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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-22 · 4 (22.1.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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O 2e 6. Jahrgang Nummer 4 IMchÄemkZeitmg BeUage 22. Januar 1926 SSSSSSVVSSSSR t Renaissance? Man sollte mit dem Wort Renaissance nicht leichtfertig umgehen. Als Jude besonders nicht. Angeborene Neigung, sich rasch einer hochgehenden Woge geistiger Strömung an- Auvertrauen, verleitet zu dem Wahn, es müsse im Meer des Werdens ein Neues entstehen, das Wachstum und Dauer habe. Hat dann das Gewoge sein Ungestüm verloren, plätschern die Wellen wieder friedsam dahin, dann ist's mit dem Drana nach vorwärts vorbei, und die Schwimmer verlassen das Meer, nm träge im Sand dahinzurotten, Vor etwa zwei Jahrzehnten haben mir eine derartige „Renaissance" milerlebt. Es mar die Zeit, als die Jugend sich in Vereinen sammelte und in prächtigem Ansturm eine beachtenswerte Höhe erklomm. Mit allen uns geläufigen modernen Methoden intensiver Bearbeitung gingen die Führer ans Werk. Vorträge aus allen Gebieten jüdischen Willens wurden in bunter Folge gehalten, in Kursen jeglicher Art suchte man Inngens und Mädels mit jüdischem Geist zu erfüllen. Daneben ward geturnt und Sport betrieben. und wäre die Quantität des Gebotenen ausschlaggebend für den Erfolg gewesen, fürwahr, ein Geschlecht von hohem jüdischen Wert hätte heranwachsen müssen. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, der Weltkrieg allein habe das Werk der Jugendbewegung zerstört. Schon eine Weile vor seinem Ausbruch machten sich Niedergangserscheinungen bemerkbar. Die jungen Führer. Persönlichkeiten von Rang, die eine starke Gefolgschaft hinter sich geschart hatten, waren ins Berufsleben übcrgetreten und vermochten trotz des guten Willens nicht mehr, ihre Kraft in den Dienst der Sache zu stellen. Gleichwertiger Nachwuchs war kaum vorhanden, und io fand die Kriegszeit keinen starken Widerstand vor. Sie liest denn auch nichts von dem vielvecheißenden Werk übrig als den Namen. Es ist nützlich, den Gründen, des Niedergangs nachzuspüren. weil wir heute wiederum eine Periode scheinbaren Aufstiegs durchleben, dessen Bedeutung wir um so besser ermessen können, je nüchterner wir, geschult durch das Studium der Vergangenheit, an die Beurteilung der Gegenwart herantretcn. Was damals den vielen Vereinen zustrebte. das war eine Jugend, die im Elternhause vielfach recht wenig von jüdischer Atmosphäre cingeatmet hatte. Mit Gleichgültigkeit, wenn nicht gar mit Abneigung gegen alles Jüdische behaftet, gingen viele Knaben und Mädchen durch die Schule, und auch der Religionsunterricht vermochte nicht eine Wendung zum Besseren herbeizulühren. Selbst wenn er. was stier nicht untersucht werden soll, von hoher Qualität gewesen wäre, er hätte den Boden nicht vorgesunden, ans dem eine noch so sorgfältig ausaestrcute Saat hätte gedeihen können. So fehlte denn der Jugend die Verbundenheit mit altem Erbgut: sie iah sich einer fremden Welt gegenüber, in deren Sinn und Wert sie sich einzulcben versuchte. Frohe Geselligkeit lockte auch die Elemente an. die keine ernsthaften geistigen Strebungen verspürten und so wogte cs bald in emsiger Betriebsamkeit im jungjüdischen Lager. Indes der Bewegung fehlte ein Element, das ihr hätte Däner verleihen können: das war die Tradition Im Bereich altererbrer Formen ist gleichmäßig pulsierendes Leben möglich, auch wenn im Auf und Ab der geschichtlichen Entwickelung die Seiuskurvc einmal tielverlaufende Stellen zeigt. Mag immer einer Periode der Spannung eine solche der Entspannung folgen, mag Sturm und Drang naturnotwendig mit Stille wechseln, wer sich getragen weist vom Geist der Vergangenheit, der durchlebt auch Zeiten des Tiefstandes, ohne Untergang befürchten zu müssen. Zn dieser naturgegebenen