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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-10-01 · 40 (1.10.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
40 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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der Zusammenkunft, nannte die zeitliche Folge der Reden, gab kurz deren Inhalt wieder und warf einen Blick auf die Zukunft. Das Ergebnis der Konferenz fei nicht, wie manche erwarteten, ein neuer reformierter Gottesdienst, sondern eine religiöse Vertiefung. Schlicht und einfach sprach Dr. Seligmann, und doch ist ihm, wie auch die Redner nach ihm rühmend yervorhoben, nicht nur das Zustandekommen der Konferenz, sondern das Anwachsen der liberalen Bewegung in Deutschland überhaupt zum größten Teile zu danken. Dies fand auch äußerlich seinen Ausdruck in dem besonderen Ehrensitz, den Herr Dr. Seligmann während der Konferenz innehaite. Als nächster Redner sprach Sanitätsrat Dr. Ettlinger in bewegten Worten über das Bild der Tagung. Er schilderte den überaus herzlichen Empfang und hob besonders hervor, daß gerade die besten englischen jüdischen Gesellschaftskreise dem Liberalismus augehörten. Den Festgottesdienst brachte Rabbiner Dr. Salzburger den Zuhörern besonders nahe. Wie abweichend, wie frei -er Gottesdienst drüben auch sein mag, er zeichnet sich durch eine hier nirgends gefundene Andacht und Weihe aus. Rabbiner Dr. Dienemann sprach iiber den Unterschied der liberalen Gemeinden in Amerika und England und bei uns. Hier gegenseitige Rücksichtnahme, lokales Berbundensein, dort Abschließen und Ausschluß von der strenggläubigen Gemeinschaft. Rechtsanwalt Dr. Hossmann erzählte von der liberalen Jugend Londons, die selbstlos und ohne Vorurteil in die Gegenden der zugewanderten Ostjuden gehe, ja selbst mit ihnen zusammenwohne, um mit ihnen gemeinsam liberale Gottesdienste abzuhalten, und wie gerade dank der sozialen Tätigkeit der dortigen liberalen Jugend viele, die sonst dem Judentum verloren gingen, neu zurückgewonnen worden seien. Er glaubt, daß das auch bei uns möglich sein müsse. Znm Schluß sprach Dr. Seligmann den Wunsch aus, daß -er in allen Ländern erwachende Geist des religiösen Liberalismus eine Vertiefung religiösen Lebens und jüdischen Lebens auch bei uns Hervorrufen möge, und datz die Londoner Konferenz durch ihre gemeinsame Arbeit ein großes Stück dazu beigetragen hat. Jeder, der dieser Veranstaltung beiwohnte, mußte den Eindruck empfangen, -aß der Liberalismus keine negative Gcgenbildung, sondern eine starke, positive Bewegung ist. 1 Sprechsaal Glaubensbekenntnis und Programm -es Liberalismus! Ich möchte dem Liberalismus ohne viel Begründung ein Programm vorlegen in der Hoffnung, daß es in dieser Zeitschrift und in den liberalen Vereinen zur Diskussion gelangt. Nennen wir's Programm oder Glalcbensbekenntnis. nennen wir's kurz religiösen Inhalt, das Problem darf jetzt nach der Londoner Konferenz nicht verstummen. Zugrunde liegen alle Fragen moderner Religiosität, besonders moderner jüdischer Religiosität: Glauben oder Wollen? Jenseits oder Diesseits? Stimmung oder politische Arbeit? Ich antworte: 1. Nur ein Gott kann „die Menschheit" retten. Die Menschheit und überhaupt alle Ideale zerfallen ohne Gott zu leblosen Spielereien und Unwirklichkeiten. Darum glaube ich an Gott. Indem ich an Gott glaube, werden die Ideale zu Wahrheiten, zu zwingenden und lebenbeherrschenden Wirklichkeiten. 