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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-06-18 · 25 (18.6.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
25 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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seltsame» Erscheinung, die In da» Dunkel der künftigen sozialen Entwicklung einen Schimmer wirst, stehen hier nicht zur Erwägung" beweist — so schreibt Rathenau — «baß ich der Erscheinung der Wirtschaftsplutokratie mit der größten Gorge entgegensah, und es ist wohl in der Geschichte der Fälschungen so ziemlich das unerhörteste, wenn jemand, der vor einer Erscheinung warnt, für diese Erscheinung verantwortlich gemacht wird. Daß es sich bei den «Dreihundert" nicht um Juden handelte, sondern um Führer -eS internationalen Wirtschaftslebens, brauche ich nicht mehr besonders zu erwähnen." 2. Der fltifct am Brandenburger Dar. Rathenau soll die Niederlage Deutschland» im Weltkrieg gewünscht haben, wie sein Ausspruch bezeuge: «Wenn wir als Sieger durch da» Brandenburger Tor etnztehen, hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren." In einem Schreiben vom 26. Januar 1921 hat Rathenau (Briefe Nr. 697) diesen Satz als «Produkt einer bewußten Fälschung" bezeichnet. Der authentische Wortlaut, in der 1919 erschienenen Schrift «Der Kaiser". Seite 28, betreffe eine Voraussage, die er im Jahre 1914 gemacht habe: «Nie wird der Augenblick kommen, wo der Kaiser als Sieger der Welt mit seinen Paladinen auf weißen Rossen durchs Brandenburger Tor zieht. An diesem Tage hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren. Nein! Nicht einer der Großen, die in diesen Krieg ziehen, wird diesen Krieg überdauern." .«Daß dieser Satz", so fährt Nachenau fort, „sich lediglich auf die Aussichtslosigkeit der damalige» Führer, den Krieg zugewinnen, bezieht, geht aus dem folgenden Satze hervor: «Moltke stürzte und starb, Falkenhayn, Bethmann, Jaaow, Tirpitz stürzten: im letzten Jahr war nur der Kaiser übrig, und zum Schluß stürzte auch er." Als zum erstenmal eine Entstellung meiner Ausführungen in der Presse erschien, schrieb mir ein befreundeter Mann, der im Kriege eine hohe und verantwortliche Stellung im KriegSministerium bekleidet hatte, er erinnere sich genau meiner Aeutzerung und könne auf seinen Eid jederzeit bezeugen, baß sie in dem Sinne zu verstehen sei, den ich soeben dargelegt habe." Dieser Zeuge ist anscheinend General von Wandel.' 8. Talmubische Geschäftsmoral. AuS der talmudischen Geschäftsmoral «werden Aeußerungen möglich, bei denen einem ein gewisse» Frösteln ankommen will, wie Rathenau in einer seiner Schriften das böse Wort gebraucht von der herrschenden WirtfchaftSmoral: die Ehrlichkeit beginne gewöhnlich bei über 20 Millionen. Die Ehrlichkeit wird damit als ein Luxusgegenstand gewertet, die man sich erst von 20 Millionen ab zulegt." Go hatte ein Theologie-Professor Dr. Gottesberger in München in einem Vortrag Anfang Dezember 1921 behauptet und in einem Bericht darüber wiederholt. Und durch den antisemitischen Blätterwald rauschte es alsbald von der talmudischen Geschäftsmoral und der Ehrlichkeit, die bei 20 Millionen anfange. Wovon aber hatte Ratheuan in seiner Schrift gesprochen? Die angezogene Stelle lautet: «Lebensformen haben sie (die Kriegsgewinner) zum Teil schon angenommen: ein gewisser geschäftlicher Anstand stellt sich in der Regel nach der zwanzigsten Million ein, sobald der kleine Betrug nicht mehr reizt und lohnt.. ." Und Ratheuan stellte am 14. Dezember 1921 an den Professor eine Reihe Fragen (Nr. 757 der