Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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meinem Hochmut vermessen; in Demut will ich zehntausendfach Buße tun. Nur holt sie zurück, Herr Vater, auf daß das größte Unglück vermieden werde.“ Da schüttelte Reb Mardochai Israel Sontheimer das greise, weise Haupt. „Mache dir keine unnützen Vorwürfe, Perl, das große, das größte Unglück i s t schon geschehen. Ich habe Judith Pereira gesehen und gesprochen, und ich weiß, sie hat ihre Keuschheit verloren. Was anderes willst du noch retten, Perl? Auch ich habe gesonnen und gerungen mit dem Herrn, der das Furchtbare gerade unter meinem Dache hat geschehen lassen. Aber es gibt keine Hilfe, keine Rettung. Willst du ein Feuer löschen, das gar nicht mehr um seiner selbst willen brennt, sondern nur, um auch das Haus meines Freundes Benjamin Cerf Pereira zu verzehren? Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen, denn du warst wach und offenen Auges zur rechten Zeit. Mich aber trifft gerechte Strafe des Herrn, denn ich werde mich zu verantworten haben vor Benjamin Cerf Pereira, meinem Freund, so er die Seele seines mir anvertrauten Kindes von mir heischt.“ Und während Reb Mardochai Israel Sontheimcrs wuchtendes Patriarchenhaupt wie zerbrochen auf seine eigenen gekreuzten Arme fiel und Cora Perl, die züchtige Magd und Tochter des Hauses, tränenden Auges daneben stand, ließ die große Ohnmacht und Hilflosigkeit des Menschentums ein zwangsläufiges Schicksal seinen Weg in eine dunkle, vom schwarzen Schalten vergangene Ferne nehmen. Die Flucht? Es mußte wohl so sein, daß David Danielo ben Sonnino cs eigens darauf angelegt hatte, seine in allem Glanze dieser Welt erzogene und aufgewachsene Braut und Liebste schon durch die einzelnen Stationen dieses Passionsweges zu erniedrigen, ja, bis in den Staub zu demütigen. Wo immer das flüchtende Paar Rast machte, geschah es in schmutzigen, dumpfen, lichtscheuen Herbergen, in denen fragwürdiges Gesindel auf- und niederhuschte (beiläufig: alle in seltsamer Vertraulichkeit mit Sonnino), so daß schmierig fingernde Neugier die stolze Patrizierstochter, deren Vermummung jedem scharfäugigen Blick unschwer erkennbar war, mit unkeuschen Fingern abzutasten und entweihen zu dürfen schienen. Niemals sprach Judith in dergleichen Häusern auch nur ein noch so sparsames Wort. Und als der Venezianer sie gelegentlich schalt wegen der Unklugheit solchen Benehmens („denn man wisse niemals, wer einem schaden, wohl aber immer, wer einem nützen könne“), sah sie ihn aus ihren feuerradgleichen, ausgeweinten, von Tränen schier verbrannten Augen mit einem Ausdruck solcher Verständnislosigkeit und abgründiger Verachtung an, daß selbst dieser abgebrühte „Liebhaber“ davon abstand, weiter in seine steinerne Braut zu dringen. Ein einziges Mal, in dem schrecklichsten und widerlichsten aller an der Stadt-Peripherie gelegenen Wirtshäuser, wo man muskulöse Männer mit mysteriösen Lasten zwischen den Schultern treppauf, treppab keuchen und hernach beim Schnaps gröhlende Weiberstimmen unflätige Witze reißen hörte, war das Unglaubhafte geschehen, daß Judith plötzlich schweigend den gemeinsamen Raum verlassen hatte, um sich in ihrer beider Gemach — ihre „Brautkammer“, so dachte sie höhnend bei sich, — emporzuflüchten, und daß da jählings die Wirtin des verrufenen Hauses, eine breite, schmalzige, aus den Formen gegangene Frau mit listigen Fältchen um die spähenden Aeuglein und einem ewig gutmütig schmatzenden Mund der. Jungen gefolgt war und alsbald mit unbeholfenem Streicheln -an der Feinrissigen, Feingliedrigen herum* tätschelte, dazu abgerissen vor sich hinmurmelnd: (Fortsetzung folgt.) Geschäftliche Mitteilungen. Die Ziehung der Deutschen Vühnengenossenschafts- Lotterie findet am 15. Juli, vormittags 9 Uhr, öffentlich im Förster-Saal, Keithstraße 11, statt. Die Firma B a e r Sohn A.-G., Chausseestratze 29/30, bittet uns, mitzuteilen, daß sie die von der Kundschaft im Saison-Ausverkauf gekauften Wintermäntel sowie Herrennnd Damen-Pelze bis zur kälteren Jahreszeit kostenlos Kalendarium sür.d1e Zeit vom I7.7.b.24.7.is2ü. Juli 1926 Ab 5686 Sonnabend 17 6. Sabbat Chason Wochenabschnitt. D'worim Oaftarah: Jesaja 1, 1—27 Sabbat-Ausgang: 9,17 Uhr Sonntag 18 7. Montag 10 8. Dienstag 20 9. Tischoh l'Am (Jasttag) Ansg. 0,13 Uhr Mittwoch 21 10. Donnerstag 22 11. Freitag 23 12. Sonnabend 24 13 Sabbat Nachum Wochenabschnitt: Woeßchann Oaftarah: Jesaja 40, 1—26 Sabbat-Ausgang: 9,6 Uhr lAuflösuna der Rätsel in nächster Nummer.) Garagen «mul Abzahlung Günstiges Angebot auch für Hauswirte zur Ausnutzung ihrer Grundstücke in Sparbauwcisc Schriftliche Anfragen erbeten an: GesMo. FabrikbBVIeo ß. m. b. 9. Berlin W 35, Potsdamer Sir. 118 c, Lützow 2764 HöDenfcher _ DaiDlwäsM ond .. 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