Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Jahrgang Nummer 50 1. Beilage 11. Dezember 1925 JeT Uiärcßen zu Cßanukaß. JS/' Chanukahmärchen von den Lichllein. Von Frieda Capell. ES war einmal ein kleines Mädchen. DaS hatte die Mutter beauftragt. die Menora für daS Chauukahfest mit Gerüchen an bestecken. Nun stand eS in -er freundlichen Stube vor dem mit Grün und Blumen geschmückte» Tisch, öe^ in der Mitte tou schönen silbernen Leuchter trug, nnnntcrzog sich mit Freude und Eifer dieser frommen Aufgäbe. — Sv rcd)t vertieft in die Arbeit, kam ihm plötzlich der Gedanke, den feinen weiften Kerzchen Name» zu geben. Hin und her überlegte cs, welche Namen eS wohl wählen fomue. Elfe, Trude. Erna, die Namen der Freundinnen schienen ihm doch nicht passend als Ehannkahkerzennamen. — Endlich hatte cS das Nichtige gesunden. ES stellte sich vor die Menora. tippte leise mit den Fmgerchcn an alle Lichtlein noch der Reihe und sagte: ..Du heißt Sara, du Rebekka, du Nahe!, du Miriam, dn Ruth, du Esther und du letztes heißt Haunah" Vor Freude klatschte das liebe Kind in die Hände und sprang jubelnd im Zimmer herum. Jetzt nur noch cincu Namen für den Diener. Natürlich „Elieser" muß er heißen, nach dem getreusten Diener der Geschichte. — Nun mar das Werk getan und Ehanukahmännchen konnte kommen. — Ehanukat,Männchen kam. — Hell brannten die Lichtlein. Freude herrschte im traulichen Stübchen. Da kam ein Junge hereingestürmt. Er wollte der Freundin erzählen, wie lieb er beschenkt worden, Bücher, Spiele, leckre Sachen. Tic Kerzchen horten zu und freuten sich mit au dem Glück der beiden Kinder. Sie flackerten und blinzelten einander zu. Das merkte der Knabe und sagte: „Was haben denn deine Lichtlein? Man konnte meinen, sie verstünden uns. Ich habe deutlich gesehen, wie sic gclächelt haben." „In, dn hast recht. Meine Kerzen sind ganz besonderer Art. Ich habe ihnen ja so schöne heilige Namen gegeben." Und das Mädel nannte sie her von Sara bis Hannah und den getreuen Elicser. Da neigten die Lichtlcin ihre Köpfchen, machten einen Knix uitö lispelten, gerade wie bei einer Vorstellung. „Sehr angenehm." Dabei lächelten sic ganz golden. Der Knabe aber sagte: „Na, hör' mal, wie ist bas merkwürdig. Ich gab ja auch meinen Ehanukahker?en Namen, ober noch viel, viel schönere. Tu hast lauter McrdelS, daS ist nichts Besonderes,- ich aber habe Helden. Eine Kerze aber ist dabei, die ist so groß und herrlich, die erfüllt mit ibrem Glanze die ganze weite Welt. Inda heißt sie, Juda Maccabi! Komm schnell mit mir und sieh mein strahlendes Judalicht." Dies Gespräch hörte klopfenden Herzens die kleine Kerze Han nah, und die Sehnsucht, den strahlenden Helden ^^,^Juda zu sehen, ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Elieser hatte schon gemahnt. „Es ist Zeit zum Schlafengehen," und ein Kerzenkinö nach dem anderen machte sich klein, legte das Köpfchen auf die Seite und schloß die goldenen Stcrnenaugcn. Nun war cs ganz still und dunkel im Zimmer. Nur Hannahkerzchen konnte und konnte nicht schlafen. Immerzu mußte cs an den herrlichen Helden Inda denken. Wie sang ich cs nur an, ins Nachbarhaus zu kommen! Alle Mühe, aus dem Kerzenbettchen der