Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 49 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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foftinntlvf) bei anSerc« Zweigen des Menschengeschlechtge» fchehen ist und jetzt sofort zn besprechen sein wird. £enn nun iFt lwcfi 5te letzte Hauptfrage in- Auge zu fassen, welche die Wriifie des Beitrags betrifft. den die rerschiedenen Menschenrassen oder überhaupt MenschheitS- Sweige zur Förderung des KuUurforlschrittL Leigesteuert Haben. Diese Beiträge zunächst betreffs der äußerlichen, oder mechanischen Kultur im einzelnen genau vorzuführen. würde nicht bloß das 29issen»-gübiet des einzelnen überschreiten, sondern auch übe;Haupt kaum möglich oder nötig sein. Denn rrenn auch in den U-'berlreferungen der Phönizier, die man rn meinem Gcnenskommentar (1025). 302 vollständig über. iurdeu kann. die Erfinder z. B. der Angel, des Floßes, i er Fagdgeräie. der Ziegelsteine m'w. erwähnt werden, so hat es doch erüens noch niete andere solche Erfinder gegeben, «nd^ wer null .zweitens behaupten, daß z. B. Lampen. Koch- ^Oagcn uno Ackergeräte nicht bei vielen anderen Bockernchsslen nebeneinander durch Nachdenken oder glückncherl Busall ber^esreUt worden und? Wer also will leugnen, ran der wicht,qe Bcgrcki der Parallelerscheinung besonders aum in diesem Teile der Kulturgeschichte eine bedeutsame Nolke gespielt halb Leuchter möglich nt es. nuf den höheren Gebieten der Lul« tur den Anteil fest-,n stellen, den die wirklichen oder angeb- Jid,cu Menschenrnücn zur Steigerung der Kultur beigetragen haben, und diese Feststellung hesitzt auch gerade für die Listigen Bewegnugeu der Gegenwart ein Hauptinteresse. Denn leider muß es ja bekannt sein, wie laut die Vorkämpfer eruer genügen Strömung der neueren Zeit die Behauptung ausgesprochen haben .daß mindestens der Löwenanteil ar. Her Förderung der Menfchheitskultnr von der arischen oder iud-ogermani'chcu „Nasse" geleistet worden sei. Die Arier lall,.) Fuder. Perser. Griechen, Römer, Gerrnastcu uiw.j, so heißt cs in den Pamphleten und Fanfaren einer bekannten Panei, seien das Edelvolk, das die meisten nnd^bck.'uen Momente der Kultur geschaffen habe, mälirend die Ten.ntcn nur als die Nutznießer und Ausbeuter der von ckndercu geichasfonen Kukkurgütcr ausgetreten seien. Was sagt?m diesen Bockte irinen eines Chamberlain. Fritsch, Dinier und anderen die odjektiv prüfende Wissenschaft? Tie Momente, mit deren vom semitischen Bölkerkreis aus der TrorischrUt der .'-mltur beflügelt worden ist. sind schon in B.c,'ug ans ßn':" r.nßerüche Decke nicht so wenig zahlreich, rv'2 ruarr ckm eicht vorstellt. Denn wenn auch die vanbabn- Av.nstische ch'eiaung en:.?s Hugo Winckler und anderer, welche öreZander zum Ausgangspunkt schließlich aller &uU turfaltl'H'n '.nachen ino.litcti. bekämpft werden muß. wie man St r*Tf5 Fck'> iii!ä''n „Die moderne Babvloninerung der Bibel' , ck.F'2; ausgc-sührt finden kann, io ist doch anzuerkLn-m. eaß aus de.a Gebiete der Astronomie, des Kalenders. de-> Maß--. 