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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-18 · 7 (18.2.1927) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
7 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Zchlutz forderte der Referent die Anwesenden aus. durch Beteiligung an den sog. gemischten Verwaltungskommisstonen die Zusammenarbeit d-er Gemeindevertreter mit ihren Wählern .1» erleichtern. .. . In der anschließenden, sehr regen Diskussion ergänzten und unterstrichen von liberaler Seite die Herren Dr. B aerwald und Dr. Merzbach die Ausführungen des Referenten itber die vnn der Gemeinde geleisteten Arbeiten auf kulturellem Gebiet und in der Schulpolitik.' insbesondere wies auch Herr Dr. Bacrwald gegenüber einem Diskussionsredner der Pvale Zion darauf bin. daß auch für die Erwerhslasenfürsorge seitens der Gemeinde alles Erdenkliche geschehen sei. Neben einem Vertreter der Arbeitslosen und einem weiteren Redner der Poale Zion, der jedoch sich er* neblich weniger mit frankfurter Verhältnissen beschäftigte, als daß er über Berliner Angelegenheiten Beschwerde führte, 'vrach dann noch non liberaler Leite Herr Dr. Eduard Strauß der den Wunsch auSsvrach. daß die ganze Arbeit in der Gemeinde von einem möglichst überparteilichen, allgemein jüdischen Bewußtsein geleitet werden möge und hoffte, den eigentlichen Parteikanwf auf ein Minimum zuriickinslibreu und im Wege gegenseitiger Aussprache z. B. in periodisch einzubernsenden Gemeindeversammlungen zu einer Verständigung über die wesentlichen fragen zu gelangen Von konservativer Seite sprach Herr Ravhtalr fromm, der bezüglich einer großen Reihe von Punkten, insbesondere auch bezüglich der Stellung gegenüber der indischen Volksvartei sich mit dem Referenten einverstanden erklärte und den abweichenden Standpunkt der Konservativen in der Schulfrage in zwar deutlicher aber durchaus sachlicher Weise darlegte. Obwohl durch einige, nicht immer parlamentarische Zwischenrufe einiger Gegner von zionistischer Seite einige leichte StörnngSvermche gemacht untröcii, verlief die Versammlung durchaus harmonisch und kann als ein voller EVolg des freisinnigen Vereins gebucht werden Lic^niß. Am Sonntaa. den 23. Januar 27, veranstaltete der ..Ili Lieanitz" sein diesjähriges Wintervergnügen im großen Saal des Gesellscbastsham'es iMitscher und Easparyl, in form eines Kostümfestes Die Parole hieß: „Kinderb all". — lü0 Personen nahmen, daran teil — man sah ganz allerliebste Kostüme — kurze Höschen, kurze Röckchen, Backfische mit großen. Schleifen in: Haar, einen riesigen Teddybär, Hanswurst oder dergl. im Arm — schneidige Matrosen mit wehenden Bändern an der Mnne - etz war ein buntes lustiges Bild! — Zur Erttfsnung des Abends brachte die Iugendgruppe unter Leitung non frl Lilli Liebrccbt die Handnsche Kindeisnmphvnie zu und erntete wohlverdienten großen Beifall. Be° gemeinsamem Spiel und Tanz verging die Zeit nur allzu rasch und wohl alle .Kindlein sind auf ihre Kosten geinnnucn und verdanken den: Ili-Liegnitz, ein paar schöne, iorejchs fröhliche Stunden Liberascr Verein der Synag.-Gemeinde,;n Licguitz. Am 1l. .febrvar 27, fand wieder eine unserer beliebten f reitagabe n dfe i e rn statt, zu denen wir nun schon einen festen Stamm haben. Wir waren an diesem Abend ß» Personen und es war wieder sehr schön. Unser erster Vorsitzender. Herr Dr. Scheuer, hielt diesmal den Kiddusch ab und las i'.nk'i dann nach beendeter Teetafel eine recht stimmungsvolle kleine Erzählung von Srhvlcm Asch „Menschen und Götter" vor. die gut in die Sabbatstimmung hineinpaßte. Hernach erfreute uns frl. Lilli Liebrecht mit einigen frohen Liedern zur Laute, die allgemeinen Beifall fanden. Znm Schluß des w harmonisch verlaufenen Abends teilte der erste Vorsitzende n. a. mit, daß der nächste Vereinsabeud Montag, den 7. März. star,.tindei. tlleüne'' Herr George Göß-Berlin, Genk.ral'etrerär der Vereinig, s. d. lib. Judentum, Thema: o ur S tun des Bete u s". Munster. 