Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 49 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5. Jahrgang Nummer 49 Beilage 4. Dezember 1925 MAHtiberaleZÄmg Die jüdische Gegenwart Antisemitismus. Unter dieser Ueberschrist berichtet Erich Leopold in Nr. 48 der Zeitschrift „Tie W e ltbühn c" das folgende bezeichnende Erlebnis: Ich kenne eine evangelische Oberlehrerin an einer Höheren Mädchenschule im Westen Berlins. Die erzählte: Seit etwa einem Jahr iit in unserer Schnle eingeführt, das, die Mädchen für eine benachbarte Gemeindeschule Frühstück sammeln, das heißt: entweder ein Frühstück für die unbemittelten Kinder mitbringen oder von ihrem was abäeben. Die Frühstücksportionen werden morgens beim Schuldiener eingeliefert und von einem Kind der Gemeindefchule zu bestimmter Beit abgeholt. Es wurden im Durchschnitt täglich 30—40 Portionen gezählt. Am jüdischen Feiertag stellte sich heraus, das, beim Schuldiener nur ein einziges Frühstück, nämlich das meine, abgegeben war. Ich befragte meine Schülerinnen, warum heute weiter kein Frühstück abqeliefert sei, und erhielt die einstimmige Antwort: „Dafür sorgen doch immer die jüdischen Schülerinnen." Diese jüdischen Schülerinnen bilden den dritten Teil der Schule und sind von den andern zwei Dritteln gemieden. Vom Preußischen Landesverband. Der engere Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat in seiner Sitzung vom 29. November sich in der Hauptsache mit dem Stand der Staatsbeihilfen, der Verteilung der Dezernate und der Beratung der Satzungen für die Ausschüsse befaßt. Bezüglich der De- -ernatsoerteilung sind die bisherigen Beschlüsse mit der Maßgabe bestätigt morden, daß von dem volitiscben Dezernat mit gewissen Einschränkungen ein besonderes Dezernat für Gesetzgebung abgczweigt worden ist All«' Annelegenheiten. sür die ein besonderes Dezernat nicht gebildet ist. sind an das geschäftssübrende Mitglied des engeren Rates übertragen worden. Die Dezernate wurden an die Berliner Mitglieder des engeren Rates wie folgt verteilt: Politik Staatsbeihilfen. Antisennt'smus. Rechtssachen (außer Privatrechrsiachent: Freund: allgemeine Fragen des Kultus und Unterrichts. Pnsvatrechtssachen: Lilienthal: Gesetzgebung: noch offen. Verfassung der einzelnen Verbandsgemeinden: Klee: Finanzen. Subventionen. Ritualangelegenheiten: Galcwski: Wohlfahrtspflege: Türk: Neichsverband: Lilientbal. Freund Zum aeschäftsfübrenden Mitglied des engeren Rates ist Herr Tr Freund bestell! worden. Was die Ausschüsse anbclangt, so sind allgemeine Grundsätze aufgestellt und Satzungen für die Kultus, und Nnterrichtskommission. den Wahlausschuß und den Ausschuß sür Rcchtsgngelcgeuhciten dnrchberaten worden. Die endgültige Entscheidung liegt bei dem großen Rat, denen Zusammentritt für den 20. Dezember in Aussicht genommen ist. Woher stammt Antisemitismus? Welch alberne und müßige Frage wird man sagen. Solange Gehässigkeit. Neid und Dummheit über menschliches Gemeinsamkeitsgefühl triumphieren, gab es ihn, wird es ihn geben. Wie aber ist das Wort — als zmammenfassende Bezeichnung aller nach Vernichtung des Judentums zielenden Strebungen — in die Politik gekommen? Das ist faß unbekannt. Und doch hat einer der Unteren, unter lieber Freund und Mitstreiter I. Landau, der iet't im wrhim'rdienten Ruhestand lebende Chefredakteur des Berliner „Börsen Courier", als erster und einziger die Eutsie6nnasg•'s.luchte des Wortes „Antisemitismus" ausgemiat. In einem von Georg Büch mann zitierten Vortrag, den er in den achtziger Fahren des vorigen Jahrhunderts hielt, sagte Landau: „Einer der Gründer deS Norddeutschen LlvndS. Mener, der kein „Antisemit" war, hatte einmal im Reichstage über die