Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 17 (23.4.1926)
- Date
- 1926-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Der tote Jude. (Forts.) Von Doris Wittno r. Kacbdruck rerboteu. — Copyright by Grethlcln Jt Co., G. m. b. II., Leiptig. Fröstelndes Unbehagen hatte sich während dieser wie Peitschenhiebe einherfahrenden Worte Perl Sontheiaiers im Raume verbreitet. Eine Weile herrschte das drückende Schweigen der Verlegenheit. Dann aber nahm mit seiner geschmeidigsten, einschmeichelndsten Stimme Sonnino das Wort. „Wenn ich mir, gestatten darf, zu bemerken, gehen die beiden Demoisellen zu weit, die eine in ihrem Miß' trauen, die andere in ihrem Vertrauen, Vielleicht darf ich zuvörderst auch die Demoisellc Sontheimer darauf aufmerksam machen, daß nicht nur die Rabbiner und Parnassim — sei es in der batavischen Republik, ©d es im Elsaß, sei es in Frankreich, dem Morgenlande der Freiheit selbst — aus eigennützigen Motiven sich gegen die bürgerliche Gleichstellung aller unserer Leute sträuben; daß vielmehr die Hauptzentren des Widerstandes — ich weiß das von meinen beruflichen Reisen als Finanzrat — zu finden sind in den Zirkeln von Berlin, Frankfurt am Main, Breslau und den kleinen rheinischen Gemeinden. Während in Bordeaux, Paris und Livorno die Juden längst nützliche Staatsmitglieder und Städter geworden sind, während in dem großen und luxuriösen Wien eine feine Dame, wie die Madame Fanny Arnstein, im Stillen ihre Guttaten übt und indische Kinder aufziehen läßt zu rechtschaffener Jüdischkeit, ist in Frankfurt am Main der Haß auf den Juden und die Mißgunst von Jud zu Jud allen französischen Verordnungen zum Trotz so arglistig and tückisch, daß es einen größeren Schimpf nicht gibt, denn als Jud getroffen zu werden in einer Gasse, wo der Jud nichts hat zu tun. Noch ärger aber ist es in Berlin, wo angeblich die sogenannte Aufklärung wohnt und wo die „jüdischen Modejünglinge“ oder gar „die jüdischen Schönen", die Madame Marcus-Herz und die Demoisellc Rahcl Lcwin, sich ihres Ursprunges schämen, dafür aber preußische Prinzen und hohe Herren aus allen Winkeln dieser Erde zu empfangen belieben und mit ihnen beim Tee geistvolle Konversation machen oder auch den beiden größten Judenverächtern unserer Zeit, den Herren von Goethe, Exzellenz, oder dem sogenannten Philosophen Fichte, Weihrauch und Bewunderung streuen. Zwar hat der Herr von Goethe wie der Herr Fichte kein Hehl daraus gemacht, daß sie alle jüdischen Leute wie Verpestete weit entfernt von der christlichen Gesellschaft zu wissen wünschten; tut aber nichts, die Demoiselle Lewin, wo sich heute nennt Robert, läßt auf jedem ihrer Tees voitragen etwelche Gedichte des Herrn von Goethe, und Fe Madame Marcus-Herz ist nicht nur befreundet, mit dem Herrn Fichte, sondern sogar noch enger befreundet — wenn auch natürlich in allen Ehren — mit einem christlichen Pfaffen, den sic den Herrn Schleiermachcr nennen. Und die Kapitalisten von unseren Leuten, wie der Herr David Friedländer, sind klug und schweigen, Mögen in Berlin die leidenschaftlichsten Feinde unserer Stammes neue Vorschläge machen, wonach „alle Juden wieder in ein Ghetto eingesperrt und unter beständige polizeTichc Aufsicht gestellt werden und nicht nur einen Flecken am fRockärmel tragen, sondern, um ihre Vermehrung zu verhindern, jeden zweitgeborenen Judenjungen kastrieren lassen müßten"; mögen in Frankfurt am Main oder in Breslau unsere Gegner auf offenem Markt vor der jüdischen Schlechtigkeit warnen und