2lm 12. februar veranstaltete nach längerer Vauje die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum gemeinsam mit dem „Ili" wieder einen Vortragsabend, zu welchem sich die Generalsekretär der Vereinigung, Herr George Götz aus Berlin zur Verfügung gestellt hatte. Die Versammlung lvurde durch den Schriftführer, Herrn Hirschseld eröffnet und mit einem warm cmuruii&eiteit Nachruf für Den inzwischen aus unserer Mitte geschiedenen Gründer unserer Ortsgruppe, Herrn Jos. Rieb. Beudir, eingeleitet, welcher als unser langjähigcr 1. Vorsitzender sich nicht bloß um die fnt -renen unseres Vereins, sondern auch in allen seinen mir selbstlosem Eifer verwalteten Ehrenämtern um die ganze Gemeinde und weit darüber hinaus verdient gemacht bat Das An deuten an diesen leider viel zu früh von uns gegangenen treuen freund und Vorsteher unseres Vereins, welcher die Ideale des liberalen Iudentirms stets hochgeba/ten und mit regem Eifer verfochten hat, rvird bei uUS immer lebendig und unvergessen bleiben. Die Versammlung ehrte das Gedächtnis aic den Verblichenen in üblicher Weise. — Das Wort na hin nunmehr Herr Gvetz zu feinem Vorträge, zu ivelcbem er das Thema ..Unser nnbelavutes Gebetblich" gewählt hatte. Die Grundzüge dieses Vortrages find bereits aus den Berichten anderer Vereins^eraustaltttngen als bekannt voransznfetzen. und erübrigt es sich daher wobt, an dieser Stelle näher ans den Inhalt einzngehen und sei hier nur gesagt, daß der Redner es auch hier verstanden hat. durch seine tiefgründigen und -nit marinster Begeisterung iür das fndentnm vorgetragenen '.'.lnssühruttgen die Hörer derart tu den Bann zu ziehen, daß öe seinen Worten von Llnsang bis znm Ende mit anaemc". ultest er Aufmerksamkeir folgten und ihm reichen Beimtt 'vbtiUl. Tie Darlegungen des Vortragenden wurden dulü, d>e nachfolgenden gedantenreichen Ausfnhr,l„ge,l des Her, n Rabbiner Dr. Lteinthal und des Herrn Obertantor Hofaptei noch vertieft und weiter ansgesponnen, und Herr Gveu aob in einem interessanten Schlußwort noch manche ',e Anregung. 'Von dem Leiter der Versammlung wird dev, Redner des Abends nochmals dev Dank für seinen v^cu Vortrag ansaeivrochen mit dem 'Wunsche, ihn V>ü, weher bei uns zu sehen, weil der in Inhalt und S.i ' e gleichbedeutende Vortrag allen Auwesendeil ein ngch'mltnies Erlebnis bedeutete. Wen suelss VeK. V on M a .\ Spanier. (Schluß.) .Ulf der Hotelterrasse mit dem Blich auf das Meer. Eine junge Engländerin saß. ilun gegenüber, hübsch, sloiz, selbstbewußt, wie es der Tochter dos großen Inselvolkes zukommt. Dann kamen einige englische Offiziere, setzten sich zu ihr, lachten und scherzten. Sie fühlten sich als die Herren des Lande- Vom Hafen her grüßte die französische Trikolore. Durch die Straßen trieben Araber ihre beladenen Kamele Deutsche und italienische Laute erklangen, viele der Reisenden sprachen griechisch. Sproß hier die Stadt de- Briedens? Udivc sie möglich, solange das Mißtrauen und der Wahn /v ischen den Nationen. Religionen und Ras-en währt ..? Die Maurer und Handlanger am Babcitunne waren noch unerlöst. von ihrer Verwirrung nicht entbunden. Oder keVwte in diesen Menschen schon der Wille, die Welt um ^gestalten? Waren diese Menschen hier neuen Geistes, wahrer Liebe?