Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 52 (25.12.1925)
- Date
- 1925-12-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Jahrgang Nummer SL MischkberaleZeibML BeUage 25. Dezember 1925 wrnrnmmmmimmmmmmmm| r «! w il «, rf & &: rat, mje« j r in m * Jüdische Bauernsiedlungen inDeutschland. Bon Dr. Metzler, Gat El-Hof Set Rathenow. Bei de» Erwägungen, ob t» Deutschland ei» jüdischer Bauernstand begründet und gefördert werden soll, treten zwei Meinungen in die Erscheinung. Die eine Ansicht, so Reuhaus-Fritzlar, wendet sich dagegen, daß die Hinwendung zum landwirtschaftlichen Berufe zu einer philantropischen Kat oder zu einem Akte wirtschaftlicher Erwägungen herabgewürdigt werde, und wünscht, die jüdische Jugend möge auS innerem Drange heraus den Weg zur Scholle finden. Die andere Gruppe vertritt den Standpunkt, daß die Lösung -eS Problems der ländlichen Siedlungen in Sammlung von Geldern zum Ankauf von passenden Ländereien, und in Auslese körperlich und geistig vollwertiger Menschen mit natürlicher Liebe zum ländlichen Berufe liege. Ko Phtlippson-Hamburg. Nu» ist nirgends in der Geschichte bekannt, -atz Siedlungen ausschließlich aus reiner Liebe zur Scholle entstanden find. Ausgenommen jene Siedlungen» die aus Liebe zum „heiligen Lande" gegründet wurden. In den meisten Fällen ist der Nächstliegende Anlaß zur Aoloniestatton die Enge der Heimatlichen Berhältniffe, die wirtschaftliche Not, die politische Konstellation. U. a. m. Schon die altitalischen Völker haben in Zeiten -er Not ihre erwachsenen Kinder aus dem Lande getrieben und sie so gezwungen, sich neue- Land zu suchen. (Ver saorum.) Aber auch die innere Kolonisation ji» Deutschland. England, Skandinavien usw. ist letzten Endeauf wirtschaftliche Notwendigkeiten zurückzuführen. Also wirb man nicht verlangen könne», daß die Ansiedlung von Juden in Deutschland nur mit solche« Menschen erfolgen solle, die aus innerem Drang den Weg zur Scholle suchen. Daß die philantropifche Kolonisation Mängel hat, besonders wenn ihr die Grundlagen -er Wirtschaftlichkeit fehlen, wenn sich Bevormundung breit macht, Projektionswirtschaft einreißt, kann nicht bestritten werden. Auf diesem Gebiete liegen aber so viele Erfahrungen vor, -aß bereits Fehler vermieden werden können. Man muß doch zugeben, daß in der Siedlungsfrage wohltätige Unterstützung sehr viel Gutes gestiftet hat. Es sei auf die Rothschildschen Kolonien in Palästina hingewiesen. Ferner auch aus die Siedlungen der Juden i« der Ukraine und in der Krim, wo gerade jetzt mit philantropischer Unterstützung große Sieölungsrayons entstehen. Wollte man in Deutschland warten, bis reine Begeisterung die besitzenden Klassen zur Scholle zurücksühre, wohin würde man kommen. Was für die Siedlung in Deutschland, England, Schweden, Dänemark und Norwegen gilt, das gleiche gilt auch für die Seßhaftmachung jüdischer Menschen auf dem Lande in Deutschland. Das ist die Besserstellung in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und politischer Hinsicht. Die Liebe zur Scholle kommt dann vou selbst, kommt, sobald man die ewige Treue der Scholle kennengelernt hat. In allen skandinavischen Ländern wie tu England melden sich immer mehr Menschen zur Landwirtschaft. Der Kreis der Bewerber wird immer größer, und häufig müssen neue Gesetze geschaffen werden, um verstärkte Aufwendungen des Staates zu beschließen. Mit den Ansiedkungen wächst der Wohlstand, mit den gesicherten Existenzen steigt die Liebe und die Anregung für neue Siedlungssuchenhe. Kür die Ansiedlung in Deutschland wurden vor deür Kriege und in der Nachkriegszeit Hunderte von Millionen bereitgestellt. Das Ziel ist darauf gerichtet, ganze Bauerngemeinden ins