Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 13 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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GotteS zu verkünden hat nimmt er eine MaSkr vor- Gesicht. um jede menschliche Gemeinschaft mit dem Volke aus. zuheben. AlS er am Ende seiner Laufbahn wiederum des Berges Gipfel besteigt «u» »» bit kente Ankunft SW. darf er mit stolzer Genugtuung auStuse«: Ich habe ein Werk geschaffen, dauernder al- Erz! Ueber drei Aahrtansenbe sinfetttzer verstrichen. Mt welcher Hestlaket wurde von innen Und außen a» seinem Werk gerüttem Und eS.v«tt hoch allen fetndltLen Gewalten zu trotzen vermocht Wobl ist die politische Schale drd MofaiSmuS längst dem Moder verfallen. Der Kern aber hat llch als ««zerstörbar erwiesen. Diese unverwüstliche Kraft ist dir Ausstrahlung jenes Planes, an dem Moses vierzig Jahre lana am Bcrae Soreb gearbeitet bat Wie klein und nichtia erscheinen die anderen Gozialreformer diesem Manne gegenüber. Selbst als Schriftsteller raat er himmelhoch über Ihnen. Um leinen Stil würdigen zu rönne«, mutz «au sich die Meinunaen und Erfahrungen »nb Schlüffe alß eine Kreisfläche vergegenwärtigen. auf der sich der Gedanke f» einer keaelartiaen Zuspitzung erhebt. Die anderen Schriftsteller -eigen »nß die breiten, satt unübersehbaren Grundflächen und lasse« ««» die Spitzen nur dunkel ahne». So alkuzend diese Flächen auch (ein mögen, vermögen sie doch in daS Zentrum unseres BewutztseinS nicht einzudringe« Man hat auch bet ihnen da- Gefühl. alS bewegten sie sich vor unS ungeniert, gleichsam in Hemdärmeln. Schamlos kramen ffe alles vor uns aus. was sie wtffen und wo» ihnen nur immer in den Sinn kommt. Wie ein mit Schmuck beladener Parvenü -rängen sie sich uns mit ihren Kenntnissen. ihren Geistesblitzen auf. Moses aber zeigt uns stets nur die Spitzen und läßt uns die Grundflächen nur dunkel ahnen. Deshalb dringen auch seine Lehren und Erzählungen so tief in unser Bewußtsein und lassen uns nicht mehr los. So nahe er an uns herantritt, so einfach und verständig uns seine Worte anmuten, hält er uns doch durch ein Gefühl der Ehrfurcht, eine gewisse Unnahbarkeit Im Banne. Wir empfinden, daß dieser Mensch, nach dem wir greifen zu können glauben, uns doch himmelhoch entfernt ist. JosephuS sagt einmal, kein Grieche würde sich, wie der Jude, wegen seiner nationalen Literatur totschlagen lassen. Hier liegt die Erklärung. Und «an wird tn Moses den bewunderungswürdigsten Menschen sehe«, der 1e gelebt hat und den man stets nachahmen müssen wirb, wenn etwa- Großes und Gedeihliches geschaffen werden soll. Aber — es mutz immer betont werben ~ nur dem Wesen und nicht -er Form nach, und ohne seine Fehler zu wiederhole«. Die jüdische Gegenwart Palästina unter der Lupe. Bon Joachim Fischer, unserem in Tel-Avtv befindlichen Sonderberichterstatter. Box mehr alS einem Jahre hat die zionistische Presse mit einer systematischen PälSsttna-Propaganöa unter. Hochdruckbetrieb cinaeietzt. Die^e Tätigkeit zerfällt in a) .fSinterlattHs und b| Frontdienst. Sn der Diaspora wird bas Hauptgewicht auf die ideologische Seite de» Zionismus gelegt und der Beweis zu konstruieren versucht, baß diese Doktrin die alleinseligmachende jei und die einzige Bettung beS WeltjudentumS in sich birgt. In Palästina hingegen — an der Front — wird von den zionistischen Blättern aus