Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 21 (21.5.1926)
- Date
- 1926-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vorbild ftcr Pflichttreue und des friedlichen Zusammenwirkens der Beamten. Nachdem noch ciniae Gemeindc-Mitnllehcr iii iitm Teil lieitcren, .ptm Teil ernsteren Ansführnugcn znm lvelingen des Abends beigetragen batten, dankte Herr Dr. Wiener in herzlichen Worten jedem einzelnen Redner. In angeregter Nnterhaltnna blieben die ^eftteilnehmer noch lange beisammen. VerfammlungsKalender Berlin, (liberale Lnnagoge Norden.) Schönhauser Allee R>2 (Anerbachsches Waisenhaus). (Gottesdienst: Freitag, den 31. Mai, abends 7'4 llbr. Predigt: Rabbiner Tr. Salomonski. Sonnabend, den 22. Mai, morgens 10 Uhr. Brcsla«. (jüdisch-liberaler jngendvcrein „A b r a h a m M c i a c r".t Sonntag, den 23. Mai (Pfingsten 1: Wantzcrmla in das EnlENgebirgc. Abfahrt f».4r» Uhr früh Hnnptb.al>nhos. Bahnsteig 7». bis WlistewalterSdvrs. Treffpunkt 7,.t.z Uhr früh Nordhotcl. Sonntagsfahrkarte 1. .(llasse bis Hansdorf 01,10 M.) selbst lösen. ^tihrNng: Vndwia freund. Nendvrfstraße 37, Fernsprecher: Stephan 33 320. toaste, durch Mitglieder cinaeftihrt. willkommen. Ten Teilnehmern ist (Gelegenheit gegeben, die Wanderung am ziocitcn Pfingsifeiertage fvrtznieheiin. Der Antisemitismus im Lichte der Blaukreuzbewegung. Vor mir liegt eins jener „Blättchen". wie sie die zähe und iustemntisch betriebene Missionsarbeit christlicher Vereine in Menge aus den Weg bringt. Hast sollte man glauben, als müsse das Oicschäst den Eifer lohnen, den auch wir Andersdenkende diesen Wölfen im Schafspelz nickt streitig macken iönnen. Mit welchem Raffinement das Bekehrungswerl versucht wird, davon zeuge mir folgende, kurzer Hinweis auf den „Sonntagsgrnß". das Organ eines Blaukreuzvereins. denen Nummer!7 als Werbeschrift der Aiidenmissiv» auznsprecheu ist. B«nächst jst vom friedlosen Ahnsverns, dem ewigen ^udkn, die Rede, der ditrch „ihn" zur Ruh.' gebracht wird. Tann wird eine schwer nachzuprüseude (beschichte aus dem Satire 1828 erzählt, die einen ^udcuknabcn, der im Hanse eines Pfarrers das „Veben der geheiligten ^iebe" kennenlernt, ,>iim Helden hat. ltcbertrilO* sind feilte Selteuheiteu: schließlich kann auch die jüdische (beschichte mit solchen aufwartcn. Daraus aber ein Argument der licberzenguna zu machen, ist reichlich nain und geschmacklos. Am originellsten nimmt sich aber der Schlnßartilel aus, der vom Antisemitismus bandelt. Er paiie nicht in die Vehrc Ehristi, der selbst ans dem Juden tum hervorgcgangcn sei. Mit diesem Bekenntnis tonnte man einverstanden sein. Aber das „dicke Ende" kommt nach, ivcnn der Essener „Jndcnirennd" fvrtfährt. da« er die Arbeit de, Jndcnmn'sion ans seinem Herzen trage und in der „Judenstadt" Frankfurt groß geworden sein will, wo er die Schattenseiten des jüdischen Wesens („ttnibeschciden heit. Prvsitsncht ». a") tenncNgelcrnt habe, ,'iwar gesteht er. daß es auch solche nnsnmpathische Ehristen gäbe. Endlich lommt er zur Blankrenz-Wahrheit. daß an Stelle des Antisemitismus des Hasses, der Antisemitismus der Vicbe treten müsse. Tic Schlnfzworte lauten: „Ter Antisemi ttsnitts iß nicht geeignet, die Jndensrage. die für den Ehristen eine Missionssrage ist. zu lösen. Tie Jndenwission muß Hamm Herzens- und (Gewissen stacke der ganzen Ehrißenhcit werden. ,Eie wird einmal die Äudensrage „läsen." Mick dünkt, daß diese Prediger der ^iebe, wenn es sich auch nur nm den A n t i s e m t t t s m u s der Viebc handelt, acl ealendas graccas ans dte von ihnen propagierte Lösung