2. Das höchste Ideal, das dem begreiflichen Denken und dadurch dem Wollen des Handelns zu- > ganglich ist, ist die Menschheit. Die Menschheit ist also eine Wirklichkeit — nicht nur eine begriffliche Zusami menfassung, sondern ein idealer Wert. Als Wirklichkeit umfaßt die Menschheit notwendige Werte, das heißt Menschen, die nicht verbrauchbare Werkzeuge sind, sondern als Ziel und Ausgabe der Beständigkeit, der Erhaltung und der Erneuerung dem Denken und Willen gegeben sind. Die Verwirklichung des Menschen als eines gesicherten und sich planvoll erneuernden Wesens geschieht durch die menschliche Gesellschaft. 3. Das rational-denkbare Ideal der „Menschheit" verlangt eine ethische Politik. — Wohltätigkeit ist nur Augenblicks- und Notbehelfpolitik. — Ohne Glauben an politische Mittel der Verwirklichung ist ein Glauben an das Ziel der Menschheit nicht möglich, ohne Glauben an die Menschheit ist nur ein Gott des Jenseits oder der dem Ich -«gekehrten Stimmung möglich lBuddhiSmusi. Wer die Menschheit als Wirklichkeit „schaut", schaut auch die politischen Mittel, soweit sie notwendige Voraussetzungen der Verwirklichung sind. Nur hierdurch entsteht die ekstatische Sicherheit über Ziel und Verwirklichung der Religion. 4. Notwendig i st, daß die Wirtschastskörper der Gesellschaft so stark und widerstandsfähig werden, daß sie dem proletarischen Diener eine ausreichende Garantie dafür geben, daß seine Dienste gebraucht werden. Deshalb sind die Widerstände von Einzelinteressen zu überwinden, die Grenzen der Völker insoweit zu verrücken und die Wirtschaftskörper insoweit auszudehnen, als nicht schwere Schädigungen der bisherigen Teile entstehen. 5. Durch Berstärkmrg der Volkseinheiten ist zugleich künftigen Kriegen vorzubeugen, die an die Stelle wirtschaftlicher Notwendigkeiten gefährliche Experimente setzen wollen. 0. Soweit nicht alle Menschen durch die Wirtschaft des Dolksganzen gesichert werden können, ist ihnen, damit sie nicht verstechen und vertieren, durch planvolle Siedlung an allen geeigneten Wellen der weiten Erde ein Lebensrückhalt zu schaffen. Auch sind die Proletarier durch Schulung und Fortbildung zu unterstützen. 7. Von Bcrgeivaltigung hat sich sedcr Gläubige fernzuhalten. Je sicherer die Wirtschaftsverhältnisse werden, um io energischer hat er auch dahin zu wirken, daß aus dem Recküs- und IH-eschciftsleben die zahlreichen Möglichkeiten zu Betrug und Vergewaltigung verschwinden, die jetzt noch geduldet werden. Solch ein ethisches Lebensprogramm ist volle Religion. Es bedarf nicht irrational-mystischer Ergänzung und verträgt sie nicht einmal. Es ist allerdings ohne echten Gottesglauben rationalistisch-voluntaristischcr Art auch nicht möglich, da es ohne diesen keinen Glauben an die Menschheit gibt. 8. Zeremonien sind für die liberale Religion zwecklos und kommen höchstens als Erkennungszeichen der Anhänger in Betracht. Der Gottesdienst ist nichts anderes als die gegenseitige Verständigung und Bestärkung im Gottcöglauben. Er hat nur dann religiösen Wert, wenn unter den Teilnehmern die gleichhohe religiöse Gesinnung vorhanden ist oder geschaffen wird. Enge Anlehnung des Gottesdienstes an die klassischc jüdische Literatur ist zu empfehlen. weil ans ihr in hervorragendem Maße die echte religiös-ethische Gesinnung, die uns völlig verlorengegangen ist, der echte Gottes- und Menschheitsglauben, zu schöpfen und zu erfahren ist. Andere „Formen" als solchen Gottesdienst kann die jüdisch-liberale Religion nicht haben. Dringennotwendig ist ihr aber der klare und lebendige religiös ethische Inhalt. Glauben ist nicht Form, sondern Inhalt. Rechtsanwalt Leiviyski. Berlin. vor tote Jucke. (Forts.) Von Doris Wittner. Nachdruck rerboiea. — Copyright by Oraiblcio t O.