Leben zu rufen, mit Kirche, Schule usw. Da vorläufig damit nicht gerechnet «erden kann, daß die preußische Regierung einen Teil der bereitgestellten Gelder auch zur Schaffung jüdischer Bauerngemeinden oder jüdischer Bauernhöfe hergeben wirb, wenigstens solange nicht, als die Eignung der Juden zur Landwirtschaft erwiesen ist, die wirtschaftliche Not weiter jüdischer Kreise von Tag zu Tag zunimmt und gerade jetzt zur Berufsumschichtnng nach der agrarischen Seite geneigt macht, solange wird man auf philantropifche Unterstützung dort nicht verzichten können, wo andere Mittel nicht ausreichen oder überhaupt nicht vorhanden sind. Das warme Jneresse, das in führenden jüdischen Kreisen Deutschlands der ostjüdischen Kolonisation in erfreulichem Maße entgegengebracht wird, wird auch für die deutsch-jüdische Siedlungsfrage lebendig werden, sobald deutsch-jüdische Menschen nicht nur platonisch sich entschließen werden, das nervenzerrüttende Leben in den Städten mit der gesunden produktiven Arbeit auf dem Lande zu vertauschen. Daß jüdische Bauern vermöge ihrer geistigen und kaufmännischen Fähigkeiten in einem landwirtschaftlichen Beruf, sofern er richtig beraten wird, weit über das Existenzminimum verdienen können, soll tiefer gezeigt werden. Eines scheint sicher, die Existenz eines jüdischen Bauernstandse in Deutschland ist aus wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten notwendig. Kein Zweifel kann auch bestehen, daß es eine ganz stattliche Reihe jüdischer Menschen auch in Deutschland gibt, die freudig zur Scholle zurückgehen werden. Die körperlicke Eignung ist in den meisten Fällen vorhanden. Die Schwierigkeiten gesellschaftlicher Art, die sich dem Juden aus dem Lande entgegenstellen, können überwunden werden durch Errichtung größerer Ansieölerkomplexe, durch Zusammenfassung jüdisch-ländlicher Kleinbetriebe zu Siedlergemeinschaften. Bei der Anlegung jüdischer Siedlungen in Deutschland werden die Methoden anzuwenden sein, die in den skandinavischen Ländern, besonders in Schweden und Dänemark, durchgeführt werden. Hier hat sich der Kleinbetrieb produktiver erwiesen als der Großbetrieb, weil der kleine Besitz» auf seine Wirtschaft mehr Arbeit verwenden kann als dkr Großbauer. Für Kleinbetriebe mit intensiver Bewirtschaftung sind augenblicklich in Deutschland die denkbar günstigsten Bedingungen geboten. In Deutschland gibt eS etwa zwei Millionen Hektar Moorflächen, von denen kaum 20 Prozent in entsprechender Weise genutzt werden. Mehr als die Hälfte aller Moore sind Niederungsmoore, die auch als Nieder- oder Grünlandsmoore bezeichnet werden. Die Bedeutung dieser Moore ist erst durch die wirtschaftlichen Nöte der Nachkriegszeit in den Vordergrund getreten, und eine Reitze von Gesetzen ist erlaffen worden, um die Moore mehr als bisher in Kultur zu nehmen. Seit vielen Jahren befaffeu sich deutsche Moorversuchsstationen mit der Erforschung der besten Kulturmöglichkeiten der Moorbodenarten für landwirtschaftliche Nutzung. Daß den Mooren viel größere Bedeutung zukomme für Gartenbaukulturen, darauf hat wiederholt Professor Echtameyer, der Direktor der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Dahlem, hingewiesen. Tatsächlich sind die Niedermoore so reich an Stickstoff und Kalk, daß es auf ihnen im Sommer wie auf einem „Mistbeet" wächst. Das auf solchen Böden gezogene Gemüse, schreibt ein anerkannter Fachmann, zeichnet sich durch besondere Zartheit und Wohlgeschmack aus. Aus Niedermooren zeigen alle Pflanzen ein ganz üppiges Wachstum, Beitragszahlung. Der Beitrag für das erste Vierteljahr 1926 ist am 1. Januar füllig! Der Mindestbeitrag betrügt Mark 2,50 einschließlich Zeitmrgsbezug. Da, «» Ortsgruppe« bestehen, sind