vorangegangene, von Erfolg begleitete Experimente verwiesen; und alles läuft dann in dem SchluürBrgin zusammen; Somit ist das Heilige Land ökonomisch und geistig der einzige Zufluchtsort der jüdischen Bevölkerung der Gatuthkänder geworden. Die zionistisch angehauchte Prelle nimmt diesem Treiben gegenüber wohlwollend Stellung, ja reproduziert sogar nicht selten derartige Arbeiten vollinhaltlich, ohne dieselben auf ihre Zuverlässigkeit hin zu prüfen. Die Verantwortung ist ja „mir* moralischer Natur und kann überdies erforderlichenfalls au? den ,Bormarin" regressiert werben. Daß derartige Notizen Hunderte von jüdischen Familien total ruintert haben, ein Ereignis, welches sich nicht durch nachträgliche Richtigstellung ungeschehen mache« laßt, gehört wohl nicht zur Tagesordnung. Dies kommt de« Mit der ziontfttsche« Prelle flirtende« Zeitungen gar nicht ober nur schwach -um Bewußtsein (woher denn, wenu s nicht in bar „Äuellettschrtst" Schwarz auf Weiß sieht!». Hingegen vermeiden es die Ekstase-Erreger — ohne selbst t« Ekstase versetzt zu sein — tn kontinuierlicher Befolgung her Vogel- Strauß-Politik geflissentlich, hte von ihnen geschaffene Situation tn ihrem ganzen Umfang zu erfassen. Ich will in folgendem davon absehen, die Argumente für und gegen den Zionismus auf die Wagschale zu legen, da mir die restlose Lösung dieser im Brenpunkt des Interesses stehenden problematischen Frage unmöglich ist. Ich für meine Person bin da ledtglich aus eine innere, nur mir hörbare Stimme angewiesen, welche eben keine allgemein überzeugende Durchschlagskraft besitzt. Ich möchte daher nur bet dem Thema verweile«: WgS ist vtSyer von ve» berufene» Führer« unberufen tn Palästina erreicht worben und was steht noch »ach menschlichem Ermessen bevor? Hat dieser ganze Tam-Ta« feine yerechttgung und ist die Musik einem bereits bestehenden Text angepaßt worben ober will man erst die Musik verhexten*? Letztes wäre ja so übel nicht, stünde die Tat nicht so weit hinter dem Willen zurück und würde man alles offen bekennen. (Zur teilweise« Entlastung einiger aktiven Zionisten will ich nämlich den guten Willen al» vorhanden ansehen): Es wirb in den zionistischen Zeitungen — sowohl in den palästinensischen als auch in den ausländischen, welche von hier aus mit Berichtnertgr gelabt werden — aus variable Art in die Welt hinausgepaukt: Der Zionismus gewinnt an Boden (wörtlich und bildlich), dessen Aufwärtsbewegung ist unverkennbar. Die bisher nach Palästina emigrierten Juden haben einen Hafen erreicht, der ihnen in jeder Hinsicht Schutz gewährt vor de« Stürmen des Galuth. Die überaus günstige Wirtschaftslage^- so heißt es tn diese» stetstereotypen Berichten — bierßn den Emigranten diverse Existen-möglichketten, die auch von ihnen ergriffen und mit Erfolg ausgenutzt werden. So oder ähnlich laufen derartige Abhandlungen ea bloc aus. Man läßt sich aber auch zu Details herbei, wo eS wünschenswert erscheint, so zum Beispiel die Korrespondenten jiddischer Zeitungen Polens, de» Landes, aus welchem sich im letzten Jahre das Sinwanberermaterial vorwiegend rekrutierte. Da werden dem Leser fachliche, jede» Wirtschaftszweig berührende Anleitungen zwecks Jnstallatterung erteilt. Mit universeller Fachkenntnis wird sogar hie Höhe des zu investierenden Kapitals für alle tn Betracht kommenden Unternehmungen mit erschöpfender „Genauigkeit* beziffert. So