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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-17 · 51 (17.12.1926) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
51 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fiu&eclitic Bevhalleu mfr 3(ufixeieit ier Griechlrnae: schon «it diesem Worte kennzeichnet «um «dias HalL-GrtecheutüM: -te -tu Alexandria damals ardässigen Griechen stunden Hem wahren Griechentmn weit näher: in den dortigen Pdilofvphenschnlen wurde» Homer. Sokrates und Plato gelesen und geriche in dieser» Philosophenschulen lernten Md wirkten Griechen und ftufrcn mit»a«unen. Philo, der eigentliche Begründer der Philosophie, las mit demselben Verständnis und Freude griechische Schriftsteller: er mt es. der auf diese Weise die griechische Kultur mit seinem jüdisch-religiösem Empfinden sehr rvockl in Einklana &u bringen wußte. Ohne das geringste von seinem Judentum auszugeben, wurzelte er -och in der ihn umgebenden griechischen Kultur und hak auf diese Weise dem Judentum mehr genützt, als wenn er nur seinem Judentum gelebt. Für uns liberale Juden, die wie uns die Verbindung der Vergangenheit mit der Gegenwart. und die Berbindun« unseres jüdisch-religiösen Denkens mit der uns imigeHeudeu Kultur zum Ziel gesetzt, hat die Erinnerung an diese Zeiten eine ganz besondere Bedeutung. Hierauf sprach Alax t^mbersheim den nachfolgenden, FelbstverPaßten Prolog: Schaut', wieder ist mit seinen Hellen Kerzen DaL Lhanukahfest bet uns cingezogen — In unsere Häuser und in uns're Herzen. Die alle jubelnd ibm entgegenflogen. Ein Freudenfest für alle, groß und klein, Das stolz nnö fühlen läßt: ein Jirde sein. Zwar leben wir in schweren, schweren Zeiten. Wir ringen mit dem Leben: Kamps um Brot Macht unser Dasein fceitt' zu hartem Streiten: Wohin wir blicken: Armut. Krankheit, Not. Da flieht der Mensch von solcher Erderischwere Zu tiefren Quellen alter, heil'ger Lehre. Ein tiefes Sehnen geht durch nns're Mitte. Ein starker Ruf nach Liebe, Religion: So lehrt ittatt wieder alte, — jüd'sche Sitte. Ihnmahnt zn religiösem Leben Tochter, Sohn. Auch dieses Fest der Makkabäer soll uns mahnend künden: „Jwri onauchi!" Jude bin ich! laßt es uns empfinden! Auch wir, die Jugend incr in uns'rcm Kreise Wollen religiöses Leben wieder fühlen, sehen. So laßt uns denn auf alte und doch neue Weise Das Cüanukah. das Lichtsest nun begehen. Entzündet froh der Lichtlein Hellen Schein! Laßt üe uns Mahner. Rufer. .Künder sein! Sie mahnen uns mit Stolz an die Geschichte, Gewaltig weckend die Erinnerung. Sie künden uns, wie strahlend hell im neuen Lichte, Wir sind die Träger alter jüdischer Kultur. wir. die wir jung. Das alte so mit Neue sich verbindet: Dos ist ihr tiefer Sinn. Die Lichter «u-n entzündet'. Es folgte das Auzünden der Channkah-Lichter und der gemeinsame Gesang des „Monns zur". Anschließend hielt ein gemütliches Beisammensein mir Tanz, Borträgen aller Art und Spielen, die Teilnehmer bis zum frühen Morgen beisammen. Iren de war die Parole. Es ist ein schönes Zeichen, daß die gleiche Jngend, die «sonst in ernster Arbeit stundenlang diskutiert, anch solche «frohen Feste deS Lebens zu geniesten versteht. ' Frankfurt a. O. Am 27. November fand hier eine Veranstaltung der Bereinigung für das liberale Judentum starr, bei welcher der Vorsitzende der Bereinigung, Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, über das Thema „Lebendiger und toter Liberalismus «u Judentum" sprach. Als totes Judentum bezeichnetc er die vielen Grade jüdischer Indifferenz die stch so oft fälschlicherweise unter dem Deckmantel des Liberalismus hervdrwageu. Wahrer Liberalismus bedeutet aber nichts Negatives, sondern ist ein Positivismus, der sich