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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-08-27 · 35 (27.8.1926) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
35 (27.8.1926)
Date
1926-08-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Aufklärung in Rußland machen werden: dem östlichen Leser gewährt dieses Buch nichts". Ad. 3. Diese Entschuldigung beweist abermals, wie niedrig Berfafser, wie ich sie geschildert, ihr Publikum einschätzen. Ter „komplette Widersinn" soll aus dem „Sturm und Drang" verstanden werden! Nein, der .-komplette Widersinn" ist mir der Unwissenheit des Verfassers -u erklären: er beweist, daß dieser keine Zeile Hebräisch lesen kann. Laß ihm ferner die Kenntnisse der Kulturgeschichte gänzlich fehlen und daß es von ihm eine unverzeihliche Anmaßung ist, sich an eine derartige Arbeit heranznwagcn. Rriht sonderbar ist die Entschuldigung mit der „frühen Jiiacnd". Ich kenne das Alter des Verfassers nicht, das Buch ist vor etwa sieben Jahren erschienen, —aber seit wann veröffentlicht man Schulaufsätzc. besonders, wenn sie miserabel sind? Im übrigen heißt cs: Was Hänschen nicht gelernt, lernt Hans nicht mehr. Und was soll die Phrase von den „zwei großen Arbeiten, die die Kraft eines einzelnen beinahe übersteigen" bedeuten? „Mumpitz" sagt der Berliner. Auch eine gute „Geschichte der Aufklärungsbewcgung" oder der ,Zuden in Polen" übersteigt nicht die Kraft eines einzelnen. Brauche ich auf andere Riesenwerke einzelner hinzuweiscn. in Vergleich zu denen eine derartige Arbeit Kinderspiel ist? Ist es nötig, Gelehrte zu nennen, die vor Erreichung des 80. Lebensjahres wissenschaftliche Leistungen vollbracht, denen gegenüber die Bedeutung eines solchen Gcschichtswerkes, selbst eines guten, gänzlich verschwindet? Aber die Phrasen von der „frühen Jugend" und den „großen Arbeiten" sind ja nichts als Renommisterei. wie auch der Hinweis ans den Verkehr mit Gelehrten und andere Arbeiten, die selbstverständlich, da vom selben Verfasser, ans gleichem Niveau stehen, wie das Haskalahbuch. Zur Schlußbemcrkung: mich interessieren die anderweitigen Kenntnisse und Fähigkeiten des Herrn Meisl durchaus nicht: er mag vielleicht ein hervorragender Sinologe sein oder unter den Polarforschern der größten einer. — von der hebräischen Sprache aber, von der hebräischen Literatur und von der hebräischen Kultur versteht der Verfasser des Ha s k a la h b n ch e s nichts. Oder ich müßte den ganz sonderbaren und kaum glaublichen Fall annehmen, er habe seine Kollegen, die über ihn glänzende Rezensionen geschrieben. anulken wollen. Ad. 4. Ich muß mich ganz entschieden gegen den Ausdruck „Attacke" verwahren und benutze die Gelegenheit zu folgender Erklärung. Es wird behauptet, mein Aufsatz sei im Austrage oder im Interesse der Liberalen als Attacke gegen hie Parteigänger des Herrn Meisl geschrieben worden. Ties ist eine auf Unwahrheit beruhende Verdächtigung. Der Aufsatz wurde aus Aufforderung einiger Haskalahmänner zur Warnung für unwissende Schmierer geschrieben: diesem Aussätze sollen noch weitere aus anderer Feder folgen. Durch Vermittlung eines Führers der Berliner Orthodoxie sollte er, ursprünglich in kürzerer Iassung, dem „Jüdischen Wochenblatt" zum Abdruck übergeben werden, wanderte aber durch ein besonderes Wunder statt an den Setzerkasten in die Hände des Herrn Meisl. der wußte, oder aus der ersten Hand wissen konnte, daß keine Abschrift vorhanden