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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-21 · 21 (21.5.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
21 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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f. Jahrgang Kummer 21 Beilage 21. Mai 1926 l\ Aus den Gemeinden * * Berlin, lW icder V c r lr a lt t> 5 c r Literatur- Ivercine?) Der Berliner Vitcvotuructcin Uat den Bciriiluft nefofit. sich den Bestrebungen zur Wiederbelebung Ide>7' Be r bau des der Vereine, für jüdische Gc- I,' ri) i ch t e und Literatur in Deut s ch 1 a n d anzu- Iidilicfecn und sic nach Kräften;>u unterstützen. Ob diesen IVeßrebungcn Erfolg beschieden sein wird, hängt vom stillen der Einzelvercine ad. Vor dem Wcltlriege zählte man mebr als .'20 Vereine Ifiir jüdische die schichte und Literatur im deutschen Reiche. Durch das Unrecht von Versailles ist ein großer Teil vcrlercngegangen. zahlreiche andere konnten in der Kriegszeit und den unruhigeren Jahren, die darauf fvlaten. ihre Tätigkeit nicht ausrechterhaltcn. An manchen Orten übernahm die «Gemeinde die Aufgaben der Vereine, au anderen betten, Iugcndvcreine usw. Die meisten Literaturvereinc baden lange kein Gebens.',eichen von sich gegeben, selbst wenn man sie totsagte erfolgte keinerlei Protest.;V.t den lebten zwei Jahren eigen sich aber immer mehr iLnmolome dafür. daß die Vereine leben wollen und auch vftioeudig sind. Abgesehen von Neugründungen oder Wieder erössuungen in kleineren diemeindcu. haben einzelne ezi r 1 s v e r b ä n d c ihre Tätigkeit wieder auf-! genommen. Allen voran Ostpreußen, unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Reuscld, Elbing, der schon wiederholt IjUirr die neue Vcrbandsarbcit berichtet hot. daneben Ober- > schienen, unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Brannichmciger. Oppeln, und der Ruhrbczirk unter Leitung von Hern Rabbiner Dr Samuel. Essen. Aus diesen Zusammcnichluß nach Bezirken wird der grüßte Nachdruck zu legen irsn» wenn der Verband Ersprießliches leisten soll. Inncrhclb der Bezirke lassen sich die Bedürfnisse der einzelnen Vereine weit besser übersehen und nachdrücklicher fördern, dort lassen sich zusammenhängende Vortragsreihen züsammcnstellen, die eine Verbilligung der Reisekosten und eine angemessene Entschädigung für die Redner ermöglichen. Die Einrichtung der W ander red n er muß weit wirksamer ausgebant werden als früher, auch die Beschaffung wertvoller Literatur zu erschwinglichen Preisen muß augestrcbt werden. Freilich hat das „Jahrbuch" trotz seines gediegenen Inhalts und fernes sehr billigen Preises silioir lange nicht mehr den aleichcu Absatz, wie in den ersten Jahren. Ter Verband wird außerdem wieder eine Rednerliste veröffentlichen und den Vereinen gegen ein mäßiges Entgelt zur Verfügung stellen. An die Bearbeitung der Liste soll unverzüglich herangetreten werden, damit sie noch für die Aufstellung der Winterprogramme dienen kann. Diejenigen Vereirrc, welche sich dem Verband gnzüschließen wünschen, wollen ihre Zuschriften an den Berliner Verein. z;r Händen des Herrn Bcnas Levy. Berlin C Spandaucr Straße 41. richten. Berlin. tE t n T a g e S h e i m der O i e.i Das Berliner Komitee der lKefellschaft für Gesundheitsschutz der Juden Ose organisiert, nach befriedigender Erfahrung des vorigen Jahres, ein Tagesheim in Grunewald für 40 bis .">() .st in der. im Alter von 4 bis 14 Jahren. Die entsprechende Wahl der Kinder wird durch die Aerzte der Beratungsstelle des Berliner Komitees Ose, Gormanstr. '29, aus den unbemittelten Schichten der jüdischen Bevölkerung, insbesondere