Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 21 (21.5.1926)
- Date
- 1926-05-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bcr LynagogengemeirrLe hat mehrfach in de» letzten Jahren akademisch und seminaristisch gebildete Lehrkräfte, die in der Berliner „Hochschule" ihre Ausbildung genossen haben, engagiert, der Entwicklung des jüdischen Religionsunterrichts »»» modernem Sinne Rechnung trageno. Das Schächtwesen ist modern eingerichtet. Mikwe und ein Altersheim sind vorhanden. Eine Lesehalle der jüdischen Logen, Jugendbund und mehrere rituelle Speisehäuscr sorgen für den Zusammenschluß des jüdischen Gemeinschaftsgefühls. Der Beth Aulom, am Abhang einer Anhohe. Stolzenberg genannt, gelegen, birgt viele ortseingesessene Familien, darunter Erbbegräbnisse Patriarchalischer Danziger Geschlechter. Der Vollständigkeit halber sei in diesem Zusammenhang der 20 Minuten Bahnfahrt von Danzig entfernt gelegene Badeort Zoppot lvon Danzig auch neuerdings durch regelmäßig verkehrende Autobusse begnem zu erreichen) erwähnt. Dieser binnen wenigen Fahren ans einem ehemaligen Fischerdorf anfgeblühte großstädtische Kurort. einer der schönsten und sehenswertesten an der Ostseeküstc, besitzt eine jüdische Gemeinde mit eigener Verwaltung und einer von einem jetzt in Berlin in hohem Alter lebenden Wohltäter gestifteten Synagoge. Bekanntlich in dieser Ort von den Polen jetzt hart umstritten. Das jüdische Gemeindelcben zieht sich dann der Provinz Pommern ljetzt Pommerellcnj zu weiter zur Synagogengemeinde Neustadt iWestpreußenj hin. welches eine jüdische Gemeinde für sich bildet. Arisches. Die Edda-Gesellschaft ii» Tinkelsbübl iü ein rein „arisches" Unternehme»!. Sie sandte mir ein paarmal Probe -nummern ihrer Zeitschrift, und höflich, wie ich bin. schrieb -ich der Gcsellichaft. ich bäte ergebenst, keine Vrobenummern -mehr zu senden, da ich mit dem Inhalt des Mattes nicht -überciirstilnine ldas Blalt ist antisemitisch und liest aus der Edda eine meines Erachtens unmögliche Phantastik und ..Weisheit", die im wesentlichen Gebräu ihrer Interpreten istj. Ich deutete an, daß ich Ehrist sei und mit dem Anti- -iemitismus nicht sympathisiere. Da da» Blatt von mir nicht 'bestellt mar, mar ich;,u einer Abbestellung nicht verpflichtet, -ich bestellte aber gleichwohl ab, um der Gesellschaft unnötige Kosten zu criparcn. Run ermesse man die Löslichkeit und 'Vornehmheit dieser Menschen aus der nachstehende», offe- 'n c n Postkarte, die als Antwort aus meine -Löslichkeits- Handlung mir, ohne Anrede, ins Hans gesandt »vurde und wohl als eine mich an rempelnde Maßregelung betrachtet werden muß. „DiiAelsbühl iMittelfranien» :l>». <3ic befinden sich im Irrtum. Wir sind keine Avtiseuüien. sondern deutsche Arier und dadurch i e 1 b st v e r st ä n d l i ch unterschiedetr vom Juden. t_ bei F-'i nd jedes a n st ä n d i g e n Menschen. Sofern Sic das bisher noch nicht erkannt Haben, sind Sie weder Ehrist noch Antisemit." Das unterschreibt Iran odc,- Iran lein Annettes non Bülow: mit andern Worten: jeder Jude ist ein Schurke, jeder „Arier" selbstredend davon „unterschieden" und also ein vornehmer Menich. Und da ich bas nickt einzujehe.i» vermag, bin ick natürlich ein Idiot oder mindestens ein Döskovv. Das ist schon nicht mehr grotesk lächerlich, das ist gemeingefährlich. Es iit eine niederträchtige Lehre, von einem Botte zu sagen, cs sei in allen »einen Vertretern gemein und unanständig - wie cs gemeingefährlich und schwachsinnig ist. von einem anderen Volke zu sagen, es sei in allen seinen Vertretern gut. edel oder vollkommen. Mit derlei kann arian