Briefe): «Warum sagen Sie, Aeußerungen wie die meine werden aus Anschauungen der talmudischen Geschäftsmoral möglich? Weber bezog sich meine Aeußerung aus talmudische Geschäftsmoral — sie bezog sich auf KriegSgewinner ohne Ansehung des Glaubens, noch wurde sie aus talmudischer Geschäftsmoral eingegeben." «Warum nennen Sie meine Aeutzerung ein böses Wort? Vertreten Sie als Lehrer der Theologie die Auffassung, daß ein Wort böse sei, das sich in scharfer Form gegen das Böse richtet?" „Warum sagen Sie, ich rede von der herrschenden Wirtschaftsmoral, wenn ich ausdrücklich von Kriegsgewinnern rede?" „Warum zitieren Sie falsch?" Und so weiter ein halb Dutzend eingehend begründeter peinlicher Fragen. Die Antworten werden leider nicht mitgeteilt. Aber wenn der Münchener Theologe etwa widerrufen und abgebeten haben sollte, in der antisemitischen Presse wirb flottweg gelogen, Rathenau habe aus talmudischer Geschäftsmoral heraus behauptet, die Ehrlichkeit fange gewöhnlich, also nicht bloß bei den Kriegsgewinnern, bei 2» Millionen an, und er habe diese Tatsache nicht gemißbilligt. Wer Augen hat zu sehen, erfährt aus Rathenaus Briefen, freilich nicht zum erstenmal, aber sonderlich klar und bündig, wie unsinnig der Haß seine Worte gefälscht und in ihr Gegenteil verkehrt hat. Ob es fortan damit vorbei ist? LreäLi ^uckaeus Apella! Nur eine vierte Lüge scheint endgültig verschwunden zu sein, die von dem Fries mit den abgeschlagenen Fürstenhäuptern an dem Natlienauschen Hause, nachdem sie gerichtlich als der Schwindel, der sie war, rechtskräftig erwiesen und gebrandmarkt worden ist. D. W. Iudenmission und Religionsunterricht. Von Dr. Spanier, Magdeburg. In den allgemeinen Schulen sollte es zu den vornehmsten Aufgaben der christlichen Lehrer zählen, die ihnen anvertraute Jugend mit wahrhaft religiösem Sinn zu erfüllen, und dazu gehört vor allem, den Geist der Wahrheit und der Liebe ihr einzuimpfen, den Hatz gegen Juden und Judentum zu bekämpfen und tief eingewurzelte Vorurteile mit Stumpf und Stiel auszurotten. Daß es vereinzelt solche Lehrer gibt, erkennen wir dankbar an. Nun haben wir noch eine andere Erscheinung ins Auge zu fassen, die dem Antlsemitismus den Krieg erklärt, aber „liebevoll" sich bemüht, die Juden dem Christentum zuznftihren, eine Aufgabe, die sich die sogenannte .Zudeninissiori" als Ziel gesteckt hat. Oder, mit ihren Worten ausgedrückt. Israel „das Verständnis zu öffnen und es zu Jesu als dem verheißenen Messias zu führen, ist Pflicht der Christen, die in Jesu ihr Heil gef-NÄden haben". Daß nicht alle Christen diese Anschauung teilen, darüber belehrt uns der berühmte Theologe Sch lei er mach er (1768—1834), der die Bekehrung eines wirklichen Juden für ein Ding der Unmöglichkeit erklärt. Trotz alledem hat die deutsche Judemnissivn „Erfolge zu verzeichnen. Wir nennen die Professoren der Theologie Ncander. Philippi, Caspari. Neander war als Sohn deS jüdischen Handelsmannes Mendel 1789 in Göttingen geboren: er starb 1850. Man hat auf ihn das Wort angewandt: „Siehe. ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist/ Philippi, 1800 in Berlin als Sohn eines reichen Bankiers geboren, ließ sich 1829 in Leipzig taufen und starb 1882. mit den Worten: „Jesu, erbarme dich." Caspari, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, 1814 in Dessau geboren, wurde 1838 getauft und starb 1892. Bekannter Proselyt ist Paulus Cassel, als Jude Selig Cassel genannt, geboren 1821 in Groß-Glogau, getauft 1855 in Erfurt, gestorben 1862 in Berlin. (Sein Bruder war der jüdische Gelehrte David Cassel, der