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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-16 · 16 (16.4.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
16 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der tote Jude. . Eine Erzählung. Von Doris Wittner. „Wollt Ihr. daß die Juden bessere MeueChe«. nütrlicbe Burger 'werden'? Verbannet aus der GeseUsetoatt Jede erniedrigende Scheidung, dffuet ihnen alle Wege des Erwerbes. Wachet, daß die Juden, ohne die geheiligt« Lohro ihrer VÄter km vernachlässigen, die Natur und ihren Urheber, die Prinzipien der Ordnung, die Interessen des Menschengeschlechtes, der großen Gesellschaft besser können lernen, von denen sie ein Teil bilden.“ Mirabeau in seiner Schrift: „ober Mendelssohn und die politische Reform der Juden.“ .Die unbeschränkte Religionsfreiheit ist in meinen tu gen so heilig, daß das Wort Toleranr selbst mir gewissermaßen tyrannisch klingt.“ M i r a h e a u iu der frantiisischen Nationalversammlung. „Wie, sollte es wirklich Wahrheit werden, sollte in diesem Chaos von Heroismus und Roheit, das nun schon seit Jahren jenseits der Vogesen tobt, zwischen Freiheitsbäuraen, wehenden Trikoloren, grölenden Mitläufern, entfesselten Weibern, echter Begeisterung und falscher Devotion, ein Zufall wirklich die sogenannten Menschenrechte bis herüber zu uns, ja, bis in den Schoß des Hauses Israel wehen?“ Mit lässiger Gebärde, aber doch heißer Wissensbegierde fragte es die schöne Cora Perl, Tochter des Mardochai Israel Sontheimer, eines berühmten Schriftgelehrten der Judengemeinde zu Worms. Cora Perl Sontheimer, eine schmale, weiblich noch nicht gleich ihren Basen und Muhmen zu höchster Pracht aufgeschlossene Blüte des Baumes Israel, mit unruh.g flackernden, rastlos wandernden Augen, konnte die Ungeduld ihrer Frage auch jetzt nicht verhehlen. Aber ihr gegenüber lehnte ihre Freundin und Vertraute, Judith Pereira, Tochter eines portugiesich französischen Vaters, mütterlicherseits nicht mehr ganz reinblutig, da von den Marannen abstammend und durch mehrere Jahrhunderte zwangsläufigen Christentums dem Judentum äußerlich und innerlich entfremdet, die jüdische Aszendenz der Urahne gern verleugnend. Im Hause der frommen und glaubensstrengen Sontheimers freilich mußte die hochgemute und selbstbewußte Judith, Tochter des Benjamin CerffPereira, der in der batavischen Republik, wie Holland sich neuerdings nannte, trotz seiner Eigenschaft als Jude, eine angesehene Stellung einnahm, ihren Stolz wie ihre Rassenverleugnung bezähmend. Hier —- das wußte die ebenso kluge wie schöne Judith — wurde sie n u r als Jüdin gewertet, betrachtet und behandelt. Und sie war Opportunistin genug, sich in diesem Milieu einem ihr sonst unbekannten Zwang zu fügen. So kehrte sie bei ihren ebenso gsinnungstüchtigen wie vermögenden und einflußreichen Wormser Verwandten und Freunden —- so unbehaglich sie sich auch zuweilen unter den krit:sch forschenden Blicken ihrer Freundin Perl Sontheimer fühlen mochte — doch die Orientalin kat exochen hervor, wozu das Erbe ihrer portugiesich-maurischen Ahne — eine rassige Schöheit mit blau-schwarzem, tiefgescheiteltem Haar, mandeläugig geschnittenen, meistens träge' blickenden, zuweilen aber auch lüstern auffunkelnden Augen und dem bleichen, reinen Oval des Gesichtes — sie eigens befähigte. Aber jetzt schien der Geist des Widerspruchs in der an eine afrikanische Odaliske gemahnenden Besucherin zu erwachen. Um so mehr, als die Freundinnen sich nicht allein gegenübersaßen, sondern noch ein Dritter im Raume war, zwischen dem und Judith Pereira hier und da seltsam züngelndes, unausgesprochenes Einverständnis geheimnisträchtige Fäden zu weben schien. Dieser Dritte war David Danielo ben Sonnino, Venezianer von Geburt, und als solcher ein Sohn des