überbietet man einander — je nach der Elastizität des Gewissens — an rosigen Schilderungen der hiesigen Verhältnisse. Was Wunder also, wenn da eine förmliche Völkerwanderung entstanden ist, der gegenüber sich jedes bremsende Etnwanderungsgesetz als wirkungslos erweist! Wer tn seinem GeburtSlanbe auf Grund des ungeschriebenen, jedoch stillschweigend sanktionierten und demnach in Kraft befindlichen Gesetzes wegen seiner GlaubenSzugehvrigkett Schikanen auSgesetzt ist, wandert nach Palästina auS. Wem infolge der um sich greifenden Wirtschaftskrise wegen seines künftigen Fortkommens Bedenken aufsteigen, der wählt, vom Konjunkturköder angelockt, Palästina zu seiner nunmehrigen Heimat. Und — last not least — wer einen inneren Drang nach dem Lande seiner Väter verspürt und diesem nachgibt, zieht nach dem Ort seiner Sehnsucht. Daß bei manchem zwei oder gar alle drei dieser Leitmotive zusammentreffen, vermag nichts an der Tatsache zu ändern, daß überall die winkende Existenz- Möglichkeit bas Zünglein an der Wage war. ES aibt allerdings auch solche, die Palästina insofern eine Konzession machen, alS daß sie sich hier mit einem geringeren Einkommen, als sie eS gewohnt sind, bescheiden wollen, jedoch ein Minimum wird immerhin beansprucht. Nu« wirft sich die Frage aus, wie haben sich selbst die Vescheibensten Ansprüche dieser Einwanderer erfüllt? Ich lasse die Vorkommnisse an meiner Stelle sprechen: Menschen, deren schmerzliche Enttäuschung sich teilim Gesichte auSprägt, teils tn Worten äußert, irren durch die Straßen Tel- Aviv-, HaifaS und Jerusalems ziel- und plauloS umher, ihrer Verführer bitterlich fluchend. Mau hat z« Hanse Hab «td Gut für et« Pappenstiel verschleudert, nun erweist sich r für ein bestimmtes Unternehme« — de» Zeitungsberichte» -«folge — al» hinreichend -e-etchuete Geldbetrag für zu --ring. Letzten Endes ist es auch keine einigermaßen ge. «tnnveksvr0Hen-e Kavitalaulage, wie e» ursprünglich gebeiße») die» selbst tm Verein mit Arbeitswille und Initiative. VaS also tun, wenn man alle Brücken hinter sich abgebrochen Lat und die geringfügige Summe zusehends zusammen, schmtlzt? Der Chain- (Pionier) ist das bedauernswerteste Element hier. Er wurde seitens der Zionistisch«« Exekutive auf Grund des angeblichen Bedarfes an ArbeitShänben bei der Palästina-Regierung angefordert und mittels Zertifikat herbezogen. Mittellos, wie er ist, befindet er sich gleich nach seiner Ankunft aus der Suche nach Arbeit, und mag es eine untergeordnete' physisch schwer zu bewältigende sein, er scheut nicht davor, zurück. Aber dem Arbeitsangebot steht so wenig Nachfrage gegenüber. Bon der Exekutive wird ihm ein magerer Knoche» vorgeworsen: 14 Tage Verpflegung und ein D a r l e ü n von ca. £ 2 ist daeinztge, was zu gewähren die zionistische Organisation für nötig hält, um ihr Gewissen zu erleichtern (oder ist sie hierzu gesetzlich verpflichtet?). Dann wird der Chaluz seiner Verzweiflung überlasse«. ES unterliegt keinem Zweifel, daß man dieses Menschenmaterial alS Statisten benötigt, um dergestalt eine tn Bildung begriffene jüdische Majorität zu dokumentieren. Aber da wäre es ja für beide Teile vorteilhafter, wenn vor jeder Volkszählung so ein paar Schiffsladungen „Zäylvieh* herkäme, um nachher, „nachdem der Mohr feine Schuldigkeit getan", heimzukehren, aber beileibe nicht Selbstmordkandidaten zu