schlechterdings nickt diskutieren. Gemeingefährlich ist es auch deswegen, weil solches, ebenso hochmütige wie schwachsinnige Denken nicht aus dem Wege des Deutschen lsi^n darf, denn sonst, weiß Gott, kann er sich „begraben lasten". Es ist eine zu niedrige Ethik, die aus solchen Worten spricht. Ich bin Christ und als solcher gegen allen nationalen Hochmut. Ich habe mir erlaubt. Iran «der Fräulein Annelics non Bülow .;u antworten, nicht auf offener Postkarte, sondern im Brief wie folgt: Iran oder Fräulein Annelies non Bülow. Tinkctsbühl. Sehr geehrte Dame! Wenn alle „Arier" Ihrer Richtung so wenig gute Form haben, io will ich crsi recht nichts mit ihnen und Ihnen zu tun haben. Ich hatte Ihnen höflich mitgeteilt, daß ich mit dem Inhalt Ihrer Blätter nicht übereinstiimne und bäte, von weiterer Zusendung abzusehen. Ter Zweck einer solchen Mitteilung war klar. Sic vor weiteren uv nötigen Ausgaben zu bewahren, die. Ihnen durch die Zusendung der von mir nickt bestellten Blätter entstanden. Das konnten Sie stsilichiveigend zur Kenntnis nehmen und die Sacke erledigt fein lassen Statt dessen rempeln Sie .mich auf offener Postkarte an und maßregeln mich. Ich llehnc das entschieden ab. Ihre Behauptung, daß olle Juden eo ipso die Feinde aller anständigen Menschen feien, ist zu wahnwitzig, um sie zu diskutieren. Aber natürlich, wer Ihrer Ansicht nicht folgt, ist böswillig oder dumm: schon gut! Schon gut! Dergleichen grenzt ans Monomaniichc. Es ist auch darüber nicht zu diskutieren. Ohne Ihren -..arischen" Gruß mphVrm zu können: hochachtend Karl Röttger. Lord Reading in Magdeburg. Wir hatten eine unserer letzten Nummern der Persönlichkeit Lord Readings gewidmet, der die höchsten politischen sEhren in England erlangt bat. obgleich er der Sohn eines ssüdischen Kaufmanns ist. und der die Interessen.des Bri tischen Reiches als Vizetönig von Indien in ausgezeichneter Weise vertreten hat. Dazu teilt uns die Kartoffel- und Gemüfegroßhandlung Junker & Hennemann in Magdeburg, deren vor zwei Jahren verstorbener Inhaber Gm'tav .Hennemann jahrelang Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg und stets ein Vorkämpfer der liberalen Bc «wegung war, folgende interessante Tatsache mit: „In» Jahre 1877 wurde Lord Reading nachmals englischer Vizekönig in Indien, der damals noch Rufus Isaocs hieß, von seinem Vater nach Deutschland geschickt. Dieser. Mr. Joseph M. Isaacs. hat ein großes Obstgeschäst in London und beauftragte Rufus, hier Kartoffeln zu taufen. Bei dieser Gelegenheit kam er mit unserer Firma in nähere geschäftliche Beziehungen, in deren Folge die Firma Ifaaes von uns danrpserweise Kartoffeln für England kaufte. Der junge Rusus blieb bei unserer Firma ein Jahr als Volontär und war mit dem Inhaber unserer Firma, Herrn Gustav Heynourann. eng befreundet. Als wir dessen Nachlaß ordneten. fanden mir eine Photographie von Rufus Iiaacs aus der Zeit seines Magdeburger Aufenthalts. Tiefe sandten wir ihm in seine Residenz nach Simla in Indien und erhielten darauf folgende Antwort: „Seine Exzellenz Lord Reading hat mich beauftragt. Ihnen seinen Tank für die alte Photographie auszusprechen, die Sie ihm übenandt >haben und die ihn an seine»! Aufenthalt in Magdeburg »m Jahre 1877 erinnert. Seine Exzellenz dankt Ihnen dafür, daß Sie seine" durch die Uebersenduug des alten Bildes gedacht haben." Ein weiterer Abzug des Bildes liegt infolge der Liobens,vürdigkeit unserer Magdeburgs Freunde vor uns. ES zeigt den jungen Rufus im Alter von siebzehn Jahren, in der altmodischen Tracht jener Jahre, die ihn wesentlich älter erscheinen läßt. Die