der emigrierten aus Osteuropa, getroffen. Die Eröffnung des Tagesheimes ist auf den 1. Juni festgesetzt. Tie Kinder verbleiben im Tagesheim von 9 Uhr morgens bis 7> Uhr nachmittags, bekommen drei Mahlzeiten täglich und werden mit Spielen. Spazieren und Turnen unter Aufsicht von fachkundigen Pädagoginnen beschäftigt. Bremen. I «V raueutagun g.s Der Prvvinzialverband israelitischcr Frauenvcrcinc der Provinz Hannover und angrenzender Gebiete hielt am 11. d. M. hier die fünfte Delegierten- und Mitgliederversammlung unter starker Teilnahme ab. Die Verbandsvorsitzende. Frau Mischer- Hannover, begrüßte die Anwesenden, desgleichen die Vorsitzende des israelitischen Fraucnverems Bremen. Iran Dora Körbchen Gemeinderabbiner Dr. Aber befürwortete ein enges Zusammenarbeiten der Franenvereine mit dem Rabbiner. Für die israelitische Gemeinde Bremen und als Vertreter des jüdischen Wohlfahrtsamtes sprach Herr Markreich, für die Kaiser-Friedrich-Loge UOBB. deren Präsident, Herr Tichaucr. Vom Hilfsvcreiu der deutschen Inden wies Herr Galatzer darauf hin. in wie hervorragender Weise gerade die jüdischen Frauenorganisationen Amerikas beim jüdischen Hilsswerk in Europa mitgewirkt haben. Jur die Bremer Ortsgruppe der liberalen Vereinigung konnte Iran Ansbacher in kurzen, aber treffenden Worten darauf Hinweisen, wie gerade die liberale Vereinigung bemüht ist» den berechtigten Forderungen der jüdischen Frauen in der Gemeindeverwaltung zur Anerkennung und Durchführung zu verhelfen. Die Glückwünsche der zionistischen Ortsgruppe überbrachte -Herr Kurt Zacharias. Die Tagung begann mit der Erstattnna des Geschäftsberichts des Verbandsvorstands für das abgelauseue Geschäftsjahr durch Iran Mischer. Aus diesem Berichte mar zu ersehen, wie eingehend der Verband bemüht war, ferne Ausgaben in mühsamer Kleinarbeit zu erfüllen. Tie Iahresrechnung wurde genehmigt und der stasscusütuerin Entlastung erteilt. Bei der Festsetzung der Mitgliedenahresbeiträge für das laufende Jahr ließ man sich von der schwierigen Wirtschaftslage der Gegenwart leiten und letzte die,e derart fest, daß jeder einzelne Verein fünf Prozent der von ihm erhobenen Mitgliederbeiträge und außerdem noch zwei Prozent, die durch eine besondere Umlage eingebramt werden, an äen Prvvinzialverband absührt. Bei den Wahlen erfolgte einstimmige Wiederwahl der turnusmäßig ans-, scheidenden Vorstands- und Ausschnßmitgliedcr und Znwahl von Frau Hanna Eohn-Dorn. Hannover, als Vor standsrultglied. Tie Nachmictagstagiuig halte ein Referat von Frau Bergel-Groneinann. Berlin, über „Jüdisches Genrecmchastvbemußtscin" zum Mittelpunkt, das wertvolle und anregende «Gedanken in schöner Form zum Ausdruck brachte. U»-' Liberale interessiert bei diesen Ausführungen besonders, daß die Rednerin di.' Behauptung: „Der jüdische Glaube glaubt nicht an etwas nicht Beweisbares" ihren Bctrachtnngen zugrunde legte und den Trieb zur ,eragc als wertvollsten Teil jüdischen Wesens und des innersten streben» zur Erkenntnis bezeichncte. Anschließend an drei es vcachtsame Referat schilderte Frau Levri-^alz. Berlin au Hand von Ansstellungsgegenständen die Artigkeit des Kntmiverbandes indischer Frauen für Palamnaarbekt, wo-vei allerdings die Erfolg-- der Palästrnaarbert zweuellos m einem Lichte dargeftcllt wurden, das der tatsächlichen ^age nicht entspricht. Es ist sehr bedauerlich. daß.im Gegen,atze zu den ans Palästina kommcnoen Rednern ,clb,t. auch den Zionistischen, von hiesigen Optimisten, bei denen der Wumch der Vater des Gedankens ist, die Palaitinagrbeit immer IMchlibemleZMarg wieder als mühelos und in jeder Beziehung erfolgreich dar. gestellt