Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-09 · 15 (9.4.1926) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613856--1760-2619156
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Organ -er Bereinigung für das überale Lu-enium e. D. S-zugopreis durch die Geschäftsstelle 1/4 jährlich SL. LSV Einzelnummer 0L0. Bei freier Zuseuduug i. Inland 0^5 M die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis u im Mttgliedsbeitruge enthalte«. ::?. Lhefredaktenrr Dipl..F«g. Bruns Dsyda. vie „lüdisch-Udvralv Jettung" «rschetnt jeden Freitag. Nedaktton u. SeschSttsfleNe: Vvrlln SW, WWjelmftr. 147. fernruft »ofenhelde 3358, 3359 PoftTcfceckkonto: Berlin flWT Nr.tsrss» (Vereinigung für One liberal« Judentum Nad^rn* f4m*tld)«r OrfglnaMMitrflge nur mit eortzertger SenehmlgunH der NeveNNen geftattet. «lnzeiaenpretse. Sie irgeivaüene Ranpareillereils 5.48 GeMtzttß, die NeKlamezeUe 3^0 Soldmark, hei » s u MeverhskUtgen Rabatt. :: z :r Anzeige «an «ah me: .llüdifch. liberale Aeitun-* Snseratenabteilung: Berlin SD 48. Dilhelmstrahe 147 (Hasenheide: A8S-«tz. sowie sLmil. Annoneen-i^ped. Nr. 15 Berlin. S. April 1926 6. Jahrgang diesseits und Zenseits. Diesseits und Jenseits im Judentum. . Bvu Rabbiner Dr. Selrgmann. Frankfurt a. N. Rabbi Jakob sagte: „Diese Welt gleicht einer Vorhalle künftigen Welt: bereite dich in -er Borballe vor. daß h« in den Speii?saal eingelassen wirst." Don diese« Speisesoal r» der künftigen Welt. wo Gott für die Fromme» die -eckerbisien deZ Levtatban zubereitet. etnäHlt der Talmud ctit ergötzliches Märchen. Es war einmal ein armer frommer Gelehrter mit Namen Ehanina. So fromm war er und dabei so arm. daß der liebe Gott sprach: „Die ganze Welt verdient rs nur um meines SohncS Chanina willen ernährt zu werde». und Chanina. mein Sohn, begnügt sich von einer Woche zur andern mit einem Maß Johannisbrot." Elianinas ,vrau schämte sich aber ihrer großen Armut und suchte sie heunlich z» halten. Damit die Leute glauben sollten, daß sie wenigstens einmal in der Woche Brot backe, heizte sie am Rüsttag des Sabbats ihren Ofen und warf alles Mögliche mnern. was Rauch verursachte. Neben ihr wohnte eine 5?.Eche Nachbarin die sich über ihre Armut lustig, wachte. Sie höhnte jedesmal, wenn larn Freitag der Rauch aus der Hütte emporstieg: „als wenn man es nicht wüßte, daß der mguch aus einem leeren Ofen kommt: wen will die Frau .des Chanina täuschen!" Einmal konnte sie nicht wihprstehen. klopfte an die Türe der Nachbarin und trat mit der Absicht em, die Arme zu entlarven. Beschämt flüchtet die Frau oHanmas in das Hintergemach. Die-böse Nachbarin laust Mm Dferr. -Wirat öi« Osentüre und — ein Wunder geschah — dar ganze Ösen lag voll dnftendvn Brotes und dazu noch -«-.Backtrog voll Teig. „Geschwinde geschwind eine Schaufel," rttf sie. „sönst verbrennt euer schönes Brot. Frau Nachbarin." So verhinderte Gott durck ein Wunder, daß die fromme Armut beschämt ,verde. Als Chanina vom LehrhauS heimkam. erzählt? ihm seine Frau, was sich begeben hatte und dann sagte sie: „Wie lange sollen wir noch ein so elendes Leben führen?" Ta fragte er: „Was sollen wir tun?" .L3aö wir tun sollen? Ei. du bist doch bei Gott so gut angeschrieben, daß ex für dich Wunder tut. Wenn du für Regen betest, läßt er auf dein Gebet hin für die andern regnen. So bete doch