Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IMchllberaleZeMng Organ -er Vereinigung für das liberale Lu-entum e. V. Bezugspreis durch die GefchSfksflelle ^jährlich M. 2.S« Eiryelnmmner YL9 Bei freier Zusendung i. 3»1«r- (K25 Mr die Mitglieder ver Lereiutgmng ist der Lerngeprei» im Milgliedsbeitrage enthalten. :: rr :: Verantworll. Redakteur: Bruno Doyd«. vle „Jüdisch-Uperale Seltung“ erfcf>e!nt Zeden Srettag. Retofction ». Geschäftsstelle: Berlin SW. Wilbelmftr. 147. femmff: vasonhOids 3358, 3359 P«ftfdy«<Miojite: »#rlln HWT flr.l J7M* (VmliilfWttt Y«O Ut»»ral«1«N»n1um Nacft5«uclt f&mtltcfcar Orlainal<B*i«raa« nur mit vorh«rl,«r S«n»hmlg«ng 0*r R*6afctton aMtattct. Anzeigenpreise: Die IS gespaltene NonpareUlezene 0,45 Goldmark, die Beklame-eile 3,00 Goldmark, bei :: ‘j Mederhelungen Rabatt. :: Anzeigenannahme. .Jüdisch liberale Zeitung" Fuseratenabteilung: Berlin SD 48. Dilhelmstraße 14? (Hasenheide: 3388—SV), sowie sämtl. AnnoncenExped. Rr. 14 Berlin, 8. April 1927 7. Jahrgang Ae Tagung der liberalen Rabbiner. Liberales Judentum oder Zionismus. Kritische Armierkungen zu Len Verhandlungen ans der Tagung der liberalen Rabbiner. Von George Goetz. Wie in der letzten Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" schon berichtet, hat die „Bereinigung' liberaler Rabbiner Deutschlands" zum Thema ihrer am 29. März d. Js. abgehaltenen Mitgliederversammlung die Frage nach ser „Stellung des religiös-liberalen Judentums *um Zionismus" gemacht. Dre Aktualität dieses Themas kann nicht geleugnet werden: die Betrachtung unserer jüdischen Wirklichkeit zeigt uns die auf den ersten Blick merkwürdig ait* mutende Tatsache, daß in den jüdischen Gemsinden mntz Organisationen Liberale und Zionisten in zähem Ringen Nch aegenüberstehen. daß aber andererseits die Mehrzahl der deutschen Zionisten die gleiche religiöse Lebensführung hat wie die Liberalen. — dies ganz besonders in Bezug auf die Jimichaltung des Zeremonialgesetzes — und daß -arüStzr hingilts auch Gedankengänge des liberalen Judentums urüßt dey Zionisten Platz gegriffen hoben, und zwar haüptsächuch in Bezug auf die Leuänung der Verbalmspiratipy. SelbstvArsttzndlich gilt dos nicht von allen Zionisten: ergibt solche, die i« religiöser Hinsicht orthodox sind, es gibt sülche, die in Mer Hinsicht indifferent sind, und es gibt wiche, die sich em gewissen Recht in religiöser Hinsicht als liberal Lszsichnerr. Da nun überdies der Zionismus anerkannter- »WMWMee^palitßsche Bewegung ist. hat sich i« .manche» Lrei- SE'MEimrun-' -erausgrbildet. die man üvf Ivlgende FprmeLhxingeu kann: Der Liberalismus U Me se Bewegung, der Zwnismus ist eine politische B-- wegung. die Kreise beider Bewegungen schneiden sich nicht. Wenn nun die Bereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands in ihrer Resolution erklärt, sie „überläßt es dem persönlichen Verantwortungsgefühl eines jeden Einzelnen, welche Stellung er dem Zionismus gegenüber einnimmt", so hat sie sich damit, das wird niemand bestreiten, die hier formulierte These zu eigen gemacht, von der übrigens auch, Mie der nachfolgende Bericht zeigt. Wischer in seinem Resetnt. Lusgegangen ist. indem er sagte-. „Bon voruhexM Kcht eines fest: religiöser Liberalismus üttö ZiortisyW jfpmtn einander so wenig, wie sie sich ausschlietzen." Wäre nun dieses richtig, so würden wir vox der irnges beuerlichen Tatsache stehen, daß unser ganzes öffentliches Leben, die Verwaltungskörperschaften