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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'nug dem Orient gekommen sind. Nun erscheint es mir selbstverständlich. deß die >»ud-.-u in allen Geheimgescllschasten eine sulnende Nolle svü'len. Und nun schüttet Mrs. Webster ein unerschöpfliches 'Füllhorn non gelehrten Zitaten über »ns aus. Zitate aus den 2Ipolrvohen, aus dem babylonischen und jerusalemischeu Taiuinh und der ganzen Literatur mit den seltsamen Buche nikeln. die sich um ihn berumrankt, «or allem ,i'!s dein Ln bar und seinen Vcrzweiguvgcu. die alle beweisen jo!!.-.;, das: es im alten Israel Gehenngescllichaften und eine Geheimlchro gegeben habe. Man kann sich leicht ausmaleu. was für einen gewaltigen Respekt der englische Bildungsphilister vor dieser gelehrten Dame bekommt, die jede Behauptung gleich mit einem halben Dutzend Zitaten aus esoterischem Büchern bekräftigt, deren Titel so schwer auszusprechcn sind. Zum Beispiel der deutsche Dichter L e s s i n g mar ein Freimaurer und schrieb ein verrnchtes freimauerisches Drama „Nathan der Weise". Er war auch ein Freund von M v s c s M e n d e l s s v h n . und diesen Moses Mendelssohn besuchte der Graf Mirabcau. und schrieb sogar über ihn ein Buch. Nun sind die jüdisch-frcimauerischen Einflüsse auf die französische Revolution klipp utiö klar erwiesen. Es geht iaber noch weiter. Von Mirabeau berichtet ein Zeitgenosse, während einer Orgie sei ihm eine verachtungsvolle Aeußeruna über die Vvlksmasse entschlüpft. Solche verachtungsvollen Acußerungen werden in Menge von ihm angeführt. Aber das Merkwürdige ist nun. daß ganz ähnliche Aeußerungen sich in der Korrespondenz einer gebeimrevolutionären Organisation ,.^-lta vendita", aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts wicderfinden. dann in den ..Dialoöues aux Ankers", von M a n r i c e I o l y . in dem Katechismus der Revolution von M i ch a e l B a k u n i n. in den Protokollen der W e i s e n von Zion und den Schriften der heutigen — russischen B v lschcmistcn! Mrs. Webster bat also mit scharfem Auge den roten Faden entdeckt. der sich von M o s es M c n-- dclssohnbisTrotzkv ununterbrochen fortspinnt. Moies Mendelssohn war mittelbar der Mörder der Königlichen Familie von Frankreich. Lenn Trotzkv war auf eine viel unmittelbarere Weise der Mörder der Kaiserlichen Familie von Rusiland. Dazwischen liegen die Protokolle der Weisen von Zion und verschiedene andere Dinge, die zusammen die Ringe der Kette bilden, mit denen das revolutionäre Israel die Völker umschlungen hält. Was hoffen die Juden durch eine Weltrevolution zu erreichen? Die Herrschaft über die Welt, antwortet Mrs. Wehster. Tie Hoffnung ans die Weltherrschaft ist nicht eine den Juden von den Antisemiten zugeschriebene Idee, sondern ein sehr realer und wesentlicher Teil ihrer Traditionen. Wie steht es mit ihrer Haltung dem Christentum gegenüber in der Vergangenheit? „Wir haben in überaus reichen Beispielen gesehen, daß der Hatz zu der Person und der Lehre Christi auf Golgatha nicht aufgchört hat. sondern lebendig erhalten wurde durch die Rabbiß und verewigt im Talmud und im Toledot Jeschu." Mrs. Webster ist überzeugt, daß aus diesem unauslöschlichen Haß die Sucht der Inden entspringt, die ganze Christenwelt zu unterjochen . . . Nun kommt die Verfasserin zum Kern der Sache. Sie läßt alle Spekulation beiseite und hält sich an nackte Tatfachen: jeder, der sich ernstlich mit der Sache befaßt hat, ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß jetzt in der Welt fünf wvhlorganisierte Hauptbewegungen existieren, die im geheimen am Werke sind, mit denen jede geordnete Regierung zu kämpfen hat. Das sind 1. der Groß-Orient der vur voll Irr Stcpfgänsen in 5u. vMSI IM e 10-Pfund. 