Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 48 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«als bedeutende schweizerische Nachbaraemeinde Eudinge» oder Lengnau — bringen.) Am Abend sei -er Knabe in BehrlinS Haus gekommen und habe erklärt, er ainge nicht mehr in sein BaterhauS. Aus Angst. die Mutter würbe ibn suchen, ging er in die Kammer, wo ein Lickt brannte. Kaum war Zeuge in die Kammer getreten, sei die Mutter gekommen und habe nach ihrem Kind« gefragt. Als der Knabe der Mutter Stimme vernahm, habe er das. Lickt auSgeloscht. Die Behrlinschen Ehehalten «Dienstboten), die gerade beim Abendessen sahen, sagten der Mutter, der Knabe wäre nicht da. „in der Stube meinend". Der Judenbub ..Jubele Weil gab als Grund seines Vorhabens an: Die Juden geben ihm nichts zu essen, und bah er nickt in die Hölle komme. Auch hassen die Christen die Juden. Als sie an ienem Abend auf der Straße seine Eltern sahen, seien er und seine Begleiter über zwei Hage geklettert. Zu seinen Eltern will der Knabe nicht mehr, weil sie ihn schlagen. Auch wenn sie ihm Straflosigkeit versprechen. Lieber möchte er bei seinem Bruder lein. DaS Vorhaben bestehe seit der Taut« seines Bruders. Er lder Knabe) sei zweimal in der Christenschule in Harheim gewesen. Da habe man ihn das Kreuzmachen gelehrt. Dem Vater Maier Weil wird nun eröffnet, seine Meinung. der Knabe sei verführt worden, wäre irrig. Sein Sohn lmbe aus eigenem Antriebe gebandelt. Der Vater erwiderte: Sein Sohn sei noch ein minderjähriges Kind. -aS noch keinen Verstand habe, um die Religion zu erkennen. Man soll entweder ihm das Kind auf eine Zeit gegen Kaution der Judenschaft zurückgeben. oder einem Geistlichen: aber nicht denen überlassen, die es verleitet hätten. Weiterbeantragte der Vater, das Kind ihm und seiner Iran gegen-, übcrzustellen. dah fl« mit ihm in Gegenwart ehrlicher Christen reden können. Es werde sich dann zeigen, wessen es sich entschließt. Dem Bogt in Horherm habe der Knabe unter Tränen gesagt, der Rotzbub sei schuld daran, er sei nicht gern gefolgt. Der Vogt habe aber den Bub schweigen heißen, weil er fürchtete, das Kind werde noch mehr reden. Daraus ginge klar hervor, dah der Bub verführt worden sei. „wie denn ein solch minderjähriges Kind mit Versprechung einer geringen Schenkung leichtlich zu ja und nein überredet werden könne." Er nehme an. daß eines SavlSchntzljudcn Kind nicht aus diese Manier entführt werde. Wenn das Kind älter und verständiger sein werde und noch immer aus seinem Vorhaben verharre. so könne er sich dem nicht widcri'etzcn. Wenige Tage nachher wurde das Büblein nach Donaueschingen gebracht und dort einem neuen Verhör unterzogen, das keine weiteren Tatsachen ergab. Hingegen gab der Stühlinger Obervoqt. der den Knaben hingebracht hatte, an: Als die Stühlinger Juden von dem Vorfall vernommen hatten, habe ihr Vorgänger Marnm Weil alle, ohne daß Zeuge weiß, was er ihnen vorgehalten, zniammenberufen. Tags darauf seien sie alle in des Obervogts Behausung gekommen und hätten sich ganz ungestüm ausgesnhrt. Den zweimaligen Befehl, sich hinwegzubegebcn. haben sie nicht beachtet. Und als der „Dicke" mit dem anderen Marnm in seine Stube getreten, habe elfterer die Sache mit Hitze nnd Gewalt vorgctragen und die Herausgabe des Buben erzwingen wollen. Obschon dies abgeschlagen wurde, habe er immer größeren Eifer gezeigt. Endlich habe der Obervogt beide abgewiesen und ihnen bedeutet, falls man sie brauche, werde man sie schon berufen. Sie seien aber aus der Laube stehen geblieben, bis ihnen der Obervogt das Berlanen deS Hanfes bei 10 Taler Strafe anbefahl. Der „Ticke" habe noch gesagt, daß die