wird, obwohl es eigentlich j« Deutschland allmählich allgemein bekannt geworden sein dürfte, daß die harten Tatsachen diesen verständlichen Wünschen überaus ernst widersprechen. Den geselligen Rahmen der Tagung bildeten neben einem gemeinsamen Mittagessen, gemeinsamer Kasscetasel und einem gemütlichen Abendbeisammensein in Bremen -eine Besichtigung des jüdischen Altersheims in Bremen mit seinen vorbildlichen Einrichtungen, und ein gemeinsamer Besuch in Bremerhaven wo der Norddeutsche Llond die Teilnehmer zu einer interessanten Besichtigurta des stolzen deutschen Dampfers „Berlin" und z,r einem anschließenden Frühstück. bei dem die Llondbapclle frohe Weisen erklingen ließ, eingeladcn hatte. Außerdem nahmen liier irnscrc jüdi scheu Frauen, die ja auch als tüchtige Hausfrauen sich einen Namen gemacht haben, unter Führung des Direktors die ausgedehnten Fischereianlagen in Wesermündc. wo gerade die weltberühmten Auktionen stattsandcn. in Augenschein, um dann später beim Mittagessen auf Einladung der Direktion des Fischereihafens mit den gesehenen Fischen „nähere Bekanntschaft" zu machen. Am Nachmittage waren die Damen Gäste des israelitischen Francnvereins der Untcrweservrtc. Cassel. <B v r st e h e r B l u m e n t h a l g c st o r v e n.t Bankier Hermann Blumenthal ist im 99. Lebensjahre nach kurzer Erkrankung an den Folgen einer Lungenlähinung plötzlich gestorben. Mit ihm ist eine der rührigsten und einflußreichsten Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Gemeinde aus dem Leben geschieden. Als Lchrcrssohn brachte Blumentlial frühzeitig allen Vorgängen innerhalb des Judentums lebhaftes Interesse entgegen. Eifrige Studien ans religiösem und profanem Gebiete befähigten ihn zur Beteiligung an der Lösung von tulturellen und sozialen Fragen Als langjähriges Mitglied des Vorsteveramts der Israeliten hat er sich durch gründliche Kenntnis der hessischen Verhältnisse, insbesondere der jüdischen Schul- und Gcmeindcangelcgenheiten, um die Erhaltung jüdischer Gemeinden und Schulen verdient gemacht. In einem warm empfundenen Nachruf, den ihm das Borsteheramt der Israeliten widmet, wird diese wertvolle Mitarbeit rückhaltlos und dankbar anerkannt. Daß der Verstorbene bei der Verteidigung der von ihm vertretenen Ansichten im Meinungsgnstau'ch durch die von ibm gewählte, oft versönlich zngcspitzte Methode der Auseinander,'etzuna schärfsten Widerspruch beraussorderte, der nicht selten zu heftiger Polemik führen mußte, soll nicht unerwähnt bleiben. Trotz dieser Schwächen, die als Fazit einer impulsiven Natur hinzunehmen waren, verdient die Tatsache hervorgehoben zu werden, daß Blumenthal ans philosophischem und schöngeistigem Gebiete bestens orientiert war. daß er alle Knnstfragcn mit erstaunenswertem Eifer verfolgte nnd dadurch in den Stand gesetzt wurde, im Easseler Kunst- und Gemeindelebcn eine führende Rolle zu spielen. So hat er sich nicht nur an jüdischen, sondern auch an 5ommunalpolitischen Fragen mit regem Eifer beteiligt, ist zeitweise als Tbeaterkrititer journalistisch hcrvorgctreten und war allen jüdischen Institutionen ein rühriger und viel begehrter Mitarbeiter Als Mitglied des Schulvorstands, des Landrabbinats, des Vorstands vom Krankenpslegeverein nnd vieler ähnlicher Körperschaften, wurde er stets zu Rate gezogen. unb ,'o läßt sein iäher Tod eine allgemeine Trauer nnd Teilnahme begreiflich erscheinen, der auch alle Vereine in Würdigung der von dem Verstorbenen ihren Anstalten geleisteten Dienste durch warmherzige Worte des Dankes nachhaltigen Ausdruck gcacbeu haben. Die letzten Sonntag stattgefundenc Bcisetzungöseicr ans dem Bettenhäuser