an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums segensreich gewirkt hat.) In einem 2Serk „Die Judenmission in de< Schule" von A. Sydow wird Paulus Cassel folgendermaßen gekennzeichnet: „Bon jüdischer Eigenart und jüdischem Wesen hat er sich nie ganz frei gemacht. Das genannte Werkchen nennt noch als Proselyten die Theologen Jacobi. Moritz und Jacob Lichtenstein, Dr. Reumann und «als eine Fehlgeburt" Dr. Schwalb in Bremen. Weiter Dr. Paul vendix, Theodor Bensen, der Sprachforscher, Bernhardy, Erforscher der griechischen Sprache, Georg Ebers, Verfasser kulturgeschichtlicher Romane, und Professor Adolf Läsion (ursprünglich Lazarussohn). Obenan steht Friedrich Julius Stahl, 1802 in München geboren, 1810 getauft, nach 1848 Führer der Konservativen und der Kirchlich-Konfessionellen, prägte den Begriff „christlicher Staat". 1801 starb er. Der Verfaffer der oben erwähnten Schrift meint: „Die meisten Schriftsteller jüdischer Herkunft gereichen der christlichen Kirche wenig zur Zierde." Wie soll nun der Religionsunterricht im Sinne der Mission erteilt werben- Selbstredend wird allechrtstologisch zu. gespitzt, -aist auch bei -er Behandlung der Zehn Gebote ersichtlich. ES fei bemerkt, daß der Form nach der christliche Dekalo» dem jüdischen nicht entspricht. Der christliche zieht den ersten und zweiten Ausspruch zusammen und teilt den 10. in zwei Teile. Gleich bei -er Behandlung des sogenannten ersten Gebotes tritt uns der Missionsgedanke in voller Gehässigkeit entgegen. Es heißt in dem genannten Handbuch für Geistliche und Lehrer: „Kaum ein Volk verabscheut so wie dieses (Israel) den Götzendienst, und kein Volk ist ihm je und je so ergeben gewesen. Noch heute hat es einen Götzen, der es knechtet, das ist -er Mammon. Dabei sieht Israel in der christlichen Lehre von der Dreieinigkeit nur Polytheismus und beschuldigt uns -eS GötzeSdiensteS, weil wir drei Göttern dienen." Hier sehen wir deutlich, wie eine solche Art von Religionsunterricht verhetzend wirken muß! Ist es nicht eine Infamie, dem zarten Kindesgemüt Haß und Vorurteile einzuflötzen? Das soll Ausgabe deS Religionsunterrichts sein? Gewiß dienen einzelue Juden ebenso wie einzelne Christen dem Mammon, aber wer die jüdische Religion kennt, weiß, daß sie durchdrungen ist von den erhabensten Lehren wahrer Sittlichkeit. Wir würden niemals Hexenprozesse, Jnguisitionsgerichte usw. zu den Grundbestandteilen der christlichen Religion zählen. Welches ist das Mittel, die Juden von ihrem Götzendienst zu befreien? Herr Pastor Sydow weiß eS: „Die Inden sollen den dreieinigen Gott kennenlernen und durch ihn von ihrem Götzendienst loSkommen. " Bon je lehren die Inden den reinen Monotheismus und können darum der Trinität nicht huldigen. „DaS zweite Gebot" (bei uns das dritte), so meint der ehrwürdige Herr, „ist dem jüdischen Charakter angepaßt wie kein anderes (!). Kein anderes Volk mißbraucht den Namen Gottes so sehr, wie Israel"-«Davon, -aß unsere Rede „Ja ja, nein nein" sein soll, haben sie keinen Begriff." Der Herr Pastor hat keinen Begriff davon, daß die jüdische Religion unaufhörlich das Streben nach Wahrheit predigt, daß die gute Tat der inneren Gesinnung entsprechen muß, -aß schon vor Entstehung des Neuen Testamentes die jüdischen Weisen gelehrt haben: Dein Ja sei Ja, Dein Nein sei Nein. Wir sehen, daß die christlichen Schüler nicht mit der Wahrheit vertraut gemacht werden sollen. Soll denn Lug und Trug tn den Herzen der Kinder Wurzel fassen? Wir sind freudig überrascht, wenn wir weiter lesen: „Aber auch die evangelische Christenheit (wie die katholische Kirche) hat sich gleicher Sünden