der ^udenfkagc warten lönnen. Das Judentum hat schon größere (^csahren tiberwnndcn. als dieser Leelcnfana „liebevoller" Audcnintsslonare sie darstcllt. Ta sind mir die Haß-Antisemiten noch spmpatlnscher, weil sic mit ihrer Anschauung nicht hinter dem Berac halten, wenn ne auch neuerdings im stillen wühlen und einen „neuen Kurs" cinznschlagen scheinen. Bon Vicbe. in Ber vindnng mit Antisemitismus, iäiwcige man lieber. Bewahr' mich Owlt vor meinen freunden, auch solchen in verbrämter Anfmachung: vor meinen Feinden will ich mich schon selber schuhen. Wir verzichte,, ans den „Sonntagsgrüß" und auf alle Blankrenz-Wahrhcittn. Mo^es. Wohlfahrislagung. Tie .'.entralivohlfahrtsstelle der deutschen ^nden in Berlin hält ihre Generalversammlung vom 0. bis 8. Inni in Tüsscldorf ab. BÜGHERSGHAU 444444444 »4444444»4444444444444444444444444444444^ „l)ie 4V«>lt üar Bibil". von Max Soloweitschlk. Berlin 1926. .Jüdischer Verlag. Am 20. Februar 11)27) habe ich an diese, Stelle ein Werk desselben Verfassers besprochen, „Sech i jaus hamikro“ das, wie das vorliegende ein Bilderatlas zur Bibel ist. Ich konnte damals meiner aufrichtigen Freude Ausdruck gehen über (las Erscheinen eines Hilfsmittels für den jüdischen Religionsunterricht, das wir lange gewünscht hatten. Ich konnte die sehr geschickte. Auswahl, die ausgezeichnete systematische Anordnung und die. eingehenden Erläuterungen zu (Idi Bildern rühmen und halle nur das eine auszusetzen. daß das Werk für die deutsehen Schüler und Lehrer wegen des hebräischen Textes nur wenig zu gebrauchen sei. Der Verfasser hat meinem damaligen AVunche sehr schnell Rechnung getragen, und der Jüdische Verlag hnl;R*h bemüht, dem Buche eine noch bessere Ausstattung zu geben, als in seiner ersten Gestalt. Mir will wenigstens scheinen, als ob durch das bessere Papier die Bilder noch besser hervorgehoben seien. Man hat oft den Eindruck, als ob rs sich gar nicht um eine. Reproduktion von Photographien handele, sondern um Kupferdrucke. Auch bei dieser Ausgabe muß ich als ganz besonders rühmenswerl licrvorheben, daß der Verfasser mit ausgezeichneter Sachkenntnis die Erläuterungen zu den Bildern gegeben hat und daß er dem Lehrer und dem Schüler einen sehr wertvollen Dienst erwiesen bal dadurch, daß er die Bilder immer in dem Zusammenhang mit der Bibel gebracht hat. Einen zweiten von mir damals ausgesprochenen Wunsch hat der Verfasset* ebenfalls erfüllt: es sind dem Buche einige Karlen von Palästina aus den verschiedenen Zeilen und von ganz Vorderasien beigegeben aus dem vortrefflichen Bibelatlas von Gulhe. So ist hier auch für die deutschen Religionsunterrichts- Anstalten ein sehr wertvolles Hilfsmittel geschaffen, für das wir dem Verfasser und dem Verlag zu großem Dank verpflichtet sind. Das Buch ist in drei Ausgaben erschienen: in Hölbleder iiir 21 M., in Ganzleinen für 15 M. und in Pappband (nur für Schulen und Lehrer) für 11 M. Robert Hirschfeld, Der tote Jude. (Fötts.) Von Doris WHtner. Nachdruck verboten, — Copyright by Grcthlcin & Co., Q. m. b. II., Leipzig. Mit bestimmter Absicht hatte Sonnino jedes Wort seiner Erwiderung eigens gesetzt. Er hatte Judiths Neugier noch mehr gestachelt und hatte ihr mit dem Ausdruck „vorzeitig“ eine Falle gelegt, in der seine Partnerin sich, mochte sie selbst auch noch so bedacht und auf der Hut vor ihm sein, unschuldig verfing. „Was soll das heißen: „vorzeitig“, in diesem Zusammenhang, Herr Finanzrat?