«. b. S., Laipcff. Längs der Riva und des großen Kanals hatten schweigende Paläste ihre Adelsstirnen in Purpur gekleidet. Vom maurischen Säulenwerk der Baikone und Altane floß die Ueppigkeit ostländischer Gewebe, edler, von orientalischen Sklavenhänden geknüpfter Teppiche herab. Die Galeeren der Republik hatten im Marmarameer und an Afrikas schwarzem Küstenriß der Eroberungsf ährten genug getan, um sämtliche Paläste der Stadt in schmeichelnde Köstlichkeit zu hüllen. Persien und Medien, Assyrien und das Reich der Osmanen hatten dem Markusstaate Tribut gezollt, und ihrer aller gleißende Stoffe dienten Venetias Häusern und Venetias Frauen. Nie war selbst des jüngsten Bonapartes Auge kälter und klarer gewesen, als da er dem Dogen von Venedig die Hand zum Kusse reichte. Nein, sie waren nicht falsch berichtet gewesen, die pompösen Väter der meergebietenden Stadt. Der große Bruder, der schon als ungekrönter Genera! Bonaparte schneidende Worte der Geringschätzung im Befehlshaberton des Siegers an die Signoria gerichtet hatte, liebte sie wirklich nicht, die gekrönten Handelsherren und ihren erhabenen Weltschacher. Als man dem ersten Konsul vorgeworfen hatte, daß er, der aus den Freiheitsräuschen der großen Revolution Hervorgegangene, die durch Jahrhunderte verbriefte Freiheit der Republik vernichtet habe, hatte er nur unter gellem Lachen erwidert: „Die Freiheit? Venedigs Freiheit? Ein Begriff für gläubige Kinder vielleicht. Sonst nichts. Niemals gab es in den Lagunen eine Freiheit. Von jeher gab es in Venedig nur einige vornehme Familien, die die Freiheit hatten, den übrigen Teil der Bevölkerung zu unterdrücken und auszusaugen. Eine Freiheit mit dem Rate der Zehn, eine Freiheit mit den Staatsinquisitoren, eine Freiheit mit den Gefängnissen, der Seufzerbrücke und den Bleidächern Venedigs! Fürwahr — eine echt venetianischc Freiheit!“ Er, dessen Eroberungssüchte den Erdball umspannten, dessen Wähnen darum kreiste, Kaiser des Morgenlandes genannt zu werden, und der sich in seinen Phantasien auf einem weißen Elefanten erschaute, den Turban auf dem Kopf, einen neuen, von ihm verfaßten Koran in der Hand; — er, der den Weg zu den Ufern des Ganges eröffnen wollte, um mit einem Stoß des französischen Degens den ganzen Aufbau von Indiens Handelsgröße zu zerstören; — er, der gesonnen war, mit eben diesem Schlage für Frankreich die Unabhängigkeit des Okzidents und die Freiheit der Meere zu erstreiten; — er, der gleich seinem großen Vorfahren Alexander in Aegypten ein Reich hatte gründen wollen mit dem Wege nach Mekka; — er, dessen Evangelium die Tat hieß, und der sich jenen gegenüber, die ihm die Greuel einer Schlacht vorhielten, des Bekenntnisses nicht scheute: „Sie sind keine Soldaten und wissen nicht, was in einer Soldatenseele vorgeht. Ich bin auf den Schlachtfeldern aufgewachsen, und ein Mann wie ich schert sich den Henker um das Leben einer Million Manschen“: — er hatte Verständnis und Sympathie denen geweigert, die die Welt und die Wasser befuhren, um Gutes und Güter zu mehren. Denen, die als kühle Rechner in ihren Palästen saßen und Mietlinge in die Ferne sandten, die mit ihrem gekauften Blute um — Waren markten mußten. Er wußte, daß die Edlxnge der Brenta schmeicheln und kriechen konnten, wenn es galt, Vorteile zu erlisten, Vermögen zu raffen, und — daß sie den Fuß in den Nacken setzten nur dem, der abhängig von ihnen war. Und darum blieben sie ihm nichts denn — gekrönte Krämer. Und es war eigentlich ein großer Abscheu in ihm, mit dem Volke der Händler zu verkehren, sich gemein zu machen mit einer Rasse, die alle Dinge der Welt nur ansah unter dem Gesichtswinkel von Mein und Dein und mit dem Hintergedanken, die Besitzestitel trügend zu tauschen. Und .... quod licet Jovi . . ., wie Napoleon, so auch Jeröme, der Leichtherzige, Verschwenderische, Ewig- Junge, Betörende .... Er teilte die Abneigung seines Bruders und