Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 10 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Isak Schulhof: Eine historische Erzählung von Walter Kahn, Dortmund. (Schluß.) Der Kriegsfaktor Samuel Oppenheimer ging auf geregten Schrittes durch sein Quartier. Manchmal blieb er stehen und schien angestrengt nachzudenken. Dann nahm er seine Wanderung wieder auf. Plötzlich stieß er die Worte hervor: „Nein, so gehts nicht!“ Er ging ans Fenster und blickte hinaus. Das friedliche Bild draußen gab dem aufgeregten Manne die Ruhe wieder: ein kleiner Garten mit früchteschweren Bäumen erstreckte sieh hinter dem verlassenen Bauernhause, in dem der Kriegsfaktor Samuel Oppenheimer sein Quartier aufgeschlagen hatte. Hier sah man nichts vom Kriege mit seinen Schreckensbildern. Man glaubte sich in den tiefsten Frieden versetzt. Allein das friedliche Bild änderte sich bald, wenn man auf die Straße trat, die aui Bauernhause sich hinzog. Hier rasselten unaufhaltsam die. Kolonnen mit Munition und Lebensmitteln vorüber, marschierten die Truppen, flogen Kuriere und Staffetienreiter auf schnellen Rossen, kroch eine Karre mit stöhnenden Verwundeten, kurz, das bunte und schreckliche Bild des Krieges rollte hier Tag und Nacht ab. Und über allem Lärm und Geschrei, aller Hast und Erregung lag das dumpfe Grollen der Geschütze, welche Tod und Verderben in die Stadt Ofen schleuderten. Der jüdische Mann am Fenster seufzte tief auf. Er öffnete die Tür, welche zum Garten führte und rief: „Hirschei! Hirschei!“ Ein junger Mensch von etwa 25 Jahren erschien und blickte aus fragenden, hellen Augen seinen Herrn an. „Hirschei, du weißt so gut wie ich, daß die Stadt Ofen in wenigen Tagen in unserer Hand sein wird,“ begann Oppenheimer. Wie ein Schatten lag es auf seiner Stirne als er fortfuhr. „Wie Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorrha, so fallen die Bomben und Granaten auf die unglückliche Stadt. Bald wird eine beutegierige und blutdürstige Soldateska in ihren Mauern sein und morden und sengen und brennen. Hirschei, du bist trotz deiner jungen fahre ein erfahrener und fürsichtiger Mann. Willst du ein gutes Werk vollbringen?“ „Ihr könnt auf mich rechnen. Herr Oppenheimer.“ sagte Hirschei. „Du mußt in die belagerte Stadt eindringen, und zwar heute noch.“ „In die Hölle!“ rief Hirschei entsetzt. „Ich habe Vorkehrungen getroffen, daß du unbehelligt bis an die Wachen gelangst; dort wird dir deine Klugheit schon weiterhelfen. Nicht weit vom Wienertor, verborgen unter Schutt. Gerümpel und Strauchwerk befindet sich ein unterirdischer Gang, der in die Stadt führt. Den benütze!“ — Oppenheimer beschrieb Seinem Diener genau die Lage des verborgenen Ganges: dann fuhr er fort: „Begib dich unverzüglich zum Rabbi Isak Schulhof und bringe ihn, sein Weib und sein Kind bieder. Eile tut not; denn jede Stunde kann die Entscheidung bringen.“ mcHirschel ging hinaus, um sich für sein gefahrvolles Unternehmen zu rüsten. Oppenheimer aber rang verzweifelt die Hände und sprach mit klagendem Tonfall: „Ach könnte ich allen Kindern Israels, wo sie auch immer weilen, Rettung bringen. Aber was vermag ich mit meiner schwachen Kraft! Ewiger, wende ab das Schwert entmenschter Horden von den Häuptern der Unschuldigen, lasse nicht zu, daß der Säugling auf dem Arme der Mutter getötet wird. O, bringe nicht Unheil über das Haus Jakob, das seit tausend Jahren mit Tränen aufstellt und mit Tränen sich niederlegt. Herr, wende uns dein Antlitz zu und gib uns deinen Frieden, deinen Frieden!