war. Diese Tatsache reizte mich zur Wiederholung, und der Umfang wurde verdoppelt: aber die meisten jüdischen Zeitungen waren durch die „glänzenden Besprechungen" festgelcgt und konnten sich nicht desavouieren, außerhalb der jüdischen Welt sollte die Sache nicht breitgetreten werden, und so wurde der Aufsatz durch einen Bekannten der Redaktion der „ILZ." übermittelt. In einer wissenschaftlichen Zeitschrift? Das verdient dieses Elaborat nicht: so etwas wird scuilletvnistisch behandelt und lächerlich gemacht, nicht aber wissenschaftlich besprochen. Herrn Meisl den Weg vorzuschrcibcu. den er „nach diesem lehrreichen Intermezzo" gehen soll, wäre Anmaßung: meine Worte waren auch nicht an ihn gerichtet, an das Publikum vielmehr. Zum Schluß noch ein Wort. Herr Meisl aibt unumwunden zn. das ganze Buch fei Zettelarbeit. dagegen aber heißt cs im Vorwort: „das Material zu der Arbeit ist mir aus langjährigen Studien auf dem Gebiete der Geschichte der russischen Juden zugeflossen". Heißt dies ehrlich? Ist dies anständig? Goldschmidt. Damit ist für -die Redaktion dieser Zeitung der Fall Josef Meisl fürs erste erledigt. Wir behalten uns vor, bei gegebener Gelegenheit auf die Angelegenheit zurückzukommen, und glauben, noch manches „Unerklärliche" klären zu können. Haben* sua fata libelli. Und auch Artikel haben ihre Schicksale. Die köstliche Geschichte seines ersten Meisil- Airfsatzes erzählt Lazarus Goldschmidt selbst in dieser Nummer. Auch wir werden einmal sagen, wie Dr. Meisl im privaten Kreis seinen Fall aufgefaßt hat. wie halb Berlin. Berufene und Unberufene, Große nlld Kleine, wobil gewacht wurden, um die notwendige Aufklärung dieses Falles zu hindern. Wir glauben, daß die jüdische Oeffentlichkeit dem Gelehrten Goldschmidt Dank wissen wird für seinen Kampf um die Reinheit der jüdischen Wissenschaft. Hf Versammlungskalender j; Berlin. (Liberale Synagoge Norden.) Schönhanser Allee 162, Anerbachsches Waisenhaus. Gottesdienst: Freitag, den 27. August 1626, abends 1A Uhr. Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 28. August 1026, morgens 10 Uhr. Breslau. (Jüdisch-liberaler I n g e n d v e r e i n , A b r a h a m Geige r".) Ganztagsausflug am Sonntag, dem 29. August, nach Obernigk-Prausnitz, Treffpunkt ^9 Uhr früh Nordhotel. Abfahrt 8^2 Uhr Bahnsteig 1. Sonntagssahrkarte 1,20 M. 4. Klasse selbst lösen. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. Gäste willkommen. Führung: Ludwig Freund. (Stephan 33 320.) (Auflösung der Rätsel in nächster Nummer.) Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu! Der tote Jude. (Forts.) Von. Dort s. Wittner. Nachdruck verboten. — Copyright by Qrethleln & Co., G. m. b. H., Leipzig. In Paris hatte einige Augenblicke hindurch die Hand der gekrönten Kreolin, der betörend fraulichen, warmen und weichen Kaiserin der Franzosen, Josephine Beauharnais, auf ihrem spitzengeschmückten Scheitel geruht. Und als die Kaiserin mit unendlich sanfter Gebärde das gesenkte Haupt der vor ihr Knienden erhob und als ihre goldfunkelnden Augen einen Herzton hindurch in die verhangenen Blicke Judiths Eingang suchten, da war es Judith gewesen, als hätte alles Mitleid der Welt in diesem heischenden, fragenden Blicke der kaiserlichen Frau gelegen. Um so steifer und steiler hatte sie sich aus ihrer höfischen Kniebeuge erhoben und sich von Josephines kluger Palastdame, Madame de Romusat, den anderen kaiserlichen Hoheiten vorstellen lassen. Auch