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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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GS ist bezeichnend. Latz in der religiösen ArgendtHre, wie Ne die Schrift über die Religion der Vernunft bringt, die Tugenden der Ethik des reinen Willens Wiederkehr««, nur alle mehr aufs Individuum direkt bezogen. Die letzte und oberste Tugend heißt hier z. B. nicht Humanität, sondern Frieden. In der Humanität ist offenbar dieselbe sittliche Idee, nur mehr objektiv auf die Allheit bezogen, ausgedrückt. Der Frieden, das ist die Versöhnung und der Einklang des Menschen mit sich und der Menschheit. Wir müssen viel köstliches Gut am Wege liegen lassen. Die Untersuchungen Cohens über die Versöhnung und den Versöhnungstag. über das Gebet, über das Gesetz, welches alö Zeremonialgesetz verdächtigt wird, aber in Wahrheit auf sittlichem Grunde ruht, dürfen wir nicht meiter ausführen. ES kam uns darauf an, die prinzipielle Stellung Cohens zur Religion und Religionsphilosophie zu charakterisieren. Aber Hinweisen wollen wir Loch noch auf seine ästhetische Würdigung der Psalmen und Propheten, die zum Schönsten gehört, was die philosophische Literatur unserer Tage auszuweisen hat: man findet sie in Len „Jüdischen Schriften" CotzenS. Unsere Zeit, bewegt von tausend Stürmen politischer und religiöser Art. gibt nur allzu willig dem metaphysischen Drang nach, der erkennen will, was die Welt im Innersten zusammen hält. Tie Frage nach den Attributen des Wesens ist an der Tagesordnung. Ausgehend von der dogmatischen Ueberzeugung, Latz die Welt ein fertig gegebenes Ganzes sei. nicht man Gott hinter den Dingen. Intuition und Metaphysik sind die Schlagworte des Tages. Der Enthusiasmus. der geistige Impuls, der die Seele unwiderstehlich zuw sittlicheu Ideal hivreißt. und der nur geboren werden kann aus der Einsicht in die ungeheure Problematik unserer Lage und dem sicheren Bewusstsein unserer Bestimmung, wird, so fürchten wir. darunter leiden. Demgegenüber stellen Religionsphiloiophie und Ethik Cohens ein sittlichgeistiges Arkanum dar. Hier gilt kein Versteckempiel» kein Flüchten ins Unbewußte und keine Verdinglichungder Problematik. Diese ganze Philosophie ist ein einziger Appell und eine einzige Aufforderung zur Selbstbesinnung aus die menschliche Freiheit. Und bei aller Anerkenntnis der Schwere und der Last des Daseins vergoldet die Menschenliebe die werdende Wett mit deu Strahlen der Zuversicht und öer Hoffnung. Wie soll es der Jude machen? Dieser Beitrag ist öer Broschüre eines christlichen Autors namens A. Reichenbach entnommen. die zur Zeit öer großen Stöcker-Hetze, im Jahre 158s». im Magazin-Verlag zu Zürich erschienen ist. Tic folgenden Ausführungen dürfen noch heule Aügemcingültigkeit beanspruchen. . . . Der Jude ist überdies, wie allgemein anerkannt, i'ou Hans aus sparsam, genügsam, nüchtern. Diese Eigenschaft kam ihm trefflich zustatten. Er erwarb und erwarb teilweise viel, er wurde reich. Und weil wir wohlhabende und reiche Inden unter uns haben, heißt eS, der Jude hat Las Geld, der Jude ist der Großknpitalist. die soziale Frage ist die Iudensrage. Den armen, selbst bettelnden Juden kennt mau gar nicht, will ihn nicht kennen: er geht fa auch nur zu seinen GlaubenZbrüdern. und diese haben aner-- kanntermaßen eine viel bessere Armenpflege al§ die von Darnrhrrzigkeit und Nächstenliebe nberslietzenden Christen. Der Jude treibt öcu Kleinhandel, den Schacher, geht in schlechter Kleidung einher, begnügt sich mit einem Stück Brot und einem Glas Wasser den Taa über. Da zeigt n)ap auf den schmierigen Inden, den schäbigen Inden, den gcuzigcn Inden, denn als Jude mutz er doch Geld, und zwar viel Geld haben: er hat