Friedhof. aestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebnng für den Entschlafenen, denen Name mit der Geschichte der Easseler jüdischen Gemeinde unlöslich verbunden sein wird, der sich allerdings nicht selten auch durch die Eigenart ,'ciues Wesens in den Mittelpunkt erregter Prcsscfehden gestellt sah. Casiel. iE i n w e i h u n g eines E h r e n m a 1 s.) Bei der letzten Sonntag hier stattgefundenen Einweihung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Krieger kurhessischer Regimenter, hat neben den Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche, dem Gel». Kvusistorialrat Dr. Trepte und Kaplan Heim, auch Landrabbiner Dr. Walter in einer Ansprache der jüdischen Helden in ehrender Weise gedacht. Bon der Idee des Muttertages ausgehend, der am zweiten Sonntag in, Akai gefeiert wurde, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die ungeheure Zahl der Männer und Iiiugliugc. die ihrer Mutter entrissen wurden. Die Opfer waren dem Vaterlande gebracht, dessen geordnete Staatsverhältnisie wir in giften Tagen als etwas Selbstverständliches empfanden. während in schlimmen sich Bestrebungen geltend machten. uns von den unserem Vaterland schuldigen Pflichten ledig zu sprechen. Tic Ehrfurcht vor den Helden müsse vor solchem Beginnen bewahren, und wäre m:r ein Bruchteil des Geistes der Kraft. Aufopferung und Nächstenliebe erhalten geblieben, die der Krieg gezeitigt habe, dann brauche man heute nicht über Parteigezänk und Klassenkamps bittere Klage zu führen. Tie ernste und eindringliche 9!eüe des Geistlichen gipfelte in dem Wunsche, daß Vaterland und Menschentum die beiden großen Gestirne bleiben möchten, die uns leiten, und daß bas deutsche Volk ans der Erdeutiefe zur Souni'i»- höhe, durch Nacht zum Licht gelange. Den Reden der Geistlichen solare das Altniederlündische Tankgebet als ergreifende und wirksame Resonanz der stimmungsvollen Totenfeier, die unzähligen Helden aller Konfessionen galt. Dresden lV v m Sächsische n Landesvcrban d.) Die Ehemilitzer israelitische Rcligionsgemeindc hatte ans der letzten in Dresden unter Vorsitz des Rechtsanwalts Tr. Salinger abgehaltencu Tagung des sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes durch ihre Delegierten, die Rechtsamvälte Dr. Lappe und Dr. Weiner. Verwahrung gegen Streichung des § :} der Verbandssatznng eingelegt, wonach die Zugehörigkeit znm Verband in das Ermessen der einzelnen Gemeinden gestellt ist. Vor wenigen Tagen indes ist Ehemnit; den im übrigen in Dresden einstimmig gefaßten Beschlüssen des Gemeindeverbandes beigetreten. Damit sieht der Aufnahme der sächsischen jüdischen Glaubensgemeiuschaft in das Gesetz über die vom sächsischen Staate anerkannten Rcligivnsgesellschasteu des öffentlichen Rechts nichts mehr im Wege. Zugleich wird dadurch zum Ausdruck gebracht, daß die sächsischen israelitischen Rcligionsgemeiüden als Gesamtheit eine Rcligionsgesellschast im Sinne des Artikels 1 -°!7 der RZchsversassung bilden. Elberfeld. kB o m jüdischen Frauenbuud.i In einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Jüdi s ch c u F raneubuudcs. Ortsgruppe Elberfeld, hielt am Dienstag, den 11. Mai, Herr Oberkautor Hermann Zivi ein ausführliches Referat über das im Philo vertag zu Berlin erschienene Buch: „Ein Buch für unsere Mütter", das den bekannten pädagogischen Schriftsteller S. Müller ans Heidelberg znm Verfasser hat. Herr Zivi zeigte zunächst, wie notwendig es sei, daß in unserer seelenarmen Zeit die bewußte Aeuhernng des Edlen, Guten und Schonen auch in religiösec Beziehung sich zu vollziehen habe. Er zeigte ferner, wie das Müllersche Buch in hohem Matze