Abstiegdisposition gesellte sich eine Arbeitsmethode. die das Charakteristikum auch der gegenwärtigen jüdischen „Renaissance" ist: und die n. E. eine ernste Gefahr für deren Dauer bildet. Man überschüttete die Menschen mit einer ungeheuren Fülle von Vorträacn und Kursen und liest ihnen keine Zeit zu ernster selbständiger Arbeit. Eine ungesunde Ilebecsüttcrung mit fertigen Wissensmasien kam der Schnellebiakeit des Zeitalters entgegen und verhinderte die gediegene Aneignung daheim in der Stndicrstnbe. Die Reaktion blieb nicht aus: die Ideen, die man in die Herzen pflanzen wollte, verwuchsen nicht organisch mit den anderen seelischen Komplexen. weil nicht ernsthaft nm ihren Besitz gerunaen wurde, und nach kurzer Frist fiel das gar zu leicht Erworbene ab wie das Laub im Herbst. Es soll stier keineswegs der Wert von Borträgen und Kursen verkannt werden. Als Mittel. Anregung zu ernsthafter Bcschäftianng mit den Problemen zu acben sind sie unentbehrlich. Bedenklich ist nur die Uebcrsütternng. die auch gegenwärtig vorwaltet und die gar leicht das Interesse abtötet. In einer ungeahnten Fülle treten Organisationen werbend an uns heran. Jeder- Tag wirst uns neue Programme ans den Tisch die wertvolle geistige Bereicherung verheißen. Und wollte man alles in sich aufnehmen, die Zeit reichte nicht hin um auch nur einigermahen die Gedankenmassen zu verarbeiten. Ohne Zweifel ist dieser Eifer herausgeboren ans dem Empfinden, es sei höchste Zeit, sich ans die Güter, die das Judentum in sich birgt. zu besinnen und dem Zustand der Gleichgültigkeit ein Ende zu bereiten. Ganz gewist auch macht sich, in breiter Welle dahinflutend, ein reges jüdisches Leben bemerkbar. Aber es darf doch die Gefahr nicht verkannt werden, die ein Zuviel und ein Znleicht in sich bergen. Dauernde innere Teilnahme ist nur dann zu erwarten, wenn jeder einzelne selbständig an die Quellen jüdischen Geisteslebens sterantriti. wenn Vortrags- und Kursebesuch ergänzend einhergehen neben intensiver Durchdringung der häuslichen Arbeit mit jüdischem Geiste, wenn die jüdische Familie erst wieder das sein wird was sie in der Vergangenheit mar: eine Gemeinschaft, in der die Beschäftigung mit jüdischen Dingen und das Erleben jüdischer Werte unentbehrliches Element des Daseins war. Damit rühren wir an die vornehmste Aufgabe der Zukunft. Elternhaus und Schule stesten vor der ernsten Frage, wie sie gemeinsam den Boden bereiten wollen, auf dem jüdische Kultur in edelm Sinne erblühen kann. Und namentlich das liberale Judentum wird mit Kraft und Weitblick an die Arbeit gehen müssen, wenn es wirklich Halt und Stütze bleiben will all den Massen, die den Weg zu anderen Formen des jüdischen Seins nicht einschlagen wollen und nicht einschlagen fönnett.*) Dr. S. Br. *) Ein zweiter Artikel wird demnächst Vorschläge zu positiver Arbeit der Lesecschaft unterbreiten. Die Red. Minuten Stromanschluß gebrauchsfertig Verbrauch gleich Nult. . Gegen Einsendung vo i M. 15.- oder Nachnahme direkt durch: EBICB BUBBEB6, BerUnSWSV Gltftchlnor Strafte 107 » Vom Kampf des Liberalismus in England. Der Rat Ser Union für religiös-liberales Judentum in England hat soeben eine Erklärung veröffentlicht, die Aeutzerungen des britischen Reichörabbiners. Dr. Hertz, in einem Bortraa über liberales Judentum zum Gegenstände hat und in erfreulicher Weise orthodoxe Anmastuna zurückweist. In der Erklärung heißt es. Dr. Hertz habe einige der Lehren und Hebungen des liberalen Judentums nicht richtig dargestellt. So hat Dr. Hertz aesagt. die Prediger d-eS Liberalismus seien gegen den Beschneidungsakt und für Aufhebung des Sabbat und einiger Feiertage. Eine offizielle Berlantbarung der Liberalen Synagoge vom Jahre 1013 besagt aber ausdrücklich: «Das liberale Judentum unterstreicht di^> Notwendigkeit der Beobachtung von Sabbat. Versöhnungstag, Rosch-Haschonoh, Passah. Schewuoth. Sukkoth