“ Judiths Augen funkelten etwas weniger träge, aber mit dem gefährlichen Glanz, den edle Tigerkatzen haben, wenn sic auf dem Sprünge liegen. „Nichts von Belang, Dcmoiselle verzeihen mir gnädigst, sofern ich mich im Worte vergriff. Aber ich meinte nur, die Demoiselle ist doch offenbar bestimmt dazu, auch einmal eine dominierende Rolle in einer der europäischen Metropolen zu spielen, und da sollte man ihr vielleicht dfen Geschmack nicht beirren und verwirren. Und außerdem — ich sagte es schon — sind die Dinge, die mit dem „Tugendbund“ von Berlin in Verbindung stehen, nicht eben für das züchtige Ohr einer Jungfrau aus dem Hause Israel geeignet. Nur darum zögerte und zögere ich noch.“ „Dann lasset Euch sagen, Reb David ben Sonnino, daß weder meine zukünftige Rolle in einer der europäischen Metropolen, wie Ihr Euch auszudrücken beliebtet, noch Zucht und Sitte meiner Jungfrauenschaft Euch das Geringste zu kümmern haben. Ihr wolltet mich unterhalten. Eh bien, ich ersuche Euch, mir von dem Berliner Tugendbunde, seinen Zielen, Zwecken und Mitgliedern zu erzählen. Entweder — oder Entweder Ihr verschaff mir die verheißenen amüsableren Dinge, oder ich kann ja auch wieder hinaufgehen in die kleinen, stickigen Stuben und meiner Base Perl behilflich sein, Haus und Tafel für die Gäste zu rüsten. Entscheidet Euch.“ Sonnino lächelte ein unsichtbares Lächeln in sich hinein über den gläsern brüchigen Ton und den erstarrten Dünkel, womit Judith, gleich einer regierenden Königin, ihm, wie ihrem letzten unterwürfigen Knechte ihren vermeintlichen Befehl hatte zukommen lassen. Mit um so artigerer Verbindlichkeit, als hätte er die Reprimande gar nicht bemerkt, neigte er sich abermals und fuhr fort: „Ziele, Zwecke, Mitglieder des „Tugcndbundcs“? Nun, es heißt, der „Tugendbund“ stelle einen Orden vor, der dahin abzielen soll, daß beide Geschlechter — Mann und Weib — ohne Schranken, ohne gesellschaftliche Konvention miteinander sollen verkehren dürfen. Man duzt einander im „Tugendbund“, liest sich gegenseitig die Liebesgedichte des Herrn von Goethe, des Herrn Tieck und des Herrn Schlegel vor, man sucht und findet Gefühle für- und gegeneinander, das heißt, man stochert mit der neumodischen Empfindsamkeit in bestehenden Ehen so lange herum, bis der eine oder andere Teil herausgefunden hat, daß er in besagter Ehe kein höheres Verständnis, sondern nur niedere Schmach erfahren habe, und geht dann eine jener berüchtigten Verbindungen ein, die man nach einem Roman des Herrn von Goethe eine „Wahlvcrwandtschaftsehe“ tituliert. Die Hauptsache aber, wenigstens für die klugen Jüdinnen der Berliner Zirkel, die kaum wissen dürften, wie töricht sie sind und handeln, ist, daß der „Tugendbund“ ihnen unbeschränkte Gelegenheit bietet, dort mit den angesehensten Christen ihrer Zeit und ihrer Stadt in nähere, oft sehr nahe Beziehung zu treten. Madame Herz hat dort beliebige Gelegenheit, nicht nur mit dem Herrn von Gentz, sondern auch mit dem Herrn von Humboldt, der ein ungemein bedeutender Mann sein soll und dem man eine große diplomatische Karriere prophezeit, oder auch mit dem schon erwähnten Herrn Schleiermacher in Liebeständeleicn sich frei zu ergehen. Der „Tugendbund“ hat auch der deplorablen Madame Veit seine allerhöchste Billigung und Absolution erteilt, als sie sich von ihrem Ehemann getrennt hat und nun mit dem Herrn von Schlegel in freier, weder vom Staat noch von einer Kirche sanktionierten Ehe zusammenlebt. Ich zweifle zwar, daß die Madame Veit sehr glücklich geworden ist durch diese Veränderung, aber sic hat den Ruhm, als Romanheldin des höchst unanständigen und allen guten Sitten ins Gesicht schlagenden, schmutzigen