öffentliche Aufrufe erlassen, worin die christlichen Jungfrauen gewarnt werden, „sich von Menschen lieben zu lassen, als welche einen üblen Geruch verbreiten"; mögen die Einen tun wie die Andern. Wenn wir klug sind und geschickt, uns totzustellen zur rechten Zeit, so wird es auch vor uns heißen nach dem Worte der Schrift: „Verbirg dich einen Augenblick, bis der Sturm ist vorüber." Und daß dieser Sturm wird ziehen vorüber, darf mir glauben ci e Demoiselle Pereira Und daß der große Balmachomc, den sie heut nennen den ersten Konsul und den sic bald nennen werden — ich bitte die Demoisellen, meiner Prophezeiung zu gedenken — einen Fürsten oder König oder Kaiser, weil auch eine Republik, oder vielleicht gerade sie braucht einen starken Mann, weder die FreiheiUbäume auf deutschem Boden pflanzen noch das große SynheJrion auf französischer Erde einberufen wird aus eitel Liebe zur Freiheit oder gar zu uns Juden, davon mag sich die Demoiselle Sontheimer überzeugt halten, Auen ect Napoleon Bonaparte wird nur tun, was ihm nützlich scheint für sich und seine Franzosen. Aber, dieweil er ein kluger Mann ist, ein gewitzter Mann über die Maßen, wird sein Nutzen vielleicht sich decken mit dem von unsere Leut. Und es wird dann an uns sein, den Augenblick nicht zu vcrpar.se.il, sondern die rechte Stunde testzuhaltcn und auszubcuten." „Daran, daß Sic, Herr Finanzrat, weder die rechte Stunde noch die Fähigkeit des Ausbeuten^ nicht versäumen werden, zweifelt wohl niemand. Aber das war es eigentlich nicht, was ich im Sinne hatte, als ich an eine positive Mitarbeit der Juden an ihrem Schicksal dachte " Eine abgrundtiefe Trauer und eine ebenso unverhohlene Mißachtung Sonninos tönten in diesen Worten Perl Sonthcimcrr. mit. Judith Pereira hingegen räkelte sich wie eine schmiegsam lüsterne Tigerkatze auf dem Diwan. (Nicht umsonst hatte die schöne holländisch-französische Jüdin die berühmten Posen der Pariser Modekönigin, der vielumworbenen Bankiersgattin Madame Recamier. in den illustrierten Almanachen der Zeit inbrünstig studiert und bewundert.) Mit einer weichen und sinnlichen Handbewegung, wie sie der Favoritin eines orientalischen Harems eigen und wohl anstehen mochte, tat sie die ihr anscheinend lästigen Gedanke» und Betrachtungen der Freundin ab: „Laß doch einmal die langweiligen Erörterungen über Paß und Leibzoll, über Freiheit und Gleichheit, über das, was nach Deiner Meinung die Juden tun oder lassen sollten. beiseite. Perl! Du denkst zu viel, Perl, das ist unweiblich und wird Dich vor der Zeit alt und häßlich machen. Der Herr Finanzrat soll uns lieber noch ein weniges erzählen von den „Burcaux d'esprit" in Berlin, von der Madame Herz, die sie Hie „tragische Muse’* nennen, und wie sie cs macht — ihr Mann, der Herr Dr.' Marcus, könnte ja wohl ihr Vater heißen, so ist mir berichtet worden —. daß ihr der christliche Pfarrer und große Redner, der Herr Schleiermacher* so freundsebaft- Unsere Rätsel-Ecke Kreuzworträtsel. Beöeutuugüer Worte. Senkrecht: 1. Berg mrö Stadt,- 2. Einer der zwölf Stämme; 3. Stadt; 4. All mutter; 5. Sohn des Noah; Ö. Prophet; 7. Land. Wag er echt: 8. Bruder Abrahams; 9. Berg; 10. Stamm; 11. Mittelalterlicher jüdischer Schriftsteller; 12. Verwandter der Esther- 13.