angebeteten Vorbildes gegen die großen Handelsrepubliken Italiens, Venedig, Genua, Florenz, wie ihn die klugen, von seinem Bruder erkorenen Mentoren sie zu sehen gelehrt hatten. Der republikanische Gedanke an sich war in dem jüngsten Bonaparte vielleicht nicht mehr sehr stark, dafür aber lebte in ihm eine natürliche Liebe zur Freiheit. Und zwar einer Freiheit, nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Untertanen. Seine genußfrohe, ans Schwelgerische grenzende Natur war eingeschworen auf das Wahlwort: leben und leben lassen. Für jedermann. Und Geld war für ihn zwar ein unentbehrlicher Begriff, aber doch nur zu dem Zweck, das Leben noch reicher, noch freier, noch freudiger und bunter zu gestalten. Er freute sich ebenso gern, wie er erfreute. Und dazu bedurfte man häufig klingender Münze. Das war so ziemlich alles, was Westfalens König vom Wert des Geldes wußte. Und darum war es selbstverständlich, daß er das historische Florenz, die Republik der gefürsteten Bankiers, die Geld auf Zins und Zinseszinsen liehen und beutegierig damit spekulierten, vielleicht noch mehr verabscheute als die meerbefahrenden Handelsherren Venedigs, deren Eroberungszüge in farbige Fernen seiner Phantasie üppigere Nahrung zuführten als die dürre Zahlenkunst der Florentiner. Aber auch die Methode, angeworbenc Söldner für die Mehrung eigener Macht oder eigenen Wohllebens sterben und verderben zu lassen, war diesem unkriegerischsten aller Bonapartes in der Seele feind. Dazu gesellte sich noch eine Analogie, die ihn erschauern machte. Als er, von seinem Bruder zum König von Westfalen eingesetzt und bestimmt, in seine Haupt- und Residenzstadt Kassel eingezogen war, hatten nur finstere, verbitterte, von Gram und Qual entstellte Bürger und Bauern ihm den zwangsläufigen Gruß der Vasallen entboten. Aber deutlich hatte er es gespürt und würde es niemals vergessen: es war da ein heimlich-unheimlicher Groll zwischen Volk und Fürst. Ein Groll, der im Dunkeln schwelte und immer neue Nahrung sog, und dessen Ursachen er, der heitere Mienen und frohe Gemüter schätzte, alsbald nachging. Und auf diesen Spürwegen hatte er ehestens erfahren, daß sein erlauchter Vorgänger im Amte, der Kurfürst von Hessen-Kassel zu jenen gehört hatte, für die die Luat des Lebens ein Vorrecht der Herrschenden war, das man, weil am billigsten, mit dem Blute der Untergebenen bezahlte. Die Tradition der hessischen Dynastie, die eigenen Laadeskinder auszuheben und als Kanonenfutter an fremde« kriegführende Mächte — in erster Linie England — zu verkaufen, war der erste Schatten gewesen, der in Jerömes Königlichkeit fiel. Nun hatte er sie plötzlich begriffen: die verhärteten, verbissenen, versteinten Gesichter derer, die ihre Söhne, Brüder, Verlobten jenseits des Welt-, meeres zur höheren Ehre fremder Staaten hatten verbluten lassen müssen. Und es hatte Jeröme viel Mühe gekostet, die Bevölkerung seines Landes allgemach davon zu überzeugen, daß er nicht ähnliche Absichten hinter der, Maske seiner übermütigen Jugend und Daseinsfreude verbarg. Aber schließlich hatten gerade diese Jugend und die naive Bejahung jedes neuen Tages auch den schlichtesten Mann im Volke gewonnen, und das Mißtrauen zwischen Beherrschten und Herrscher war allmählich geschwunden. Gewiß: auch er kannte von den Feldzügen seines erhabenen BrudeVs her die blutige Kriegsgeißel, die die Aecker zerstampft und befestigte Städte in Schutt und Asche legt. Aber von den Soldaten des großen Kaisers hatte er niemals Aufruhr oder auch nur Widerstand der Seelen wahrzunehmen vermocht. Im Gegenteil, die große Armee, die dem Welteroberer durch ganz Europa auf dem Fuß folgte, glich einer großen Flamme der Begeisterung. Und