Menora zu entfliehen, war vergeblich. Mau mußte auch sehr vorsichtig zu Werke gehen, denn die Schwestern und Elieser hatten einen leisen Schlaf. Ruck, ruck, ruck! Immer mehr lockerten sich die kleinen Füßchen und pardautz! liegt das naseweise Lichtlcin im Winkel. Aber ach! Wie weh taten alle Gliederchcn und vor Schmerzen ließ sich das Beinchen nicht mehr bewegen. Es war mitten durchgebrochen. Da weinte Hannahkcrzchcn bittere Wachstränen. Die flössen ans den Fußboden und klebten das verstiimmelte Körperchen seit. Vom Weinen müde, sank unser Kind endlich in einen tiefen, tiefen Schlaf. Ehanukahmännchen hatte alles mitangesehen und großes Mitleid mit dem Ausreißer erfüllte sein Herz. Dreimal klatschte es in die Hände. Da erschienen flugS sechs reizende Elfenkindcr. Die hatten schneefeinc Flockcnklcidchen an und bunte Kränze in den schwarzen Locken. Sie faßten ibre Hände, schritten leise um das schlafende Kerzchen und sangen mit süßer Stimme: Ein kleines Kerzchen. das Hannah hieß. Vorwitzig die Schwesterlein verließ. Nun liegt cs im Winke! mit wehem Bein ltn& kann weder gehen noch stehen allein. Ei la, ei la, tralla! Sie rühren die Hänve, «m zu erfreu'» Ihre lieben Menschen beim Kerzenschein. Nun komm, liebes Herzchen. Erwach! ES ist Zeit! Bald wird man dich holen, dann sei bereit! Beim Klang dieses Liedes schlug Hamrahkerzchen die Augen auf. versuchte sich zu erheben und siehe, gesund unheil war daS Beinchen geworden. — Eines Tages guckte das kleine Mädel in die Zimmerecke. Da sah es etwas Weißes schimmern und als es sich danach bückte, wie groß war seine Ucberraschung! Unter Spinnenspitzenschleicrn lag die kleine -avongclaufene Kerze Hannah! Behutsam nahm das Mädel daS Kerzenkinü in die .Hand, zog ihm alle Schleier aus und streichelte es zärtlich. — Wie die beiden nun so recht Wiedersehen feierten, kam der Junge vom Nachbarhaus dazu. „Schenk mir doch Lein liebes Lichtlein zu Chanukah" bat er die Freundin. Sie erfüllte seinen Wunsch und er nahm cs mit sich. — Wie klopfte aber dem Hannahlein das Herz vor Glück. Nun würde cs gewiß den strahlenden Helden Juda schauen. Nun würde die Erfüllung seiner Sehnsucht nahen. — Wieder kam das Lichtsest mit seinen Freuden. Wieder schmückte man die Menora mit schimmernden Kerzen. Lichtlein um Lichtlein wurde entzündet. Auch die kleine Kerze Hannah kam au die Reihe. Doch siche! Plötzlich flammte ein mächtiger Schein aus. weit leuchtend mit königlichem Glanze. Heilig strahlte er in alle Welt hinaus und hüllte Himmel und Erde in goldenes Feuer. Hell glänzte das Freiheitslicht, das Heldenlicht. Juda, Juda Maccabi! rief selig unser Hannahkerzchen. Es reckte sich und machte große, verzauberte Glücksaugen. Doch lange konnte es dies große Glück nicht ertragen. ES wurde kleiner und kleiner, verschmolz mit sprühendem Geleucht, legte das Köpfchen auf die Seite und sah noch einmal strahlend in die Flamme und das Gcsunkel der großen Freiheiiskerze, der Heldenkcrzc Juda. — Dann verlosch es. — Die Kerze Juda und ihre Brüder aber neigten sich trauernd zueinander und knisterten geheimnisvoll. — Trendelspiel. Von A u g u st e R o s e n t h a l- B u d w i g. M i t w i r k c n d c: Verkäufer. Kind, Trendelmitte sein größeres Kindt, die 4 Buchstaben des Trendels (Nun, Gimel, He, Schin), 4 kl. Kinder. Verkäufer trollt das lebende Trendel vor sich her): Kaust Trendel. Trendel, ihr lieben Leute! Ihr braucht welche! 