züchten! Wäre dieses Niederlassen in Erez Israel von seiten des Auswanderers ein Sprung ins Ungewisse, den jeder aus eigene Verantwortung macht, so wäre es Pflicht der zionistischen Organe, den Waghalsigen vor diesem salto mortale eindringlich zu warnen, wenn nicht gar ihn von der Ausführung des Planes abzuhalten. Aber nichts dergleichen geschieht, man ist vielmehr bemüht, die Lage so öarzustellen» als ob für diesen Sprung durch ein vorgehaltenes Sprungtuch eine sichere, erschtttterungSlose Landung vorbereitet wurde. Kein Sophist vermag eS überzeugend abzustreitcn, daß man jedem vor feiner Herreise bas Zielland wahrheitsgetreu beschreiben muß, um eine unbeeinflußte Wahl herbeizuführen. Nun gibt eS allerdings einige „Offenherzige", die aufmerksam machen, daß es hier etwas schwer sei mit den: Hereinstnden tn die Erwerbstätigkeit. Dieses „aufmerksam machen* mutet mich an, wie wenn einem Blinden zugerufen würde: „Achtung, Stufe!", wo in Wirklichkeit eine Anzahl von Stufen vorhanden sind. So will ich denn in meinen nächsten Aufsätzen das Auszähle« dieser „Stufen* zum Gegenstand meiner Erörterung machen, und dies ungeachtet des Umstandes, daß — wie ich auS Erfahrung weiß — ein Hagel von Dementis nieberprasseln wirb. Werde ich mit meinen Zeilen das mir vorschwebenbe Mintmalresultat erzielen? Gott allein weiß es! Tel-Aviv, 7. März 1936. Altjüdische Handschriften. Der verstorbene berühmte Professor am Buöapester Rabbinerseminar David Kaufmann hat seine unschätzbare Sammlung alter hebräischer Miniaturen und Handschriften der Ungarischen Akademie der Wissenschaften hinterlasseu. Die Ausstellungsarbeiten in den Bibliotheksräumen der Akademie sind nun vollendet. Mächtige, dunkle Eichenschränke umfassen den unvergleichlichen Schatz an illustrierten Hagababüchern und prächtigen Thorarolleu, sowie Ouellenwerken zur Geschichte des mittelalterlichen, hauptsächlich ungarischen Judentums, und vorsorglich wurde das Material auf Grund des noch zu Lebzeiten des berühmten Sammlers ferttggestellten Katalogs aufgearbeitet. Die Arbeiten sind au dieser Bibliothek schon so weit vorgeschritten» daß Lethsenbungen daraus schon ins Ausland bewerkstelligt werden konnten. Go wurden zwei wichtige Handschriften an die neue hebräische Universität in Jerusalem, sowie eine Handschrift jüngst nach Amerika leihweise übermittelt. gn der Sedemachl. Sine Visiv«. Bon S. Katz, Gelsenkirchen. Ich stand im Schimmer des Mondes und lauschte, was leise die Lenznacht mir raunte ins Ohr. — De» sprossende« Flure« entstiegen die Nebel. Sie wölbte« sich, wurden zu ragenden Tempeln unsuchte» des Himmels verschlossenes Tor. Die Zinnen berührte» den goldenen Riegel, daß in lohender Flamme er klirrend zersprang. Es barste» di« Pforten mit donnerndem Krachen, und der leuchtende» Helle geöffneter Hallen entströmte ein Heerzug aus Knechtschaft Erlöster mit Pauken und Reigen und Freiheitsgesang. — Sie alle, die fronende Knechte jüngst waren, sie schritten erhobenen Hauptes einher, gegürtet dte Lenden, den Stab tn -e» Händen, an rastlosen Füßen dte Wauberschuh'. Und vor ihnen dehnt« sich glühende Wüste, und hinter -er Wüste ein brandendes Meer. Ste schauten die Fluten unhörten mit Grausen im Rücken der ehernen Massen Geklirr. Da starben die Lieber auf bebenden Lippen; ei« Zittern un- Zagen durcheilte die Reihen, ein ängstliches Fragen und irres