auch einmal für uns. daß Gott uns einen Schatz beschere." Dem frommen Chanina ward es ums Herz beklommen, aber er wagte nicht seiner armen Frau die Bitte abzuschlageu und betete —- zum erstenml in seinem Leven — für sich selbst. Und siehe, vom Himmel her kam es wie eine ausgestreckte Hand und darinnen eine goldene Säule, wie ein goldenes Bein von einem goldenen Tischchen. Da waren die beiden auf einmal unermeßlich reich geworden. In der Nacht aber hatte die Frau einen seltsamen Traum: Ihr Mann war gestorben, und himmlische Scharen geleiteten den Frommen in das Himmelreich Ta saßen all die Seligen in dem leuchtenden Himmelssaal beim paradiesischen Mahle, jeder au einem kleinen goldenen Tischchen. Und jedes Tischchen stand auf drei goldenen Beinen, und die Beine waren genau so wie das. welches Gottes Hand ihnen herabgereicht hatte. Und die Himmlischen geleiteten ihren Mann zu 'einem Tischchen: aber o web. an seinem goldenen Tischchen fehlte ein Bein, so daß das Tischchen nicht mehr feststanö und jeden Augenblick umzusallen drohte. — Erschüttert von Reue geauält, erwachte die Frau aus ihrem schrecklichen Traume und erzählte ihrem Manne, was sie geträumt hatte und sprach: „Jetzt weiß ich. daß der Mensch nicht von zwei Mahlzeiten genießen kann. Wer die irdische genießt, muß auf die himmlische verzichten, und wer der himmlischen teilhaftig werden will, muß auf die irdische verzichten. Bete noch einmal, daß Gott sein trügerisches Geschenk zurücknebme. Wir wollen unsere Armut weiter in Ergebung tragen." Der fromme Chanina tat. wie ihm seine Frau gesagt hatte, und Gott tat ein zweites Wunder und nahm das goldene Geschenk zurück. Diese Geschichte ist eine Illustration des neutestamentlichen Wortes: „Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, eh' daß ein Reicher in da§ Himmelreich kommt." ES ist die höchste Ueberfpannung -cs Glaubens an die Vergeltung im Jenseits. Nicht überall im Talmud wird in solcher Weise vom Jenseits geredet Rab. der große Schüler Rabbi Jehudas. des Patriarchen, pflegte zu sagen: „Nicht wie daS Diesseits ist das Jenseits. Im Jenseits gibt eS weder Esten noch Trinken, wede? sinnliche Freuden noch irdische Erwartungen, weder Handel noch Wandel, weder Neid noch Haß. sondern die Frommen sitzen mit Kronen auf ihren Häuptern und erfreuen stÄ -ds Glanzes der göttlichen Herrlichkeit." Ein anderer Lehrer meint: ..Die Weisen stehen nie stille, weder i« dieser noch in teuer Welt: von Stufe zu Stufe steigen sie empor." Derselbe Rabbi Jakob, der das Diesseits die Borhalle der künftiaen Welt nennt, sagt: „Eine Stunde der Buße und der guten Werke im Diesseits wiegt das ganze Jenseits auf." Am bezeichnendsten aber für die echt jüdische Einstellung zum Jenseits ist doch wohl jenes feinfühlige, keusche Wort des TalmudS: „Alle Propheten haben nur von den Tagen des MesstaS geweissagt. die künftige Welt aber — kein Auge hat Ne erschaut, außer dir. o Gott, allein." Vier an Nch.verschiedene Gedankenkreise habe« «4 in der Lehre vom Jenseits ineinander geschoben und werde« als die Lehre von den letzten Dingen mit dem wiffenschaftlichen Ausdruck „ESschatolvgie" bezeichnet: Unsterblichkeit der Seele. Auferstehung, jenseitige Vergeltung, messianisches Reich. Hierzu kämen irvch verwandte Bezeichnungen die irgendeine spezielle Seite der vier