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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-07-15 · 28 (15.7.1927) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
28 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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können. Denn diese Aufgabe erfordert eine gewisse Liebe zur Heimat, die der zionistischenMentalität zuwiderläuft. Die BernachlMigung -es Indischen HetmatfportS zeigt di« mangelnde Legitimation der Zionisten, mt sportlichen Erziehung der jüdischen Jugend, obwohl ihnen das Verdienst. ans «die Notwendigkeit eine- „Mus>keljudenttvms" hintgewiesen zu haben, nicht abgestriiten werden soll. Eine eitlang schien es. als ob sie wirklich auch in der Praxis vfolge zu verzeichn«» haben sollten. DaS war damals, als sich ihre Schöpfung, die Wiener „Hakoah", in raschem Siegeslauf den Aufstieg aus der fünften in die erste Klaffe des österreichischen Fußballverbanüs erkämpfte und sich auch in dieser weltberühmten Ligaklaffe so gut durchzusetzen verstand. daß ste einmal sogar de» stolzen Titel des österreichischen Fußballmeisters nach Hause trug. Damals hat das Beispiel deö Wiener Klubs auf di« jüdische Jugend aver Länder anspornend gewirkt. Heute muß man j— das Gegenteil wünschen. Denn di« „Tugenden", die der »Hakoah" derzeit aibgegucklt werden könnten, sind weit eher geeignet, antisemitisch« Vorurteile zu bestärken als zu vermindern, obwohl die jüdische Sportbewegung gerade dieses letztere Ziel im Auge haben will. In den letzten zwei Jahre» hat die „Hakoah" mehr kaufmännischen als sportlichen Ehrgeiz gezeigt. Sie hat den amerikanischen Dollars zuliebe auf wertvolle Punkt« in der Meiftevschafts- Vavelle und auf die Beteiligung im Koup vernichtet, so daß ste im oWztelle» Fußballeven Oesterreichs nur mehr eine sehr bescheidene Rolle spielt. Dazu kommt «in durch die Tourneen verursachter Massenverbrauch von Spielern, da diele im WetKamps mit den angelsächsischen Sportleuten derletzt, andere durch dte Dollarder amerikanischen Klubs gekapert werden. In dieser Not plündert die »Hakoah" die füdifcherr AmateurmannsHaften, so auch diese dem Untergang entgege »führend. Noch vor zwei Jahren mußte die Anwerbung eines jüdische« Amateurspielers für di« Hakonh als Ehre empfunden werden. Heute mutz ste als k o r r u m - pie rend bezeichnet werde«. Denn sie bedeutet den Uebergang vom Sport i d ealismuS zum Sport ge schüft. Dabei will ich durchaus nicht den strengen Standpunkt des reinen AmateurismnS Verfechten, den es gar nicht gibt und auch gar nicht zu geben braucht. Gerade so wie geistige Talente durch Stipendien gefördert werden, sollen auch jüdische Sportleute finanziell in die Lage versetzt werden, ihre Talente zu entwickeln. Es kommt nur auf das Ziel an: PHystsche Veredelung der Juden. Nach den bisher gemachten Erfahrungen muß man aber sagen, daß dieses Ziel in paritätischen Vereinen bester erreicht wird als in rein jüdischen. Dr. Hugo Spiegler. Darum mußt du kein Misrachist sein? Von Leopold Nathauson. Es ist «ine alte Sache, daß man vom Andersdenkenden lernen kann. So konnten wir religiös-liberalen Juden kürzlich dreierlei lernen, als uns «in Flugblatt vor Augen kam, welches von der »Arbeitsgemeinschaft Misrachistischer Verbände" verbreitet wurde und einer bekannten Wochenschrift der Gemeindeorthodoxte als Sonderbeilage mitgegeben war. Die Ueberschrift lautet: „Religiöser Jude! Warum m uß t du e i n Misrachist sein?" und dann, kamen allerlei Antworten und Begründungen, aus die hier nicht ausführlich eingegangen werden fvll, denn wir würdigen und achten selbstverständlich jede Weltanschauung und ganz gewiß auch die des überzeugten Misrachisten. Würdigung aber ist nicht Anerkennung, und so muß uns denn unbenommen bleiben, uns mit denjenigen Sätzen des Flugblattes