hiervon 1,— Mark an diese abzuführen; wo keine bestehe«, ist der volle Beitrag von 2,50 Mark a« die Unterzeichnete Bereiuiguug zu zahlen. Sind mehrere Angehörige einer Haushaltung Mitglieder der Bereinigung, so ermäßigt sich der Mindestbeitrag für das zweite und jedes meitere Familienmitglied auf l,5v Mark? von diesem Betrage find da, wo Ortsgruppen bestehen, 0,80 Mark an diese abzuführen. Die ordentlichen Mitglieder der „Jüdisch-liberale« Jugendvereine" habe« nnr 1,— Mark vierteljährlich für den Bezug der Zeitung z« zahle«. Bo« de« Mitglieder« in Aachen,Augsburg, Berlin, Jli Berlin, Bingen a.Rh., Bochum, Jli BreSlan» Brieg, Caffel, Danzig, Dortmund, Dresden, Elberfeld, Frankfurt a. M., Freibnrg i. Br., Fürch, Golfen- Archen, Hamburg, Heidelberg, Herford i. W, Kaiserslautern, Bad Kifsinge«, Köln a. Rh., Königsberg, Konstanz, Leipzig, Liegnitz, Jli Liegnitz, Lünen. Magdeburg, Jli Magdeburg- Mainz, Mannheim, Münster i. Jli Münster, Ofstmbach a. M., Ohlau, OppSln, Ratibor, Rheydt, Schneidemühl, Stettin, Ulm a.D., Wattenscheid und Wiesbaden wird der Beitrag durch die örtliche Organisation (Ortsgruppen, Liberale Vereine, Jüdisch« Liberale Jngendoereine ober Vertrauensleute eingezogen. Diese Mitglieder haben einen direkte» Beitrag a« die Zentrale also nicht zu leiste«. Alle andere« Mitglieder unserer Bereinignng fordern mir ans, de« Beitrag umgehend direkt an das Büro, Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 147, Postscheckkonto: Bereinigung für das liberale Judentum e. B, Berlin Rr. 187 060, mittels beiliegender Zahlkarte einzusenden. Wir machen daraus aufmerksam, daß der angegebene Beitrag einen Mindestsatz darstellt und richten an alle Mitglieder, die dazu irgend in der Lage sind, die dringende Bitte, freiwillig darüber hinaus eine» möglichst hohe« Betrag zu zahle», da der in dauernder Entwicklnng befindliche Ansban unserer Organisation und der Zeitung immer gemaltigere Mittel erfordert. Zugleich fordern wir die Abonnenten der „Jüdisch-liberalen Zeitnng" zur Zahlung des Bezugspreisesür das erste Vierteljahr 1026 in Höhe von 2,50 Mark ans. Nach dem 15. Januar 1026 sind wir genötigt, die noch nicht eingegangenen Beiträge dvrch Postnachnahme einznziehen. Wir weisen auf die dabnrch entstehenbe« Mehrkosten hin «nd bitte« «m pünktliche Einsendung der Beiträge. Vereinigung für das liberale Judentum e. V. da sie mit Moorstickstoff gemästet werden; man bekommt also 1 sehr schnell starke Berkaussware, schreibt ein anderer Spezialist. Für den Gartenbau sind ebenso bedeutungsvoll die Hochmoore. Wenn hier hauptsächlich von Niedermooren gesprochen wird, so geschieht es, weil ausgedehnte Niedermoore dicht bei Berlin, fernere im Oder- und Wartebruch liegen. Nicht weit von Berlin sind die besten Möglichkeiten geboten, jüdische Kolonisten in geschloffenen Gruppen anzusiedeln und ihnen auch kulturelles wie geistiges Leben zu sickern. Auf solchem Boden kann man auch eine Wirtschaftsform wählen, die den körperlichen und geistigen Fähigkeiten des jüdischen Menschen angepaßt werden kann. Zwei Wirtschaftszweige sind es, die jüdischen Siedlern eine sichere Grundlage bieten zur Gründung auskömmlicher und befriedigender Existenz. 