Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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tritt, nur 6cr fiintfoffi^o Ausdruck eiltet soziologischen Gliederung, die in ocu!-ül'i-er cntwickelrcn und daher komplizierteren Kultursormcn Europas nicht nichr ganz w deutlich wahrzunchmen ist und stumpferen Augen reicht entgeht. Die einen reiten, schieben und gieren nach R it t) m. Tie anderen arbeiten mit Hopf und Hand und verdienen Geld. In Afrika schätzt inan jeden nach Gebühr in Europa aber möchten sich die Kricgcr. oder wie sie sich stier nennen, die „Vertreter des Frontgeistes" auch noch mit den Lorbeeren der anderen schmücken. indem sie das Monopol schöpferische Arbeit zu leisten, für sich in Anspruch nehmen. Gewitz. so einfach, wie in Tripolis, labt sich das soziologische Verhältnis nicht auf eine k o n f e s s t o n c f f e F ormel bringen. ES ist hier weder ivr Frontgcist ans die Nichtjuden, noch der Geist des bürgerlichen Erwerbs auf die Juden beschränkt. Die Grenzen sind hier vielfach verwischt und es gibt politische Parteien, die von dieser Unklarheit leben und sie künstlich zu vermehren trachten um im Trüben fischen zu können. In der gröberen Natnrnähc NordairikaS ist das unmöglich. Darum ist es v.bi: anerkennenswert, daß der Forscher Paul Lp atz. der Afrika seit stst fahren kennt und schätzt, den Berlinern zu der iebrreicheu Völkerschan im Zoo verholsen hat, Irrungen, Wirrungen im Liberalismus. Von Nabb. Dr. G o t L f ch a l k, Frauksurt a. M. Wenn man die Erörterungeu versvlgt, die seit einiger Zeit über Liberalismus und Zionismus angestellt werden, so wird mau nicht behaupten Limiten, daß der „Laie" nun wirklich weiß, wohin er gehn soll. Immer wieder hört er neue Ansichten über das. was „man sagen ivollte" und „was gemeint war". Aber wesentlicher ist doch wohl die Tatsache, datz der Liberalismus so mit Anssasittugen belastet wird, denen man um der Lache und der jüdischen Zukunftsgestaltung willen ganz entschieden widersprechen: must. Wir meinen das Moment des „Kampfes", das Moment des „Politischen" und das Moment des „Deutschen". Ist eS denn wirtlich durchaus du Legen und ist es durchaus das „Echtjüdische". vor Kampf zu warnen und Frieden zu suchen'? Was ist denn die Geschichte des Judentums, was ist die Geschichte des Liberalismus anders als ein einziger großartiger Kampf gegenüber allen andern Ideen? Wo wären denn heute die Einheitsverkünder, wenn nicht vor ihnen die Menschen des Kampfes gelebt? Und ist das nicht heute noch ein Glück so wie einst, innersten Gluten Worte zu lcnhn? 'Nicht nmKch zu schcmeu. soudern uur vorwärts, wicht rechts und links, sondern nur in sich und unbekümmert um persönliche Folgen utitzukäutpfeu am GotteSkamps? Ist es denn nicht unendlich mehr, schöpferisch Geschichte gestalten, als nur bedacht auf Tagetzgedanken, zeitweiligen Frieden und äußere Lauunlnng sich mit dem Vorhandenen zn begnügen? Wie tteilt nein man doch mit solch einem Geist, wie schwächlich da gegenüber alle», die jemals librrale Heroen gewesen! Wie nimmt man ihnen auch wirklich alles, was innere Gewalt bei ihnen gewesen, was wie „Feuer in ihren Gebeinen fraß"! Nur Latte, Bequeme, nur müde Gewordene. mm Zwecknaturen können das wollen, können das der Jugend unfugeublich raten? Was soll aus einem Jndentuur werden, und waS ans jüdischem Liberalismus, dem überall Mahner und Warner erstehn, dem man immer wieder die Grenzen absteckt und immer wieder die Flügel beschneidet! Es gibt auch einen Frieden, welcher zerstört und es gibt eine Ruhe. die den „Kirchhof" bedeutet, Unerträglich freilich für jeden, der uollgesogen mit biblischem Geist, der überhaupt zu Helden der Welt