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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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imfipvsf''-" , V*'■!•**"«^"- -. 11 j ■ •""" 11 *'■).' , . U>»^IWWMW>WW f chönheit und Seelenötefe des Judentums erkennen Lassen» edankenfreiheit mit Gläubigkeit verschwtstern» jüdisches Wissen verbreiten. Er hat tatsächlich die Kenntnis, der jüdisihen Geschichte und des jüdischen Schrifttums mächtig gefördert. Das eigenartig Jüdische zu verflüchtigen, dem widersetzten sich nicht wenige der namhaftesten Führer. Daß mit dem Auftreten des Liberalismus der Abfall vom Judentum erst begonnen hätte, trifft nicht zu. Dieser ging vielmehr jenem voraus und kam durch ihn einigermaßen zum Stillstand. Männer wie Moritz Lazarus, Chajim Steinthal, Hermann Cohen. Führer im deutschen Geistesleben, die vom Judentum begeistert waren, viel zu seiner Verinnerlichung beigetragen und ihm zu großer Achtung in der gebildeten Welt verholfen haben, sind eine Zierde der jüdischlsiberalen Bewegung. Leider entging der Liberalismus nicht einer schweren Gefahr, die schon bei seiner Geburt bestand. Gr ließ sich von Persönlichkeiten, die eö verstanden hatten, sich in der Oefsentlichkeit einen Namen zu machen, und denen die Wahrung der schwer errungenen staatsbürgerlichen Stellung höher galt als die der jüdischen durch die Jahrtausende geretteten Werte, dazu verleiten, das Judentum politischen Zwecken unterznordnen und ihnen dessen religiösen Gehalt anzupasien. Kein geringerer als der edle Weise Zacharias Fränkel warnte auf der Rabbiner-Versammlung in Frankfurt a. M. (1845) nachdrücklichst, „die politische Angelegenheit der bürgerlichen Befreiung mit der Gewissensangelegenheit der religiösen Reform zu vermengen." „Für die bürgerliche Befreiung", sagte er, „werden wir keines der Elemente unserer Religion zum Opfer bringen." Doch wie gesagt, der jüdisch-religiöse Liberalismus unterlag allmählich dieser Versuchung. und war halb unbewußt bestrebt, den Nicht-Juden (und den dem eigenen Judentum Entfremdeten! zu zeigen, daß die deutschen Juden sich fast in nichts von ihnen unterschieden. selbst die Synagoge der Kirche nicht unähnlich wäre. Die Kirche, der in Preußen anzugehören und sie zu besuchen zum guten Ton gehörte,.war die protestantische Staatskirche, die nicht zum wenigsten, weil sie über große Machtmittel verfügte, Eindruck machte. Wäre die katholische Kirche die Staatskirche in Preußen gewesen, würde die jüdische Reform einen ganz anderen Verlauf genommen haben. Choräle sollten das indische Gotteshaus durchbrausen. Die Gemeinde fühlte sich acschmeichelt, wenn ihr Rabbiner wie ein protestantischer Geistlicher aussah. In einen solchen verwandelte et sich beinahe durch Tracht und Redeweise. Aus dem Chason wurde ein Kvnzcrtsänger. Die jüdische Predigt sank infolgedessen nach glänzenden Anfängen und hat wenige schöpferische Leistungen hecvorgebracht. Aehnlich erging es dem Chasonuth. Dem Gefühl der Zusammengehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft wurde im jüdischen Kultus wenig Rechnung getragen. Nur außerhalb des Gotteshauses brach es sich bei besonderen Gelegenheiten leidenschaftlich Bahn. So geriet der jüdisch-religiöse Liberalismus auf einen Irrweg. Er