Romanes „Lucindc“ des Herrn Tieck auf den ersten Blick erkannt werden zu müssen. Ihr seht, Demoiselle, die Ziele und Zwecke dieses Tugendbundes mögen manchmal recht menschengefällig sein; gottgefällig sind sie bestimmt nicht. Aber was tut das, beherbergt der Tugendbund doch außer den irregeleiteten Töchtern unseres Volkes nicht etwa nur Dichter und Schwärmer« Philosophen und Weltverbesserer, sondern auch hochgeborene Herren Grafen und Barone, ja, selbst königliche Hoheiten, wie den Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, der sich dort abwechselnd mit der Demoiselle Lewin — Pardon Robert — oder mit der Frau Kriegsrätin Wieset Stelldichein gibt, welch letztere, nämlich die Frau Kriegsrätin, seiner Königlichen Hoheit die fehlenden Golddukaten für seine Liaisons mit anderen Weibern vorstrecken soll. Bin ich nun der Demoiselle genug zu Willen gewesen Uttd hab* ich ihr genug erzählt von dem gotteslästerlichen Treiben der Berliner ästhetischen Zirkel?“ Hochaufgerichtet, mit scheinbar von Empörung durchglühten Wangen, aber auch mit verräterisch fliegenden Pulsen, hatte die stolze Judith Pereira der nie vernommenen Kunde gelauscht. Der kluge Venezianer indessen wußte, daß er mit seiner Erzählung das heiße, aber noch nicht erweckte Blut der Südländerin in rötestem Rausch entbrannt hatte. Wesentlich kleinmütiger, nahezu bescheiden oder scheu, als fürchte sie die Antwort auf neuerliche Fragen, forschte Judith doch weiter. (Es ging nicht, auf halbem Pfade haltzumachen. Sie mußte vorwärts, gestoßen von jener weiblichen Unrast und der Wißbegier ihrer Sinne, eben jener Unrast und Wißbegier nach Anderem, Unherkömmlichem, die vielleicht auch die klugen Frauen von Berlin zu den von Sonnino gekennzeichneten Torheiten getrieben haben mochten.) „Und in Wien? Sagtet Ihr nicht, Herr Fittanzrat, daß selbst im kaiserlichen Wien Töchter des Stammes Juda eine glänzende und doch nicht unrühmliche Rolle spielen? Liest man sich dort auch Gediehe vor und tauscht einen jüdischen Gatten für einen christlichen Freund ela i oder aus?“ „Mitnichten! Da wäre die Demoiselle auf gangl falschem Wege. Die angesehenen Frauen unseres Stammes in Wien haben weder ihren Glauben noch die I guten Sitten abgeschworen. Im Gegenteil, sic tun sich, etwas darauf zugute, beide hoch in Ehren zu halten. Aber ich muß der Demoiselle Schmerz bereiten, in Wien ist es — heimlich wenigstens — doch wieder die Macht des Geldes, die den Männern dieser Frauen und ihnen durch sie Ansehen und Einfluß verschafft. Ich habe im Aufträge meines fürstlichen Herrn gerade in Wien besonders viel zu schaffen und weiß daher sehr genau, wie klug jene unter uns, die rechtzeitig verstanden haben oder verstehen, die finanziellen Geschäfte hoher Herren zu führen*und dabei den eigenen Säckel bis zum Platzen zu füllen, alle heimlichen Drähte in Wien in Händen halten und die hochmögenden Herren Erzherzoge und andere durchlauchtige Herren wie geschickte Puppenspieler ihre Marionetten tanzen zu lassen. Der Hof zu Wien ist der prunkvollste und üppigste von ganz Europa. Er steht dem ehemaligen französischen Königshofe kaum nach an Glanz und äußerer Prachtentfaltung. Was glaubt die Dcmoiselle wohl, wie man an der Donau spöttelt und höhnt über die Marotten des verstorbenen preußischen Königs mit seinem abgeschabten, verfleckten Soldatenrock und über die Sparsamkeit und kleinbürgerliche Tournürc, die er seinem Hofe als Ueberlicferung hinterlassen hat. Da ist man anders in Wien. Dort versteht man, aus dem Vollen zu leben und leben zu