Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Jahrgang Nummer 8 Beilage IS. Zebruar ISS6 Wanderer. Von Franz Cingra.. Wir zielen sehnsuchtsvoll nach vielen Fernen Und hoffen lauschend aus Begebenheiten, Die gütig einen schönen Weg bereiten Und Licht uns zeigen wie von golö'nen Sternen. Ob wir auch tausendfache Schmerzen leiden Und auf den fernen Straßen oft ermatten, Es kann kein Leid uns gänzlich überschatten. Denn immer wieder muß es seitwärts scheiden. Wir eilen stets mit mutigem Verlangen Dem Lichte näher und sind nicht verlassen Von freudetiefen, wundersamen Gaben; In Jugendfrische röten sich die Wangen Und frohe Klänge dürfen uns umfassen, Wenn wir den Glauben nicht verloren haben. Einstein in Argentinien. Die allsabbatlich in Buenos Aires erscheinende Mundo Jsraelita bringt eine Reihe von Berichten über Verlauf und Bedeutung des dreiwöchentigen Aufenthalts Einsteins in der Hauptstadt Argentiniens, wohin er auf Betreiben der Asociacion Hebraiea von der Universität geladen worden war. Jener jüdische Verein war dabei von seinem Grundsatz geleitet, durch den Besuch der hervorragendsten Vertreter -er jüdischen Art die einheimische Kultur au fördern und auch das Ansehen ihrer Gesamtheit im eigenen Lande ',zu erhöhen. In diesem Bestreben fand sie sich durch das Erscheinen des genialen Gelehrten besonders gefördert, da sie in ihm die bedeutendste Berkörperung ihrer eigenen Art erblickte. Auch ermutigte ne sein Verhalten, da er sich stets seinen Glaubensbrüdern zur Seite stellte, um für Israels Würde und seine Befreiung von ungerechtem Druck eingutreten. so daß er dessen erhabensten Führern zugerechnet werden muß. Die einheimische Bevölkeruna erkannte in ihm überdies das Ideal höchsten geistigen Lebens, das von kleinlichen selbstsüchtigen Leidenschaften frei, durch sein Beispiel nachhaltig lehre, der erhabenen Pflege uneigennütziger Wissenschaft wie der glühenden Liebe zu reiner Menschlichkeit uachzufolgen. Solchen Anschauungen gab der Gelehrte selber in einer von der Asociacion veranstalteten Versammlung geladener Gäste übereinstimmenden Ausdruck, In längerer Rede, die im Anfang von der Judenfrage einst und jetzt handelte, hob er die hohe Bedeutuna des Talmudstudiums für den erziehlichen und zivilisatorischen Wert der jüdischen Gemeinschaft in früherer Zeit hervor, während die Emanzipation uns eine doppelte Aufgabe gestellt habe, die soziale und die geistige. Diese habe ihm in seiner Tätigkeit als Hochschullehrer - durch die hervorragendsten mathematischen Leistungen von Schülern, die bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr allein dem Talmudstudium hingegeben waren, überraschend schnelle Lösungen geboten. Die verkehrte Erziehungsart der westeuropäischen Juden aber, um ihre Sonderart zu verbergen .»»und geringzuachten, habe besonders ihre Jugend ungünstig ^beeinflußt. Denn dies und nicht allgemeine Charakterschwäche habe logischerweise den Abfall vieler von der eigenen Gemeinschaft verschuldet. Die besonderen Bedingungen des -Lebenshaben sie dazu gezwungen, so daß sie deshalb nicht einmal getadelt werden dürfen. Die junge Generation aber, die mit Bekennermut für die Erhaltung des Judentums eintritt. soll nickt gesenkten Hauptes vor fremden Türen betteln. Die Frage unserer Eigenart ist die beste Vorbereitunqsstätte für unseren Erfolg gewesen. Diese Tradition und