all unserer Gvimgogengemeinden und Landesverbände, hie Konstellatiön zwischen unseren großen jüdischen Organisationen und ihren Presseorganen. mit einem Wort also: daß unsere gesamte jüdische Lebenspraxis in krassestem Widerspruch steht zu den tbeoretischen Grundbegriffen und Grundvoraussetzungen. Man saßt sich an den Kopf und fragt sich: Kann das sein, daß . dieser ganze Kampf, den Liberale und Zionisten seit Jahrzehnten gegeneinander führen, im Widerspruch zu den primitivsten theoretischen Anforderungen steh t und überflüssig gewesen wäre'? Ist etwa die Haltung der liberalen Fraktion im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, um hier , ein anschauliches konkretes Beispiel zu bringen, lediglich, wie das berühmte Schlagwort lautet, von gemeindepolitischen oder gar parteipolitischen Gesichtspunkten be- . stimmt, die reine liberal-religiöse Gesinnung dagegen, wie hier die Rabbiner-Resolution zu zeigen scheint, mit zionistr- ' scher Gesinnung durchaus vereinbar? Und da meine ich, es muß doch von vornherein klar sein, daß jene vorerwähnten ° obskuren gemeinde- oder parteipolitischen Gesichtspunkte , jüd ischen Erwägungen entspringen und ans unserer Einstellung zum Judentum sich ergeben. Sehr richtig sagt in diesem Sinne B o g e I st e i n, nachdem er bereits festgestellt hat, daß das Judentum keine blutmäßig bedingte Gemeinschaft. vielmehr von allem Nationalen unabhängig, daher mit jeder Nationalität vereinbar, nur mit einer jüdi- Men nicht: „Das Religiöse ist übernational, die Anerkennung des Jüdisch-Nationalen müßte aber das Religiöse beeinflussen, dem Judentum ein seinem innersten Wesen nicht entsprechendes, als» falsches Ziel anfsteckeu und Es Mlf einen falschen Weg weisen." Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dies bisher die allernige offizielle Auffassung des liberalen Judentums gewesen ist. Gewiß sprechen auch wir von einer jüdischen Gemeinschaft, und ebenso wenig wie wir aus unsrer Bibel und aus unsrem Gebetbuch das ^w Jiöraaj streichen wollen, ebenso wenig auch versagen wir uns dem modernen Bekenntnis zum K’lal Jisrael, zur Jüdischen Gemeinschaft. Die Frage ist nur. was unter Volt und Gemeinschaft verstanden werden soll, und nachdem wir soeben mit Vogelstein feststellten. daß Judentum keine blutmäßig bedingte Gemeinschaft ist, formulieren wir dies nun positiv und sagen: das Judentum ist eine Idee, und die Gemeinschaft aller derer, die zu dieser Idee sich bekennen, ist die jüdische Gemeinschaft. Wenn wir das hier aussprechen, so wissen wir uns dabei völlig eins mit der auch von Vogelstein vertretenen Auffassung, daß der Begriff des Judentums über den Begriff einer bloßen Konfession weit hinausgeht. Den Vorwurf des bloßen Konfessionalismus kann man mit weit größerem Recht gegen die jüdische Orthodoxie erheben, da die orthodoxe Auffassung das Bekenntnis zu bestimmten Dogmen (z. B. Berbalinspiration) ittotw» naiviouurn. an oepen « Uehervustimmunfl mit der Ideologie -es Ai SeWeinschast zü treten habe. NW Gemeinschaft ist hier in Wtrkltchkett die Magi erfordert. Dos liberale Judentum aber, welches das Judentum als hdee erfaßt, weiß, daß die Idee von der Materie nicht geschieden ist. sondern im Gegenteil die größte, ja die einzige geschichts- und lebenbildenöe Macht ist: — und welche Idee hätte sich machtvoller in der gesamten Menschheitskultur ausgewirkt als unser Judentum! Dieser Auffassung diametral entgegen steht