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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11 c Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle V« jährlich SL 2.50 Eiuzelnummer 0,20. Bei freier Zusendung i. Inland OLS Iür die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis r: :: u im Mtgliedabeitrage enthalte». :: n r: Chefredakteur: Skpl.-Tng. Bruno Woyda. vis „JÜdisch-lideralv Jettung" erscheint jeven 5rettag. i^evQkttonu. SesÄ)LttsfteUe: verUn X^ilhelmstc« 147. fernmf: Amt Lützoiv Nr. 9160-61 Poftf cbeckkonto: Berlin nwi Nr.mroa» (Vereinigung fflr Las liberale Judentum Nad)bru(k sämtlicher Original-Beiträge nur mit uovDertger Genehmigung Der nebaKiton gestattet. Anzeigenpreise: Die 12gespaliene Ronpareillezeile 0.45 Goldmark» die Rrklamezeile S.OO Goldmark, bei r: u :: Wiederholungen Rabatt. :: :: Anzeigenannahme: »Jüdisch-liberaleZeitung- Znseratenadteilmia: Berlin SD 48» Dilhelmstraße 14? sLützow: 0160-61). sowie sämtt. AnnoneenEppedttionen Nr. 46 Berlin, 13. November 1925 5. Jahrgang M>M»»W^»WW>>»»WMM>»WSWWWWM»WW»>W»>>>>WWWWWMMWWWWWW>W«SSSSSSW Hermann Cohen. Herma«« Cohens Religionsphilosophie. Bon Prof. Dr. Walter Kinkel. Die Bedeutung der Religionsphilosophie Hermann CoheuS*) ist nur von wenigen seiner Zeitgenoffen erkannt «aride». Abgesehen von dem engeren Kreis der Marburger Schule Lat man sich durchweg ablehnend verhalten, und selbst in den jüdischen Kreisen ist das Verständnis für die Sache »och nicht tief genug. In der Unrast unserer Zeit finden mystische und unklare Bestrebungen leichter eine Würdigung als «ine solche aus dem Geiste des Klassizismus und deS Humanismus geborene Philosophie. Gerade darum ist es aber Pflicht, immer wieder auf sie hinzuweisen. In einer jüdisch liberalen Zeitung aber darf man wohl ein besonderes Interesse dafür voraus setzen, da sie ja im Ziele mit Cohens Religions-Philosophie. nämlich dem Dienste an öer Idee der Humanität, übereinftimmt. Wir haben damit schon öaS eigentliche Thema unseres Problems berührt. Humanität ist eine sittliche Forderung, daher entsteht sofort die Frage, wie steht es um das Berhäl-tntS von Religion und Sittlichkeit? Und weiter: wie stebt der modern denkende und wissenschaftlich forschende Mensch zur Religion? Das sind ja grundlegende Fragen, ohne deren Beantwortung man in keine Religtonsphilosophie eindringen kann. Im einzelnen kann man zwgr hier bei Cohen eine Entwicklung und damit im gewiffen Sinne auch ein« Veränderung seines Standpunktes konstatiere»; im Prinzipiellen war sich Cohen immer eindeutig Agr. Dies Prinzipielle läßt sich auf die kurze Formel bringen: Religion und Sittlichkeit dürfe« nie im Widerspruch stehen, und es ist die Pflicht der Anhänger jedes religiösen Bekenntnisses, die eigene Religion im Sinne der Sittlichkeit und Humanität zu idealisieren, oder wenigstens an dieser Idealisierung mitzuarbeiten. Aber während Cohen im Anfang einfach Identität zwischen Religion und Sittlichkeit postuliert, fo möchte er in den letzten Schriften der Religion eine Eigenart zuschreiben, die sie zwar nicht vou der Moral trennt oder ihr entfremdet, die ihr aber ein eigenes Problem auserlegt. Nun must sogleich gesagt werden, daß dieses Problem selbst wieder ein eminent sittliches ist. Wir haben daher bereits auch an anderer Stelle (in unserem Cohenbuchj der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dast es sich bei diesem speziell religiösen Problem zwar