die Schätzung ihres kulturellen Wertes müsse uns . darum unserer aufs Universelle gerichteten Sinnesart gegenüber auch weiterhin erhalten bleiben Die neu gegründete Universität zu Jerusalem stelle einen Schritt auf diesem Wege dar. der unserer glorreichen Vergangenheit würdig sei. Danach ging der Gelehrte dazu über, in aemeinverständlicher Weise über die Theorie der Atome zu sprechen. So sehr er sich weiterhin allen Ehrungen zu entziehen suchte, so war er doch genötigt, an einem Frühstück in den Sälen des Savov-Hotelö teilzunehmen, -wo ihm ein Pergament mit den Namen der anwesenden Geladenen überreicht wurde, dem später zur bleibeirden Erinnerung an seinen dortigen Aufenthalt eine kunstvoll ausgestattete, lederne Sckreibrnappe mit einer Golöplakette folgte. Der Einladung der Jünglinge der Jngenieurhochschule nachgebend, ließ der Gelehrte sich zuletzt auch zu einem öffentlichen Auftreten mit seinem Geigenspiel bereitfinden. Dies geschah mit solchem Erfolge (vor der in gewaltigen Scharen zusammengeströmten Menge), daß der Zweifel laut wurde, ob der geniale Meister nicht seinen eigentlichen Beruf verfehlt habe und besser die Künstlerlaufbahn hätte einschlagen sollen. Aber auch Newton, sein Vorgänger auf dem Gebiete der physikalischen Wissenschaft, hatte ia nicht diese, sondern eine von ihm oerfaßte Lebensbeschreibung der Kirchenheiligen für sein hervorragendstes Lebenswerk gehalten. Bon Buenos Aires aus begab sich der Gelehrte nach Montevideo und weiter nach Brasilien, um an den dortigen Universitäten Vorträge über seine neue Wissenschaftslehre zu halten. Das beredteste Zeugnis über seinen südamerikanischen Aufenthalt aber sprach der Dekan -er philosophischen Fakultät zu Buenos Aires aus. der sagte, keiner zeige ein so seines Gefühl für die höchsten Werte des Geistigen wie er. Es enthülle sich durch seine Vertiefung in die schwierigsten sittlichen Probleme unserer Zeit, die mit seiner hohen Liebe für das Schicksal seiner geduldigen und genialen Stammesart verbunden sei. Ihre gewaltige Lebenskraft stelle er in einer Größe dar. die mit derjenigen Spinozas zu vergleichen ist. Dr. Mar Golde. | H | Aus den Gemeinden \ f| >444 Subventionierte Religionsvereine in Berlin. Grundsätzliche Betrachtungen. Von H. Falkenberg. Ob sie in anderen Großgemeinden auch existieren, ist mir unbekannt. In Berlin ist ihre Zahl so erheblich, daß schon vor Jahren ein Verband der vereinigten Religionsvereine begründet wurde. Eigenartige, sonderbare Gebilde, diese Religionsvereine! (Nicht zu verwechseln mit den Synagogen- und den religiösen Vereinen!) Und eigenartig zuweilen die Entstehung: Unwiderstehlicher Betätigungstrieb irgendwelcher ehemaliger Kleinstadt-Kehillo-Größen. Sehnsucht nach Ebrenämtchen oder Parnesehrgeiz. zuweilen auch das Streben irgendeines depoffeöierten Rabbiners »ach eine« WirkuwgSfeld!. — Gewiß, hie und da mögen das Gründungsmotive gewesen sein. Aber in der Mehrzahl lag ein wirkliches Bedürfnis zugrunde. Und dieses Bedürfnis bildete sich durch die Entwicklung der Berliner Gemeinde heraus. Denn als diese durch den Zuzug von außen in ungeahntem Maße znnahm und die Berliner Judenheit die ursprüngliche Zusammenballung im Zentrum aufgab und sich über alle Stadtgegenden verteilte, blieben ganze Stadtgebiete ohne regelmäßige religiöse Versorgung. Riesensyuagogen. wie sie die Gemeindebehörden