auseinan-erzusetzen, die uns besonders beachtenswert erscheinen. In einem Abschnitt des Flugblattes lesen wir u. a.: „Der Mrspächi will, daß das jüdische Land vom jüdischen Volk bewohnt wird." Aus diesem Satz lernen wir zu unserer Freude etwas Neues. Wir lernen nämlich, daß der Misrachi grundsätzlich Gegner des heutigen offiziellen Zionismus sein muß oder fein müßte — wenn er konsequent handeln würde. Du fragst, freundlicher Leser, wieso Gegner des Zionismus, da -och auch der Zionismus will, -aß das jüdische Land vom jüdischen Volk bewohnt werde ...? Weit gefehlt! Die heutigen offiziellen Vertreter des Zionismus, mit Herrn Weizmann an der Spitze, haben längst «ingesehen, daß das ehemals jüdische Land niemals wieder vom jüdischen Volk bewohnt sein wird. Theodor Herzls Hoffnung auf einen „Judenstaat" ist bei ihrren längst zur Hoffnung auf einen bloß binationalen Staat aus Inden und Arabern geworden, in dem die Juden noch nicht einmal die Mehrheit haben ivevden. Sie sagen selber, mit den modernen Begriffen wm Ethik vertrüge sich der Gedanke nicht, die Araber in ihrem nationalen Leben auf ihrem palästinensischen Boden beeinträchtigen. Das heißt für uns: Mit den modernen Begriffen von Ethik verträgt sich der Zionismus nicht — aus diesen und auch aus anderen Gründen nicht. Und das heißt weiter: Die Zionisten haben längst den Zionismus aufgegoben. Nur ein kleines Häufchen unter ihnen, Revisionisten genannt, merkt, daß -er Zionismus sich folvst aufgibt, wenn er die Hoffnung auf ein in kultureller und nationaler Hinsicht von Inden beherrschtes Palästina cmfgibt. Daß dies eine auf immer unerfüllbare Utopie bleibt, merken freilich die Revisionisten nicht, oder haben es bis jetzt wenigstens nicht bemerkt. Ob der Misrachi sich auf die Seite der Revisionisten schlagen wird? Zu den Zionisten darf er sich jedenfalls nicht mehr 'hasten, denn die wollen schon lange nicht mehr, was der Misrachi will: daß das jüdische Land vom jüdischen Volk bewohnt werde. An einer anderen Stelle des Flugblattes heißt es: „Der Misrachi tst die Vertretung des gesamten religiösen Judentums beim zionistischen Aufbau Erez Israels. Schreiber dieses stutzte zunächst, als er das laS — ^deS gesamten religiösen Judentums" — «denn der MiSvachi ist doch orthodox, und also mußte das doch ein Irrtum fein. Aber nein, es war kein Irrtum: cs war UsberheMchkeit, es war Bosheit. Denn während wir Liberalen zwei religiöse Richtungen, die liberale rmd die orthodox, kenne», matzt fich der Verfasser des misrachistöschen Flugblattes an, den Liberalismus kurzerhand als eine außerhalb der Religion stehende Richtung abzutun. Wir könnten das wahrlich muh. da unS von unserem liberalen Standpunkt her jegliche Orthodoxie als ein Mißverstehen der Religion erscheint, aber sie deshalb 'als außerhalb der Religion stehend bezeichnen, das nun tun wir nicht, dazu find wir nicht bvShast genug, das« sind wir «r religiös. - Der -ritte Satz aus dem Flugblatt, über den wir zu sprechen haben, lautet: „DaS jüdische BE tritt gleichberechtigt ein in die Reihen der anderen Völker." Fürwahr ein erstaunlicher Satz im Flugblatt einer jüdisch-orthodoxen Gruppe. Wir Liberalen würden dergleichen nimmer sagen. Erstens kennen wir kein jüdisches Volk. Zweitens über: daS Gebilde, welches wir Judentum nennen, ist, obwohl selber kein Volkstum, durch seine mewschheitßgeschichttichkultureüe Leistung bevorrechtigt vor jeglichem Volkstum, hat alle« Kulturvölkern des Abendlandes den geistigen Stempel MLfgedrückt »nd wirkt immer erneut im Sinne seiner weltgeschichtlichen Sendung. Der Begriff des Judentums sieht uns »nd steht Mektdv viel zu hoch, als daß irgendeiner sage« könnte. eS trete heute gleichberechtigt in die Reihen der MMer. Wer beim sollte» diejenigen sein» die «os unsere Gleichberechtigung m bescheinigen hätten? Müssen wir den Misrachi