Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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6. Jahrgang Nummer 10 Beilage S. März 1926 Inum Iustizrat Dr. Ernst Auerbach Von Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M. Mit Justizrat Dr. Ernst Auerbach ist eine -er markantesten Persönlichkeiten des deutschen Judentums und wohl der entschiedenste und unbeugsamste Vertreter des jüdischreligiösen Liberalismus, eine cigengeprägte Persönlichkeit non hoher Begabung, hinreißender Beredsamkeit, überzeugter Lauterkeit und (Geradheit des Charakters, ein Mann, der in seiner Geschlossenheit den Typus vornehmster Verbindung des besten Deutschtums und Judentums verkörperte, in der Fülle seiner Kraft, unerwartet allen seinen Freunden, plötzlich durch einen Herzschlag im Alter von 64 Jahren entrissen worden. Als Sohn des mit der Familie Abraham Geigers verwandtschaftlich eng verbundenen Jakob Auerbach, des Vetters von Berthold Auerbach,, des vor allem durch seine Schul- und HauSbibel weithin bekannten langjährigen Religionslehrerö am Frankfurter Philanthropin, pflegte Ernst Auerbach, mit einer durch seinen unbeugsamen Charakter und seine warmherzige Pietät bedingte und genährte Hingebung, die Ideale eines durch keine Bindungen belasteten, das reine und freie Menschentum atmenden Juüentiuns. Wie eine letzte ragende Säule stand er so — in einer veränderten Zeit — an hohe Vergangenheit mahnend innerhalb des deutschen Judentums da, bewußter Träger eines hohen LebenSidealS. Im alten Frankfurter Gymnasium, unter Mommsens Leitung legte er den Grund zu feiner umfassenden Bildung. Er studierte auf den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Göttingen die Rechte, wo er non Lehrern wie Binding, Wach, Stobbe und Jhering tiefe und nachhaltige Anregungen empfing. Als Rechtsanwalt mit seinem Schwager, dem unvergeßlichen Berthold Geiger, assoziiert, errang er sich bald, in der ersten Zeit vor allem als Verteidiger in Strafsachen, hohe Anerkennung. Seit 1883 wirkte er an der Schule seines Vaters als Aktuar, ein Name, der dann in Syndikus umgemandelt wurde. .Hervorragenden Anteil nahm er an allen jüdischen Institutionen und Vereinigungen. Er gehörte zn den Begründern deS freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeinüeleben üt Frankfurt, stand bei der Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Pate, im C. B., im Verband der deutschen Juden, als Mitglied der Gemeindevertretung in Frankfurt, in der liberalen Fraktion, als Anreger des Gottesdienstes an der Königsteincr Synagoge wirkte er mit an erster Stelle. Ueberall anregend, befeuernd, voll Initiative, überall mit seiner ganzen kraftvollen Persönlichkeit, mit dem vollen Pathos seiner zielbewußten Ueberzeugung sich einsetzend. Als Politiker wie als religiöser Jude entschiedeu liberal, voll Freiheitsstolz und Vaterlandsliebe, eine künstlerische Natur voll erlesensten Geschmackes, nahm er ivie an jüdischem, so an vaterländischem und vaterstädtischem Leven, an sozialen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebringen steten regen Anteil. Seine wunderbare Persönlichkeit möge aus der Gedächtnisrede, die ich an seiner Bahre hielt, anschaulicher hervortreten: »^.Tief erschüttert stehen wir an dieser Bahre, ans der es lins wie mit eherner Stimme entgegentönt: „Was ist der Dtensch! Was ist unser Leben! Was unsere Kraft!" Ein Schritt nur ist zwischen uns und dem Tode. „Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben, es stürzt ihn mitten in der Bahn, es reißt ihn fort vom vollen Leben." Vor wenigen Tagen waren wir mit ihm zusammen in kleinem Kreise, wo er mit der ganzen Frische und Kraft seiner lebendigen