'Lewimis- und Rdünzwefens in der Tat von den Bovyli'Niovu ipichngc Pfeiler der Kultur eingesenkt worden sind. Bucki -''^1 l.H-ann Wecker bin auf die innerlichste Leite an der Kncknr io wa-e es ein historisches Unrecht, wenn nicht öngeuiudon m irr de, das; öurch das hebräische Volk diesem ge iß ig neu Auluirgebiel eine Anzahl von wichtigsten Fermciu'eu mge-'cknk rvorden sind. stllan bedenke doch nur. daß in die;cr/Nation allein der Monotheismus.zur allgemeinen d.'ch>ksrcligron geworden ist. während er in Griechenland nur von e-inzelncn eAewueir Geistern erschaut wurde und d'.r'e deswcüen Ler Irreligiosität angcklagt und teilweise zum Giftbecher perurieckr wurden! Man bedencke ferner, das; jene ßiaiil'ü üßeiu inmitten aller umwohnenden Völker i".e Gwckesbilder verachtete! Man bedenke auch, daß die l. Menicheuvergönerung am persischen Hofe nur von Mardochai verweigert wurde! Der von Chamberlain und seinen Trabanten gemarhie Versuch aber, die hohe Ideenwelt der althebräijchen Literatur ans eine arische Volksschicht zirrückzufubreu. ,i: ein .anscheinend geschickter Fechter streich gewesen, der jedoch von öor historischen Forschung völlig verurteilt WWB—WB—B—— «erden mutz, wie in meiner Broschüre ,LSie weit hat Delitzsch recht?" (19211, 34 f. nachgelesen werden kann. Also auch das Volk, welches z. B. die monotheistische Weltanschauung zu den Kulturmomenten hinzugebracht hat. besitzt seine feste Stellung in der Ansbildungsgeschichtc der Menschheilskultur. Auch dies soll nicht ignoriert werden, wenn an dem Volk der Hellenen etwa das Erschauen des Schönheitsideals und an den Römern die schneidige Logik ihrer Jurisprudenz, und die straffe Organisation ihres Staatswesens gerühmt wird. Hiermit meine ick aber, in möglichster Kürze hinreichend aufgezeigt zu haben, wie das richtige Schlußurteil über die Beziehung von ..Rasse" und Kultur lauten muß. Erstens haben alle Menschheiis,zweige als Mitgift für ihr geschichtliches Dasein die Befähigung bekommen, die Kultur als deren Frucht zu erstreben, nur sind die einen durch die Gunst ihres Standortes ischiffbare Flüsse usw.) und durch den Einfluß ihrer geschichtlichen Berührungen frühzeitiger zur Ausbildung dieser Frucht gelangt, als die anderen. Zweitens aber sind die MenschheitSzweige. die an der aktiven »Förderung des Karlturfortschrities deS Menschengeschlechts sich beteiligen durften, nicht io wenige, wie neuerdings von manchen Stimmführern behauptet wird. Die Juden in Mexiko. Don D. O l ff. Die Einwanderung nach Meriko ist mit keinen Schwierigkeiten und Storungen verbunden: daher bringt jedes Schiff Hunderte von Einwanderern aus Europa nach Meriko. Tic mexikanischen Beamten führen nur ein Register aller Angekommcneu. für das die Immigranten nur den Namen angeben müssen. 'Nicht einmal einer Gcsundhcitsinsvektion in den -Läsen sind sie unterworfen. Jeder Einwanderer kann sofort Bürger von Mexiko werden, wenn er nur der Republik Treue zunchcrt und achlnnddreisckg Dollar bezahlt. Um ein Visum nach den Vereinigten Staaten zu erhalten, ist die Bürgerschaft der ersten zwei Fahre wertlos, da die Beamten der Vereinigten Staaten erst den als Bürger von Mexiko betrachten, der wenigstens zwei Fahre in Mexiko gelebt hat. Momentan befinden üd’ in Mercko sechstausend neu eingewanderte Fuden. Ihre Lage ist eine traurige. 