Hauptgedanken hervorheben: Ewigkeit im Gegensatz zur Zeitlichkeit, jüngstes Gericht. Paradies und Hölle, ewige Seligkeit und Verdammnis. Himmelreich. Reich Gottes, künftige Welt, kommende Zeit und der allgemeinste Ausdruck, der aber gerade darum der mißverständlichste ist: Jenseits. DaS biblische Judentum, insbesondere die Thora, hüllt sich in diskretes Schweigen gegenüber allen esschatologischen Dingen. Mau hat daraus den törichten Schluß gezogen. daß Moses diese Lehre noch unbekannt gewesen sei. Man mag aus btbelkritischem Standpunkt stehen und das Alter der Thora so spät man wolle festsetzen, oder man mag in dem alttradierten Glauben stehen, daß die ganze Thora von Moses herrühre, so war der Unsterblichkeitsglanbe und der Glaube au eine Vergeltung im Jenseits eine im ganzen alten Orient so verbreitete Lehre, daß es eine Ungereimtheit sondergleichen wäre, der Thora die Bekanntschaft mit diesem Glauben obzusprechen. Die alten Aegrwter. von denen Heroöot sagt, daß sie die Schöpfer der Aebr« von der Unsterblichkeit seien glaubten an die Fortdauer des Lebens nach Sem Tode und an die Belohnung und Bestrafung im Jenseits. Ein Totengericht wird über die Verstorbenen von Osiris abgehalteu und die Gefilde Ser Seligkeit wie auch die Hölle finden sich schon in öltägyptischen Vorstellungen. Der.ParstSmus lehrt di« Auferstehung der Toten und' die nach dem -jüngste« Glicht: er rpriM non einer ewigen Seligkeit. Inmitten Kerer GlaüLenSvorsterlungen. mit denen der ganze Orient geradezu durchtränkt ist. lebt m dauernder geistiger Verbindung und teilweiser geistiger Abhängigkeit von ihnen das biblische Judentum. Und dennoch schweigt die Thora in einem beredten Schweigen über alle diese Dinge. Nur aus einzelnen unabsichtlichen Wendungen, wie z. B. aus dem „zu seinem Volke versammelt werden" oder aus dem bedeutungsvollen Satze der Schöpfungsgeschichte des Menschen: „Und Gott schuf den Menschen aus Staub von dem Erdboden (Materie) und himchte ihm die Seele des Lebens ein", geht hervor, daß die Thora das Dogma non der Unsterblichkeit nicht zu lehren brauchte, so wenig mie das Dasein GotteS. das auch nirgends gelehrt, aber überall stillschweigend als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Und so ist das Schweigen der Thora aus der einen Seite ein Beweis für die Selbstverständlichkeit und Volkstümlichkeit dieses Glaubens, aus der andern Seite aber vielleicht ein bewußter Protest gegen die ägyptische Totenverehrung und daS ganze orientalische Schwelgen in schwärmerischen Jenseitsbildern. genau so wie zahlreiche Priestergesetze der Thora, wie das Verbot der Beschäftigung mit einer Leiche, die Unreinheit bei Berührung eines Toten, nur als Protest gegen ägyptischen Totenkult zu verstehen sind. Aus dieses Leben mit seinen täglichen Forderungen der Gerechtigkeit und der Liebe im Einzel- und Bölkerleben. auf daS Diesseits «it seinen stündlichen Pflichten der Heiligung, der Selbstvervollkommnung. weist die Thora, den Menschen und hüllt sich in bezug aus die künftigen Dinge in demütiges SKmeigen. „Das Verborgene ist des Ewigen, unseres GotteS. nur daS Offenbare ist für uns und für unser« Kinder, zu tu» »ach de» Worten dieser Lehre" (5 Mos.. 29. 