berüchtigtsten europäischen Ghettos, untersetzt, trotz großer Jugend zu körperlicher Fülle neigend, mit großen, runden, schwarzen Kugelaugen — den echten Schmerzensaugen des Ghettos — mit breiten, weißen, ungewöhnlich schönen Händen und mit einer sanft umschleierten Stimme, die er aber nur selten zu einem Worte erhob. Vielmehr lag in der Haltung David Danielo ben Sonninos immer etwas Schweigsames, Spähendes. Zuwartendes, man hätte auch sagen können, Lauerndes, das sich nur, wenn ein Mächtigerer. Höhergestellter in seinen Bannkreis trat, wandelte zu eitel Unterwürfigkeit und schmeichelnder Devotion- Der junge Sonnino trug, trotz seiner niedrigen Abkunft und schmachbedeckten Jugend, ein reiches, nahezu fürstliches Gewand. Ein Zufall hatte ihn, der dank den Revolutionskriegen und napoleonischen Feldzügen der Judengasse der Lagunenstadt frühzeitig hatte entfliehen können, alsbald in mancherlei lichtscheue, aber einträgliche Affären verwickelt und hatte ihn in alle europäischen Staaten, am liebsten aber diejenigen, wo die Kriegsfackel loderte und die Freiheitsbäume der Franzosen aus der Erde wuchsen, verschlagen, und ein noch merkwürdigerer Zufall halte ihn, der auf seinem abenteuernden Pfade „Schul* und Gemore“, Thora und Talmud baldigst halte vergessen oder verleugnen heißen, einem kleinen deutschen Duodezfürsten gegenübergestellt, dessen einzige Leidenschaft das Schachspiel war. Und der kleine David, der sich als Knabe häufig in das von seinem talmudisch gelehrten Vater beherrschte „königliche Spiel“ geflüchtet hatte, um sich durch dessen vieltausend, Geist und Gedanken schärfende Kombinationen zu zerstreuen und abzulenken, wenn Gift, Scheelsucht und hetzende Uebermacht der schmutzigen Christenkinder Venedigs ihn gehänselt, verhöhnt, oft auch blutig geschlagen hatten, er hatte es in diesem Spiel, zu dem Berechnung, Kaltblütigkeit und die Kunst, jeweils die Blöße des Gegners zu ermitteln, gehörten, zu einer Meisterschaft ohnegleichen gebracht. Der kleine deutsche Duodezfürst aber, mochte er auch den Venezianer noch so oft mit echt fürstlicher Gebärde nach den Cilten der Zeit und insbesondere der deutschen Lander, halb scherzend, halb brutal anlassen: „Man wird ihn Mores lehren, Jud“, konnte den ihm überlegenen Partner seiner einzigen Passion bald nicht mehr entbehren. Sonnino jedoch trug schweigend, ohne je ein Wort zu verlieren oder eine Miene zu verziehen, alle Demütigungen und Entwürdigungen, die ihm die Hofschranzen seines fürstlichen Gönners reichlich zufügten. Er spielte, er lehrte (er lernte auch, aber andere Dinge, als der einstige Talmudbocher hatte lernen müssen) und er siegte. Siegte im Spiel, Siegte über den Fürsten. Siegte über die Schranzen. Und eines Tages war aus dem bloßen Schachspieler ein „Hofagent und Finanzrat'' des kleinen, aber reichen deutschen Fürsten geworden. Und als solcher saß er augenblicklich zu Worms im Hause des hochangesehenen Mardochai Israel Sontheimer, zwischen den mißtrauischen Blicken von dessen Tochter, Cora Perl Sontheimer, und den schmeichlerisch lüstern zu ihm hinüberflitzenden Augen der schönen Judith Pereira, die nunmehr anhub, ihrer Freundin und Base mit spöttischer Lässigkeit und lässigem Spott Rede zu stehen: „Die sogenannten Menschenrechte? Und in den Schoß des Hauses Israel? Warum nicht gar? Perl, Du bist und bleibst, trotz Deiner scharfen Augen, eine unverbesserliche Träumerin. Glaubst Du wirklich, die Freiheitsbäume werden ausgerechnet für die Söhne und Töchter Judas gepflanzt, und sagst Du nicht selbst, wie lange Jahre es schon geht mit dem heillosen Auf und Nieder von Freiheit und Verfolgung, von Hoffnungen und Täuschungen? Laß doch hören, haben nicht unsere Leute gejubelt und Dankespsaltnen gesungen, als vor etwa zwei Jahren die große und