1. Der Anbau von Gemüse in Verbindung mit fpätev,er Obstnnlage,' : 2. Die Aufzucht, Z« cht und Mast v o n Gänsen. Der Bedarf -er deutschen Märkte und Industrien an Gemüse ist so groß, daß die eigene Produktion kaum den vierten Teil decken kann. Dem Kleinbauern sichert die Nähe großer Städte guten Absatz. Um die Industrie zu beliefern, müssen sich größere Gruppen zu Produktivgenoffenfchaften, ähnlich wie in Dänemark, Holland usw., zusammenfinden. In der Nahe von Industriestädten ist es zweckmäßig, solche Kulturen anzubauen, die nicht zu den Massenartikeln zählen, und so anzubauen, daß bas Gemüse auf den Markt kommt, wenn es im Höchstpreis steht. Aeußerst zusagende Bedingungen finden auf Niedermooren Blumenkohl, Rosenkohl, Rotkohl, Kohlrabi und Tomaten, diese auf mehr trockenen Moore«, ferner Erbsen, Bohnen u. a. Blumenkohl wird nicht in Massen gepflanzt, hat also einen gewiffen Seltenheitswert. Dieser Kohl wird durchschnittlich in einer Reihenweite von 60 mal 60 Zentimeter gepflanzt. Auf einem preußischen Morgen von 2500 Quadratmetern werden mindestens 4000 Köpfe gezogen. Wenn der Kopf halbwegs gut entwickelt ist, kann er durchschnittlich 80 Pfennig je Stück erbringen. Zwei Morgen Blumenkohl würden sonach durchschnittlich erbringen 2400 Mark. Rotkohl ist seltener als Weißkohl und zweimal so teuer. Vom Morgen können gut 120 bis 200 Zentner Rotkohl geerntet werden. Zwei Morgen Rotkohl würden mindestens 300 Zentner tragen zum Preise von nur 2 Mark je Zentner lauf dem Markt von Rathenow wird das Pfund mit 8 Pfennig gegenwärtig verkauft), das wären 600 Mark. Bohnen, Erbsen, Blumenkohl, auch Radis bringen meist ganz erfreulichen Ertrag. Am günstigsten aber sind die Erträge aus den Tomaten. Tomaten sind in früheren Jahren in ungeheueren Mengen aus Italien und Frankreich nach Deutschland gebracht worden. Seit etwa 20 Jahren befassen sich deutsche Großanbauer mit der Erzeugung von Tomaten und versorgen einen großen Teil des Marktes. Nur die Industrie ist in der Hauptsache noch auf das Ausland angewiesen. Bei der Beliebtheit, der sich die Tomate überall in Deutschland erfreut, sind die Absatzmöglichkeiten unbeschränkt. In guten Jahren wirb mit einem durchschnittlichen Ertrage von 250 bis 800 Zentner Tomaten gerechnet. Im vergangenen Sommer wurden in der hier benachbarten Industriestadt Rathenow für Tomaten 20 bis 25 Mark je Zentner erzielt. Nimmt man auch für weniger günstige Jahre eine Durchschnittszahl von nur 12 Mark je Zentner an, so würde eine Dnrchschnittsernte von 200 Zentner gleich 2400 Mark einbringen. Naturgemäß würden zwei Morgen Tomaten 4806 Mark tragen. Ob es nicht zweckmäßig sein würde, sich überhaupt mit dem Großanbau von Tomaten zu befassen, daS wäre eine Frage, die durch die Praxis am besten gelöst werden kann. Den größten Ertrag aber bei geringstem Aufwand an Arbeit bringt jener Zweig in der Geflügelzucht, von dem oben bereits gesprochen wurde. Auf die Vorteile, die eine Geflügelfarm mit sich bringen kann, soll hier nicht eingegangen werden. Jüdischen Menschen kann man zu einer Geflügelfarm nur mit großen Einschränkungen raten. Die Zucht von Hühnern zur Eierproduktion kann sehr rentabel werben, wenn man von der Brut avsieht und seine Bestände durch Zukauf von jungen, erwachsenen Hühnern erneuern kann. Die Aufzucht von jungen Küken ober Eintagsküken ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Hingegen hat sich die Brut von Enteneiern und die Aufzucht der Entenküken als ganz rentabel erwiesen. Wer Brut, apparate besitzt, der kann sich diesem Zweig zuwenden und wird nur selten Mißerfolge haben, weil die Entenküken nicht so empfindlich sind wie die Hühnerküken. Die wenigste Mühe und die geringsten Gefahren sind indessen verknüpft mit der Aufzucht von Gänse». In den letzten zwei Jahren ist es vielfach geglückt, auch Gänseeier mit Brutmaschinen künstlich auszubrüten, wenn gewisse Vorschriften gewissenhaft befolgt wurden. Man wird indessen die Brut von Gänseeiern den Fachleute« Lberlaffen und es vorziehen, Gänseküken im Alter von vier bis sechs Wochen anzukaufen. In diesem Alter haben die Tiere alle Gefahren überwunden, die naffes, kaltes Wetter, ungeeignetes Futter und