'Nur gualifjzierte Arbeiter der Vanbranche können Beschäftigung finden. Tischler. Schmiede. Stubenmaler und ähnliche Berufe erhallen leicht 'Arbeit. Dagegen bekommen andere Berufe schwer Beschästigung, da die Industrie in Mexiko noch unentwickelt ist und keine »Fabriken bat. Tie Hauptbeschäftigung der Neiianackommcnen ist Handel und Hausieren: doch sind die Lerdicnstmöglichkeitcn sehr gering. Die einzige jüdische Oraanckalwn, die den notleidenden Einwanderern Hilst, ist die örtliche Bnoj-Britb-Logc. Sie hat ihr eigenes Haus mit 40 Betten und speist täglich hunderte von Fmmigranken, Einige hundert jüdische Fmmigranrcnsamilien haben hier eine Kolonisationsgesollschaft ins Leben gerufen. Sie haben sich an die mexikanische Regie'-ung gewandt, um Boden zu erhalten, worauf ihnen guter Boden zum Anbau, den sie mahlen sollten, versprochen wurde. Den Boden erhalten üe für zebn Dollar den Hektar und zwar aut Abzahlung innerhalb fünfzehn bis zwanzig Fahren. Die Fminrgranten-Koloniiationsgesellschaft bat berechnet, daß. um die registrierten zweibundertsünszigFamilien zu kolonisieren, sie wenigstens ein Kapital von 300 000 Dollar zur Verfügung haben muß. Da die arme mexikanische Negierung den Eingewandertcn finanziell nicht helfen kann, haben die allen Bürger non Mexiko die finanzielle Unterstützung der Kolonckations- -gesellschaft übernommen, damit das jüdische Kolonisations- Werk bald verwirklicht werden kann und alle cristen.zlosen Einwanderer der Lodenwirtschaft zugciührt werden. *31 Lersammümgskalender fff Aach«». Am DitttStag. de» 8. Dezember, spricht hier der Syndikus der Dereirckguns. für bar liberale Äudentum, Herr Rechtsanwalt Dr. Ddax Mayer aus Berlin. Berlin. lLiberale Synagoge Norden.) Gottesdienst: Freitag abends 7Ü Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend früh 10 Uhr. Breslau. iIüdisch-liberaler Jugendverein Mi) .Abraham Geiger". Briefadresse: Alfred Berger, BreSlau IS. Angustastratze 67.) Mittwoch, den 9. Dezember, abends SVs Uhr, Gruppe Süden, Leitung Alfred Berger, bei Herrn Waisenhausöircktor KolodzinSkn, Gräbschener Strotze 61/65, Referat von Ernst Goldner über „Füdische Erziehung". Freie Aussprache. Mitglieder, die der Gruppe nicht angehören, als Gäste willkommen. Sonntag, den 13. Dezember, abends 7>- Uhr, EhanukLh^ Feier bei Herrn Erich KönigSüergcr, Kaiser-Wilhelm- Straße 27, Lichterweihe. Herr Oberkantor Borin. Festan-« spräche, Festspiel, wusikalifch-deklamatorische Darbietungen. Dortmund. Hier findet am Sonnabend, den 5. Dezember, abends 8!4 Uhr. in der Aula, der Knabenmittelschule Gronaustratzc. eine öffentliche Versammlung statt, in der der Vorsitzende der Vereinigung für öaS liberale Judentum. Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern aus Berlin, über das Thema „Liberales Judentum in Gesinnung und Tat" sprechen wird An den Bortrrg soll sich eine freie AuS< spräche schließen. GeLienkirche». Am Sonntag, den 6. Dezember, abends 8^ Uhr, spricht Herr Rechtsanwalt Stern. Vorsitzender der Vereinigung für dos liberale Judentum, in der „Amos-Loge". Bahnhofstraße 14, über das Thema „Wer nennt sich liberal — Wer ist liberal?" Köln. Mittwoch, den 9. Dezember, abends 5X Uhr, spricht im Gabriel-Rießer-Saal der „Rheinlandloge" Herr Rabbiner Dr. 'Norden-Elberfeld über daS „Wesen des jüdischen Liberalismus". Kalendarium für dir Zeit vom S.12.-. 12.12g S2SZ Dezember 1925 KiSlew 5685 Sonnabend S. 18. Wochen-Abschnitt: Waiischlach (1. B. M. Kapitel 32,3-36) Haftarah: Ohadja 1 (1—21) Sonntag 6. 19. '!• :■ Montag 7. 20. Dienstag s. 21. Mittwoch 9. 22. Donnerstag 10. 28. Freitag 11. 24. 1. Abend Lhanukah Sonnabend 12. 