Juden, wenn ihnen ihre Kinder mit Gewalt weggenommen werden, nicht mehr bleiben wollen. Nach Horheim werde überhaupt keiner mehr ziehen. Als der Judenbub gestern nach Donaueschingen gebracht wurde, seien ihm sein Vater und seine Mutter*) nachgeritten gekommen. Pie versuchten, ihn zur Heimkehr zu überreden. qV Dom anwesenden Vater wurden nun die Aussagen seines Göhnes vorgelesen und ihm scharf „intungtert". daß weder er, Doch fein«' Iran sich aus keinerlei Weise tätlich an dem Knaben vergreifen, widrigenfalls sie empfindliche Strafe treffen soll. Das Kind blieb in Donaucschingen. Am 11. Oktober 1733 wurde es getauft, obwohl nach einer Anordnung des Papstes Martin V. die Bekehrung von Juden unter 12 Jahren ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten unstatthaft war. Der Obervogt von Stühlingen war Taufpate. „Die gnädigste Herrschaft hat das'Bübel das Barbiergewerbe lehren lallen." *) Reitende Frauen waren bei den damaligen Verkehrs- Verhältnissen keine Seltenheit. BVGHER8GHAU Kephiaritische Inschriftou. Ein Versuch zu .ihrer Deutung von Dr. Hans Blaufuss. (Friedrich Korn’scher Verlag. Nürnberg 1026. Broschiert. 33 Seiten.) Nach den biblischen Quellen der Genesis 10, 14. des Deuteronomium 2,23, des Propheten Jeremia 47. 4 und des Propheten Arnos 9,7 ist unter „Kaphtor“ die Bezeichnung einer Gegend und ihrer Bewohner zu verstehen, die inan die Heimat der Philister nennt. Die Kaphtor im entstammten nach Aussage dieser Quellen Aegypten. \on dort wanderten sie nach ..Kaphtor“. das eine Siedlung in Südkanaan mit Namen „Pelisclitkim“ entstehen ließ. Von den geographischen Begriffen Cappadocien, Cypem und Kreta ist wohl der letztgenannte der annehmbarste, da der Name „Kretin' der Bezeichnung „Philister“ gleichgesetzt wird. Interessante Versuche stellt Blaufuß an zur Entwirrung zweier Denkmäler althistorischer Vergangenheit mit seiner Erklärung des „Diskos von Phaistos“ und der sogenannten „Philister tafel“. Blaufuß zitiert Homer Odyssee 19, 175 ff., eine Stelle, die der Geograph Strabo bei seiner Schilderung Kretas Iieranzieht. Dort werden merkwürdigerweise die hervorragenden Stämme der Achäer und Pelasger nicht genannt. Die Pelasger seien aber nach Homers Beziehung „göttergleich“, was für ihre hohe Kultur spreche. In der Mundart der Pelasger, die auf dem Boden Palästinas den Begriff der Philister angenommen hätten, vermutet Blaufuß einen semitischen Dialekt. Verfasser stellt fest, daß die Fürsten von Kreta in der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends sich einer semitischen Sprachart bedienten, ohne daß sie etwa selber als Semiten unbedingt anzusehen seien. Die Sprache der Kephtariter war ein Gemisch von Hebräisch. Aramäisch und Phönizisch. Die „Philistertafel“ ist eine Tontafel von 24 Zeilen. Ihre Entzifferung durch Blaufuß bestärkt ihn noch in der Richtigkeit seiner Hypothese. Grammatisch und inhaltlich sucht uns der Verfasser die drei am Schluß des Buches befindlichen photographiert vorliegenden Tafeln der Vorder- und Rückseite des Diskos vou Pliaistös und der Philistertafel zu enträtseln und zu interpretieren. Schon deshalb ist der Versuch des Verfassers wertvoll, weil er uns die Anregung gibt, die Quellen der Ausgrabungfti bis auf Schliemann rückwärts zu verfolgen. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin- Lichtenberg. Der tote Jude. (Schluß.) Von Doris Wittner* Nachdruck rerboten. — CapyrigM br Gratbleln k Co„ 6. u. b. H.. Leipiiff. Eine Stunde später verließen die bei<ien Männer, die das Fatum aneinander gekettet hatte, zu verschiedenen Toren die Stadt. Jerome schlug tatsächlich gradenwegs die Richtung nach Süden, längs der großen Reichsstraße, die sein Bruder über die Alpen gelegt hatte, ein; David Daniela aber wankte, ein gebrochener Mann, begleitet und gestützt nur von seinem immer dümmlicher dreinschauenden Schalksnarren Gasparone, aus dem Königreich, das ihn in Glanz und Gloria erschaut hatte, hinaus, und trachtete, über Köln nach Holland zu gelangen, wo, wie er glaubte, ein rachsüchtiger alter Mann noch der Vergeltung durch seine Hand bedurfte. Sonnino, umtost von dem Höllenbreughel einander widersprechender Kriegs- und Friedensnachrichten, ahnte nicht, daß auch dort schon ein anderer Richter — der Ewige, dessen Namen nicht genannt werden darf — rcchtgesprochen hatte, und daß Benjamin Cerf Pereira. als die Botschaft seiner Tochter ihn erreicht hatte, über diesem Briefe zusammengesunken war: tränenlos, fonlos, ohne noch irgendeine Bewegung zu tun; ein geschlagener Mann, auf den die Hand des Herrn herniedergcfallen war. Gewohnt, den Patrizier nicht stören zu dürfen, waren Stunden vergangen, ehe die treuen Bedienten des Hauses doch gewagt hatten, den geheiligten Raum zu betreten. Da fanden sie ihren Herrn, mit Haupt und Armen über die Blätter gefallen, die die schöne Tochter dieses Hauses mit hastigen Schriftzügen eilig bedeckt zu haben schien. Schien. Denn, seltsam, als man den Körper, aus dem das Leben offenbar schon seit Stunden entflohen war, aufrichten wollte, war es nicht möglich, die beschriebenen Bogen aus den Händen des Toten zu lösen. Wollte man sich nicht an dem Toten vergreifen, mußte man die Dinge lassen, wie sie waren. Vater und Tochter waren wieder vereint. Der Tod hatte zueinander geführt, was das Leben gelrennt hatte. Es war ein großes und feierliches Begräbnis, da man den hochansehnlichen Juden Benjamin Cerf Pereira zur letzten Ruhestatt leitete. 1 Ialb Amsterdam schritt hinter seinem Sarge einher. An der Börse, im Diamantenviertel und im Hafen war Arbeitsruhe ungeordnet, ohne daß jemand wußte, auf wessen Gebot. Der Brief aber, den Judith ben Sonnino geschrieben, lag in des toten Vaters Händen auf des toten Vaters Brust. Unmittelbar an seinem Herzen, von dem dos Leben die verirrte, irrende Tochter hinfortgerissen hatte. David Danielo indessen wußte nichts von diesen Vorgängen in der großen, fremden Handelsstadt, und darum taumelte er seiner vermeintlich letzten und einzigen Aufgabe entgegen. Gasparone hatte seinen Herrn vor dem neu entbrannten Judenhaß. insbesondere in den rheinischen Städten, gewarnt und hatte vorgescldagcn, Köln, wenn möglich. zu umgehen. Aber das höllische Gelächter seines Gebieters hatte ihu ehestens verstummen lassen. Und so zogen sie denn gradenwegs in ihr Verderben. — Fürwahr: Es schien sich seit dem Sturz des großen Kaisers vieles verändert zu haben in den Kommunen am Rhein und Main. In den zwanzig Jahren seiner Herrschaft hatten die }uden auch der kleinsten Gemeinde friedsam ihre Riten zelebrieren und ihre Feste feiern dürfen. Sic hatten den» Höchsten zu Ehren den Schoufar blasen und deu Melech preisen, am Sabbatli ihre Lockschcn-Kuggel bereiten, zu Pessach“ außer den ungesäuerten Broten Chrimsel und Knödel und andere Leckereien backen und aus Szimches- Toirc ihr Tänzchen wagen dürfen. Sie hatten Chanukka festlich begehen uud sich an Purim mit einer Hamansklapper in fröhlichen Purimspielen erlnstieren dürfen. Und sie waren guten Muts gewesen und immer besseren geworden und hatten nur in ihren verschwiegensten Herzkammern der heiligen Stadt Jerusalem gedacht, all wo die Toten in Palästinaerde ruhen und ihre Gebeine unversehrt bleiben, während die Lebenden sich an Feigen, Oliven. Datteln und Granaten ergötzen. Jetzt aber, jetzt