Persönlichkeit, mit dem leidenschaftlichen Pathos seiner Ueberzeugung seine Ansicht vertrat — und nun stehe ich hier vor seiner Bahre, um aus dem Herzen der Familie und im Namen und Auftrag des Vorstandes der israelitischen Gemeinde den letzten Abschied von ihm zu nehmen. Der hier ruhet, so plötzlich auS der Fülle des pulsierenden LebenS abgerusen, daß wir es nicht fassen können, daß er nicht mehr in seiner ganzen Lebendigkeit vor uns steht, war ein Bild des Lebens, der Vitalität und Aktivität, kraftvoll und markig ohnegleichen, der gleichsam zum Leben sprach mit dem Worte des Propheten: „Ich verlobe dich mir zur Ewigkeit, und ich verlobe dich mir zu Recht und Gerechtigkeit und zu Güte und Liebe, und ich verlobe dich mir in Treue." „Ich verlobe dich mir zur Ewigkeit." In dem Sinne, wie cS in unserem SegenSspruch znr Thora heißt: „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, der Leben der Ewigkeit in unsere Mitte gepflanzt hat." In der idealen Welt des Schönen, Wahren und Guten war seine geistige Heimat. Das trug er als heiliges Erbe des Vaterhauses in sich,' denn vom Vaterhaus her überkam er den Adel idealer Lebensweihe, den Stempel geistiger Prägung. Ausgewachsen in der geistigen Atmosphäre deS PhilanthroyinS, an dem der Vater befruchtend lehrte und wirkte, erfüllt von den Ideen der Humanität, der großen Menschheitsreligion der Toleranz und Menschenliebe, war er ein bewußter Kämpfer für diese Ideale sein ganzes Leben hindurch. Von jener Grandiosen Einseitigkeit der Prinzipientreue, wie sie mit der Beharrlichkeit geschlossener Persönlichkeiten untrennbar verbunden erscheint, war er die Verkörperung jener starken Art, wie sie der römische Dichter preist: ..äiwium ac tenacera propositi virum ..... si fracttis illabatur orbis, impavi* dum ferient ruinae", „alS den gerechten bei seiner Meinung verharrenden Mann: und wenn zertrümmert der Erdball auf ihn stürzte, unerschrocken träfen ihn die Ruinen." Nicht um eine Linie nach rechts oder links wich er von dem einmal erwählten Wege, von dem als das Rechte Erkannten ab, eine .Kämpfernatur, den die Freude am Geisteskampf trieb. Wenn er mit feinem fonoren Organ, seiner hinreißenden Beherrschung des Wortes, feiner scharfen Dialektik, ein unübertrefflicher Meister der Rede, zäh und leidenschaftlich für etwas eintrat, für das Kleinste oft, als wäre es das Größte, weil eS ihm immer auf die Sache selbst ankam, nie darauf, was sich daraus ergeben könnte, dann mußte ihm jeder gebannt zuhören und stand unter dem Zauber seiner Rede. So berief ihn seine Persönlichkeit selber zu dem Berufe, den er sich erwählte, ein Berufener unter seinen Berufsgenosien, ein Anwalt deS Rechtes und der Gerechtigkeit, hochangesehen in seinem Kreise, der ihn zu der höchsten Würde des Vorsitzenden deS Anwaltvereins und zum Mitglied des Vorstandes der Anwaltskammer berief. Aber weit über den engumschlossenen KreiS feiner Berufstätigkeit trug ihn fein weiter, allem Schönen, Wahren und Guten aufgeschlossener Geist. In aller Bildung der Zeit zu Hause, kaum eine dichterische und wissenschaftliche große Leistung seiner Zeit außer acht lassend, selber Meister Laren und gepflegten Stils, eine künstlerische, feingebilöete Persönlichkeit, wurde er mtt Recht in den Rat der Universität berufen. Und wo er stand, ob in seinem Berufe im Kampf ums Recht, ob in den zahllosen Vereinigungen, denen er in führender Stellung angehörte, überall voll Arbeitsfreude, voll beschwingter Initiative, anregend, treibend, fortreißeud, überall ganz er selbst, nie sich verleugnend, immer sich voll ansgebeud. Hatte er auch, als typische Kämpfcrnatur, viele Gegner, böse konnte ihm keiner sein. Denn man hatte