25. Sabbat Ehanukah —Neumondweihe — Wochen-Abschnitt: Wajjeschew» ~ (1. B. M. Kapitel 87--40) Haftarah: S'charia 2,14—4^7 SSdttes »IglKRISfAlE nur Qualitätsware, kauft man am besten bei Gluskinos -»= 3 Qesciittne -------- - - Leipziger Streite 93 Kurfürstendamm 33, Ecke Grolmanetrabe Maa&enstra&e 11 am Nollendorfplaiz Kstsmers mtb Lezim. L/ckp i2dr;cheu Murfickauten »«d S-i«!ern. Vrn Dr. B. Sch i dl o f. lZiachdruck verboten.) UTiiCj :-cit oiciet? Beizungen und Verneinungen, denen nie Fudcv r'vn. Denen ihver ,Feinde ausgefetzl sind — Bejahungen, die irw ans schlechte und Verneinungen, die sich auf guce stigLuickHs.-.-n d,.--? ,'-,udcu vezieben — steht auch die Behairpnnzg. d:e Fuden. hüten keinerlei schöpferisches Talent in der Ncknir. Aun>, wrs non den Fuden in musikalischer Hinsicht än'chck'eu v.nrrden ist, trage keine Spur eigenen, natiovalent E'.uunndi'n >. snnderu sei ein mehr oder weniger geschickter Äbklaisch inpickaiischcr GesiWsinomcnte, die nur den Wnstst'ölke:-n eigen und. unter denen die Juden leben. Deschslb wären alle j,id-scheu Melodien bloß Umgestaltungen germc.niscker. 'lavischer, orientalischer, romanischer Musik, auch zigeuucreicher, n-n man nachznmeisen sucht. Keine Ausnahme mach: drbei die Trnagogenmusik, keine Ausnahme machen die Melodien der ältesten Gebete. „Kol nidre" ist irgend eine unbekannte dcitcklbe ober vielleicht, ungarische (zigeunerische) Melodie auS dem ist. Fnhxhundert,' L'dowld boruch eine „Bergmpsea" eine ckalien-schc Tanzmelodie ans der gleichen Seit, „Moaus zur s schuosfG ein eck germanischer Schlachtengesang. Man tnöchte annehmen, daß solche Behauptungen nur von fanatischen Fttdenseinden ausgchcn konnten, jenen sattsam öc-. kannten Personen, die keine Ahnung vom Judentum haben, keinen Buchstaben hcoräisch zu lesen verstehen, niemals eine Synagoge besucht haben, keinerlei jirdische Gebräuche kennen, noch viel weniger iluwn Sinn verstehen gelernt haben, die gber frech und froh Bücher über das Fuden tum. die Bibel, den Talmud, den Schulchau Llrnch schreiben und Werturteile abacben, die geunti ich reu Urhebern an Borniertheit, Gewisscnlv'igkeit nnd> Fguoranz gleichen. Doch die Angaben über die jüdische MnsiL mit all den absprcchenden Auslassungen darüber kommen auch von jüdischer Seite. Von Munkschriftstellern, die mit aller Gründlichkeit gleichfalls zu beweisen suchen, die Juden hacken keine überlieferten Melodien, keine eigene ÄNusik: es sei zweifelhaft, ob ne überhaupt je eine Musik im modernen Sinne besessen hätten und wenn dies vielleicht doch der Fall gewesen wäre, dann wäre sie jedenfalls spuallos vcrschwin'.dcn. Und somit bemühen sich auch die gelehrten jüdischi'n Mvnkschrisrsteller und die nicht minder gelehrten Ehasanim nachzmveisen. daß alle jüdischen Melodien nicht jüdisch seien. Es soll gar nickst ans die berühmten Komponisten aus jüdischem Stamme hiugewiesen werben, nicht ans Offenbach, Mendelssohn, '^oldmark, Malster, von den vielen weniger berrckimten nicht zu reden: auch nicht aus die zahlreichen jüdischen Dirigenten und Virtuosen, die jüdischen Sänger und Sängerinnen. Wieso ist cs aber möglich, daß ein Volk, das so unmusikalisch war. daß es nichts, aber auch absolut nichts aus seiner Frübzait der Nachwelt zu überliefern nermochte, das nickst einmal die Fähigkeit besaß, für seine heiligsten Stimmungen einen musikalischen Ausdruck