geeignet sei, all denen das Brot religiöser Bcdürftigleit zir reichen, denen man bisher in bedauerlicher Weise an Stelle dessen unverdauliche Steine vorgcsetzt habe. Um das Bnch in seinem wertvollen Inhalt und in der fesselnden Art nnd Weise seiner Form dem Hörcrkreis nahe zu bringen, las Herr Zivi den gerade aktuellen Abschnitt über das L ch o,v u a n s- F-est vor, und cs mar in'der Tat erfreulich, mit welcher Aufmerksamkeit und mit welch großem Interesse für das religiöse Bedürfnis die vielen Frauen und Mütter dieser Vorlesung folgten. Da wuchs das Fest wieder hervor „aus dem Weltgetümmel in den trauten Kreis der Familie, in die Nähe Gottes". In feinen Schlußbemertuugen knüpfte der Referent an das bekannte Wort an: „Sv sollst Du sic Deine Kinder lehren!" — und empfahl das ausgezeichnete Buch allgemeiner Beachtung. Mit einem dringenden Appell an die Zuhörerschaft, das Buch für die Familie des eigenen Hauses anzufchaffcu und geistig auszuwerten, schloß Herr Zivi sein vorzüglichcö Referat. — Der praktische Erfolg der Veranstaltung war zunächst der, daß eine Reihe von Damen das Buch sofort bestellte. München. <E i i, j ü disches K i n d c r h c i m.I t^estern fand im Beisein von Vertretern des Verbandes Bäuerischer Israelitischer Gemeinden, der Knltnsgemeinde München, des Stadtrates und des Jugendamtes München, des deutschen Earitas-Berbandes und anderer Organisationen der freien Wohlfahrtspflege, die Einweihung des neuen Kinderheims des Vereins Iugcndhilse in der Antonicnstraße statt. Das Ministerinm für Soziale Fürsorge hatte schriftlich seine Glückwünsche übermittelt. Nach einführenden Worten der Wcil^ durch Herrn Rabbiner Dr. Bacrcvald schilderte Frau Instizat Blumenstein die Entwicklung des Vereins, seine Tätigkeit in dem bisherigen. gemieteten Heim in der Baaderstraße, dcsft» Unzulänglichkeit die Schaffung einer neuen Heimstätte dringend erforderlich gemacht habe. Namens des Verbandes bäuerischer israelitischer Gemeinden nnd der israelitischen Kultusgemeinde München beglückwünschte Oberlandcsgerichtsrat Dr. Neumeyer den Verein zu seiner vorbildlichen Tätigkeit. Direktor Schäfer vom Stadtiugendamt dankte dem Verein für sein bisheriges Wirken, das sich in dem neuen Haus noch ausgedehnter und ersprießlicher gestalten möge. Nach einer Reihe weiterer Ansprachen ans dem Kreise der Geladenen stattete Frau Titln Landauer in gebundener Form den um die Gründuna des Heimes a»r meisten verdienten Persönlichkeiten den Dank des Vereins ab. Mit einer kleinen, äußerst gelungenen Aufführung der Heimkinder und der Führung durch das neue Haus, schloß die erhebende Feier. Das neue Heim ist >u Schwabing, iu der Nähe des Englischen (öartens. in sehr gesunder, schöner Gegend gelegen. Es ist ein neugebautes Anwesen mit hellen, lustigen Räumen und schönem, großen Garten. Das Heim ist zur Ausnahme von Kindern aus ganz Bauern bestimmt, die der Hcimpflege bedürfen, und bietet Platz für etwa 40 Kinder. Sontra. lL c h r e r S p i e r ge st v r b e u., Vor einigem Tagen wurde der seit einem Jahre im Ruhestand lebende Lehrer Jakob Spier unter außergeivöhnlichcr Betej'igung weiter Kreise, unter denen sich auch viele auswärtige Amtsgenossen befanden, zur letzten Ruhe geleitet. Fast ein Men-i schenalter hat der Verstorbene, den Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit im Amte nnd Leutseligkeit gegen jedermann auszeichneten, im Dienste der Jugenderziehung und religiöser Belehrung in hiesiger Gemeinde gestanden. Seine gesamte- Arbeitskraft und seine großen geistigen Fähigkeiten waren ausschließlich unserer Gemeinde gewidmet, der er vom Ein. tritt in das Lehramt bis