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Obgleich nun Mrs. Webster vielleicht daS meiste dazu beigetragen hat, den Protokollglauben in der Welt zu verbreiten und zu befestigen. schreibt sie sie wolle sich für die Authenzität dieses Dokumentes nicht verbürgen, sondern betrachtet dieses als eine offene Frage. Aber sie ist der Meinung, daß die Protokolle, ob genau oder nicht, „jedenfalls das Programm der Weltrenolution wieder spiegeln, und daß im Hinblick ans ihre prophetische Natur und ihre außerordentliche Achnlichkeit mit den Protokollen anderer Geheimgescllschasten sie nichts anderes sein können, als entweder das Werk eben einer dieser Gesellschaften oder eines Einzelmenschen, der in die Gcheimlehre dieser Gesellschaften so tief eingewciht ist, daß er imstande war, ihre Ideen und ihre Phraseologie wiederzngebcn". Die B eltverschwör nng der Juden ist also nach Mrs. Webster eine unbest reitbare Tatsache, die Protokolle spiegeln sie genau wieder, unabhängig davon, ob sie echt sind, d. h. von den Weisen von Zion versaßt wurden oder von einem anderen, der sie ihnen untergeschoben hat. Mrs. Webster versichert, daß die Entdeckung der „Times", die Protokolle enthalten Plagiate aus Jolys „Dialugue", ihre Theorie noch bestärkt. Als nämlich Joly sein Buch schrieb, waren die Geheimgesellschaften besonders rührig. Eine große Anzahl von Juden mar in ihre Reihen enigedrungen, und daher waren auch zahlreiche Schriften gegen die Juden entstanden. Joly schrieb sein Buch in Genf, dem Sammelplatz der Revolutionäre aus aller Weit, wo die revolutionären Ideen nur so aus dem Boden sprossen. Man sieht also, daß JolyS Buck eingereiht erscheint in eine Gruppe von Ereignissen, die mit Juden, Revolutionären und Geheimgesellschaften im Zusammenhang stehen. Es besteht daraus für Mrs. Webster kein Zweifel, daß das Buch von Joly, ebenso wie die Protokolle, den Welteroberungsplan der Juden wiederspiegeln. und nichts anderes sind, als Ringe der Kette jüdischer Weltrevolutionsbestrebungen, die sich um das europäische Reich schlingen, von Mendelssohn—Mirabeau bis zu Trotzky— Lenin. Der WelteroberungS- und Weltrevolntionsplan der Juden ist auf jeden Fall feststehende Tatsache, und die Regierungen der europäischen Länder müssen mit ihm rechnen. Es wäre zwecklos und sinnlos, gegen die Argumente der Mrs. Webster zu polemisieren. ES sollte bloß gezeigt werden, welche Anschauungen über die Judenfrage in maßgebenden englischen Kreisen gehegt werden. Anschauungen, die von Mitgliedern des regierenden Kabinetts geteilt werden. Nun hat aber die ganze Sache unmittelbar für die Juden in England (ebenso wie in Frankreichs nur geringe praktische Bedeutung, da cs in diesen Ländern keine eigentliche Judenfrage gibt, und der ganze Antisemitismus sich auf die ausländischen Juden bezieht, im