grundsätzlich bauten, waren nur in wenigen jüdischen Zentren, die zudem wechselten, möglich, provisorische Filialgottesdienste wurden nur an den hohen Feiertagen eingerichtet; denn die Gemeindebehörden sahen ein umfassenderes Bedürfnis nach religiöser Versorgung nur für diese als gegeben an. da sonst ja auch die vorhandenen Synagogen nicht ausreichend besucht würden. Auf die große Aufgabe einer Gemeinde, dcks religiöse Bedürfnis aller Bezirke dauernd rege zu halten', das Interesse zu heben, wo es einmal vorhanden ist. es zu wecken oder neu einzupslanzen. wo es schläft oder verloren gegangen ist. diese Aufgabe aus eigener Initiative zu lösen, das sahen die Gemeindebehörden leider nicht als ihre Verpflichtung an und überließen sie der Privatinitiative. Hier setzten die Religionsvereine ein. und ihre kleinen Synagogen wurden bald Bedürfnis vieler Bezirke und Kernpunkte eines — wenn auch beschränkten — Gemerndelebens. Eine ganze Zahl religiöser Persönlichkeiten haben sie als freiwillige Kräfte mobil gemacht, haben neben ihren allgemeinen Steuern auch für Ausbau und Erhaltung ihrer gottesdienstlichen Einrichtungen nicht unerhebliche Mittel aufgebracht. Für sie existierten eben die Gemeindemitglieder des Bezirks nicht bloß an den hohen Feiertagen, sondern sie betrachteten es als ihre Aufgabe, die religiösen Bedürfnisse das ganze Jahr hindurch wachzühalten und so an dem Aufbau des religiösen Lebens mitznarbeiten. Eine Pflicht, die im Grunde genommen nicht ihnen, sondern der Hauptgemeinde oblag. So ist die Existenz der Religionsvereine der augenscheinliche Beweis dafür, daß die zentrale Gemeindebehörde aus die eigene Initiative zn Lasten der privaten Vereine verzichtet hat. Eine Verpflichtung hat ne allerdings anerkannt: Ihnen durch pekuniäre Beihilfe ihre Aufgabe zu erleichtern oder vielmehr meist erst zu ermöglichen. Sie bat allgemeine Grundsätze ausgestellt, nach denen die Subventionen bewilligt werden. Daß aber diese Grundsätze für die gegenwärtigen Verhältnisse nicht mehr z u t r e f f e n. wird auf den ersten Blick klar. Die Subventionsgrundsätze besagen: Tic sachlichen Ausgaben sind oom Verein zu tragen. die Funktionäre werden von der Hauptgemeinde besoldet. «Funktionäre, d. h. Prediger. Kantor. .Synagogcndien er.) Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum religiös-interessierte Leute ans einem Bezirk, in dem keine oder unzureichende gottesdienstliche Einrichtungen sind, neben ihren Gemeindesteuern noch die besonderen Lasten für die sachlichen Ausgaben tragen sollen. Ist doch die Gemeinde — mindestens moralisch — zu religiöser Versorgung verpflichtet. Das Natürliche wäre, daß die Gemeinde solche Gottesdienste von vornherein als die ihren betrachtete und sie nicht erst übernähme, wo dank einer wohlhabenden Bevölkerung größere Vermögensobiekte präsentiert werden können. Völlig überholt sind die Bestimmungen über öie Besoldung der Funktionäre: sie sind noch ganz auf die früheren Verhältnisse angeschnitten. wo es (von dem Sonderfall der Reformgemetnde abgesehen) ausschließlich konservative und orthodoxe Privatsynagogen gab, die zu ihrem Wesensbestand nur Prediger. Kantor und Synagogenöiener brauchen, die ferner mit einem Publikum rechnen, das im Gottesdienstbesuch eine unbedingte rituelle Pflicht, in der stärkeren ästhetischen Ausgestaltung des Gottesdienstes etwas Ueöerflüssiges. ja