um eine Bereicherung der Ethik, aber keineswegs um ein Durchbreche« des Rahmens der Ethik handelt. Es ist aber weder unsere Ueberzeugung, noch war es jemals diejenige Cohens. Last die philosophische Ethik die historisch gegebenen Erscheinungsweisen der Religio» über, flüssig machen sollte, io dast etwa durch einen gesetzgebe» vischen Akt die religiösen Bekenntnisse und Gemeinden aufgehoben und durch einen ethischen Unterricht ersetzt werden sollten. Um dies praktische pädagogische Problem sogleich vorwegzunehmen. so war es vielmehr Cohens Ansicht, daß die ethische Idealisierung der Religionen sich innerhalb der Bekenntnisse und Gemeinden vollziehen müsse, und Satz, damit die Humanität nicht zu kurz käme, und die gegenseitige Berstänöiguna gefordert würde, in den Schulen anstelle einseitig bornierter Dogmatik vielmehr vergleichende Religions, Wissenschaft gelehrt werden müsse. Man kann in gewissem Sinne sagen, hast bereits die Ethik Cohens tief religiös ist: denn das Zentrum und der Gipfel dieser Ethik liegt in der Gottesidee. Aber diese Gottesidee weist Cohen mit der Autonomie, mit der Freiheit und Selbstgesetzgebung des Menschen in Einklang zu bringen. So sehr sich auch im einzelnen bei Cohen die Auffassung über das Verhältnis von Ethik und Religion geändert haben wag. so ist es doch schlechterdings unmöglich, auch die späteste Form seiner Religionsphilosophie sich richtig zu eigen zu machen, ohne wenigstens die allgemeinsten Voraussetzungen seiner Ethik zu kennen. Diese Ethik stellt «ine selbständige Fortentwicklung der kantischen Ethik dar, sie liegt infolgedessen aber auch aanz in der Richtung und im Geiste des Platonismus. Schon Plato hatte die Idee des Guten als die höchste Erkenntnis vom natürlichen Sein geschieden, und bei Kant kehrt dieser Unterschied als der Gegensatz des Seins und Sollens wieder. Die theoretische Philosophie hat <s mit den Grundprinzipien der Naturerkenntnis zu tun. Bereits in ihr regt sich die Autonomie als Sel'bstaefetzgebung. Das Sein der Natur ist nichts dem menschlichen Geist fertig Gegebenes, das er sich aneignen könnte, indem er nur Augen und Ohren auftut. sondern die sinnliche Wahrnehmung fordert das Denken heraus und will aus Prinzipien verstanden sein, die öer Geist nach eigenen Methoden aus dem Denken erzeuaen must. Daher waltet bereits in der Logik das Prinzip des Ursprungs. Das Sein der Natur mutz aus •) Zum Thema vergleiche folgende Schriften von Cohen: ..Religion und Sittlichkeit". Berlin 1907. „Ethik des reinen Willens". 2. Auslage, Berlin 1907. „Der Begriff der Religion im System der Philosophie". Gießen 1915. „Die Religion öer Vernunft ans den Quellen des Judentums". Leipzig 1919. Die drei Bände .Jüdischer Schriften" von Cohen. Berlin 1924. Ferner: W. Kinkel: „Hermann Cohen, eine Einführung in sein Werk". Stuttgart 1924. dem Urspruna des Denkens erzeugt werden. Die grundlegende Methode zur Erzeugung des natürlichen Seins bietet die Differentialrechnung, wie sie von Leiüniz und unter dem Namen öer FluktionSrechnung auch von Newton erfunden worden ist. In Differentialgleichungen beschreibt -er Naturforscher die Gesetze der Natur. Der Disferentialguotient einer Kurvengleichung gibt mir die Einheit des Ursprungs. in der das Gesetz der Erzeugung der Kurve enthalten ist. Gehe ich dann zum Integral über, fo habe ich in ihm die entwickelte Kurve. So finde ich die Beschleunigung als Differential der Bewegung, d. h. als