schuldig gemacht durch Verfolgung der Juden. Wer das fünfte Gebot recht erklären will, muß es als Gebot der uneingeschränkten Nächstenliebe ansehen." (Das ist doch ein Zugeständnis an die jüdische Religion!) Weiter: „Wie aber Hatz gegen die Juden mit Nächstenliebe gepaart werden kann, wird stets unerfindlich bleiben. Wer den Nächsten lieben will, darf keine Ausnahme machen." Schönes Wort aus dem Munde eines christlichen Geistlichen, das weiteste Verbreitung und Beherzigung verdient. Nur bedauerlich ist es, daß diese von edler Gesinnung zeugende Auffassung mit dem Vorangegangenen kontrastiert. Man darf nicht zuerst hetzen und dann Liebe predigen.— Wir sind dem Herrn Pastor dankbar, daß er bei der Erläuterung des Gebotes: «Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider Deinen Nächsten" Veranlassung nimmt, zu erklären: „Was die einen aus Bosheit oder Torheit erfinden, das schwatzen die anderen gedankenlos nach. Selbst in gut christlichen Kreisen kann man die abgeschmacktesten Dinge über religiöse Gebräuche und Mißbräuche der Juden hören. Ich erinnere an die „Nitnalmorb"-Beschuldigung, deren Nichtigkeit schon dadurch erwiesen ist, daß die Jichen nur blutleere Speisen essen dürfen. Solchen-Verleumdungen über die Juden entgegenzutreten, hat der Lehrer bei dem Gebot Gelegenheit und Pflicht." Schließlich möchten wir nur noch der in Missionskreisen üblichen Auffassung entgegentreten, daß, wie auch Franz Delitzsch meinte, der Witte Gottes die Inden erhält, „weil die größte aller Sünden, die Kreuzigung Jesu und die Verwerfung des Gekreuzigten eine entsprechende Strafe an dem Volke erheischt, welches diese Sünde begangen und noch begeht." Anders urteilt der Generalsnperintcndcnt Herder und ihm stimmen wir zu: „Es ist geradezu eine Borniertheit, deren Verfolgungen als ein Strafgericht Gottes an. zusehen." (Siehc seine Ideen zur Geschichte der Menschheit.) Es würde einen unberechenbaren Fortschritt zum Aufstieg aus dem Chaos, der uns jetzt umgibt, bedeuten, wenn jeder Rcligionslehrer es als seine sittliche Pflicht erachtete, einer von Vorurteilen freien Liebe nachznstreben und sie im Unterricht zum Ausdruck zu bringen. Der Antisemitismus würde sich dann ans dem Sterbelager befinden. s Ml Aus den Gemeinden M Aachen. (Frauenwahl recht.) In der lebten Repräsentantenversammlung wurde einstimmig ein Antrag des Vorstandes angenommen, durch den den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu den jüdischen Körperschaften cingeräumt wurde. Bamberg. (G e m e i n d e w a h l c n.) Zum ersten Male seit Kriegsende fanden hier kürzlich Gemeindewahlen statt. Nach den neuen Statuten werden die Gemeindcanaclegenheiten künftig von zwei Körperschaften, einer Verwaltung, von zehn Mitgliedern und einer Kammer von 24 Mitgliedern. geregelt. Das aktive Wahlrecht haben alle Gemeindeangchörigen beiderlei Geschlechts über 25 Jahren. Das passive Wahlrecht besitzen nur Reichsdeutsche. Bon Liberalen, Konservativen und Zionisten wurde eine gemeinsame Liste aufgestellt. Danach erhielten in der Verwaltung die Liberalen 7. die Zionisten und die Konservativen zwei Sitze, in der Kammer die Liberalen 16, die Konservativen 4 und die Zionisten 4 Sitze. Da keine weitere Liste eingercicht wurde, galt die Liste als gewählt. Berlin. (S n n a g o g e n c i n 0 r u ch.) In der Nacht zum Montag drangen Gcldschraukeinbrccher in die Bureaus der Jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstraße 16 ein. Vom Nachbarhause kommend, überstiegen sie eine zwei Meter hohe Mauer und versuchten mit einem Sanerstosfgebläse den Geldschrank zu öffnen. Die