen Verhältnisse in den kleinen Gemeinden. Die Arbeit der „Jüdischen Kinderhilfe" in Berlin Die Jüdische Kinderhilfe in Berlin, die im Jahre 1920 als eine Arbeitsgemeinschaft von Aerzten und Sachkennern der Wohlfahrtspflege begründet wurde, widmet sich der hygienischen Fürsorge für die Kinder der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung. Durch ärztliche Betreuung erkrankter Kinder, in viel stärkerem Maße aber durch vorbeugende Maßnahmen ist sie bestrebt, den Gesundheitszustand der jüdischen Kinder Berlins zu verbessern. Um ihre Ausgabe zu erfüllen, hat die Jüdische Kinderhilfe eine weit ausgebautc Kinher- Poliklinik in der Auguststraße 17 eingerichtet, in der erkrankte Kinder sowohl behandelt, ajs auch die Mütter beraten, und zu zweckentsprechender Kinderpflege angehalten werden. Wie notwendig eine derartige Einrichtung ist, zeigen einige Zahlen: Im Jahre 1924 hatte die Kinderhiilfe ca. 7000 Konsultationen und 1550 Bestrahlungen, im Jahre 1925 ca. 10000 Konsultationen und 3000 Bestrahlungen, im Jahre 1926 waren es bereits 12 000 Konsultationen und 4500 Bestrahlungen. Diese starke Inanspruchnahme ist nicht nur ein Beweis für das ungeheure Ausmaß der Kinderkrankheiten in der jüdischen Bevölkerung Berlins, sie ist in vielleicht noch stärkerem Maße ein Beweis für das Vertrauen, dessen die Kinderhilfe sich erfteut und das sie sich durch jahrelange Arbeit erworben hat. Reben der allgemeinen ärztlichen Sprechstnnde sind Spezia lsprechstnnden für Augen-, Hals-, Nasen-, Ohrenleiden, für körperlich behinderte und verkrüppelte sowie für nervöse Kinder eingerichtet. Besonders bemerkenswert ist die erste jüdische Kiuderzahnklinik, die im vorigen Jahre entstanden ist. Außerordentliche Beachtung wird nervösen und psychopathischen Kindern zugewandt. Im Anschluß an die orthopädische Sprechstunde sind Turn- und Massägekurse eingerichtet, a.n denen ständig 60 Kinder teilnehmen. Im Verlauf der Arbeit gerade dieser Abteilung zeigt es sich, wie stark das Bedürfnis einer Fürsorge für verkrüppelte Kinder ist, da es an jüdischen Einrichtungen hierfür überhaupt fehlt. Die Kinderyttse Jjhot es sich deshalb als ihre nächste Aufgabe gestellt, die Krüppelfürsorge weitgchend auszubauen. Eine eigene Fürsorgeabteilung sowie ein eigenes Tagesheim für Säuglinge und Kleinkinder erfüllen in engster Gemeinschaft mit dem Wohlfahrts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde Berlins weitgehendere fürsorgerische Aufgaben. Die Tätigkeit der jüdffchen Kinderhilfe, die sich still von der breiten Oeffentlichkeit fast unbemerkt vollzieht, hat außer-