Ursprung der endlichen Bewegungserscheinung. Das Differential ist nichts sinnlich Wahrnehmbares, ich mutz vielmehr von öer endlichen Ausdehnung absehen, um mit Hilfe des Grenzprozeffes zur nur noch gedanklich zu erfassenden Ursprungseinheit vorzudringen. Ich verneine also zunächst einen endlichen Begriff, aber nur um ihn aus der Unendlichkeit des Gedankens wieder zu erzeugen. In der Elbik nun bezieht sich die Autonomie auf den Willen. Der Wille enthält freilich die Erkenntnis der Logik in sich, aber er darf nicht einfach gleichgesetzt werden mit dem Denken. Das Denken vielmehr muß beschwingt und getragen sein vom Affekt. Der Wille stellt daher diese Einheit dar: das Denken stellt das Ziel auf und gibt damit bem Willen seinen Inhalt, aber der Affekt ist öer treibende Motor, der die Willenshandlung in Bewegung erhält. Es kann also das Ziel der Ethik kein sinnlich wahrnehmbares und kein gegebenes sein. Aller Eudämonismus ist damit von vornherein abgelehnt. Das Ziel -er Ethik liegt in der Idee der Menschheit. Die Idee der Menschheit, das bedeutet die Allheit öer Menschheit, und die Autonomie gewinnt jetzt den Sinn, daß der Mensch sein sittliches Selbst nur gewinnen kann, wenn er sich immer und überall in den Dienst der Idee der Menschheit, das heißt der Allheit stellt. Das sittliche Selbst ist dem Menschen weder angeboren noch sonstwie aeaeben. Es bleibt vielmehr, wie die Idee der Menschheit selbst, ewige, unendliche Aufgabe. Sucht man nach einer Form, wie sich die Willen sgemeinschaft der Allheit verwirklichen läßt, freilich nur in unendlicher und ewiger Annäherung. so bietet sich der Begriff des Staates und des Staatenbundes dar. Im Staat und im Staatenhund der Menschheit würde erst öer einzelne wie auch die relativen Mehrheiten des sozialen Lebens sFamilie. Gemeinde) zur vollen sittlichen Auswirkung kommen. Da nun aber so Ziel und Inhalt des sittlichen Willens als Idee, als unendliche Aufgabe erscheinen, entsteht die bange Frage, ob denn diese Verwirklichung in sich möglich sei. ob nicht die Natur der Welt und des Menschen sich diesem Ziel, aufs innigste zu wünschen, versagen? Und sei es auch nur dadurch, dast sich die Natur als widersittlich im Prinzip enthüllt, oder dast einmal das Menschengeschlecht als Träger der Sittlichkeit ausstirbt. dann würde das sittliche Ideal völlig in öer Lpft schweben. Dem widerspricht das Grundgesetz der Wahrheit, in dem öer Gottesbegrisf angelegt ist. Wahrheit ist kein einseitig logischer Begriff. Wir empfinden cs schon, wenn wir von öer Wahrhaftigkeit sprechen, daß hier die Ethik im Spiele ist. Beschränken wir uns auf das Gebiet der Logik, so genügt öer Begriff der Richtigkeit. Wahrheit dagegen bedeutet öaö Sein der Natur für die Sittlichkeit: daß es keinen Widerspruch zwischen Natur und Sittlichkeit geben dürfe, dast der ethische Impuls, der uns weitcrtreibt. vielmehr die Erkenntnis öer Natur zur Voraussetzung habe. Diese Forderung must durch einen besonderen Grundbegriff sichergestellt werden, und diesen findet die Ethik in der Idee Gottes. Gott ist der Gott öer Wahrheit, der Harmonie von Natur und Sittlichkeit und damit zugleich der Bürge dafür, dast die sittliche Sehnsucht und Arbeit Les Menschengeschlechts nicht vergeblich ist. Der Weg zum sittlichen Ideal geht, das können wir gar nicht stark genug hervorheben, auch für das Individuum immer durch die Allheit öer Menschheit. Die Hingabe an die Idee der Menschheit ist Anfang