Iudenschaft zu sprechen. Es war ihm peinlich den Ausdruck ,Juöe' zu gebrauchen. Deshalb sprach er immer vom »Stamme Sem'. Von den Deutschtümlern wurde der Ausdruck 1879/80 ausgenommen und daraus Antisemit gemacht." Und wieder trat, als erster. Landau, dieser ausgezeichnete deutsche Feuilletonist. nach vierzig Jahren hervor und riet, voll Trauer über die „antisemitische" Welle, die über Deutschland dahinrast. die Uebertentschen nicht mehr Antisemiten zu nennen, sondern sie als das zu kennzeichnen, was sie sind: Haßbesessene, „I u d e n h a s s e r". . . . Dr. Botho Laiersteiu. Das anttsemilische Schulliederbuch. Gegen die Verwendung des vor einer Woche an dieser Stelle zitierten völkischen Liederbuchs tu Königsberger Schulen hatte der Gauvorsitzenöe des Reichsbanners in Königsberg Beschwerde beim zuständigen Provinz ial-Schulkollegium erhoben. Sie war von Erfolg. Aus dem vom Oberpräsidenten Siehr Unterzeichneten Antwortschreiben teilt uns der Beschwerdeführer folgende Sätze mit: „Was den Tatbestand betrifft, so erklärt der Direktor, die Bücher seien, ohne daß das Vorhandensein vartcipolitischer Lieder bemerkt worden sei, vier- oder fünfmal in der Turnstunde den Schülern in die Hand gegeben worden, um daraus ein Marschlied zu singen. Einmal, im Juni, sei das Buch auch auf einer Wanderfahrt benutzt morden: bei dieser Gelegenheit habe ein Lied bei einem jüdischen Schüler Anstoß erregt. Der Lehrer hat den Vorfall dem Direktor unmittelbar berichtet, und dieser habe sofort die Einziehung der Bücher angeordnet. Hätten die Schüler der Anordnung gemäß alle Bücher zurückgegeben, so wäre keins in den Händen derselben geblieben. Müssen wir also auch die Eingabe in wesentlichen Punkten richtigstellen. so bleibt doch bestehen, daß den Schülern von einem Lehrer Bücher mit offenbarer Partcicinstellung übergeben sind. Das hätte unicr keinen Umständen geschehen dürfen: wir haben daher das Erforderliche veranlaßt." Gesamtorqamsaüon der deutschen Juden. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat sich in seiner letzten Sic ung mit der Frage -er Wiederaufnahme de? Arbeiten für die Schaffung der Gesamt- Organisation der deutschen Inden beschäftigt. Man war sich darüber einig, daß der Gemeindebnnd, der hierzu von den deutschen Juden aus dem GemeinLeiage vom 23. Januar 1921 das Mandat erhalten und sich bisher, nur um die Organisation des Preußischen Landesverbandes nicht zu stören, in der Oeffentlichkeit znrückgehalten bat, berufen sei. in dieser hochwichtigen und dringenden Angelegenheit die Initiative zu ergreifen Es herrschte ferner darüber Einmütigkeit, daß es mit Rücksicht auf die inzwischen geschaffenen Landesverbände nicht möglich fei. die für den Reichsvcrband auf dem 15. Gcmcindetag angenommene Verfassung unverändert aufrecht zu erhalten, daß cs vielmehr notwendig sei. den Verhältnissen Rechnung zu tragen und die Kompetenzen, die die Landesverbände sich gegeben, zu respektieren. Das bedeutet in erster Reihe, daß. soweit Landesverbände vorhanden sind, nicht die einzelnen Gemeinden, sondern daß die Verbünde Mitglieder der Reichsorganisation werden, daß ferner eine Besteuerung der einzelnen Gemeinden durch den Reichsverband nicht stattfinden könne, sondern lediglich die Verbände gewisse Matrikularbciträge an die Reichsorganisation abzuführen haben, insbesondere auch zur Schaffung eines Lcistungs-AuSgleichsfonds. Die eingehende Aussprache ergab über die Frage des einzuschlagenden Weges, daß rechtliche Bedenken dagegen, daß der T.I. G. B. der Träger der Reichsorganisation werde, nicht vorhanden seien, daß andererseits das Mandat von 1921 sowie gewichtige Gründe geschichtlicher und vermögensrechtlicher Art für