war das Bild dieser betulichen, wohlhäbigen und dankbaren Gemeinden ein wesentlich anderes. Kaum, daß man überhaupt einen jüdischen Bürger, geschweige denn ein jüdisches Mädchen in den Gassen sah. Und wenn man hie und da einmal einen flüstern hörte „Herrschei, der Rickel und die Zippe lassen Euch sagen. Ihr möchtet zum „Roof“ laufen und ihm sagen, ..sie“ hätten das Dach vom Bessamidracb angezündet und hüpfen nun mutwillig um das flammende Dach einher,“ so konnte man allenfalls erschrockene Gesichter sich in Häusern und Höfen verstecken sehen oder höchstens einer dem andern Schweigen bedeuten, indem er wohl den Finger fürsichtig auf die Lippen legte. David Danielo gewahrte zwar die allgemeine Verschüchterung, sah auch vieler Orten Verwüstung, insbesondere jüdischer Stadtviertel, aber es focht ihn ebensowenig an, wie, daß er selbst in seiner stattlichen Karosse allenthalben angehalten und mit unflätigen Redensarten beworfen wurde und daß es vor ihm einher wie hinter ihm drein gellte: „Hepp, hepp, das ist ja der Lcibjud* von» westfälischen Bonaparte. Hat uns, um seinem König Maitressen zu liefern, genug ausgesogen, unsere Truhen beraubt, unsere Scheunen geleert, unsere Mädcheu geschändet! Laßt uns doch dem hochedlen Herrn Grafen zeigen, wie es mal wieder tut, ein Schnorrer zu heißen! Warum ist er nicht bei seiner landesflüchtigen Majestät? Er hat uns an das französische Kriegsvolk verraten. Er soll sie uns wieder herausgeben, unsere Dukaten, unseren Weizen und unsere Töchter. Wo ist sein „König Lustik“ jetzt, daß der ihn schirme und schütze! Hopp, hopp, wir werden ihn reiten lehren, es hat sich ausgefahren in den seidenen und samtenen Chaisen, hepp, hepp; hepp. hepp.“ . . . Lin weicher, schon vom Mitsommerschwere erfüllter Maientag lag über dem rheinischen Lande und tauchte alles in eitel Blüte und Schönheit. Nur die Menschen, nach soviel Kriegsjahren ihrer Sinne nicht eben mehr mächtig, sahen weder Blüte noch Schönheit: sie sahen nur den verhaßten Juden, den sie dem fremden Machthaber verbündet oder untertänig wähnten. Und Haß und Rache für die von ihm Jahre hindurch erlittene Unbill folgten ihm schreiend, gröhlend, zornentbrannt und wutverzerrt bis an die Tore des heiligen Köln. Des heiligen Köln, dessen Mauern seit dem Sieg der Verbündeten jedem Juden wieder verwehrt und verboten waren. Die Torwächter der Stadt, die in dem Prunkwagen zuvörderst keinen Juden, sondern einen Erlauchten dieser in Herrn und Sklaven neu eiugeteilten Welt, verlausten Ausweis und Passiergeld. Danielo schmiß mit verächtlicher Gebärde einige Münzen hin und hieß Gasparone seine feurigen Rappen ausgreifen und mitten in die Stadt galoppieren. Aber hinter seines Wagens Spur wälzte sich der ergrimmte, erbitterte Pöbel. Gasparotfe, todesbleich, von Angstschweiß bedeckt, trachtete, das Gefährt in ein Nebengäßchen zu lenken. Aber zu spät. Schon hatten die Kölner erfaßt, welch großen Fischzug sic an diesem jüdischen Landsauger, dessen Antlitz allenthalben unrühmlich bekannt war, getan. Und er, der allzeit nur Beute gekannt hatte, sah sich selbst plötzlich einer mordbleckeudcn Meute ausgeliefert. Es war ein Werk von Sekunden, daß sie den verwegenen David Danielo, der noch immer seine geringschätzigen und dünkelhaften Mienen zur Schau trug, aus dem Innern der luxeriösen Kutsche gezerrt und auf den offenen Domplatz geworfen hatten. Niemand achtete des schmächtigen Gasparone, den die Todesfurcht der letzten Stunde treulos werden und seinen Herrn verlassen hieß. Etliche Landjäger traten auf Sonnino zu und fragten ihn, Scheineshalber, ob ihm das Verbot der heiligen o;aüi Köln für Leute jüdischen Stammes