-Sekte; 14. Iüd. Partei; lö. fromme jüdische Glaubensgemeinschaft; 16. Vater der Makkabäer; 17. Stadt; 18. Prophet; 19. Holierpriester; 20. Namenspartikel; 21. Tal; 22. Priestergemeinde; 23. Stamm; 24. Speise; 23. Bibl. Frauengestalt. — K. 22 4 25 6 Füg' einem Gott der Germanen an Einen Laut, und dir zeigt sich alsdann Ein Symbol, das trotz aller Gewalten Stets von den Juden heilig gehalten. lieh zugetan und treu ergeben ist — „in allen Ehren", selbstverständlich, wie der Herr Finanzrat ja wohl sagte. Auch von der Demoiselle Lewin, die ja nun gar nicht hübsch sein soll, sondern unscheinbar und sogar ein wenig verwachsen, möchte ich wohl noch einiges erfahren, warum sich die Prinzen und großen Herren — Grafen und Barone sollen darunter sein — um die Demoiselle* so scharen. Man sagt ja sie hätte sogar Beziehungen rum Hof in Berlin und sie wäre in der Gesellschaft beinahe so mächtig wie der Herr von Goethe in Weimar. Wie macht es denn grade diese nach nichts aussehende Demoiselle, die großen Judenfresser, wie den Herrn Fichte, den Herrn von Humboldt, den Herrn Schlegel, der doch eine Liaison mit der Dorothea Veidt haben soll, und alle die anderen christlichen großen Herren am Gängclbande zu führen?" Man sah förmlich, wie unlautere Neugier und das heiße Blut der Frühreifen sich an diesen Vorstellungen mehr oder weniger verbotener Beziehungen erhitzte und entzündete, und wie es Judith Pereira insbesondere reizte, gerade mit einem Manne, und noch dazu mit einem Manne von den heimlich erregenden Qualitäten Sonninos, über diese heiklen Dinge zu sprechen. Aber ehe noch der Venezianer seine Antwort hätte formen können, und zwar formen nach dem Wohlgefallen der schönen Fragevin, wurde das Gespräch jäh unterbrochen durch den Eintritt zweier hochgewachsener, älterer Männer, bei deren Erscheinen alle drei jungen Leute sich mit gebührendem Respekt erhoben. Der eine, in kostbarer, seidig Glänzender Robe, dar, schwarze Kaopchen auf dem ehrwürdigen Haupt, war als der vornehme und reiche „Lehrer", Mardochai Israel Sontheimer. der Hauswirt seiner Gäste, unschwer zu erkennen. Der andere hingegen, etwas kleiner, wiewohl immer noch sehr stattlich, mit den markanten Zügen südländischen Typs, war der fanatische Vertreter seines Volkes, der Millionär Abraham Furtado, dessen Perl Sontheimer vorher zufällig Erwähnung getan. Mardochai Israel Sontheimer schien die letzten Worte Judith Pereiras noch aufgefangen zu haben, denn er gab ihr, die vor Schrecken um einige Nuancen blasser geworden. die unerhetene Antwort: „Weil jene Damen, die sogenannten geistreichen Weiber der Berliner Judenschaft, ehr- und schamvergessen sind und den Gott in ihrem Herzen verleugnen um dem Baal ihrer eigenen Eitelkeit zu dienen. Darin, liebe Judith, liegt das ganze Geheimnis ihrer vermeintlichen Macht, die nichts ist als ein schmählicher Abfall von Gott und unseren heiligen Gesetzen. Aber, gelobt sei der Herr, was geht uns das widerliche und fatale Treiben jener verlorenen Kinder an. Wir kommen, frohere Botschaft zu künden. Perl, meine Tochter, und Euch, meine liebwerten Genossen und Freunde, Der Herr ist ersichtlich mit uns, denn er hat den ersten Konsul von Frankreich erleuchtet, daß der selbst ist aufgcbrochen zum Kriege wider Aegypten und zur Rückeroberung des Heiligen Landes für uns und unsere Brüder. Eine Schlacht ist geschlagen worden am Berge Tabor, wo viertausend Franzosen gesiegt haben über eine sechsmal stärkere Ucbermacht. Der erste Konsul aber — sein Name sei gebenscht in alle Zeiten, — ist weitergezogen nach Palästina, um Jerusalem zurückzuerobern und zu schenken der Judenheit. Jahwe ist mit ihm und wird den Schützer der Freiheit und Gleichheit nicht scheitern lassen an dem Widerstande der Toren und Schlechten," „Und