ist nun entschlossen, ihn zu verlassen. Er will nicht nur die unsterblichen Lehren Israels über Gott und Menschheit wie ein heiliges Feuer behüten, sondern auch die eigenartige rein jüdische Prägung, die ihnen der indische Genius gegeben, übt ans ihn eine Anziehungskraft aus. Er glaubt nicht, daß derjenige ein besonders liberaler Jude ist, der einen Wutanfall bekommt, wenn von Tefillin die Rede ist, und der das Hebräische aus dem jüdischen Religionsunterricht verbannen will. Was dem Jüdischen eigen ist, es sinnfällig kennzeichnet und unterscheidet, aber zugleich Ewiges und allgemein Menschliches kündet, will er getreu ausgestalten und betätigen. Daß diese Wandlung im jüdisch-religiösen Liberalismus bereits eiugetreten ist, kann nicht bezweifelt werden. Das beweisen die warmherzigen Ausführungen des Herrn ^'Heinrich Stern der nicht leugnet, daß „eine über die Landesgrenzen yinausgehende Gemeinschaft ganz Israel verbindet", ' wie auch die neuesten Bestrebungen in der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, über die sich in derselben Nummer der ^Jüdisch-liberalen Zeitung" ein sehr bemerkenswerter Bericht befindet. Gebt doch auch sic ernstlich daran, „das jüdische Gemeinschaftserlebnis zu vermitteln, das die jetzigen Führer dieser Gemeinde in stärkerem Maße geben wollen". So ist der jüdische Liberalismus in Deutschland auf dem Wege der Gesundung und damit auch die deutsche Judenheit. Der jüdisch-religipse Liberalismus ist dazu berufen, die Herzen der deutschen Judenheit zu wecken und neues Leben in die „perdorrten Gebeine" zu bringen. Schreitet er weiter entschlossen ans dieser Bahn, so muß ihm die Führung in der deutschen Judenheit Zufällen, und dieser selbst der innere Friede werden, in dem sich ihre sittlichen und religiösen Kräfte entwickeln können. Mitglieder, zahlt Eure Leitröge! Abisag von Sunem. Eine Geschichte aus König Davids letzten Lehenstagen. (Forts.) Maria Ren6e Daumas. Im Südosten Jerusalems, nicht weit von der Quelle Rogel, lagerten wenige Tage später gegen Abend drei Der eine von ihnen, groß und breitschulterig, nicht mehr jung an Jahren, ließ in Gcbahren und Haltung unschwer den Soldaten erkennen, der andere nur wenig jüngere mochte dem Priesterstande angehören, der dritte, kaum dem Jünglingsalter entwachsene war von strahlender Schöne. Das blonde Haupthaar ringelte in gefälligen Locken bis zur Schulter, die Augen waren groß und von einem träumerischen Glanze durchleuchtet, die Nase schmal und fein, der Mund und das Kinn weich wie bei einer Er war Adonija, der vierte Sohn König Davids und der Haggith, beinahe ebenso schön, wie sein früh durch Empörung und Verbrechen zu Tode gekommener Halbbruder Absalom, seine beiden Gefährten aber waren der bewährte Feldherr Joab und Abiathar, der Hohepriester. , Der nahm jetzt das Wort, indem er beinahe finster auf Adonija blickte. ,. „Nie wirst du des Königs Krone erwerben, die dir rechtmäßig zusteht, wenn du die Hände müßig im Schoße ruhen läßt und zuschaust, wie dein Bruder aus ehebrecherischem Bette die Gunst des V aters und die Liebe des Volkes an sich reißt.