den Kaiser selbst, dem Gebieter der Welt, hatte sic erblicken dürfen und war von ihm gemessen worden mit jenem sachkundigen, abschätzenden Blicke, den der Imperator nun einmal für Frauen hatte. Und sie war schon gewitzigt genug, um zu wissen, daß er, der über Völker, Länder und Frauen gebot als über Kreaturen, die ihm widerspruchslos zu Willen zu sein hatten, je nach seiner Laune heute eine Kaiserliche Hoheit, morgen eine große Schauspielerin, übermorgen eine Vorleserin seiner eigenen Gemahlin oder die Gattin eines seiner Marschälle kurzerhand in sein Schlafzimmer befahl und — daß noch keine ihm den Gehorsam verweigert hatte. Sie schätzte sich darum glücklich, wenigstens dieser Gefahr entronnen zu sein, denn sie wußte genau, daß sie an ihrem eigenen Gatten keinen Schutz ihrer Frauenehre gefunden hätte; daß er es sich viel eher zur Gnade angerechnet haben würde, das Licht halten zu dürfen. Vielleicht gehörten derartige Gepflogenheiten zu seinen früheren Berufen! Judith ben Sonnino machte sich keine Illusionen mehr über die Vergangenheit ihres Gemahls. TroÄ&dem oder vielleicht gerade darum aber trafen die Liebenswürdigkeit, der Charme und das ^offenkundige j Wohlwollen König Jerömes die gallenbittere^ Judith ben; Sonnino mit einer sie durdhschauernden Wärme und; Süße, wie sie sie seit der ersten Begegnung mit David Danielo nicht mehr verspürt hatte. Aber eben diese Erinnerung genügte, ihr den Rücken neu zu steifen und ihre Unzugänglichkeit bis nahe an die Grenze der LJnhöflichkeit zu steigern. Der König redete sie huldvoll an: mit einer betörenden, einschmeichelnden Stimme. Er war heiter (eine Eigenschaft, die sie an Sonninos Seite längstens verlernt hatte), galant, von Höflichkeit, überzeugt und — überzeugend. Es sprach nicht der Monarch zur Untertanin, sondern der Mensch zum Menschen. Aber auch der da drüben war ein Mann, ein Bonaparte zumal. Und Judiths Erinnerungen wanderten zurück zu jenem Tage, als sie, noch an ihres Vaters Seite, die Krönung der ersten Kaiserin der Franzosen miterlebt hatte. Und jetzt — das raunten gefällige Zungen der neuen Hof-Favoritin mit besonderem Vergnügen zu — ging der französische Gewalthaber mit dem Gedanken um, eine zweite ebenbürtige Ehe zu schließen und sich eine neue Ehegesponsin, würdig, Mutter seiner Kinder zu heißen, auf den legitimen Thronen Europas zu suchen. Judith ben Sonnino aber sah noch die andere vor sich, die erste, Unebenbürtige, die späterhin auf dem Scheitelpunkte ihrer Laufbahn so strahlend gütig gewesen war zu ihr, die sie als unglücklich mit frauenmäßig geschultem Blick erkannt hatte. Und — jene war geliebt worden. Von dem Herrn der Welt. Und sollte dennoch verstoßen werden. Trotz dem Schauspiel, das jählings, unter Jerömes dringlichen Augen, in Judith ben Sonnino aus den Tiefen des Gedächtnisses wieder emporstieg: hell, leuchtend, allen anderen Glanz der Welt überglänzend. Ja, so war es gewesen. Josephine Tascher de la Pagerie- — Josephine Beauharnais <— Josephine Bonaparte, bekleidet mit starrem Brokat, die Königsscihleppe aus rotem Sammet, von Hermelinstreifen eingefaßt, den gold- und silbergestickten Königsmantel von den üppigen Weibesschultern herniederfließend; auf dem Haupt ein Stirnband von Diamanten, wie es weder die königliche Mediceerin, noch Oesterreichs erlauchte Kaisertochter je kostbarer und funkelnder besessen, die Staatsrobe flimmernd vom kalten Gleißen der Juwelen: — also stand, von den