Ihr. hoch Gelahrter. erhabener Mardochai Israel Sontheimer, glaubt Ihr wirklich, daß der. den die Eiferer einen neuen und größeren Cäsar, die Geiferer hingegen einen zweiten Attila^ eine wiedergekehrtc Geißel der. Menschheit nennen, daß dieser gewaltige Kriegsheld un£ Staatsmann — alle Broche sei über ihm! — Jeruschaiaiim wird erobern und befestigen seinen jüdischen Untertanen zu Liebe oder gar den Juden der ganzen Welt zu Gefallen?, Im Elsaß, wo ich bin gewesen im Aufträge meines Herrn, haben unsere Leut’ mir erzählt, daß er, obwohl sie doch dort dürfen wohnen, seit die revolutionären Heere alla Ausnahmegesetze haben aufgehoben, grade die angesehensten Mitglieder der Straßburger „Khillc“ sehr unwirsch angefahren hat, weil der Mendel Rosenbintt und der Chaira Mohnblum aus Kleinniederstetten für di© prima güldenen Dukaten, die sie haben geliehen etlichen christlichen Mitbürgern, ein paar lumpige Prozent Zinsen mehr haben genommen, als die neuen Vorschriften lauten. Wie ein Mcschuggener soll er auf und ab gerannt sein in dem großartigen Audienzsaal, wo er hat empfangen und angehört unsere Brüder; und schrecklich soll er an-" Zusehen gewesen sein in seinem Zorn, und er soll sie an die Ohrläppchen gezerrt haben und sie an den Knöpfen ihrer StaatskJeidcr gerissen haben, daß der Mendel Rosenblatt und der Chaim Mohnblum schon haben ge-i glaubt, er werd’ ihnen Knöpfe und Ohren abreißen zu Buß’. Und geschrie'n und gezetert soll er haben, daß er jeden Wucherer werd' hängen lassen und express© Galgen im Lande errichten lassen, erschröcklich hoch und weithin sichtbar, auf daß — so hat er wirklich, wortwörtlich gesagt — ein „Exempel statuiert werde'1 für alle, die sich bereichern wollten oder ihren Mitmenschen das Fell über die Ohren ziehen — so kleinlich hat sich gezeigt ä so ä großer Mann, der selbst nur zahlt in Assignaten, von denen man auch nicht ä mal immer weiß, oh sie sein echt oder welchen Münzwert sie haben werden nach der nächsten Schlacht, die dem Cäsar-Attila belieben wird, zu schlagen. Der Mendel Rosenblatt und der Chaim Mohnblum haben geschlctiert mit die Knie nach ä solcher „gnädigen" Audienz, und sie haben gemeint, Euer erlauchter „Schützer der Freiheit", Reb Mardochai Israel Sontheimer, er sei ä noch größerer und grimmigerer Judenfresser als alle die Kleinen und Gemeinen, wo keine so übermenschliche Macht haben wie der, der sich poschet laßt nennen „erster Konsul", und der doch geborene Könige behandelt wie dumme Schulbuben." (Forts, folgt) f BÜCHERSCHAU fff f Die Juden bei den Kirchenvätern und Scholastikern. Eine kirch eng eschiehtliehe Skizze als Beitrag zum Kampf gegen den Antisemitismus;. Von Dr. theol, Friedrich Murawski. (Berlin, Sehwetschkc und Sohn. Broschiert, 67 S„ Preis 2.40 M.) Es ist immer von größerer Wirksamkeit, die eigene Sache von fremder Seite beurteilt und verteidigt zu wissen. Diese, dankenswerte Arbeit unternimmt der Padcrborner Theologe Dr. Friedrich Murawski in seiner Schrift obigen Titels. Er führt uns eine Reihe lateinischer und griechischer Kirchenväter und Scholastiker vor Augen, um uns ihre Stellungnahme zur Judenfrage zu zeigen. Ohne Scheu weist er zum Beispiel eines Hieronymos Verhallen gegen die Juden in die Schranken zurück, oder tadelt die Apostaten Rabbi Samuel und Petrus A-lphonsi, die um die Wende des zwölften Jahrhunderts als Uebcrgetrrienc das Judentum int dem bekannten Apostafenhaß schmähten. Eine Entschuld rligung sucht Murawski zum Beispiel für die ausfälligen