zur Pensionierung die Treue bewahrte, und ein großer Teil der Gemeinde hat während seines 4stjährigeu Wirkens di-.' liebevolle, allzeit friedliche und freundliche Eigenart des Verstorbenen kennen und schätzen gelernt. Große Teilnahme hat sein Scheiden aus unserer Mitte geweckt, wenn sein Tod auch nicht nnerwartci kam, da ein schweres Leiden seit Monaten am Lebensmark des Sechsurrdsechzigjährigen zehrte. Die Liebe und Treue, die Lehrer Spier hicnicdeu geübt hat, usird ihm ein treues Gedenken über das Grab hinaus bei denen sichern, denen er Lehrer, Freund und Berater mar. Mit ehrenden Worten hat der Vorstand der hiesigen Gemeinde in einem warm' empfundenen Nachruf die Verdienste anerkannt, die sich der Verstorbene während seines langjährigen Wirkens um die Förderung des religiösen Lebens erworben hat. Auch die Israelitische Lehrerkouferenz Hessens betrauert in Jakob Spier einen der Begründer ihrer Organisation, die er durch rege und anregende' Mitarbeit iu dankenswerter Weise zu fördern bestrebt gewesen ist. Stettin. iA b sch i e d s s e i e r s st ,• d e n R a b b i n e r.» Am 7. Mai verabschiedete sich Herr!)!abbit,er Dr. Wiener, der zum Rabbiner de Berliner Gemeinde berufen ist. von unserer Gemeinde, in der er 14 Jahre segensreich gewirkt hat. Im festlich geschmückten Gvtteslranse betrat nach Schluß des Abendgvttesdienstes der Vorsitzende des Gemeiude-Vor. standes, Herr Benno Feldberg, vor zahl re ich versammelter Gemeinde die Kanzel und sprach herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung dem scheidenden Seelsorger, der. obwohl in jungen Jahren in sein verantwortungsvolles Amt berufen, es trotzdem verstanden bat, sehr bald zn allen Kreisen der Gemeinde Fühlung zu gewinnen, der den Erwachsenen ein treuer Freund nnd Berater, der Jugend ein begeisterter und begeisternder Führer, den Alten und Schwachen ein Tröster nnd ein Helfer gewesen, der das geistige Leben in der Gemeinde mit der Fülle seines Wissens befruchtet und dessen Worten weit über den Kreis der Gemeinde hinaus in unterer Stadt mit besonderer Aufmerksamkeit gelauscht wurde. Nach dem Vorträge des Psalm 17» durch Herrn Kantor Teiler gab Herr Tr. Wiener in seiner Abschiedspredigt rückschauend ein Bild der Ereignisse, die iu den 14 Jahren seiner Amtsführung ju unserer Gemeinde das Judentum berührt und erschüttert haben, wie es uns nur vergönnt war. einen knappen Zeitraum jenes seit Jahrzehnten uns selbstverständlich gewordene normale Leben zu führen: wie dann der Krieg nnd seine zsiachwehen die Grundlagen der jüdischen Existenz fast noch mehr als die allgemeinen der Menschheit nnterwnhlt und neue Perspektiven erstehen ließen. Er wog die Wirtnna der gegeneinanderpvallenden Wellen ab, von denen die eine die letzten üRestc traditionellen Judentums offenbar zerschlägt, u'ährend die andere einen jungen Geist an den Strand der Wirklichlcit wirst. Wer wird siegend Tod oder Leben'? In her;- lichcn Segenswünschen klang die Rede aus. Am Abend des 8. Mai vereinigte ein Abschicdsmahl den Rabbiner mit seiner Gemeinde. Vor den in stattlicher Zahl anwesenden Gemeinde-Mitgliedern gab der Vorsitzende der Repräsentanten, Herr Instizrat Tr. Lewin. ein Bild von der vielseitigen Arbeit des Herrn Tr. Wiener und ließ auch die Verdienste der Frau Tr. Wiener nicht unerwähnt. Herr Nathan Marx sprach im Namen der sämtlicherr Vereine dem Scheidenden den Tank ans für die Unterstützung ihrer Bestrebungen, die sie alle von ihm erfahren haben, und der älteste Beamte der Gemeinde, Herr Simon, würdigte namens der Gomeindc--Begmt«n Herr» Dr. Wiener als ein

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