“ Der Tag verging und auch der nächste, ohne daß Uirschel zurückgekehrt oder eine Kunde aus der belagerten Stadt zu Oppenheimer gedrungen wäre. Allein Oppenheimer ließ die Hoffnung nicht sinken, noch glaubte er an einen glücklichen Ausgang der abenteuerlichen Unternehmung. Gerade in diesen Tagen war der Kriegsfaktor von seinen Geschäften stark in Anspruch genommen. In seinem Quartier war ein ständiges Kommen und Geben von Ordonnanzen und Offizieren, die irgendeinen Auftrag brachten oder sich nach den Lieferungen erkundigten. Am Abend des 2. September 1686 verhandelte Oppenheimer mit einem kaiserlichen Offizier, als draußen brausender Jubel ertönte: „Sieg! Sieg! Ofen ist unser! Viktoria! Nieder mit den ungläubigen Hunden! Viktoria! Viktoria!“ Oppenheimer erblaßte. Der Offizier bemerkte das wohl. „Was ist dir, Jud?“ fragte er. „Ja. ja.“ fuhr er mit dröhnendem Gelächter fort, „der Jud kann kein Blut riechen. Schon wenn er daran denkt, rutscht ihm das Herz in die Hosen.“ „Ich habe Verwandtschaft in Ofen,“ sagte Oppenheimer mit schwacher Stimme. „Na, nichts für ungut,“ sagte der Soldat, sich gleichsam entschuldigend, ..war nicht so gemeint. Bist sonst ein brauchbarer Kerl.“ Und er lachte wieder dröhnend. Als Oppenheimer wieder allein war, verhüllte er sein Haupt und sprach die Sterbegebete. Isak Schulhof stand in andachtsvoller Versenkung im Gotteshause von Ofen. Sein Sohn Samson war an seiner Seite. Während der schlimmen Tage der Belagerung hatte Isak Schulhof hier im stillen Gehet zugebracht. So auch heute. Da sprach eine Stimme zU ihm: „Was stellt Ihr hier noch. Robb Schulhof, und betet. Ihr seid auf verlorenem Posten. Macht Euch auf. ich bringe Euch und die Eurigen in Sicherheit. Bedenkt Euch nicht, denn Eile tut. not.“ — Schulhof schaute den Sprecher ruhig an und erwiderte: ..Ihr irrt Euch, dieser Posten ist niemals verloren. Beständiger als Kaiser und Könige, als alle Reiche der Welt ist das Wort Gottes. Hier harre ich aus.“ ..Ihr wißt nicht, was Ihr redet. In kurzer Frist wird Ofen in der Hand der Kaiserlichen sein. Rettet Euch und die Eurigen. bevor das Schwert der Unholde über Euch kommt!“ rief Hirscliel voller Verzweiflung. Kaum hatte Hirschei ausgesprochen, als ein mark- •ischüttcrnder Schrei die Luft erfüllte: Ofen war gefallen. Die Tür der Synagoge winde aufgestoßen, eine verängstigte Menge drängte, Schutz suchend, in die Heiligkeit des Raumes. „Zu spät 1** schrie Hirschei, und verschwand im Gewühl. Heftig flackerten die Kerzen am Almemor und wollten verlöschen. Schulhof erkannte die Gefahr, in der sic alle schwebten. Er rief Weib und Kind au seine Seite und suchte Schutz hinter dem Altar. Im nächsten Augenblick war die heilige Stätte zur Schlachtbank geworden. Entmenschte Horden metzelten die wehrlosen Opfer nieder. Fieberhaft suchten die Eindringlinge nach Beute. Wo es nichts zu plündern gab, mordeten sie. Bald wurde Schulhof und die Seinen hinter dem Altar entdeckt. Ein riesiger Landsknecht zerrte sic hervor. „Wir sind ja Landsleute, nehmt uus als Kriegsgefangene mit!“ rief Schulhof in seiner Todesangst, und meinte, so seine Lieben reiten zu können. „Schweig und gib dein Geld her!