zu finden, wieso werden gerade aus diesem unmusikalischen Volke Juden nicht nur heute als Musikanten — um den gewöhnlichen Ausdruck zur gebrauchen — sv geschätzt, wie kam es. dgh sie auch vor Jahrhunderten als „Spielleute" beliebt Dären, so beliebt waren, daß die christlichen Konkurrenten sich geschädigt fühlten und danach tracksteren. den Fuden auch diesen Erwerbszweig unmöglich zu machen?! Die jüdischen Musiker münen sich aber eines besonders guten Rufes erfreut haben, denn trotz aller Anfeindungen wurde ihnen das Privilegium, an christlichen Feiertagen und bei christlichen Festen, hei Taufen, Hochzeiten, zu spielen, nicht genommen. Solche jüdische „fahrende Spielleute" fanden sich in vielen Lrcrdern. Einzeln und in ganze Kapellen zusammeugeschlonen, boten sie ihre Dienste an, von denen gerne Gebrauch gemacht wurde, und manche solcher „jüdischen Fgpelleu" cif teure sich eines künstlerischen Rnses. Eine solche Mnsikverern-gnug beschränkte sich jedoch nicht allein ans Fnstrumentaliausik: cs waren auch Sänger darunter und Spaßmacher, ein Ueberbleibsel der alten Schalksnarren, worauf ja der Nanre „marsmalik" hindcutet. Es war aber auch die Bezcichnung „Lezim" für jüdische Musiker gebräuchlich, „Spötter", und dieser Beingme wäre unverständlich, wenn man nicht anuchnien würde, die Musikanten hätten nicht nur ans Fnstrmneuicn gespielt, sondern auch gesungen und deklamiert, sich als „Lnstigmacher" betätigt. Lkeider ist wenig brauchbares geschichtliches Akaterial über die jüdischeu Musikanten ans unsere Feit gekommen: was vorhanden ist, trägt.zumeist einen so ausgesprochen tendenziösen. meist also juöcvseindlicheir Stempel, daß für den nach Wahrheit suchenden Forscher wenig herauszuholen ist. DaS Material ist auch zu sehr verstreut, in den newchiedensten Büchern verborgen uuo es Le dürste eines Svezialsorschcrs, der sich die Darstellung der Musik unter den Fuden zu einer Lebensarbeit gestalten würde. Vereinzeck finden sich ja ganz iuteressanie Angaben. Besonders über die jüdischen Spielleute in Prag sin siebzehnten Jahrhundert gibt es allerdings interessantes, worüber auch Paul )cetil einige bemerkenswerte Angaben macht. Durchaus charakteristisch ist die Nitveilung non einer Eingabe der christlichen Musiker in Prag. Sie wandten sich mit einem Gesuä), datiert vom 17. April 1661, an die böhmische LtaLthalrerei und baten, den jüdischen Musikanten das Spielen an christlichen Feiertagen zu untersagen. Das Verlangen wurde besonders durch die Behauptung zu. begründen gesucht, daß die Faden „die Music coufnse verstnpsen. ivedcr tempo noch tuet führen und der edlen anmutigen Musik mit spott ihre aestimation benehmen". Zweifellos interessanter als diese einfache aus Konkurrenzneid entstandene Beschuldigung ist jedoch die weitere Behauptung, „die Fuden hätten keine eigenen Kompositionen, sondern ahmeu nur in elender Wecke die christliche Musik nach." ES scheint aber mit dieser Behauptung bereits damals nicht ganz gestimmt zu haben: würden die jüdischen Musiker nichts anderes haben bieten, können als eine elende Nachahmung christlicher Musik und dazu noch ohne Temvo und Takt, dann wäre es nicht notwendig gewesen, die jüdischen Musiker als gefährliche Konkurrenten zu bekämpfen, denn man hätte sich kaum ihrer bedient. Man hätte sic auch nicht nach Städten zitiert, wo sicher kein Mangel an Musikern gewesen ist. Mit welcher Besetzung jüdische Orchester arbeEeteu. darauf deutet ein Bericht über das Freudenfest bin. das 1716 anläßlich der Geburt eines kaiserlichcu Prinzen abgehalten wurde. Vom jüdischen Orchester, da? mitwirkte, werden 19 Trompeten. 