übrigen überwiegend theoretischen Charakter bat. Die antisemitischen Produktionen Englands und Frankreichs finden ihre volle Derwertnna im Auslande, namentlich in Mittel- und Osteuropa. Gleichwie der deutsche Antisemitismus vom Anfang der achtziger Jahre sich in den schauerlichen russischen Pogromen und Ausschreitungen praktisch auswirkte, so sind jetzt England und Frankreich zu Werkstätten eines Antisemitismus für die Ausfuhr geworden. Macht man sich eine klare Vorstellung von dem Eindruck, den ein Buch wie das der MrS. Webster mit seinem eleganten leicht faßlichen einschmeichelnden Stil in Polen. Ungarn oder Rumänien macht? Hier schweigt jede Kritik und der allgemeine Glaube an die Gefährlichkeit der Inden und die Notwendigkeit ihrer Verfolgung und Unterdrückung verbreitet und verwurzelt sich immer mehr. Fast gleichzeitig mit dem Buch der Mrs. Webster erschienen in Frankreich der öick'cibtge erste Band einer ganzen Reihe Peril juit vom General Njefchwolow „h'empersur Nicolas et les Juifs", ein zweites unter dem! Titel „L’Ixnperialisme d'Israel“ von Roger Lambelin, die beide die Lehren der Protokolle mit neuen „Beweisen"- begründen und vertiefen. Gefährlicher als diese beiden ist jedoch das Buch der Brüder T h a r a u d :u a n ä 18 r a e 1 est rot". welches in Ungarn mtö Polen das weit-« gelesen st c französische Buch ist. Ohne die Protokolle mit einem Wort zu erwähnen, trägt cs ihre Lehre bis ins ein-> zelne vor, in jenem hochkultivierten, gewinnenden Stil, der nur den ausgesuchtesten französischen Literaturwerkerr eigen ist. Es ist nicht auszurechnen, wieviel Unheil dieses! Buch den Juden jener Länder zugefügt hat. Es ist ein offenes Geheimnis, daß nur der seit Jahren in Polen unablässig! gepredigte Protokoll-Glaube es überhaupt möglich gemacht! hat, daß der Verdacht des beabsichtigten Präsidentenmvrdes aus den Juden Steiger fallen konnte. Wie sagt doch Lord E u st a c e P e r c v, Mitglied des Kabinetts Balöwin: Der Jude haßt alle christlichen Staatswesen uni» ihre Oberhäupter und strebt sie z n b e f c i tigen! Wie ein Leitmotiv zieht sich dieser Satz durch dies ganzen Protokolle. Das Mitglied des Standgerichtes, welches durch seine Schuldverneinung verhindert hat. daß Steiger gleich nach seiner Verhaftung erschossen wurde, wurde von allen Kollegen seither gemieden. So tief ist das in den Protokollen verwurzelte Bedürfnis nach einem jüdische» Präsidcntenmörder. einem Analogen zu dem Zarenmörder Trotzkv. der ebenfalls aus den Protokollen herausgewachsen ist. Die Protokolle sind lebendig und wer weiß, wie vielen Generationen sie noch das Leben verbittern werden. Es ist unmöglich, zu verschweigen, daß von seiten unserer Londoner und Pariser Glaubensgenossen eine schwere U n t e r l a s s n. it g s s ü n d c begangen wurde. Man nahm die Sache aus die leichle Achsel und sah nicht ein, öast es galt, die Protokolle aus Grund ihres Textes a l s F ä l s ch u n g z u e n t l a r v e n , die in einer bestimm-, ten Zeit zu einem bestimmten Zweck augefertigt wurde. Man muß nur in den oben zitierten Büchern die höhnischen Antworten lesen, mit denen die von südischer Seite erbrachten Nachmciie des wiederholten Plagiats abgefertigt werden, unr einzusehen, daß alle bisherigen Methoden, die die englischen und französischen