“ fuhr ihn der Soldat an. Er tat, wie ihm befohlen. Mit dem Musketier gelangte er wenigstens aus dem Würgen und Morden der entheiligten Stätte. Die Gassen des Juden Viertels waren ein einziges Chaos. Gruppen von Plünderern drangen in die Häuser und rafften alles Wertvolle zusammen. Das weniger Kostbare wurde einfach auf die Straße geworfen. Jammern und Stöhnen der Geschlagenen und Vergewaltigten, der Verwundeten erfüllte die Luft. Glücklich, wer für die Heiligung des Namen Gottes in den Tod gegangen war. Im Gewühl der Gasse wurde Isak Schulhof von einem Trupp Husaren fortgerissen, die auf gute Beute in seiuem Hause hofften. Er führte sie, was blieb ihm anders übrig. Auf diesem Wege verlor er sein Weib, das wohl von einem Unhold geraubt, vergewaltigt und getötet wurde. Allein das Maß des Unheils war noch nicht voll. An der Tür seines Hauses entriß ihm ein kaiserlicher Offizier seinen Sohn Samson. Isak Schulhof flehte und bat, versprach dem Offizier sein Vermögen, nur solle er ihm den Sohn, den einzigen, lassen. Vergebens! Nicht einmal das Fichen eines geängstigten Vaterherzens vermochte diesen Wüterich zu erweichen. Er drang mit dem Seh werte auf Schulhof ein und wollte ihn töten. Da hatte das Schicksal Mitleid mit dem Geauälten; ihm schwanden die Sinne. — Verwundert schlug Isak Schulhof die Augen aut: ,AYo bin ich?“ flüsterte er mit schwacher Stimme. „Haltet Euch ruhig, Herr. Die Gefahr ist noch nicht vorüber,“ sprach leise eine weibliche Stimme. „Ach, ich bin also nicht gestorben, bin meinem Weib und Sohn nicht nachgefolgt,“ klagte Schulhol. „Ihr seid im Keller Eures Hauses, Herr, wo ich Euch verbarg, um Euch vor den Streichen der plündernden Horden zu schützen. — Kennt Ihr mich denn nicht? Ich bin Maria. Eure Magd, die Ihr einst aus türkischer Knechtschaft loskauftet,“ sprach sie mit Tränen in den Augen. In einer Kellernische verborgen, hatte Maria ihn mit ihrem Leihe gedeckt, während plündernde Haufen das Kellergewölbe nach Wertvollem durchsuchten. Bleiern verflossen die Stunden. Allein noch durfte Isak Schulhof nicht wagen, seinen Schlupfwinkel zu verlassen. Da erschien plötzlich ein Lieht in der Dunkelheit. Rettung? Oder neues Unheil? Zwei Musketiere unter der Führung eines Korporals hielten Nachlese. „Mir ist. als röche ich Menschen hier unten,“ sprach der eine mit roher Stimme. ..Mach lieber die Augen nach Gold und Edelsteinen auf.“ sprach der andere. „Ein hübsches Stück Weiher fl ei sch war" jetzt auch nicht zu verachten.“ grunzte wiederum der erste. Y\ ährenddessen hatte der Korporal Uak Schulhof in seinem Versteck aufgeslöberf. Mit nacktem Schwert stand er vor ihin. Aber im Herzen des Korporals, dessen Namen uns die Geschichte nicht überliefert hat. war Raum für Menschlichkeit. „Wer bist du?“ fragte er den Etsch reckten, und als er vernahm, daß der jüdische Mann ein Prager gleich ihm w ar, beschloß er. den Aermsfen zu reiten. Wenig nach dem Geschmack der Soldaten. „Stoß, den Jud nieder. Korporal.“ sagten sic, „so tust du noch ein Gott wold gefällig Werk!“ „Schweigt!“ herrschte der Korporal sie an. — Die sinkende Sonne sah auf eine rauchende Triimmerstatte, welche einst die stolze Stadt Ofen war. Ueber Leichen, welche stumm anklagend ihre »rebrochenen Augen cren Himmel richteten, ob des Wahnsinns der Menschen, an Verwundeten vorbei, die stöhnend in ihrem Blute lagen, schritt Isak Schulhof. Der Korporal hatte sich entfernt. „Hurtig, hurtig. Jude. Wenn dir dein Leben lieb ist, so halte Schritt!“ höhnten die Soldaten Schulhof. ..Alle Juden sind Verräter und machen mit den Türken gemeinsame Sache. Schieß ihn über den Haufen. Kamerad!