Abwegiges erblickt. Dieser Zustand hat Gott sei Dank aufgehört. Der Liberalismus in Berlin bat ssch endlich auf die Aufgabe besonnen, aus eigener Initiative religiöses Leben zu wecken, wo es einznschlafen droht oder noch nicht oder nicht mehr vorhanden ist und wo es mit den Mitteln der Orthodoxie niemals geweckt werden kann. Die Anforderungen an einen liberalen Gottesdienst gestalten sich aber ganz anders. Für ihn ist Orgel (oder Harmonium) und Chor und damit Organist und Chordirigent ebenso Erfordernis, wie Prediger. Kantor, Synagogendiener. Denn neben der religiösen ist die ästhetische Ausgestaltung des Gottesdien st es unbedingte Voraussetzung für die Lösung seiner Aufgabe. Diese ist wesentlich anders und viel schwieriger als die des orthodoxen Gottesdienstes. Er hat nicht nur ein rituelles Bedürfnis für die zu erfüllen, in denen schon das Bewußtsein der religiösen Verpflichtung lebt, sondern hat die erzieherische Aufgabe, das religiöse Bedürfnis und die Sehnsucht nach seiner Betätigung in denen zu wecken, die es noch nicht besitzen. Das ist nur möglich durch gottesdienstliche Veranstaltungen und Einrichtungen, die das gesteigerte ästhetische Empfinden eines modernen Menschen berücksichtigen. Deshalb braucht er (wie die Hauptsynagoge) auch Orgel und Chor. Ja. für ihn und sie noch bedeutsamer, weil er nicht wie jene schon eine feste Gemeinde besitzt, sondern sie erst fest gewinnen muß. So hat der Gottesdienst eines liberalen Religionsvereins ganz andere Vorbedingungen als der konservative. Dazu kommt die besondere Aufgabe und Tätigkeit des Rabbiners. Sie ist viel umfassender und intensiver. Es ist nicht so wie in dem privaten konservaten Gottesdienst, wo außer an den Feiertagen nur hie und da eine Predigt gehalten wird und der Rabbiner sonst keine gottesdienstliche Funktion hat. Im Gottesdienst, z. B. der Liberalen Synagoge Norden, gibt es grundsätzlich keinen Gottesdienst ohne Predigt oder Ansprache. Daher hat der Prediger — von allem Feiertäglichen abgesehen — jeden Freitagabend und sonst auch, wo sich die Gelegenheit bietet, eine Predigt zu halten, und gerade die kurze Predigt, die ganz besondere Konzentration verlangt, stellt an die Kraft des Predigers ungewöhnliche Anforderungen. Daneben ist er Träger und zugleich auch jedesmal von neuem ^Schöpfer eines großen Teils der Liturgie. Denn nicht nur werden, um störende Gleichförmigkeit zu vermeiden, die deutschen GeLetsübertragungen in stetig wechselnder Form gebracht, sondern auch die freien Gebete wiederholen sich nicht: sie werden aus dem jeweiligen Sabbatgodanken heraus immer wieder neu gewählt und geformt und mit Vorlesung und Predigt zu einheitlicher religiöser Idee verschmolzen. Von den Modifikationen des einzelnen Falles abgesehen, werden alle privaten liberalen Gottesdienste ähnliche Struktur haben und deshalb ähnliche Voraussetzungen fordern. Ist eS da nicht ein Gebot der Gerechtigkeit, daß «an einen liberalen Religionsverein nicht in Bestimmungen 'einschnürt, die einzig für konservative Verhältnisse passen und die geeignet sind, ihm den Lebensnerv abzuschneiden? Die Gemeindebehörden. auch in der Zeit, da eine liberale Mehrheit vorhanden war. haben Len konservativen Syuagogenvereinen stets die Mittel zur Existenz und zum Wirken gewährt. Jetzt, wo liberale Religionsvereine entstanden sind und entstehen werden, ist es notwendig, die Grundsätze für die Subventionierung so zu gestalten, daß auch ihnen ein gedeihliches Wirken zur Weckung des religiösen Lebens in ihrem Kreise ermöglicht werde. Barme«. (Amtsniederlegung des Gemeinde« v o r st e h e r s H e i l b r o n n.) Das Mitglied des Gemeindevorstandes, Herr Moritz Heilbronn, hat aus Gesundheitsgründen sein Amt niedergelegt Seit dreißig Jahren war Herr Heilbronn zuerst in der Vertretung, später im Vorstände als stellvertretender Vorsitzende,- mit Hingebung und Sachkenntnis für das Wohl de,- Gemeinde tätig. Mit dem allseittgcn Bedauern über das Ausscheiden des verdienten Mannes verbinden sich aufrichtige Wünsche für einen langen und ungetrübten Lebensabend. Berlin. (Der zwölfte S y n a g v g e u e i n b r n ch.) Gestern wurde in der Synagoge in der Passaner Straße eingebrochen. Die Diebe stahlen Geräte vom Altar und aus einem Schrank. Es ist dies wohl seit drei Monaten der zwölfte Einbruch in eine Berliner Synagoge. Berlin. (G e s a in t a u s g a b e d c r S ch r i f t c n Ni ende l s s o h n s.) Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns im Jahre 1920 bereitet ein Komitee eine kritische Gesamtausgabe der Schriften Moses Mendelssohns vor. Ta es nach Möglichkeit alles erreichbare Material zu verwerten bestrebt ist. bittet es alle Besitzer von Handschriften. Erstdrucken oder Briefen Moses Mendelssohns um gütige Nachricht über dieselben und um evtl, leihweise Heber lassung. Alle Zuschriften sind an die Adresse von Herrn Professor Julius Gnttmann. Berlin NW. Wullenweberstraße 2. zu richten. Berlin. (Gedächtnisfeier für Salomon Kali sch er.) Auf gemeinsame Einladung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Vorstandes der Synagoge Fasanenstraße hatten sich am Sonntag, dem 14. Februar, die führenden Persönlichkeiten dieser beiden Körperschaften mit den hervorragendsten Vertretern der Berliner Gemeinde, kollegicn in der würdig geschmückten „Alten Halle" des Jüdischen Friedhofs in Weißensee znsammengefunden. um anläßlich der Errichtung eines Gedenksteins für den vor mehr als Jahresfrist dahingeschiedenen Professor Dr. Salomon Kalischer das Bild dieses bekannten Gelehrten und aufrechten Juden noch einmal in, dankbaren Gedächtnis der Ueberlebenden erstehen zu lassen. Nach einem von Harmonium klang begleiteten, von Herrn Oberkantor Tavidsohn ergreifend vorgetragenen Einleitungsgesang würdigte Herr Rabbiner Dr. Bergmann namens der Synagoge in der Fasanenstraße, deren Vorsitzender *der Heimgegangene durch viele Jahre gewesen war, dessen Verdienste nicht nur um diese Gemeinde, sondern um das gesamte deutsche Judentum. Der stellvertretende Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Her,- Justizrat Dr. Salomon, gab ein anschauliches Lebens- und Persönlichkeitsbild des aus einem deutsche Bildung mit jüdischem Leben harmonisch verknüpfenden Hause hervorgegangenen, feinsinnigen Gelehrten und seines die Zusammenfassung aller Richtungen im JudeukAmr zu einer öffentlich-rechtlichen Gesamtorgamsation erstrebenden Wirkens. Auch in der Rede des Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums. Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern, der zugleich im Namen des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde sprach, wurde als Höhepunkt der langjährigen Tätigkeit Kalischers in der Revräselttantenversammlung jene große Rede des wortgewaltigen Mannes hervorgehoben, durch die die einheitliche Zusammenfassung des deutschen Judentums im Deutsch-Israelitischen Gemeindebund so wesentlich gefördert worden war. An diese Feier schloß sich am Grabe selbst der Vortrag des el male racstLmim und das Kaddischgebet. lieber das Grab hinaus wird der Gedanke des Klal Jisroel den in Segen ruhenden Führer der deutschen Inden überleben. Berlin. (Ein jüdischer Hunge r künstle r.) Iw einem Berliner Restaurant der Friedrichstadt produziert sich zur Zeit ein Glaubensgenosse, ein junger Mensch von 24 Jahren, als Hnngerkünstler. Er nennt sich Jolly. stammt jedoch aus Krefeld, namens Siegfried Herz, aus frommer Familie. Nachdem er in seiner Kunst bereits früher einen Rekord von 34 Tagen ausgestellt hat in Saabrücken. will er jetzt seinen eigenen Rekord und den eines französischen Kollegen" mit einem Rekord von 44 Tagen überbieten. Am 13. Februar hat er seine Produktion unter großem Interesse der medizinisch-fachwissenschafttichen Kreise wie des allgemeinen Publikums begonnen, und bereits in den ersten Tagen setzte ein großer Besuch ein Der Hnngerkünstler ist - in einem notariell verschlossenen Glasgehäuse untergebracht, das ständig, auch des Nachts, überwacht wird. Während seiner Kur nimmt Jolly nu,- Selterwasser zn sich und konsumiert täglich etwa 125 Zigaretten: die Zeit wird er sich durch Lesen und Schlafen verkürzen, auch einen Radio-Lautsprecher hat man ihm in sein Gehäuse mitgegeben, damit er sich die Zeit seiner freiwilligen Abschließung von der Außenwelt verkürze. Die sportlichen und wissenschaftlichen Kreise Berlins sind mit Recht auf das Gelingen dieses sensationellen Sportes gespannt. Unseres Wissens hat sich bisher noch nie ein Glaubensgenosse einer solchen Svortübung unterzogen. Berlin. (I r e n e -T r i e s ch - A d e n d.) Den von dem C. B. zum Besten des Kampffonds veranstalteten Vortragsabend von Frau Irene Triesch leitete in begrüßender Rede Dir. Dr. Holländer ein. die geistigen Ziele des C.B. in kernigen und zu Herzen gehenden Worten betonend. Sie fanden bei der zahlreich anwesenden Zuhörerschaft vollen Beifall. Nicht nur die von dem Redner eindringlich ausgeführten Gedanken des C.B.. deutsche Inden im deutschen Vaterland zu verankern, sondern auch die Mahnung, durch jüdischen Geist und seine Kraft siegreich die Leiden des Antisemitismus, des innerlichen, wühlenden Widerstandes, die zn einem „nationalen Mythos" geworden, zu überwinden. — Die freudig begrüßte Künstlerin erhob ihre tiefe G'locke'nstimme zum Vortrag der angekündigten Psalmen 90 und 37 und Deborahs Siegeslied, sie lösten brausend tief aufgewühlte Gefühle aus. — Im zweiten Teile, der über die Romantiker qina und bei unseren Heroen, den Klassikern, endete, ließ sie unter andauerndem Beifall -er Zuhörer die Kunst ihrer Modulationssähigkeit einwirken. Auch naivere Zuhörer sängt sie durch die Wahl besonders populärer Gedichte ein. sie versteht es. bei jedem an die innersten Empfinduuaen zu rühren. — Der langanhaltende Beifallssturm am Schluß gab den Dank des Publikums: aber auch das Versprechen der ..Weihestunde", die uns die reife Kunst von Irene Triesch verschaffte, wurde restlos von der Künstlerin eingelöst. Hoffentlich ist auch durch die rege Beteiligung des Publikums eine pekuniäre Stärkung des Kampffonds des C.V. eingetreten. «ü