und anderen Feiertagen, als den Heiligen Tagen unserer Religion, sowohl im eigenen Heim, als in den Synagogen." Die Zentralkonferenz der amerikanischen liberalen Rabbiner hat die gleichen Erklärungen abgegeben. Es ist demnach nicht richtig, wenn behauptet wird, öah die meisten liberalen Führer die Verlegung des Sabbat auf den Sonntag betreiben. Wir wollen uns aber nicht der Tatsache verschließen, daß eine große Anzahl Juden an den Sonnabenden arbeiten muß: die Liberale Snnagoge bat demgemäß für Sonntagmorgen Gottesdienste.eingerichtet. Dies ist auch der Fall in Amerika. Es sind aber Wochentagsgottesdienste, die den Sabbatgottesdienst nicht ersetzen. Was das Beschneidungsritual betrifft, so fordern wir ein solches für die Kinder iüdischer Eltern, halten aber dasselbe bei erwachsenen Proi'elyten nicht für unerläßlich. Wir achten diesen Ritus gleich den Orthodoxen und haben für denselben in unserem Gebetbuch einen speziellen Dienst vorgeschrieben. Unser Verhältnis zur Bibel ist das folgende: Wir anerkennen ihre göttliche Inspiration in vielen, aber nicht in allen Teilen, Wir akzeptieren nicht den Buchstaben-Glauben mancher Erzählungen der Bibel. Wenn Dr. Hertz meint, daß liberales Judentum zum Christentum führt, so ist das seine persönliche Meinung, die keineswegs in der Geschichte des liberalen Judentums begründet ist. Es stimmt auch nicht seine Behauptung, daß eine Anzahl liberaler Rabbiner zum Christentum übergetreten ist. Von 250 liberalen Rabbinern. Absolventen des Hcbrcw Union College, des Erziehungsinstituts für liberale Rabbiner in Amerika, sollen zwei — auch das steht nicht fest — zum Christentum übergetreten sein. Was die christlich-jüdische Konferenz zur Befestigung des Glaubens betrifft, so sehen wir nichts Arges darin, gemeinsam mit unseren christlichen Nachbarn gegen Skeptiker und Materialisten und für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Dr. Hertz war selbst Mitglied des Rates der Liga der Religionen. dessen Vorsitzender Bischof Kensington war. Zum Schluß wird ans den folgendett Lehrsatz der Liberalen Synaaoac verwiesen: „Das liberale Judentum betont seinen Glauben an Gott, es glaubt an eine unmittelbare Beziehung zwischen Gott und Mensch, es lehrt die Pflicht, I Gott durch Redlichkeit. Liebe und mit frommem Sinn zu! dienen: es inspiriert die Hoffnung auf die Unsterblichkeit. ES hegt die Ueberzeugung. daß die jüdische Brüderschaft ein religiöses Werk zu vollziehen hat, die Kenntnis von der Wesenheit des Judentums zu verbreiten. Ein jüdisches Buchinst lut in Florenz. Auf Initiative des Komitees der letzten internationalen BuchauSstelluna in Florenz wurde beschlossen, ein Internationales Duchinstitut zu gründen. Präsident des Instituts ist Dr. Bcmpcrad. Inhaber des bedeutendsten italienischen Bnchvcrlages und Ritter der Ehrenlegion, ein Jude. Das Institut wird eine jüdische Abteilung haben. Von der russischen Kolonisation. Die Regierung der Sowjet-Union hat soeben beschlossen, im Distrikt Saalsk 150 000 Desjatin Land für die jüdische Kolonisation zur Verfügung zu stellen. Der Plan einer jüdischen Siedlung im Distrikt Saalsk wurde im November vorigen Jahres in einer gemeinsamen Konferenz der Comzct (Negierungskommission für jüdische Lanöansieölung) und Ozct (Unparteiische Kommission für jüdische Landansiedlnng) erörtert. Es wurde beschlossen, in diesem Distrikt 5000 jüdische Familien anzusiedeln. Die von der Negierung nach diesem Distrikt entsandte Landuntersuchungskomlnission wurde von der Ozet gebeten, den für eine jüdische Ansieölnng in Betracht kommenden Boden genau auf seine Anbaufähigkeit hin zu untersuchen. Die Kommission, die im Dezember 1025 zurückgekehrt war, erstattete der Ozct Bericht, aus dem hervorgeht, daß der in Betracht kommende Boden zum großen Teil aus guter „schwarzer Erde" besteht und sich zu einem Teil für Ackerbau, zum anderen Teil