und Ende aller sittlichen Weisheit. Das sittliche Selbst des Ich wird aus dem Du des anderen geboren. Das Ideal -es Selbstes, welches zugleich das Ideal der Allheit der Menschheit ist. stellt zwar die Vollkommenheit da. aber als Aufgabe, die wir zwar im sittlichen Willen antizipieren können, nie aber restlos erreichen. fo daß sich die Freiheit vornehmlich in der ewigen Selbstvervollkommnung dokumentiert. Die Tugenden sind die Wege, welche das sittliche Selbst wandeln must, nm sich dem Ideal ständig anzunähern. Da wird natürlich öer Affekt in Tätigkeit treten müssen, denn wenn man von der Tugend spricht, ist nicht mehr von dem lediglich aus der Erkenntnis des Inhalts des Sittlichen die Rede, sondern von den Pfaden, die man wandeln muß. um dahin zu gelangen. Der sittlichen Affekte nun gibt es zwei. Der Grundafsekt. der sich auf die Allheit unmittelbar richtet, ist der Affekt der Ehre, oder besser gesagt, des Ehrens. Auf die Besonderheiten geht die Liebe. Das Ehren sieht in sittlicher Hinsicht über -em Lieben, sowie die Allheit über der Mehrheit, die ihre Rechtfertigung von der Allheit emofangen muß. Sittliche Besonderheiten, wie die Familie, die Gemeinde, gehen nicht der Idee öer Menschheit voraus, sondern erhalten ihren sittlichen Charakter erst von dieser, also von der Allheit aus. Die Monogamie -er Familie ist deswegen sitüich, weil nur Lurch sie öer Gedanke der Menschheit ven wirklicht werden kann. Diese Unterordnung nun zwischen Allheit und Mehrheit spiegelt sich, wie gesagt, in den Affekten. Die Liebe ist wählerisch, aber ehren soll ich alles, was Menschenantlitz trägt. Danach ordnet Cohen immer einer Tugend der Ehre oder der Allheit eine solche der Mehr, heit oder der Besonderheit zu. Die Wahrhaftigkeit ist eine Tugend öer Ehre oder -er Allheit, die Bescheidenheit eine solche der Liebe oder der Besonderheiten. Im gleichen Verhältnis stehen auch Tapferkeit und Treue, Gerechtigkeit und Humanität. Bei dieser gedrängten und flüchtigen Uebersicht über Cohens Ethik müssen wir es hier bewenden lassen. Es fragt sich nun. wie vollzieht sich von hier aus der Uebergang zur Religionsphilosophie? Aus den älteren Schriften Cohens ist ersichtlich, dast nach dem ursprünglichen Plane im System für die Religionsphilosophie kein Platz war, sondern daß deren Stelle durch die Ethik ausgefüllt sein sollte. Später ist Cohen anderer Meinung geworden. Freilich war es auch dann nicht seine Ueberzeugung. daß die Religion sich von der Ethik unabhängig machen dürfe. Ein Widerstreit zwischen Religion und Sittlichkeit bleibt vielmehr prinzipiell ausgeschloffen. Aber es wollte Cohen nun doch scheinen, daß bei aller innigen Verbindung zwischen Ethik und Religion der Reli-gion eine gewisse Eigenart zukäme. Es läßt sich das leicht begreifen. Schon in der Logik der reinen Erkenntnis war das Einzelne gleichsam als quautite neLÜLenble behandelt, oder um genauer zu sprechen, es empfing allen logische« Wert von der Mehrheit aus. In der Ethik des reinen Willens tritt freilich eine starke Verschiebung ein, bte indessen Cohen selbst nicht hoch genug eingefchätzt hat. Daran wird, wie schon gesagt, festgehalten, Last von der Allheit aus jeder sittliche Wert gewonnen werden muh. Wir haben Las oben an dem Beispiel der Familie für eine sittliche Besonderheit klarzumachen versucht. Wie steht es aber mit dem Einzelnen in öer Ethik. Wenn man die späteren religionsphilofophischcn Schriften Cohens, insbesondere