lassen. Aber, die Demoiselle mag es mir glauben, ein prunkvoller Hof mit so vielen hohen Herren und hohen Damen, die doch alle ihre eigenen Hofstaaten haben müssen, kostet beinahe soviel Geld wie ein verlorener Krieg. Und woher nehmen? Jede kaiserliche Schatulle zeigt gar bald ihren Boden. Da heißt cs dann: „Herbei, .lud', laß er die Golddukaten und Silbertalcr springen, geh* er Wechsel auf London, Amsterdam, Neapel und Prag! Oder gewähr' er selbst langfristige Kredite, wie fürstliche Haushaltungen sic benötigen; den Zins und die Zinseszinsen mag er selbst sich berechnen, dazu sind fürstliche Gehirne zu erlaucht., um sich mit derlei niederen Dingen zu encanaillieren.“ Nun und, man muß ja nicht eben so töricht sein wie die Mendel Rosenblatt Und Chaim Mohnblum, von denen ich vorher erzählte, aber ich weiß nicht, ob die Demoiselle auch die weltfremden Anschauungen des hochehrwürdigen Reh Mardochai Israel Sonlheimcr teilt und cs für verboten hält, auf seinen eigenen Profit bedacht zu sein. Nur im Kleinen betrieben, heißt man so etwas Verbrechen und schreit Mord und Tod; geschieht's aber großzügig und mit weltmännischer Gebärde dar, so nennt man’? wirtschaftliches Talent oder womöglich Finanzgenic. Glaubt die Demoiselle wirklich, daß der Hof zu Wien seine Feste feiern könnte und fremde Könige königlich empfangen, daß er Paläste bauen könnte und Lustschlösser und kostspielige Parks anlcgen, wenn ihm nicht das Haus Rothschild von Frankfurt eine generöse Anleihe gewährt hätte, bei der weder der Hof zu Wien, noch das Haus Rothschild schlecht fahren wird? Und daß der Meier Amschel ein ebenso frommer Mann gewesen ist wie ein kluger Mann, wird selbst der ehrwürdige Reb Mardochai- Israel Sontheimer nicht bestreiten wollen. Und doch hat er es zugegeben, daß seine.-Söhne Geld haben geliehen und genommen auf Prozente, und daß sic kleine ‘tffcd große Fürsten eingeführt haben in die Künste der Steuerpacht, des Juwelenhandels und der Münzprägung. Und heute steht das Haus Rothschild als gleichwertige — was sage ich, als höherwertige Macht neben den erlauchtesten Mächten Europas. Wien ist abhängig von Gnade oder Ungnade des Hauses Rothschild aus der Judengasse zu Frankfurt am Main. Und nicht viel anders machen cs die hochachtbaren Finanziers, die Herren Arnstein und Eskelcs, die dafür nobilitiert worden sind, und bei denen, wenn schon nicht um der Schönheit ihrer Frauen allein, alle hohen Herren aus und ein gehen, weil sie wiederum sind abhängig von dem Geldc, das jene ihnen geliehen haben. Da können sich die huldvollen Damen, die Baroninnen Arnstein und Eskelcs, schon den Luxus gc-i statten, sich Salons zu halten, von denen ganz Europa spricht und in denen zwischen Speise und Trank die wichtigsten Fragen der Völker und Staaten entschieden werden. Und einem solchen Salon vorzustehen und eine Rolle zu spielen in der großen, in der wirklichen Welt -- nicht der des Talmuds und der Tora —, habe ich mir eigentlich immer gedacht, müßte die Demoiselle Pereira reizen und würde der Demoiselle besonders wohl an-, stehen.“ Fortsetzung folgt. Auflösung des Näifels von voriger Nummer: Werbt neue Mitglieder! Kalendarium für die Zelt vom 22.5. b. 29. s. 1926. Mai 1926 > Siwan 5686 Sonnabend 2° 9. Wochen-Abschnitt: Nossau HaftaraH: Richter Kap. 13,2—23 Sabat-Ansgang: 8,58 Uhr. Sonntag 23. 10. Montag 24. 11. Dienstag •)-, 12. Mittwoch 26. 13. Donnerstag 27. 14. Freitag 28. 15. Sonnabend 29. 16. Wochen-Abschnitt: Behaalohs'cho Hastarah: Zacharias 2(14—17) 3: (1-10) 4: (1-7) Sabbat:Ansgang: 9,11 Uhr