an daS Gebetwort erinnern: athoh Vcharthonu mikkol hoammim? Man könnte beim Lvßm solchen Satzeernstlich bezweifeln, ob -er Misrachi wirklich orthodox ist. Aber wie dem auch fei: im Namen der Religion, im Namen -es Judentums legen wir Verwahrung «in gegen eine Propaganda, die das Judentlim >auf die Ebene -er Polttik verlegt und es gleichberechtigt wissen will mit den Völkern der Erde. Solche Anschauung steht grundsätzlich im Widerspruch mit aller jüdischen Tradition, und jedenfalls hat man aus diesem Flugblatt gelernt, wie es mit der religiösen Denkart derjenigen beschaffen ist. die sich amuaßen. uns andere als außerhalb des religiösen Judentums stehend zu betrachten. Religiöser Jude, weil du wünschst, daß nicht Palästina bloß, sondern jegliches Land vom Geist jüdischer Religion -urchheiltgt werde: weil -n über deine Religiosität selbst entscheidest und sie -dir von andern weder abnoch zrrsprechen lassest: weil du von einer Gleichberechtigung des Judentums unter den Völkern nichts wissen willst — darum mußt du kein Misrachist sein! Berichtigung. In die Ueberschrift meines Aufsatzes über jüdische Seelsorge hat sich ein arger Druckfehler eingeschlichen. Sie kautet natürlich nicht: „Die jüdische Not der deutschen Judeuheit nsw.". sondern „Die seelische Not der deutschen iJnidenhett und die Notwendigkeit einer zeitgemäßen jüdischen Seelsorge." Rabbiner Dr. H. Auerbach. _* Erklärung. Herr Lazarus Goldschmidt bittet uns um Abdruck der nachstehenden Erklärung. Wir kommen dieser Bitte nach, ohne uns damit in den nicht oben erfreulichen Streit der jüdischen Wissenschaftler einmischen zu wollen. Die Red. Unter der Aufschrift eigner Sache" bringt die Schristlettung der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentivms", 71. Jahrgang. Heft 5/6. Seite 240, eine Erklärung, sie Habe dem -Herrn Oberrabbiner Dr. Löw meine Schrift „Philister über Dich" zur Besprechung übersandt. der mit Rücksicht auf den Ton. in dem das Büchlein gehalten, es zu besprechen ablehntc. Ich stelle fest, daß weder der Verlag noch ich der Redaktion ein Rezensionsexemplar gesandt. Der Redakteur vielmehr war es. der gelegentlich seines Aufenthalts in Berlin, sich ein Exemplar verschafft (nachdem Herr Löw das erste von der Buchdruckerei eingegangene Exemplar von mir erhalten) und es dem genannten Herrn ,mxt Besprechung" sandte. Es ist wohl ein in der Presse kaum vorkommender Fall, daß eine Schriftleitung sich ein Buch lediglich zu dem Zweck verschafft, um es von einem grimmigen Feinde >des Autors „besprechen" zu lassen. Im Anschluß erklärt die Schriftloitung, von ihr sei nichts unternommen worden, dem R^enfenten di« Richtung seiner Kritik vorznschreiben. Dies zu bezweifeln läge kein Grun-d vor, auch ich sprach nur von Hintermännern des Kritikers und nicht von der Redaktion, hätte di« Erklärung sich nicht verdächtig gemacht durch die Hinzufügung: „noch von irgendeiner Seite" Woher weiß dies die Schriftleitung? Ueberwacht sie die Korrespondenz und die Prrvatgespräche des Rezensenten? Die vielen Zuschriften, die ich von bedeutenden Fachgelehrten und angesehenen Rabbinen erhalten, zum Teil persönlichen Freunden des Herrn Löw, überzeugten mich, daß Kenner sich meine« Ausführungen angeschloffen: es freut mich, daß nunmehr auch der Nichtkenner, der die Antwort des Herrn Löw zu werten wissen wird, sich ein Urteil bilden kann. Lichierselde-West, 12. Juli 1627. Lazarus Gokdfchnridt. Dei Golem und die Studenten. (Alt-Prager Sage.) Von Mathilde Weil (Wien). Fünfzig Jahre waren vergangen seit der Beendigung des schrecklichen Dreißigjährigen Krieges. Langsam, sehr langsam begannen die Wunden zu heilen, die rauhe Kriegerhorden der schönen, mittelalterlichen Stadt Prag geschlagen. Noch lagen viele Straßenzüge verödet und verwüstet, wo die mächtigen Steinkugeln der Schweden