daS Gefühl, einem sachlichen Gegner gegenüberzustehen, dem es gar nicht in den Sinn kam. daß der andere den Kampf persönlich nahm. Jeder stand unter dem Eindruck seiner wahrhaft vornehmen Natur und unter dem Bann seines lächelnden Humors, der die Schroffheit seines Kampfes sanft ui^klärte. Eine attische Heiterkeit, wie man cs nennt, war um ihn gewoben. Sie wir ein Ausfluß feiner im tiefsten Grunde unendlich gütigen, liebewarmen Natur. Ja, „zu Recht und Gerechtigkeit und zu Güte und Liebe" hatte er sich dem Leben verlobt. Ex glaubte an die Menschen: er glaubte au das Gute, eine optimistische Natur wie wenige. Er konnte warm werden für die Menschen in seiner Menschengüte. Soll ich bei diesem Mann davon reden, ma§ er den Seinen gewesen, was ihm die Seinen gewesen? Wenn er vom Vater sprach und von der Mutter, wenn er des Vaters Namen preisen hörte, dann konnte sein Auge in Rührung tränen. Mit den Geschwistern und der seit zwei Generationen verschwisterteu Familie verknüpfte ihn ei»e von den Kindern als kostbares Erbe überkommene heilige Liebe. Und mit Gattin und Kindern verbanden ihn unsagbare Gefühle. Jeder sah im andern das Höchste und Beste, sie trugen einander auf Händen und waren sich alles. Mit den Kindern lebte er fort, in ihre veränderte Welt sich gern findend. Und nun ist der Gattin und den Kindern die Krone so jäh vom Haupte gefallen, der Stab, auf den sie sich stützen, ihren Händen entsunken. Aber der Gott, der so Schweres auserlcgt, vermag auch die Kraft zu geben, das Schwere, was keine Menschenkraft anfhalten und keine Menschenweisheit verhindern konnte, zn tragen. E r hat überwunden, er steht nun an der HimmelSpforte, den Preis für fein Eröcmvallen erwartend, und wir hören sein Wort von droben schallen: „Nicht so vieles Federlesen! Laß mich immer nur herein, denn ich bin ein Mensch gewesen. und daS heißt ein Kämpfer sein." So zieh denn hin, du treuer Kämpfer Gottes, in dessen Seele tiefste Frömmigkeit und LebenSweihe waren. Der Treue hast du dich verlobt, die Treue hält dich fest umschlossen über Grab und Tod. Treu warst du dir selbst! Treu warst du in seltener Pietät dem Erbe deines Vaterhauses! Treu warst du jeder edlen und gerechten Sache, der du dein Leben gemeihr! Treu warst du deiner religiösen Gemeinschaft, vor allem deiner religiösen Gemeinde Frankfurt in starkem Ko- Hilla-Stolz! Tren warst du deiner politischen Gemeinde und deinem deutschen Vaterlande, zn dem dich mit Stolz und Liebe zu bekennen, dir HerzenStrieb war. Habe Dank für deine Treue, die dich nicht läßt, auch wenn dein irdisch Teil von nnS hiuweggenommcn! Wir aber wollen es geloben an dieser Bahre, die zähligen Jahre, die Gott uns ans dieser Erde miteinander wandern laßt, mit Gedanken der Ewigkeit unser Leben zu erhöhen, in Gerechtigkeit und Liebe miteinander zu handeln und Treue uns zu halten. Wir wollen geloben, dem Verklärten gleich, zum Leben zu sprechen: „Ich verbinde dich mir zur Ewigkeit, und ich verbinde dich mir in Gerechtigkeit und Liebe, und ich verbinde dich mir in Treue." Die Vorgänge in der Berliner Jüdischen Gemeinde. Girr Wort zu den neuesten zionistischen Anwürfe«. Ani unsere Anfrage bei dem 1. Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde. Herrn KammergerichtSrat Wolfs, geht uns die Mitteilung zn, daß die liberalen Mitglieder des Gcmeindevorstaudes die Hinaustragung der im Innern dieser Körperschaft bestehenden Meinungsverschiedenheiten in die Öffentlichkeit für unzulässig halten und es deshalb ablehnen, sich in der Presse mit den zionistischen Mitgliedern des Gemeindevorstands wegen der kürzlich von diesen veröffentlichten Erklärung auSeinanderzusetzen. «- * * Wir können dem Standpunkt des Herrn Kammergerichtsrat Wolfs nur veipflichten. — In der Sache selbst erscheint uns das Borgehen der zionistischen Vorstandsmitglieder umso unverantwortlicher, als einerseits ihre Anschauungen über die von dem GemeiirHevorstand zu bewahrende Haltung unbe- %n4 oo ml „fr.vy M/M ' * / I % m fr >«$ gründet sind und andererseits ihre Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, sondern auf freier Phantasie beruht. Zum mindesten sind die Dinge durch die Brille einer Partei gesehen, die von maßloser Machtgier erfüllt ist und cs nicht verwinden kann, daß sie in der Berliner Gemeinde noch immer eine geringe Minderheit bildet. Für jeden Kenner der Verhältnisse liegt cs auf der Hand, daß der Vorstand der Berliner Gemeinde keineswegs, wie es in jener Erklärung heißt, eine Koalitionsleituna ist etwa in dem Sinne, in welchem man von einer Koalitionsregierung im Reiche spricht, sondern daß es sich hier um eine Körperschaft handelt, die zwar auch verwaltende Tätigkeit ausübt. vor allem aber einen der Faktoren der Gemeindegesetzgebung bildet. Wenn in diesem ^»urch das Wahlkompromiß die Mehrheit der liberalen Partei festgelegt Worden ist, so wird man den Liberalen nicht zumuten können, diese Mehrheit dadurch illusorisch zu machen, daß eines ihrer Mitgllicder aus der liberalen Gruppe ausscheidet. Dabei ist zn betonen, daß der Vorsitzende des Gemeinöevorstau'dcs keineswegs Mitglied der liberalen Fraktion der Repräsentantenversammlung ist, daß vielmehr sämtliche Vorstandsmitglieder eS abgelehut haben, in die Fraktion einzutreten und lediglich das Recht haben, ihren Sitzungen mit beratender Stimme beizuwohnen, ein Recht, von dem sie durchaus nicht in allen Fällen Gebrauch machen. An die Weisungen der Fraktion sind sie nicht gebunden: demzufolge haben sie auch noch niemals solche erhalten, sondern jedes einzelne Vorstandsmitglied hat stets, wie es seine selbstverständliche Pflicht ist, allein nach seiner besten Ueberzeugung ohne Mandat von außen seine Stimme abgegeben. Soweit in der zionistischen Erklärung etwas anderes behauptet wird, handelt es sich um eine glatte, den Tatsachen ins Gesicht schlagende Erfindung. Es ist auch nicht richtig, daß der Gemeindevorstand die Verwaltung lediglich nach dem Programm der liberalen Partei führt. Ein kurzer Blick in dieses Programm hätte die Unterzeichner dieser Erklärung von ihrer Behauptung zurückhalten müssen, wenn es ihnen darum zu tun gewesen wäre, die Wahrheit festzustellen. Die konservative Partei hat erfreulicherweise gerade in letzter Zeit öfters die Gelegenheit ergriffen, den Liberalen zu bezeugen, daß im Gemeindevorstand den konservativen Wünschen in weit größerem Ausmaß als früher Rechnung getragen werde. Von einer Verwaltung nach dem liberalen Programm ist der Gemeindevorstand wahrlich weit entfernt. Freilich zum Verkünder und Vollzieher der Grundsätze der jüdischen VolkSpartei hat er sich bisher nicht gemacht und das wird hoffentlich so bleiben, so lange die von den Zionisten erstrebte Umwandlung unserer Religionsgemeinde in eine Volksgemeinde nicht Wirklichkeit geworden ist. Wenn die Herren von der Volkspartei sich darüber beklagen, daß ihre „Argumente grundsätzlicher und praktischer Art" nicht zn Beschlüssen führen, die ihren Ansichten entsprechen, und daß ihnen „nur die landläufigsten Srheingrünöe" gegenüberstehen, so ist auch diese Darstellung geeignet, ein völlig falsches Bild von der Sachlage zu erwecken. Es ist unwahr, „daß der liberale Referent cs nicht für nötig hält,, eine Vorlage zu begründen," diese Behauptung ist garnicht zu beweisen, daß niemals der Versuch gemacht worden ist, eine etwa gewünschte Debatte zu unterdrücken, geht