Juden angcwcndct haben, die Protokolle zu entlarven, verfehlt waren. Eine gemeinsame Front aller jüdischen G e m c i n s ch a f t c n gegen einen gemeinsamen Feind tut hier not. Es ist nötig, daß die jüdischen Gemeinschaften in jenen Ländern, wo sie günstig situiert sind, den aufkeimcnden und sich regende» Judenhaß bekämpfen und verhindern, daß er in minder glücklichen Ländern Verheerungen anrichtc. Das Unheil, welches Bücher, wie die hier erwähnten i» Mittel- und Osteuropa anrichtcn. kann durch sämtliche Interventionen beim Völkerbund seitens der Londoner int fr Pariser Juden nicht wieder gutgemacht werden, auch wenn diese Interventionen von Erfolg gekrönt wären. Sendet den fälligen Beitrag für das erste Vierteljahr 1926 in Höhe von 2,50 Mark einschließlich Bezngsgeld für die „Jüdisch-liberale Zeitung" an das Postscheckkonto der Bereinigung für. das liberale Judentum E. V., Berlin NW. 7, Nr. 137 069' Kalendarium für die Zeit vom iS. 1. d. 23.1.1926. Januar 1926 Scheinst 5688. Sonnabend 16 1. Wochen-Abscknitt: Woero Rosch Chodesch (2. B. M Kapitel: 6.2—9,33» Haftarah: Jeiaia. Kapitel 66 Sonntag 17 0 Montag 18 $ Dienstag 10 4 Mittwoch 20 3. Dorruerslag 21 6. Freitag 22 Sonnabend 23 8. Wochen-Abichnitt: Ban (2. B. M. Kapitel: 10—13.16» Haftarah: Jerewia. Kapitel 46.13—27 Sabbat-Ausgang: 8.21. aaMMMHBBrtBBMBnWBanHaMBMBWWMBMHMI Und in einer abseits gelegenen Gaffe, die keinen Ausgang hat, liegen in einem Fenster des zweiten Stockwerkes mehrere Weiber. Gesicht und Kleidung sind unordentlich und mangelhaft. Alle Laster des Lebens scheinen sich in deren Gesichtszüge eingczeichnet zu haben . . . Tie Schimpfworte, die den Fremden, der seine neugierige Nase in diese Gasse zu stecken wagt, empfangen. sind gepfeffert und können von sich getrost behaupten, daß sie an Ordinärem denen ans dem Montmartre in nichts nachstehen! Das ist das ärmste unter den armen Vierteln der Judenstadt. Hat aber nicht jede Weltstadt ihre Schattenseiten? So also auch arme und ärmste Stadtteile. Nur daß es um die Armut in dieser Stadt etwas seltsames ist . .. sie berührt geradezu svmpathisch diese Armut hier und hat gar nicht so etwas Verzweifelndes an sich. Ja. man glaubt die Freundschaft, die hier untereinander gepflegt wird, förmlich zu spüren . . . denn, einer hilft dem andern ... so gut er kann! — Und — in aller Herzen lebt nur ein Gedanke, nur ein Sehnen — ein heißes, heimliches Wünschen: einmal im Leben „höher" zu kommen . . . und wenn es ihnen wirklich einmal gelingen sollte, das „Höher"-Kommen, dann wollen sie heraus aus dieser Stadt, wollen der Rue du Temple für immer den Rücken kehren um sich dann — ihr Traum vom Glück — in einem vornehmeren Stadtteile niedcrzulassen! Aber wievielcu gelingt cs? Die meisten von ihnen werden weiter in den Mauern dieser Stadt leben müssen . . . und sie werden lagein, tagaus die Rue du Temple auf und ab promenieren oder auf Steintreppen weiter bocken, in stummer Resignation. Werden, all die Zurückgebliebenen, der Stunde harren, die uns allen Erlösung von unserem Leiden bringen soll und bringen wird .. . also, auch ihnen . . . und wenn der Tod, dieser unergründliche und mysteriöse Vampyr des Lebens naht — nnd mit der Sense zu mähen beginnt — denn der Tod läßt sich bekanntlich nicht gebieten und