“ Auch Joab nickte ernst. „Man sagt, der König sei so schwach, daß er mit jedem Tage hinüberschlummern könnte, ist er tot, dann mag es zu spät für dich sein, den Thron zu besteigen, längst ist dann Salomo König von Israel. Adonija lächelte, „warum sagt ihr das und warum wollt ihr mir Furcht einjagen? Der König war von je ein gütiger Vater zu mir und hat mir stets den Glauben gelassen, ich werde sein Nachfolger sein; soll ich den alten Mann in seinen letzten Lebenstagen mit meinen Wünschen und Bitten beschweren? „Du bist leichtgläubig und flatterhaft, Adonija, Vergnügungen und Weiber sind dir mehr als dein Königreich, das dir vielleicht in diesen Tagen verloren geht! ,, „Was also soll ich tun? Was ratet ihr beiden mir?“ fragte der Sohn des Königs und zog ein goldenes Band spielend durch die Finger. „Raffe dich auf, bringe Opfer, lade alles Volk dazu, und laß dich von denen, die dir anhangen und treu zu dir stehen, zum Könige von Israel ausrufen. Adonija wiegte das Haupt, „was würde König David, mein Vater, dazu sagen, wenn er davon erführe, daß ich noch zu seinen Lebzeiten seinen Plätz einnehmen will?“ Abiathar zuckte die Achseln, „der Gesalbte würde kaum etwas davon erfahren, er ruht in seinem Gemache, und seine Knechte haben ihm die schönste Jungfrau aus Israel beigegeben, sagt man, daß sie sein pflege und warte, es wird ihn also wenig kümmern, was du tust.“ . ■ , Adonija horchte auf, der träumerische Glanz in seinen Augen vertiefte sich. „Die schönste Jungfrau aus Israel, sagst du, Abiathar. wer ist sie?" fragte, er. Der Priester sah gleichgültig dreiiij „ich weiß es nicht, irgendein Weib, wie alle Weiber sind, nur eben schön,“ und Joab meinte spöttisch: „Fast will es scheinen, Adonija, ihre Anwesenheit im Palaste des Gesalbten dünkt dir wichtiger, als der Verlust des Reiches, der dir droht!“ Die Miene des Königssohnes wurde verdrießlich und zerstreut. „Warum drängt ihr mich, laßt mir Zeit zur Überlegung!“ „Es ist keine Zeit zu überlegen,“ sagte Joab finster, Abiathar aber fügte hinzu: „König David soll Bathseba. seinem Weibe, geschworen haben, daß Salomo das Reich erwerben werde.“ Adoniia snrang fetzt leichtfüßig auf, dann sagte er: „Genug, ihr streuen, laßt mir ein paar Tage Zeit, am vierten Abend von heute, wollen wir nns wieder an dieser Stelle treffen, ich will euch dann sagen, was ich tun werde, ob ich euren Rat befolgen oder, den Tod meines Vaters, des Königs, abwarten werde. Und er wandte sich mit kurzem Gruße und ging langsam davon. Aber seine Gedanken beschäftigten sich kaum noch mit dem Plane des Feldherrn und des Hohenpriesters, sie strichen vielmehr um das schönste Mädchen von Israel, das die Gefährtin seines siebzigjährigen siechen Vaters geworden war. A Er ging noch an demselben Abende in den Palast und begehrte bei dem Könige vorgelassen zu werden. Aber man sagte ihm, David sei. schwach und schliefe, niemand dürfe zu ihm, da hielt er. sich in der Nähe, vielleicht, daß er das Mädchen erspähe. Und Abisag von Sunem ging an jedem Abend, wenn der König schlief, in ihren prächtigen Gewändern, die schwarzen Zöpfe mit Perlen durchflochten und mit dem reichen Schmuck angetan, der sie einer Fürstentochter gleichen ließ, hinauf auf das Dach des Palastes, wo der Mann sie erwartete, der sie liebte, der fürstliche Sänger und der klügste Jüngling in Israel, der also von ihrer Schönheit geblendet war, daß er Tag und Nacht von ihr träumte und die Stunde