seine Schatze zu Hauseer ist nur zu geizig, um einen ordentlichen Nock anzuziehen oder sich ein ordentliches Essen zu gönnen. «v, ^ei‘ Meiöct sich modern, geht, fährt spazieren, die Mutter putzt die Kleinen und schickt sie auf die Promenade. wirft man ihm vor. daß er sich vordränge, sich zu sehr zeige, prunke, hochmütig einhergehe wie ein Pfau, nur um zu bewci'en. daß er es habe, daß er es machen könne. Der Jude ist Kaufmann. macht bedeutende Geschäfte. Bank- und Börsengeschäfte. La wird ihm vorgeworfen. daß er zu keinem anderen Geschäfte greisen möge. Latz er eben doch von Hause aus Schacherer sei: Latz er Len Harvbel, die Börse beherrsche; für alle vorkommenüen Unfälle wirö er verantwortlich gemacht. Der Jude studiert, widmet sich der Wisienschaft. Da sagt man, er drängt sich frech in alle Berufstreiie ei», kein Gebiet sei mehr vor ihm sicher. Wird er Jurist oder Mediziner. wirb es als Spekulation ausgelegt, weil er da am meisten verdienen oder sich am ehesten emporschwingen könne.... Der Jude wird Literat, da beherrscht er die Presse, mengt sich in Sachen, die ühn nichts angehen. verdirbt die Tagesliteratur. vergiftet die öffentliche Meinung, reitzt die Ideale herunter usw. Der Jude wird Künstler. Selbstverständlich macht die Kunst sofort Rückschritte, zerfällt, gleichviel, welche Kunst es ist. Der Jude wird Fabrikbesitzer. betreibt Industrie. Natürlich ist er da der Blutsauger par exccllence, der Arbeiterschirider: die soziale Frage ist Judenfraae. Datz die Ware des jüdischen Fabrikanten nie gut und echt sein kann, ist selbstverständlich. Der Jude areift zu einem Gewerbe. «Was versteht denn der Jude davon? Mutz der auch noch ins Handwerk hineinpsuschen? Diese Juden verderben doch alles!" Ist der Jude zurückhaltend, wird er verspottet und für feige erklärt: macht er sein Recht geltend. tritt vor und spricht mit. nennt man ihn frech. Mancher indische Vater Zog es vor. zurückhaltend zu sein und den Spott über sich ergehen zu lassen. Der Sohn hingegen weitz es. datz er gesetzlich gleichberechtigt ist: von diesem Recht will er Gebrauch machen. Wenn dieses nun vielleicht in etwas stärkerem Matze geschieht als dem anderen erwünscht ist. wenn es aufsällr, vergesse man sa nicht, dstz der Jude lange aenug schweigen mußte und geschwiegen hat. Ueberdies kan» Zudringlichkeit nur bei einem Ungebildeten Vorkommen, der wahrhaft Gebildete ist nie zudringlich, gleichviel ob er Christ oder Jude ist. Aber das Eigentümliche ist. daß der Christ eben ein besonderes Auge auf den Juden hat. Wenn in einer Surdt zehn Prozent Juden sind heißt es. diese Stadt wimmelt von Juden: zeigen sich sechs Juden mit den Frauen ans der Promenade, so säst der Christ, die Promenade ist voll von Juden. Datz die allergrößte Mehrzahl nicht aus Juden besteht, übersieht öer Christ, er erblickt nur den Inden, und für diesen ist sein Blick vom Gisre des -Hasses geschärst. Der Mitchrist kann sich die schwersten Vergehen zuschulden kommen lassen, er kann von Branntwein berauscht auf der Straße liegen, das wird alles mit dem Mantel christlicher Liebe zngcdeckt. Am Juden aber wird die geringste Schwäche bemerkt, vergrößert und ausvosaunt. Es ist ganz und gar falsch, für den Hatz der Christen gegen den Juden irgendeinen anderen Grund auszusuchen, als datz er eöen Jude ist. Ein anderer kann ganz und gar in derselben Weise auftreten. nran hat vielleicht einen Tadel, aber keinen Haß. Wird der Jude aber Christ, so vergißt man ihm den Juden doch nicht: man lächelt darüber, wenn er sagt, ichbin kein Jude, ich bin Christ Kurz und gut. der Jude kann sein, wie er will, er kann sich benehmen, wie er will, es ist dem beschränkten Christen, und selbst wenn er Professor ist, eben nicht recht. Er kann ihn