gebieterische Stadt Köln, wo seit Jahrhunderten kein Jude über Nacht bleiben durfte, dem Joseph Isaak auf französichen Befehl Aufnahme und Unterkunft in seinen „heiligen Mauern“ gewähren mußte? Nun, und was war die Folge? Haben sich nicht die Gojim von Trier bis Koblenz darob zusammengetan und haben den alten Mann, den Reb Joseph Isaak, gejagt von Ort zu Ort und schließlich gemartert, geschändet und gepfählt, bis daß sie seine Leiche als „Ehrengeschenk“ der beleidigten Stadt Köln haben darbieten können? Und die Kölner haben wahre Freudenfeuer angezündet und Jubeltänze ausgeführt um den toten Juden, den sie dann vor ihrer Sadtmauer verscharrt haben, auf daß die Stelle, wo der Reb Joseph Isaak nun liegt, den Nachkommen der Kölner Bürger als ewiger Schandfleck in Erinnerung bleibe. Zwar haben alle schuldigen oder für schuldig befundenen Gemeinden eine schier unerträgliche Kriegskontribution an die französischen Generäle zahlen müsren zur Buße für ihre Tat, aber mir scheint — Joseph Isaak hat die anbefohlene Gastfreundschaft der Kölner Mauern immerhin noch teurer bezahlen müssen. Und D u glaubst an Menschenrechte, an Freiheit und Gleichheit für Judenwie für Christenmenscben? Du bist unheilbar, Perl. Meint Ihr nicht auch, Reb David Sonnino?“ (In einer anderen Umgebung würde Judith vielleicht das weitläufige, ihr ebenso vertraute „Signor Sonnino“ oder auch den Titel „Herr Finanzrat“ gebraucht haben; aber sie wußte, in diesem Hause wurden Sonnino, seine Persönlichkeit, seine Lautban und sein Dienst als besserer „Hofjud“ ohnedies scheelen Auges und mit argwöhnischer Mißbilligung angesehen.) Perl Sontheimers Mienen hatten sich verfinstert. Ihre Züge wurden kalt, schneidend, hochmütig und gleichzeitig etwas schmerzbewegt. „Rückschläge, Judith, Rückschläge, nichts selbstverständlicher als das. Jahrtausende alte Vorurteile lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen ausroden, und Freiheit und Duldsamkeit lassen sich nicht willkürlich und auf Befehl in den Boden der Völker pflanzen wie die Freiheitsbäume in den rheinischen Landen. Aber rede doch selbst, reisest denn Du nicht auf den großen Paß der Generalstaaten, unbehelligt wie nur irgendeine christliche Bürgerin, und ist nicht Dein Vater gar aufgerückt zu den Ehren eines jüdischen Beamten in der batavischen Republik? Und Du, gerade Du, willst den Fortschritt leugnen, die Du ihn selbst so lebendig und anmutig verkörperst? Habe ich Recht oder Unrecht, Reb David ben Sonnino?" „Recht und Unrecht, Signora Sontheimer." antwortete gemächlich der Venezianer, der sich unter der traditionellen Anrede innerlich jedesmal krümmte wie ein Wurm, der aber noch nicht ein Gran seiner Ruhe und Selbstbeherrschung darob verlor. „Es ist kein Kunststück für die Demoiselle Pereira und ihren hochmögenden Herrn Vater, unbehelligt zu leben und zu reisen, genau so wie die christlichen Mitbürger der deutschen Kleinstaaten, von den sozusagen emanzipierten Ländern Frankreich, Italien oder den Generalstaaten ganz zu schweigen. Die Demoiselle Pereira kommt aus Amsterdam, wo allein zwanzigtausend von unseren Leuten sitzen, und nicht eben die ärmsten und bestimmt nicht die dümmsten. Hätten in Köln zwanzig tausend unserer Leute gelebt, so halle der Joseph Isaak nicht den Märtyrertod sterben müssen. Mit oder ohne französischen Befehl. Die Zahl entscheidet. Belieben die Demoiselies, mir das zu glauben?" „Das müssen Sie sicher wissen, Herr Finanzrat, denn solches ist ia wohl Ihr Amt und nicht nur Ihre Meinung,“ replizierte Perl Sontheimer spitz, indem sie dem Sonnino plötzlich seinen offiziellen Titel gab und darein mehr Verachtung und Geringschätzung legte als vorher in die jüdische Anrede. „Aber mir wollen doch Zweifel aufsteigen, ob eine noch so stattliche Zahl genügt, wenn sie unterdrückt