nicht bloß historisch-kühl ausblickt, soudern in dem jedesmal etwas aufzuckt von dein eisernen Willen, der in ihnen gelebt! Und gerade, weil derartiges Nacherleben so ans den letzten Tiefen yerausquillt. muß es von selber davor bewahren, klein und persönlich im Kampf zu werden, statt groß und — eine Persönlichkeit. Ja. es ist so, wir brauchen Kämpfer und würden ganz arm sein ohne sie. Ich kann keinen Legen darin erblicken. uuö_ um Gotteswilleu dürfte es keiner von uns, allein aus dem Boden des ständigen Ausgleichs die Geschichte des Judentums sorizugestalten. Und gerade von hier j aus ergibt sich ein zweites! wir verstehen nicht, daß vlötzlich | der Zionismus als eine indisch-politische Lache nicht im Äampsseld des Liberalismus liegt. Ganz abgesehen davon, daß es nicht zntrisft. jedenfalls „ich: für die Orthodoxen, die gleichzeitig Zionisten siud und ebenso wenig für die Freireligiösen, die sich vor kurzem int Zionismus gemeldet haben. Aber auch wenn man davon nichts wüßte — was heißt denn das, „politische" Ntchtnng? Hinter jeder einzelnen politischen Partei, ob sie die unsrige ist oder nicht, verbirgt sich doch schließlich eine Idee, die das Ganze wieder beeinflussen will. Gewiß will man auch selber wachsen, aber man mochte doch im Endziel ganz zweifellos. daß das Ganze sich nach den Teilen wandte. Und ist das beim Zionismus denn irgendwie anders? Gehört er nicht zum jüdischen Ganzen, will er nicht die jüdische Idee rnitverlörpern. ja. will er nicht — genau wie die andern — das ganze Judentum nach seinem Bilde formen? Und w e n n dieses Bild das eines politischen Judentums ist und wenn ich dieses reinpolitische Judentum nicht nur ablehne, sondern dessen Existenz inr die Menschheit als belanglos ausehe, wenn mir mein Judentum dadurch entstellt wird, wenn ich den Begriff deS Neligiöseu in Bedrängnis sehe, die Leele des Inden dadurch verflacht, wenn EpistenzfragLu höher als Wesenssragen stehen und die Wesensfrage zur Un-Wesensfrage wird —alles immer mach nreiner Einsicht, alles nach jüdisch-liberaler Lehre, dann soll ein Kampf plötzlich unnötig sein und ich soll mit verschränktet^ Armen dabei stehn? Niemals — wenn der Kampf kür den Individualismus noch nicht seinen Linn verloren! hat, niemals — wenn jüdisch-religiös-sein bedeutet, was es für Jeremia einst stieß: „Der Envige ist unser Lieg," der Ewige unsere — Politik, unsere ewig jüdisch-religiöse Politik. > Ueberflüssig hätte mau es früher empfunden, derartige liberale Lelüstverständlichkeilen erneut zu betone». Jetzt muß es gaschehn, blickt man ans die eutstaudenen Wirrungen hin und nicht zuletzt ans die Versuche, Ewig'eitslösungen durch Tageslvsungen zn ersetzen Lind wir aber sv roeit gelangt, staben wir die Bedeutung des Neligiöseu für das Politische abgegrenzt, daun kann endlich einmal auch zu dem Moment des „deutschen" Stellung genommen tverde». Auch stier erlebt mau ja Wandlungen: nicht nur von zionistischer, sondern nun auch schon von liberaler Leite ans wird Betonung des Deutschen als verdächtig für. die Stellung zum Zionismus angeselm. Man soll befangen sein in seinem Urteil, man sott nicht zugeben wollen, daß der Liberalismus bisher falsche Wege ging, daß er sich vom Jüdischnationalen nur löste, rveil wän sich durchans deutsch gebärden ivollte. aber nicht, weil religiöse Einsicht upd religiöses Fühlen dgstin drängte. Mau wollte deutststemanzipiert sein und deshalb emanzipierte man sich jüdisch. Mag schon sein, daß einige das wollten nnd wollen: aber nicht auf einige kommt es an und überhaupt nicht aus diese politischen Juden — diese deutschpolitischen Juden natürlich, Vielmehr bleibt es dabei, daß die besten und führenden