Kleidung ist etwas salopp das Gesicht, in dem der jüdische Zua unverkennbar ist und durch Ä-otcIcttcn gesteigert wird, läßt die, autzerovdentliche Klugheit von Rufus Isaacs erkennen. Bor ihm. in der altväterlichen Stube, ein Stuhl und darauf eine Anzahl Bücher, wiederurn ein Ausdruck der Datsache, daß der Jude vorwiegend geistige Aufgaben zu erfüllen hat und daß die Ausgabe des Judentums in der Durchsittlichung der Welt liegt. So bescheiden wie Rufus Jsaaes aus diesen» Bilde aussieht, ist er auch in seiner jetzigen hohen Würde geblieben, ein aufrechter Vertreter des Judentums. dessen Namen er erneut zn hoher Ehre gebracht IM. Reminiszenzen des Lord Reading I»r meinem» Artikel über Lord Reading in der „Jüdischliberalen Zeit,mg" Ar. 18 vom 30. April d. I. erwähnte ich. daß er als Schiffsjunge nach Indien geflüchtet fei. Es dürste interessieren, zu hören, »vie sich der frühere Pizekönig von Indien über diesen seinen Jugendstreich ausgesprochen hat. Bei einem Diner, das ihn» zn Ehren in London gegeben worden ist. hielt Lord Birkcnhead einen Toast auf Lord und Lady Reading und in seiner Antwort führte der frühere Vizekönig u. a. folgendes aus: Lord Birkcnhead erinnerte mich an die Zeit, als ich einst Schiffsjunge, »var. und ich rverde nie den Augenblick vergessen, als sch auf einen» schottische»» Lastenschin in die Mündung des Ganges in Indien cinsuhr. Ich hatte aus dem Schiss vielerlei zu besorgen. Hauptsächlich lag cs mir ob. alle die Messingteile zu putzen, das Deck auszusegci» und den SchweinestaU zn reinigen. Das letztere hätte man mir iit Rücksicht auf »»»eine jüdische Abstimmung wirklich erlassen tonnen. Ich »»»»rßte aber alle die Arbeiten anssühreu. die den» niedrigsten Arbeiter aus dein Schiss zusiclen. Ich erinnere mich noch genau -des Tages, an den» ick Kalkutta verließ. Ich itand an der Schtsssiuiriüe. um mit meine»»» geringe» Körpergewicht mitzuhelscn. daß das Schis» in die richtige Lage kam. Wir sangen das Lied „Lebe wohl Kailut'a". Ich gebe zn. daß cs »nein Traum »oar, Kaltntta »viederzuielie». aber: nicht »nieder ans ei,teil» Lasten dampscr. Der damalige Vizetönig non Indie»» hat es »vir sicher nickt angesehen, daß ich eins» sein Nachfolger 'ein »verde. den»» sonst hatte c'. mich damals vielleicht cingcladci», tl>»t zu besuchen. Mit diesen launigen Worten gab der srühere Vizetönig die Erinnerungen an seine abenteuerliche Jugendzeit zum beite»,. B c n a s L c v y - Berlin. ifff Aus der Bewegung jFr 5 MK r uttr Berlin. (I ii o »sch - li 1» c r a I c v I n g c n d v e r e i n.j In der Absicht der Verständigung hatte der Vorstand des Iüdiich Liberalen Iugendvereius die Eitern der Gruppen - »nitgl.ie.der zn einer Aussprache mil den» Thema: Ili »rnd Elternhaus in den Meistcrsaal a»n 1- Mai geladen. Ein Vorstandsmitglied, Bet»»» Markus, hielt zunächst einen Vortrag, dem sich eine Diskirssion anschloß. Unsere Grundidee ist! die Jugend zu einen» neuen Ideal des jüdischen Familienlebens zu. führen. Nieinals habe», »vir daran gedacht. die Kinder den Eltern zu entfremden, und foinit mögen doch die Eltern ruhig dulden, daß die Kinder neue Ideen i»»s Elternhaus tragen und den Führern das Vertrauen schenke»». dag sie ebenso wie die Elter»» »vohl die Verantwortung sür ihre. Arbeit zu »ragen »nisten. Das Mittel, »vodurch »vir die Kinder unser;» Ideal näher bringe»» »vollen, ist die Erziehung durch die Gemeinfchost. Unsere Gcmeinschast wird nicht durch äußeren, svvdern durch inneren Zrvang zusainrnengehalten, und wenn mir etwas erreichen »vollen, so müssen »vir verlangen, daß sich keiner dieser Gemeiuschast entzieht: praktisch gesprochen bedeutet das ein Zurückstellen voi» persönlichen Wünschen, und mir bitten die Eltern, uns aus diesem Wege, durch Einslnß aus ihre. >' »»»der zu helfen und nicht — »vie cs jo oft geschieht — H»»»dernisse in den Weg zu legen: die Wahl an, 10. Mai »var wiederum eine Probe f»ir unsere Ilidlsziplii». Mau begegrret oft in Elteri»krcisei» einem Wide» »»iste»» gegenüber der parteiischen Beeinilnsiuna der Jugend: das ist durchaus berechtigt. u»»d »vir könne.»' de» Ettern versichern, daß wir nichts non solcher Parteilichkeit in unserer Gemeinschaft haben. Be» uns tommt nur Fugend zur Jugend, und wir »vollen mit ihr über Fragen sprechen, die sic »m Elternhaus nicht bespreche»» kann oder picht will. Doch möge mau nicht denken, daß wir uns nur mit Problemen abgeben: »vir vermeiden die darin liegende Gefahr der Welt fremdheit durch fachliche Arbeit »»» der Welt. Selbstverständlich ist sür uns, daß Mädel und Firngen kameradschaftlich zusammen sind, und wir bitten die Eltern sehr, auch bieni; »ins keine Schwierigketten in de»» Weg zu legen. Die Vortragende geht zu de»» Veranstaltungen über wie allgcineinc Vorträge, Heirnabende, in denen die Hairptarbeit geleistet wird, und Ausflüge, und bittet die Eltern, zugurrstev der Il»-D«iztplin nicht allzu genau »nit der Uhr zu sein, und wirst die Frage aus, ob die Eltern mit einem rvöcheirtlief) stattfiudendeu Heimabend eiirverstairden sind. Sudan»» wird auf die Freitagabend-Feiern hingewiesen, die setzt aber nur »och i>» einer Gruppe bestehen und die sür diejenigen eingerichtet wurden, die leine Freitagabend-Feier,in der Familie haben, »»nd dann auf den Pessach-Gottesdienst, der alle»» etwas gegeben hat, »venu auch im einzelnen Kritik geübt rvurde. In der Diskussion, die recht eifrig geführt »ourde, bot mau »vi» Elker»»seite darum, »venu irge»»dn»öglich, pünktlich besonders »»on Ausflügen zurückzukehrc». Hierbei »vurde der Vorschlag gentacht, sür die mehrtägigen Fahrten, gegen die die Eltern in» Prinzip nichts einzuweuden hatten, in das Prograinin eine»» etivas genaueren Plan aufzunehlnen, u,n den Eltern cinei» Ueberblick zu verschaffen. — Bein» Punkt Häufigkeit der Heintabende wurde iu» allgemeine»» die Ansicht vertreten, daß mnu darüber keine Regeln geben körrrcc, sondern von Fall zu Fall entscheiden müsse. Was die Theinenmahl der Heimabende ange.ht, »vird von Elternseite »orgeschlagen., nicht eine zu große Eiitseitigkcit »valten zi» lasten, sondern auch allgemein bildende Stosjc zur Geltung to»»»me>» zn lassen. Jedoch »vird hierbei errvidert, daß der Ili hauptsächlich .für den religiösen Liberalismus arbeitet und das Ziel doch ist, Jüngeren eine positive Beziehung zu religiösen D»»»ge»» zu verschafse»»: danach hat sich die Themenwahl zu erst zu richten. — Außerdem »volle»» die Eltern die Ili-Zusa»nincnl.»ii»fte nicht nur an,» die Gruppen beschränkt wisse»», sondern halten ein häin'igcrcs Zttsammenkornmen der Gruppen für erwünscht. Bei der Frage Parteilichkeit »vird von Führerseile ans drücklich darauf Hingeiviesen, daß es imincr nermiedeu worden ist, n»»t Schlagworten zu arbeiten, daß parteiliche Dinge nur ans Befragen und dann »nit völliger Obiektivität behaudelt werden. Zum Punkt Freitagabend-Feier »vnrde van Elterniciie »»orgeschlagen, daß die Eltern, die einen Freitagabend halten, Ili-Mitgliehcr, deren Eltern es nicht tun. zi» »ich einladen. Im allgemeinen findet de» Vorschlag viel A»»kla»»g: jedoch »verden auch Bedenken laut, daß dies zu eiitcr Entfrewdung von dem eigenen Elternhavs führen könnte. Wieder andere »»»eilten, daß diejenigen, die keine Freitagabend-Feier