28). Ganz in gleiche« Sinne heißt es im Talnrud: „Die Leiden -er Gerechten und das Wohlergehen der. Frevler bleibt u«S ei« ««enthüllte- Rätsel. Darum bescheid? dich, nicht zu forsch««. «aS über deinem Verständnis lieg), pngrüble nicht über -aS. «aS * I« -er nächste« Nummer besinne« mir mit -e« Abdruck deS netteste» NomnuS «nn Doris Wiüner: Der toic Jade Diese Arbeit -er bekennte« Schriftstellerin unfeinsinnige» Essayistin, -ie mit ihrem Heine-Roma» „Die Geschichte der kleinen Fliege" -ie allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, iterf auf das Interesse einer kulturgewillten jüdische» Leserschast rechnen. Der Roman spielt in -em Köln -er »apoleouische» Zeit. Während im übrige» Deutschland die Emanzipation noch in de« Kinderschuhe« steckt, werden dort Freiheit^ bäume aufgepflanzt. Napoleon übermindet feine persönliche Abneigung gegen die Inden n« -eS Prinzips der allgemeine« Gleichheit und n« der Gerechtigkeit willen. Box diesem Hintergründe erhebt sich eine bestimmte Begebenheit, mirei« Menschenschicksal psychologisch fei« entwickelt. Die allgemeine SattKmnt erhebt sich plötzlich gegen -ie Inden. Ebner fällt alS ihr Opfer: der tote Jude. Noch heute mir- -eShailb s» eine Kölner Straße genannt. dir tief verhüllt ist: waS dir als Aüßchbe geMllt ut. daS tue, mit Geheimnissen habe» wir unK nicht zu beschäftige»? In späteren biblischen Bücher» erklingen an vereinzelten Stellen bald leise, bald lauter, esschatolvgische Stimmen, die den verschiedensten eSschatologischen Gedankcnkreisen angehören. „Der Staub kehrt zur Erde zurück, wie er gewesen, der Geist aber kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben. (Kohelet 12, 7.) „Die im Staube Schlafenden werde» wieder erwachen" (Daniel 12. 2). „Gott erlöst meine Seel« aus der Gewalt der Gruft (Psalm 49.16). „Du überläßt meine Seele nicht der Gruft, du gibst nicht zu. daß deine Frommen Verwesung schauen" (Psalm 16. 10). „3<6 aber, in Frömmigkeit werde ich dein Angesicht schauen, mich laben, wenn ich wieder erwache, an deiner Gestalt" (Psam 17, 15). „Auf dem Made der Gerechttgkeit ist Leben und das Ziel der rechten^Bahn Unsterblichkeit (?)" (Sprüche Sal. 12. 28). .LVie köstlich ist deine Gnade, o Gott, -aß die Menschenkinder ikch bergen können im Schatten deiner Fittiche. Sie schwelgen von deines Hauses Fülle, du tränkst sie mir deiner Seligkeiten Strovr. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, i» deinem Lichte schauen wir Licht" (Psalm 86, 8-11). .Za. deine Toten werben wieder leben, meine Leichname wieder «riteheir. Erwachet und sauchzet, die ihr iw Staube ruhet!" (Jeuna 26.19). Durch Berührung mit der Unsterblichkeitslehre PlatoS, insbesondere in Alexandria und den dort entttandeuen jüdisch-hellenistischen Schriften, durch den um die F^lle. ber Auferstehung vor allem entbrennenden Kampe der Pyansaer mtt he« Sadduzäern auf palästinensischem Boden, durch politische die m Mt Zeit der Entstehung des EhristeNtvMoinen im Judentum sonst mchtgekannte«. Pessimismus erzeugte«, gewannen um die Zeit die eSicha.vlvgtfchen Vorstellungen «ine bis dahin nie gekaunte Herrschaft im BolkSbewußtsern und standen so Pate bei der neu entstehenden Religio», die auS der Auferstehungslehre, dem Himmelreich, dem jüngsten Gericht, dem Fegefeuer und der ewigen Verdammnis konstitutive Glaubenslehre» nurchte und in den Seelen der Gläubigen eine Sttmmung erzeugte, die sich vom Diesseits vollkommen — soweit daS möglich ist -- abwandte. die Weltflucht predigte und das Diesseits als em Ja««erial voll Sünde und Versuchung haßte. Auch i« Judentum jener Tag« hatte die Lehre vom Jenseits i« Kampf gegen den SadöuzäiSmus eine öogmatnche Wendung erhalte«. Unter Jenseits verstand man damals noch ganz unterschiedslos die Lehre von den zwei Welte», mochte die zweite Welt am Ende der Tage der diesseitige» Welt liegen, also daS MessiaSveich bedeuten, mochte sie die AufersteAmg der Toten und die Vergeltung bedeuten. Beides nannte man in der Zeit der Mischna „die künftige Welt. Bald verband man die beiden Gedankenkreise miteinander und setzte die Auferstehung und daS Gericht in die Tage deS MesstaS. bald verstand man. i« nach Zeit und indwidueller Einstellung, entweder das eine oder das andere darunter. DaS bodengewachsene palästinensische Judentum entwickelte de« ihm eigentümliche« Begriff der zwei Welten nicht nur unter dem Einfluß fremder Kulturen, sondern aus eigenen Gedankengängen. „Habent sua fata libeUi, Bücher haben ihre Schicksale". Aber nickt Bücher allein. Luch Worte haben ihre Schicksal«. Während das altbiblische Hebräisch für den Begriff .Welt". .Universum" noch keine Bezeichnung besitzt, und dafür „Himmel und Erde" gesagt wird, erfährt daattSiblische Dort für „Ewigkeit^ sola«) eine allmählich; BegriffSveränderuna und bedeutet im GpötbiSlische« und i» bet Sprache der Misckna vorzugsweise .Welt", ohne jedoch seinen altbiblischen Sin» ganz zu verliere«. So verbindet sich mit dem Worte „Olam" der Doppelsinn: ^velt" und «Ewigkeit". Zum charakteristischen Ausdruck kommt dieser Doppelsinn in der Mifchna (Ende Berachoth). wo eS heißt: .Wer eine» SegenSspruch schloß, so lange der Temper «och bestand, sprach: gepriesen sei der Ewige. Ser Gott Israels, in EwrgkeU (min haolam). AlS aber dir Sadduzäer auf Wwege gerieten (ö. h. das Daser« einer anderen Welt leugneten), bestimmte man. daß gesprochen «erden solle: in Welt und Ewigkeit (min haolam wead haolam)." Damit wurde der Glaube an das Dasein zweier Welte«, der diesseitige« und der jenseitigen, im Gebete festgelegt. Zu gesteigertem öogmattschen Ausdruck gelaugt der Glaube an daS J/nsettS in Ser Mifchna (Sanhedriu 10. 1): ..Ganz Israel hat Anteil an der jenseitigen Welt. . . Keinen Anteil an der jenseittgen Welt aber bat. wer säqt. daß die Auferstehung der Toten nicht von der Thora gelehrt werde." Auf diese» talmudische« LuSsprüchen beruht der von den jüdischen ReligionSphilosophen vielfach mit sichtbare« Widerstrebe» sestgehaltene und von Maimonides dogmatisch formulierte Glaube an die Auferstehung. In seinen 13 Grundlehre«, die später i« Gebet Jiadal eine poetische Einkleidung gefunden haben, scheidet Maimonides scharf zwischen der bis dahin nie fo recht auSeinauöergehaltenen Lehre vom MessiaSreich und der Lehre von der Auferstehung, indem er sich vor allem auf den oben erwähnten talmudische« LuSspruch stützt: „Alle Propheten haben nur von Sen Dagen deS MeMaS geweiSsagt, die künfttge Welt aber — kein Auge hat sie erschaut, außer dir. o Gott, allein." So lautet denn der IS. GlaubenSgrundsatz deS Maimonides: „Ich glanbk in aufrichtigem Glauben an. das Komme» des Messias, und mag er »och so lange zögern, so harre ich Sei alledem täglich auf!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.