des Abends kaum erwarten konnte, die ihm das Wieder-, sehen mit ihr brachte. Wenn sie dann kam, strahlend in ihrer dunklen Lieblichkeit, mit ihrem weichen wiegenden Gang, dann strömte seine Leier über von seinen Empfindungen und seinem Glück, und viele liebliche Worte und Weisen fand er zum Preise ihrer Schönheit. Dann drückte er sein Antlitz an ihre Brust und seine Lippen auf ihr Haar und ihre Hände. Nie aber wagte er es, sie anders als ehrfürchtig zu berühren, denn noch war sie des Königs, und er wußte nicht, ob der Vater sie nicht doch noch eines Tages für sich be* gehren würde. Und Abisag von Sunem, wenn sie dann zurückschritt, träumte von künftigem Glanze und künftiger Würde, die nun bald, ach bald kommen mußten, denn König David wurde immer schwächer und kälter. Eines Abends, als sic auf ihrem Wege, den sie nun allein zurücklegte, durch die Säulen schritt, stand plötzlich des Königs vierter Sohn Adonija vor ihr. Sie stieß einen ganz kleinen unterdrückten Schrei aus, sie hatte den Schönen erkannt, der ihr vor Mon-s den begegnet war. Adonija lächelte sein gewinnendstes Lächeln. Er nahm sie bei der Hand, die ihm nicht wehrte und fragte: „Wer bist du?” „Abisag von Sunem,“ antwortete sie und starrte wie verzaubert in sein Gesicht. „Bist du König Davids Pflegerin?“ „Ich bin es!“ Langsam, ihre Hand in der seinen, war er mit ihr weiter geschritten, hob jetzt den Vorhang zu einem Gemache, das seitwärts lag und führte sie da hinein« „Du schienst mich zu kennen, woher?“ fragte er und prüfte ihre Schönheit mit begehrlichen Blicken. „Ich kenne dich nicht* ich sah dich einst!" ,H, „Ah —und du hast mich sogleich wiedererkannt? Ich danke dir dafür, Abisag von Sunem,“ und er -zog sie etwas näher zu sich heran. Sie öffnete die roten Lippen, die ihm entgegenleuchteten, da küßte er sie und sie schloß die Angen nnd ließ es geschehen. „Ich bin Adonija, König Davids Sohn,“ sagte er dann, „ich will dich in mein Frauenhaus führen." „Ich bin des Königs!“ sagte sic leise und traurig. Da lachte Adonija, „was will der alte Mann mit deiner Schönheit beginnen? Mir gehörst du, denn midi liebst du, und er sah ihr tief in die schimmernden Augen. . «Ieh liebte dich, Adonija, seit ich dich sah, aber ich darf dir nicht gehören und dein Frauenhaus ni/jht betreten.' Wieder lachte er, „wegen des siechen Greises? Da dartst ihn pflegen, so lange er lebt, ich aber werde dich lieben! Ihr hierbleiben könnt. Kommt also in acht Tagen wieder her. dann werdet Ihr weiteren Bescheid erhalten." Zwei Tage daraus schickte der Herzog Karl nach meiner Wohnung, ich möchte sofort mit seinem Diener zu ihm kommen. Der Herzog wußte bereits, daß ich nicht Schwedisch könne; es war daher ein Kavalier anwesend, der mich deutsch ansprach und mich fragte, ob ich der Mann sei. der wegen Petschafte stechen und Steinschneideret die Bittschrift beim König eingereicht hätte. Der Herzog Karl stand dabei, als der Kavalier sagte, daß Seine Königliche Hoheit dieses Wappen, von dem er einen Abdruck in der Hand habe, in Stein wolle geschnitten haben. Wir einigten uns auf vierzig Dukaten, und ich merkte wohl, daß der König es befohlen hatte, da er gern unsere Arbeit sehen wollte. Ich schickte es sofort nach Schwerin au R. Abraham Pach, schrieb ihm darüber meine