diejenige, die Wiener und mit ihm alle zionistenfreunülichen Diskussionsredner der Rabbineroersammlung vertreten haben. Wiener sagt: „Der biblisch-talmudische, von den Religions- Philosophen aufgenommene Gedanke, daß das ganze Volk die Offenbarung am Sinai empfange für die späteren Geschlechter, daß demgemäß der Einzelne in seiner fchicksalhgsts» Zugehörigkeit zu der Blutsgemeinschaft vom Erzvater Jacob her, und nur in dieser, (von mir gesperrt: GtzJ Träger und Ersüller des göttlichen Wortes sei. eint die geschichtlichen Ideen der biblischen Zeit und den letzten Ausläufer des rabbinischen Geistes". Hier ist also ganz deutlich von einer Blutsgemeinschaft die Rede, und in der Tat fassen wir an den oben von Vogelstein und hier von Wiener wiösrgegevenen Worten das Problem Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit von Liberalismus und Zionismus an der Nckrzel. Nur wird eines dabei bisher immer verkannt. Es ist falsch zu sagen, wie auch Wiener in völliger Verkennung des jüdischen Liberalismus gesagt hat. das liberale Judentum hgste bisher als Ausgangspunkt und als Ziel das jüdisch, Kiuzel-J n d i v i d u u m. an dessen Stelle jetzt in .. 4— **—'—** Zionismus die jfriüiömw oder ^... ... -^ „-agr. sondern die wkrkltche Frage lüüket: o6n Materie? Gewiß ist es. Mit Wiener zu reden, eine flache Binssnweisbeiü daß es für eine bestimmte Religion auch bestimmte Menfififtt geben muß. Aber es ist. mit Erlaubnis zu sagen, eine ebenso flache Binsenweisheit, daß es für eine bestimmte Religion eine bestimmte Religionsgemeinschaft geben muß. Indessen bedeutet es eine .Verkennung des Wesens der Religion überhaupt, wenn man. wie Wiener, glaubt, die Träger tzvaendeiüer Religion seien nicht auswechselbar. Schars stehen stch gegenüber die beiden Ansichten: Entweder das Judentum ist eine Idee, und jeder, der zu der Idee sich bekennt, ist Jludr. wie auch jeder, der sie verleugnet (Täuflinge. Dissidenten, Atheisten), aufhört. Jude zu sein: oder alle aus jüdischem Samen gezeugten Menschen, was immer sie denken and tun mögen, sind Juden: mit einem Wort also, entweder das Judentum ist eine Idee, oder es ist eine konkrete, materielle Dache, man mag sie nun Stammesgemeinschaft, Blutsgemeinschaft. Volk oder Rasse nennen. Wer die Literatur des liberalen Judentums kennt, weiß, daß die Rebe vom schrankenlosen Individualismus des bisherigen liberalen Judentums ins Reich der Legende zu verweisen ist. Man lese nur die viel umstrittenen „Richtlinien", die ganz gewiß ebenso oft die jüdische Gemeinschaft ins Auge fassen wie das jüdische Individuum. Aber das kann keine Frage sein, daß das liberale Judentum, so wie es bisher geschichtlich wirklich gewesen ist, das Judentum als Idee und nur als Idee aufgefaßt hat. müßte man doch sonst nachträglich alle im Lause der Jahrtausende zu uns gekommenen Proselyten verleugnen, und was macht ein an die Blutsgemeinschaft Glaubender mit dem Chasaren?! — Daß wir, die wir in materieller und kultureller Hinsicht unlöslich mit dem deutschen Volke verbunden sind, zur Idee des Judentums uns bekennen, das hat uns bisher zu liberalen Juden gemacht und macht uns auch heute dazu. Aber unsre'Einstellung gegen den Zionismus ist keineswegs allein erklärt aus unsrer Vaterlandsliebe, d. h. also aus unserer Einstellung zum Deutschtum, denn eine jüdische Nation, wenn sie existierte, hätte ganz gewiß gleiches Lebensrecht wie die deutsche Nation. Unsere heiß gefühlte, klar