“ »So überschütteten sie den seelisch und körperlich Erschöpften mit Spott und Hohn. Unter tausend Aengsten verbrachte Tsak Schulhof die Nacht im Lager der Kaiserlichen. Ein Bissen Brot und ein Schluck Wasser mitleidig von dem Korporal gereicht, erquickten den Verlechzenden. Trotz Qual unrl Not, die er ausgestanden, trotz der furchtbaren Schicksalsschläge, die ihn getroffen, wünschte Isak Schulhof in keinem 'Augenblick den Tod herbei. Gewiß, er würde um des Glaubens willen in den Tod gegangen sein, aber sein f eben diente mehr der Heiligung des Namens Gottes, denn sein Tod. So stieg der Morgen des 5. September 1686 herauf. Wie Leichentücher bedeckte NobM die Donaunic.dcrungen. Aber siegreich brach bald die Sonne durch den Dunst und milderte das Bild der Verwüstung ringsum durch ihre belebenden Strahlen. Das Lehen siegt über den Tod. immer und ewig. Auch Tsak Schulhofs Seele wurde mit neuem Mute erfüllt. Ein Gedanke durchblitzte ihn: wenn er sru Glaubensgenossen gelangen könnte, die ihn gegen ein Lösegeld loskanften. so war er gerettet. Er bat daher den Korporal, ihn über die Donatihrücke zu bringen, wo er sicherlich Juden anträfe, mährische Juden, die mit clen Foura ge wagen hinter der Armee als Bestellte im Lieefrwesen einnerzogen. Der Korporal bewilligte ihm seine Bitte. Einer der Soldaten sagte zu ihm: „Erhalten wir kein Lösegeld, so stoße ich dich nieder und deine Glaubensgenossen können deinen Leichnam aus der Donau fischen.“ Da betete Isak Schulhof und seine Seele sprach also: „Gott und Gott unserer Väter Abraham, Isaak und Jakob, lasse mich nicht durch das Schwert des Widersachers fallen, sondern rette meine Seele. Wie einst akob sich dir gelobte, so will ich dir, Ewiger, mein eben w eihen. Kasteien will ich meine Seele, auf daß sie erkenne, daß dir allein Ruhm, Macht und Ehre gebührt, Ewiger, unser Gott.“ Allein kein Käufer wollte sich finden, der den Gefangenen loskaufte. Isak Schulhofs Schicksal schien sich zu erfüllen. Er erhoffte keine Rettung mehr. Der Tag versank im Westen. Zum letzten Malz erblickte er die Sonne, ln wenig Augenblicken umfing ihn ewige Ruhe. Die Todesschattcn des nahen Endes senkten sich auf ihn herab. „Aber, werter Herr, lieber Pawel Pawlowitsch, das sind doch Schnurrpfeifereien, die Sie uns da vortragen. Wer möchte dergleichen ernst nehmen,“ sagte mit Lebhaftigkeit ein kleiner, schwarzer, quecksilbriger Herr, dem man den Franzosen auf hundert Schritt ansah. der Marquis von Savigny. „Mit Erlaubnis unserer gnädigsten Frau Baronin darf ich dem Herrn Luboff vielleicht erwidern." fiel hier Herr von Steinhof ein. Die also an geredete Dame — Baronin Ellwangen — nickte gnädig Gewährung. Sie hatte auf ihrem Donauschiff einen illustren Kreis um sich versammelt upd war ins Kriegsgebiet gefahren. „Nichts Menschliches ist mir fremd,” pflegte sie oft zu sagen. Auch den Krieg mit seinen Schrecken wollte sie aus nächster Nähe kennenlernen. Das Gespräch drehte sich um das Thema „Krieg“. Heftig war der Streit der Meinungen entbrannt. „Also,“ begann Herr von Steinhof, „der Krieg ist notwendig und gottgewollt. Primo: Es hat immer Kriege gegeben und es wird immer Kriege geben. Sekunde: Der Krieg entspringt der innersten Natur des Menschen. Schon Ileraklit sagi: Der Kampf ist der Vater aller Dinge. Tcrtio: . . Hier unterbrach ihn der Russe Luboff und sagte in seiuem hartklingenden Deutsch: „Die Welt versteht mich nicht, noch nicht. Vielleicht wird sie mich verstehen in zweihundert, dreihundert Jahren oder erst in fünfhundert. Was macht das aus. Ich glaube an das Gute im Menschen. Der Krieg wird einmal ein überwundener Standpunkt sein." „Theorie, meine Herren. Ilieorie,“ sagte plötzlich die Baronin Ellwangen mit merklicher Erregung in der Stimme: „Was würden »Sie in einem solchen Falle tun?