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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-07-02 · 27 (2.7.1926) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
27 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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junfer Euer Dach geschickt; wollt Ihr et verantworten, mich ihm unbegründet und unerbeten heimzusenden? »Vielleicht hat auch mein Vater im Augenblick bedeutsame Geschäfte, die ihn von seinem Hause, fernhielten. Vielleicht droht mir auch unter seinem Giebel irgendeine! heimlich-unheimliche Gefahr?“ . < * Niemals in den späteren Zeitläuften ihres Lebens wußte Judith Pereira, woher sie in dieser Stunde den traurigen Mut genommen, dem gütigen Ohm und Freund also dreist entgegenzutreten. Vielleicht aber war es nur der Mut der Verzweiflung, der ihr zuraunte: „Ein Zurück gibt es nicht“, und der sie mithin vorwärts stieß, weiter, 1 als sie selbst vielleicht ahnte, geschweige denn beabsichtigte. Mardochai Israel Sontheimer aber hatte sich erhoben, hatte die Freundin und Base seiner Tochter nur mit stummer Verachtung gemessen, um dann zu der kargen iWiderrede auszuholen: „Das lasset gefälligst meine Sorge sein, Judith Pereira! Wollet Ihr selbst nur so schleunig wie möglich Eure Reise vorbereiten. Beiläufig: es genügt, wenn die Mägde des Hauses Euch behilflich sind, Eure Sachen zu rüsten. Cora Perl — ich vergaß es — hat andere Dinge in meinem 'Aufträge zu erledigen. Sie, wird — zu . ihrem . eigenen Bedauern — Eurem Abschiede nicht beiwohnen können.“ Jetzt verjagte das Rot glühender Scham die vorangegangene Blässe der Angst aus Judith Pereiras Wangen. Sie verstand, daß Mardochai Israel Sontheimer sie nicht mehr für würdig erachtete, seiner Tochter die Hand zu reichen, daß er in ihr eine moralisch Aussätzige sah, vor deren ansteckendem Gift man die Seinen bewahrte. Eiskalt schwang darum ihre schöne tiefe Stimme durch den Raum, als jetzt sie ihrem Oheim und Gastfreund die knappe Antwort erteilte: „Ihr werdet mich bereitfinden zu der Stunde, die Ihr gütigst bestimmen wollt. Auf den Abschied von Perl verzichte auch ich ohne sonderliche Trauer, da ich ihrer gastfreundsehaftlichen Aufmerksamkeit ja wohl ohnedies die plötzliche Scheidung vom Hause Sontheimer danke. Trent freundlichst Eure Dispositionen, Herr Oheim, und aßes weitere wollet mit meinem Vater unterhandeln, der; die Beleidigung seiner Tochter auch kaum in, der von Euch beHebten und vorausgesetzten Gemütsruhe hinnehmen dürfte. Für das, was ich in diesem Hause genossen, sage ich meinen schuldigen Dank und füge nur die eine Bitte hinzu, diese Schwelle me wieder betreten zu müssen.“ Sprach'* und war aus der Tür. „Genau wie der Venezianer vorhin“, sann Mardochai Israel Sontheimer in sich hinein. Draußen aber flogen die flinken Füße Judiths treppauf, treppab und — sie. brauchte nicht lange zu suchen — schon trat ihr David Daniele ben Sonnino in den Weg. „Nun, schöne Judith, auch von der tugendhaften Perl heimlicher ■ Sünde, bezichtigt, vor das hochnotpeinliche Tribunal berufen und gleich Schwerverbrechern binnen Stundenschnelle' des Hauses verwiesen? Habt Ihr den Kopf auch fein demütiglich geneigt, Euch Verzeihung erfleht von Eurem hochachtbaren Oheim und seine Pläne ehrerbietig widerspruchslos entgegengenommen? , Wohin geht die Reise zuvörderst? Nach Aachen, zu irgendeinem noch gestrengeren Tugendwächter und von dorten als Büßerin in Sack und Asche aus einer Hand in die andere, einem Haus in das andere, damit nur ja das ganze Rheinland. Eure Schande erfahre und Ihr in gebotener Zerknirschung Eurem hochehrwürdigen Herrn Vater, Benjamin Cerf Pereira, mit allen Zeichen des Abscheus aller Frommen und Buchstabentreuen ausgeliefert werdet? Ist's nicht so? Oder wie lautet däs Projekt? Mich kann man mit Hunden vom Hofe hetzen lassen: auf Euch, die Töchter des mächtigen Freundes und Handelsherrn, muß immerhin etwelche Rücksicht genommen werden. Also, unumwunden, sprecht, schöne Judith, wie Eure Reise geht?