gewußte Erkenntnis. daß Judentum mehr ist als Nation, daß es Idee ist. mit einem Worte: unsre Stellung zum Judentum läßt u u £ alle jüdisch-nationale Ide ologie ablehnen: sie ist die Ursache unsrer Gegnerschaft zum Zionismus: und es bewahrheitet sich das oben Ausgeführte von der lebengestaltenden Macht der Theorie: weil wir theoretisch das Judentum als Idee und nicht als Materie (Blut- oder Stammesgemeinschast) erkennen, deshalb finden wir uns in Gemeindestuben und Organisationen in sartöauernder Gegnerschaft gegen die Vertreter der anderen, verkehrten Theorie, derzusolge das Judentum gebunden an ein Konkretes, Materielles und d. h. derzusolge es eingeengt und herabgezogen sein soll von seiner ewigen Weite und l Höhe. .... > Der Streit des liberalen Judentums gegen den ZronlSi mus bat seine große, ideale, seine r e l i g i ö s e Bereclütgung.; Tie Männer, die kraft ihres Ztmtes unsere religiösen Führer sein sollten, die liberalen Rabbiner, hatten wahrlich Grund genug, die hier ausgezeigre Frage zu klären: ob die Idee, ob die Materie höher zu werten sei. Sie würden bei konregnenter Dnrchdenkung des Problems zu dem Eraebnis gekommen sein, daß die Vereinbarkeit von Liberalismus und Zionismus lediglich dort gegeben ist, wo man vom Liberalismus nur die negative Seite keiutt. Wäre liberales Judentum nichts weiter als die Ablehnung d-s Doamas der Verbalinsviration nnd damit die Abstreifung des Zeremonialgesetzes — gewiß, dann könnte ein liberaler Jude Zionist sein. Die bloße Kenntnis.dieser negativen Seite des Liberalismus spricht sich deutlich genug aus in der Art. wie das Wort liberal gebraucht und gesteigert wird: der eine ist ganz liberal, der andre noch liberaler und der dritte sogar radikal. Das ist mir ein Liberalismus! Für den wirklich liberalen, für den positiv liberalen Juden gibt es da keine Steigerung, weil die Idee des Judentums sein ganzes Wesen ausnracht, völlig ihn erfüllt nnd zu einem von dieser Idee durchdrungenen. praktisch durchheiligten Menschen, zu einem Inden macht. („Ganz sollst du sein mit dem Ewigen, deinem Gott."t Damit ist ansgezeigt, wie es auch früher in diesen Blattern einmal formuliert worden ist, daß ein Zionist wohl liberal sein kann (im negativen Sinne des Wortes: weil er nicht orthodox ist), daß aber ein Liberaler nicht Zionist sein kann. Bedauerlicherweise hat die Oeffentlichkeit keine Möglichkeit nachzuprüsen, ob in den auf der Tagung gehatterlen Reden nach diesem Allerwichtigsten auch nur die Frage erhoben wurde. Die liberale Rabbinervereiuigung hat, mic bereits in der letzten Nummer dieses Blattes berichtet, oorgezogen, die von ihr vorher ausdrücklich eiugeladenen interessierten Kreise nachträglich von der Debatte wieder ansznschließen. Das Gefühl innerlicher Festigkeit dürste wol?l kaum das Motiv für diese Maßnahme gewesen sein, welche vom Vorsitzenden der Bereinigung für das liberale Jndetktum hier bereits mit schärfsten Worten öeS Protestes gegeißelt wurde. Und der offizielle Bericht, der uns vom Sckiristführer der liberalen Rabbinervereinigung zugestellt wurde, und den wir unten zum Abdruck bringen, gibt kein objektives Bild der Debatte. Ein flüchtiger Blick, auf diesen Bericht zeigt, -aß die Diskussionsreden der antizionistischen Herren (z. B. Dr. Gatliner- Berlin. Dr. Jakob-Saarbrücken) stets mit einigen kltrzen Zeilen wiöergegeben wurden, während die Reden der Zionistenfreunde unter den liberalen Rabbinern, allen