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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seinerzeit wurde schon mitgeteilt, daß in Berlin ein Kollegium von Fachgelehrten die Vorbereitungen für dieses Monumentalwerk in Angriff genommen hat, und daß es geplant ist, im Laufe von 6—7 Jahren in jeder der beiden Sprachen je 10 Bände im Umfange von 600 Druckbogen in großem Lexikonformat herauSzugeben, in denen -er gesamte Ertrag aller Gebiete jüdischen Wissens enthalten fein soll, und die Über sämtliche Fragen deS jüdischen geistigen und sozialen Lebens bis in die neueste Zeit in wiffenschaftlich zuverlässiger und anschaulicher Weise orientieren sollen. Die im Umsange von zirka 100 Setten, mit zahlreichen Illustrationen versehenen Probehefte der Enzyklopädie enthalte» eine Auswahl von Artikel» aus den verschiedensten Gebieten der jüdischen Wissenschaft; -um Teil sind es, der Gesamtanlage -er Enzyklopädie entsprechend, umfangreiche Monographien, zum Teil kleinere Aufsätze über Eiuzelsragen, geographische Namen, historische Persönlichkeiten usw. Aus der reichen Auswahl der Artikel seien folgende genannt: »Abraham Jbn Ezra", »Erzväter", »Asaria de Rossi", »Traktat ALot^ — in der hebräischen — »Aramäisch in Ser Bibel" »Ludwig Bamberger" — in der deutschen —; »Alchemie", »Alexandrien", »Altperstsche Religion". »Asharot" »Autonomie", »Albert Einstein" »Handwerk". »Kunst" in der hebräischen und deutschen Ausgabe der Probehefte. Ausführliche Einleitungen zu den Probeheften unterrichten genau über Ziel. Anlage und Gestaltung des Werkes. Die Redaktion, auf 18 Gebiete verteilt, liegt in -er Hand von Fachgelehrten: zirka 180 -er bedeutendsten Forscher und Schriftsteller in allen Ländern haben ihre Mitarbeit an dem Werk zugesagt. Berlin. (I ü d i s ch e Musi k.) Die „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik", welche vor einigen Monaten hier gegründet wurde, ist nunmehr mit ihrem ersten Konzert vor die Oeffentlichkeit getreten, das am 21. April im Bechsteinsaal unter Mitwirkung des van Laar-Quartetts, sowie des bekannten Sängers Leo Gollanin und des Klaviervirtuosen Franz Osborn stattfand. Einleitend wies Herr Dr. Schalom Hildesheimer in einer Ansprache an das zahlreiche Publikum auf die Ziele und Bestrebungen der Gesellschaft hin, welche sich die Pflege jüdischer Musik, die Förderung jüdischer Komponisten und die Verbreitung ihrer Schöpfungen in weiteren jüdischen Kreisen zur Aufgabe gestellt hat. Das Konzert, dessen Programm das Streichquartett von Ernest Bloch, die „Oestlichen Visionen" für Klavier von Erich Walter Sternberg, sowie das berühmte „Kaddisch" von Maurice Ravel und Lieder von Moses Ailner enthielt, nahm einen wirkungsvollen Verlauf und weckte bei den Anwesenden begeisterten Beifall. Als eine der nächsten Darbietungen der „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik" ist u. a. die Uraufführung von Joel Engels „Suite aus der Musik zu der dramatischen Legende Hadibuk von Anski" in Aussicht genommen. Berlin. (Freie jüdische Volkshochschule.) In der Mitgliederversammlung der Freien jüdischen Volkshochschule sind die vorbereitenden Schritte für die Aufstellung des Herbsttrimesters bereits geschehen. Näheres über das Herbstprogramm wird bald vekanntgegeven werden. Zum ersten Vorsitzenden für das Geschäftsjahr 1626 ist Herr Pred. Dr. Lehmann, zu seinem Stellvertreter Herr Rabbiner Dr. Weyl gewählt worden. Schatzmeister ist Herr Dr. Beit Simon geworden. Berlin. (Hebräische Sprachschule.) Anfangs Mai eröffnen wir einen Morgenkursus für Anfänger im Westen, zu dem sich noch Teilnehmer melden können. Der Unterricht findet im Nebengebäude der Synagoge. Pestalozzistr. 