Deutschliberalen beides unabhängig voneinander und doch wieder vereint waren: jüdisch und denisch. Und mir verurteilen die Geschichte durchaus nicht. Es w a r ein Fortschritt. daß man die Religion emanzipierte, nnd es war ein Fortschritt, daß man uns emanzipierte. Wir sagen das eine und sagen das andere, und cs erscheint uns unerträglich, wenn man das eine und das andre bente lächelnd mit Serfammlungskalender Breslau. Ili „Abraham Geiger". Mittwoch, den IS. Juni, von 8U Uhr abends an: Zwangloses Beisammensein im Friebeberg-Gartcn, Kaiser-Kilhclm-Ltratzc 121, Gäste herzlich willkommen. Fragezeichen versieht, wenn man von der Verwurzelung im Deutschtum als einer ui du unbedingt nötige», sondern persönlichen Sache spricht. Gewiß persönlich — aber so wie eö persönlich ist. liberal-zionistische Bündnisse zn schließen, so ist es persönlich, wenn ich auch für die Zukunft erkläre, neben meiner religiösen Einstellung deutsch und nur deutsch sein zu wollen. Nicht aus Gründen der Zweckmäßigkeit, sondern aus tiefstem Fühlen heraus, weil ich Gott nnd meine Heimat liebe — mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft! Hier sind zwei Gebiete, die sich nicht bedingen. aber sich auch nicht ausschließen. Beide sind mir gleichzeitig köstlich, beide gehören zu meiner Natur. Keines von beiden kann ich noch missen, keines von beiden erträgt die Verkleinerung. Beides bereichert mich seelisch und kies. Und ich möchte mich förmlich selber verachten, wenn ich das eine oder wenn ich das andere zum Zweckobjekt erniedrigen würde. Wir müssen heraus ans den Wirrungen und denklich sagen, wohin wir wollen. Und deutlich auch — wo wir bleiben wollen. Glückauf drum zum Kampf! Glückauf zur Religion! Glückauf zur Liebe für deutsches Sein! Line Vision Kiosis. (Line syrische Legende.) Von W. D o r o s c h e w i t s c h. Der Berg Sinai dampfte. Blitze durchbohrten die Wolken, die den heiligen Berg hüllten. Donner rollten. Die Erde zitterte. Und eine Stimme, mächtig und gewaltig wie der Schall unzähliger Trompeten, hallte vom Berge. Und die Natur wurde von der Gewalt dieser Stimme erschüttert. Blatt auf dem Bauche tag, in Bestürzung und Schrecken da? unser wählte Volk. Die Last- und Zugtiere drängten sich, wie in der Stunde eines Samum, in dichten Haufen, am ganzen Körper zittern. Die Vögel verkrochen sich in die stacheligen Sträucher, die auf der Steppe hie und da zerstreut wuchsen — und schwiegen. Der Typhon, dieser einsame W üstea Wanderer. der sich Tag und Nacht von einem Ort zum anderen trägt, erzitterte bis in seine Grundlage und wurde zu feinem Staub, der erschrocken zurlick in die Wüste flog. Die Wellen des Meeres eilten rauschend von den Ufern weg, wo die gewaltige Stimme hallte und den aurollendeu Wellen zuzuvufen schien: Zurück! Und ihr losen war den Entsetzensschreien eines überraschten in der Nacht fliehenden Heeres ähnlich. Alles auf der Erde, unter der Lide, in der Luft und iu der Tiefe des Meeres bebte. Der Prophet stand am Gipfel des Berges. Unter ihm zogen die Wolken, rollten die Donner und wanden sich wie Fcuerschlangcn die Blitze. Ueber ilnn schien der tiefe blaue Himmel und leuchtete die weiflglüheucle Scheibe der Sonne. Und die Stimme, die alles Lebende in Schrecken verhetzte, kam von den Steinen, von der Bergsohle, von Schluchten und Klüften, aus der LuiT aus den Wolken und aus der unendlichen Tiefe des blauen Himmels. Zum letzten Male ertönte die gewaltige Stimme. Und als Schweigen und Ruhe eintrat, wandte der Prophet seine Blicke zum Himmel und sprach: „Großmächtiger! U nerf orschlicher! F'urcht barer! Du. der Du Dein Volk unter den Völkern der Erde auserwählt hast! Du. der Du mit