Gewirr. Nur einer stand furchtlos mit flammenden Blicken: Der Führer -e- Volkes. — den Stab tn der Hand. — Er wiezu den Höhen und drohte dem Meere und winkte hinüber -um rettenden Laub. Und gütig und tröstend erklang seine Stimme: „Seid stille nun! — Scho« Ist die Rettung nicht fern, und harret entgegen der Hilfe des Herrn!" Da standen dte schäumenden Wogen wie Mauern, und mitten durch Flut führte trockene Bahn. Nun folgten sie schweigend dem schwebenden Lichte, im Herzen de« Glauben, trotz Tod und Derberben, und schauten tn Fernen, «aS ihnen verheißen: Die fonn'ge« Gefilde von Kanaan. Wie ist der Talmud entstanden? Bon Prediger a. D. Gossel in Kölm*) Es ist auS der biblischen Geschichte bekannt, -atz Nebukadnezar. König von Babylon, das Königreich Juda zerstörte, den Tempel verbrannte und die Bewohner des Landes in die babylonische Gefangenschaft führte. CyruS eroberte Babylon und gestattete den Juden die Rückkehr in ihr Vaterland und den Wiederaufbau des Tempels, der unter der Herrschaft des Turins 516 v. Ehr. erst vollendet wurde. Im Jahre 458 v. Chr. kam ESra. ein großer Gchriftgeleürter. der keim persischen Könige Artarerres Longtmanus in hohem Ansehen stand, mit mehr als 1700 Männern (ohne Frauen und Kinder) aus Babel, im ganzen mit etwa 1600 iüdischen Familien, nach Jerusalem und regenerierte bas Judentum dadurch, daß er die bei den Juden in Vergessenheit gekommene Heilige Schrift ihnen am Suckotfeste täglich wieder vorlas (Nehemia 8.18) und zur geistigen Sebuna des Volkes wesentlich beitrug; auch der TempelgotteSbientt wurde wn ihm in Gemeinschaft mit Nehemia wieder eingeführt Er wirkte so segensreich, daß der Talmud (SanhedriS 31b) von ihm rühmt: ..ESra war würdig, daß die Thora durch ihn gegeben werde wenn sie Moses nicht schon erhalten ^ätte." Ferner heißt es (Sucka 20a) von ihm: „Als die Thora von Israel vergessen war. kam ESra aus Babel und gründete sie wieder." Er wird ESra haßofer. „der Schrtfikundige*. genannt (Nehemia 6.13). Auf seine und NehemtaS Veranlassung entstand die große Synode von 130 Mitgliedern, welche den Grund zu unserer Tefilla (unserem Gebetbuche) legten, regelmäßige Vorlesungen aus der Thora und den prophetischen Büchern einfübrten und die Sammlung der Heiligen Schrift, der Bibel, vernahmen. Mit ESra beginnt die Epoche der „Soferim" (GesetzeSlehrer). das ssnd auch zugleich die Mitglieder de* großen Versammlung (Gnnode). deren Wirksamkeit etwa um 450 v. Ehr. beginnt und von denen tm allgemeinen Simon der Gerechte, der von 319 bis 199 v. Cbr Hvberpriester war und zur religiösen Partei der Zaddikim oder Gerechten gehörte als einer der Letzten angesehen wird. AlS der Tempel zum zweiten Male unter der Herrschaft der Römer durch Titus ein Raub der Flammen aeworden war. Jerusalem zerstört, der jüdische Staat untergegangen und das aus Palästina vertriebene Israel aus dem Orient sein« aroße Wanderung tn alle Länder der Erbe »zusammen mit seinem qroßen Weltenbuche antrat und allezurückließ, was ißm einst heilig und teuer war: die Heimat «nb den Tempel!