eingeschlagen, stand kein Haus und keine Mauer unversehrt. Doch nun regte sich langsam neues Leben, der Westfälische Frieden hatte Ruhe und Ordnung gebracht — wenn auch die verschüchterten Bürger ein halbes Jahrhundert brauchten, bis sie den Wiederaufbau begannen. Am meisten begann die Prager Universität wieder aufzublühen, bestand diese von Kaiser Karl IV. als erste im Deutschen Reiche gegründete Universität doch nun schon an dreihundert Jahren, da der Kaiser sie im Jahre 1548 erbaute. Der Weltruf der Prager Universität war ein so bedeutender, daß Studenten aus aller Herren Länder nach Prag zogen. Auch gab es damals noch keinen solchen Nationalitätenhaß und studierten böhmische Studenten einträchtig mit den deutschen. Das ganze Prager LeKen war auf die Studenten eingestellt, berühmte deutsche Professoren lehrten zu Prag, und manch eine Studentenmutter samt ihres Filia hospitalis kam nicht allzu schlecht weg. Es war ein warmer Friihsommerabend des Jahres 1698, als ein Trüpplein übermütiger Studenten, laut singend: „Gaudeamus igitur, 'Juvenes dum sumus“ über den Altstädter Ring zog, um in das uralte Gasthaus zum „Sixt“, gegenüber der Teynkirehe, einzukehren. In der großen, düsteren Gaststube, in der der Sage nach der deutsche Magister Johannes Faust schon mit den Studenten debattiert hatte, und nach ihm ein zweiter, ebenso abenteuerlicher Doktor, der Meister Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim, mit seinen Studenten manch einen Bierhumpen geleert, brannten schon die Oellämpchen. . Rosl, die deutsche Kellnerin, und Bozena, die böhmische, stürzten eilig herbei und riefen schon von weitem: „Frisch* Bier gefällig?! Frisch' Bier! Meister Bcnesch, der Wirt, schlägt eben an!“ „Bravo, Bravissimo!“ lobten die Studenten. „Stoff her! Flink, Mädel, lauft!“ Und bald stand vor jedem Studenten ein mächtiger Zinnhumpen, aus dem der weiße, appetitliche Schaum des berühmten Pilsener Bieres auf den uralten Eichentisch tropfte. Aus einer Ecke erhob sich grüßend ein älterer Mann; er batte einen dunklen Talar an, ein schwarze» Barett, und unter seinem mächtigen Bart blizten weiße Bäffchen hervor. Als der Mann mit würdcvolloyi Schritt die Gaststube verlassen hatte, fragten die Studenten: „Na, Rosl, w as ist denn das für ein sonderbarer Heiliger?“ „Pst, pst! Ihr Herrn, das ist ja der Grofirabbiner Löw von Prag, der trinkt öfter einen Nachmittagsschoppen hier, bevor er in die Synagoge geht!“ „Was der Tausend!? Na ja! Warum denn nicht — unsere Pfaffen trinken ja auch, warum sollte denn eia Rabbi ein Kostverächter sein?“ „Löw, Löw?“ nahm ein deutscher Student, namens Bierbaum, das Wort fragend auf. „Hat nicht Löw, jener Wunderrabbi von Prag, geheißen, der am Hofe Kaiser Rudolf II. als Sterndeuter hoch »angesehen war, und der, der Sage nach, sich die Lehmpuppe, den Golem, schuf?“ „Ja, ja, der Herr Bierbaum hat recht!“ rief die lebhafte Rosl, „das ist der Großvater vom jetzigen Rabbi Löw gewesen, und der Golem soll noch am Boden der Alt-Neu-Synagoge liegen!" „Warum nicht gar — aber das ist ja blödes Gerede.“ „Aber nein, Herr Bierbaum, das ist wirklich wahr!“ — und Rosl setzte sich zu den Studenten. „Also der alte Rabbi Löw, der Großvater, war ein großer Zauberer. Eine christliche Dienstmagd durften die Juden damals zu Anfang unserer Jahrhundert», so um 1620 herum, nicht halten. Da hat sich der Rabbi Löw eine große Puppe aus Lehm geformt, hat sie „Golem*4 genannt und hat sie belebt, indem er ihr einen Pergamentstreifen mit dem Namen „Jehovah“ in den Mund legte. Darauf ist die Puppe aufgestanden und hat auf Geheiß alle groben Arbeiten des Haushalts verrichtet. Jeden Freitag Abend hat der Rabbi Löw dem Golem den Pergamentereifen mit dem Wort: „Jehova!“ aus dem Mund gezogen, darauf ist der Golem wieder leblos in die Ecke gefallen — denn am Sabbat durfte der Golem nicht arbeiten.