einmal nicht leiden, weil er Jude ist. .... ES ist ganz dieselbe Beschränktheit in religiöser wie in politischer Beziehung, wenn jemand in jedem Franzosen gleich einen Feind erblickt, nur weil er ein Franzose, sonst aber vielleicht ein ganz vortrefflicher Mensch ist. Es ist daher auch nur von einer gründlichen, sich über alle Zweige und Gebiete des menschlichen Lebens erstreckenden Bolksaufkläruna die Ueberwindung dieses immer noch mächtigen Vorurteils zu erhoffen . . Es muß eine Volksanfkläruna sein, welche das Dina beim rechten Namen zu nennen weiß, welche Religion wie Politik imgescheut zu ihren Gebieten .zahlt: sa es muß eine Volksaußklärung sein, von welcher auch Herr Professor Heinrich von Lrcitschke noch etwas lernen kann." Sendet die fälligen Beiträge niiiiiiiiiwiiiHwiMiiiimw MMMNMMMMMKIMWMIMIIIllll!! raciiiiiininn^ Baumkuchen Torten * Feingebäck mit garantiert reiner Naturbutter fte alle Festlichkeiten liefert frei Heus •a M. Ü 3§ 3' M3?H KMMMrclPaelMfaltr Gegründet 1827 Berlin,NW 6, Aibrechtstr. 19 Telephon: Norden 8021 Spendenliste. (Abgeschlossen am 7. November 1925.) An weiteren Spenden gingen ein: 6 Mk. Ad. Ohlhansen-Königsberg, I. Hermann-Frankfurt a. M., M. Oppenheimer-Frankfurt a. M., S Mk. Salln Slutzky-Frankfurt a. M., 1 Mk. Leopold Ehrmann-Bergen, Kr. Hanau. Allen Spendern danken wir herzlichst. Mitglieder und Freunde! Folgt diesem Beispiel und fördert auch finanziell unsere Bewegung! (Postscheck-Konto: Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137 069.) Vereinigung für das liberale Judentum E. B. Kalendarium für die Seit mriM.1M.2U1.1925. November 1825 Chefchwan 5688 Sonnabend 14. 27. Neumond weihe Wochen-ÄLichnitk: Chaiiessoro ,1. B. M. Kapitel 23—25,18) Haitarah: I. Könige. 1 11—31) Sonntag 13. 28. Montag 16. 20. TienStaq 17. 30. 1. Dag Roi'ch Cbodcfch Kislew 5686 Mittwoch 18. 1. 2. Tag No sch Cliodesch Donnerstag 18. 2. Freitag 20. o. Sonnabend 21. 4. Wochen-Abschnitt: Tauldrauß 11. B. M. Kapitel 25,19—28.8) Haftara-H: Maleachi 111—14). 2 (1-7) wähnt, ist der Prophet Maleachi. der zur Zeit des Nehemia gelebt haben soll. ..Siehe, ich sende Euch Eliahu. den Propheten, bevor cintrisst der Tag des Ewigen, der große und furchtbare, und Eliahu wird zurückführen üaS Herz der Väter zu den Kindern und das Herz öer Kinder zu ihren Vätern, daß ich nicht komme und die Erde vernichte." (Spricht Adonai.) Tie Evangelisten Matthäus. Lukas und Markus haben diese Anschauung übernommen und wiederholt: dem Christentum erschien schon Johann der Täufer, der das Kommen Jesus verkündete, als Elia. —. EL ist erklärlich, datz die verschiedenen Richtungen im Judentum die Gestalt des EliaS je nach ihrem Standpunkt! verschieden ausfassen. Wir haben Gelegenheit gehabt, | orthodoxe Rabbiner über dies Thema zu hören. Aus ihren Worten klanghervor, daß das Zusammenknhren öer Väter und Kinder eigentlich mehr als ein Zurncksühren der Kinder, d. h. öer neueren Richtung zur alten, strenggläubigen Ansfassung von Lehre und Gebot anzuseben sei. Ein zionistischer Kanzclredner faßte die Gestalt des Elia als den Geist ans. öer das Judentum aller Richtungen für den Aufbau des palästinensischen Staates begeistern sollte. Wir liberalen Juden werden natürlich vom Standpunkt öer Propheten ausgehen, von denen ia die Mehr,zahl und namentlich d'e späteren auch den Messias nicht als eine Person, sondern als den Geist erwarteten, öer Welt und Menschheit erfüllen sollte. - Weshalb ist nun gerade Elia eine solche ZsukunsiShoffnung. ein Vorbote, ein Künder des Friedens für das Judentum geworden? Wir können und müssen annehmen, weil er nicht nur ein Mann des Wortes, sondern auch der Tat war. AIS er auf dem Berge Karmel die Baalspropheten zu der großen Probe und Entscheidung