für Weide vorzüglich eignet Die Lage dieser Landstrccke in den Tälern des Saälflusses erleichtert die Bewässerung auch in Perioden der Dürre, insbesondere wird an Brunnen kein Mangel sein. Der blaue Vogel Nach dreiiähriger Abwesenheit hat das russisch-deutsche .Kleinkunsttheater wieder für kurze Zeit seine Pforten in Berlin geöffnet, diesmal im Lustspielhaus. Mit Freude und echtem Genuß sieht man das wahrhaft künstlerische, originelle Spiel der farbenfrohen, springenden und singenden Schauspieler und die lustige Art des in gebrochenem Deutsch witzig konferierenden Direktors Jushny an sich vorübcrziehen. Unter den verschiedenen Bildern, die russisches Volksleben in seiner großen Tnrcnsüllc charakterisieren, erschien auch eines mit jüdischem Motiv. „Die ewige Frage", die Behandlung des alten iüdischcn Volksliedes, verbunden mit dem andern Volkslicde: ,.Was wird sein, wenn Messias wird kommen?" Das Szcncnbild. stilecht und geschmackvoll in der Farbe, von N. Brodskaja aeschassen. stellt eine niedere Gcbetstube in irgendeinem Städtchen Rußlands dar. Ueber die heiligen Bücher gebenat. sitzen der Lehrer mit grauem Bart und der Schüler mit Schläienlocken und Käppchen. Da schweifen ihre Gedanken für einen Augenblick hinweg von ihren Studien, aber immer noch von der Kasuistik gefangen gehalten, meditiert der Alte psalmoüierend über die „ewige Frage". Stellt die Welt eine alte, für sie immer neue Frage, so ist die Antwort entweder so oder anders, und es bleibt doch wieder die alte Frage. Fast sophistisch spitzfindig zweifelt er an der Lösung jeglicher Frage, denn wer sagt uns. daß die Lösung, die wir aus eine Frage finden, die richtige sei? So bleiben alle Probleme ungelöst. — Auch der Schüler, von seinem Studium abgelenkt, geht seinen Gedanken nach. „Sag doch, Rebeniu. was wird sein, wenn Messias wird kommen?" i Es ist die ewige Sehnsucht der Juden nach Befreiung. Dieses Lied zeigte io recht das Bolksliedhafte in seiner äußeren Form, der Form eines Frage- und AntwortdialogeS mit als Duett gesungenem Kehrreim, der. die Aufzähluna des Inhalts der vorigen Strophen und der neuen dazu, immer größer wird. Die beiden Künstler verstanden eS, den Ton. der diese Volkslieder zu einem Bühnenstück werden ließ, richtig zu treffen, fo daß die Schönheit der Lieder auch Nichtjuden erst recht zum Bewußtsein kam. Die schlichte Darstellung und die musikalisch und stimmlich hervorragende Leistuna machte die Nummer zu einer der eindrucksvollsten des ganzen Programms. Rahel Lipschütz. Aus den Gemeinden * GAS) Berlin. (Repräsentantensitzung). Am 14. Januar fand eine Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde statt, die eine außerordentlich umfangreiche Tagesordnung aufwies. Eingangs wurde seitens der liberalen Fraktion gegen die konservativ-zionistisch gefärbte Wiedergabe des Verlaufes der Repräsentantensitzungen im Gemeindeblatt Beschwerde geführt. Hoffentlich wird das Gemeindeblatt in Zukunft seinen neutralen, amtlichen Charakter wahren. Zur Prüfung der Frage, ob die Zahl der Repräsentanten bereits bei der demnächst stattfnvdenden Wahl vergrößert werden soll oder erst anläßlich der kommenden Statutenänderung, wurde eine gemeinsame Kommission vom Vorstand und Repräsentantenkollegium eingesetzt. Das Präsidium der Repräsentantenversammlung wurde bis zur Neuwahl der Repräsentantenversammlung einstimmig wiedergewählt. Für den Gemeindevorstand wurde Herr Justizrat Mackower wiedergewählt, an Stelle des hoffentlich nur vorübergehend aus ge schiede neu Vorstandsmitgliedes Moritz Rosenthal wurde Herr Obermagistcatsrat Profeffor Dr. Seligmann gewählt. Ferner wurde beschlossen, in den Synagogen Levetzowstraße und Fasanenstraße den zweiten Gottesdienst am Freitagabend abzuhalten. Der Gottesdienst wird bis zunr 29. Januar um H7 Uhr beginnen, von da ab bis zum 19. Februar ist mit Rücksicht auf den Zeitpunkt des