8 Geigen. 4 Waldhörner und 4 Kesselpauken erwähnt. Das dürsten abe^ sicher noch nicht alle Instrumente gvwesev sein. Daß die Juden auch kompositorisch nicht unbedeutendes leisteten, darüber gibt die Musikgeschichte verschiedene Beugnissc. Es handelt sich allerdings dabei um weltliche Musik, da über die synagogale Musik nur wenig autcheutisches DLaterial existiert. Unter den weltlichen Musikern hat L^r Name des Mantuaner Komponisten Salowone de Rosst eine weit über die Grenzen seines Landes und auch lange über seine Lebenszeit hinaus währende Berühmtheit erlangt. Seine Kompositionen wurden nicht nur von fernen Zeitgenossen geschätzt, und der Mantuaner Hof erwies ihm nicht umsonst hohe Gunst und Anerkennung. Es war sehr viel, daß der Herzog durch besonderes Dekret dem Meister gestattete, ohne das beschämende Fudenabzeichen. den gelben Fleck am Hute, ausgehen zu dürfen. Dieser gelbe Fleck — wie konnte mit ihm ein Jude so lejchk als Komponist Anerkennung außerhalb deS Ghettos finden? Weiß man denn, wie viele jüdische Musikgenies mit dem reichen Quell ihrer Melodien, eigener, echt und durchaus jüdischer Melodien, ererbte, im Blute liegende Harmonien über die Gebete ergossen, deren Texte besonders die Psalmen, wohl geeignet waren, schlummernde, atavistische Empfindungen musikalischer Art zu wecken und wieder neu zu beleben? Jüdische Spielleute und Musiker! Gewiß. eS sab auch schlechte unter ebnen, auch Nachahmer und Verzerrer. In welcher Kunstgattung gibt es deren nicht? Und welches Volk bat nur Genies? Tie Leistungen der Juden auf mustkalischevr ckjebiete sind so zweifellos, daß man verwundert sich fragen muß. wie jüdische Musikfachleute eine jüdische Originalmusik ableugnen können. Aus welchen Ursachen diese merk-' würdrgcn Versuche. ursüdischeS auch in der Musik nicht aelteu zu lassen, entstanden sind, und wie man Lurch Umkehrung von Tatsachen diese Versuche zu stützen sich bemüht, Larübev wird noch einmal an dieser Stelle zu reden sein. Sei« wirksamstes Argument. Karl Erlmger zum Antisemitismus. Dir hatten uns an den bedeutenden Schauspieler. Kart Etliuger, Le» lange. Zeit Mitglied der Berliner StaatStheater war, und dessen Werk „Moritzchens Tagebuch" (Verlag LouiS Lamm-Verlin) — von unserem verstorbenen Freunde, Getzeimrat Professor Tr. Ludwig Geiger, als eine der wirksamsten Humoresken deutscher Spräche bezeichnet —, das Entzücken aller jüdischen Leser gebildet hat. mit der Bitte um Mitarbeit gewandt. Darauf sendet uns Etlinger, Ler als Schriftsteller unter dem Namen „Aarlchen" schreibt, Liesen Beitrag: AlK achtjähriges Kind habe ich — (ich Lin nämlich Arier. Christ) — meine erste antisemitische Aeußerung getan, worauf mein Onbel (ebenfalls Trier unh Bauernsohn) einen Ochsenziemer nahm und mir eindrucksvoll und'schlagend erklärte: „wie Ler Nächste zu lieben fei!" Diesem so empfangenen körperlichev Eindruck binM mit den Jahren geistig nachgekormncn und halte nunmehr als». reifer Mann Lie Methode meine'- DheimK .für die einzige ,Form der geistigen AgKeinandersetzung mit diesem Problem.