dergl. mit sich bringen. In Deutsch, land ist der Bedarf an Gänsen so groß, daß in mancher^ Jahren über 20 Millionen Muse aus demvMlande einch geführt sein sollen. Der größte Teil deSBAmDse» kommiß auS Rußland über Polen. Auch Italien und Ungar» sind Lieferanten im Großen. Viele der eingeführten Gänse werden den deutschen Mästern zugeführt, die bekanntlich im Oderbruch, in der Grenzmark, besonders um Neutrebbin herum liegen. Die Mästereien erzielen nur dann günstige Resultate, wenn sie gesundes Material bekommen, Met. stens haben die Tiere infolge des Transportes, besonders aber durch den Wechsel des Klimas mehr oder weniger ge. litten. Entweder es gehen viele während der Mast an den Folgen des Transportes ein, oder sie benötigen mehrere Wochen, bis sie sich von den Strapazen erholt haben, ver. brauchen dann zuviel an Futter und machen den Gewinn illusorisch. Daß die Master deutsche Tiere vorziehen würden, sofern ihnen genügendes Material angcboten werden würde, liegt auf der Hand. Die Gäsnezucht liegt aber in Deutschland noch sehr in den Kinderschuhen und hat für die Zukunft glänzende Aussichten. Jüdischen Menschen kann dieser Zweig in der Geflügel, zucht. insbesondere die Aufzucht von Gänsen, nickt stark genug empfohlen werden. Mit Trommeln müßte dafür geworben werden! Schon deswegen, weil der Beruf schön und produktiv ist und weil kaufmännische Fähigkeiten aus ihm das Letzte herausholen können. Auf einem Raume von 10 Morgen Niedermoorwiese» kann die Aufzucht von 1006 Gänsen und mehr durchgeführt werben. In der Mitte oder am Rande der Wiese wird durch Aufhebung des Torfes ein genügend großer Teich für die Gänse hergestellt. Mit Hürden oder verstellbarem Drahtzaun wird das Weideland in vier Teile eingezäunt und alle acht oder vierzehn Tage eine Koppel zur Weide frei gegeben. Wer sparsam wirtschaften mutz, wird nur soviel Drahtzaun verwenden, als zu einer Koppel nötig ist. Die Umstellung der Koppel kanu erfolgen, wenn die Tiere des Morgens noch im Stalle sind. Der Gehalt an Stickstoff, die oft überschüssige Feuchtigkeit, die in den Moorwiesen steckt, bewirken während des ganzen Sommers eine dauernde Erneuerung der Grasnarbe, welcher der Koch der Gänse als animalischer wertvoller Dünger ebenfalls zugute kommt. Werden im März/April 1060 Gänsekükcu zum Höchst, preise von je 2.30 Mk. angeschafft und aus die Wiese gesetzt, so ernähren sie sich ausschließlich von der Weide und von dem» was sie in der Nähe und auf den Teichen finden. Bis En-e August, oft auch bis Ende September benötigen die Gänse nicht die geringste Zugabe an Futter. In diesem Stadium haben die Gänse ein Gewicht von 8 Vis 7 Pfund erreicht und sind, gering gerechnet, mit 7.— Mk. je Stück leicht an den Mann zu bringen. 1600 Gänse zu 7.— Mk. bringen einen Erlös von 7006.— Mk. Zieht man davon den Ge« stebungspreis in Höhe von 3600.— Mk. ab. so verbleibt ein Gewinn in Höhe von 4500.— Mk. Wer über genug Kapital verfügt, um mehr als 1000 Gössel anzufchaffen, der wird seinen Gewinn entsprechend steigern können, der wird die Aufzucht von Gänsen auf eine mög. liM breite Grundlage stellen, sobald er sich nach dem ersten Versuch von der Richtigkeit der hier gemachten Angaben überzeugt haben wird. Wo es sich aber u.m Kolonisten handelt, die über Finanzmittel nicht disponieren können, da werden die jüdischen Organisationen eingreifen müssen. Eine deutsch-jüdische KolomsationSgesellschaft könnte z-vtzi Methoden der Kolonisation befolgen: 1. Die Gesellschaft kauft geeignete Moorländereien aus, teilt sie in Parzellen zu vier bis fünf Hektar und weist sie solchen Kolonisten zu, die finanziell so gestellt sind, daß sie sich selbst einrichten und auSstatten können. Zur