macht ans seinem unheimlichen Beutegang auch nicht vor dieser Siadt halt-dann wird cs keinen Menschen geben unter den Einwohnern, der nicht bereit ist, diesen ungeheuren Gang anzmrctcn, von dem noch nie ein Mensch zurückkehrte- -bis es aber soweit sein wird, hat das grausame Schicksal sie dazu verdammt, weiter hier ihr Leben zu verschleißen. Hoffen und harren, das ist auch ihre Losung- und wenn dann die befreiende Stunde schlägt und die. welche gerade an der Reibe sind, von hinnen gehen müssen, wird niemand von den Zurückbleibenden viel Worte darob verlieren — ebensowenig als man diese damals nach dem „Woher" gefragt, da sie sich in den Mauern dieser Stadt nioöerzulassen begonnen .... Wie ein ehernes Gesetz aber steht cs über ihnen — über Meier Stadt — uv sich j bar zwar dem menschlichen Auge, nnd Loch von allen gekannt und befolgt: daß durch Geburten ersetzt wird, was durch den Tod verloren geht --- und wie ein Dort Gottes mutet uns die Tatsache av: Diese Stadt kann aus st erben — niemals jedoch wird sie ausgestorben sein!- Die Juden im Jahre 1848 Bon A. Strukat. Das ..tolle" Jahr 1843 mit seinem Drunter und Drüber hat auch die jüdischen Staatsbürger in feine Ereignisse hineingezogen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen standen die regierenden kleinen und großen deutschen Höfe den Juden nicht gerade freundlich gegenüber. In den Jahren der Befreiungskriege hatte man nicht viel Zeit, sich um sie zu kümmern, aber als dann die grotzdeutsche Bewegung entstand, galten die Juden als Träger der revolutionären Ideen, wobei sie sich durchaus in guter Gesellschaft mit den besten Männern christlicher Konfession befanden, z. B. Fritz Reuter. Frankfurt a. M. galt als die „Judenstadt", von der Gefahr drohte.'^Die Angaben über die jüdische Einwohnerzahl dieser Stadt waren aber bedeutend übertrieben. Nach amtlichen Nachweisen waren cs im Jahre 1848 nur 3300 und mit den zeitweise anwesenden und den fremden jüdischen Dienstboten mögen es nicht ganz 3000 gewesen fein. Unter der Regierung Karl von Dalbergs, des GroßherzogS von Frankfurt unter Napoleon I., hatten fick die Juden mit einer Ablösungssumme von 440 000 Gulden ihre Gleichstellung mit den christlichen Bürgern erkaufen müssen. Auf dem Wiener Kongreß hatte der Schluß des 16. Artikels der deutschen Bnndesakte die Fassung gehabt: „Den Bekenner» dieses (des jüdischen» Glaubens werden bis dahin skns ans ein allgemeines Gesetz» die denselben in den einzelnen Bundesstaaten bereits eingeräumten Rechte erhalten." Zum Nachteil der Juden verwandelte man das „in" in „von". Die „Gegenwart". eine Zeitschrift aus dem Jahre 1830, sagt: „Es war über die Juden wie über ein streitiges Krautfeld verhandelt und endlich dem Senat von Frankfurt der Schutz ihrer Rechte nicht als wohlbcarüudet, sondern als .wohlerworben' empfohlen oder befohlen worden, je nachdem man es deuten mochte. Eine Kommission hatte ihre Gleichstellung in privatbürgerlicher Beziehung als vertragsmäßig befürwortet, aber diese Ansicht wurde vom Senat verworfen." In einem Protest wandten sich die Juden an den Bundestag, und auf dessen Eintreten kam im Jahre 1824 ein Gesetz zustande, das ihnen die meisten privatbürgerlichen Rechte zuerkannte, ihnen aber, wie Börne es treffend ausdrückt, das Heiraten