“ rief sic und wies mit der Hand auf eine Gruppe am Ufer. Zwei Musketiere standen vor einem jüdischen Manne, der eine mit entblößtem Schwerte, im Begriffe, dem Juden den Todesstreich zu versetzen. Es war Isak Schulhof. , Frau von Ellwangen rief mit befehlender Stimme die Soldaten an, die eilig herbeigelaufen kamen, in der Meinung, es handele sich um den Verkauf ihrer Beutestücke. „Haltet euren Rauh." sagte sie unwillig, „ich will den Gefangenen einlösen. YY ievicl verlangt ihr?‘ Nach kurzem Hin und Her einigte man sich. Der Kaufpreis betrug dreißig Goldgulden und eine große Flasche Neckarwein. „Fürwahr, dies muß ein Mann Gottes sein,“ sagte einer der Soldaten, von Isak »Schulhofs wunderbarem Schicksal hingerissen. „Ihr, meine Herren, theoretisiert,“ sagte Frau von Ellwangen mit feinem Spott, „ich tat etwas Nützlicheres.“ Isak Schulhof war gerettet. Sichtbar hatte der Herr der Heerscharen seine Hand über ihn gehalten. Seine Retterin aber ruhte nicht eher, bis er der Freiheit dauernd wiedergegeben war. Zur Erinnrung an die schwersten Tage seines Lebens setzte Isak Schulhof den 15. Elul als Fasttag und den 14. — den Tag seiner wundersamen Errettung — als Freudentag der Familie Schulhof ein. In Nikolsburg, wohin sich Isak Schulhof zunächst begab, ward ihm bald die traurige Gewißheit, daß sein Weib und Kind den Tod gefunden hatten. Die blühende jüdische Gemeinde Ofen bestand nicht mehr. Eine rachgierige Soldateska halte bald uacli der Erstürmung der Stadt das Ghetto in Brand gesteckt und dem Boden gleichgemacht. Nicht einmal ein Grabstein kündete die stolze Vergangenheit. »Schulhof kehrte dann in seine Vaterstadt Prag zurück. wo er ein stilles, nur dem Studium der Lehre geweihtes Leben führte. Der große Brand des Prager Judenvicrtels im Jahre 1689 entriß ihm das mühsam Wiedererrungene. Mit genauer Not dem Löwen entronnen, war es nun der Bär, der ihn anfiel, sagt er von sich selbst mit den Worten der Schrift. Später wurde er zum Beisitzer des Rabbinats von Prag ernannt. Aber auch das Glück sollte noch einmal zu dem einsamen vielgeprüften Manne kommen. Ihm und seiner zweiten Gemahlin erblühten liebliche Kinder. Hochgeehrt und geachtet verlebte Isak Schulhof seinen Lebensabend in Prag. Er erreichte ein hohes Alter. Ira Jahre 1755 starb er, tiefbetrauert von seinen Angehörigen und ganz Israel. Auf seinem Grabstein ist zu lesen. ..daß da ein Vollwichtiger, der vom Vater her das Voll gewicht ererbte, ein durch Alter. Gelehrsamkeit und Frömmigkeit eieich ausgezeichneter Mann zur Ruhe gekommen sei. ‘ Geschäftliches. Wir machen unsere Leser auf das behagliche. vornehm eingerichtete Caie „Trianon" am Bayerischen Platz, aufmerksam. melki>eö seit kurzer Zeit unter neuer jüdischer Direktion steht. Erstklassige Backwaren und flute Musik sichern einett angenehmen Ausenthalt. Tämtliche jüdische Zeitungen liegen zur Benutzung aus. Cafe Trianvn bildet schon seit längerer Zeit den Mittelpunkt der guten jüdischen Gesellschaft des Bayerischen Biertels. 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