heraus» forderte, ob Baal oder Jehovah der wahre Gott sei. der mit himmlischem Feuer das Opfer in Brand seren und öer Dürre und Hungersnot durch Regen ein Ende machen wird, da rief daS Volk: „So sei es", oder wie eS in älteren Übersetzungen der Bibel beißt: „DaS ist eine Tat." Die große Menge will immer Taten und Erfolge sehen: deshalb ist vielleicht EliaS die Hoffnung des indischen Volkes geworden, weil er den Glauben an Jehovah dem Volke wieder zum Erwachen brachte, weil er Erfolg hatte im Kampfe gegen den Götzendienst — und weil er doch nicht auf einer so gottnahen Höhe stand wie Moses. Wir aber müssen uns fragen, kann der EliaS, der nach dem Sieg seines Gottes über den Baal. dessen Propheten vom Volk nie-ermachen, der nach der Bibel 850 Menschenleben vernichten liest, der Bringer oder doch wenigstens der Vorbote des messiarrischcn Friedens sein? Doch EliaS blieb ia nicht der gleiche in seiner Laufbahn: als er am Horeb weilte, empfand er feinen Gott nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feutzr, sondern in einem leisen sanften Säuseln. Nur so können wir den wiederkehrenden Elias auffassen, als einen Geist, der die Gottheit und das Göttliche im Menschen a^s Milde und Lieb-e darstellt. Der vom Jenseits, in daS ihn ein feuriger Wagen entführte, geläutert und geklärt zurückkehrt. Gelautert von den allgemein-menschlichen Schlacken des Hasses und der Erbitterung, selbst wenn sich solche gegen Abgötterei und menschliche Verderbnis richten: abgeklärt zu öer Ausfassung öer späteren Propheten, daß Jehovah nicht allein der Nationalgott Israels, sondern die Idee einer die ganze Menschheit umfassenden Gottheit ist. Tenn wenn wir das Wort des Malcachi, datz der miederrchrcnde Elias Väter und Kinder wieder zurückführen soll, im liberalen, d. h. freien und weitergehcnden Sinne aufiassen wollen, müssen wir doch noch an weitaus anderes denken. Gewiß mutz die praktische Wirksamkeit der Idee des Judentums, die Verbreitung des Monotheismus in reinster Form über alle Welt und Menschen, die Verwirklichung der mesjianischen Frieöcnsiöee von einer einheitlichen Auffassung im Judentum abhängig gemacht werden. Aber handelt e§ sich denn nur um Väter und Kinder, also um ältere und neuere Richtungen im Judentum? Müssen wir nicht Maleachis Wort (wie wir Liberale denken und fühlen) auch vcziehen aus die Tochterreligionen des Judentums, aus Christentum und Jilam? Und wenn wir diese einbezieyen. wenn wir glauben, daß der weiter ausichauende Geist des Propheten, der vor reichlich zwei Jahrtausenden gesagt hat. datz der „Name üeS Herrn Zebaoth vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang unter gllen Völkern groß sein wird", auch an die zukünftige Möglichkeit und Spaltung unter den Gläubigen Jebovahs gedacht hat. geben wir unS mit einer solchen Auffassung durchaus nicht der Erwartung hin. datz sich solches in einem auflodernüen Feuer der Degeisteruna und in einem Orkan der Leidenschaften vollziehen wird. Das kann nur im stillen, sanften Säuseln, daS die Herzen und die Geister weich und empfänglich macht, geschehen, in langer, stiller unablässiger Arbeit des EliaLgeisteS. Das ist das Wunderbare an dieser Idee: eine religiöse Gemeinschaft bat in dem täglichen Tischgebet ihrer strenggläubigen Anhänger die Bitte: „Der Allerbarmer sende un§ den Propheten Elias, daß er uns verkünde heilvolle und trostreiche Botschaft." Wahrlich, wenn etwas für das Judentum spricht, so ist es dieses: nicht wie andere Religionen erwartet es plötzlich Erlösung von der Wiederkehr eines Heilands. Nicht als ein Schlaraffenland der Etbik. in daS die Menschheit plötzlich gelangen wird, sieht es das MessiaSreich an. sondern als ein Ziel schwerer, anhaltender und langer Arbeit des