unablässigen Züchtigungen die Peiniger Deines Volkes strafest. Du, der Du mich, ein Saudkörnchcu in der Wüste, ein Wassertropfen iin Meere, ein Sonnenstäubchen in der Luft, erwählt hattest. Deinen unwandelbaren Willen, Deine heiligen Gebote zu verkünden! Du, der Du zu mir aus dein Feuerhm-eh gesprochen hattest! Du, der Du mich hierher befohlen hast, — auf diesen Berg, den ich int Beben mit meinen bloßeu Füßen betrete! — ln wessen Namen soll ich die Einhaltung der Vorschriften gebieten, die mit unsichtbarer Hand auf diesen Tafeln uiedergeschrieben wurden? Wen zu ehren soll ich sie auffordern? Wem Einzigen zu dienen befehlen? Und aus den sieben Tagen wem den einen zu weihen bestimmen? Wessen Namen soll ich dem Frevelhaften zu erwähnen verbieten? In wessen Namen <oll teil lauge Lebensdauer und Wohlergehen auf luden versprechen? In wessen Namen soll ich ihnen verkünden: bezwinget die Leidenschaft zähmet den Haß, niedere!rücket den Zorn! Sterbet lieber, aber lötet nicht! Leidet am Notwendigsten Mangel und raubt vom Ueberfluß der andern nichts! Und wenn sie. im Geiste schwach, im Glauben wankend, mich fragen werden: ,ln wessen Namen müssen wir die Leidenschaft und den Zorn bewältigen, Hunger und Elend geduldig ertragen?’* — Was werde ich ihnen antworten können? Wessen Namen wird meine Zunge aussprechen. wenn glatibensscbwach und von Zweifel zermürbt sie mich fragen werden: ..Mit wem hast du dort, am Berge Sinai gesprochen, ah dich die Wolken vor unseren Blicken verhüllt haben? Wer gab dir das Recht, zu befehlen? W er hat dich über uns bestellt? ln wessen Namen sagst ein zn une lut nicht dieses und tut nicht jenes, wobei du in da« Allerintimstc unseres Leber, eine!rängst, in der Liebe zum Weibe, ira Haß zum Feinde? Von wem hast du die Macht über unsere Leiber und über unsere Seelen?'' Wessen Namen werde ich zum Zeuger, anrufeu? ln wessen Namen werde ich den Zweifelnden bestärken, den Leidenden trösten, den Hoffnungslosen ermutigen, den Frechen verwarnen, den Ungehorsamen cinschücbtern? Ich kenne Deine Gebote und Deinen Willen, ich kenne aber nicht Deinen Namen. Wer bist Du, der Gebietende? Du, der Du in die Meerestiefe Heermassen versenktest, Du, der Du über Leben und Tod gebietest — eröffne mir Deinen furchtbaren Namen! Dein Knecht horcht bebend zu Dir auf.“ Und der Prophet wartete gesenkten Hauptes, gefaßt den furchtbaren Namen zu vernehmen. Und die Wolken spalteten sich vor seinen Augen. Von der Sonne erwärmt, Vom lauen Wiucl gestreichelt, glänzten die Ebnen in dem smaragdfrischen Grün der Pflanzen und der Bäume. Schlanke Palmcnbüume breiteten ihre Blätter aus und in ihrem Schatten ruhten Karawanen. Au.« den Brunnen mit klarem Quellenwasser tranken abgepackte Kamele, mit ihren metallischen Verzierungen heiter* klingelnd. Auf den Abhängen der Berge weideten zahlreiche Schaf- und Viehherden. Gleich einem Meere wogten herrliche A ehren fei der und goldene Wellen schwebten beim Hauch des lauen Windes, der aus der weiten Ferne, aus der glühenden Wüste kam. V, ie Schwimmer tauchten in den goldenen Wellen die Schidtter auf und unter, heitere Lieder singend. Und Frauen, in schwarze Gewänder gehüllt, trugen auf den Schultern Krüge bis zum Rand mit Wasser gefüllt, und froh leuchteten hinter dem Schleier die schönen Augen welche den Himmel und die Blumen widerspiegelten. Die Siedlungen waren mit jauchzen und Lallen der Kinder voll und die Wiesen mit Blumen. Und der Wohlgeruch der Blumen drang weit nach oben, bis zu Moses, der in Verzückung auf die herrliche Erde blickte. Die glühende Sonne guckte unentwegt auf die Erde. Ihre goldenen Strahlen verwandelten sich in scharfe Pfeile. Die Luft selbst ward