wenn Er, ihrer aller Herr und Meister, sich unter seinen Soldaten zeigte, so loderte diese Flamme himmelhoch auf und noch der letzte Rekrut warf mit Freuden sein Leben davon, wenn er den sah, für den er es tat und für den die Hunderttausende auf allen Schlachtfeldern Europas Blutzeugenschaft ablegten. Erst hier in Venedig, auf dessen steinernen Zügen er die erheuchelte Demut der Selbsterniedrigung wiedererkannte, sah er auch wieder Männer mit wetterfesten, von allen Winden der Welt gegerbten Gesichtern, unversehens, mit nichts Gutes verheißenden Mienen abseits bleiben oder sich absichtlich in den Schatten drücken. Heimlichen Groll im Herzen und wohl den spitzen venetianischen Dolch locker in der Scheide: so erinnerten ihn diese fremden Bürger einer fremden Stadt an den ersten Gruß seiner eigenen Landeskinder. Und König Jeröme fühlte sich unbehaglich und erkältet inmitten all der rauschenden Ehrungen, die die pomphafte Stadt ihm und seiner stillen, traurigen Gefährtin erwies. Ja, so ... . seine Gefährtin . . . .? Um ihretwillen war er ja hier, ohne zu wissen, warum sie so leidenschaftlich um diese Reise und diese Stadt gefleht hatte. Jeröme, der König, hatte sich die Bürgerin Judith bent Sonnino zu eigen gemacht. Jöröme, der Mann, aber warb noch immer mit allen Sinnen und heißem, eindringendein Sinn um die, die er zwar als Geliebte in seinen Armen hielt, und die er doch noch immer unerweckt und unerlöst neben sich wußte. Mit sanfter, nahezu frauenhafter Zärtlichkeit trachtete er, Judith auch noch den heimlichsten Wunsch aus der Seele zu lesen. Und seine ganze Königsherrlich'keit hätte er darum gegeben, wenn einmal, ein einziges Mal nur das Antlitz der „fremden Fraue" (so nannte er sie am liebsten) sich ihm erschlossen hätte in Licht und Freude oder gar in eines liebenden Weibes aufgelockerter Seligkeit. Etwas Seltsames, Befremdendes war da. Das war, daß Jörömes Abneigung gegen Venedigs Bürger (am stärksten gegen die Hochmögenden unter ihnen) sich 'äfhf ihre Stadt übertrug. Ihn, den Sohn der vom offenen Ozean umbrandeten Felseninsel, widerte die Fauligkeit stehhttcHr Gewässer, aus deren Schlammtiefen sich — einer phosphor phoreszierenden Sumpfblüte gleich — die aberwitzige, unglaubwürdige Schönheit dieser Stadt erhob. Er wußte nie, dünkte ihn der Heiligkeitsgeruch, der aus den vielhundert geöffneten Kirchentüren strömte, unerträglicher oder der Hauch pestartiger Verwesung, der unter den Brückenbogen abseitiger Wassersträßchen schwamm. Die schwüle Auflösung aller Sinne, die das Geheimnis der großen Buhlerin unter den Städten war, drang dem liebenden — und vergeblich liebenden — Manne aufreizend ins Blut. Ein Bett der -Wollust, eine Lagerstatt weicher, erschlaffender Lüste dünkte ihn das steinerne Spukgebilde, das so sinnbetörend auf dem gurgelnden Geplätscher ruhte. Als eine Kupplerin, eine Gelegenheitsmacherin auch erschien ihm die sündhafte Verruchtheit der marmornen Hochzeiterin, deren eigene nimmermüde Begehrlichkeit blutlos geworden war in der Jahrhunderte währenden Umarmung des Meeres. (Fortsetzung folgt.) Ut Unsere Rätsel-Ecke m ZerlegaufgaSe. □ P Aus den Teilen des vorstehenden Namens ist ein anderer Name eines biblischen Königs zu bilden.. —d. Joab Beer Errvia Ursicums Seth BavoeaS Labienus Beruria Maleachi SchieberätseL. Nebenstehende Namen, die in der jüdischen Geschichte eine Rolle spielen, sind ohne Aenderirng der Reihenfolge durch seitliche Verschiebung so untereinander zu setzen, -aß zwei senkrechte Reihen Me Residenz des Staates Inda und einen König, der dort residierte, nennen. —W. Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu!

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