höfischen Händen der Ergebenheit geschmückt, von Frauenhilfe sorgfältig in all' ihren Wirkungen unterstützt und errechnet, vor den kristallenen Spiegelscheiben, aus denen Marie Antoinette das Bildnis Ihrer Majestät empfangen, die kleine namenlose Kreolin and fragte das Glas um das trügerische Phantom ihrer Kaiserinnenwürde. (Frauen ahnen um die Vergänglichkeit von Glück und Erfolg.) Mit ängstlichen, halb irren Fingern griff sie in die nußbraune Pracht ihrer Haare, wie um die Wirklichkeit fassen zu können, daß sich auf eben dieses schmeichelnde Haargespinst binnen einer flächigen Stunde eine Krone herniedersenken sollte. Eine Krone, vom heiligen Vater der römischen Christenheit ihr, der namenlosen Mischlingstochter, auf die Schläfen gepreßt und mit dem höchsten priesterlichen Segen geweiht. Weißer und härter das Antlitz als des weiß essen und härtesten Marmors kaltes Gefüge; im Prunkkleid der römischen Kaiser; die gold- und edelsteindurchwirkte Dalmatika über der kugelfesten Feldherrnbrust, ebenfalls im purpurnen, mit goldenen Bienen bestickten Krönungsmantel; auf der cäsarischen Stirn den Kranz von goldenem Lorbeer als der Krone, die dieser bleichen Stirn wahrhaft gebührte: — so hatte zur gleichen Stunde Er gestanden, auch Er einer fernen Insel niedrig geborener Sohn, jetzo im Schlafgemach des heiligen Ludwigs, um vor spiegelnden Wänden mit kaltem unbeirrten Blick sein eigenes Bild noch einmal zu prüfen. Und als er sich vom Spiegel abgewandt, ließ er sich, mit Sorgfalt den Krönungsmantel zur Seite schlagend, auf einem Sessel nieder und blickte nachdenksam auf seine Hände herab; diese blendend geformten, zärtlich gepflegten Edelhände, die der schönsten Frau zum Ruhme gereicht hätten. (Und die nur seine Schwester Pftolima und sein Bruder Jörome in völlig gleichem Adel teilten.) Durch diese Hände liefen die Adern, die fast gesprengt wurden vom roten Strom des Willens und der Lebens-, kraft. Manchmal war es Napoleon — so erzählten seine Intimen, aus deren Kreis die Kunde bis zu Judith Pereira gedrungen war —, als müsse er durch diese weiße Haut — allen Bonapartes erb- und eigentümlich — hindurchdringen können bis zu den unbegreiflichsten Geheimnissen seines eigenen Blutes. Und dann war keiner da, der ihm verständnisloser, fragender, antworthungriger gegen-, übergestanden hätte als er sich selbst. Woher schrieb sich in seiner Seele die dämonische Macht, in die Menschen hineinzusehen wie in gläserne Schreine: verhängnisvolle Gabe, der er seine restlose Menschenverachtung dankte? — Woher stammte seine Fähigkeit, alle Menschen seinem Willen bedingungslos zu unterwerfen, das Schicksal selbst zum gefügigen Instrument seiner noch so vermessenen Wünsche zu machen? Wußte wohl einer darum, wie ehrfürchtig und staunend er, der Sieggewohnte selbst, jedem neuen Trumpf seiner Laufbahn gegenüberstand? Wußte einer, wie lauernd er auf das Echo horchte, das die Welt seinen Taten und Erfolgen tönte? Konnte einer ahnen, daß der korsische Knabe mit all den unbezähmten, unbezähmbaren Leidenschaften der vulkanischen Heimat nie erstorben war in dem eisernen Mann, mit den unbewegten Mienen, dessen Stirnrunzeln Könige die Furcht lehrte und Völker in den Tod schickte? Und hätte einer wagen dürfen, zu wissen, daß irgendwo in einer Herzkammer des Genies Schüchternheit wohnte? Die Schüchternheit dessen, der die Vermessenheit seiner eigenen Ansprüche kennt und die Unrechtmäßigkeit seines Tuns zu decken | trachtet durch gesteigerte Anmaßung und selbstbetrugende Kühnheit? Er hatte die Kunst erlernt, das Unerhörte zu fordern. Aber die Kunst, sich selbst von der Berechtigung seiner verwegensten Forderungen überzeugt zu halten, versagte ihm die brutale Aufrichtigkeit seines Kopfes. Zwar trug er das Kleid der römisches Kaiser. Nur daß er unter dem Purpur und Hermelin des nüchternen Sinn des Bürgers nicht verloren hatte. — Des süßen Fieberwahn der Gottähnlichkeit beherbergte da; robuste Gehirn des Kaisers nie. Seine Nerven wares widerstandsfähiger als die der Claudier, Juli er unc Flavier. Er vermochte es, Herr über die Erde zu heißes und dennoch sich zu erinnern, daß er ein Mensch sei und mehr noch, daß das Dunkel ihn emporgeschnellt habe Ihm kam zustatten, daß er kein — Enkel war. Und ei verargte es seinen Geschwistern, insbesondere den jüngstgeborenen, herb und unversöhnlich, daß sie sich nicht gleich ihm der Anonymität ihrer Geburt -stöfti berühmten, sondern daß sie statt dessen auf den ihnen von ihm verliehenen Tbroiwegseln sich geschmeidig und unvernünftig des Königspielens beflissen. Er sätBW aber heischte seinen Befehlen demütigeren und unverbrüchlicheren Gehorsam als je ein legitimer Herr, weil er, der die Form im Grunde seines Herzens inbrünstig mißachtete, wußte, daft er ihr von seiner Umgebung eine strengere und unverletzlichere Beachtung erzwingen mußte, als sie nur je von einem spanischen Hofzeremoniell hätte gewährleistet werden können. Es war eben das: sein Blut verlor niemals das Gedächtnis der Herkunft»-, losigheit. Und es war sein Kopf, der sein Blut Lügen strafen wollte. Judith ben Sonnino wußte das alles. Teils unkontroll-, lierbaren Gerüchten zufolge, teils dank den psychologisch tiefschürfenden und scharfäugigen Kenntnissen ihres Gatten. Und gerade darum konnte sie eben jetzt, im An-, gesicht der schimmernden Lichtgestalt König Jerömes, der seine Rolle schon so vorzüglich spielte, als wäre er in einer Königswiege zur Welt gekommen, die Vorstellung der Pariser Kaiserkrönung nicht aus ihrem Sinn und Sinnen verbannen. Das Volk r— das Volk, in dessen Namen man die „eine und unteilbare Republik" ausgerufen und mit dem Blut von Männern, Weibern, Kindern und Greisen, Königen und Bettlern besiegelt hatte; das Volk, in dessen Namen man in jener unvergeßlichen Stunde hinwider das Kaisertum proklamierte und den kleinen korsischen Artilleristen zum Kaiser krönte — eben dieses Volk — ein blinder, tauber und stummer Riese von gutmütiger Einfalt, wenn man seinen Magen und seine Verdauung in Ordnung hielt; — ein gieriges Auge aber, e i n gehrendes Ohr und e i n mordblickender Schlund, wenn man Hunger und Durst in ihm reizte; dieses Volk hatte an die Tore der Tuilerien gepocht und seinen Anspruch geltend gemacht an dem, den seine Gunst emporgetragen, weil er verstanden hatte, es gleichzeitig zu streicheln und zu züchtigen, König Demos hatte vor den Türen gestanden und — nach seinem gefürchteten Bruder geschrien. Und nie in ihrem Leben würde Judith jenen Augenblick vergessen, da dieser „Bruder" herausgetreten war, noch eine Minute zögernd, den hochmütigen Mund zu einem bösen, höhnischen Strich zusammengekniffen, ein letztes Mal auf seine weißen kaiserlichen Hände herabgeblickt und dann mit enem plötzlichen Ruck mitten in der Antichambre gestanden hatte. (Fortsetzung folgt.) GARBATY CIGARETTEN

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