-. Der Grundstein einer Synagoge ward gelegt. Ein feierlicher Akt. „Wir bauen einen neuen Temj>el unserem Herrn. Etwas wie Glanz, wie Himmelsweite leuchtete auf der Stirn des Mannes. Siegesgewißheit triumphierten seine Augen. Zwischen diesen Pflöcken wollt ihr ihn bannen, den Unaussprechlichen, Ewig-Großen? Wie ein Hirte zwischen vier Pfählen seine Herde überwacht? Wie weit seid ihr noch von ihm, daß ihr ihm Altäre errichtet? Zweitausend jahre trugen wir ihn durch alle Länder, schwebte uns sein Bild voran; in den tiefsten Stunden unseres Leides waren wir seinem Odem ganz nah. Immer lagen wir in seinem Zelte und seine Wächter hüteten unser Leben; sein Zelt, das von Morgen gen Abend, zwischen beiden Polen der Erde sich spannt. Sein Sein spürten wir in unserer Seele und waren stolz ob unserer Gefühle. Reißt ihn nicht aus unserer Brust, gebt ihm kein neues Gewand, er lebt in unserem Herzen lebendiger als hinter den seidenen Vorhängen des Thoraschrankes. „Dieser neue Tempel erscheint mir uralt. Wollt ihr das alte Gesetz übernehmen, wie wir es aus seiner Hand empfingen, oder wollt ihr ein neues, aus unserem Geist, unserem Körper angepaßt erzeugen? Seid ihr nur hcrbeigecilt, um euer kleinliches leb zu bergen, der Peitsche des Gewalthabers zu entrinnen?” „Vergiß, was jenseits des Bosporus geschieht. Dies hier ist der rechte Boden, um das Vergangene zu überwinden, Neuem entgcgenzuleben." „Wie könnte ich vergessen, wie könnte, ich so vergeßlich sein?" „Die Völker der Erde schauen nach Jerusalem und erwarten Taten." „Muß ich die Tür nicht öffnen, wenn ein Bettler anklopft und eine Gabe erfleht?” „Weil wir ärmer als Bettler waren, werden wir sie keinem verweigern." Und wenn sie kommen, die vielen Völker, die sich mächtig fühlen in ihrer Rüstung, wenn sie alle kommen und eine Gabe erflehen? Gerechtigkeit, Wahrheit. Wirst du die Tür verschließen und durch ein Schild anzeigen: Niemand zu Hause, Verreist. Wenn, sie deine Hilfe anrufen. im Kampf um die höchsten Werte, wirst du deine Ohren verschließen und taub sein? Muß dich ein Esel wecken bis du den Engel Gottes mit dem gezückten Schwert siehst?* ..Du sichst Einbildungen deiner Phantasie. Keiner wird uns rufen.” „Aber wie kannst du in Frieden leben, wenn zwei sich vor deiner Tür schlagen und du die gefährlichen Burschen kennst? Bangst du nicht um deine Freiheit und um deinen Besitz? Nichts ist erreicht, wenn uns waffenreiche, kriegslustige Heere umlagern. Wir leben in jeder Stunde in Gefahr und wissen nie um das Morgen. Meinst du nicht, Bruder?" Der schüttelte den Kopf und ging. Mit Gedanken aufgewühlt, sorgebeladen, .siegesheiter, oder mutlos , . . wer kann es wissen? Der Freitagabend zog herauf. Die Sabbathrubc weitete sich. Feierlich schmückte sich die Nacht. Lin Kranz Lichter musternte den Mond. Kein Lüftchen bewegte die Wipfel der Zedern. Weiße Wölkchen ruderten geschmeidig an der Mondscheibe vorüber Satte Ruhe, andachtsvolle Stille schlief auf den Feldern. Gärten und Dächern. ' Kein Tier bellte, als habe auch es die Feicrtagsstimmung ergriffen, es war nur der Friede eines Tages, nur für Stunden wurden die Sorgen zurückgedämmt. Morgen schon konnte die kriegsschwangere Wolke auf dem Balkan explodieren, konnten die Völker Furopas, die Führer der Menschheit, blutdurstig und abenteuerlustig ihre Millionenheere widereinandermarschieren. Die Friedensstadt war zu früh gebaut, zu viel war noch zuvor zu vollbringen. Mit Sabbathausgang brach er von neuem auf. Ein Schwann Vögel kreiste dem Gebirge zu. Dem Führer folgte er. In tiefer Einsamkeit wollte er Klarheit über sich gewinnen und sich entscheiden. Die Menschen konnten sie ihm nicht geben, nur seine innere Stimme. Er steckte sich in eine schmale Furche, unter Lukalyptusbäumen und schaute erwartungsvoll zum Himmel. Stern leuchtete über Stern. Wie eine Silberplatie glitzerte der Mond. Linen) träumerischen Bett glich die Erde und doch brodelten tief in ihrem Innern Kräfte, die jede Sekunde losbrechen und das Land mit heißer Flut überschütten konnten. So erschien ihn? auch die von den Menschen erschaffene Weltordnung. Sanft und ruhig lächelt das Antlitz der Jungfrau, während in ihrem Leibe ein Meduseuhcrz schlägt, von dem keiner erraten kann, was es sinnt und brütet. Sollte er morgen beginnen, den Acker zu bebauen? Auf der