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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-14 · 20 (14.5.1926) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
20 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Anzeigenpreise: Die 12gespaltene Nonpareillezeile 0.45 Goldmark, die R klamezeile 3.00 Soldmark, bei u Dtederholungen Rabatt. rr u « Anzeigenannahme: «Jüdisch-liberale Zeitung* Jnseratenadteilung: Berlin SV 48. Dilhelmstrahe 147 (Hafenheide: 3358—59). sowie sämtl. Annoncen-Eßped. Nr. 20 Berlin, 14. Mai 1926 6. Jahrgang Bezugspreis durch die Geschäftsstelle ^jährlich M. 2.50 Einzelnummer 0,20 Bei freier Zusendung i. Inland 0.25 §ür die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis s tm Mitgliedsbeitrage enthalten. :: r. :: Chefredakteur: Dipl..Jng. Bruno Doyda. vis «lüdtsch-Ndsralv Zeitung" erscheint jeden rreltag. Nevaktlon u. osschüNsstelie: veriin SW, Wilte'mstr. 147. Serarutr kasenheids 3358, 3359 > Nachdruck sSmINckor 0rtg,nal-v«»1rüg« postsckvckkonto: vorUn NWr nr.trro»» nur mit vordoriger Genehmigung Det (Vereinigung für da» liberale Judentum I Redaktion gestaltet. Aus tut VW! Mr Liste 2! Der Stimmzettel für die Repräsentanten -Wahlen Jüdifche Volkspartei: Für gemeindefremde Ausgaben und hohe Kullussteuern! Liberale Liste: Sonnenfeld. Stern, Fiau Bertha Falkenberg, Türk. X JüdiicheSozialdemokrat.Arbeiter- Organifation „Poale Zion“: Der kleine Bruder von Nr. 1. £ Bund der Jüdifdien Arbeitnehmer in Groß-Berlin: bedeutet Stimmenzersplitterung. Keine Aussicht auf ein Mandat. Konfervative Partei: Religiöser Rückschritt Mit Nr. 1 verbunden. Religiöse Mittelpartei: Für den Wahlkampf i i diesen schweren Zeiten verantwortlich. I Safcte Keiner iehle-leder Kml6.Nai-irListeZ! Die richtige Wahl! Denn: Mit diesem X in No. 2 habt Ihr religiösen Fortschritt, sozialen Geist, deutsche Kultur und Zukunft des Judentums gewählt! 3u letzter Stunde. Nur noch wenige Stunden trennen uns von dem Wahlakt zur Berliner NepräseiitantenversammllUlg, der für die nächsten sechs Jahre entscheiden soll, wer die Geschicke dieser Gemeinde und damit eines der wichtigsten Teile des deutschen Judentums zu leiten haben wird. Ob die Liberalen, die den religiösen Fortschritt, die Errichtung neuer Synagogen in allen Stadtteilen, sparsame Ausgaben und damit eine auch für die so schwer notleidende jüdische Bevölkerung tragbare Gemeindesteuer als die hervorragendsten Punkte für ihre Arbeit in der neuen Repräsentantenversammtung ansehen. Oder jenes unentwirrbare Gemisch von Zionisten, -.konservativen und Mittelparteilern, das sich nicht genug tun konnte in der Verächtlichmachung der liberalen Berliner Inden. Mit den letzten großen Versammlungen des Sonnabend, in denen die Parteien ihre Getreuen noch einmal vereinen wollen, hat der Wahlkampf sein Ende erreicht. Nie wohl seit dem Bestehen der Berliner jüdischen Gemeinde hat ein jüdischer Wahlkampf so heftige Formen angenommen wie dieser. Mit Trauer und Beschämung nur können wir daran denken, wie unsere Gegner in diesem Kampf die Lehren der jüdischen Religion, die die Liebe zu allem, was Menschenantlitz trügt, fordert, mißachtet haben. Es wird der Berliner jiidischen Wählerschaft nicht entgangen sein, wie organisierte Sprengtrupps, die vornehmlich ans zionistischen Jünglingen im noch nicht wahlfähigen Alter bestanden, auf Befehl ihrer Führer unsere Versammlungen zu sprengen und uns zu hindern versucht haben, die Wahrheit zu verbreiten. Doch man wird die Wahrheit mit diesen Mitteln nicht unterdrücken können. Und es ist vielleicht nicht unwichtig, daß die jüdischen Männer und Frauen am lebendigen Beispiel gesehen haben, wohin wir steuern, wenn die Liberalen bei diesen Wühlen nicht eine klare Mehrheit erringen. Diese BcrsammlungSsprenger haben ihren Anstraggebern wahrlich einen schlechten Dienst geleistet. Sie haben gezeigt, daß es unseren Gegnern nicht um sachliche und Werte schassende Gemeindearbeit, sondern um die Phrase geht, die deö Terrors nicht entraten kann. Ta die Berliner Inden in ihrer überwältigenden Mehrheit aber wünschen, daß in einer religiösen Gemeinde nur eine von religösen Gesichtspunkten getragene. anfbanende Arbeit geleistet wird, die sich nicht nur in der Erhaltung des von den Liberalen bisher Geschassenen erschöpft, so werden sie nur den Liberalen ihre Gefolgschaft gewähren können. Was bedeutet cs denn, wenn nicht die Liberalen, sondern die in engster Abhängigkeit voneinander stehenden Parteien' der konservativen, religiösen Mittelparteiler und Zionisten die Mehrheit erhalten? Nun, nur gleichen, daß die Wählerschaft sich selbst ein Bild davon machen kann, wenn sie sich daran erinnert, '.nie die Gegner des jüdischen Liberalismus in den