ersten Gottesdienstes der Beginn auf 7 Uhr festgesetzt. Einen breiten Rahmen in den Erörterungen nahm die Frage der Gemeindesteuern für das Jahr 1026 in Anspruch. Seitens des Vorstandes wurde mitgeteilt. daß die endgültige Festsetzung der Gemeindesteuer für das Berwaltungsjahr Januar/Dezember 1926 zur Zeit noch nicht möglich ist. weil die Veranlagung zur ReichKeinkommensteuer 1925 bisher nicht üucchgeführt wurde. Demgemäß beschloß der Gemeindevorstand. als Gemeindesteuer für die Vierteljahre Januar bis März und April/Juni 1926 zunächst je ein Viertel der Gemeindesteuer des Jahres 1925 weiter zu erheben. Diese Steuern sollen auf die endgültigen Gemeindesteuern 1926 angerechnct werden. In Anbetracht dessen, daß für einen großen Teil der Gcmeindemitglieder die Steuer 1925 bereits die Grenze des Möglichen erreichte, soll von einer Erhöhuna der Steuer 1925 vorläufig abgesehen werden. Ein Antrag, dem liberalen Synagogenverein Norden einen weiteren Zuschuß für das Jahr 1925 in Höhe von 1195.— M. zur Decknna des Defizits zu bewilligen, wurde angenommen. Eine längere Debatte knüpfte sich an einen Dringlichkeitsantrag, den Gemeindevorstand zu ersuchen, angesichts der zunehmenden Arbeitslosigkeit und der einsetzenden Kälte sofort die nötigen Mafmahmen zu ergreifen, um die nicht mehr ausreichenden Räume des Unterkunftsheims in der Wicsenstraße durch Hinzumietuna neuer geeigneter RänMlichkeiten oder durch zur Verfügungstellnng von GemeinM» raumlichkeiten in ausreichender Werse zu ergänzen, dämit nicht, wie jetzt, eine erhebliche und täglich wachsende Anzahl jüdischer Arbeitsloser gezwungen ist. im Freien zu nächtigen. Dieser Antrag, der bereits von der Volkspartei gestellt war und einen Ausschuß schon beschäftigte, fand soweit die Zustimmung sämtlicher Redner. Es wurde bei der Gelegenheit auch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß seitens der jüdischen Handwerker mehr wie bisher jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Der Vertreter des jüdischen Handwerker- Vereins, Herr Wolfs, wies darauf hin, daß diese Aufforderung in erster Linie nicht so sehr an die jüdischen Handwerker, sondern an die großen jüdischen Direktoren und an jüdische Firmen gerichtet werden müsse, die bei der Einstellung jüdische Angestellte und Arbeiter vielfach nicht berücksichtiaen. Der Leiter der Zentralwohlfabrtsstelle. Herr Caspary. gab ausführlichen Aufschluß über die seitens der Zentralwohlfahrtsstelle geplanten Maßnahmen zur Bekämpfuna der Notlage und der Arbeitslosigkeit. Es wurde schließlich gegen die Stimmen der Bolksvactei ein Antrag angenommen, eine gemischte Kommission, bestehend aus Vertretern des Vorstandes, der Nepräi'entantcnversammlung und des Herrn Caspary. einzusetzen, welche die geeigneten Vorschäge für die Tätigkeit der Gemeinde Vorbringen soll. Zum Schluß der Sitzung wurde noch Herr Caspary als Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde in den Rat des Preußischen Landesverbandes gewählt. Zu den die Subvention für die liberale Synagoge Norden betreffenden Vorgängen erfahren wir noch: In der Sitzung der Berliner Repräsentanten vom i4. Januar behauptete Herr M. A. Loeb. daß bei dem Chanuka-Freitagabend-Gottesdienst um 7.15 Uhr in der liberalen Synagoge Norden die Chanuka-Lichter entzündet worden seien. An diese Behauptung knüpfte sich eine längere. Aussprache. in der seitens der liberalen Gemeindevertreter diese Darstellung als unwahr znrückgewiesen wurde. Abgesehen davon, daß die Lichte am Chanuka-Leuchter in Rück- Von bester Qualität SHäosen offeriere ich: Ia Gänseliesen ä Pfund . . . m. 2.50 ta Darinfeit ä Pfund ..... m. 1.80 Ia Hautfeti ä Pfund .m. 1.60 Ia Stopflebern a Pfund . . . m. 4.00 Ia Ganseschmalz aus reinen Liesen und Hautfett in 5- und 10-Phind- Dosen, ä Pfund.M. 2.20 Versand gegen Nachnahme! 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