Universität juristische Vorlesungen halten? Irgendeine Abteilung dev Verwaltung leiten? Eher Sau Franzisko. New York nach Moskau zurückkehren? War seine Pflicht auf dieser Erde auszuliarrcn oder die Brücke zwischen den Völkern zu schlagen, die Flamme der Binderin it zu hüten? Frage auf Frage stieß er in die Nacht. Keiner antwortete. Kaum regte sich ein Zweig, fiel ein Blatt. Warum stillte LR nicht den Durst seines Geistes? Waren die anderen alle satt und zufrieden. glücklich im Bett ihres Weibes, unter sicherem Dach, lebte nur in ihm noch der Dämon des Geschlechts? Hatten sie die Gewißheit, daß der, der sie aus diesem Lande vertrieben, wieder schirmend über ihnen thronte? Bilder der Erinnerung zogen an ihm vorüber. Grauenhafte Bilder. Schlachtfelder. Judenverfolgung in dunklen Ghettostraßen, heimatlose Karawanen. Wie wenig die Zahl der Helfer in der Not. Er stand allein auf einem spitzen Felsen im Ozean, schrie und schrie ... nur die Wogen brüllten. Blutiger färbte sich das Meer, mächtiger flammte die Anklage. Wohin führst du mich. Gott? Eber den Wipfeln wölbte sich fern die Kuppe eines Berges. Wie Glorie glänzte das Mondlicht auf dem Gipfel. War dort Gott herniedergestiegen und hatte -einem großen Diener die steinernen Tafeln überreicht? War es am Fuße jene« Berges gewesen, wo der große Diener beim Anblick seines tanzenden Volkes sie zerschmettert? War dort Jesus gekreuzigt worden? War vou dort der Fluch und die Gnade ausgegangen? Golgatha war eine Station, und der Drangsal in Europa ein Splitter des rachsüchtigen Verfolgers. Die Stimme, die seit zweitausend Jahren in seinem Blute klagte, gärte und kündete, schrie auf. Ich, die wachsende Gerechtigkeit, die lohende Warnung, die Brücke and das Heil« darf ich aus der Welt schwinden, solange das Werk noch unvollendet ist? Noch fühle ich mich jung wie der Löwenbezwinger David und will Saul ein besänftigendes Lied anstimmen. Ist dies dein Wille, Herr? Der Herr antwortete nicht. Auch kein Wunderzeichen ließ er am Firmament geschehen. Nur der Westwind raunte um das dürre Gestrüpp. Düstere Wolken überzogen den Mond und gaben der Nacht gespenstige Gestalt Stärker schwoll der Wind an, dröhnte knisternd durch die Zweige. Er kam von weit her, er holte die vergessene Menschheitsgeschichte aus der Unendlichkeit zurück; öffnete das Buch der Geschehnisse: Wae war, wie es ist und was werden müsse. Und zwischen dem Gestöhn des Windes glaubte er die Stimme Gottes zu hören. Er lag in seiner Furche hingestreckt und rührte sich nicht; das Gesicht mit den Händen verdeckt, sah er doch lichte und dunkle Gestalten, die an ihm vorüberzogen, hörte er die Posaunen des Gerichtstages und die Engelstimmen aus himmlischer Sphäre. All der Zweifel, die Herzensqual, da« erlittene Unrecht, die Schmach ertranken. Die schwerste Last ward leicht, der bitterste Fluch klang süß. Er fühlte sich stolz, all das Ungeheuere für das Werden des Menschen getragen zu haben, damit das Lieht der Liebe und der Glaube an die Güte nicht erlösche. Ein morgenrötlicher Schein spannte sich um die Palmen. Auf halbem Weg durfte er die Waffen nicht fortschleudern, den alten Zweifel in sein Herz nicht zurückkehren lassen, nicht hadern, wie die Väter in der Wüste, sie mußten Vertrauen, an den Sieg und an die verheißene Erde glauben. Nun war er heimgekehrt. Nicht die Stimme Gottes, keines Messias’ Ruf hatte sie gerufen, überdrüssig der Frondienste im fremden Lande, sehnten sie sich nach eigener Scholle. Im fremden Land ... eigene Seholle ...? Hatte er sich je von der Erde verlassen gefühlt? Spaniens Gärten, die Schweizer Berge, Rußlands Felder, Amerikas Städte und Asiens Ebenen, waren das nicht Teile eines gewaltigen Ackers, Säulen eines gewaltigen Baues? Immer hatte er gewußt, daß. sein Fuß über Gottes Erde schreitet, und die Flächen, die Höhen, die Inseln und