verbot. Nur 14 Paare — 12 einheimische und 2 halbfremde — sollten jährlich eine Ausnahme machen. Diese Bestimmung, an die Zeiten des alten Pharao erinnernd, wurde im Jahre 1334 für die einheimischen Paare aufgehoben, trnd durch ein neues Gesetz vom 81. Oktober 1847 war auch fremden Paaren gestattet, über die Zweizahl hinauszugehen, aber diese ^Vergünstigung" galt nur für die nächsten zehn Jahre. Um den Juden den Bürgername» weder zu lassen noch zu nehmen, sollten sie „israelitische Bürger" heißen. „To war eine Klasse von Däwmerungsfaltern geschaffen, denen gerade soviel Licht gewährt wurde als nötig, fick die Flügel zu verbrennen", urteilt die vorgenannte „Gegenwart". Nach diesem allen hatten die deutschen Juden durchaus keine Ursache, von der neuen deutschen Bewegung eine Verschlechterung ihrer Lage zu erwarten. Aktiv ist die Masse der deutschen Juden bis aus wenige Führer nicht tätig gewesen. aber trotzdem wandte sich die Stoßkraft der nichtliberalen Parteien in erster Linie gegen sie, besonders in Süd- und Mitteldeutschland. Die „Allgemeine Zeitung" meldete in ihrer Nummer 72 vom 0. März 1848 aus Karlsruhe in Baden: „Eine allgemeine Judenverfolgung bat auf dem flachen Lande begonnen, scharenweise ziehen die Flüchtlinge den Städten zu, namentlich nach Mannheim, wo die entschiedensten Freunde derselben ansässig sind. Dieso Volksbewegung nimmt keine Notiz von den Theorien unserer Kammecrcdner. In Bruchsal zog -er Haufe der Stürmer sogar vor das Haus des ultraliberalen Abgeordneten Brentano, um dasselbe unter dem Ruf: .Nieder mit dem Judenkönig!', wie Brentano in der Kammer heute selbst erzählte, zu verwüsten. Das Eiltsehreiten des Militärs machte dem Aufruhr ein Ende." In Mannheim wurde folgender Ausruf zum Schutze der Juden veröffentlicht: Mannheim, 8. März 1348. Mit tiefem Schmerze, welchen alle wahren Freunde der B o l k s f r e i h e i t un d des V aterlandes teilen, vernehmen wir die Nachricht, daß die Tage, welche die Herzen aller wackeren Bürger mit hehrer Begeisterung erfüllen, die Tage, welche unser ganzes Volk erlösen sollen von dem Drucke der Knechtschaft von Jahrzehnten, sa von Jahrhunderten, entweiht werden sollten durch blinde Zerstörungswut und Gefährdung der Personen und des Eigentums unserer Mitbürger mosaischen Glaubens, daß das leuchtende Panier der Freiheit besudelt werden will durch schmähliche Exzesse. Mitbürger, die wir wissen, daß wir in eurer aller Sinn sprechen, wenn wir euch zurufen: Es ist eiue heilige Pflicht eines jeden Ehrenmannes, der nicht mit dem Namen der Freiheit schnödes Spiel treibt, der nicht ihren Namen zur Befriedigung anderer Leidenschaften mißbrauchen will, es ist eine heilige Pflicht aller Volks- und Frciheitsfreunde, mit aller Energie solch frevelhaftem Beginnen entgegenzutreten. Nur Diener der Reaktion oder von ihnen Irregeleitete vermögen zu Judenverfolgungen die Hand zu bieten, wie sie nie ein freies Lan.d, wohl aber der Despotismus kannte. Dr. Hecker, Helmreich, v. Jtzstein, v. Soiron, L. Weller, M. Sachs, Karl Mathy, Fr. Bassermann. Das Jahr 1848 hatte an den bestehenden Zuständen nickt viel geändert: wenn sie sich gebessert haben, so ist das nach und nach durch langsame, zielbewutzte Arbeit geschehen. .•>'

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