Bemühungen waren iedvch vergeblich. und so begnügten sie sich mit neun Mark, die sie in einem erbrochenen Schreibtisch fanden. Berlin. (L i s s a u e r und der „F r i d e r i c n s".) Der Herausgeber der antiscmitischell Wochenschrift „Frideriens". C. F. Ooltz. hatte sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte unter Vorsitz von Amtsgerichtörat Ueberhorst wegen öffentlicher Beleidigung des Dichters Ernst Lissaner. der besonders durch den während des Krieges erschienenen „Haßgesang an England" in breitester Ocst'entlichkcit bekannt geworden ivar, zu verantworten. Ernst Lissauer ist den Lesern unsere» Blattes kein Unbekannter. Er hat hier verschiedentlich Gedichte veröffentlicht. Sein Gesamtwert wurde tu einem umfangreichen Aufsatz der Reihe «Jüdische Schriftsteller der Gegenwart" gewürdigt. Die Beleidigung wurde darin erblickt, bah Hvltz im «FriderieuS" unter der Ueverfchrtft «Gott strafe Ltssauer" sich mit der jüdische« Abkunst beS Dichter» befaßte und mitteilte, Ltssauer hätte tn bezug auf den Haßgesang geschrieben: «Auch sehe ich heute ein, daß ich meine Sorge um Deutschland statt in der verneinenden Form eines Hatzgesange» gegen England bester ln der Form eines LiebesgefangeS an England ausgesprochen hätte." Diese Aeußerung war falsch wiedergeaeve», denn Lissauer hatte von einem «LieoeSgesang an Deutschland" gesprochen. An die Fälschungen waren beleidigende Acuyeruugen geknüpft worden. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende, daß der Angeklagte wegen öffentlicher Beleidigung Ernst Lissauers zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt werde. Der Dichter verdiene den Schutz der Oeffentlichkeit und der Behörden, weil seine ideale Grundsttmmung aus jeder Zeile seines Schaffens hervorlenchte und er in.feinen Werken durchaus die Aufgaben bes deutsche» Volkes vertrete. Strafverschärfend komme für den Angeklagten in Betracht daß er ganz erheblich vorbestraft sei, so daß man annehmen müsse, daß er das Verleumden in seiner Zeitschrift gewerbs- und gewohnheitsmäßig treibe. Berlin. (Iuryfreie Krrnstfchau.) Auch tu diesemi Herbst wird im Berliner LandesvuSstellunasgeLSude etue juryfreie Kunstschau stattsinden. Hoffentlich wird es möglich sein, die Ausstellung etwas vorzirverlegen, damit nicht nur die ungünstigen Monatefür sie in Betracht kommen. AI» besondere Veranstaltung wird die Ausstellung diesmal t» einem eigenen Bau eine Anzahl von Räumen für evanaett-i fchen, katholischen und jüdischen Gottesdienst zeigen, um vorzuMren. was die darstellenden Künste im Dienste dieser Bekenntnisse heute leisten könnten. Berlin. (Aufgaben und Wege Ser Bibeb* forschung.) lieber dieses Thema spricht im Verein ehemaliger Hörer -er .Hochschule Ar die Wissenschaft -eS Juden« tums am Dienstag, den 22. Juni, abends 8 Uhr. Dr. Tori czyner in Ser Aula der Hochschule, Arttllerieftraße 14. Berlin. (Silberne Hochzeit.) Am 16. d. M. beging unser Freund Hugo Kubatzki mit seiner Ehefraü das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Kubatzki hat jahrelang die Gruppe Neukölln des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde geleitet und arbeitet auch jetzt noch mit Interesse an den Aufgaben des liberalen Judentums mit. Wir wünschen den Jubilaren auch weiterhin alle- Girte. Danzig. (Weltkongreß jüdischer Invaliden.)