schon daraus hervor, daß dies geschäftSordnungsmäßig gar nicht möglich ist. Aehnlich sieht es mit den anderen Behauptungen äuS, die in der Erklärung enthalten sind. Nachdrücklicher Zurückweisung bedarf nur noch die geradezu unerhörte Bemerkung, „daß für die eifrigsten Parteigänger besoldete Aemter geschaffen werden". Der in dieser Behauptung liegende Mangel an -elementarstem, politischem Anstand richtet sich von selbst. Mau erinnert sich, daß vor kurzem eine ähnliche Freundlichkeit im „Indischen Wochenblatt" gestanden hat. Damals hat der Führer der konservativen Partei, Herr M. A. Loeb, mit anerkennenswerter Ritterlichkeit in dem selben Blatte die schmähliche Behauptung zurückgewicsen. Wenn die Zionisten sie jetzt gleichwohl aufs neue aufstellen, so rechnen sie dabei auf die Vergeßlichkeit ihrer Anhänger. Ihr Verfahren wird in allen nicht vom Parteigcist verblendeten Kreisen her Gemeinde nur Entrüstung und Ablehnung Hervorrufen. Louis Wolff. Am Montag, den 1. März, hat der Vorsitzende des Vereins der Handwerker jüdischen Glaubens in Berlin, Louis Wolkf, sein 50. Lebensjahr vollendet. WaS er für daS Aufblühen des jüdischen Handwerkerstandes in Deutschland getan hat, das wird von berufener Seite an anderer Stelle gesagt werden- Sein hervorragendstes Verdienst ist es aber gerade, auf die Beziehungen zwischen handwerklicher und geistiger Tätigkeit hingewiesen zu haben. Dies war auch das Thema, mit dem er im vorigen Jahr das 30 jährige Bestehen des von ihm geleiteten „Vereins Selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin" feierte. Er hat diese Grundsätze auch ins ßeßett übertragen und allen jüdischen Problemen sein stetes Interesse gewidmet. Louis Wolfs, der selbst auS dem Handwerkerstand hervorgegangen ist — er ist Inhaber einer großen Möbeltischlerei — steht auch an führender Stelle in der liberalen Bewegung und ist sowohl Abgeordneter im Verbandötag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden als auch stellvertretender Repräsentant der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Unsere Leser kennen ihn aus zahlreichen Beiträgen, die er bei uns veröffentlicht hat. Mit einem warmherzigen Aufruf trat er im Wahlkampf für den jüdischen Landesverband für die liberale Liste ein. Auch unterstützte er unsere Bestrebungen, die jüdische Jugend wieder auf das Handwerk hinzuweisen, durch einen ausgezeichneten Aufsatz über die Bedeutung jüdischer Handwerkertätigkeit. Der Berliner Handwerkerverein hat seine Verdienste erst jüngst dadurch hervorgehoben, daß er eine „Louis-Wolsf-Stistung" znr Unterstützung notleidender jüdischer Handwerksmeister gründete. Ein guter Deutscher, ein treuer Jude, ein fortschrittlicher Mensch und ein stolzer Handwerker — so ist Louis Wolfs, so fühlt man es ans seinen Arbeiten und aus seinen ausaezeichneten Vorträgen auf Handwerkertagungen heraus. Wenn alle Juden ihm nachstrebten in seinem Sehnen, der Ewigkeit zu dienen, wie er es jüngst auf einer Rheinlandkundgebung charakterisierte, dann wäre eS gut um die Erhaltung miferer Gemeinschaft bestellt. Möge der jüdische Handwerkerstand immer stärker aufblühen und möge er immer Männer finden, die wie LouiS Wolfs von sich sagen können: „In der breiten Schicht deS jüdischen werktätigen Mittelstandes steckt Judenstolz, Handwerkerbewußtsein, VerantwortlichkeitSgefühl: wir sind uns bewußt, daß wir mit aufbauen müssen an dem Bestand deS deutschen Judentums, an dem Bestand deS Vaterlandes. Wir wünschen dem Jubilar ein langes, fcaenSreicheS Wirken für feine handwerklichen und jüdischen Ideale und freuen unS, in der jüdisch-liberalen Bewegung einen Mann wie LouiS Wolfs als treuen Mitarbeiter schätzen zu dürfe«.