zu den großen, bleibenden Ideell des Judentums bekennt, deren Gewand sich nur in jedem Abschnitt jüdischer Geschichte immer wieder änderte. Er ging dann ans den prinzipiellen Unterschied von Orthodoxie und Liberalismus «in. Während die Orthodoxie erfüllt sei von dem Glarrben an das OffenbarungSwmlder am Sinai, sehe das liberale Judentum den Sinn göttlicher Offenbarung in dem religiösen Genie, das im iiidischen Prophetismns seinen Ausdruck findet. Die religiöse Form sei nicht um ihrer selbst willen da, sondern bedeute nuiden Weg. das Mittel zum letzten Ziele. Der jüdisch-nationalen Bewegung würden wir die besondere Ausprägung des jüdischen GemeinschaftSaedankens vevöanken. Dagegen lehnt der Redner das jüdische Kulturzentrum, wie es dem Zionismus s» Palästina vorschwebt, ab. da überall dort ein jüdisch-kulturelles Zentrum besteht, loo jüdisch-religiöses und soziales Leben sich verwirklicht. Der Aufbau Palästinas sei denen nun als die Begründung eines unter den vielen jüdischen Zentren mrf Erden zu begrüßen. Tie Zuhörer folgten den Ausführungen des Redners mit gespannter Aufmerksamkeit. Nack dem Vortrage faßte die Versammlung den Beschluß, eine liberale Ortsgruppe r»u gründen. Zur Ausführung dieses Beschlusses wurde ein ans fünf Herren bestehen des Grenrnm gebildet. Ratibor. Der Liberale Verein veranstaltete am Donnerstag, den 2. Dezember, für seine Mitglieder einen Vor^ tragsabend und eine Channkahfeier. Nach den einleitenden Begrüßungsmorren des ersten Vorsitzenden. Herrn Wachsner, wurde ein Präludium gespielt. Herr Bieberfcld sprach über die Bedeutung des Ehanukahfestes und zündete die Lickier an. Gemeinsamer b-lesang schloß die würdige Feier. Der Referent des Abends. Herr Goetz. Generaljetretär der Vereinigung für das liberale Judentum, sprach über „Das -liberale Judentum und der moderne Zeitgeist". Er führte aus: Wie die Welt ununterbrochen Wandlungen unterworfen ist. so ist auch die Ausübung der Religion Ve, - anderungen unterworfen. In allen Zeiten und in alle,' Religionen hat eine ioldve Veränderung uattgefunden. Dkeierngen. die diesen Formeumcchsel als gut erachten, sind die Liberalen, diejenigen aber, die an den», althergebrachten fest halten, sind die Orthodoxen. Den Unterschied zwischen diesen beiden Richtungen hat es lajoit immer gegeben. In Wirklichkeit gibt es aber gar keine Orthodoxie. sondern nur Juden, die langstnncr mit der Zeit mitgehen, und solche, die sich schneller bewegen, schneller die neuen Formenannehme». Denn die heutige Orthodoxie steht fast aus dem gleichen Boden, womit vor 100 Jahren am Hamburger Tempel der Rabbiner Gotthold Salomo» begann. Der Vorwarf. der den Liberalen vvtl der Gegenpartei iwrncr wieder gemacht wird, daß sie die Juden dem Judentum entfremden, ist nicht wahr: im Gegenteil, der Liberalismus ist die Brück.' vom Alten zum Neüen, er ist der Träger des Judentums. Aber mit der Reform des Gottesdienstes ist cs nlchr allein getan, mit der inneren Umkehr, mit der inneren Befreiung mutz begonnen werden. Nickt in dem viel oder wenig Tun liegt «der Unterschieb zwischen Liberalen und Orthodoxen, sondern in der Grsiümrny. Reichen Beifall spendeten die Anwesenden. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, etwa 120 Personen. Reliaionsdersellben Oer Gotileugncr. Von Max Zodykow, Seine Hoffnmig »Urb, aber es «Milte in ihm ein Glaube, durch 4eu er fromm fnd sieghaft ward. Mit gesenktem Haupt, ohne Gott und Freund war er durchs Leben gegangen. Überall sah ex sich genarrt, geschmäht und hintergangen, überall war ein etwas im Wege, ein irgend etwas, das ihm den Gang versperrte. Zum Gelehrten geboren, brachte er es nur bi» zum Lehrer. Siegfried Klein gehörte zu denen, deren Ziele leuchtend und verheißungsvoll winken, die aber, plötzlich vom eigenen Mißtrauen und einer seltsamen Ahnung und Schwäche erläßt, mitten in ihrer schimmerudstcu Bahn festgehalteu werden und stehen bleiben . . sichen bleiben müssen. Er war nicht glücklich, weil er nichts hatte, an dem er sich hätte aufrichten können. Ais Jude geboren, war c*r fromm erzogen. Der tiefe Glaube zu dem einen Gott, der im hellen Himmel, inmitten tausender Engel hoch und über alles Irdische erhaben thront, der Glaube au den gerechten Gott, der zwischen gut und böse streng scheidet, ward früh in ihm gepflanzt. Aber Siegfried Klein konnte keinen Gott entdecken; nicht in sich, denn seine Weltanschauung war real, ganz der Natur vertrauend, und außer sich . . o , . wie kalt und nichtig blickte ihn alles an. Unter den rohen Händen des Alltags und den W olken der dürren Jahre welkte sein Glaube mählich dahin. Die Jahre vergingen in Mühe, Not und Entbehrung. Dann schlug endlich auch für Siegfried Klein die Stunde des Glücks . . er fand ein Weib. Nun hatte er einen Halt und ein neuer Glaube blühte in ihm auf. Und er dachte jetzt manchmal: Es muß irgend ein Wesen geben, das wir nicht sogleich erkennen und das, uns lange prüfend und unsere Kräfte stählend, den Ausgleich für alle Leiden schenkt. Es erfüllte ihn bisweilen etwas wie Frömmigkeit und da er nur an Sichtbares glaubte, geschah es zu Zeiten, in weichen Abendstunden, daß er vor seinem jungen Weibe kniete und inbrünstig ihre schlanken Hände an seine Lippen preßte. ..Du, meine Sehnsucht, mein Gott!“ konnte er dann stammeln und in tiefes Sinnen verfallen. Gertrud hatte ihm zwei Kinder geschenkt, ein liebliches Mädchen und einen fröhlichen Knaben. Siegfried erzählte ihnen viel von der Bibel und ihren Wundern, von Gott und seinen großen Offenbarungen, ganz so, wie er in seiner Kindheit von seinem Vater gelernt. Die Kinder wuchsen heran. Im ruhigen Gleichmaß verrannen für Siegfried die Jahre im trauten Kreise seiner Familie, und langsam genas er der Zerrissenheit und Schmerzen seiner Frühzeit. Aber das Unglück, das ein Teil seines Selbst zu sein schien, schlief nicht, es lauerte heimlich im Hinterhalt, um sich dann jählings mit doppelter Wucht auf ihn zu stürzen. Siegfried erblindete. O, dieses jähe Verdunkeln eines lichten Lebens! Dieses plötzliche nicht mehr Erlässen und Erschauenkönnen einer leuchtenden Welt! Dieses ängstliche Tasten und läppen in eng begrenzten Räumen! Er Jag körperlich und seelisch gebrochen darnieder. Seine Stellung als Lehrer mußte er aufgeben, und es kam die Not, dieses häßliche graue Weib, .mit Ihrem Gesinde: Armut, Entbehrung und Kummer. Was sollte nun werden! Seine Kinder . . seine Frau . . was sollte aus ihnen werden . , Die Liebe aber überwand die Not, und Gertrud fand den Weg. Die schwächliche zarte Frau griff ins harte Leben und nahm den Kampf mit ihm auf. Mit übermenschlicher Anstrengung und unermüdlichem Fleiß schaffte sie Brot und Frieden ins Haus. Siegfried Klein schien in dieser Zeit die Welt zertrümmert und sein Leben abgeschlossen. Immer mehr zog er sich in sich zurück und verbiß sich gierig in seinen früheren Zweifel. Die alten Wauden brachen neu auf. Und es erwachte in ihm ein Haß. ein Haß gegen ihn. den Unsichtbaren, den er schon bald zu finden geglaubt und der, als grolle er ihm und wolle ihn nicht, ihn mit Finsternis schlug. Jetzt aber sollte kein Gedanke mehr in seiner Brust von Gott sein. Er, Siegfried Klein, wollte seinem Herzen und Hirn befehlen. Alles, was an ihn malmte, sollte aus seinem Denken und Fühlen getilgt werden. Warum zerbrach er ihn . . W arum knickte er im schönsten und zufriedensten hing seine Schwingen . . warum . . warum . .! Und er