* — wie Karpeles in seiner „Geschichte der sstdi'chen Literatur* I S. 366 so schön sagt —. war die Liebe zum Studium d"S göttlichen Gesetzenicht o-rch""inden dte L»k^e wurde vielmehr sorigevssanzt durch Errichtung von Vehrhäusern seitens gottbeoeisterter Männer unter denen in erster Reihe Rabbi Jochanan ven Sakkai hervorragt. d"r im wah'-en Sinne des Wortes durch Gründung des Lehrhauses zu *) Bal. auch des Verfassers Buch „Was ist und enthält der Talmud?" Erschienen bet I. Kausfmann. Frankfurt am Main. Jabne als Retter des Judentums, als eine vrovidenticlle Persönlichkeit zu bezeichnen ist. Durch die Pflege des Gottesgesetzes wurde bas schwache Judentum so stark, daß es das einst so mächtige römische Reich um Jahrtausende überdauern konnte und bestehen wird, solange die Welt steht. Fortan stellten gelehrte und fromme Männer es sich zur Lebensaufgabe, das Judentum weiter zu erhalten durch Belehrung des Volkes in der Auslegung der Heiligen Schrat, wobei sie die von den Soferim aus der Schrift hergeleiteten Gesetzesbestimmungen anerkannten, weiter lehrten, neue Bestimmungen aus dem Gesetze ableiteten und Erweiterungen der Gesetzesvorschriften nach den Zeitbedürfnissen festsetzren. Das ssnd zunächst die Suggot, die fünf Gelehrtenpaare. von denen die ersten Jose bei Joeser und Jose ken Jochanan und die letzten Hillel und Schamma's waren. Schon mit letzteren beginnt ein genaueres Sammeln von Satzungsn, nach der Gleichheit des Inhalts geordnet. Dann folgen die Tannaj'm ober Gesetzeslehrer (von tana lehren), von denen Rabbi Jehuda hanast (137—194 n. Ehr.) der letzte war. AlS die Gefahr drohte, daß die bis dahin durch mündliche Ueberlieferung tm Gedächtnis behaltenen Lehren verloren gehen könnten, da entschloß sich Rabbi Jehudc» hanaßi. nachdem ihm andere Männer schon vorgearbeitet hatten, mit Hilfe verschiedener Gelehrter die von den Tanna'sm festgestellten Resultate der Gesetzesforschung die Halachas (Satzungen. GesetzeSnormen, die gang und gäbe waren) zu ordnen und zu einem Werke zusammenzustellen, welches Mi sch na genannt wird. Mischna ist abgeleitet von schana «- lehren oder lernen und bedeutet also die Lehre. Im Laufe der Zeit hat die Mischna. wie sie uns jetzt vorliegt. noch zahlreiche Zusätze erhalten, sie zeigt deutlich die Zusätze der Nachfolger Rabbis, besonders bis zu R. Jochanan und Reich Lachisch hin Die Mischna besteht aus sechs Hauvtabteilungen Sedarim --- Ordnungen, auch schischa ßidre Mischna sechs Ordnungen der Mischna, und nach den Anfangsbuchstaben von schische ßidre -- Schaß genannt. Jede Ordnuna wird nun wieder in Maßechtot --- Traktate etng"teilt. Diese werden wieder in Perakira Abschnitte, jeder Perek wieder in Mischnas oder Halachot, h. Lehren oder Paragraphen, etngeteilt. Im ganzen gibt eS 68 Maßechtot ---- Traktate und 828 Perakim ----- Abschnitte. Die erste Ordnung Seder »erahn «= Ordnung über die Saaten, enthält 11 Traktate und kebaudelt die Gesetze, welche beim Landban zu beachten ssnd: di« zweite. 12 Traktate umfassende Seder moed Ordnung der Feste, enthält Bestimmungen über die Sabbatfeter. die Fest-. Fast- und Halbfesttage: die dritte. 7 Trak:ate umfassende Seder naschnn Ordnung der Frauenangeleaenheiten. behandelt die Eheaesetze; die vierte, aus 10 Traktaten bestehende Seder nesi kin Ordnung des Schadenersatzes, behandelt die Zivil- und Kriminalgese"e und enthält auch den ethischen Traktat Pirke Abot; die fünfte, 11 Traktate umfassende Seder kodascbim =» Ordnung der Heiligtümer, spricht von den heiligen, gottgeweichten Dingen, wie Opfer. Erstgeburt u. dgl.: die sechste, aus 12 Traktaten bestehende Serler teharot Ordnung der Reinigungen, enthält Reinheitsgesetze.