die Meere zwischen den Polen ein Reich sind. Diese Brüder von heute siedelten sich um einen Hügel, klammerten sich an einen Heck, weil ihnen das Herz fehlte, das unendliche All mit ihrer Liebe zu erfüllen. Wenn sich ihnen der weite Sinn der einzigen Schöpfung nicht enthüllt, so mögen sie ausharren, bis der Prophet ersteht, der diese Mauern zerbricht und sie mit neuem Aufträge in die Welt sendet. Ich, der die Zukunft exahne, ich muß schreiten . .. über die Heimat ins All, über die Menschen zu Gott, daß wir den Auftrag erfüllen, den er in unseren Schoß gelegt. Brücke zu sein zu neuer Gestaltung, bis die Sphären des Alls in wiederversöhnter Harmonie erklingen. Der Sturm hatte sich gelegt. Wieder mit ruhigem Atem schlief die Erde, weich von der Nacht gebettetvon einem Stärkeren behütet. Schon erschallte der Ruf eines Vogels, erwachten die Gräser, begann der Werktag der Tiere. Der Marsch des lebendigen Fleivsches. A v Als er aus dem Walde trat, leuchtete die Morgenröte über der ewigen Stadt. Die Zinnen, Türme und Kuppeln jauchzten wie hehre Fanfaren gegen Osten. Ein anmutiges Mädchen zog den Schleier von seinen Brüst$n> mit dem es sich die Nacht über bedeckt, damit jeder Wanderer eich an seiner Schönheit ergötze. Stadt des Friedens, sei gegrüßt! Du bist die Scholle des kommenden Ackers! Du bist der Baustein des kommenden Tempels. In deinen Mauern gehen die Natipnen friedlich aneinander vorüber und rufen sich freundlich zu: Schalöm! Salam! Friede sei mit Dir! Die heilige Erde, auf der sie ihr Haus bauten, stimmte ihre Seelen mild und ihre Gehirne friedfertig. Ihr Menschen seid die Kinder des kommenden Geschlechts. Am Tor der Stadt stand Iphis und schaute in Sehnsucht nach ihm aus. Sie hatte Boten nach allen Richtungen ausgesandt um ihn zu suchen, hatte sich nächtelang um sein Schicksal gequält. Als sie sein frohes Gesicht sah — den Glanz seiner Augen, das Heroische ' seiner Stirne, zerrannen ihre Sorgen, wußte sie, daß er genesen hei inkehrte. Sie bereitete ihm ein Mahl, schmückte den Tisch mit Blumen und ließ die junge Sonne das Silber bestrahlen. Weit öffnete sie das Fenster, damit sich sein Auge am Aublick des goldenen Gartens und des azurnen Himmels labe. Immer noch wartete sie auf seine Entscheidung, daß er jubelnd ansbreche: Wie bin ich glücklich hier — bei euch — im Land meiner Väter zu sein. Dann konnte sie ihre Unruhe nicht länger bezähmen. „Du wirst hier bleiben? Für ewig?“ ..Ich werde gehen." „Zurück? Da« verstehe ich nicht!“ „Ich m u ß gehen." „Das ist eine Laune vou dir, überlege es dir noch einmal." „Ja, ich will es mir noch einmal überlegen.** In der Nacht schlich er lautlos davon, heimlich, oha* sich von Ipliis, ohne sich von seinen Freunden zu verabschieden, Keiner wußte, in welche Himmelsrichtung er gegangen, ob nach dem erwachenden Osten oder nach Europa. Oft stand Iphis am Meer und harrte seiner Heimkehr. Der Ersehnte kam nicht. O, sie wußte, eines Tages würde er dennoch heimkenren. Daran glaubte sie fest. Ja, eines Tages kehrt er heim von seiner tausendjährigen Wallfahrt, Judas nicht mehr, denn das Werk ist vollbracht und sein Name im Ewigen untergegangen. -dann läuten die Glocken Frieden. ... bis dahin, Judas, fliehe zwischen den Polen, durchstöbere Meere und durchwandere Länder. Zerbrich die falschen Throne, entlarve die falschen Propheten und zerreiße die Lügen der Verräter. Du, Bote Gottes, sei die Flamme der Wahrheit, die allen Menschen Licht und Klarheit spendet, sei der Schild, an dem sich die Hilfesuchenden aufrichten, sei das Lied der Liebe, daß aus der Unendlichkeit in die Ewigkeit strömt und zu dem alle Völker in ihrem Kampfe aufhorchen, damit sie aus seinen Jubeltönen den Glauben an den Menschen hören. Judas, wandere, verkünde, singe. Sei der du bist, ausgesandt ...

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