! Ilm Verlauf de- Monats Juli d. I. wird in Danzia ein Kongreß jüdischer Krieg-invaliden auS allen Ländern der Welt stattsinden. Der Kongreß wird im „Schützenhaus" tagen. Man erwartet mehrere hundert Delegierte aus allen europäischen Ländern und fünfzehn aus Amerika. Der Kongreß wird über Mittel beraten, wie der schweren Lage der jüdischen Invaliden abzuhelfen sei. die in vielen Ländern stark benachteiligt und gegenüber den nichtjüdischen Invaliden zurückgesetzt werden. Fast alle ausländischen Konsuln in Danzig baden dem Kongreßkomitee mitgeteilt, daß sie die Delegierten offiziell begrüßen wollen. Darmstadt. (Zur Schüchtfraae.) Der Antraa des Abgeordneten Dr. Werner im Hessischen Landtage auf Verbot der SchctzchtenS. über den wir tn voriger Nummer berichteten, wurde abgelehnt. Leipzig. (E h r e n m a l.) Auf dem hiesigen israelitischen Friedhof fand hie Einweihung für die im Weltkriege gefallenen Mitglieder unserer Gemeinde statt. Das Ehrenmal ist schlicht aus Natursandsteinen zusammengefügt und, in der Dritte oben tn einem Giebel auslausend, etwa 6 Meter breit und 5 Meter hoch. Die vordere Seiten zählt zwei Namen aus dem Kriege 1870/71 und 119 Namen aus dem letzten Kriege. Die Rückseite schmückt ein Menohri. Der Zugang zum Ehrenmal ist von Kriegergräbern «uHäumt. ßdenftadt a. d. H. (B o m israelitischen Alters^ heim der Pfalz.) Das Heim, welches in Neustadt an der Haardt in besonders günstiger Lage seinen Sitz hat. ist durch einen zweiten Bau erweitert worden, weil die bisherigen Räume nicht mehr ausreichten. Am Sonntag war die feierliche Einweihung des Neubaues, wozu die Glaubensgenossen aus allen Teilen der Pfalz zahlreich sich einge-funden hatten. Der Hausoorstand. Herr B e h r - Neustadt an der .Haardt, übergab mit einer Ansprache die Schlüssel des Hauses an die Schwester-Oberin, dabei betonend. daß das neue Haus zum dauernden Andenken an die Schwester-Oberin, die schon zwölf Jahre hindurch ihr Amt mit unermüdlichem Fleiß und großer Umsicht versieht, den Namen „Karola-Heim" erhalten hat. Bezirksrabbmer Dr. Einstein aus Landau hielt eine tiefempfundene Weiherede. Der Synagogenchor Speyer verschönte durch Gesänge die Feier. Nach der Besichtigung des Hauses folgte die Generalversammlung des AlterSheim-Berem-. An Stelle des zurückgetretenen ersten Vorsitzenden. Dr. Reis-Speyer, führte der zweite Vorsitzende und Hausvorstaud Vehr den Vorsitz der Versammlung. Den Geschäftsbericht erstattete Schatzmeister Walbot aus Speyer, den Verwaltnnasbericht der zweite Vorsitzende Vehr. Bei der Neuwahl wurde Herr Justizrat Dr. Nheinheimer aus Kaiserslautern zum ersten Vorsitzenden, der seit Bestehen der Anstalt als Hausvorstand wirkende Herr Behr zum zweiten Vorsitzenden. Herr L. Walbot aus Speyer zum Schriftführer ernannt. Der Verlauf der Versammlung ivar ein allgemein zufriedenstellender. und man drückte die Hoffnung avs. daß dem Unternehmen auch fernerhin reichste Unterstützung zuteil wird. Trier. (G e m e i n d e w ah l e n.) Bei der letzten Sonn, tag durchgeführten Ersatzwahl von zwei Vorstandsmitgliedern nnd sechs Repräsentanten siegte, trotz heftigster Agitation seitens der Gegenseite, die Liste der Liberalen mit großer Mehrheit über die Liste der vereinigten Orthodoxen und Zionisten, wodurch die bisherige Mehrheit der Konservativen in der Repräsentantenversammluna gebrochen und ein ruhiges Weiterarbeiten der Gemeindeverwaltung gesichert ist. galendarlvm für die Zeit vom 19.6. b. 2i. 6.1926. Jn«r im Tammns 8686 Sonnabend 10 Sonntag 20 Montag 21 Dienstag 22 Mittwoch 23 Donnerstag 24 Freitag 25 Sonnabend 26 7. Wochen-Abschnitt: Chukkaß Haftarah: Richter, Kap. 11, 1—33 SaVbat-AuSgang: 9,33 Uhr 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Wochen-Abschnitt: Balack Haftarah: Micha, Kap. 6, 6, 14: 6, 1—8 Gabbat-AuSgang: 9,34 Uhr

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