glühend. Die Wiesen und die Felder wurden versengt. Die Erde barst. Die Palmenblätter welkten und fielen in Rollen herunter. Wie verkohlte Pfosten standen die Baumstämme. Menschen und Tiere wunderten hemm, auf der vergeblichen Suche nach Kühle und Schatten. Kühe und Esel stießen herzbrechende Klageschreie aus. Kamele stöhnten. Schafe sanken zu Hunderten. Die Quellen, die Brunnen trockneten aus. Gelbe Streifen des Sandes deuteten die Mufibetten an, in welchen noch unlängst frisches Wasser floß. Die Siedlungen wurden mit Heulen und Stöhnen voll. Die Menschen töteten das Vieh, um zumindest mit warmem Blute den brennenden Durst zu löschen. Abgemagert, ausgetrocknet, achteten sie auf die Sinkenden nicht. Mit blutenden, gespalteten Lippen, mit Blasen auf den entzündeten Wangen, mit gestörten Augen wandelten die Ueberlcbenden wie Schatten zwischen Toten. Und der Prophet wandte das Gesicht in Entsetzen ah. Stöhnen und Geheul ließen nach — nur noch Röcheln und schweres Atmen war hörbar. Kadaver lagen überall herum, zersetzten sich, verwesten und die glühheiße Luft wurde mit Pestgeruch erfüllt. Der Verwesungsgeruch füllte das Tal. Er stieg und drang zum Bergesgipfel, wo der ob dieses grauenvollen Schauspiels entsetzte Prophet stand. hi der Ferne erschien eine weiße Mauer: ans der Wüste kam der Sand. Wie Wildenscharen im ratenden Kriegstanz wirbelten im ausgestorbenen Tale Säulen des Sandwindes... Üiid als sie sich legten und im glühenden Sandregen auf die Erde fielen, breitete sich vor dem Propheten eine nackte, tote Wüste ans. Alles war verwischt. Und nur der Geruch nach Verwesung, der durch den Saud drang, erinnerte daran, daß hier — ein Grah: eine Gruft ist. — Aus der Wüste kam wieder ein warmer Wind und begann den Sand zu rütteln und auseinander zu stieben. So wurde ein Stückchen Erde bloßgelegt, dann ein zweites. Es blinkte eine Quelle. Ein schwirrender Same Fiel in die Erde und aus der Erde sproß ein rollenförraiir gewickeltes Palmenblatt. Auf den freien Erdfläehcn zeigte sich grünes Wachstum. Wohin der Prophet die Blicke nur wandte — überall erwachte neues Leben. Und noch leuchtender, noch grüner, noch dichter, noch saftiger sprossen und wuchsen die Gräser aus der mit Verwesung gedüngten Erde. Zu Hunderten, zu Tausenden leuchteten blaue, gelbe, rote Punkte — und die Erde lächelte zum Himmel mit Bin men. Zwischen Palmen schlängelte ein Buch. \ui Horizonte zeigten sich Leihen beladener Kamele. Die mit ihnen aus lernen Ländern angenommenen Menschen begannen heiter lärmend und singend im herrlichen, blühenden 1 ale Siedlungen zu bauen. ln der Luft tönten die Schellen der Kamele, das Gewirr der Herden, das jauchzen der Kinder, der Gesan? der 1* rauen, das Rauschen der Felder . Und der Prophet vernahm wie im Saitenklang unzähliger Harfen eine Stimmend je sagte: „Es gibt keinen Tod auf Erden. Ich bin — Ewiges Und cs schien, daß die Stimme aus den Sch luchter und Klüften des Beiges, von den goldenen Strahlen der Sonne, vom leisen Murmeln der Blumen und der Gräser, von der unendlichen Bläue des Himmels kam. ..Ich bin — Ewiges Leben!“ Und die Molken zerstreuten sich, die den heiligen Berg hüllten, und Moses stieg vom Berge Sinai herunter. Und als sie ihn erblickten, fielen die Menschen auf die Erde: von seinem Haupte strömte blendendes Licht wie Sonnenstrahlen — der Abglanz der Göttlichkeit. Und das Volk mit den heiligen Gesetzestafeln segnend, sprach der große Prophet: ..Im Nomen des Lebendigen Gottes beschwöre ich euch. Brüder, zum ewigen Leben zu streben, an das ewige Leben zu denken und also Seine Gebote zu erfüllen! Der Name Gottes aber ist — Ewiges Leben!" Deutsch von B. H a 1 p e r i n.