voran die des Schriftführers und Berichtsversassers, Herrn Dr. Maybaum-Bingen selber, mit größter Ausführlichkeit zum Abdruck gelangten. Was also. in Wirklichkeit gegen öcit Zionismus vorgebracht worden ist, wissen wir nicht. Aber die Widergabe der zionistensreundlichen Reden zeigt doch eines mit großer Deutlichkeit:-daß die Debatte, im ganzen gesehen, kein höheres Niveau hatte als Pressepolemikcn und Rededuelle in der jüdischen Oeffentlichkeit allgemeinhin zu haben pflegen. Nach solchem mageren Ergebnis fragen wir erneut: Wozu die Heimlichkeit? Daß verschiedene Ansichten bestanden, wußten wir: wer die Vertreter der verschiedenen Ansichten waren, wußten wir auch: die Argumente hüben und drüben waren uns bekannt. Kein neuer Gesichtspnutt in den ganzen Debattereden! Für Elk- Stettin. Grün ew al d-Mannheim. Maubaum-Bingen ist nur ein Chaluz ein jüdischer Mensch. (In Klammern darf ich fragen, ob für diese liberal-ziontstischen Herren Rabbiner etwa Hermann Cohen, Jakob Löwenberg. Paul Nathan keine jüdischen Menschen sind?) — M a q b an m - Bingen zieht die jüdische Volksgemcinde einer katholisch-kontemplativen Temvelgemeinde vor und hätte doch gerade in seinem Amtsbezirk Gelegenheit genug, den in Wirklichkeit gar nicht kontemvlativen. sondern vielmehr praktisch tätigen, lebendigen Katholizismus kennenzulernen. Fast den größten Teil seiner Rede verwendet er darauf, eine längst bekannte Tatsache als etwas ganz Neues zu erweisen: daß nämlich die Propheten Patrioten waren. Wie sollten sie auch anders? Aber ihr Patriotismus ist nicht ihr ProphetiSmus. und unsere Aufgabe ist es, ihren Prophetismus für unsere heutige Zeit nutzbar zu machen. Haben sie gemäß den damaligen Lebensbedingungen in ihrer Volksgemeinschaft ihre Lehre in die Tat nmgesetzt, so müssen wir heute ihre Lehre gemäß unsererr Lebensbedingungen betätigen. Nur der Prophetismus der Propheten hat Ewigkeitswert; ihr Patriotismus war zeitlich bedingt, und nicht gerade auf richtiges Erfassen des liberalen Judentums deutet es, daß Maybaum das Lebensprinzip des liberalen Judentums, die Entwicklung, bei den Propheten aufhören läßt. Noch in einem anderen Punkte zeigt sich bei ihm eine sonderbare Verwirrung der Begriffe: er will ein Gebetbuch, das seinem Jirhalt nach liberal, seiner Form nach jüdisch sein muß. Nein, Herr Rabbiner, wir wünschen, daß auch der Inhalt, und gerade er. jüdisch sei. wie er auch liberal sein soll: denn Liberales Judentum ist uns ein eiuheitliches Ganzes und unteilbar. — Baeck-Berlin meint, die Ostjuden kennen nur Milieu-Frömmigkeit, und da sie in der Regel Zionisten seien, dürfte das liberale Juöentmu nicht antizionistisch sein, wenn es unter den Ostjuden wirksam werden will. Es läßt sich kaum annehmen, daß Baeck dies wirklich gesagt hat. wie es aber doch im Bericht steht, denn das heißt doch geradezu die Theorie nach den Bedürfnissen modeln. Desgleichen, wie es im Bericht über Baecks Rede weiter heißt, daß Antizivnismus heute nicht opportun sei. weil die Jugend den Antizionismus nicht verstehe. Was unter der Jugend heute Mode ist. kann uns doch wahrlich nicht dazu bestimmen, unsre für recht erkannte Theorie zu opfern oder auch nur zu ändern. Liberales Judentum steSt sicherlich unserem verehrten Freunde Baeck. genau wie uns. zu hoch, alS daß es nach Bedürfnis und Mode gemodelt werden dürste! Ueberdies: wird der Zionismus immer in Mode bleiben? Wir glauben an Sen Sieg unsrer Idee uud 5