den D. J.G. V. als Träger der Gelamto ram, jti o n sprechen. Es nm'dc betont, daß die formellen Schwierigkeiten einer entsprechenden Aenderung der Verfassung des D. I. G. B. nicht bedeutend seien, und daß das zuständige Neichsininisterium sich grundsätzlich bereit erklärt habe, die Organisation anzuerkennen. In Würdigung der Dringlichkeit dieser Angelegenheit wurde beschlossen, daß der Gcmeindebund an die Landesorganisationcn eine Einladung zu einer Auswrache über die Verwirklichung des Vorhabens ergehen lassen sollte. Gleichzeitig wurde angeregt, daß diese Einladung möglichst gemeinsam mit dem preußischen Landesverbände, dem mößrea Landesverb-pbe. evg'b": Tu ^io? Sinne ist noch an gleichem Tage die schriftliche Aufforderung an den preußischen Landesverband ergangen, gemeinsam mit dem Gemeindebnnde die Einladnngeu an die übrigen Landcsv.'ilißndc zu versenden. Es ist Ul ho.f.'n, dtt' in nbs'Z'barer Zeit die Reichsorganisation des deutschen Indcutums Wirtlichkeit sein wird. Hebbels „Iudich" in der Volksbühne. Neben dem Problem der weiblichen Seele mit ihren tausend Zwiespältigkeiten und Schattierungen ist es die Idee des Judentums im Gegensatz znm Heidentum, die von uns in dieser Tragödie entwickelt wird. Judith und Holofernes sind, obivohl Einzelversönlrchkeiten. doch Vertreten ihrer Volker, stärkste Konzentrationen für die Idee ihrer Gemeinschaft, aus der sie erwachsen und durch die sie bedingt sind. Judith ist die Vertreterin des .zu seinem väterlichen Gotte in mittelloser Beziehung stehenden Iudenvolkes. Holofernes die Verkörperung der heidnischen Idee, die i keinen unwandelbaren Gott kennt, der die Geschicke der Menschen vorschrciüt und leitet, wie bei den Juden, die vielmehr jedem erlaubt, sich zum Herrscher der Welt und znm Gotte -er Menschen zu machen. Diesen Gedanken, „die Menschheit hat nur den einen großen Zweck, einen Gott aus sich zu gebären", der. um der Welt sich zu beweisen, „sich ihr zum ewigen Kampf gegenüberstellt, sie zu Staub zermalmt. und ihr in der Todesstunde noch den Iubelruf abzwingt". diesen Gedanken in seiner ganzen menscheirverachtenden Schrecklichkeit, verkörpert er in seinem übermäßigen Krastbewußtsein. Nicht etwa der Gott der Versöhnung und des Friedens unter den Menschen wird aus ihrer Mitte hervorgehen, wie der christlichen und buddhistischen Auffassung nach, sondern der Zerstörer der Welt ist ihr Gott. Auflehnung und Verrat sind daher für ihn nichts. « „Was ist Sünde?" kann er ehrlich fragen: denn derjenige, der sich Gott zu sein vermißt, ist sür den Heiden der wahre Gott. Judith ist in ihren Beziehungen zu Gott die echte Jüdin ihrer Zeit. Das durch das Geheimnis ihrer Ehe auf ihr lastende Leben bekommt durch die vermeintliche Berufung einen Inhalt. Um aber ein sicheres Zeichen zu der Befreinngstat zu erhalten, liegt sie tagelang, von der Umwelt abgeschlossen, vor ihrem Gotte aus den Knien, um mit ihm Zwiesprache zu halten. Und der ihr anfangs sündhaft erscheinende Weg znm Herzen des Holofernes verliert die ihm scheinbar anhaftende Sündhaftigkeit. Es ist ia ein Gedanke von Gott. Und alle ihre Zweifel und all ihr schamhaftes Sträuben wird betäubt durch die Liebe zu Gott und zu ihrem Volke, ein Zug der ihrem Widerspieler übrigens vollkommen abgeht. Diese beiden Welten platzen aufeinander in der großen Szene des fünften Aktes zwischen Holofernes und Judith. Hier entschleiert Holofernes Judith eine neue Welt, arnd die männlich-kraftstrotzende und selbstherrliche Art tut ihre Wirkung. Im tiefsten Winkelchen ihrer Seele beginnt plötzlich Bewunderung und Liebe für diesen Mann sich zu regen, diesen Mann, den das Schicksal ibr zu hassen auferlcgt hat. Das ist ihre Tragödie. Dr