Bemerkungen des berühmte» Kirchenschriftstellers Origenes, der das junge Christentum gegen die Angriffe des Judentums habe schützen wollen. Auch Johannes Chrysostomos, dem größten Prediger der griechischen Kirche, der die Juden den Dämonen gleich stellt, wirft er die Würdelosigkeit seiner Schmähungen vor. Man merkt es durchweg mit wahrhafter Befriedigung, wie Murawski begeistert ist von der Tatsache, daß die meisten Kirchenväter und Scholastiker die Feindschaft gegen das Judentum von sich weisen und der Antisemitismus gleichsam eine Entweihung des katholischen Kirchenglaubens darsteUt. Antisemitische Entgleisungen wären nach Ansicht des Verfassers auch im Mittelalter unterblieben. wenn nicht damals die. unserem heutigen Empfinden unmögliche Denkart einer Verbindung von Kirche mit Politik allgemein herrschend gewesen wäre. Abgesehen davon, daß uns Murawskis Skizze einen inler* essanten Zeitraum der Weltgeschichte entrollt, ist sie wirklich dazu geeignet, frei von parteipolitischen Erwägungen einen leidenschaftslosen Beitrag zur Apologetik des Juden, tums zu liefern. Rabbiner Dr. Arthur Rose nt ha 1. S. Müller: Jüdische Geschichte in Charakterbildern, von der Zerstörung des I. Tempels bis zur Gegenwart. Große Ausgabe. 5. verbesserte und vermehrte. Auflage mit 13 Bildnissen. Stuttgart, J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 1925. IV. 512 Seiten. Ganzl. 5.40 M. Die neue Auflage von Müllers ..Jüdische Geschichte in Charakterbildern'1 enthält, abgesehen von zahlreichen Ergänzungen und Aenderungen, die durch inzwischen eingetretene Geschehnisse der neuen Zeit (z. B. die. Juden im heutigen Palästina) bedingt waren, gegenüber den früheren Ausgaben sonst keine eigentlichen Vermehrungen; nur ein Kapitel über die Ostjuden kam neu hinzu. Der Verfasser bemüht sich darin, uns in dankenswerter Weise einen Einblick in die tiefen Wurzeln der Wesensart dieser von uns Westeuropäern meist nicht genügend gekannten Ostjuden zu geben; wir lernen ihre geistig-seelische Struktur, ihre innere kulturelle Kraft, ihre religiöse Bedeutung für unser Gesamtjudentum und ihre Verdienste um die Renaissance des Hebräischen kennen. Es erübrigt sich, alle, die guten Urteile. die bei früheren Besprechungen der „Charakterbilder“ von der Presse veröffentlicht wurden, zu wiederholen. Man darf sieh mit dem Verfasser darüber freuen, daß das Buch nicht nur in dem Kreis der Schule sieh immer mehr eingebürgert hat, sondern vor allem auch bei der erwachsenen Jugend und bei den Alien sich Heimatrecht erworben hat. Wir können mit Recht in diesem Buch ein außerordentlich wertvolles Lehrmittel für den Unterricht in jüdischer Geschichte erblicken, das seinerseits erfolgreich dazu beitragen wird, jüdisches Wissen zu vermitteln, historisches Bewußtsein, Gesinnung und Charakter besonders der Jugend zu bilden und ihre Entwicklung zu fördern. Es wäre zu wünschen, daß gerade die jüdische Jugend, der das Verständnis für die Vergangenheit des jüdischen Volkes infolge Unkenntnis seiner Geschichte fast völlig entschwunden ist, die sich aber in neuester Zeit daran erinnert, daß man im Kampf mit starken Gegnern mir dann Erfolg haben kann, wenn man, namentlich mit den Waffen des Geistes gut ausgerüstet, ihm entgegentritt, sich in Müllers Buch versenkt und es gründlich durcharbeitet. Sie wird darin neben reicher Anregung und angenehmer Unterhaltung auch umf-ic^ndc Belehrung und Stoff xu tätiger Yenviri-lirirnng linden. Professor S. R o t li h e i m c r, Heidelberg.' t >jax