“ „Ja, und meine Babitschka, meine Großmutter,** nahm Wenzl Stihor, ein böhmischer Student, da» Wort, „hat erzählt: Eines Freitag Abend hat der Rabbi Löw vergessen, den Golem unschädlich zu machen.—1 Er hat ihm gerade befohlen gehabt, Wasser zu tragen für ein Bad und ist in Gedanken in den Tempel gegangen — und der Golem hat Wasser getragen und Wasser getragen, bis das ganze Haus des Rabbi überschwemmt war, und bald wäre die ganze Judenstadt unter Wasser gewesen.“ „Und dieser Golem liegt noch auf dem Boden der Synagoge?“ fragte lachend ein blutjunges Füchslein« „Ja, ja! Dort soll er noch liegen!4 rief Rosl. „Schau’n wir nacljj“ riefen lachend die übermütigen Studenten. „Halt, das geht nicht!44 wehrte Beneseh, der Wirt, der hinzugekommen war und alles mitangehört hatte, „heute ist Freitag Abend, da läßt Ferdl Blum, der Sdiammes, das ist der Tempeldiener, nur Juden in die Synagoge!“ . . „Nun, da mußt du gehen, Jakob Rosenberger, du bist ein Jude!“ riefen die Studenten“ — aber dn wirst dich sicher nicht trauen?“ „Warum soll ich mich fürchten?“ nahm der mit Jakob Rosenberger angesprochene Student das Wort — es war ein schwächliches, schüchternes Bürschlein. „Bravo! Der Rosenberger geht schau’n, ob der Golem noch existiert!44 riefen die übermütigen Studenten lachend. „Halt!“ donnerte da der deutsche Student Bierbaum, der ein ungeschlachter Bayer war. „Halt! Da» geht nicht so als wie bei der Apfelfrau! Rosenberger soll zum Beweis, daß er wirklich den Mut hat, nach dem Golem zu suchen, drei Nägel in den Türpfosten des Bodenspeichers der Alt-Neu-Synagoge^ schlagen« Holt drei große Nägel herbei!“ Drei große, kupferne Nägel wurden geholt» Rosl schafft einen Hammer und eine Laterne herbei und lachend und johlend begab sich der ganze Zug Studenten in die Judenstadt. In der Ält-Nen-Synagoge klopften die Uebermütigen Ferdl Blum, den Schammes, heraus und baten ihn, den Studenten Jakob Rosenberger auf den Boden de» Tempels zu lassen. Der Tempeldiener wollte nichts davon hören. Aber als ein Student ihm einen harten Taler in die Hand drückte und sagte, es gälte nur eine unschuldige Wette, willigte Ferdl Blum endlich ein. Sagte aber, daß nur Jakob Rosenberger allein auf den Boden dürfe. Zaghaft entzündete der Student die Laterne und stieg ängstlich die ausgetretene Treppe znm Boden hinauf. Oben angelangt, leuchtete er ängstlich mit seiner Laterne über all das aufgestapelte uralte Gerümpel. „Hu!“ Grinste dort nicht der Golem aus einer Ecke? Jakob Rosenberger wurde hang und bänger zumute. Das Oellämpchen seiner Laterne warf so gespenstische, große, zitternde Schatten an die Wand. Mit hebender Hand holte der Student die drei großen, kupfernen Nägel hervor und schickte sich an, sie in den Türpfosten zu schlagen. Schaurig widerhallten die Schläge in dem großen Raume. Aufatmend, als seine Aufgabe beendet, wollte Jakob Rosenberger den unheimlichen Bodenspeicher verlassen. Doch — was war das? Er fühlte sich bei seinem Mantel zurückgehalten. Ach! Das war sicher das Gespenst, der entsetzliche Golem. Zu Tode erschrocken, schrie Rosenberger laut um Hilfe — doch ungehört verhallte seine Stimme. Die Studenten waren längst abgezogen. Und Ferdl Blum schlief längst den Schlaf des Gerechten, da Mitternacht nahe war. Immer ärger und ärger tobte und schrie Jakob Rosenberger, und immer fester fühlte er sich an seinem Mantel zurückgehalten.- Als des Morgens die Studenten nachßehen kamen, ob Jakob Rosenberger die drei kupfernen Nägel richtig eingeschlagen, fanden sie einen armen Wahnsinnigen, dem Schaum vor dem Munde stand. In seiner Aufregung und Angst hatte Rosenberger die drei Nägel durch seinen Studentenmantel durchgeschlagen, und die Furcht vor dem „Golem“ hatte ihn um seinen Verstand gebracht

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