's ist ja Chanukah heute! Kommt herbei, Mädels und Jungen, Frauen und tMänndl? Kaust Trendel, kaust Trendel! Kind: Hier komme ich schon angelausen Und möchte mir solch Ding wohl kaufen: Doch muß ich seh'u erst, »nie eS geht, Un-fc ob eS sich hübsch lustig dreht. Verkäufer: Gerne. Trendel. summ und brumm. 1 Trendel tanz' und dreh, dich um. tTrendel kreist.) Kind: Ach. wie hübsch! Laß mich mal dreh'«! tTrendel macht eine Vierteldrehung,) Berka User: Nur geschickt! Es wird schon gehn! Kind tdreht wieder ohne Erfolg): Ich bin dazu, scheint's. zu dumm. Sieb', es fällt la immer um. Verkäufer: Versuch's noch mal, nur immer Mut! (Kind dreht, das Trendel wirbelt herum.) Verkäufer: Siehst du, cs geht, 's ist schon ganz gut. Kind: Was sang' ich mit dem Ding aber an? Verkäufer: Das merkt sich leicht, wer Hebräisch kann. Kind: Ich kenne die Buchstaben, die ich hier sch', Doch waS wollen das Ginnei, das Nun, Schin und He? Verkäufer: Hier setz' ich 'ne Handvoll Nüsse ein. Gewinnst du sie. so sind sie dein. Nun drehe mal! Kind: Hier vorn steht's Nun. WaS bedeutet das? Was ist da zu tun? Nun: Du armer Wicht! Nun. das heißt: nicht". Hast nichts gewonnen, hast nichts zu zahlen. Mach'S bester bet den nächsten Malen! Kind: Ich drehe wieder. Ah. daS Schin! i I aclun: Freu' dich bloß nicht, daß ich da bin. Jetzt wirst in die Kaffe du zahlen müssen Den bestimmten Einsatz an Geld oder Nüffen! Verkäufer: Nur immer Mut! Noch einmal dreh'! Sind: Ei, das macht Spaß! WaS will das He? e: Man freut sich sehr, erblickt man mich. Der halbe Einsatz ist für dich. Kind (dreht): Und was mag's Gime! mir wohl sagen? Gimel: Darfst alles setzt nach Hauke tragen: Der ganze Einsatz ist jetzt dein! Kind: Da freu' ich mich! O. das ist fein! Trenöclmitte: Natürlich spielst du nicht allein. Es müssen recht viel Spieler sein: Denn je größer die Masse. Desto mehr in der Kasse! Kind: Ach. danke. Ich wcrd'S schon versteh'»! Nun gib mir mein Trendel, ich möchte geh'n. Verkäufer: Nachher darfst du dir ein hübsches wählen, Doch jetzt muß daö Trendel dir mehr noch erzählen, ind: Mehr noch? Dann hätten Nun, Gimel, He, Schim Am Ende noch einen anderen Sinn? T r e u d e l m i tt e: Ten erfährt, wer gut und fromm. (DaS Trendel dreht sich langsam^ Nun: Ness Gimel: godaul He: Schin: schom. Nun: Niemals Gimel: He: Schin: Nun: Wunder Gimel: He: Schin: Kind: Soweit K hojoli größere herrliche Zeichen. gar große sind damals gefcheh'n. ... . -. auch «teilte Gedanken reichen, Was das bedeutet, kann ich nicht versteh'». B e r k aus er : Sag' Kind, wann läßt du daS Trendel! springen? Kind: Nun. wenn ich gcrad' Lust Hab' zu solchen Dingen« Tr e ndclmitte: Das wohl, doch dem Trendelspiel ist geweiht Bor allem 'ne ganz besondere Zeit: Wenn am Chanukahlcuchtcr die Kerzen flammen, Daun setzt man sich zu dem Spiel zusammen. (Trendel dreht sich.) Nun: Und wir erzählen von alten Dingen: Nicht bloß, ob Gewinn und Verlust wir bringen. Gimel: Wir erzählen vom Könige, der den Zeus