Meinung und bat ihn. es gut zu machen, denn unser Glück hänge davon ab. Es solle gewiß eine Probe sein, und daß der König unsere Arbeit sehen wolle. Mein Wirt rief mich zu sich und sagte: . „Herr Aron, ich habe den schlechten, niederträchtigen Kerl ans dem Hause gesagt, während Ihr weg wäret, er hat sich auch schon seinen Koffer geholt. Er ist meiner Frau in so niederträchtiger Weise nahegetreten, daß meine Frau gemeint hat. ich mag's gar nicht wieöersagen. Wollt Ihr bei mir bleiben, so könnt Ihr bei mir bleiben, so lange Ihr wollt, aber den niederträchtigen Kerl kann ich nicht behalten: er war wert, daß ich ihm hätte den Buckel auöwaschen sollen. Ich schonte ihn nur Euretwegen, um Euch keinen Verdruß zu machen." Ich sagte meinem Wirt, ich stünde mit B. noch in Verrechnung und könnte mit ihm noch nicht Schluß machen, was auch die Wahrheit mar. Ich blieb also noch über Nacht da. Am andern Morgen, als ich ausgehen wollte, stand B. da und paßte mir am. Er sagte, er habe ein anderes Quartier bekommen, nicht weit weg, schönere Zimmer und viel Heller für meine Arbeit. Ich ging mit ihm hin: es war bei einer Witwe, einer sehr netten Frau. Ich zog also dorthin und schlugmeine Werkstatt auf. Kaum war ich acht Tage da. kommt die Wirtin zu mir nnd beklagt sich über B. Er wäre so ein liederlicher Kerl, sie hätte keine Ruhe vor ihm. Wenn ich bei ihr bleiben wolle, so könne ich gern bleiben, er aber wüste ausziehen. Ich konnte das nun nicht länger mit ihm aushalten. rechnete mit ihm ab und sagte, geschäftlich könne er zu mir kommen, aber mit ihm zusammen wohnen wolle ich. nicht mehr. Er nahm also sein Geld, das er noch Lei mir gut hatte, ungefähr IW Reichstaler, und kam nicht mehr zu mir. Er trieb sich in der Stadt herum, bis er kein Geld mehr hatte, dann reiste er nach Hause. Am selben Tage, an dem ich mich mit diesem B. uuseinandergesetzt hatte, kam mein Bruder Mordechai mit einem Wismarschen Schiss hier an. Es war im Jahre 5534 nach Erschaffung der Welt, am 2. September 1774. Bei der Königin war ein Heiduk, der war ein Landsmann von mir aus Mecklenburg, und der hatte mir Quartier angeboten. Ich zog also mit meinem Bruder bei ihm ein, dann ging ich zum Oberstatthalter und meldete ihm, daß mein Bruder auch gekommen wäre. Darauf sagte er: „Das ist gut. Ich nvuß Euch fageu, daß der König Euer Gesuch und alle Eure Empfehlungsschreiben an das Embetskollegium^ das sich auf dem Rathaus befindet, geschickt hat. Sagt das Eurem Advokaten, der weiß Bescheid, dort werdet Ihr Antwort bekommen." JÄ ging also zu meinem Advokaten, und er ging mit mir aufs Rathaus. Wir ließen uns melden, und als wir vor gelassen wurden, fragte der Advokat, ob wegen der Eingabe. die ich an den König gemacht hatte, bereits eine Entscheidung getroffen sei. Sie sagten, sie könnten noch nicht entscheiden, ich möchte in vier Wochen wiederkommen. dann sollte ich -einen Beschluß bekommen. Der Münzöirektor von Engeström?) kam zu mir und bestellte bei mir ein Petschaft mit seinem Wappen. Ein sehr braver und tüchtiger Mann, der viele Sprachen konnte: Französisch, Englisch. Deutsch. Er sagte: „Ich bin viel gereist nnd habe auch viel mit Juden verkehrt. Ich habe auch gesehen, daß die Juden mit Silber handeln und für. die Münze. Silber lieferten. Könnten