schwur bei seinem Weib, seinen Kindern, seinem Herzen und was ihm sonst noch heilig sein mochte, nie in seinen» Leben mehr die Schwelle einer Synagoge zu betreten. Im Gefühl des Unabwendbaren lernte Siegfried nach und nach, sich auch im Dunkel zurechtzufinden. Es war zwar nicht wie früher, als er sehend und sich ergötzend durch Licht und Straßen ging, aber er hatte ja seinen Geist, er konnte mit seinen Kindern, die schon erwachsen waren, reden und sie belehren, er konnte sie vorbereiten und ihnen manche wertvolle Erfahrung fürs Leben mitgeben. Und in seinem Herzen glomm wieder ein leiser Glanz, eine Hoffnung, ein Glaube . . aber diesmal zu keinem überirdischen, höheren Wesen, diesmal nur zu einem irdischen, einem Mensehen, der Glaube an seinen Sohn Waldemar, der sich zum Arzt vorbereitete und der der Stolz und die Zierde des Hauses war. Dieser Glaube trieb mächtige Wurzeln in ihm und machte ihn froh und vergessen all dje lüttem Leiden. Es war um die Zeit, als WalAunai kurz vor dem Physikum stand. Ein schöner, hoch gewachsener Mensch mit faszinierendem Wesen, voll Mut und unbändig heiterem Streben, versprach er ein außerordentlich tüchtiger Mediziner zu werden. An ihn glaubten alle, die ihn konnten, und die beiden Eltern ach, sie hofften einmal durch ihn eines schönen und sorgenfreien Alters sich erfreuen zu können. Um diese Zeit besuchte Siegfried Klein ein junger Student der Theologie, eia Freund Waldemars. Siegfried empfing ihn freundlich und ruhig, aber in seinem Gruß lag eine schmerzliche Gleichgültigkeit. Er hieß den jungen Gelehrten niedersetzen und beide schwiegen eine Weile. Plötzlich fragte Siegfried: „Glauben Sie an Gott?" Der Jüngling blickte überrascht auf und erwiderte nach kurzem Besinnen: „Ich glaube an den Gott, der mich zu meinem Beruf treibt." „Und wer ist dieser Gott?M „Ich werde Rabbiner .. und der Glaube meiner Väter ist mein Gott und ist mir heilig." Und haben Sie an ihm noch nie gezweifclt?" „Jeder Suchende zweifelt, aber wir, die wir Führer und Lehrer in dieser We!t des Unglaubens und Zweifels sein wollen, wir müssen einig in uns sein und im Streben der reineren Erkennt« uis hohe Hoffnungen in unsere Gedanken tragen.*1 Beide schwiegen . . dann fragte Siegfried: „Glauben Sie an Sünde?“ Der Jüngling saun eine Weile nach und entgegnete: „Die Sünde war der erste Feind des Menschen . . jeder muß. an sie glauben, da sie jeder durchlebt.“ „Aber ihr, ihr!" brauste Siegfried auf« „solltet ihr nicht erst salbst sündenfrei sein, ehe ihr dio heilige Lehre kündet?" Und könnten Sie, Sie, wie Sic hier vor mir stehen, mit klarem festem Gevris§cu sagen: ich bin sündenfrei." Der Kandidat sprang auf, faßte sich aber bald und sprach ganz langsam und ruhig: „Kein Mensch ist ohne Sünde und darum “darf kein Mensch sich dessen rühmen, denn in diesem Ausspruch allein läge schon eine Welt voll Sünde, weil es Uberhebung ist über seinen Nächsten." Eine Pause trat ein. „Ich habe zwei Sünden im Leben begangen," begann Siegfried aufs Neue, „und diese Sünden im Leben büße ich jetzt. Ich büße sie bitter und hart und werde sie bis an mein Ende büßen." Siegfried schwieg eine geraume Zeit in sich, versunken, dann rückte er näher an den Studenten und sprach flüsternd: „Freund, reden Sie mit keinem darüber . dann, wie sich jäh besinnend, fuhr er auf: „Nein, nein, verkünden sic es der ganzen Welt, schreien Sie es aus, daß es alle Jünglinge und Mädchen, alle Väter und Mütter hören: die erste Sünde ist, wenn ein Mensch heiratet und nicht stark genug ist oder Glück genug hat, Weib und Kind zu ernähren. Die zweite Sünde aber ist die, und diese ist die weit größere und bedeutendere: wenn Eltern ihren Kindern von Gott erzählen.