kennen, sie a»rch nicht ke»»»»e»»znlerne»» brauchen: hierauf »vird aber eirtgegnet, daß »nan doch d»»rch das Kenneuleruei» eine iltnere Beziehung dazu bekommen könnte, »vie das schon oft der Fall gervesen ist. Tie Meinung der Mehrheit scheint jedoch dahl»» zu gehe»», die Freitagabend-Feiern beizubehalten. Zusammeufasscnd läßt sich über den Elternabend fugen, daß wir trotz der zahlenmäßig matten Beteiligung der Eltern dach recht erfreut waren, mit welchem inneren Anteil sie unsere Sache verfolgen. BreSla«. lIüdisch-l i b e ra ler Iugend-vere in „A b r a h a m Geige r".j U»»ser zweriter diesjähriger Tagesausslug fand an» .13. Ptai statt. Bon Linden aus führte uns unser lieber Freund Georg Jonas aus Ohlau durch die herrlichen Oderivälder über Sinortave am Zinnobersee vorbei durch 4teuvorwerk nach Laskowitz-Beckern. Wir alle, die wir unter der treuen Fiihrung die schöne Gegetid durchs »vanderten. bedauerten nur. daß »tnicwn Ruse nicht eine »vcitaus größere Zahl unserer Mitglieder 'Folge leistete. Unserem lieben Führer Jonas sagen wir fiir diese vortreffliche Führung und der» «rneuten Beweis seiner Anhänge liLkeit »»nseren herzlichsten Dank. Frankfurt a. M. (I irdisch-liberale IHu»g»end^ g c »n c i n s ch a s t.j In» Rannte»» eines Heimabends bei unserem Vorsitzenden, Dr. Hofsmann, sprach Hermann Geiger über das Thcina: -/Synagoge oder Konzertsaal." Er wies auf das Tbeaterinäßige, Aeußerliche »nancher Gottesdienste hin, beanstandete den Mangel an Andacht und das Verhalte»» der Gelneindcmitglieder in den Gotteshäusern und hielt eine Renoviermrg des Gottesdienstes in modernc»n Sinne sür erforderlich. Einen Wca bierzn sah er in der Darbietnng anderer Musik als der bisher üblichen n»»d tit einer künstlerischen Form. Er schlug vor. Bach »»nd Hairdel, die Allgemeingut jedes religiösen Menschen »eien, sprechen zu lasten: die' »nechanischeu deuische»» Gebete a»»sz»»sck>alten u»»d dafür dem Ehor und dem freien Orgelspiel einen größeren Raum M gclvähren. In der Diskussion »vurde als Gegengrund darauf hingeiviesen, daß gerade in der Wiederholung derselben Gebete etivas Liebgewohntcs und Vertrautes liege, wodurch bei den meisten Menschen das religiöse EIefühl vertieft würde; es wurden allerdings viele Mitzitände erwähnt. Schließlich einigte mar» sich dahin, daß der alte Gottesdieirst mit wenigen Aeuderungen beizubehalten sei, danebei» etivas aber für die. die bisher fremd und lau den» Gottesdie»»s» gegenübersta»»den. geschaffen »verden müsse. Dieses Neue könne an» beste»» dadurch entstehen, daß die Jugend aus sich heraus Gottesdienste, Andachts- und Fxierstundeni abhaltc, bei dclicn sie in künstlerischer Forur oder auch in freier Rede Gelegenheit habe, ihren» Eulpfindcn nach Gottesdiensi zu halten. Diese Einrichtung auch in Franksnri, »vie sie schon in anderen Städte»» besieht. z,u schaffen, sei die Aufgabe der liberalen Jugend. Die Diskussion bewies durch ihre Lcblmftigkeit. wie brennend diese Frage:, sür unsere Jugend sind, und wie alleuthalben dos Bedürfnis besieht, das Alte, Wertvolle in einer den» »noderncn Empfinden leichter eingehenden und bester liegende Form z,r kleiden, inn wahrhaft religiös zu sein nnd zu werde". Sprechsaal Ein Wort zum Larmizwaunterrrcht. In einer der letzten Svrechsaalnotizen dieses Blattes war. aus de»» Mangel des heutigen Barmizwaunterrichtes hinge- »viescn. der dort,» besteh», daß ein zu geringes Maß von Kenntnisse»» gesordert wird, sei es infolge einer oft zu kurzen Borbereiwngszeit. sei cs infolge allzu großer Nachsicht bei der der Bariniziva vorangehenden Prüfung. Mir scheint durch beides