wird von einer noch größeren Zahl. Soweit mir bekannt is, und der Herr Finanzrat werden ja wohl dafür zuständig sein, war das venezianische Ghetto reichlich bevölkert und doch . . . und doch . . . Schande und Schmach über unseren Leuten, Edom groß über Israel! Aber seit die französischen Juden nach und nach — der Herr wird es den französischen Revolutionären danken — mehr und mehr Staasbürgerrechte erwarben und die Siegeszüge der französischen Republik auch die Juden in den von ihnen berührten Ländern für und für befreien, kann man doch nicht die Augen absichtlich schließen und sagen: es geschieht, nichts und wird nichts geschehen, weil nie dergleichen geschehen ist. Ist nicht der schmähliche Leibzoll, mit dem man unsere Leute drangsaliert und entehrt hat, doch endlich gefallen, und ist es dem reichen Cerf Berr nicht doch gelungen, durch sein Geld und seinen Einfluß im Jacobinerkiub von Paris und späterhin sogar in der allmächtigen Nationalversammlung unseren Glaubensgenossen in Frankreich alle Rechte der Vollbürger zu erobern und selbst die schmählich geknechteten elsässischcn Juden von den Ausnahmegesetzen zu befreien? Und selbst wenn auch ein Abraham Furtado oder ein Charles Peixotto vorübergehend um ihres großherzigen Eintretens für ihr Volk wieder verfolgt worden and, ist es darum nicht vorwärtsgegangen, haben die siegreichen französischen Truppen nicht trotzdem allmählich unsere Leute diesseits und jenseits des Rheins befreit und gleichgestellt« so daß wir Jahwe auf unseren Knien danken müßten« ebenso wie unsere Väter ihm gedankt haben, als er sie der babylonischen und ägyptischen Schmach entrückt hat? Und spricht man nicht heute sogar schon davon« daß der erste Konsul von Frankreich, obwohl es an feindseligen Einflüsterungen dem Ohr des Gewaltigen nicht fehlt, daran denke, zum anderen Mal ein großes S y n i hedrion in Frankreich einzuberufen? Nennt Ihr das alles immer noch keine Fortschritte? Freilich, es heißt auch, sich selber rühren und nicht die Hände in den Schoß legen, unbekümmert dessen, was draußen in der großen, brausenden Welt geschieht. Allerdings“ — und hier weiteten sich die Augen der schönen Perl wie in einer von innen aufdrängenden Empörung und richteten sich insbesondere auf »die träge und spöttisch hingelagerte Judith — „munkelt man auch mancherlei erstaunliche und nahezu unglaubwürdige Dinge. So zum Beispiel, daß es Juden selbst seien, die lieber in ihren gedrückten Ghetti verbleiben, als sich für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einzusetzen. Und zwar will das Gerücht, besonders von den portugiesischen und deutschen Ge-, meinden bei Euch in den Generalstaaten, Judith, wissen, daß es befremdlicherweise gerade die Rabbiner und die hochmächtigen Parnassim sind, die sich der Gleichstellung abgeneigt zeigen- Wie ist das möglich, wenn anders das Gerücht wahr spricht?" „Das Gerücht spricht wahr, und ich weiß nicht, wieso Du Dich darüber verwunderst, Perl? Wenn ein Jud nicht mehr und nicht weniger sein darf als jeder jüdische oder christliche Bürger der Republik, ja, womöglich als jeder verkommene Polack — denn diese Franzosen mit ihrem Befreiungsfuror sind ja imstande, selbst die verkommensten Polacken auch als Menschen anzuerkennen und sie womöglich ebenfalls mit Deinen berühmten Men-, schenrechten auszustaifieren —, wo bleibt da die Vormachtstellung, die die Parnassim und Rebbonem bisher innerhalb ihres Volkes ausgeübt haben? Glaubst Du, es weiche gerne jemand von der persönlichen Macht um des ailgmeinen Wohles willen, glaubst Du derlei Kindheits-, märchen wirklich, Perl?" Perl Sontheimers Antlitz hatte sich während der Gegenrede der Freundin mehr und mehr umschattet. Jetzt erwiderte sie mit einer verächtlichen Ablehnung, in die sie die Freundin wie den