Menschen und der Menschen an sich selber, und wenn am Sedcrabend des BcsreiungSfestes ein Glas Wein für den Propheten EliaS hingcstellt wird, io bedeutet dieses Symbol nicht, datz die Menschheit durch den Zwang alter Formeln und Gebräuche zum Glück der Freiheit und des Friedens geführt wird, sondern durch mildes Verzichten und durch gegenseitiges Zusammenkommen aller GlaubenSrichtungen und auch aller Völker. Nur um segensreichen Trost zum AuSharren und Wciterftreben nach so hohem Ziele bittet der Jude. Deshalb kann und must öer wieöerkehrende EliaS nur den Geist bedeuten, der frei ist von jeder nationalen Eigentümlichkeit des Judentums, öer gewissermaßen ähnlich ist dem jüdischen Versöhnungstag. Sowie die vollkommene Versöhnung mit öer Gottheit nur dann erfolgen kann, wenn der Mensch sich mit seinen Nebenmcuschen völlig ausgesöhnt hat. so mutz auch der Verwirklichung des messianischen Gedankens die Betätigung des Eliasgeistes in unserer Auffassung vorausgehen. — Wenn wir nun die Frage auswerfen, ob sich schon einmal in irgendeinem Menschen diese Auffassung des wiederkchrcnden Elias verwirklicht hat. so müssen wir solche verneinen. Wohl hat Lessing in seinem Nathan eine solche Figur geschaffen, aber dieser Nathan ist eben bisher eine dichterische Jdcalgestalt geblieben. Man sagt zwar. Moses Mendelssohn habe dem Dichter als Bild für seinen Nathan gedient. Gewiß ist Leisinq durch diesen edlen Juden zum Schaffen seines dramatischen Gedichtes „Nathan der Weise" angeregt worden: aber auch Moses Mendelssohn ist von dem Dichter im „Nathan" idealisiert worden. So tief wir ihn verehren und so hoch wir seine Bedeutung für des Judentums En:- wicklung schätzen, der Mann, der das Judentum als geoffenbarte Gci'etzeZreligion ansah. kann uns nicht als ein Elias erscheinen, der alle Geister zusammenführt. Auch die Strömung, die sich zu Anfang der jüdischen Ncformbewegung vor ungefähr einem Jahrhundert zeigte und die zur Verschleierung der Unterschiede anstatt Judentum und Christentum die beiden Bekenntnisse alttestamentarische und neutestamentarische Religion nennen wollte, konnte niemals die Geister zusammenführen. Ebensowenig vermochte dies Moritz von Egiöy. öer Anfang öer Wer Jahre des Jahrhunderts etne neue, von Dogmen freie Richtung des Christentums propagierte. Sein „Einiges Christentum" vermochte die Massen nicht zu erwärmen, die strenggläubigen Richtungen lehnten ihn natürlich ab und die freieren und religionslosen hatten meist nur Spott für ihn. Wenn jemand die Menschen in religiöser Auffassung zusammenftthren will, so kann er es nur von einem Standpunkt aus. öer völlig frei von Dogma und Symbol ist. ohne deshalb frei von Religion zu sein. Die Natur der Menschen ist nun einmal nicht lediglich von Verstand und Vernunft geleitet, auch daS Gefühlsmäßige fordert sein Recht in ihr und wird es immer beanspruchen. Wir seben dies am besten daraus, daß eS in der Politik sehr wohl Persönlichkeiten gegeben hat, die die Gegensätze der Massen wenigstens zeitweilig und in gewissen Beziehungen zu überbrücken verstanden. Schon in der Kunst war dies bisher unmöglich, und erst recht bei den Religionen. So erwartet das Judentum immer noch die Rückkehr des Propheten Elia, der das Werk der Einigung nicht nur zwischen den Angehörigen der eigenen, sondern auch mit denen der anderen Religionen bringen soll. Ta es die Religion ist, die frei von jedem Dogma nur die Erkenntnis der Idee eines einzigen Gottes der gesamten Menschheit und die Liebe zu allen Nebenmenschen, gleichviel welchen Glaubens, fordert, so ist seine Hoffnung berechtigt, daß dieser EliaSgeist aus seinen Grundsätzen und seiner Weltanschauung entsprtetzen wird.

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