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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-12 · 7 (12.2.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 7 Beilage 12. Februar 1926 Me wecken wir das religiöse Interesse? Dr. Adolf Löwenberg Mittelschullehrer. Meine Kinder hatten einmal den Keuchhusten. Unser HauSarzt, der zugleich ein bekannter Kinderarzt war. verordnet-e fünf oder sechs Mittel und sagte dann lächelnd: „Daran. Satz ich so viel verschrieben habe, können Sie ersehen, -aß ich kein Allheilmittel gegen diese Krankheit kenne." — Ich befinde mich gegenwärtig in ähnlich schwieriger Lage. Aufgcforöert, mich zu äußern. wie utan auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts das religiöse Interesse wecken könne, mutz ich bekennen: ..Ich kenne nicht das Mittel, aber ich kenne einige Mittel." Wollten wir mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu Werke gehen, so müßten wir den Begriff „Interesse", der von den verschiedenen Philosophen in verschiedenem Sinne gebraucht wird, in der psychologischen uird pädagogischen Bedeutung, wie wir ihn hier anwenden wollen, genau kennzeichnen. Innerhalb der mir von der Schriftleitung gezogenen Grenzen wird aber vielleicht schon folgende oberflächliche Orientierung genügen. — Das Gegenteil von Interesse ist Gleichgültigkeit. Was uns interessiert. öaS läßt uns nicht kalt und gleichgültig, das hat für uns einen Wert, das ist uns Herzenssache. Will ich deshalb das religiöse Interesse im Schüler wecken, dann muh ich dafür sorgen, datz ihm die religiösen Güter und Ideale eine Sache des Herzens werden, Latz er sie liebt und bereit ist, für sie die gröhten Opfer zu bringen. Das religiöse Interesse ist daS nächste Ziel des Religionsunterrichts. Ist das religiöse Interesse geweckt, so ist damit der Antrieb für religiöses Wollen und Handeln gewonnen. Die Gleichgültigkeit gegen die Religion hat oft ihren Grund in religiöser Unkenntnis. „Kennt sie nur erst!" möchten ' wir mit Nathan unseren Schülern zu rufen in der sicheren ' Ueberzeugung. das; die rechte Kenntnis der Religion auch zur Schätzung ihres Wertes, also zum religiösen Interesse führen wird. Wie aber erlangt man die rechte religiöse ' Erkenntnis? Sicher nicht durch einen rein verstandesmähigen Wissensstoff. der die Gemütsseite verkümmern läßt. Gewiß ist im Religionsunterricht auch eine Unterweisung ’ in der objektiven Religion notwendig: es mutz deshalb auch - manches verstarrdesmäßig erarbeitet werden. Aber die eigentliche Aufgabe des Religionsunterrichts besteht doch — da ein theologisches Wissen nicht in Frage kommt — in der Erziehung zur subjektiven Religion, zur Religiosität, zu einem Leben in und mit Gott. Leben aber entzündet sich nur am Leben. In dem Matze, in dem unsere Zeit sich von dem Intellektualismus des 19. Jahrhunderts abwendet, erschließt sie sich wieder den Zugang zu den im Gemüte slie- . ßenden Grundgucllen der Religion. Religiöses Leben soll das Kind umgeben, religiöse Erlebnisse sollen ihm vermittelt werden, mit durch die ansteckende Macht des Beispiels die in ihin schlummernde religiöse Anlage zu wecken, von der der alte Kirchenvater so schön und treffend sagt: „Du hast uns zu Dir geschaffen, und unruhig ist unser Herz, | bis es in Dir Ruhe siudct." Darum ist die erste Forderung des Religionsunterrichts. . Satz der Lehrer eine religiöse Persönlichkeit sei. Zum Glück braucht heute niemand wehr Religionsunterricht zu ertei- | IdMttr sich dazu nicht innerlich berufen fühlt. Ist sich der . Religionslehrer aber auch immer bewußt. datz sich das Kind ' nach den Personen seiner Umgebung seine Gottesvorstellung . bildet? Das religiöse Interesse ist ein zartes Pflänzlein, das behutsamer Wartung bedarf. Det wirkliche Umgang des Kindes muß durch den ideellen erweitert werden, um so allmählich alle möglichen Fälle des fittlich-religiösen Lebens an unserem Schüler vorbeizuführen. In der Bibel besitzen wir ein einzigartiges, unübertreffliches Bilderbuch des religiös-sittlichen Lebens, das durch die Anschaulichkeit. Kindertümlichkeit und Einprägsamkeit so vieler alt-israelitischer Gestalten die Herzen jeder neuen Generation für das Göttliche über uns und in uns im Fluge gewinnt. Der Religionslehrer findet um so eher den Weg zum Kinderherzen, der gut zu erzählen versteht. Dazu gehört nicht nur freie Beherrschung des Geschichtsstoffcs. sondern auch ein Mitschwingen der Seele- Dadurch, daß der Lehrer durch eine Fülle von anschaulichen Einzcl-zügen die Handlung verlebendigt, macht er den jugendlichen Hörer zum Miterlebenden. Aber das Interesse soll sich nicht au? die äußere Handlung beschränken, das Kind soll auch den Personen ins Herz schauen, soll mit ihnen bangen, sorgen, trauern, leiden, aber auch mit ihnen hoffen, jubeln uird danken. Leider entgehen so viele Erzähler nicht immer der Gefahr, durch Häufung des Beiwerks mehr das ästhetische als das religiöse Interesse zu befriedigen. Natürlich wird es sich der Lehrer nicht versagen, wie aus der biblischen Geschichte. so auch aus dem übrigen jüdischen Schrifttum, aus der sonstigen Literatur und aus dem Leben aller Zeiten sich die Modelle zu wählen. um durch sie Zuneigung für das Gute. Abneigung gegen das Normwidrige hervorzurufen. Zwar weckt der Vortrag des Lehrers in außerordentlichem Maße „der dunklen Gefühle Gemalt, die im Herzen wunderbar schliefen," aber auch diejenigen haben recht, die sich eine größere Aktivität des Schülers versprechen, wenn dieser selbst mit Hilfe der Phantasie die Situation und Handlung ausmalt. Vor zwei Schädigungen des religiösen Interesses warnen die ministeriellen Bestimmungen für das Mittelschulwesen: vor einer verflachenden Behandluna biblischer Texte durch Ausscheidung der .Klrinmalerci ihrer Sprache und vor breitem Erklären. In der Tat besteht die starke Wirkung des Bibelwortes in dem lebendigen Detail, das in nicht geringem Maße die Eindringlichkeit der in der Geschichte verborgenen religiös-ethischen Lehre unterstützt. Ich selbst verdanke meine Liebe zur Bibel einem biblischen Geschichtsbuche, das modernen pädagogischen Anforderungen rvahrhaftia nicht entsprach, das aber den Hauch der Bibel verspüren ließ und nicht in Leitfaden-Manier für Lernzwecke zugestutzt war. — Aber auch ein breites Erklären, das in Wirklichkeit ein „Zerklären" ist, ertötet das Interesse Mancher hat ia auch für längere Zeit die Freude an einzelnen Dichterwerken verloren, weil diese ihm früher durch philologische und sachliche Erklärungen zu sehr verwässert wurden. In den meisten Fällen kann die Auswertung der einzelnen biblischen Geschichten sich daraus beschränken, eine Wahrheit klar und bestimmt zu entwickeln, zu bewerten und für das Leben fruchtbar zu machen. In mehrfacher Hinsicht macht die Gegenwart wieder gut. was früher gegen das religiöse Interesse gesündigt wurde. Man hatte die biblischen Erzählungen in konzentrische Kreise geordnet Das Gelernte kehrte so alljährlich wieder und wurde jedesmal um diejenigen Geschichten vermehrt, die der neuen Altersstufe entsprachen. Wohl wurden die Geschichten dem Kinde dadurch immer bekannter, wenn sich nur nicht auch Gleichgültigkeit und schließlich Widerwille als unerwünschte Begleiterscheinungen eingestellt hätten. — Aber auch die „Forma kstüfen". jene unterrichlliche Behandlung, durch die mau stufenweise möglichst jeden Tropfen erziehlicher Wirkung ans dem Unterrichtsstoff heraiiszupreffen suchte, gehören nun wohl der Vergangenheit an. Dafür wird nun wieder das religiöse Interesse in anderer Weise malträtiert .indem man den Schülern der Grundschule im ersten Schuljahr einen dreistündigen, im zweiten, dritten und vierten Schuljahr einen vierstündigen Religionsunterricht erteilt. Da an den öffentlichen Grundschulen hebräischer Unterricht nicht geduldet wird, so mag man sich ausmalen, wohin eine solche Ueberfütternng so junger Kinder mit Religtonsstoff führen mutz. Lehrer und Schüler sind hier Opfer des Systems. Aber alle beteiligten Instanzen sollten zu erreichen suchen, daß unserer jüdischen Jugend nicht die Freude am Religionsunterricht verleidet und den jüdischen Religionslehrern -ihre ohnedies schwere Aufgabe nicht noch mehr erschwert werde. Die Einführung des Hebräischen, die auch aus anderen Gründen geboten ist. würde hier die beste Abhilfe sein. Da erfahrungsgemäß unsere Kinder für lyrische und lehrhafte Stoffe von Haus ans nur ein geringes Interesse haben. so suchen wir ihnen Psalm und Prophetenvede auf dem Umwege über die Geschichte nahe zu bringen. So nur ist die Forderung zu verstehen, daß aller Religionsunterricht im Wesentlichen Geschichtsunterricht sein soll. So zeigen wir unseren Schülern in dem Pfalmisten einen Menschen, der durch Schicksal oder Schuld in schweres Leid verfiel und dessen Seele nun einen Rettung sw cg sucht, zu äußerer und innerer Freiheit. Der Psalm ist nun ein Bruchstück einer menschlichen Konfession: er zeigt wie in einem Spiegel das Ab und Auf der aufgeregten Gefühle. Das Kind durchlebt mit dem Pfalmisten die Phasen seiner Läuterung und Erhebung bis zum endlichen Siege in Gott. — Ein Aehnliches gilt auch für die Prophetenrede. Beim Lesen eines Jesaiaabschnittes müssen im Geiste die Schüler den Propheten selber sehen, „umgeben von einem in Prachtliebe und Weichlichkeit entarteten Volke, einem üppigen Weibergeschlecht, einem furchtsamen, Willensschwächen König, einem berLNbrausenden Meer übermächtiger Feinde, einsam, aufrecht, horchend auf die Stimme des Tr-eimalheiligen. vor dem die Heerscharen der Völker zerschmelzen wie Wachs im Feuer." — Auch die Religionslehre. die in der Abschlußklasse alle bisher gewonnenen religiösen Lehren zusammenfatzt und vertieft, mird. wenn ihr daS Interesse der Schüler zngcwandt fein soll, in Lebensnahe bleiben und von Persönlichem dnrchsättigt sein müssen. Ein wichtiges Mittel. das religiöse Interesse zu wecken, ist auch die Selbsttäiigkeit der Schüler. Alle ans die Selbsttätigkcit der Schüler bezüglichen unterrichtlichen Matznahmen pflegt man mit dem mißverständlichen Namen „Arbeitsschule" zu bezeichnen. Der jüdische Religionsunterricht wird diese in gewissem Sinne neuen Anregungen freudig verwerten, ohne die bei jeder jungen Bewegung selbstverständlichen Uebertreibungen mjtzmnachen. Die Arbeitsschule ist nicht der Gegensatz zur Lernschule, wohl aber zur Autoritätsschule. Durch Selbsttätigleit zur Selbständigkeit! Wie viele Kräfte werden entbunden. wieviel freudiges Interesse wird ausgelöst, wenn der Schüler urit eigener Kraft — nicht auf Schritt und Tritt gegängelt durch ihm ausgedrängte Lernzicle und ein künstliches Fragssystem — sich den Stoff möglichst selbständig erarbeitet. Nun bildet statt der Lehrerfrage die Schülersrage die Regel. Wer fragt, hat ein Interesse. will belehrt werden. — Auch das freie Schnlaespräch über eine Bibelstelle, ein Anschammgsbild regt zu Fragen, Vermutungen und gegenseitigen Berichtigungen an. bei denen dem Lehrer nur die Leitung und Beratung obliegt. — Oder aus Quellen stoffen erarbeiten sich weitere Schüler das Bild einer Geschichtsperiode. — Oester bilden die Schüler auch eine Arbeitsgemeinschaft, unter die der Lehrer die Teilaufgaben verteilt. 'In einer späteren Unterrichtsstunde berichten dann die einzelnen Arbeiter: die Teilresnltate werden in gemeinsamer Arbeit berichtigt, ergänzt und schließlich zu einem Gesamtbilde vereinigt. — Vielseitiger und darum auch interessanter wird der Religionsunterricht durch Betätigung der Hand, durch szenische Darstellung biblischer Geschichten und durch die religiöse Heimatkunde. bei der solche Stätten ausgesucht werden, die durch ein bedeutsames Ereignis der jüdischen Geschichte oder durch eine bekannte jüdische .Persönlichkeit ausgezeichnet sind, oder wo jüdische Wohltätigkeit, jüdische Frömmigkeit usw. ihre Wirksamkeit entfalten. Ich zweifle, ob z. B. in Berlin die Kunstsammlung ter jüdischen Gemeinde und die reiche Sammlung des Herrn Sally Kirschstein in Nikolassee bisher genügend für die Zwecke des Religionsunterrichts ausgenutzt wurden. Das Buch eines katholischen .Kirchenfürsten führt den Titel: „Mehr Freude!" Ein freudloser Unterricht würde i am wenigsten unserer Religion enispcchen. in der es heißt, > daß Gott sich seiner Werke freut und datz man Gott mit Freude dienen soll. Darum ein vertrauensvolles Verhältnis 1 zwischen Lcbrer und Schülern, darum Gesang zur Belebung j des Unterrichts, darum stimmungsvolle Unterrichtsränme und nicht zuletzt Schulfeiern, die das Gleichmaß der Tage und der Arbeit wohltuend unterbrechen. Noch gar zu wenig ist auch die Iugendlektüre für die Weckung des religiösen Interesses verwertet morden. Und doch hinterlätzt oft eine gute Iugendschrift bleibendere Eindrücke als viele Unterrichtsstunden. Wie oft tritt uns noch in reiferen Jahren eine lebensvolle Gestalt, von gefchickter Künstlerhand entworfen und in einer jugendlichen Mußestunde von uns in Gedächtnis und Phantasie ausgenommen, wieder vor die Seele! Noch fehlt es sehr an guten jüdischen Iügendschriften — an schlechten haben wir keinen Mangel! — noch mehr aber fehlt es an Gelegenheit, die vorhandenen in die Hände der Jugend gelangen zu lassen. Es wird erst dann besser werden, wenn nach den Wünschen der Lehrerschaft mit der Gemeindcbibliothek eine selbständige Abteilung für Ittgcnölektnre verbunden und ein verständnisvoller Berater der Jugend mit ihrer Leitung betraut fein wird. Durch zahlreiche Ausleiheftellen in den verschiedenen Stadtteilen müßte dann eine möglichst weite Verbreitung dieser Iügendschriften erreicht werden. Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang der jüdische Jngendgottesdienst als eine Veranstaltung für die schulpflichtige Jugend bestimmt, nicht bloß, um das religiöse Interesse zu betätigen, sondern gleichzeitig auch, es zu wecken. Wie erklärt sich nun der spärliche Besuch des sabbatlichen Ingen dgottesdienstes, während doch sonst religiöse Symbole und Stätten der Andacht auf das empfängliche Kindesgernüt eine Anziehungskraft ausnben? Warum verhält sich die sonst so sangesfrohe Jugend während der Andachtsstundc rein passiv, statt in die bekannten Werfen einzustimmen? Mir scheinen die Gründe für die beklagenswerte Gleichgültigkeit der Jugend gegenüber einer Veranstaltung, die ihrem religiösen Bedürfnis dienen will, die folgenden zu sein: die Nachmittagszeit ist der Andacht weniger günstig als der Morgen oder Abend: die gähnende Leere eines nur von wenigen Menschen besuchten RiesenraumeS läßt eine intime Wirkung nicht anfkommen; der stereotype unkindliche Text der Gebete entspricht nicht dem Abwechslungsbedürfnis der Kinder: auch der Mangel jugendlicher W-eifen läßt eine frische Anteilnahme nicht aufkommen, und nicht immer trifft auch die Predigt — wir ich aus dem Munde der Jugend weiß — den kindlichen Ton. Eine gute Jugendprodigt wird immer nur eine Ausnahmeleistung sein. Sammlungen von Iugendpredigten sind deshalb äußerst selten. Wer dem Durchschnittsalter der schulpflichtigen Jugend verständlich sein will, darf nicht in Abstraktionen sprechen: wer jugendliche Herzen bewegen will, muß in häufigem Kontakt mit ihnen sein. Ein oder ein paar Midraschim machen aus einer Predigt noch keineJngendpreötgt. Das Wort Stormö gibt auch dem Iugendpredtger, dem Rabbiner wie dem Lehrer, zu denken: „Willst du für die Jugend schreiben, darfst du nicht für die Jugend schreiben." Es ist wahrhaftig höchste Zeit, an dem Jugendgottesdienst zu bessern, was zu bessern ist. mithin fast alles! Der Religionsunterricht hat seine wichtigste Ausgabe erfüllt, wenn er die jungen Seelen encpfünglich gemacht hat für alle religiösen Fragen, sie gewappnet hat gegen den Tod des religiösen Lebens, gegen den religiösen Iüdifferentismus und 'Nihilismus, rrud den Grundstein gelegt hat zu dem, was allein zur inneren Harmonie führen kam,. Die jüdische Gegenwart Der Reichsverband jüdischer Gemeinden kommt. Gemäß den Beschlüssen der Münchener Konferenz vom 3. Januar d. I. soll nunmehr die Kommission zur Begründung des Reichsverbandes zufammentreteu. Der Preußische Landesverband hat in seiner letzten Sitzung des Rates beschlossen. die Herren Kammergerichtsrat Wolff. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Inftizrat Lilienthal, Dr. Ismar Freund und Bruno Galewski in die Kommission zu entsenden. Außerdem ist eine entsprechende Anzahl von Stellvertretern bestiGnut und festgelegt worden, daß unter diesen auch ein Raboiner und ein Lehrer sich befinden sollen. Pom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund sind für die Kommission bestimmt die Herren Prof. Sobernheim. Rechtsanwalt Dr. Kollenscher und Geheimrat Goldfeld, Breslan. Die Delegierung der Kommissionsmitglieder seitens der übrigen Gemeindeverbände in Deutschland steh! bevor. Den Bayerischen Verband wird in erster Linie Oberlandesgerichtsrat Nenmeyer vertreten, lieber die Art des Zustandekommens des Reichsverbandes bestehen noch Differenzen. Während von einer Seite gewünscht wird, daß der Deutsch-Israelitische Gemeindebund nach Aendernng einiger Paragraphen der Statuten einfach Reichsverband wird, wird von anderer Seite, so insbesondere von den Vertretern des Preußischen Landesverbandes, einer Weiterentwicklung der Vorzug gegeben, die den Reichsverband als Dachverband der bestehenden Verbände entstehen lassen will. Der Tag des Zusammentritts der Reichskommission steht noch nicht fest. Die jüdischen Selbstmorde. I-ui Lvgentempel zu Berlin fand vor kurzem eine Kund« gebung der sieben Berliner Logen des Ordens Buer Brith gegen die Selbstmorde statt. Der Tempel war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Präsident der Iehnda Halevi-Loge. Dr. Fritz Kahn, führte ungefähr aus: Nicht auklagen können wir die Verzweifelten, denen ihre Gläubiger mehr sind als ihr Glaube, sondern sie beklagen. Aber wir klagen uns an. a, denn wir ließen im deutschen Vatcrlande ein entfudetes y Jnöe-sein auskommc». das Strauchelnden und Verzweifeln- " den keinen Halt zu bieten vermochte. Herr Dr. Kahn schloß; mit der Mahnung, alle Kräfte einzusetzen für die Hebung unseres Stamnres und den Opfern der Not und Verfolgung in allen Lebenslagen beizustehen. Während dieses feierlichen Gelübdes hatte sich die Versammlung von den Plätze« erhoben. Hierauf sprach der Großpräsident des deutschen Distrikts U. O.B.B. Rabbiner Dr. Baeck. „Beurteile und verurteile niemanden, ehe du nicht selber in seine Lage gekommen bist!", begann er. „Es kommt uns nicht zu, über unsere Mitmenschen und ihre Handlungen, deren Triebfedern wir nicht kennen, zu richten Um uns handelt es sich, nicht um die Toten." — Nach tiefen und gehaltvollen Ausführungen über die sittliche Persönlichkeit, die erst das Leben gestaltet, kam Herr Dr. Baeck zu dem folgenden Schlüsse: „Durch Dich selbst dem Leben Wert und Gehalt geben — das ist jüdisch." Oberregierungsrat Hans Goslar geißelte den Kastendünkel vieler Juden, die nicht bedenken, daß einer den anderen braucht, einer vom anderen lernen kann. Wir brauchen ein jüdisches Gegenstück zur Heilsarmee, damit niemand hilf- und ichntztos untcrzugehen braucht. Wir j müssen die Iugcndvereiue in den Dienst jüdischer Nächsteuliebe stellen Wir müssen unseren Kindern wieder Judentum Vorleben. Der Redner verlangte eine von allen indischen Organisationen gemeinsam geschaffene und getragene Kredithilse. Rechtsanwalt Tr. Ludwig Holländer machte seinerserts mehrere Vorschläge zur Behebung der zu Selbstmorden führenden Not. die zur Beratung und Ausführung entgegengenommen wurden. Vom Preußischen Landesverband. Nachdem der Rat sich mit dem Wunsche des Verband-» tages einverstanden erklärt hat. daß der Vorsibende des Verbandstages an den Sitzungen des RateS mit beratender Stimme teilnimmt, hat Herr Inftizrat Sonnenfeld fein Amt als Mitglied des Rates niedergelegt. An seine Stelle trat der aus der Vorschlagsliste nächste Bewerber, Herr Inftizrat Plonsker. Mit Rücksicht darauf, daß im.laufenden Jahr die Beitrage der Gemeinden nur für Jahr erhoben werden, außerdem infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse im weiten Ausmaße Reklamationen vorliegen, denen stattgsq-eben werben mutz, hat sich die Notwendigkeit ergeben, einen den verminderten Einnahmen angepaßten Ausgaben-Etat aufznstellen. In einer Reihe von Fällen haben die Gemeinden, insbesondere die Großgemeinden, im Laufe des Jahres unmittelbar Subventionen für Zwecke und Einrichtungen gewährt, deren Unterstützung an sich Sache des Landesverbandes ist. Es wurde beschlossen, den Gemeinden ank ihren Antraa diele Leistungen, soweit sie sich im Rahmen des Etats des Landesverbandes bewegen, auf ihre Beiträge an den Landesverband anzurechnen. Zu den Beschlüssen de^ Münchener Tagung in Sachen öeS Reichsverbandes wurde Stellung genommen. Es wurde beschlossen, den Ausschuß zu beschicken. Ter LandcSverband wird durch ö Mitglieder des engeren Rates vertreten sein. ES wurden des weiteren 7 Stellvertreter gewählt. Die gewählten Stellvertreter sollen das Recht haben, den Verhandlungen beizuwohnen, auch wenn die eigentlichen Mitglieder anwesend sind. Für die Bureau-Beamte» wurde eine wirtschaftliche Beihilfe nach Maßgabe der staatlich getroffenen Regelung bewilligt. Eine Reihe weiterer Fragen wurde vertagt.

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