letzten sechs Jahren in der Repräsentantenversammlung und im Vorstände der jüdischen Gemeinde gearbeitet haben. Oder hat man schon vergessen, daß die .konservativen und Mittelparteiler — es sind noch leine zwei Jahre her - versucht haben, ans der Synagoge Levcpowstraße die Orgel zu entfernen'? Denkt man nicht mebr daran, wie sie mit den greisen Insassen der Altersversvrgnngsanstalten umgesprungen sind? Wie sie ihre -Zimmer durchschnüsfelu lassen wollten? Erinnert n>au sich noch, wie unser verehrter Freund Emil PincnS in der Repräseiitantenversammlung ausstand und namens dieser alten Brenschen, die sich keine Hilfe mehr mußten, dagegen protestiert hat, daß der mitielparteiliche Herr Goldichmidt die jüdischen Betcraneu wie Zuchthäusler behandelte? Haben die Berliner Indcn'denn ein so kurzes Gedächtnis? Wenn sie es nicht haben, dann werden sie auch wissen, in wie sinnloser Weise Zionisten, konservative und Mittelparteiler in der Repräsentanten Versammlung und im Landesverband Anträge auf Bewilligung von Ausaaben gestellt haben, für die die Mittel unserer Steuerzabler nicht ansrcichteu. Und wenn sie gar nicht mehr weiter wußten .... Tann stauben der konservative . Herr M. A. Loeb und der mittelparteiliche Herr Nculmmn aus und verlangten Erhöhung der Kultussteuern. die scheu jeüt leider soviele unserer jüdischen Brüder und Schwestern nicht mehr aufzubringen vermögen. Mit Recht hat daher einer unserer Freunde in der Repräsentantensitzung vom 28. März 1926 mit der Faust auf den Tisch geschlagen und gesagt: „Meine Herren Konservativen und Mittelparteiler! Auch die erhöhte Besteuerung der Lohnempfänger und der werktätigen jüdischen Bevölkerung dürfte wohl schwerlich die Mittel aufbringen, die man sich davon zu versprechen scheint." Und wenn die mit den Zionisten verbündeten Konservativen und Mittelparteiler die Gelder noch angefordert hätten, für die Linderung der Not und des Leides deutscher Juden. Wenn sie noch gedacht hätten an die jüdischen Arbeitnehmer, den jüdischen Mittelstand, das jüdische Kind in Deutschland, mit dem uns Sprache und Kultur verbindet. Nur die Liberalen waren es, die immer wieder ihre Stimme für diese so überaus wichtigen Aufgaben jeder deutsch-jüdischen Religionsgeincinüe erhoben haben. Die anderen aber haben immer nur, wie von einem Fixstern gebannt, nach Palästina geblickt, nach dem englischen Jerusalem und nach Tel-Aviv, wo Unordnung und Unduldsamkeit herrschen. Mit Stolz stellt das konservative Pressebnrean in Wien fest, wieviel Millionen für diese Zwecke ausgegeben, das heißt: jüdisch-religiösen Zwecken, dem Ban von Synagogen, der Anstellung weiterer Lehrer und Rabbiner, unseren wundervollen sozialen Anstalten entzogen wurden. Sorgt man so für Frieden und Einheit in der Gemeinde? Für Frieden und Einheit in der Gemeinde! Ein uralt jüdisches Ziel, das unsere Propheten zuerst gepredigt, das sie gesehen haben in der Vereinigung aller! Menschen im Glanzen an den einig-einzi en Gott, j Einer der vornehmsten Programmpunkte der liberalen Partei, von liberalen Rabbinern in die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum aufgeuommen. Scholaum — das war der Geist, den unsere liberalen Repräsentanten stets gepflegt haben, auch wenn die zionistische Minderheit, wovon wir so oft berichten mutzten, den eichengetäselten Saal in der Oranienburger Straße durch wüstes Gezänk entweihte. Sie brauchten ja nur hinzusehen an die Wände dieses Saales, von denen die Bilder liberaler Männer, Stolz der jüdischen Gemeinde und des Deutschtums, zum Frieden mahnten. Eine andere Partei, die in diesen Notzeiten den Wahlkamps entfesselt hat, nimmt es jetzt für sich in Anspruch, allein dem Frieden nnd der Einheit in der Gemeinde zn dienen. Man kann ganz davon absehen, daß sie schon damit ihre Untoleranz bewiesen hat. Noch aus einem anderen Grunde bedauern mir aber, einen Rabbiner dieser Gemeinde an der Spitze dieser Liste und in der Mitte der Wahlversammlungen zn sehen. ES ist von jeher unsere Ansicht gewesen. daß der Rabbiner ins Gotteshaus, in die Schule, in die jüdische Familie gehört. In dem Augenblick, in dem er sich in den jüdisch-politischen .Kampf begibt und sich zum Diener einer Partei macht, steigt er herab von der hohen Warte, auf der unsere religiösen Führer stehen sollen, wird er zum Ziel des Zanks und verliert er das Allsehen, das mau dem Rabbiner nur so lange zollen wird, wie er seine religiösen Aufgaben unparteiisch verwaltet. Für einen Rabbiner gibt es andere Gelegenheiten zum Wirken und zur Belehrung als die Tribüne der Repräsentantenversammlun^ Und wenn er sich zum Listenführer einer Partei macht, dann werden wir das bittere Gefühl nicht

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