14, statt, und beginnt Montag, den 3. Mai, 7.30 Uhr morgens. Der Stundenplan wird in der ersten Stunde gemäß den Wünschen der Beteiligten festgesetzt. N. Berggrün, Wilmersdorf, Prinzregentenstraße 94. Telephon: Uhland 6986 (2—3 Uhr). Berlin. Die Wilmersöorfer Orchester-Vereinigung veranstaltete unter Leitung ihres Dirigenten Max Modern ein Konzert. Der lebhafte Beifall der Zuhörer bewies die Beliebtheit, die sich diese Ormmisation in ihrer Gegend erworben hat. Besonders g»el der Vortrag des Klavierkonzerts 6-Moll von F. Mendelssohn-Bartholdy durch die junge Künstlerin Henriette Braun. Casiel. (Frau Eisenberg gestorben.) Nach längerem Krankenlager verschied Frau Pauline Eisenberg, die Gattin des Gemeindeältesten Theodor Eisenberg. Als Mitglied de- Vorstandes vom Israelitischen Frauenverein hat die Verstorbene, deren Hingabe und Hilfsbereitschaft in einem warmherzige» Nachruf verdiente Anerkennung gefunden hat, alle» gemeinnützige» Bestrebungen innerhalb der jüdischen Gemeinde reges Interesse entgegengebracht und sich durch ihr fympatifcheS Wesen wie auch durch die langjährige praktische Mitarbeit auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege viele Freunde erworben. Ihr frühzeitiges Ableben weckt darum allgemeine Teilnahme, und mit Recht sagt der Vorstand deS Frauenvereins, daß das soziale Wirken der Heimgegangenen in der Geschichte des Vereins unvergeßlich bleiben werde. Düsseldorf. (Wohlfahrtsversammlung.) Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden beabsichtigt, in der Zeit vom 6. bis 8. Juni 1926 im Rahmen einer jüdischsozialen Woche eine Wohlfahrtsversammlung gelegentlich der Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf zu veranstalten. Es sollen auf dieser Tagung Vorträge über die Grundlagen der jüdischen Wohlfahrtspflege, ihre Entwicklung im letzten Jahrzehnt und über eine ganze Reihe weiterer grundlegender Fragen auf dem Gebiet des jüdischen Wohlfahrtswesens gehalten werden, z. B. über Bevölkerungsprovleme, über Fragen der Wirtschaftsfürsorge, Gesundheitsfürsorge, Juaendwohlfahrt usw. Neben der Erörterung theoretischer Probleme werden in Facharbeitsgemeinschaften auch praktische Maßnahmen zur Beratung gelangen. Frankfurt a. M. (Erforschung jüdischer Kunst - denkmäler.) Die Gruppe »Hygiene der Juden" auf der großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen hat wichtige Aufgaben auf dem Gebiete der jüdischen Kunst der »Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdcnkmäler" in Frankfurt a. M. zur Erledigung übertragen, da diese durch ihre 80jährige Tätigkeit zu einem Zentrum jüdischer kunstwissenschaftlicher Forschung geworden ist. Kallies. (F r i e d h o f s s ch L n d u n g.) Ein Akt unglaublicher Roheit und Gemeinheit wurde auf dem Israelitischen Friedhof verübt. Eine Anzahl Grabmäler und Schmuckstücke sind zertrümmert worden und mehrere Grabstätten völlig verwüstet. Ein in der Nähe des Begräbnisplatzes wohnender Arbeiter erkannte als die Täter die Musiker Heyn und Fritz von hier. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde erstattete daraufhin sofort Anzeige bei der Polizei, die das Strafverfahren in die Wege leiten wird. Mauuheim. (Max Kausfmann 70 Jahre alt.) Am Samstag, den 1. Mai d. I., wird Herr Max Kausfmann, Mitglied des Synagogenrats und Vorsitzender der Kultuskommission. seinen 70. Geburtstag feiern. Seine Ehrenämter bedeuten für Herrn Kausfmann nicht eine äußere Dekoration, sie sind ihm Herzenssache, innere Angelegenheiten seines warmen jüdischen Herzens. Ihm sind die Aufgaben des Kultus, besonders in der Hauptsynagoge anvertraut, die er nicht geschäftlich verwaltet, sondern erlebt und belebt mit seiner festgewachsenen, unerschütterlichen Treue zum Judentum. Ein gütiger Helfer der Armen und Notleidenden, ist er rastlos bemüht, die Wohlfahrtsinstitutionen zu unterstützen und zu erhalten: dem Altershause der badischen Judenheit. dem Friedrichsheim in Gailingen. widmet er seine besondere Liebe. Aufrecht an Leib und Seele tritt Max Kausfmann in sein achtes Lebensjahrzehnt, umgeben von der Verehrung der ganzen Gemeinde, die mit Stolz auf daS vorbildliche religiöse Leben und Wirken ihres verdienstvollen Mitgliedes blickt und ihm mit ihrem Vorstande die herzlichsten Glück- und Segenswünsche zu seinem 70. Gevurtsfeste ausspricht. Pflaumloch. (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) Elf Schüler der evangelischen Volksschule im Alter von 11 bis 14 Jahren drangen vor einiger Zeit nachts in den Friedhof ein und stürzten 18 Grabsteine um. Die Kinder hatten die steinerne Mauer des geschlossenen Friedhofes überstiegen, um im Friedhof Immergrün für die Kränze zur Ausschmückung der Kirche anläßlich der Konfirmation zu holen. Ein Knabe hatte bei dieser Gelegenheit mutwillig vier Steine umgeworfen und dadurch die anderen Kinder zu wetteren Zerstörungen angereizt. Die Kinder haben bei der Vernehmung durch den Landjäger erklärt, baß es alter Brauch sei, vom jüdischen Friedhof Immergrün zu holen. Die Kinder haben sämtlich das strafwürdige Alter nicht erreicht, so daß nur zivilrechtliche Verfolgung der Angelegenheit in Frage kommt. Aus der Bewegung BreSla». (Jüdisch-liberaler Jugendverei», Abraham Geiger). Unter Leitung von Alfred Berger fand am 14. April der IS. Gruppenabend der Gruppe »Süden" bei Herr» WatsenhauSdirektor Kolodzinfky statt. Hermann Sachs referierte über das Thema: Ist Zins berechtigt? Der Referent führte etwa folgendes auS: Für manche christliche Kreise gilt die Gestalt deS Ghylock als der Typ des Mischen Geldverleihers. Wie stellt sich nun daS Judentum zu der Frage des ZtnSnehmens? Im Gegen» satz zum altbabylonischen Recht hat das Judentum daS ZinSnehmen verboten. Dieses Verbot galt etwa bis ins Mittelalter. Später wurde der Eintausch der Lebensmittel immer mehr von dem Eintausch des Geldes verdrängt. Dadurch änderte sich auch das Verhältnis des Gläubigers zum Schuldner. Während früher nur der Schuldner der Hilfsbedürftige war. desien Ausbeutung streng verboten wurde, konnte jetzt das geliehene Gelb oft derart verwandt «erden, baß der Schuldner dadurch mehr verdienen konnte als der Gläubiger. Jetzt mußte daS Gesetz eine Aenderung erfahren. Während in der Bibel daS Zinsverbot nur für den Gläubiger gilt, wird im Talmud das Zinsverbot auch auf den Schuldner ausgedehnt. In gleicher Weise wird verboten, Gelb zu verleihen und Gelb gegen Zins entgegenzunehmen. Im Anfang des 16. Jahrhunderts schreibt der Eisenacher Stadtschreiber Johann Purgoldt in seinem Rechtsbuch: Es steht geschrieben in dem dritten Buch MoseS in dem 25. Kapitel: Von Gottes Recht soll kein Jude Wucher nehmen, von Juden noch von Christen. Nun ist ihnen aber ein anderes Handwerk nicht gestattet, darum müssen sie Wucher treiben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Wucher der Christen aber ist nichts anderes als Geldgier. Auch Luther wandte sich scharf gegen den unberechtigten Wucher der Christen. Während es im dritten Buch Moses verboten ist, vom Ausländer Geld zu nehmen, wird diese Beschränkung im fünften Buch Moses aufgehoben. Allerdings soll sich die Erlaubnis des Zinsnehmens nach der talmudischen Deutung nur auf den