nicht bekannt gewesen? David Danielo kniff die*Lippen zu einem bösen schmalen Strich zusammen und verweigerte jede Antwort. Da fielen sie über ihn her mit Lanzen, Messern, Beilen, Fausten und Füßen, kurz, mit allem, was der Mensch in rotem Jähzorn •zu greifen oder za nutzen vermag. Ara schlimmsten — wie immer — waren die Weiber, die Söhne, Brüder, Väter, kurz; alles, was sie seit zwanzig Jahren der Kriegsfurie hatten opfern müssen, an diesem einem Manne rächen zu wollen schienen. Hell stand die Sonne am Himmel. Gottesfrieden leuchtete über dem Land. Und in kargen Minuten war aus einem stattlichen, stolzen und •wohlbewaffnetc« Mann ein ekles Bündel unkenntlicher Knochen und Haut, verwüsteter Glieder, auseinandergerissen, zerfetzt, von Blut und Schweiß bedeckt geworden. Plötzlich hüben die Glocken des Domes sowie die der St. Pataleonskirche, der Kirchen von St. Gereon und Sankta Maria ira Capitol zu klingen an und lauteten als Erste die heilige Vesper ein. Eine blutige Vesper fürwahr! Da schien die Bevölkerung sich schamvoll auf sich selbst zu besinnen. Langsam verschwand der eine nach dem andern, bis nur einige robuste Lastträger vom Rheinhafen uoch den toten Juden umstanden. Aber auch ihnen schien der Anblick zu übel und nicht in Einklang zu bringen mft den heiligen Stimmen, die aus der Höhe erschollen, Frieden und Menschenliebe zu preisen. Hastig, wie vor sich seihst errötend, packten sie das Bündel, taten es unsanft, ohne Acht, wo sic just Zugriffen, in einen Sack und schleppten es weit hinaus an die Peripherie der Stadt, dorten, wo der Strom seinem majestätischen Rhythmus folgte. Ohne einander zu befragen oder auch nur ins Antlitz zu sehen, schleuderten sie ihre schreckliche Last in die Fluten, die die sterblichen Reste David Danielo ben Sonninos läutern und dem Meere wieder zuleiten würden, von dein er seinen Ausgang in die Welt genommen. Denn schließlich einen sich alle Wasser und schlingen einen silbernen Sülmereif um die in Sünden prangende Erde. — Der bochwohllöblichc Gemeimlerat aber beschloß späterhin, am Außenrande des Weichbildes, zum ewigen Denkmal des gereizten Volkszornes und auch zur Warnung vor künftigen Ausschreitungen, die Straßenzeile, in der die Lastträger sich ihrer schauerlichen Bürde entledigt batten, „Der tote Jude“ zu benennen. So hat die Straße lange Zeit geheißen zur Erinnerung an Menschenschande und Menschenschändung. David Danielo ben Sonnino aber fand somit als Menschenschänder wider Willen jene wohlverdiente Unsterblichkeit, die endlich in der großen Sinnbildlichkeil alles Weltgeschehens und aller Weltgeschichte aufgeht. Auflösung der Rätsel: Tor El v lal - 4 , ] ~s3B a e 1 1 m| u n I k e lz| e | c| h Der Anfangsbuchstabe von 31 waqerecht, der Endbuch-' stabe von 7 wagerecht und die Anfangsbuchstaben von 35, 32, 10, 5, 21 wagerecht, 28 senkrecht, 30, 24 wagerecht, 28 senkrecht. 30 und 35 wagerecht ergeben den Namen Abraham Geiger. Rösselsprung-Auflösung. Wie köstlich ist Deine Gnade, o Gott, da die Menschenkinder sich bergen im Schatten Deiner Flügel. Sie laben sich an dem Segen Deines Hauses, die Fülle meiner Wonnen tränket sie. Bei Dir Ist des Lebens Quell,- in Deinem Lichte schauen wir Licht. (Psalm 38.) Kalendarium för die Zeit vom 27.11. h. 4. i 2.1926 November 1828 Mslew 6687 Sonnabend 27 21. Wvchenabschnitt: Wajjeschew Haftarah: Amos Kap. 2 (6—16) 3 (1—8) Sabbat-Ausgang: 4,47 Sonntag 28 22. Montag 20 23. Dienötag Dezember 30 1926 24. Erew Chanukah Mittwoch 1 25. Chanukah Donnerstag -> 26. Freitag 3 27. Sonnabend -i 28. Sabbat Chanukah, Neumondweihe Wochenabschnitt: Mikkaz Haftarah: Schar ja 2,14—4,7 Sabbat-Ausgang: 4,45