Sie sich nicht mit einem solchen Geschäft abgeben?" Ich sagte ihm. daß itf» während des Siebenjährigen Krieges selbst für die Mecklenburgische Münze Silber geliefert hätte, zählte, ihm die verschiedenen Sorten Geld auf. und was sie für Gehalt hätten» deutsche sowohl wie schwedische Gelber. Daß ich außerdem einen Bruder in Schwerin hätte, der bei der Münze Hoflieferant sei. Ich würde es also gern übernehmen, gegen einen kleinen Nutzen Silber zu liefern. Er sagte, er wolle mit Baron Liljekrantr°) sprechen, uM er sprach mit ihm. Er brachte mich ßann zum Baron Liljekrantz, *) Amtskollegium. 5) Gustaf von Engeström, Vöünzwardem. 8) Johann Freiherr und Graf von Liljencranz. Staatssekretär des Finanz- und Handelsamtes, galt als der hervorragendste Finanzmann seiner Zeit. ich wurde mit diesem bekannt und der Baron berichtete dem Könige. Wir schlossen dann einen Vertrag, ich sollte elf Millionen Spezies, nämlich das Feinsilber dazu, liefern, und ich sollte vier Prozent mehr bekommen, als das Silber in Hamburg gilt: denn in der deutschen Zeitung steht jederzeit der Silbevkurs. wieviel eine Mark fein gilt. Ich batte drei Jahre Zeit, diese elf Millionen Spezies abzuliefern, bekam auch frei die Postjacht. Die mußte das Silber frei nach Mad mitnehmen, von da ab sollten es Husaren auf Rechnung und unter Schutz der Krone hierher transportieren. v UULUVtl ... Abraham in Schwerin, nahm ihn dazu als Teilhaber, ans hatte ich hunderttausend Schiffspfnnd Kupfer abgeschloffen da ich das Schiffspfund einen Reichstaler billiger bekam, alj es in Hamburg galt, und es frei Schiff Hamburg, ohne einer Pfennig Spesen, geliefert erhielt. Es war alles so du gerichtet,, daß wir alle vierzehn Tage liefern konnten. Wil bekamen keinen Vorschuß, aber acht Tage nach Lieferung prompte Bezahlung. Ich schickte also meinen Bruder Mordechai von hier auß mit dem Vertrag und einem Patz für meinen Bruder Abraham, daß er frei nach Stockholm reisen könnte. Zu teuer Zeit durfte iwch kein Jude zu Land Herreisen. Ich hattr meinem Bruder genaue Anweisungen gegeben. „Du weißt, wie unser Bruder Abraham ist, er ist gar zr vorsichtig. Wenn er Umstände macht, dann gehe mit diesem Kontrakt nach Berlin zu einem von Rabbi Feiteles Leuten die werden mit Freuden sich an dem Geschäft beteiligen." Der Vertrag lautete, auf meinen Namen. Mein Bruder Mordechai kam nach Schwerin, aber mein Bruder Abrahäm sagte, ex müßte erst die Leipziger Ostermeffe halten. Mein Bruder Mordechai solle so lauge dableiben, bis er wiedcrkoinmt, dann wolle er hierher reisen. Ich bekam einen solchen Brief, und ich ärgerte mich darüber. Liljenkrantz schichte jede Woche, wenn Posttag war, ich sollte zu ihm kommen, und fragte mich, ob denn mein Bruder noch nicht käme? Ich sagte immer: er kommt. Aber mein Bruder kam von Leipzig nach Hause zurück, fuhr dann erst nach Rostock, da er ,eine Waren immer von Leipzig nach Rostock schickte, und da wollte er erst seine Schulden einfordern. Unterdessen wurde Baron Lilsenkrantz böse aus mich und gab die Lieferung hier an dre hiesigen Kaufleute. Mein Bruder kam mit meinem anderen Bruder Mordechai hierher, aber es war alles schon vorbei und wir bekämen nichts zu liefern. (Fortsetzung folM

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