spürt sic, daß ihre Seele empfänglich ist sür die sündhafte Anmaßung des Holofernes, und in dieser höchsten Not sucht sie den Schutz Gottes durch Gebete zu erlangen. Da kann sie nicht beten: die in ihrem Lande für die gottesfürchttgste Frau Angesehene ist berauscht von der Neuheit und Wncktt des Gehörten und kann den Weg zu ihrem Gotte nicht finden. So grauenvoll und ungeheuerlich ihr all das Neue ist, sie würde dem Holofernes mit Leib und Seele erliegen, wenn nicht ein Motiv sie doch die Tat ansführen ließe, die Rache des beleidigten Weibes. Dtc Aufsührung des Werkes in der Volksbühne erzielte große Wirkungen. Ellen Widmmnr gab eine Judith von reifer, geistiger Schönheit und Leo Renß den bcstiakischen Holofernes im peitschenden, geschnittenen Lederwams mit nicht nnsvmpatbischem Aenßercn. Ucber die Grenzen seiner allzu kleinen Rolle (Urahne SamncU wirkte Granach mit seiner ihm eigentümlichen Innerlichkeit. Besonderes Lob gebührt der Regie und Ausstattung Fritz Holls. der reizende, farbige Bühnenbilder mit viel Geschmack und wenig Mitteln schuf. Nahe! L i v v s ch ü tz. Berlin. (Ein neuer Sy nag og eneinb ruch.j In der Nacht zum Sonntag drangen Einbrecher in die Syna- > aoge in der Blumenstraße 95 ein. Sie stahlen kostbares > Silbergut, wertvolle Thoramäntel nnd Vorhänge der Heiligen Lade. Außerdem erbrachen sie die Kasse und entleerten den Inhalt. Von den Dieben fehlt jede Spur. — Es ist dies der neunte Einbruch in Berliner Synagogen in den letzten Monaten. Berlin. (Vortrag Prof. D r. Ludwig Stein.) Im Verein sür jüdische Geschichte sprach Professor Ludwig Stein über „Die Inden in der Philosophie der Gegenwart". Er stellte fest, daß. abgesehen von einigen Vereinzelten in anderen Ländern, sich der wesentliche Anteil der Juden an der neueren Philosophie auf Frankreich und Deutschland beschränke. In Frankreich repräsentiere da vor allen Henri Bergson, den man wohl den größten Philosophen der Franzosen seit Dcscartes nennen dürste. In Deutschland gäbe es ebenso viele bedeutende zünftige Pilosophen jüdischer Abkunft wie wissenschaftliche Außenseiter. Professor Stein nannte: Rathenau. Bnbcr, Laster, Mauthncr, Moszkowski, Brunner, Cohen, Hnsserl. Simmel. Nelson und Eassirer. So sehr sie alle in der deutschen Kultur ausgingen, so trenne sie doch ein Moment von der übrigen Philosophie: ein gewisser Optimismus nnd Idealismus fei ihnen allen gemeinsam, keiner dieser Denker sei ein reiner Materialist. Bremen. (Eduard A b r ah a m -F e i e r.) Anläßlich des 100. Geburtstages von Eduard Abraham, der am 27. November 1825 in Hastedt geboren wurde, fand am vergangenen Sabbat eine Gedenkfeier in der Synagoge statt. Mehr als 50 Jahre war Eduard Abraham als Armenoorsteher in der Israelitische Gemeinde tätig. Was honte die Arbeit des Jüdischen Wohlfahrtsamts und anderer Unterstütznngsver- IM! Aus den Gemeinden ixi ODustaxihl fertig xjm (SxjjgexJ ßdjdfie * öqexvzüfäktämßxei * öünfitge ißreiafieUano > i Sporipelse Ff. Ff. TPalaby-Kragen Opossumseiten-Fuiter. Opossum-K ragen Nutrianin -Fuder. Opossum-Krag en Opossumwammen-Fuitet. O 11 e r -K r a g e n Bisamwammen-Futter ..... | Autopelze Jagdpelze \ | Sthoffötpelze # Pelzdecken i 225 290 360 Ft. 550Ft. Hamenpelsse Zobel o± Nerz-ZickebJacke von 225% Seal-Kanin-Jacke (prima Qu*mo von 290% FoQlen-oder Seal-elektr.-Jacke v. 425% Bisam- oder Nerz-Murm.-Jacke v. 650%, Moderne Formen - Aparte Verarbeitung Bieg. Modtell - 'Pelzmäntel Seal-Elektrik - Nerz-Murmel - Bibeieü Bisam - Persianer - Seal-Bisam Ge&pelsce Seal - Elektrik - Kragen Bisamstirn-Futter. Sealbisam od. Oiterkrg. Bisambacken-Futter. Otter-Kragen Bisamwammen-Futter. 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