der eigentliche Kern dieses zugegobenen Mißsiandes nicht getroffen zn sein. Vielmehr liegt der wahre Grund in etwas anderem, närnlich in den» Barmizwaunterricht als socken, »n der Tatlackc. daß ein solcher überhaupt crisiiert. Die Barinizivavorbereituna gehört mit zu den jüngsten Forineu jüdisch religiöser Nnterweisurrg. Sie ist letzten Endes nichts anderes als eine Nachbildung u»»d Nachahmung des christliche»» st ovfirinationsunterrichtcs. Eigenartig, daß dieses ,.ch»»kkat baggoi" auch bei u»»1eren Orthodoxen Aufnahine gesunde,» hat. Den» Judentum selbst ist diese Art von Unterricht stets fremd gcrveic». Es war zwar ein felbftverständlichcr Grundsatz, „zu. lernen »»nd zu lehren", insbesondere Kinder möglichst früh »n die Lehren des Iildentums einzuführen, aber eine besondere Vorbereitung zum Bar- »nizwa gab es nicht. Es bedurfte auch ihrer nicht. Denn die gesamte Belehrung und Erziehung des jüdischen Kindes, sei cs in der Sckirle. fei es i»n elterliche»» Hanfe, war darauf eingestellt, es zv. einem religiösen Menschen, zu einem Soh;r des Gebotes zu macherr. Was nicht in der Schule gelehrt wurde, das prägte sich durch die tägliche religiöse Praxis ein. Bräuche, zumal die der Sabbate, und Feiertage, wurden nicht gelehrt, sonder»» sie »»»urdc,» gelebt. Man brauchte keine gcsanglichc AnsbiIduna zun» Vortrag der Thora und der Haftaro: denn das musikalische Gehör nahm bei dem häufigen Besuch des Gottesdienstes die üblichen Melodien von selber auf. Das Anlegen der Tefillin gehörte nicht zürn Pensum eines Unterrichts, sondern der Vater selbst wurde hier wie in vielen andere»» Fällen zun» Beispiel und Vorbild für bas Kind. Das gesinnte jüdische Leben, das iinmer wieder auf die Erfüllung der Mi-zwa, des göttlichen Gebotes. drä»»gte und bedroht war, »»»ußte natürlicherlveije seine ganze Erziehung von der frühesten Kindheit an in diesem Sinne einstcüen und cinrichtc»». So rvuchs der jüdische Mensch von selber in die jüdische Gemeinschaft hinein, wurde von selber ein Bar»niz»va, ein Glied des Judentums. Was vergangener Zeit eine SeWstverständlichLeit war. das haben <^leichgültigke»t, Unmissen und Indifferenz in unseren Tagen z»»m Problem gemacht. Das jüdische Haus ist heute oft nicht in ehr die Stätte religiösen Lebens, das Eiotteshaus oft nicht »nchr der Sainmel- und Mittelpunkt. Das jüdische Kind wird, nicht von selbst ein Barmizwa. sondern es muß dazu herängebildet werden durch den Unterricht. dessen Besuch selbst nur ein fakultativer ist. Wie man st, kurzer Zeit daun oft zmn Barmizwa gestempelt, wic: dieser Unterricht oft zun» „Schnellkursus" wird, ist in dem crivähnten Artikel treffend hervorgehobe»» worden. Es ist: das eine der bittersten und gefährlichsten Ko»»zessionen. die das Judentum so,vohl das tiibcrale als auch das orthodoxe an die Nnlvissenhcit und an den Indifferentismus der Neuzeit gemacht hat. Würden solche besonderen Borlbereitungskursc und Zirkel schlvinde»». dann könnten Eltern, ivclchc die Eim'egnunq ihrer Kinder »vünschen — das aber ist der Wunsch der meisten, sei es auch nur um der Gelegenheit »Villen, »velche die Möglichkeit zu einer FesteSfeicr bietet — gezwungen »verden. ihre Kinder ohne Unterbrechung vom sechsten bis mindestens zum dreizehnten Lebensjahre dem Religionsunterricht znz»»führen. Und die Aufgabe des Reli-' giousuntcrrichtcs »vird es in diese»» Jahren sein, alles das zu geben, was dem jüdischen Menschen zu,»» Sohne des Ge-< bvtes, zum Manne der Pflicht wachsen und reisen läßt. Rabbiner D r. G r ü n. Frankfurt a. d. Oder,- ' {ft tis Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu!