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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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benüe Brücken?,it bauen, deren Konstruktion manchem Tech- "^cr.Lob eintrüge'? Mutz er nicht im Verkehr mit der luchtiudlschen Außenwelt, als maßgeblicher und beachteter Repräsentant bei Behörden, oft genug Entscheidungen im Augenblick treffen und bereit haben, von denen bas Wohl der Gemeinde oder Gesamtheit abhängt- Erst auS dieser Bereinigung des Beherrschtsein- und Beherrschenerwächst das, was wir jetzt den rabvinischen Standpunkt uennen wollen, und die hohe Ehrfurcht vor der Tradition de- Amt-- Vorgängers und der Gemeinde, die scheinbar auch ganz unbedeutende Nebensächlichkeiten im Kultu-, im Unterricht und m der ganzen amtlichen Betätigung respektiert und sich nicht im imnell bleichenden Glanze mitgebrachter und anderwärtvrellcicht gültiger Sitten erwärmt. Umgekehrt gilt es, die Sucht der Unverständigen, die nur noch das Neue lockt, zu zügeln und in der Kunst des Beharrens bis zur Grenze des Gewissens groß zn sein. i-x Thema „Rabbinische Schulung" zu einer stillen ^iskusiion gestellt für den Kreis derer, die darauf zu achtp« haben. Man beflügele die Leistung und die Liebe dieses Führerim Judentum und erinnere sich an die Beispiele von Ewigkeitswert, di« einst ganz Grohe im Liebesbund unserer Propheten und ihrer Schüler uns gegeben haben. Ein Mann, -er «ine unsichtbare Kartothek im Kopfe tragen mutz und in seiner Gemeinde oder seinem Bezirk jede Seele und jede Regung kennen soll, der gleich groß sein mutz im Schweigen, im Ret^n, im Verzichten, im Fordern. — ein Mann, der ständig Gelb aus dem Boden stampfen muß für Alte, Arme und Wandernde, braucht auch eine praktische Schulung, damit ihm da- Leven nicht zur Hölle werde und er noch in der geistigen Enge Sinn für die Größe der Aufgabe behalte. Ist der Rabbiner auch offiziell depossediert, so liegt doch bei ihm, wenn er die Praxis beherrscht, die Entscheidung, und ohne GesinnungSürahtzieherei wirer dahin wirken, daß die Meinung des Judentums in der Gemeinde den Sieg behalte. Dazu braucht er das Vorbild Erfahrener, und darum gebt ihm praktische Schulung, deren technische Ausgestaltung so leicht ist, daß hierüber kein Wort hinzugefügt zu werden braucht. Rosen um ihre Lippe»? Hatte Babylon- Verruchtheit diese steile Braue gezeichnet? Und sang nicht -a- Zweiströmeland die Melodien seiner Flüsse m ihrem Gang? Umwitterte nicht sie — die Tochter Israel- — zuweilen ein Hauch der Astarte, der man im Tal Gehenna frevle Kulte geweiht hatte? War da- Lächeln, das um ihre Lippen irren konnte, wenn sie die bösen Märchen der Menschen ersann oder des Leids gedachte, daihr von Menschen geschlagen worden, nicht da- Lächeln -egrausamen Götzenbildes selbst? Astarte und Moloch? Moloch Astarte? Und blühte nicht gleichzeitig hinwieder die biblische Sanftheit de- Oelbergs auf ihrem Scheitel? Ja, scheint nicht zuweilen über sie, die alle schmerzhafte Klugheit ihres Stammes geerbt und -och auch die heiße Sehnsucht, sich verlieren zu können an die gedankenlose Lust des Lebens, die anderer Völker Eigen ist. eine tvtliche Ermüdung über die Dichterin zu kommen, eine Ermüdung, aus der sie nur zurückbegehrt in die Heimat ihrer Seele und sich gerufen wähnt von der Mutter, der Fürstin unter den Städten: Jerusalem? Allein die späten Töchter derer, die in grauen Vorzeiten zu Jahwes Füßen gesessen, fahren vielleicht als schwefelnder Blitz herab, oder sie schießen wie ein vulkanisches Wunder auf. aber sie kennen das segnende Gleichmaß nicht, das der Erde Lauf verlangt. In der bewußt-unbewußten Erkenntnis, daß der Name Else Lasker-Schüler ein fremdes Kleid um dieses KönigSkind des Orients ist, hat sie selbst sich bald als „Prinz von Theben", bald als Tochter des „MLlik" (Melech) bezeichnet» hat ihr um sie wissender Freund Peter Hille sie „Tino von Bagdad" getauft. Nomina können Omina sein und sind eS im gegebenen Falle. Tino von Bagdad (vulgo Else Lasker-Schüler) trägt in ihrem Blut alle Mären, Legenden und Bilder von einfältigen Hirten, die unter Tamarisken und Terebinthen ihr Vieh zur Tränke führten. und von hosfärtigen Königen, deren Hoffart in den Adern ihrer Frauen und Töchter fortlebt: von frommen Scheichs und von grausamen Sultanen, die ihre Favoritinnen köpfen lassen, wenn der Tag heraus» dämmert über heißen, bis an den Rand mit Leben gefüllten Nächten. Don Zebaothknaben weiß sie und von Jehovaknechten, oder auch von bösen Prinzessinnen mit funkelnden Edelsteinaugen, die den Großwesir mit der seidenen Schnur schicken zu fremden Fürsiensöhncn. denen sie eine Stunde der Gunst gewähren, aber auch von Derwischen und Fakiren, von dem Emir von Afghanistan und türkischen Granden, von den Tauben Mohammeds und von schimmernden Kreuzfahrern: sie weiß um die frommen Muselmänner auS Mekka und Medüra. um die Leute anS Jemen und die Bewohner von Ninive: sie weiß um den Koran wie um Thora und Talmud . . . Sie. kennt den Zauber non Moscheen und Minaretts wie die kissenreiche Pracht der Serails. Kurz: mir sagten es schon: Kein Wunder und kein Wesen des Orients ist ihr fremd. Von allen weiß sie zu singen und sagen in jener üppigen, bilderreichen, ülütennmrankten. gleichnisstrotzenden Sprache, die des Ostens ureigenstes Geheimnis ist. Aber —^wohlverstanden — die kostbarsten Kleinodien aus der Schatzkammer ihrer Phantasie breitet sie doch nur einem?a- Füßen: ihre m Gotte Jahwe, diesem merkwürdigen, unergründlichen Gott, für dessen Einzigkeit und Bildlosigkeit die, die ihm dienen, zn Blutzeugen werden müssen. Und ihr rötestes Herzblut vergießt sie wollüstig doch nur, wenn ün ..Schmelzöfen des Elends" ein neues Leid erglüht für ihr Volk, das Volk, das wissend ist und gläubig zugleich. Hat Else Laster-Schüler schon in all ihren „Gesichten" und „Gedichten" und „Geschichten" (gleichviel, ob sie „Der Malik" oder der „Prinz von Theben" oder „Die Nächte der Tino von Bagdad" heißen mochten) die .zartesten und zärtlichsten Töne — wenn anders sie nicht zuweilen ihrer toten Mutter oder ihrem lebenden Sohne galten — für Jahve, ihres Volkes Gott, gesunden, so sind die „H e b r ä i s ch c n Balladen" und der „W u n d e r r a b b i n e r v o n Barcelona" überzeugende Eideshelfcr für die Erkenntnis, daß Else Lasker-Schüler, der noch heute, mit fünfzig Jahren, die Seelen aller Jungen. Naiven, Gläubigen znsliegen, weil sie mit dem Genie de§ Herzens die Sprachen der Kinder wie der Tiere versteht, mit Fug nicht allein die „Nachtigall des Ostens", sondern „der schwarze Schwan Israels" genannt zu werden verdient. ES gibt wenig singende Schwäne in Israel — darum Ehrfurcht und Liebe diesem, der sein Herzblut zur höheren Ehre Israels verschwenderisch einherrauschen läßt'. Der schwarze Schwan Israels. Eise Lasker-Schüler zum 50. Geburtstag. 11, Februar 1926. Bon Dori Der U.mcnnane Peter Hille, ein kerniger Sohn der toten Erde. dev. nicht allein sein wallendes Haar und flammender Bart, sondern vor allem die nach innen gekehrte Leuchtkraft des Auges wie einen Propheten oder Heiligen ans vergangenen Zeiten erscheinen ließ, Peter Hille, eines der fcftcitcn vagierevden Genies rein arischen Geblüts, hat die ihm befreundete, um mehr denn zwei Jahrzehnte jüngere jüdische Dichterin Elfe LaSker-Schüler den „schwarzen Schwan Israels" geheißen und sie gekennzeichnet als „eine Sa pp ho, der die Welt entzweigegangen ist": „die kindlich strahle, und doch urfiuster sei". Vielleicht war gerade das starke Volkstum des Westfalen befähigt, daS gegensätzlich geartete, aber nicht minder vehemente Volkstum der Fre'vndin in seinen letzten, subtilsten und sublimsten AnsstLuhinngen zu erspüren. In Else Lasker-Schüler und aus ihr fingen und klingen tnelidHintMnnia alle Zauber Harfen des Ostens. Ihre Seele ist daheim in den meisten hochgebauten Städten an blauen Gewäsftrn. in denen unter glutendem, gleißendem.Himmel farbige Mc.r-.chen königlich schreiten. Ihr Herz, ihr großes, brennendes, sich selbst verzehrendes Herz, schlägt den stürmischen Takt der Wüstenwinde. Ihre Nerven, arme, verschlagene Mittelmeer - nerven, die da unruhig flattern wie törichte Bögel, die sich verflogen habeu. erschauern unter den rauhen Lüften unserer nordischen, sonnenlosen Zone. (Darum wird sie auch immer verirrt bleiben in einem Lande, das der Sonne, der großen schenkenden Liebe des Himmels entbehrt: sie. selbst eine ewig Schenkende. Liebend:, die jedoch — trotz Verehrung und Leidenschaften, die von ihr entfacht werden mögen — niemals lieb genug gehabt wird.) Ihr Blut aber ist. müde und schwer und lastend von den verbrannten Jahrtausenden. — glühende Lava von Menschheitsgipfeln bernsederaeslossen — durch die eS geschritten ist und deren Leid und Wissen es gierig, unersättlich in sich getrunken, in sich ausgesogcn hat. zn wilden, heißen, glutroten Räuschen, denen dann die große Leere und Erschöpfung folgte. Doch dieses Blutes Gedächtnis ist zäh und eifersüchtig hütet cs alle Erfahr", mgen der Menschheit, insbesondere den Schmerz, der ihres Stammes Mitgift und Erbteil. Gnade und Fluch umschließt. Else Laster-Schüler ist die Dichter in Judas. Gewiß. Und ihre süßesten Lieder, die so tönen, als müßten sie ihr schier die Brm't zerreißen., gelten immer dem Volk „vom heiligen Samen" Aber Else Lasker-Schüler ist mehr als nur die Dich' 1erin Judas Eine neue Scheherazade, dichtet ans ihr mit zwingenden Gewalten, der ganze Orient. O.ueÜ und Hochsitz des Lebens und des Lichtes. Wie sie menschlich bald hilfloses Kind, bald tollenden Knaben, bald eitel Mütterlichkeit, Allerbarmerin und Trost schlechthin verkörpert, so 'vielfältig ist auch ihr musisches Angesicht, ihr ichöpserischeS Werk und Wirken. Wenn sie als Dichterin über die blühenden. Wiesen ihrer nnerforschlichen, lischt mit dem Senkblei alltäglicher Kritik iruszulotenden Wittncr. Phantasie dahinwandelt, so trägt sie. alle Mörchenkronen der Länder, die gen Sonnenaufgang oder gar um den MittagSgürtcl der Erde gelagert sind. Die bleiche Frau mit dem dunklen Pagenkopf kann wirken wie eine Lilie, ein Hauch, vom Berge Thabor herabg-eweht. Unwirklich (manchmal), wie von Mondenglanz und Höhenwind gezeugt scheint sie dann, diese Frau mit den feinen von den Runen des GcisteS gezeichneten Wangen. Haar und Augen in die Farben der Nacht getaucht. Und man vermöchte sie sich — statt in einer nüchternen Berliner Pension — viel eher an einer morgenländischen Zisterne vorzustellen, häusliches Werk schaffend, dieweil auf ihrer Stirn die Traume Rebekkas und Rahels. der Bräute Isaaks und Jakobs, schlummern. Und wenn sie zu reden anhebt, vielleicht zufällig Dcrsc improvisiert oder zitiert, wähnt man. daß sich die Süßigkeit des Flötentvnes, womit der Knabe David den greisen König Saul bezwungen, in die Kehle der spätgeborenen Enkelin geflüchtet habe, oder aber, daß Kithara und Theorbe in dieser Stimme frohlocken, einer Stimme, die wie aus weiter Ferne herzukommen scheint, als schritte sie von den Weinbergen des gelobten Landes hernieder und trüge die heiße Trunkenheit der Rebe in sich. Und jählings versteht man: hier ist die letzte und feinste Blüte einer Rasse, über die dereinst mit der Gemalt des Wirbelsturmes feindliche Völker dahingesahren sind. Assnrer und Aegvpter. Perser und Meder. Syrer und Mazedonier hatten ihre Sitten und Gebräuche. Lüste und Entartungen iu das Land zwischen Libanon und Karmel getragen. Und jedes dieser Völker hatte in Urzeiten der bildsamen Volksseele einen Eindruck Hintersassen, der durch Generationen verborgen und vergessen bleiben mochte, um plötzlich — nach Jahrtausenden — in einem fernen Geschlecht zu neuem Leben zu erwachen. Während die Männer Judas — nach der Rückkehr aus Aegyvten und vor der Eroberung des heiligen Landes durch Rom, dessen slavische Dynastie das Gotteshaus auf dem Hügel Moria schleifte. — zwischen Kampf und Krieg zusammen,geschweißt wurden zu der starren Einheit. , die das sinaitische Zehnwort hütete, vlieb es dem Frauentum Vorbehalten, das Gesäß zn bilden, darin die fremden Einflüsse^sich sammelten. Während die Jünglinge Israels zu den Füßen der Schrrstgelehrteu saßen und cs lernten, die Buchstaben der Propheten zu erforschen und ansznlegen, während Greise das deuteronomische Gesetz verkündeten, träumten seine Frauen schwüle und verworrene Träume, in denen de;- Flugsand der Wüste wirbelte und das Märchen, das bunte, grausame, Üluftüsterne Märchen des Ostens seine betörenden Weisen sang, llnd dank dem Gesetz des Ata« vismnö haben all diese Einflüsse, die vor Jahrtausenden um die Seele eines .Volkes rangen, sich inkarniert in einer Tochter unserer Tage, in der aus dem deutschen Wuppertal, aus der rußigen Arbeitsstadt Elberfeld gebürtigen Eise Lasker-Schüler. Elie Schüler ans Elberfeld? Nonsens! Wo kommt, wo kam Else her? Glühten nicht Persiens sch ein bar unnützen achtzig Jahre darzubrmgen, sich mit dem Sterbehemd pol leiden läßt und die Thora zur Hand nimmt, um den Opsirgang zu schreiten, da springt ihm der Fremde zuvor, stößt ihn zurück und unter wüsten Schmähungen gegen -den Rabbi und die Gemeinde bringt er sich selbst zum Opfer mit dem Ruse zum Herrn: ..Gott, allmächtiger Gott, ich schreie zu Dir: sage mich nicht mehr. jage, jage mich nicht mehr, blase, blase, die Jagd ist ans!" Und also ist wieder einmal e'n irrender, verirrter Mensch zum Blutzeuge!: geworden für den unsichtbaren Gott des Volkes Israel. Der Rabbj aber, che er seine Gemeinde sitm Gebet vermahnt, spricht: „Kinder, meine Kinder! Habt Ihr den Erlöser gesehen? Ter Erlöser mar bei uns und wir staben es nicht gemußt." Alle Probleme des Glaubens. des Zweifels, des Berzweiselns und des Ringens um und mit Gott sind eingefangen in dieser leidenschaftlichen und doch form edlen Dichtung, der vielleicht erst die Bühne zu ihrer letzten Wirkung verhelfen wird. Immerhin: auch das Buchdrama gehört zu jenen Schriften, die von Gläubigen wie Ungläubigen, von orthodoxen wie getauften Juden gelesen werden sollte um des göttlichen Funkens willen, der aus ihm emporschlägt und zur lodernden, alles verzehrenden Flamme wird Es ist darum erfreulich, daß das Buch durch seine Preislage (2.40 Mark für das broschierte. 3 Mark für das gebundene Exemplar) einer breiten Menge zugänglich gemacht wird, und daß der Verlag überdies eine besondere Ausgabe in jiddischer Sprache veranstaltet hat (deren broschiertes Exemplar 2,80 Mark, das gebundene 4 Mark kostet). Es ist eine jener sehr seltenen religiösen Dichtungen, die den Gläubigen wie den Ungläubigen durch die Wucht ihrer Lebenswahrheit und die Bitterkeit menschlichen Schicksales in ihren Bann zwingen Gott wohnt in dem Werk, aber neben Gott auch sein noch so verpfuschtes Ebenbild, der Mensch. Eben darum sollte es von vielen Menschen, die Gott suchen, gelesen werden. Auf eurer alljüdischen Hochzeit. Von W i l h. W ö l k e r l i n g. In dem Hause des begüterten Großhändlers Mairasse in Jesreel herrschte eitel Freude und Wonne. Denn die einzige Tochter wollte Hochzeit feiern mit dem ältesten Sohne des wohlhabenden Ephraim, der in der reichgesegneten Fruchtebene dicht bei der Stadt ausgedehnte Weinberge und Olivenhaine besaß und bei den benachbarten Grenzvölkern ore Erzeugnisse seiner Ländereien gegen assyrische und versuche Waren tauschte. Gern war er dem Wunsche feines Sohnes nachgekommen, bei dem befreundeten Manasse um ore Braut zu werben, welcher Brauch allgemein üblich war. Bereitwilligst gaben die Eltern der Äu-erkorenen ihre Zummmung zu der ehelichen Verbindung ihre- Kindes, und Maniaucließ es sich nicht nehmen. auS freiem Großmute ern prächtiges Landhaus als HeiratSgut mit-ugeben. Bald ergingen auch die Einladungen zu der Feier an die Verwandtschaft. Freunde und Bekannten. Im Hoch.zeits hause sorgte man rechtzeitig für eure reiche Bemirtuna der zahlreichen Gäste, was aber bei dem großen Viehbestände und den bedcu.enden Weinvorräten des Gastgebers gar keine Schmierigkeiten machte. Selbst an Früchten, wie Weintrauben. Granatäpfeln. Feigen. Datteln. Mandeln. Rosinen, Pistazien war kein Mangel, und der Hausgartcn bot eine reichhaltige Auswahl an Kohl. Bohnen. Gurken. Melonen. Zwiebeln. Knoblauch, Senf. Koriander und verschiedenen würzigen Kräutern. So mar alles ',«’*« Empfange der Gäste bereit, die noch einmal kurz vor dem Feste durch besondere Diener gebeten wurden, zu der festgesetzten Stunde erscheinen zn wollen. Der Bräutigam hatte es bei seiner Kleiduna an nichts fehlen lassen, lieber dem blütenweißen Hemde trug er den geblümten Leibrock, den ein kostbarer Gürtel mit glänzendem Schmucke zusammenhielt. Uc.ber den erstercn war eine kurze, reichbestickte Jacke gezogen. Besonders prächtig nahm sich der seidene, nur lose übergehängte Mantel aus. der bis an die Knöchel reichte, so daß nur die Füße mit den durch Riemen befestigten Schnürsohlen zu sehen waren. An der Hand prangte ein großer Ftngerrcif, während auf der Brust an langer Schnur der wichtige Siegelring glänzte. Den Kops aber schmückte ein faltenreicher, heller Ähal und bedeckte wie ein Turban das frisierte, gesalbte Haar vollständig. Und nun erst die Braut! lieber den langen Gewändern ans den teuersten Stoffen mit talarartigen Aermeln. breitete sich der große, nach vorn und hinten bis auf die Füße fallende Schleier, io daß von der ganzen Herrlichkeit fast irichis zu sehen war. Die Fußknöchel und Arme aber waren geschmückt mit Ringen. Spangen und Bändern aus Gold oder Silber, und die Stirn zierte ein besonders wertvolles Geschmeide Die Gäste kamen natürlich ebenfalls in vornehmster Klei, düng. Die Türhüter öffneten iimen die Pforte mit einem frommen Gruße, den diese in gleichem Sinne erwiderten, und führten sie in den Borsaal. Hier empfing der Hausvater die Eintretenden mit einer umständlichen Begrüßung, bei der nicht nur Mund. Wange und Stirn, sondern auch Bart und Schulter geküßt wurde. Dann brachte man ihnen in einem besonderen Raum Wasser zum Waschen der bereits von den Sandalen befreiten Füße. Mit -ieser Sitte wurde nicht nur eine gesetzliche Vorschrift erfüllt, sie war auch bei den staubigen Straßen ein Gebot der Notwendigkeit. Nach dieser zeitraubenden Vorbereitung konnten die Gäste endlich die festlichen Räume betreten und das Brautpaar beglückwünschen. Von einer religiösen Feier berichtet undie Schrift nichts, weil eine solche das Gesetz unbeachtet ließ: doch ist wohl anzunehmen, baß des Priesters Mund den Sogen des Höchsten für die Neuvermählten erflehte. Die Hauptsache war das Festmahl. Jedem Gaste wurde ein Platz angewiesen. Für eine besonder Ehre galt es, oben am Tische zn sitzen, wofür der Verwandtschaftsgrad, die Abstammung oder Rang« stcllung den Ausschlag gab. Tel- HauSvater brach nach dem Eingangsgebet das Brot, welches erst am Morgen von den dienenden Mägden gebacken war. Dann ließen sich alle an der reichlich gedeckten Tafel aus dem weichen Polster nieder, wobei sie sich aus den linken Arm stützten, während die rechte Hand zum Esten frei blieb. Messer und Gabeln kannte man bei dem Mahle nicht. Diener reichten das schon in.der Küche zu Bissen geschnittene Fleisch nur flachen Schüsseln herum, und jeder nahm nach seinem Belieben. Die Tunke befand sich in besonderen Behältern, iu welche die Speisenden das Brot gemeinsam tauchten. Würzige Kräuter bildeten eine geschätzte Zuspeise. Auch Gemüse bot man in großen Mengen an: doch mutz zn seinem Genüsse wohl ein? besondere Geschicklichkeit gehört hoben, um es mit dem Brote schnell in den Mund zu führen. Auch der Armen und Bettler wurde gedacht, welchen die Speisenden die Knochen oder Reste zuwarfen: doch machten ihnen die herumstreichenden herrenlosen Hunde dieselben oft streitig.?lm beguemsten gestaltete sich daS Esten der herrlichen saftigen Früchte, wie sie denn auch den größten Teil des Mahles ausmachten. Selbstverständlich trank man auch Wein der edelsten Sorten: denn Manasse hielt auf einen guten Tropfen. Tie Damen sprachen dem süßen, feurigen Cypernmein zu, den sie sich sedoch aus Vorsicht mit Wasser verdünnten. Als alle reichlich gesättigt waren, sprach der HochzcitSvater das Dankgebet und hob damit die Tafel auf. Es folgte nun die Reinigung der Hände und des MnndeS iu bereitstehenden Wasterkrügen und daS A'btrocknen mit dem eigenen Leinentuch, was natürlich je nach Bedarf auch schon bet dem Esten geschah. Wenn bereits während des Mahles allgemeine Fröhlichkeit herrschte, so erreichte diese doch für die Folge ihren Höhepunkt. Man trank einander zu, plauderte in vertraulicher Weise, knüpfte neue Bekanntschaften, frischte alte wieder auf. erzählte interessante Geschichten und trieb allerlei »Kurzweil. Jeder vergnügte sich eben auf die ihm zusagende Weise. Damit der Magen nicht zu kurz kam, wurden im weiteren Verlaufe wieder Früchte angcboterr. Kuchen aller möglichen Art in vorzüglicher Güte herumgercicht. welchen die Hausfrauen nicht genug loben konnten. So vergingen die fröhlichen Stunden gar schnell. Die Dämmerung brach an, und überall flammten die bereitgestellten Fackeln auf. Der Festesiubel schien nun erst recht anzusangen. Die Jugend hakte es sich nicht nehmen lassen, auch ihrerseits zur allgemeinen Belustigung beizutragen. Trompeten. Tamburins und Pauken erschollen, und jung« Mädchen führten in gewandten Schritten allerliebste Reigen auf. Ihnen folgten Einzel- und Gruppentänze, und alle Zuschauer klatschten für diese Darbietungen Beifall. DaS war ein Leben und Treiben, wie es Jesreel lange nicht gesehen hatte, und allgemein bedauerte man. daß die vorgerückte nächtliche Stunde zmn Aufbruch mahnte. Zum Schluß versammelten sich die Freundinnen und ehemaligen Gespielinnen der jungen Frau, um diese im feierlichen Zuge in ihr neues Heim zu gelegen.

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