Wollt' anbeten lassen um jeden Preis: Der den Tempel entweiht durch daS Götzenbild! Und die Juden verfolgte grausam und wild. He: Wir erzählen nicht bloß. waS ihr zu bekommen, Nein, wir berichten von jenen Frommen, Die in so schweren Tagen ihr Leben Für den einzigen Gott haben hingegeben. Schin: Wir erzählen vom Lehrer, der lieber starb. Als durch sein Beispiel die Schüler verdarb. Von der Mutter mit sieben Söhnen. T r e n d e l m i t t e: Doch auch von Großem und Schönem« Nun: Vom Priester und seinen Söhnen, den Helden, Die zum Widerstand riefen, weiß ich zu melden. Gimel: Von Juda, dem Makkabäer, der schlug Die Feinde, die übermächtig genug. He: Und wie er den Tempel hat wiedergeweiht In jenen Tagen, uw diese Zeit. Schin: Wie acht Tage die heilige Lampe brannt'. Trotzdem nur ein Krüglein Oel sich fand. Trendelmitte: Wirst du an all diese Dinge denken. Wenn beim Spiel Ihr sitzet, Euch freut und lacht? Kind: Das vergesse ich nie mehr! Verkäufer: Dann will ich dir schenke«! Solch lustiges Ding, das dir Freude macht. Und ihr andern Kinder kommt alle heran! Ihr kriegt jeder ein Trendel: stellt Euch schön an. Seid hübsch artig und denkt auch beim Trendeldrehn 2ln das, was ihr hier gehört und geseh'n. (Verteilung von Trendeln.) Heimgang. Ein Bild aus dem Lebe« der Chassidim. Von B i n j a nt i tt Segel. „Komm, o Freund, der Braut entgegen, Königin Sabbar laß uns empfangen!" Dieses Berslein trällerte Reb Jekel Melammed leise vor sich hin, mährend er vergnügt in der niedrigen Stube aus und ab ging und seinen Gebetmantel zusammenfaltete. Oben an der Wand qualmte die Lampe und erhellte nur schwach den Raum: durch die Fenster drang der blaue Schein des erwachenden Winterrages. Draußen mußte ein grimmiger Frost sein, denn die Scheiben waren von einer dicken Eiskruste überzogen, aber im Herzen Reb Jekels herrschte eitel Freude und Wärme. Denn heute sollte er sie olle auf zwei, drei Tage los werden, nämlich seine Schüler, die vier Holzklötze, welche ihn um seine Lunge brachten wenn er ihnen den Wochenabschnitt aus der Bibel erklären sollte, und ihren Vater, den brummigen, ver» Das iah da§ Ehanukahmännchen mit Schreck Und schickte uns Elichen gleich hinweg. Zu trösten da§ Kindchen, behüten eS sein — In Träume singen — das Kerzelein. Ei ja, ei ja. tralla! AlS das Lied verklungen war, deckten die Elfen seine weiße Schleier, die wie Spinngewebe ansiahen, über daL Kerzchen und lagerten sich ringsum. Lange, lange Wochen verginge,!. ES wurde Frühling, dann Sommer, dann Herbst. — Noch mar die Schläferin nicht erwacht. Plötzlich ertönte ein Posauncnschall. ein einziger. Mächtig anschwellcnd und verhallend. Ter letzte Schofarton des Jom Kippur. Die Elfen schreckten auf. rieben sich den Schlaf auS den Augen, erhoben sich und schritten noch traumbefangen im Kreise. Wach' auf, lieb' Kind, wir schließen den Neih'n, Bald zieht wieder Ehanukah ein. Noch wohnt man in Hütten, mit Blumen geschmückt, DaS liebe Lichtfest unS später beglückt. Wenn draußen weift leuchtet der flaumige Schnee, Spürt man im Hanse EhanukahS Näh. ö£BR. 18Z? KONIGSTR. ECKE SPANDAU ERSTR MM Und Bub' und Mädel, so froh wie sonst nie, Summen und iinacn die Festmelodie