“ Der junge Mensch, von hohem Glauben durchdrungen, war aufs höchste erregt, hielt aber an sich und blieb stumm. Siegfried erhob sich, sein ganzer Körper bebte wie in Fieberschauern, als er fortfulir: „Sehen Sie, ich habe meinen Kindern so viel von Gott erzählt, wie gut und barmherzig, wie groß und voll Gnade er ist. Ihr Leben war hart und wurde durch den blinden Vater, der sie nicht ernähren konnte, noch bitterer und härter, und sie erfuhren nichts von dem, was ich sic in leichten Stunden gelehrt. Sie waren draußen und haben Elend und Ungerechtigkeit. Schande uud Not gesehen, haben selbst Hunger und Frost erduldet, ohne Grund, nur um des Lebens willen, um dieses kleinen Lehens willen. Und sie erkannten, daß alles Lüge war, erkannten einen andern Sinn und doch nur eigentlich denselben Sinn ihres \aiers: sie glauben nicht an ihn, hassen ihn wie ich und haben sich in sich selbst einen eigenen Gott geschaffen. Und sie lachen heimlich über ihren Vater, der zu allem schweigsam ist. Sie werden lachen über diese Lüge ihres Vateis bis an ihr Ende. O, warum habe ich ihnen das getan . . warum belog ich ihre Unschuld und führte sie einen irrigen Pfad? Sie sprechen mit mir nicht und meiden mich, wie und wo sie es nur können, o ich weiß, weiß es zu gut: der Mann ist die Fortsetzung seiner Kindheit, die Kindheit bestimmt allein den Mann, und wehe den Eltern, die ihre Kinder in Lüge und Irrtum erzogen haben . . Dreimal wehe aber dem. der von Gott erzählt und selbst an ihn nicht glaubt.“ Dem Jüngling ward es anbei ml ich. Siegfried war ztisainmengesunken und schien wie ohnmächtig dazuliegen.' Nach einer Weile erholte er sich. Der Student half ihm. auf* und wie tröstend sagte er: „Sie sind doch ein Jude . Siegfried schöpfte tief Atem: „Ja. ich bin ein Jude und halte mein Judentum hoch, doch Gott hasse ich . . ich hasse ihn nicht als Jude, ich hasse ihn einfach als geschlagener Mensch, ich würde ihn als Christ oder Heide vielleicht ebenso hassen.“ „Ich glaube es nicht, Sie sind nur sehr un-i glücklich“ sagte sanft der junge Mann. ..Irrtum ist Ihr Glaube, und Ihr Gott ist Versuchung. Sie sind ein Gottleugner, aber dabei ein leidender Mensch, der schwer an seinem Geschick zu tragen hat. Lernen Sie glauben, lernen Sie in sich schauen, Sic haben zwei blühende Kinder und eine liebende, hilfreiche Frau* Sie sind klug und können viel erfassen, lernen Sie das eine: sich finden. Ihre Kinder sind wahr und rein erzogen, und ändern sic auch mit den Jahren ihre Gei sinnung. ihre Eltern werden sie ehren und voll Ehrfurcht und Stolz preisen.“ „Ich danke Ihnen, verständiger, junger Freund." flüsterte Siegfried, von Erinnerung ergriffen, „mir lebt noch eine Hoffnung, mein Waldemar. „Gott erhalte ihn Ihnen' sprach der Student und ging. Sechs Wochen später stancl derselbe» Mann, der Gott geleugnet, im kleinen Tempel vor dem heiligen Schrein. Den weißen Mantel, an dem die geweihten Schaufäden herabhingen, über die Schultern gelegt, an allen Gliedern zitternd, sprach er mit blutendem Herzen, aber fester uud feierlicher Stimme die bedeutungsschweren Worte: „Jisgadal w'jiskadasch sch’meh rabo . . . (Es werde erhoben und geheiligt sein größer Name . . .) Dann mit dem irrsinnigen Schrei: „Mein Waldemar . . Gott . stürzte er zusammen. Saieniaritim für Me Zeit vom 18.12. b. 25.12.1926 Dezember 1926 TeweS 5687 Sonnabend 18 14. Wochenabschnitt: Wajechi Hastarah: 1. Buch Könige 2,1—12 Sabbat-Ausgang: 4,43 Uhr Sonntag Itt 14. Montag 20 15. Dienstag 21 16. Mittwoch 32 17. Donnerstag 23 18. Freitag 24 19. Sonnabend 25 20. Wochenabschnitt: Schämaust Hastarah: Jesaia, Kay. 27,6—28,13 1—18, 29,23—23 Sabbat-Ausgang: 4,46 Nhr

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