besitzenden Fremden, der sich vorübergehend zu Handelszwecken im Lande aushält, beziehen. In späterer Zeit nahmen die Juden auch von ihren Glaubensgenossen Zinsen. Die neugestalteten wirtschaftlichen Verhältnisse machten das Geldgeschäft nicht nur notwendig, sondern auch für Gläubiger und Schuldner vorteilhaft. Während man sich in den asiatischen und afrikanikchen Ländern noch an das Zinsverbot, wie es der Schulchan Aruch vorschrieb, halten konnte, wurde das Zinsverbot in Europa praktisch nicht mehr beachtet. Eine Uebertretung des Zinsverbots wollte man jedoch vermeiden, es wurde Sitte, das ausgeliehene Geld als eine Beteiligung an einem fremden Geschäft anzusehen. Der Schuldner zahlte nicht mehr Zins an den Gläubiger, sondern einen Teil des mit dem geliehenen Gelbe erzielten Gewinnes. Niemals hat eine anerkannte Autorität zu irgendeiner Zeit das biblischtalmudische Zinsverbot aufgehoben. Man hat es nur dann für erlaubt gehalten, Geld gegen Zins ausznleihen, wenn es produktiv benutzt werden konnte. Hingegen blieb es im Judentum nach wie vor verboten, Zinsen von in Not geratenen Handwerkern und kleinen Gewerbetreibenden zu nehmen. Bis auf die heutige Zeit hält sich der Jude für verpflichtet, in solchen Fällen den Hilfsbedürftigen ein Darlehen zu gewähren. Da diese Art wirtschaftlicher Hilfe bei den Juden üblich war, kam dafür der Ausdruck »gemilut chessed" (Liebeswerk) auf, der bis auf den heutigen Tag noch gebräuchlich ist. Starker Beifall dankte dem Referenten für seine klaren Ausführungen. In der Aussprache wurde zunächst die in heutiger Zeit unzureichende soziale Hilfe bemängelt. Bon anderer Seite wurde auf die sehr große Not hingewiesen, durch die nicht alle Hilfsbedürftigen restlos befriedigt werden könnten. Mit Recht wurde angeregt, die Frage der jüdischen Wohlfahrt zum Gegenstand eines besonderen Referats zu machen. In seinem Schlußwort betont der Referent: ZinSnehmen ist berechtigt, wo es mit den guten Sitten zu vereinbaren ist, unberechtigt, wo es den guten Sitten widerspricht. Wir hätten die Verpflichtung, das Sittengesetz, das Allerheiligste in Israel, zu wahren und weiter auszubauen. Königsberg. (Bereinigung für das liberale Judentum.) Zum Abschluß ihrer dieswinterlichen Veranstaltungen hatte die Vereinigung zu einem Vortragsabend zu Dienstag, den 12. April, nach dem Körtesaal der Stadthalle eingeladen. Unser ehemaliger Gemeinderabbiner, Herr Dr. Vogelstein, sprach über das Thema: »Der Sinn des jüdischen Liberalismus". Der dichtgefüllte Saal bewies unserm Gast, daß er in den Herzen der Gemeindemitglieder noch unvergessen ist. Dies sprach auch der Vorsitzende, Herr I. Fabian, in seinen einleitenden Begrüßungsworten aus. Der Bortrag stellte zunächst verschiedene, weit verbreitete Mißverständnisse richtig. Er wendete sich gegen die Verwechselung des religiösen mit dem politischen oder Verwaltungsliberalismus.- ebenso gegen die falsche Auffassung, daß der Liberalismus alle religiösen Formen beseitigen wolle und baß. je geringer das Maß religiöser Betätigung, desto größer der Liberalismus sei. Auch wendete sich Redner gegen die oft geübte Gegenüberstellung von „fromm" und »liberal". Wären diese beiden Begriffe wirklich Gegensätze, x3Jus. CBcxßfbnm O'CCeiclxar’iQ* GjtO'flu© * ^PCäÄcU'ia«©. OireisÄ '///////////////////////fr 1 Sakko-Anzug brsnngrün und graumelierter Sport-Anzua M»-» 2teilig, Breeches, olivgrüner, «■ ■ reinwollener Sommer-Loden M. S d o rt-An zua M— 2teilig, mit Breeches, flottes 53 “ ■ graues Würfelauster. . . . M. Wils Sport-Anzug 4 teilig, mit lang. «. kure. 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