“ Ohne zu merken, daß der Venezianer sie durch seinen Hohn in letzte Torheit und Bewußtlosigkeit hineinstacheln wollte, zischte, nein, züngelte das bis aufs Mark ge-? ’ demütigte Mädchen ihm zu: . . . „Ich weiß nicht, ich habe nicht recht verstanden, was Reb Mardochai Sontheimer von mir gewollt und verlangt hat. Ich weiß nur, daß ich aus dem Hause soll, daß meine Base Perl sich für zu gut dünkt, mir noch einmal die Hand zu drücken, und daß mein Oheim mir das Geleite geben will, zu irgendwelchen zuverlässigen, aber mir fremden Leuten, die mich hinwieder in die sichere Obhut meines Vaterhauses überführen sollen. Nur das „Was“ habe ich gehört; nach dem „Wie“ habe ich nicht mehr gefragt. Und das alles, alles, alles — die Schmach — die Rutenhiebe der Verachtung, mit denen jener mich gezüchtigt hat, das alles“ — und plötzlich weiteten sich ihre Augen ganz groß, angstvoll und wie von fernen Gesichten erfüllt —» „das alles um Euretwillen und weil ich Euch eine Stunde der Freude schenkte? Ist denn Freude strafbar auf Erden? Muß man sie so teuer bezahlen?“ „Eine Stunde der Liebe, Judith, verwechselt das nicht“, schmeichelnd drang jetzt die Stimme des Verführers zu der längst Verführten, „Wäre es nur eine Stunde der Freude gewesen, vielleicht hätten die andern recht mit ihrer dumpfen, verlogenen Scheinheiligkeit. Aber eine Stunde der Liebe wird nicht teuer genug bezahlt mit einem ganzen Leben. Darum frage ich Euch nochmals, Judith, wohin des Weges und mit wem? Als Sklavin, in unsichtbaren Ketten, mit Eurem Oheim Reb Mardochai Israel Sontheimer oder frei, aufrecht, leuchtenden Auges als meine Geliebte, Braut und künftige Ehefrau geradenwegs nach Amsterdam zu Benjamin Cerf Pereira, Verantwortung auf uns zu nehmen für gemeinsames Leben, nicht aber einsam in Schuld verbannt zu werden. Um -- einer Stunde der Liebe willen?" (Fortsetzung folgt.) sch bai Vreslau, im 3unl 1926. Die Israelitische Krankenverpflegungs - Anstalt ((Hewra-Ka-ischa) zu Sreslau feiert im Juni d. 3. ihr MM. ZubilSum Die vor 200 Zähren von edlen Männern als Zweck der Vereinigung bezeichnten heiligen Aufgaben, die Erfüllung der Liebespflichten gegen Kranke und Verstorbene, hat unsere Gesellschaft seitdem stets erfüllt. Leider aber befinden flch die Anstalten in ihrem Jubeljahre in außerordentlicher Notlageihr gwrwestaüv ist ernstlich bedroht. Das durch die Opferwilligkeit in zwei Jahrhunderten angesammelte Stiftungsvermögen ist durch den Währungsverfall fast ganz in Verlust geraten, die früher so reichlich fließende Duette freiwilliger Spenden und wohltätiger Stiftungen ist fast vollständig versiegt. Es fehlen die Mittel, um die für die Anstalten erforderlichen großen Zuschüsse aufzubringen, obwohl von Tag zu Tag immer größere Anforderungen an sie herantteten. Das Krankenhaus, das jüdie Arme unentgeltlich aufnimmt, äs jüb. Aerzten und Schwestern Gelegenheit zurAusbildung bietet, daS amy in Kreisen Andersgläubiger sich hohen Ansehens ererfreut, die Altersversorgungsanstalt und das SiechenhauS müssen erhalten bleiben. Die Fortführung der Stabtkrankenpflege für stets mehr als 300 arme Familien, sowie der Polikliniken für Patienten ohne Unterschied der Konfession ist unerläßlich. Die hierfür erforderlichen großen Mittel sollen durch Schaffung eines JubttSumsfonös aufgebracht werden. Ungeachtet der auf jedem Einzelnen lastenden wirtschaftlichen Not rufen wir hiermit alle edlen Menschenfteunde in Stadt und Land zur Hilfeleistung auf. Wir appellieren an die Hochherzigkeit unserer Mitbürger, an die dankbare Gesinnung aller derjenigen, die selvst oder deren Angehörige die Dienste des Krankenhauses in Anspruch genommen haben, an die Heimatliebe aller LreSlauer u. Schlesier. Oie Namen aller derjenige«, die sich durch eine Spende an dem Liebeswerk beteiligen, sollen in einem Jubiläumsgedenkbuch, bei Beträgen von 1000 Rk. und darüber auf einer im Krankenhaufe anzubringenden besonderen Iubiläumsgedenk« tafel verzeichnet werden, den edlen Wohltätern zur Syrung, den kommenden Seschlechtem zur Nachahmung. Der Werbeausschuß. Zahlungen erbeten auf Postscheckkonto llv Dresdner Sank, Filiale Breslau, für JubiläumsfondS Israelitisches Krankenhaus. h i i riiinf sehr EtnKatt««11 Badeartikel für Pwm, Hfr—i undMKIndar Ein paar Beispiele: Trikot - Badeanzug L Knaben u. 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