die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums liest und kennt die Ethik des reinen Willens nicht, könnte man der Meinung fein, in dem zuletzt genannten Buch spielte das sittlich Einzelne, und das ist ia doch eben das Individuum, überhaupt keine Rolle« Das wäre aber ein arger Irrtum. Es gibt vielmehr zwei Stellen in öer Ethik des reinen Willens, an denen das Individuum vernehmlich genug zur Sprache kommt. Einmal bei der Erzeugung des sittlichen Selbstes durch die Korrelation znm anderen, und das zweite Mal noch viel deutlicher dort, wo Coden vom SchuldLewusttsein des Menschen spricht. Wenn die Erzeugung des sittlichen Selbstes aus dem anderen überhaupt einen tieferen Sinn haben soll, so kann sie doch nur die energische Apostrophe an den einzelnen bedeuten, sich selbst in allen Handlungen über der Allheit zu vergessen. Keineswegs sind es leere Abstraktionen, von Lenen hier die Rede ist: Lu selbst, dein Ich mutz handeln. Und das Schuldbewusttsein wird nun aar dem einzelnen sehr persönlich in die Seele geschoben. Es findet sich auch bereits in öer Ethik des reinen Willens der lapidare und tiefsinnige Satz: „Die Sünde hat das Individuum zur Entdeckung gebracht." Dennoch war Cohen später der Ueberzeugung. daß daS Individuum zu kurz gekommen sei. Er hat sich in seinen religiösen Schriften zu dem AusLruck verstiegen, in der Religion handele es sich um die Korrelation des absoluten Individuums zu Gott. Ein absolutes Individuum freilich kannte die Ethik des reinen Willens nicht. Wenn man das Wort in seiner strengsten Bedeutung nimmt, so darf sie cs auch nicht kennen: Lenn ein irgendwie absolutes Sein würde die Bande des Systems überhaupt sprengen. Wäre denn das absolute Individuum, sofern ich es zu erkennen suche, sofern ich überhaupt von ihm sprechen will, nicht auch Begriff? Und wäre es nicht eben dadurch wieder auf die Allheit projiziert? Nun, wir wollen unsere Leser sogleich versichern. dast Cohen diesen dogmatischen Begriff eines absoluten Individuums, das irgendwie in mystischer Weise eine gesonderte Existenz außerhalb der Allheit der Menschheit führt, niemals gehabt und niemals systematisch verwertet hat. In dem Wörtchen absolutes Individuum kann man. wenn man es nur richtig versteht, eine wertvolle Ergänzung und sogar Korrektur seiner früheren Schriften erkennen. Man braucht nicht zur Religion zu flüchten, sondern schon innerhalb der Ethik bedarf das Individuum einer höheren Schätzung als es trotz aller Anstrengung in der Ethik des reinen Willens gesunden hat. Die Beziehung Les einzelnen zu Gott bedarf freilich der Bermittluna durch die Allheit. Aber die Allheit hebt das einzelne nicht auf, und so bleibt diese Beziehung doch die des einzelnen zu Gott. In dieser Hinsicht bietet die Religion der Vernunft also eine wichtige Ergänzung der Ethik. Aber nicht nur das. Cohen weist ja jedem Menschen die Pflicht zu. an der Fortbildung der Religion im Sinne der Entfaltung der Humanität mitzuarbeiten. Die Philosophie must hier Führerin sein. Die unvergleichliche Leistung Cohens aus diesem Gebiete wird die Zeiten überdauern. Das innige Verhältnis, in dem Cohen zur Religion seiner Väter lebte, hat ihn niemals blind für die Vorzüge fremder Religionen gemacht. Ha. er ist darin gegenüber dem Christentum oft so weit gegangen, daß die engherzigen Geister unter seinen Glaubensgenossen ihm nicht zu folge»

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