Fremden gleichermaßen einzuschließen schien: „Ja, so! Also wirklich und wahrhaftig immer wieder nur der nackte persönliche Vorteil, der Erbfeind unseres Stammes. Wenn nur Eure Parnassim und Rabbiner in ihrer Macht über Leben und Tod der Gemeinde und in ihren einträglichen Sinekuren belassen bleiben, was verschlagt's dann, ob der Stamm Juda selbst verkrüpple und verkümmere. Was verschlägt'?, wenn noch ein paar armselige Joseph Isaaks als Leiche einer hoffärtigen. Stadtbehörde zum Ehrengeschenk dargeboten werden oder noch ein paar Isaak Lentzycs im Kerker verkommen, wie es bei Straßburg geschah, wo auch nicht nur Christen wider Juden, sondern Juden untereinander, gegeneinander auf standen und sich wechselseitig bei den jeweiligen Machthabern denunzierten und einer den anderen an den Marterpfahl zwang! Die Würmer der Fäulnis nagen jai^ offensichtlich an der Wurzel des Stammes Israel, und unsere Leute selbst schleifen die Axt, um die Krone de£11 Baumes zu fällen. Napoleon Bonaparte, der erste Konsul, ist demnach doch nicht falsch berichtet, wenn man ihn — ob aus Haß oder Rache, aus eingeborener Abneigung ge"en unser Volk oder aus rechtschaffener Uebcrzeugung — zugetragen hat, daß die Wohltaten, die er, der einstige Revolutionär und heutige Diktator, den französischen, portugiesischen, italienischen und deutschen Ju'Vn erwiesen hat und noch zu erweisen gedenkt, Unwürdige getroffen haben und darum vergeudet sind. Noch ein wenig Einflüsterungen mehr, und auch der erste Konsul, der den Willen zur Gerechtigkeit hatte, wird sich belehren lassen, daß dieser Wille wirklich Unwürdige trifft, und ef wird wieder zurückkehren zu den Ausnahmegesetzen, die unsere Väter und Vorväter gedemütitft haben. Und Du, Judith, wirst nicht mehr auf den großen Paß der Generalstaaten reisen, sondern wirst wieder an jeder kleinen Grenzstation entehrt werden durch die Handhabung des schändlichen Leibzolls, und auch Ihr, Reb David ben Sonnino, werdet statt Eures gegenwärtigen fürstlichen Wamses ehestens wieder den hohen Hut und den gelben Fleck tragen, an die Ihr Euch wohl noch aus Eurer venezianischen Heimat erinnert. Aber sei's drum, es geschieht uns allen ja nur unser gutes Recht,. Denn niemals hatte der Jude einen ärgeren, niederträchtigeren, hinterhältige-, ren 'Feind als seinen Bruder, den Juden selbst." (Fortsetzung folgt,) Geschäftliche Mitteilungen. dritte ’Riu&ttmiftelltttt* auftttuffett der Bühitetrgenossenschalt im Capitol. In einer einmaligen Nachtvorstellung im Capitol. die am Montag, den 19. d. M.. abends 11N Uhr. stattfindet, zeigt die Genossenschaft Deutscher Büstnenanaehöriger den letzten Rudolf- Schild kraut -Mm ..Seine Söhne", der unter dem Titel „His people” zur Zeit mit sensationellem Erfolg durch die Bereinigten Staaten läuft und von der National-Ailm A. G. für Deutschland erworben wurde. Herr Emil Rameau spricht dabei über Rudolf S-childkraut als Mensch und Schauspieler. Kapellmeister Schmidt-Gentner dirigiert. Der aesamte Reinertrag der Vorstellung ist für die Penfionsanstalt der Büstnengenossenfchaft bestimmt. Karten find nur an der Vorverkaufskasse des Capitol täglich 12 bis 2 Uhr (telephonische Bestellungen: Nollendorf 7998) zu staben. Der Iilm läuft ab 20. d. M. täglich 7 und 0 Uhr im Marmorstaus. Schachmeister A. Aljechl« wird anschließend an das Dresdner Turnier am Freitag. den 16. April, abends 8 Uhr im Cafe E. P. (früher Cafe Zielka). BerLpu. Iriedrichftratz» Nr. 59/60. eine Simultan-Vorstellung geben. Daran <ui« schließend wird er eine interessante Partie aus dem Turiuer Semmering oder Dresden demonstrieren. Voranmeldungen werden im Schachsaal (erste Etage) des Cafs E. P. entgeaengenomrnen. Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu!

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